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Erwählung und freier Wille
Die Souveränität Gottes und seine freie Gnadenwahl einerseits und der freie
Wille und die Verantwortlichkeit des Menschen vor Gott sind zwei biblische
Grundwahrheiten, die für viele Missverständnisse, hitzige Debatten und
Spaltungen im Reich Gottes geführt haben. Die Frage, die sich stellt ist, wie
wir diese beiden, scheinbar unvereinbaren Wahrheiten, miteinander versöhnen.
Die Antwort, die Spurgeon auf diese Frage gab, war: Ich würde es gar nicht
versuchen, ich versöhne niemals Freunde. Ich hoffe, dass im Laufe dieses Studiums klar
wird, was er damit gemeint hat. Dazu müssen wir diese Lehren zuerst einmal klar
von der Schrift her verstehen, um dann zu lernen, sie richtig anzuwenden.
Inhalt
1. Die Verantwortlichkeit des Menschen vor Gott
2. Gottes Souveränität
3. Gottes freie Gnadenwahl
3.1. Röm 9,6-18
3.2. Röm 8,28-30
3.3. Eph 2,1-10
3.4. Berufung
4. Entweder oder?
4.1. Arminianer
4.2. Hyper-Calvinisten
5. Gottes souveräner Wille und sein moralischer Wille
6. Ist Gott in seinem Ratschluss nicht ungerecht?
7. Sowohl als auch!
7.1. Göttliche Geheimnisse
7.2. Biblische Vorbilder
7.3. Evangelisation und Erwählung
8. Zusammenfassung
8.1. Die Souveränität Gottes
8.2. Die Verantwortlichkeit des Menschen
8.3. Schluss
9. Anhang 1: Zitate
10. Anhang 2: Der Umgang mit den "anderen"
11. Anhang 3: Literaturhinweise
Der Mensch hat einen (bis zu einem gewissen Maß) freien Willen und ist damit
vor Gott verantwortlich, was er mit der Erkenntnis Gottes und seiner Forderungen
macht. Diese Tatsache zieht sich durch die Bibel von den ersten Seiten
(1Mo 2,17: Du sollst nicht essen ...) bis zu den letzten (Offb 22,17: Wer will, nehme
das Wasser des Lebens umsonst). Die Forderungen Gottes an den Menschen und sein
Gerichtshandeln ergeben nur einen Sinn, wenn man die grundsätzliche
Entscheidungsmöglichkeit des Menschen voraussetzt. Durch die ganze
Menschheitsgeschichte hindurch appellierten Engel, Propheten, besonders aber
Jesus und seine Gesandten (Hebr 1,1) an den Willen des
Menschen, Gott zu fürchten
und ihm die Ehre zu geben (5Mo 32,3; Offb 14,6-7). Die Hörer werden schärfstens
davor gewarnt, den abzuweisen, der vom Himmel her redet (Hebr 12,25).
Weil die Verantwortlichkeit des Menschen vor Gott für einen Christen in der
Regel (theoretisch) leicht verständlich, werden wir hier nicht näher darauf eingehen sondern uns der
schwerer verständlichen Lehre von der Souveränität Gottes zuwenden. Das soll
nicht heißen, dass dem Christen nicht immer wieder seine Verantwortung bewusst
gemacht werden muss - aber dazu ist an dieser Stelle nicht Platz.
Was meinen wir mit der Souveränität Gottes? Wir meinen damit, dass Gott
einen ewigen, unverrückbaren, vollkommenen Ratschluss für seine Schöpfung
gefasst hat, den er genau so ausführen wird:
- Gottes ewiger Ratschluss ist unveränderlich (Ps 33,11);
- Gott führt aus, was ihm gefällt (Ps 135,6; Spr 19,21; Jes 46,10).
- Er wirkt direkt ins Herz von Menschen hinein, um ihre Gedanken zu lenken,
mitunter auch um sie zu verstocken (2Mo 4,21; Esr 6,22; Ps 105,25; Spr 21,1;
Röm
9,17-18; 11,25-26).
- Gottes Erbarmen und Gnade wirken nicht in Abhängigkeit von Menschen,
sondern nach seiner freien Auswahl (Röm 9,11.18).
- Es gibt nichts im Universum, auch kein Unglück, das nicht der Herr durch sein
Agieren oder durch sein Zulassen bewirkt (Hi 2,10; Kla 3,37-38;
Am
3,6; Mt 10,29).
- Die ganze Leidensgeschichte Jesu war von Gott geplant (Apg
2,23; 4,27-28).
Er hat Verrat, Verleumdung, Geißelung und Hinrichtung in seinen Plan
eingebaut. Es musste so kommen, doch wehe, durch wen es geschah (Lk 22,22).
- Auch die letzten Ereignisse der Weltgeschichte sind von Gott geplant. Er
ist nicht nur Beobachter der Gottlosen, er selbst gibt ihnen (mitunter) ins
Herz, in der Ausführung ihrer gottlosen Pläne nach seinem Sinn zu tun (Offb 17,17).
Ein Aspekt der Souveränität Gottes ist seine freie Gnadenwahl. Worauf
begründen wir die Lehre von der freien Gnadenwahl Gottes, und was meinen wir
damit? Im Folgenden die wichtigsten Bibelstellen dazu, von denen wir einige
genauer studieren werden:
AT: 5Mo
4,37; 7,6-8; 10,14-15; 14,2
NT: Apg 13,48; Röm 8,28-30; Röm 9,6-24; Gal 1,15-16; 1Kor 1,27-28; Eph 1,4; 2Thes 2,13
Hier haben wir eine der unmissverständlichsten Bibeltexte zu unserem Thema.
Wir lernen daraus unter anderem Folgendes:
- Das Prinzip der Erwählung wird an der Geschichte des Volkes Israel
sichtbar. Gott hat nicht nur Abraham erwählt, sondern aus Abrahams Söhnen
nur den Isaak und aus Isaaks Söhnen nur den Jakob.
- Gott erwählte Jakob vor Esau, bevor sie Gutes oder Böses getan hatten,
sodass der Grund für die Erwählung allein in Gottes Vorsatz und nicht
aufgrund von Werken des Erwählten war.
- Gott liebte den Jakob und hasste den Esau.
- In all dem ist Gott nicht ungerecht.
- Er wendet sein Erbarmen nach freier Auswahl zu, wem er will.
- Nicht auf den wollenden und handelnden Menschen sondern auf den
erbarmenden Gott kommt es letztlich an.
