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Gibt es heute noch Apostel und Propheten?
Einleitung
Die Römisch-Katholische Kirche beansprucht die apostolische Sukkzession, die
Neuapostolische Kirche hat Apostel und Propheten, ebenso die Mormonen, und auch
im pfingstlich/charismatischen Umfeld nennen sich viele Propheten. Kann es sein,
daß heute noch Menschen von Gott mit der gleichen absoluten Autorität
ausgestattet werden wie die Apostel und Propheten des Neuen Testaments? Kann es
sein, daß heute Menschen im Namen Gottes weissagen "So spricht der Herr:
..."? Letztlich führen diese Fragen zum Kern des Glaubens selbst,
nämlich zur Frage: "Was ist die von Gott geoffenbarte Wahrheit?"
Begriffsklärung
"Apostel" heißt übersetzt "Gesandter/Bote" und wird im
Neuen Testament in verschiedenen Zusammenhängen verwendet:
- Gesandter im allgemein üblichen Sinn (z.B. 2Kor 8,23).
- Die Zwölf, die Jesus selbst berief und auch Apostel nannte (Lk 6,13). Nach dem
Selbstmord von Judas wurde dieser durch Matthias ersetzt (Apg 1,21-26).
- Zusätzlich zu den zwölf Aposteln gab es noch einige weitere, die im Neuen Testament
Apostel genannt werden: Paulus, Barnabas (Apg 14,14),
Jakobus, der Bruder des Herrn (Gal 1,19), vielleicht Andronikus und Junias (Röm 16,7 kann entweder bedeuten, daß die beiden
Ansehen seitens der Apostel genossen, oder daß sie selbst herausragende Apostel waren).
Zusätzlich mag es noch weitere gegeben haben, die nicht ausdrücklich erwähnt sind. Die
Unterscheidung der übrigen Apostel von den Zwölfen geht aus 1Kor 15,5-7 hervor. Allen
aber ist der Auferstandene erschienen.
"Prophet" bedeutet eigentlich "der für [Gott]-Erklärende", daher "der, durch den Gott redet bzw. sich offenbart".
Es gibt Propheten im Alten und im Neuen Testament. Sie alle haben gemeinsam, daß ihnen
Offenbarungen von Gott gegeben wurden, um in seinem Namen zu ermahnen, aufzuerbauen und
bisher Verborgenes zu enthüllen (dazu zählt insbesondere die Vorhersage zukünftiger
Ereignisse).
Kriterien für wahre Apostel
- Sie waren von Jesus berufen und gesandt (Joh
20,21; 1Kor 1,1).
- Sie sahen den Herrn Jesus (1Kor
9,1-2; 15,5-8).
- Ihnen (und den Propheten) wurde das Geheimnis der Gemeinde Christi geoffenbart (Eph 3,3-5).
- Sie legten (gemeinsam mit den Propheten) die neutestamentliche Lehre ein für allemal
fest (Apg 2,42; Eph 2,20; 2Petr 3,2; Jud 1,3).
- Ihr Werk (Menschen die zum wahren Glauben gekommen sind und in diesem auferbaut wurden)
spricht für sie (1Kor 9,1-2).
- Sie vollbrachten göttliche Wunder und Zeichen (Apg 1,21-22; 2,43;
5,12; 2Kor 12,12; Hebr 2,3-4).
Kriterien für wahre Propheten
- Sie hatten Offenbarungen und eine Sendung von Gott (Eph 3,3-5) .
- Ihr Reden war im Einklang mit dem geoffenbarten Wort Gottes, anderenfalls waren es
falsche Propheten, selbst wenn sie Zeichen und Wunder wirkten (5Mo 13,3-6).
- Ihre Weissagungen trafen immer ein (5Mo 18,20-22).
Apostel und Propheten - das Fundament
Die Offenbarung des Evangeliums ist nicht eine immer weiter fortschreitende, vielmehr
ist der Glaube ein für allemal den Heiligen überliefert worden (Jud 1,3). Auf diese
Grundlage der Apostel und Propheten ist die Gemeinde aufgebaut (Eph 2,19-20). Ein
Fundament wird nur einmal gelegt (siehe auch Hebr 2,3-4; 2Petr 3,2). Die Bibelstellen über
die Inspiration der biblischen Schriften (2Petr 1,20-21, 2Tim 3,16) beziehen sich nicht nur
auf die alttestamentlichen Schriften sondern auch auf die prophetischen Schriften des
Neuen Testaments (Röm 16,25-26). In 2Petr 3,15-16 stellt Petrus die Paulusbriefe praktisch
auf eine Ebene mit den Schriften des Alten Testaments, indem er von "allen
Briefen" des Paulus und den "übrigen Schriften" redet.
