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Läuft alles nach Gottes Plan?
1. Frage
2. Widerspruch oder Geheimnis?
3. Beispiele
3.1. Hiob
3.2. Josef
3.3. Jesus
3.4. Die ersten Christen
3.5. Paulus
3.6. Die Weltgeschichte
4. Schlussfolgerung
Wie vereinbart man die christliche Vorstellung, daß der Mensch einen freien
Willen hat damit, daß gleichzeitig alles scheinbar auf Gottes Plan hinausläuft
bzw. Teil davon ist? Für mich ist das einer der groben Widersprüche des
christlichen Glaubens, durch den er an Schlüssigkeit verliert und sich selbst
auflöst.
Ich möchte die Antwort gleich vorwegnehmen und sie dann erläutern:
Es handelt sich nicht um einen Widerspruch sondern um ein göttliches
Geheimnis. Die Bibel lehrt sowohl das souveräne Planen und Walten Gottes als
auch den freien Willen und die Verantwortlichkeit des Menschen. Sie wirken auf
eine den menschlichen Intellekt übersteigende Art zusammen und erzeugen eine
gesunde Spannung, sodaß sich der Mensch weder vor Gott seiner Leistungen
rühmen noch sich seiner Verantwortung vor ihm entziehen kann.
Es ist nicht etwa so, daß ein Autor der Bibel dies und ein anderer jenes
sagt. Wir haben es hier nicht mit einem Widerspruch zu tun, der sich daraus
ergibt, daß viele Leute über viele Jahrhunderte vieles gesagt und geschrieben
haben. Die Autoren halten bewußt auf konsistente Art und Weise beide Tatsachen
fest - oft sogar innerhalb eines Verses oder eines Absatzes (siehe Beispiele
weiter unten).
Jesus selbst hat sehr klar an den Willen des Menschen appelliert und
gleichzeitig Gottes Plan und Wirken in allem gesehen. Das ist für mich der
deutlichste Hinweis, daß es sich nicht um einen Widerspruch handelt. Denn Jesus
war in seinem Denken und Leben alles andere als widersprüchlich. Er war der
"ganzheitlichste" Mensch, der jemals lebte. Und nicht nur das - er war
Gottes fleischgewordenes Wort.
C.H. Spurgeon, der bekannte Evangelist des 19. Jahrhunderts antwortete auf
die Frage, wie er diese beiden Konzepte versöhne: "Ich würde es gar nicht
versuchen. Ich versöhne niemals Freunde."
Die Widerwilligkeit, beide Konzepte festzuhalten kommt daher, daß Menschen
nur ungern die Grenzen ihres Verstandes erkennen, Gott Gott sein lassen und
Geheimnisse in der Offenbarung Gottes akzeptieren.
Jes 55,9 Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind
meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.
Aus diesem Grund wird es, muß es - solange wir auf der Erde leben - Dinge
geben, die wir nur glauben, aber nicht verstehen können. Das soll keine Absage
an den Verstand sein. Es heißt nur, daß der Verstand unser Diener ist und wir
seine Grenzen anerkennen müssen - wenn nicht, begehen wir den großen Fehler
der Anmaßung und Selbstüberschätzung, den Gott nicht hinnehmen wird:
Jak 4,6 Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt
er Gnade.
Damit die Antwort nicht zu abstrakt ausfällt, möchte ich das Zusammenwirken
von Gottes Plan und dem Willen des Menschen anhand von ein paar Beispielen
zeigen:
Im ältesten Buch der Bibel lesen wir:
Hi 1,8-11 Da sprach der HERR zum Satan: Hast du meinen Knecht
Hiob beachtet? Denn seinesgleichen ist nicht auf Erden, ein so ganzer und
gerader Mann, der Gott fürchtet und vom Bösen weicht. Satan antwortete dem
HERRN und sprach: Ist Hiob umsonst gottesfürchtig? Hast du nicht ihn und sein
Haus und alles, was er hat, ringsum eingehegt? Das Werk seiner Hände hast du
gesegnet und seine Herden breiten sich im Lande aus. Aber strecke deine Hand
aus und taste alles an, was er hat; laß sehen, ob er dir dann nicht ins
Angesicht den Abschied geben wird!