- Gott hat nicht nur das Recht, sich zu erbarmen über wen er will, sondern
auch zu verhärten, wen er will, um seine Macht an denen zu zeigen, die ihm
widerstehen.
Diese Stelle wird oft verwendet, um die Vorherbestimmung Gottes
als bloßes Vorhersehen/Vorherwissen Gottes zu erklären. Eine sorgfältige Auslegung des Textes
lässt dies jedoch nicht zu:
Das Strong's Lexikon zu dem in V.
29 mit vorher erkennen übersetzten Wortes pro-ginosko:
< 4253 + 1097 , (w.
vor[her]-kennen [bzw. vorher-beschließen]); Vb.
(5) Gräz.: im Vorhinein einen Beschluss fassen. LXX: nur in d. Apokryphen:
etw. im voraus wissen. I.) vorher kennen 1) von Menschen: etw. im voraus wissen, jmdn. von
früher her kennen. Apg 26,5; 2Petr 3,17
II.) vorher erkennen 1) von Gott: jmdn. im voraus erkennen (d.h. jmdn. im voraus zu etwas ausersehen und
bestimmen); im vorhinein einen Beschluss fassen mit jmdm. etw. Bestimmtes zu
tun; jmdn. für eine bestimmte Aufgabe im voraus auswählen. Röm
8,2; 11,2; 1Petr 1,20
Anmerkung: Röm 11,2 b ist eine Anspielung auf Am 3,2 in d.
LXX. Dort
steht aber nicht proginosko sondern nur ginosko 1097 wie übrigens auch in
d. LXX in: Ps 1,6! Damit wird auch deutlich, dass mit proegno nicht gemeint
sein kann: etw. im vorhinein wissen, sondern, die zugrundeliegende Bedeutung
des hebr. Wortes 03045 vorliegt, was dann die Bedeutung ergibt: Gott nahm
schon in Ewigkeit in erwählend-bestimmender Form Kenntnis von Israel (bzw.
von den Auserwählten [so in Röm 8,29 ]) und darum verstößt er sein Volk
auch nicht, wenn sie ungehorsam sind, sondern er züchtigt sie und errettet
auf jeden Fall in der Zukunft einen Überrest aus dem Volk!
Gegen die Auslegung, dass Gottes Erwählung und Vorherbestimmung ein bloßes
Vorherwissen ist, sprechen auch einfach die Ausführungen von Paulus im
folgenden Kapitel (z.B. Röm 9,11.16).
Die Aussage dieses Abschnittes ist folgende: Gemäß Gottes ewigem Vorsatz
hat er uns schon zuvor (d.h. bevor wir noch existierten) in erwählender/liebender Zuwendung erkannt und bestimmt, dem Bild seines Sohnes
gleichförmig zu sein. Als es ihm gefiel (Gal 1,15-16), hat er uns dann mit unwiderstehlichem
Ruf berufen. Die vorher Erkannten sind
zugleich die zur Sohnschaft Bestimmten, die Berufenen, Gerechtfertigten und Verherrlichten.
D.h. das Vorher-Erkennen Gottes beschränkt sich genau auf diejenigen, die er
rettet.
Das Wunderbare an Röm 8,28-39 ist ja gerade, dass Gottes Liebe zu uns durch
nichts anderes bedingt ist als durch seine freie Gnadenwahl. Daher kann nichts
und niemand uns von dieser Liebe trennen. Darum brauchen wir uns auch vor keiner
Anklage zu fürchten. Wenn Gott, der souveräne Gesetzgeber und Richter uns
erwählt hat, um uns in Christus zu begnadigen ganz unabhängig von unseren
Werken (siehe auch Eph 2,8-9) - wer will uns dann anklagen?
Der Mensch, wie er geboren wird, ist tot in Bezug auf Gott - tot in seinen
Sünden und Übertretungen. Sein Wille ist gefangen vom Fürsten dieser Welt, es
gibt keine wie auch immer geartete Regung in ihm, die ihn Gott näher bringen
könnte. Was kann ein Toter beitragen, um wieder lebendig zu werden? Absolut
nichts. Daher muss Gott allein aufgrund seines Vorsatzes die Toten lebendig
machen, sodass gilt: Wir sind aus Gnade gerettet, durch Glauben, aber selbst der
Glaube ist Gottes Geschenk. Es bleibt nicht ein Funke eines Verdienstes oder
eines Ruhmes für uns. Über unserem Leben steht: Wir sind sein Werk,
geschaffen in Jesus Christus zu guten Werken, die Gott vorher bereitet
hat, dass wir in ihnen wandeln sollen. Von Gottes ewiger Warte her gesehen, sind
also sowohl Errettung als auch Heiligung Werke Gottes.
Einer der Hauptpunkte der calvinistischen Lehre ist die unwiderstehliche Gnade
oder auch wirksame Berufung. Damit ist gemeint, dass Gott zur ihm
wohlgefälligen Zeit seine Erwählten beruft. Das ist der Moment, in dem seine
Gnade für sie wirksam wird. Wer auf diese Weise von Gott berufen wird, der
folgt auch seinem Ruf, der wird auch gerechtfertigt und verherrlicht. Die Kette
in Röm 8,29-30 ist durchgängig: von der Vorherbestimmung über die Berufung
zur Verherrlichung.
Es reichte nicht, dass Gott Christus für uns sterben ließ und uns in ihm
die Versöhnung anbot. Er musste uns außerdem mit Macht aus den Toten ins Leben
rufen, unseren Willen befreien, um sein Angebot überhaupt annehmen zu können.
Das war notwendig, weil der natürliche Mensch nichts vom Geist Gottes annimmt
und es auch nicht erkennen kann (1Kor 2,14), weil er absolut tot ist in Bezug
auf Gott, völlig in der Sünde gefangen (Eph 2,1-3).
Das soll aber nicht heißen, dass Gott unseren freien Willen übergeht.
Vielmehr öffnet er uns die Augen unseres Herzens, und befreit unseren Willen,
sodass wir eine Entscheidung für ihn treffen können. Wer wollte nicht gerettet
werden, wenn er mit göttlich klarem Blick die Konsequenzen seiner Entscheidung
für Zeit und Ewigkeit sehen könnte?
Wenn Gottes Berufung unbedingt wirksam ist, wie ist dann Mt 22,14 zu verstehen: "Denn viele sind Berufene,
wenige aber Auserwählte."?