Nachdem der Glaube durch die Apostel und Propheten überliefert und später auch
niedergeschrieben war, trat der Dienst der Lehre (d.h. die geoffenbarte Wahrheit so
"rüberbringen", daß sie verstanden und angewendet wird) in den Mittelpunkt
(siehe z.B. in den Hirtenbriefen:
1Tim 3,2; 4,6.11.13; 5,17; 6,2;
2Tim 2,2.24; 4,2;
Tit 1,9; 2,1.7.
Besonders hervorzuheben sind:
- 1Tim 4,13: In der Abwesenheit des Apostels gilt es nicht, auf neue Offenbarungen zu
warten, sondern das Geoffenbarte vorzulesen, in Erinnerung zu rufen, zu lehren.
- 2Tim 2,2: Der Auftrag für das
spät- und nachapostolische Gemeindezeitalter war: Die
Lehre der Apostel (Apg 2,42) treuen und lehrfähigen Menschen weiterzugeben. Man könnte
es auch so ausdrücken: Der Auftrag an den neutestamentlichen Hirten ist, die gesunde
Lehre unverfälscht von den Aposteln (bzw. der Heiligen Schrift) zu empfangen und sie
ebenso unverfälscht an Menschen weiterzugeben, die sie ihrerseits wieder unverfälscht
weitergeben.
1Kor 15,5-8 bedeutet wahrscheinlich, daß Paulus - als Letzter, der Jesus sah - der
letzte Apostel war; es gibt keinen Hinweis darauf, daß sich Jesus danach noch anderen
zeigte. Ab dem 2. Jahrhundert galt für die Kirchenväter das Zeitalter der Apostel und
Propheten als abgeschlossen. So hielten es auch die Reformatoren.
Falsche Apostel und Propheten
Man muß mit falschen Aposteln rechnen und sich vor ihnen hüten (2Kor 11,13-15), ebenso
vor falschen Propheten, besonders in der Endzeit (Mt
7,15; 24,11). Aus Bewegungen, die
nach dem 1. Jahrhundert behaupteten, Apostel, Propheten oder entsprechende absolute
Autoritäten hervorzubringen, entstanden unbiblische Lehren und nachweislich falsche
Prophetien; z.B. bei den Montanisten, der Kirche von Rom, den Mormonen, den Zeugen
Jehovas, der Katholisch-Apostolischen und der Neuapostolischen Kirche und auch im
pfingstlich/charismatischen Umfeld.
Diejenigen, die sich heute Apostel und Propheten nennen, lassen oft keinen
Zweifel, keine kritische Prüfung ihrer Echtheit zu. Dabei fordert uns die Heilige Schrift
genau dazu auf (1Jo 4,1). Die Gemeinde in Ephesus wird ausdrücklich vom Herrn dafür
gelobt (Offb 2,2).
Resumée
Es gibt heute keine Apostel mehr - obwohl es natürlich viele Parallelen
zwischen Missionaren und Aposteln gibt. Es gibt heute auch nicht mehr diese Art
von Propheten, die Gott als direkte Sprachrohre verwendet, die unfehlbar sind in ihren
Weissagungen und deren Weissagungen in der Bedeutung der Bibel gleichkommen. Um
so wichtiger ist
der Dienst der Hirten und Lehrer, nämlich das geoffenbarte Wort Gottes mit Hilfe des
Heiligen Geistes zu studieren, zu erfassen, verständlich zu machen, anzuwenden, ja sogar
dafür zu kämpfen (Jud 1,3).
Dieser Dienst trägt auch prophetische Züge in dem Sinn, daß im Namen Gottes
ermahnt und erbaut wird, aber er besitzt nicht die gleiche Autorität wie das
Prophetenamt des Alten und des Neuen Testaments. Dieses Bibelverständnis ist
natürlich nicht das einzige und absolute, aber es ist immerhin im Einklang mit
den Kirchenvätern der ersten Jahrhunderte und mit den Reformatoren. Wer der
Meinung ist, daß es heute noch Propheten gibt, der sollte diese zumindest nach
biblischen Kriterien prüfen - jede Weissagung, die nicht eintrifft, oder in
irgendeinem Widerspruch zur Bibel steht, entlarvt den Sprecher als falschen
Propheten.
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