Gott gestattet Satan, Hiob alles bis auf sein Leben zu nehmen, und nun
beginnt ein moralischer Kampf auf der Bühne der Weltgeschichte: Wird Hiob sich
von Gott lossagen (was ihm sogar seine eigene Frau empfiehlt), nachdem ihm alles
bis auf sein Leben - Besitz, Kinder, Gesundheit - geraubt wurden? Obwohl Hiob
mit Gott hadert, hält er doch an ihm als seiner einzigen Hoffnung fest. Am Ende
der Geschichte hat Hiob viel dazu gelernt, Gott gibt ihm alles, was er vorher
hatte, doppelt zurück. Die Rechnung Satans geht nicht auf. Sein böse gemeinter
Anschlag auf Hiob dient letztlich dem Plan Gottes, Hiob zu segnen und zu zeigen,
daß es echte Gottes-Leute gibt, die - wenn auch mit Schwachheit behaftet - Gott
nicht aus Berechnung sondern von Herzen fürchten und lieben.
Im 1. Buch Mose lesen wir die Geschichte von Josef: Er wurde von
seinen eifersüchtigen Brüdern als Sklave nach Ägypten verkauft (ursprünglich
wollten sie ihn sogar umbringen). Gott führte es, daß er dort bis zum
Stellvertreter des Pharao aufstieg und mit der Getreidesammlung und -verteilung
während der jahrelangen Hungersnot betraut wurde. Als seine Brüder kommen, um
Getreide zu kaufen und er sich ihnen schließlich zu erkennen gibt, sagt er:
1Mo 45,5 Aber ihr braucht euch nicht zu fürchten. Macht euch
keine Vorwürfe, daß ihr mich hierher verkauft habt, denn Gott wollte es so!
Er hat mich vorausgeschickt, um euch zu retten.
Unter Verwendung des schuldhaften Handelns der Brüder wirkte Gott, um ganz
Ägypten und das entstehende Volk Israel aus der Hungersnot zu erretten.
Joh 6,37 Alle Menschen, die mir der Vater gibt, werden zu mir
kommen, und keinen von ihnen werde ich zurückstoßen.
Mt 11,28 Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter
eurer Last leidet! Ich werde euch Frieden geben.
Für Jesus ist das kein Widerspruch: Er ladet alle sich Abmühenden ein, zu
ihm zu kommen. Er wird keinen abweisen, der zu ihm kommt. Aber er weiß auch,
daß nur diejenigen kommen werden, die ihm der Vater gegeben hat, und die der
Vater zieht. Zugleich ist er zutiefst traurig über diejenigen, die nicht zu ihm
kommen wollen, weil er weiß, daß sie dem Verderben entgegen gehen:
Lk 19,41-42 Als Jesus Jerusalem vor sich liegen sah, weinte er über
die Stadt. Der Friede war dir so nahe, warum nur wolltest du ihn nicht haben?
Und auch jetzt willst du ihn nicht, sagte Jesus traurig.
Apg 4,24-28 Da beteten alle gemeinsam zu Gott: Herr, du hast den
Himmel, die Erde und das Meer erschaffen und dazu alles, was lebt. Es sind
deine Worte, die unser Vater David, dein Knecht, durch den Heiligen Geist
gesprochen hat: 'Warum toben die Heiden, und weshalb schmieden die Völker
ihre nutzlosen Pläne? Die Machthaber der Erde rüsten auf, und alle Herrscher
verbünden sich zum Kampf gegen Gott und seinen Christus.' Genau das ist in
dieser Stadt geschehen. Sie haben sich verbündet: Herodes und Pilatus, die
Römer und ganz Israel. Sie sind eins geworden im Kampf gegen Jesus, deinen
heiligen Sohn, den du erwählt hast. Doch sie erfüllen nur, was du in deiner
Macht schon seit langem beschlossen hast.
Es ist erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit die ersten Christen
alles Böse, das Jesus angetan wurde, als von Gott seit langem beschlossen und
vorhergesagt erkannten.
Phil 2,12-13 Darum, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam
gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch vielmehr in
meiner Abwesenheit, vollendet eure Rettung mit Furcht und Zittern; denn Gott
ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt, nach
Seinem Wohlgefallen.