Worte haben keine starre Bedeutung, sondern
gewinnen sie aus dem Zusammenhang. Es handelt sich offenbar um eine andere Art von
Berufung als die eben beschriebene. Während es in Röm 8,29 um die machtvolle Berufung
im Sinne einer Auferweckung aus den Toten geht, ist in Mt 22,14 von der Berufung im Sinne einer
Einladung die Rede, die an viele ergeht, aber nur von wenigen (Auserwählten)
angenommen wird. Besonders gilt dies für Israel. Sie waren als ganzes Volk
berufen, die Einladung des Evangeliums galt zuerst ihnen. Doch weil sie es
ablehnten, ging das Wort Gottes an die Nationen. Jeder der will, darf zum Fest
kommen - aber nur wenn er sich auch ein Hochzeitsgewand schenken lässt, wird er
bleiben. Nur diejenigen, die Gottes Einladung annehmen und in der von Gott
geschenkten Reinheit dastehen, sind letztlich die Erwählten.
In der Kirchengeschichte gab es immer wieder Strömungen, die den freien
Willen des Menschen als allein entscheidend für sein Schicksal gesehen haben.
Entsprechend ihrer Sichtweise verstanden sie die Erwählung als reines
Vorhersehen Gottes (Arminianer, nach Arminius, 16. Jh.). Dagegen lehrten die
Propheten, Jesus und die Apostel die Erwählung als aktives, ja
unwiderstehliches Eingreifen Gottes. Dieses Verständnis erwachte neu in der
Reformation, besonders durch Johannes Calvin (16. Jh.). Daher bezeichnen sich
diejenigen, die daran festhalten auch oft als Calvinisten. Calvinist zu sein,
bedeutet noch nicht, den freien Willen des Menschen abzulehnen, aber es gibt
extreme Strömungen im Calvinismus, die so sehr die Vorherbestimmung betonen,
dass sie dem freien Willen und der Verantwortlichkeit des Menschen nicht den
angemessenen Platz einräumen.
Beide Arten von Einseitigkeit sind ungesund und sollten durch die gesunde
Lehre der Heiligen Schrift korrigiert werden. Die beste Medizin gegen jede Art
von lehrmäßiger Einseitigkeit ist ein systematisches (d.h. Buch für Buch,
Kapitel für Kapitel) Studium der Schrift, um zu erfassen, was sie lehrt (dabei
ist der Kontext äußerst wichtig). Die Gefahr des (nur oder hauptsächlich)
thematischen Studiums und Lehrens ist, dass man nur bestimmte, selbstgewählte
Themen und Wahrheiten anschneidet, nicht aber die ganze geoffenbarte Wahrheit
Gottes.
Wer auf diese Weise die Schrift studiert, wird zur Erkenntnis kommen, dass
die Frage nicht lauten kann: "Erwählung oder freier Wille?" sondern
vielmehr, "Wie wirken die beiden Wahrheiten zusammen, wie wenden wir sie
richtig an?"
Die einseitige Betonung des freien Willen hat folgende negative Auswirkungen:
- Der Mensch wird zu sehr betont und Gott zu wenig. Das Wort Gottes wird
durch eine humanistische Brille gesehen.
- Gott bekommt nicht die Ehre, die ihm als demjenigen gebührt, der alles
nach dem Wohlgefallen seines Willens wirkt (Eph 1,11). Der Arminianer kann
niemals zu der Tiefe der Gotteserkenntnis und des Gotteslobes kommen wie
Paulus in Röm 11,33-36 nachdem er in Kap 9-11 Gottes souveränes Handeln in
Verhärtung und Erwählung dargelegt hat.
- Gott bekommt nicht die Ehre die ihm gebührt, weil die Gnade Gottes nicht
in ihrer vollen Tragweite erkannt wird. Der Arminianer sieht die Gnade
darin, dass Christus sein Leben als Lösegeld gegeben hat und ihm das
Angebot der Errettung gemacht hat. Er sieht nicht, dass Gottes Gnade so weit
ging, ihn, der seinen in Sünde gefangenen Willen niemals dazu benützen
würde, sich für Gottes Angebot zu entscheiden, zu erleuchten und aus den
Toten ins Leben zu rufen.
- Die Heilsgewissheit kann bei geistlichem Versagen leicht abhanden kommen, weil das
Heil ja nicht von Gottes unbedingter Auswahl sondern auch vom Verhalten des
Menschen abhängig ist.
- Ängste und Sorgen können leicht überhand nehmen, weil das Leben von zu
vielen menschlichen Einflussfaktoren bestimmt wird, und zu wenig von Gott,
der seinen Erwählten alles zum Guten mitwirken lassen will und kann.
- Die Evangelisation des Arminianers läuft Gefahr, zu sehr von menschlichen
Faktoren, insbesondere vom Erfolgs- und Methodendenken bestimmt zu werden.
Dagegen ging es den Aposteln darum, die Botschaft Gottes treu weiterzusagen
und die Bekehrungen Gott zu überlassen (Apg 13,48).
Die einseitige Betonung der Souveränität und Erwählung Gottes hat
hauptsächlich folgende negative Auswirkung: Passivität, Versäumnis, die von
Gott gegebene Verantwortung wahrzunehmen. Da ohnedies alles seinen von Gott
verordneten Lauf nimmt, braucht man sich nicht bemühen. Man braucht und kann
dem souveränen Gott mit den eigenen Anstrengungen nicht zu Hilfe kommen.
Natürlich wird niemand sagen, er braucht nichts zu tun, weil Gott alles tut,
aber das Denken ist unterschwellig da und wird das Handeln beeinflussen;
insbesondere in folgender Weise:
- Mangelnde persönliche Heiligung
- Mangelnder Eifer in der Evangelisation
Wie ist es zu vereinbaren, dass Gott einerseits kein Gefallen am Tod des
Gottlosen hat (Hes 18,23) sondern will, dass alle Menschen gerettet werden (1Tim 2,4; 2Petr 3,9) und andererseits nur einige zur Errettung erwählt hat, während
er andere verhärtet, tötet, richtet? Die Frage drängt sich auf, und es bedarf
einiger Erklärungen. Eigentlich stecken 2 Fragen dahinter:
- Ist es nicht ein
glatter Widerspruch?
- Wenn nein, warum handelt Gott so? Ist er in seinem Erwählen gerecht?
Zur 1. Frage: Wir müssen zwei verschiedene Arten des Willens Gottes auseinanderhalten.
- Der moralische Wille Gottes ist all das, was er den Menschen gebietet:
Dass sie Gott fürchten und ihm die Ehre geben, dass sie ihn lieben sollen und den
Nächsten wie sich selbst, usw. Will er wirklich, dass Menschen das tun?
Natürlich, sonst wäre er unglaubwürdig in seiner Forderung. Mit eben
diesem moralischen Willen will Gott auch, dass alle Menschen gerettet
werden.
- Andererseits haben wir gelesen, dass Gott alles tut, was ihm gefällt
(Ps 135,6). Dies ist offenbar ein anderer Wille als sein moralischer Wille. Es
ist sein souveräner Herrscherwille, gemäß dem er den Weltlauf lenkt.
Folgende Aussage erklärt die beiden verschiedenen Arten des Willens Gottes:
5Mo 29,28 Das Verborgene steht bei dem HERRN, unserm Gott; aber das
Offenbare gilt uns und unsern Kindern für ewig, damit wir alle Worte dieses
Gesetzes tun.
Diese Aussage fügt Mose an seine Ermahnung zur Gesetzestreue an. Das
Offenbare ist Gottes moralischer Wille, die Summe der Gebote, die er bekannt
gemacht hat, samt den dazugehörenden Verheißungen und Drohungen. Doch für
Mose ist klar, dass in der Geschichte Israels mehr im Spiel ist als die
Offenbarung von Gottes Geboten und Israels Gehorchen oder Nicht-Gehorchen: es
ist der souveräne Gott, der Israel "bis zum heutigen Tag weder ein Herz
gegeben zu erkennen noch Augen zu sehen, noch Ohren zu hören" (5Mo 29,3).
Dass er souverän ist, und dass sein verborgener Ratschluss zustande kommen wird
(insbesondere, was die Zukunft Israels betrifft), ist gewiss, aber es beeinträchtigt in keiner Weise Israels Verantwortung,
seinem geoffenbarten Willen zu gehorchen.
Im Epheserbrief kommen beide Arten des Willens Gottes mehrfach vor: Nach
dem Wohlgefallen seines (souveränen) Willens hat er uns zur Sohnschaft durch
Jesus Christus vorherbestimmt (Eph 1,5), nach dem Rat desselben Willens wirkt er
alles (Eph 1,11). In Eph 5,17 werden die Leser aufgefordert, den (moralischen)
Willen Gottes zu verstehen, in Eph 6,6 die Sklaven, den (moralischen) Willen
Gottes zu tun.
Diese Erklärung darf uns nicht verwundern, denn Gottes Wille ist komplex und
nicht einfach, ebenso wie sein Gefühlsleben. So ist es kein Widerspruch,
dass er einerseits kein Gefallen am Tod des Gottlosen hat (Hes 18,23),
andererseits aber Gefallen hatte, z.B. die Söhne Elis zu töten (1Sam 2,25;
selbes hebräisches Wort!) oder dass er Freude haben kann, sowohl Gutes zu tun
als auch zugrunde zu richten (5Mo 28,63). Auch der Wille und das Gefühlsleben
des Menschen, der in Gottes Bild geschaffen ist, sind komplex. Z.B. will ein
Vater sein Kind züchtigen, wenn es notwendig ist, und er tut es auch, obwohl er
gleichzeitig wünscht, er müsste es nicht tun. Einerseits will er es also und
andererseits nicht. Jeder von uns kennt in irgendeiner Art zwiespältige Gefühle und
wird von scheinbar widersprüchliche Motiven bewegt.
Jetzt bleibt die zweite Frage: Warum handelt Gott so? Was hindert ihn daran, alle
Menschen zu erretten, wenn er doch direkt auf ihre Herzen und Gedanken einwirken
kann? Der Arminianer sagt, der freie Wille des Menschen, der Calvinist sagt,
höhere Ziele Gottes, nämlich die Ehre Gottes, die in Gericht und Gnade
vielfältig demonstriert wird. Beides ist richtig und biblisch, wir dürfen
nicht die eine Wahrheit gegen die andere ausspielen. Das führt uns in den
nächsten Abschnitt unserer Überlegungen, nämlich zur Frage der Gerechtigkeit
Gottes.
Paulus sagt auf diese Frage: Das sei ferne (Röm 9,14). Ein Studium von Röm 9,19-24 gibt uns einen Einblick in die Motive Gottes in seinem souveränen
Handeln mit den Menschen.
- Mit dieser Frage stoßen wir an eine Grenze unseres Denkens, die wir
nicht überschreiten dürfen. Es gilt, sich demütig vor dem Schöpfer zu
beugen und ihm das Recht zuzugestehen, mit seinen Geschöpfen zu machen, was
ihm gut dünkt. Wer Gott in dieser Demut begegnet, dem wird er sich als
liebender, gütiger Gott erweisen, wer Gott anklagt, dem wird er als
furchtbarer Feind begegnen.
- Obwohl Gottes Motive, eigentlich nicht zu hinterfragen sind, gewährt er
uns doch einen kleinen Einblick: Gott hat geduldig die Rebellion der Menschen
ertragen, hat seinen gerechten Zorn aufgeschoben (aber nicht aufgehoben), um
den Reichtum seiner Herrlichkeit an denen zu erweisen, die er zur
Herrlichkeit bereitet hat. Doch wird er eines Tages auch seine Macht an den
Rebellen zu erkennen geben, die nicht umgekehrt sind.
Selbst wenn jemand glaubt, dass Gott nicht vorherbestimmend, sondern nur
vorherwissend erwählt hat, so bleibt doch die Frage: Warum hat Gott überhaupt
den Menschen geschaffen, wenn er doch voraussah, dass einem Großteil seiner
Geschöpfe schon zu Lebzeiten unsägliche Not und nach dem Tod gar die ewige
Verdammnis zuteil wird. Selbst wenn das alles alleine durch den freien Willen des
Menschen verschuldet ist - warum schuf Gott den Menschen mit einem freien Willen,
und warum
beendete er das Drama nicht schon viel früher?
Mit dieser Fragen muss sich jeder Christ auseinandersetzen, egal ob er an
Gottes Vorherbestimmung glaubt oder nicht. Wenn wir dieser Frage ausweichen,
wird sie uns der nächste Ungläubige stellen, den wir für Christus zu
gewinnen suchen. Die Antwort besteht aus den zwei Aspekten, die wir in Röm 9,19-24 gesehen haben:
- Es hat Gott gefallen, genau auf diese Art und Weise den Reichtum seiner
Herrlichkeit zu erkennen zu geben. Die dadurch entstehende Herrlichkeit muss
so groß sein, dass es Gott wert ist, alles "Negative" in Kauf zu
nehmen, das die Rebellion der Engel- und der Menschenwelt mit sich brachte.
- Wir können Gott nicht weiter hinterfragen, sondern müssen uns demütig
vor ihm beugen, seine Gerechtigkeit und Güte anerkennen und ihm gehorchen.