Daß Gott das Wollen und das Ausführen zu seinem Wohlgefallen wirkt, ist
nicht Grund, die Hände in den Schoß zu legen und die eigene Verantwortung auf
Gott zu schieben, sondern vielmehr, gehorsam zu sein und mit Furcht und Zittern
die Errettung zu vollenden (wörtl.: auszuwirken).
1Kor 15,10 Alles, was ich bin, bin ich allein durch Gottes
vergebende Gnade. Und seine Gnade hat er mir nicht vergeblich geschenkt. Ich
habe mich mehr als alle anderen eingesetzt, aber das war nicht meine Leistung,
sondern Gott selbst hat dieses in seiner Gnade bewirkt."
Paulus weiß: Durch Gottes Gnade ist er, was er ist. Und gerade dieses Wissen
beflügelt ihn, sich mehr als alle anderen anzustrengen - aber eigentlich ist es
nicht seine sondern Gottes Leistung.
Was wir an einzelnen Beispielen gesehen haben, vollzieht sich auch, wenn man
das große Bild der Weltgeschichte betrachtet: Satan meint es böse, möchte
Gott ins Handwerk pfuschen, möchte seinen Plan verderben, und zu diesem Zweck
spannt er auch die von ihm verführten Menschen ein. Doch Gott wird alles zu
seinem Ziel bringen, nichts und niemand kann ihn davon abhalten, aber alle, die
gegen ihn kämpfen - ob bewusst oder unbewusst - tragen die Verantwortung und
die Konsequenzen dafür, sie werden keine Ausrede vor dem gerechten
Weltenrichter haben. Andererseits werden alle reichlich belohnt, die sich unter
die mächtige Hand Gottes unterordnen und Gottes Mitarbeiter werden wollen. Doch
der Ruhm dafür gebührt Gott, weil seine Gnade es gewirkt hat.
Wie betrifft uns nun das Spannungsfeld zwischen Gottes Souveränität und
unserem freien Willen. Wir können fragen:
Röm 9,19 ... Wie kann Gott dann noch von unserer Schuld sprechen?
Wer kann denn etwas gegen Gottes Willen unternehmen?
Der heilige Geist antwortet darauf durch Paulus:
Röm 9,20 Darauf kann ich nur antworten: Wer seid ihr denn
eigentlich, ihr Menschen, daß ihr meint, Gott zur Rechenschaft ziehen zu
können? Glaubt ihr wirklich, daß sich der Schöpfer vor seinen Geschöpfen
verantworten muß?
Wenn Gott, unser Schöpfer und Richter mit einem Gebot, nämlich dem Gebot
der Umkehr und des Glaubens an Jesus Christus, an uns herantritt, wenn er an
unseren Willen appelliert, gibt es nur eines: Gehorsam. Jedes Theoretisieren, ob
man überhaupt einen freien Willen hat, ob Gott nicht widersprüchlich ist, ob
er nicht ungerecht ist, ist fehl am Platz und wird uns nichts nützen - im
Gegenteil, wir überantworten uns damit selbst Gottes gerechtem Gericht. Jesus
sagte:
Joh 12,48 Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, hat
den, der ihn richtet: das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am
letzten Tag.
Ein Mensch, der Gott gehorcht hat, indem er umgekehrt ist und sich Jesus
anvertraut hat, weiß einerseits, daß Gott souverän herrscht, daß ihm nichts
entglitten ist und nichts entgleiten kann, und er zieht gerade daraus seinen
Trost, seine Zuversicht: Dieser große Gott will mich segnen - denn er liebt
mich, und er kann mich segnen - denn er herrscht unumschränkt, und niemand kann
seinem Willen widerstehen. Auch weiß er, daß er alles Gute in seinem Leben, ja
sogar den Glauben selbst, Gott zu danken hat und nicht sich selbst.
Andererseits weiß er, was von ihm erwartet wird, wenn Gott ihn durch sein
Wort ermahnt, ihn auffordert, das Böse zu lassen und das Gute zu tun: Ein
willentliches Ja zu Gottes Geboten und der praktische Gehorsam - begleitet vom
Gebet, daß Gott Kraft und Gelingen geben möge.
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