Wenn wir also die ganze Heilige Schrift ernst nehmen wollen, bleibt uns
nichts anderes übrig, als beide Wahrheiten im Glauben festzuhalten: Die
göttliche Souveränität und das moralisch verantwortliche
Entscheiden und Handeln des Menschen. Die beiden wirken in folgender Weise
zusammen: Das allgemeine Angebot der Gnade Gottes an alle Menschen wird von
einigen Erwählten angenommen, die dann Gott die Ehre geben, dass sie allein
aufgrund seines und nicht aufgrund ihres Erlösungswillens gerettet werden.
Die einseitigen Betonungen und daraus resultierenden Entwicklungen entstanden
dadurch, dass Menschen nicht bereit waren, die Grenzen ihres Verstandes zu
erkennen, Gott Gott sein zu lassen und Geheimnisse in der Offenbarung Gottes zu
akzeptieren.
Jes 55,9 Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine
Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.
Aus diesem Grund wird es - solange wir noch nicht beim Herrn sind - Dinge,
geben, die wir nur glauben, aber nicht verstehen können.
Ein Beispiel: Die Lehre von der Dreieinigkeit. Sie drängt sich uns auf, wenn
wir die Schrift studieren. Für den menschlichen Intellekt ist es nicht
zufriedenstellend erklärbar, dass es nur einen Gott gibt, dass der Vater,
der Sohn und der Heilige Geist drei verschiedene Personen und doch jeder Gott
sind. Wir glauben es, weil Gottes Wort es sagt, nicht weil es so logisch klingt.
Ein weiteres Beispiel ist die Inspiration der Heiligen Schrift. Wie konnte es
sein, dass verschiedene Menschen mit dem ihnen eigenen Stil schrieben und doch
genau das dabei herauskam, was Gott sagen wollte? Gott umging nicht die
Persönlichkeiten, Gedanken und Ausdrucksweise der Autoren, sondern er benützte
sie. So entstand Gottes Wort in einer unerklärlichen Zusammenarbeit von
göttlichem und menschlichem Wirken.
Wenn wir denken, es ist zu viel von einem Menschen verlangt, zwei Wahrheiten
zu glauben, die sich doch scheinbar widersprechen, dann sollten wir uns die
Männer Gottes des Alten und Neuen Testaments zu Vorbildern nehmen: Mose, Salomo,
Jesaja, Jesus, Lukas, Paulus, Petrus - um nur einige zu nennen - für sie war es kein Problem,
von der Souveränität Gottes und von der Verantwortlichkeit des Menschen gleichzeitig
auszugehen:
Mose
Wir haben in 5Mo 29 schon gesehen, wie Mose mitten in seinen Ermahnung an das
Volk sagt, der Herr habe ihnen noch kein Herz gegeben zu erkennen, noch Augen zu
sehen, noch Ohren zu hören (5Mo 29,3).
Salomo
Mitten in seine weisen Ermahnungen flicht Salomo ein, dass bei allen
Überlegungen des Menschen doch der Ratschluss des Herrn zustande kommt
(Spr 19,21).
Jesaja
Auch Jesajas Dienst war hauptsächlich zu ermahnen, und dennoch weiß er, "der
Herr hat einen Geist tiefen Schlafs über euch ausgegossen, ja, verschlossen hat
er eure Augen; die Propheten und eure Häupter, die Seher, hat er verhüllt."
(Jes 29,10)
Jesus
Joh
6,35-40.44.47: In diesem Kapitel wird besonders deutlich, wie für Jesus
die beiden Wahrheiten selbstverständlich gleichzeitig gültig waren. Wer
glaubt, hat ewiges Leben. Es ist der Wille des Vaters, dass jeder der den Sohn
sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben hat. Jesus wird niemanden hinausstoßen,
der zu ihm kommt. Aber: Niemand kommt zum Vater, es sei denn, der Vater zieht
ihn.
Lukas
Apg 13,46-48: Die Verantwortung für die Ablehnung des Evangeliums liegt ganz
klar bei den Juden. Sie achten sich selbst des ewigen Lebens nicht für würdig
und ernten daher selbstverschuldet den ewigen Tod. Sie sind "schuld",
dass sich die Apostel von ihnen weg- und zu den Nationen hinwenden. Und doch
heißt es in V. 48: "Es glaubten, so viele zum ewigen Leben verordnet
waren."
In Apg 18,9-11 sagte der Herr, Paulus soll reden und sich nicht fürchten,
denn er hat ein großes Volk in dieser Stadt. Aus ewig-göttlicher Sicht gab es
nicht deshalb viele Gläubige in Korinth, weil Paulus freimütig und lange Zeit
dort redete, sondern umgekehrt: Weil Gott (gemäß seinem ewigen Vorsatz) ein
großes Volk in Korinth hatte, erhielt Paulus von ihm den Auftrag, dort zu
bleiben und ohne Furcht zu reden.
Paulus
Phil 2,12-13: Dass Gott das Wollen und das Ausführen zu seinem Wohlgefallen
wirkt, ist nicht Grund, die Hände in den Schoß zu legen, sondern vielmehr,
gehorsam zu sein und mit Furcht und Zittern die Errettung zu bewirken (eig.:
auszuwirken).
1Kor 15,10: Paulus weiß: Durch Gottes Gnade ist er, was er ist. Und gerade
dieses Wissen beflügelt ihn, mehr als alle anderen zu arbeiten - aber
eigentlich ist es nicht er, der gearbeitet hat, sondern die Gnade Gottes.
2Tim 2,10 Deswegen erdulde ich alles um der Auserwählten willen, damit
auch sie die Rettung, die in Christus Jesus ist, mit ewiger Herrlichkeit
erlangen.
Warum muss er sich um die Auserwählten bemühen, wenn sie doch ohnedies
auserwählt sind? So fragt nicht die göttliche Weisheit sondern die menschliche
Torheit. Für Paulus war es ein großes Vorrecht, Mitarbeiter bei der
Verwirklichung des göttlichen Ratschlusses sein zu dürfen und dabei sowohl dem
Herrn Ehre zu bringen als auch selbst großen Lohn zu ernten.
Petrus
2Petr
1,10-11 Darum, Brüder, befleißigt euch um so mehr, eure Berufung
und Erwählung fest zu machen! Denn wenn ihr diese Dinge tut, werdet ihr
niemals straucheln. Denn so wird euch reichlich gewährt werden der Eingang in
das ewige Reich unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus.
Ja, wir sind berufen und erwählt! Ein Grund, uns auf die faule Haut zu
legen? Im Gegenteil - es gilt, die Berufung und Erwählung fest zu machen. Eben
weil Gott uns durch die Erkenntnis Christi alles zur göttlichen Lebensführung
geschenkt hat, sollen wir allen Fleiß aufwenden um Glaubensfrucht zu bringen
(1Petr 1,3-7). Auf diese Weise bestätigen und befestigen wir die göttliche
Gnadenwahl, und statt zu straucheln und Schaden zu erleiden, erlangen wir
reichlichen Eingang in das Reich Christi:
Schließt dann mein Pilgerlauf, schwing ich mich freudig auf: Näher mein Gott zu
dir, näher zu dir.
Besonders schwierig zu vereinbaren scheinen missionarischer Eifer und Erwählung Gottes.
Warum soll ich mich anstrengen, um
Menschen mit dem Evangelium zu erreichen, wenn doch Gott seine Auswahl schon vor
Grundlegung der Welt festgesetzt hat? Dazu ist zu sagen:
- Gottes Gebot zur Umkehr und sein Angebot der Erlösung gilt wirklich jedem
Menschen (Apg 17,30; Offb 22,17).
- Jesus Christus wird jeden annehmen, der zu ihm kommt
(Joh 6,37, Mt 11,28).
- Gott will, dass alle Menschen gerettet werden (1Tim 2,4; 2Petr 3,9).
- Gott will, dass alle Menschen aus allen Völkern das Evangelium hören
(Lk 24,47). Dazu hat er seine Jünger beauftragt (Mk 16,15), also auch uns.
- Wir wissen, dass Gott erwählt, aber wir wissen nicht wen, daher braucht uns der
Erwählungsgedanke in der Evangelisation nicht bekümmern. Die Frage nach
der Identität der Erwählten kann man so beantworten:
2Tim 2,19 Doch der feste Grund Gottes steht und hat dieses Siegel: Der
Herr kennt, die sein sind; und: Jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab
von der Ungerechtigkeit!
Nur Gott kennt die Erwählten. Für uns gilt: Die Loslösung von der Sünde
ist der Erweis der Erwählung. Das können wir sowohl auf uns selbst als auch
auf andere anwenden. Jedenfalls können wir nie wissen, ob sich jemand nicht
noch von der Sünde ab- und zu Christus hinwenden wird.
- Die Tatsache, dass Bekehrungen nicht von der Überredungskunst des
Evangelisten und auch nicht vom menschlichen Hintergrund der Hörer
abhängen sondern von der Macht Gottes, ist die einzige Hoffnung für
Evangelisation. Warum würden sonst z.B. Missionare in moslemische
Länder gehen, wo sie nicht nur verfolgt werden, sondern auch noch auf die
denkbar schlechtesten Voraussetzungen stoßen, was die Empfänglichkeit für
die biblische Botschaft betrifft?
- Hier wird heutzutage von vielen Christen ein entscheidender Fehler
begangen: Sie wenden die Methoden des Marketing radikal auf die
Evangelisation an. Dadurch wird Gott aus dem Zentrum und der Mensch in das
Zentrum gerückt. Die Botschaft wird gefiltert bzw. verwässert, um
"den Kunden zu gewinnen". Es wird vergessen, dass das Evangelium
nicht nur Angebot sondern zuallererst Gebot ist. Das hat nichts mit
Marketing zu tun. Bei diesem Ansatz steht die Methode und damit Menschliches
im Vordergrund.
Während Methoden auch ihren Platz haben und Gott sie verwendet, geht es
doch zuallererst um das, was Gott zu sagen hat. Dort wo wir gehorsam sein
Wort in Klarheit (d.h. biblisch und doch so, dass es verstanden wird)
predigen, wird Gott sich dazu stellen und es segnen. Der Erfolg aber, ob und
wie viele sich bekehren, liegt nicht in unserer Macht. Daher beten wir zu
Gott, dass er Türen für sein Wort öffnen (Kol 4,3) und es laufen lassen
möge (2Thes 3,1).
Weil die Schrift unmissverständlich die absolute göttliche
Souveränität in der Geschichte der Welt und jedes einzelnen Menschen
lehrt, insbesondere die Erwählung der Heiligen vor Grundlegung der Welt,
müssen wir diese Lehre festhalten und so anwenden,
- dass Gott in allem, besonders in der Errettung und Heiligung, alle Ehre
zukommt und kein Rühmen für das Fleisch bleibt,
- dass wir uns in den großen und kleinen Nöten unseres Lebens geborgen
wissen in der Hand dessen, dem nichts entglitten ist und nichts entgleiten
kann,
- dass wir getrost und unerschütterlich auf der Verheißung Gottes stehen,
das gute Werk, das er gemäß seiner Erwählung begonnen hat, auch zu Ende
zu führen,
- dass wir in unserem Dienst für den Herrn wissen, dass es auf seinen Plan,
seine Führung, seine Kraft ankommt - unabhängig von den äußeren
Widerständen oder Resultaten,
ohne dabei in irgendeiner Weise die Verantwortung zu schmälern, die Gott dem
Menschen mit jedem seiner Gebote gegeben hat, insbesondere
- die Verantwortung umzukehren und an Christus zu glauben,
- die Verantwortung zur Ehre Gottes zu leben,
- die Verantwortung Jünger zu machen.
Weil die Schrift unmissverständlich die moralische Verantwortung des
Menschen vor Gott lehrt, der sich ihm mit seinen Forderungen offenbart, müssen
wir diese Grundwahrheit festhalten und so anwenden, dass wir uns nicht der
Passivität hingeben und uns dabei auf Gottes Souveränität ausreden, sondern
mit dem größtmöglichen Eifer streben,
- uns in Dankbarkeit und Gottesfurcht für Gott zu heiligen,
- das Evangelium in Klarheit und Liebe möglichst vielen Menschen zu sagen,
und zwar so, dass sie verstehen, dass Gottes Gebot und Angebot jedem
Menschen gilt und dass jeder für seine Entscheidung verantwortlich
ist,
- in Fürbitte, Lehre, Ermahnung und Ermunterung wahre Jünger Jesu zu
machen, die selbst wieder fähig sind andere zu lehren,
ohne dabei die Souveränität Gottes zu schmälern,
- der durch seine Gnade geistlich Tote lebendig macht,
- der unsere guten Werke für uns zuvor bereitet hat,
- dem alle Ehre für Errettung und Heiligung gebührt.
Worauf es ankommt, ist, in der richtigen Situation die richtige Wahrheit
anzuwenden:
- Wenn Gott gebietet und ermahnt, verbunden mit Drohungen und Verheißungen,
dann gilt es die Verantwortung wahrzunehmen und zu gehorchen.
- Wenn wir beten und danken, sollen wir erkennen, dass es Gottes Gnade ist, die
alles Gute wirkt, und ihm dafür die Ehre geben.
Auch wenn wir vieles nicht verstehen - der Geist Gottes in Verbindung mit
seinem Wort leitet uns intuitiv zur richtigen Anwendung beider Wahrheiten.
Luther
Martin Luther schreibt im Kleinen Katechismus [1]:
Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesum Christum, meinen
Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann, sondern der Heilige Geist hat mich durchs
Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und
erhalten, gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet,
heiligt und bei Jesus Christus erhält im rechten einigen Glauben.
Spurgeon
In seiner "Verteidigung des Calvinismus" schreibt C.H. Spurgeon [2]:
Gut erinnere ich mich daran, wie ich die Lehre der Gnade in einem einzigen Augenblick
gelernt habe. Geboren als Arminianer, wie alle von uns, glaubte ich immer noch die alten
Dinge, die ich ständig von der Kanzel gehört hatte und sah nicht die Gnade Gottes. Als
ich zu Christus kam, dachte ich, ich täte es alles selbst, und obwohl ich ernstlich den
Herrn suchte, hatte ich keine Ahnung, dass der Herr mich suchte. Ich denke nicht, dass
sich der Jungbekehrte am Anfang dessen bewusst ist. Ich kann mich genau an den Tag und die
Stunde erinnern, als ich erstmals diese Wahrheiten in meiner Seele annahm, als sie - wie
John Bunyan sagt - wie mit einem heißen Eisen in mein Herz gebrannt wurden, und ich
entsinne mich, wie ich fühlte, dass ich plötzlich von einem Baby zu einem Mann
herangewachsen war - dass ich Fortschritte in der Bibelkenntnis gemacht hatte, indem ich
ein für alle Mal den Schlüssel zur Wahrheit Gottes gefunden hatte. Am Abend eines
Wochentages, als ich im Haus Gottes saß, dachte ich nicht viel über die Predigt nach,
denn ich glaubte nicht daran. Mich traf der Gedanke, wie bist du Christ geworden? Ich
suchte den Herrn. Aber wie bist du dahin gekommen, den Herrn zu suchen? Die Wahrheit
blitzte in einem Moment durch meine Gedanken - ich hätte ihn nicht gesucht, wenn ich
nicht davor beeinflusst gewesen wäre, ihn zu suchen. Ich betete, dachte ich, aber dann
fragte ich mich, wie kam ich dazu zu beten. Ich wurde durch das Lesen der Schrift zum
Beten bewegt. Wie kam ich dazu, die Schrift zu lesen? Ich las sie, aber was führte mich
dazu, es zu tun? Dann, in einem Moment, sah ich, dass Gott am Grunde all dessen war, und
dass er der Urheber meines Glaubens war, und so öffnete sich mir die ganze Lehre von der
Gnade, und von dieser Lehre bin ich bis zu diesem Tag nicht abgewichen, und ich wünsche,
dass dies mein beständiges Bekenntnis sei, "ich schreibe meine Veränderung
gänzlich Gott zu."
...
Ich muss an die Lehre von der Verderbtheit des menschlichen Herzens
glauben, denn ich finde mich selbst im Herzen verdorben, und habe täglich
Beweise, dass in meinem Fleisch nichts Gutes wohnt. Wenn Gott in einen Bund
mit dem ungefallenen Menschen tritt, so ist der Mensch solch ein unbedeutendes
Geschöpf, dass es ein Akt von gnädiger Herablassung seitens des Herrn sein
muss. Aber wenn Gott in einen Bund mit dem sündigen Menschen tritt, dann ist
dieser solch ein Ärgernis, dass es von Gottes Seite eines Aktes von reiner,
freier, reicher, souveräner Gnade bedarf. Wenn der Herr in einen Bund mit mir
trat, so bin ich gewiss, dass es alles aus Gnade war, nichts außer Gnade.
Wenn ich mich erinnere, was für eine Höhle von unreinen Tieren und Vögeln
mein Herz war, und wie stark mein unerneuerter Wille war, wie hartnäckig und
rebellisch gegen die Souveränität der göttlichen Herrschaft, fühle ich
mich immer geneigt, den aller niedrigsten Raum in meines Vaters Haus zu
nehmen, und wenn ich in den Himmel eintrete, so wird es sein, um unter den
geringeren als den Geringsten aller Heiligen zu gehen und mit dem Ersten der
Sünder. Der unlängst betrauerte Mr. Denham hat unter seinem Portrait einen
sehr bewundernswerten Text gesetzt, "Das Heil kommt vom Herrn." Das
ist einfach die Kurzform des Calvinismus; es ist seine Summe und seine
Substanz. Wenn mich jemand fragte, was ich unter einem Calvinisten verstehe,
würde ich antworten, "Es ist jemand der sagt, das Heil kommt vom
Herrn." Ich kann in der Schrift keine andere Lehre außer dieser finden.
Es ist die Essenz der Bibel. "Nur Er ist mein Fels und mein Heil."
Sage mir etwas, was dieser Wahrheit widerspricht, und es ist eine Irrlehre;
sage mir eine Irrlehre, und ich werde ihre Essenz da finden, dass sie
abgewichen ist von dieser großen, dieser grundlegenden, dieser
Felsen-Wahrheit, "Gott ist mein Fels und mein Heil."
...
Ich glaube nicht, dass ich mich von meinen hyper-calvinistischen Brüdern
in irgendetwas unterscheide, was ich glaube, aber ich unterscheide mich von
ihnen in dem, was sie nicht glauben. Ich glaube nicht weniger als sie, sondern
ich glaube ein bisschen mehr, und, ich denke, ein bisschen mehr von der
Wahrheit, die in der Schrift offenbart wird. Es gibt nicht nur ein paar
Hauptlehren, durch die wir unser Schiff nach Norden, Süden, Osten oder Westen
steuern, sondern durch das Studium des Wortes werden wir etwas über Nordwest
und Nordost lernen, und alles andere, das zwischen den Hauptrichtungen liegt.
Das Wahrheitsgebäude, das in der Schrift offenbart wird, ist nicht einfach
eine gerade Linie, sondern zwei; und kein Mensch wird jemals einen richtigen
Blick auf das Evangelium bekommen, bevor er es versteht, auf beide Linien
gleichzeitig zu sehen. Zum Beispiel lese ich in einem Buch der Bibel,
"Und der Geist und die Braut sagen: Komm! Und wer es hört, spreche:
Komm! Und wen da dürstet, der komme; wer da will, nehme das Wasser des Lebens
umsonst." Und doch lerne ich in einem anderen Teil desselben inspirierten
Wortes, "Also liegt es nun nicht an dem Wollenden, noch an dem Laufenden,
sondern an dem begnadigenden Gott." Ich sehe, an einer Stelle, wie Gott
in der Vorsehung alles führt, und doch sehe ich, und kann nicht anders, als
es zu sehen, dass der Mensch handelt, wie es ihm gefällt, und dass Gott sein
Handeln in großem Maß seinem eigenen freien Willen überlassen hat. Wenn ich
nun erklärte, der Mensch sei so frei, dass es von Gott keine Kontrolle über
sein Handeln gebe, würde ich fast zum Atheismus getrieben; und wenn ich
andererseits erklärte, Gott beherrsche alles so, dass der Mensch nicht frei
genug sei, verantwortlich zu sein, würde ich in Richtung Gesetzlosigkeit oder
Fatalismus getrieben. Dass Gott vorherbestimmt und der Mensch doch
verantwortlich ist, sind zwei Fakten, die nur wenige klar sehen. Man denkt,
sie seien unvereinbar und widersprechen einander. Wenn ich also in einem Teil
der Bibel die Lehre finde, das alles vorherbestimmt ist, dann ist das wahr;
und wenn ich in einer anderen Schriftstelle finde, dass der Mensch für all
sein Tun verantwortlich ist, dann ist das wahr; und es ist nur meine Torheit,
die mich zur Vorstellung führt, dass sich diese beiden Wahrheiten jemals
widersprechen können. Ich glaube, dass sie auf keinem irdischen Amboss jemals
zusammen geschmiedet werden können, aber in der Ewigkeit werden sie gewiss
eins sein. Es sind zwei Linien, die so annähernd parallel sind, dass der
menschliche Verstand, der ihnen am weitesten folgt, niemals entdecken wird,
dass sie konvergieren, aber sie konvergieren, und sie werden sich irgendwo in
der Ewigkeit treffen, nahe dem Thron Gottes, wo alle Wahrheit entspringt.
In einer Predigt über Gal 1,15 sagt Spurgeon unter dem Titel "Es gefiel Gott":
Ihr werdet an diesen Worten feststellen, daß der göttliche Erlösungsplan sehr klar
ausgelegt ist. Seht ihr, er beginnt im Willen und Wohlgefallen Gottes: 'Als es aber Gott
gefiel'. Der Grund der Errettung ist nicht im Willen des Menschen gelegt. Sie beginnt
nicht mit dem Gehorsam des Menschen, um dann erst zu Gottes Absicht zu werden, sondern
hier nimmt sie ihren Anfang, hier ist der Quellbrunnen, von dem die lebendigen Wasser
fließen: 'Es gefiel Gott'. Gleich nach dem souveränen Willen und Wohlgefallen Gottes
kommt der Akt der Aussonderung, allgemein bekannt unter dem Namen Erwählung. Dieser Akt,
so heißt es im Text, fand sogar schon im Mutterleib statt, was uns lehrt, daß er vor
unserer Geburt stattfand, als wir noch überhaupt nichts getan haben konnten, um zu
gewinnen oder zu verdienen. Vom frühesten Abschnitt und Zeitpunkt unseres Daseins an
sonderte Gott uns ab; und in der Tat, lange vor der Zeit, als die Berge und Hügel noch
nicht aufgeschichtet waren und die Ozeane durch Seine schöpferische Kraft noch nicht
geformt waren, hatte Er uns in Seiner ewigen Absicht für sich selbst beiseite gestellt.
Dann, nach diesem Akt der Aussonderung, kam die wirksame Berufung: 'und durch Seine Gnade
berufen hat...' Die Berufung verursacht nicht die Erwählung, sondern die
Erwählung, die
ihre Quelle in der göttlichen Absicht hat, verursacht die Berufung. Die Berufung kommt
als Folge der göttlichen Absicht und der göttlichen Aussonderung, und ihr werdet sehen,
wie der Gehorsam dem Ruf folgt. So ist der ganze Werdegang folgendermaßen - zunächst die
heilige, souveräne Absicht Gottes, dann die einzelne, bestimmte Erwählung oder
Aussonderung, dann die wirksame und unwiderstehbare Berufung, und danach der Gehorsam zum
Leben, und die köstlichen Früchte des Geistes, die daraus erwachsen. Diejenigen irren
und kennen nicht die Schrift, die einen dieser Prozesse in falscher, unbiblischer
Reihenfolge vor den anderen stellen. Die den Willen des Menschen an erste Stelle setzen,
wissen nicht, was sie sagen noch wovon sie reden.
William McDonald
William McDonald merkt zu Apg 13,48 (Kommentar zum Neuen Testament) an:
»So viele zum ewigen Leben verordnet waren«, glaubten es. Dieser Vers ist
eine einfache Feststellung der souveränen Erwählung durch Gott. Sie sollte
ganz wörtlich genommen und geglaubt werden. Die Bibel lehrt ausdrücklich,
daß Gott einige Menschen schon vor Grundlegung der Welt erwählte, zu
Christus zu gehören. Sie lehrt mit gleichem Nachdruck, daß der Mensch
moralisch frei handeln kann, und er errettet wird, wenn er Jesus Christus als
seinen Herrn und Retter annimmt. Die göttliche Erwählung und die menschliche
Verantwortlichkeit sind beides schriftgemäße Lehren, und keine von beiden
sollte auf Kosten der anderen überbetont werden. Zwar scheinen die beiden
einander zu widersprechen, doch besteht dieser Konflikt nur für den
menschlichen Geist, nicht jedoch für Gott.
Die Menschen werden durch ihre eigene Wahl verurteilt, nicht durch ein
Handeln Gottes. Wenn die ganze Menschheit das erhielte, was ihr mit Recht
zusteht, dann wären alle verloren. Doch Gott in seiner Gnade läßt sich
herab, einige zu erretten. Hat er nicht das Recht, dies zu tun? Natürlich hat
er dieses Recht. Die Lehre von der souveränen Erwählung durch Gott ist eine
Lehre, die Gott seinen ihm gebührenden Platz als Herrscher des Universums
einräumt, der tun kann, was ihm gefällt, und der niemals etwas tut, das
ungerecht oder böse wäre. Viele unserer Schwierigkeiten mit diesem Thema
würden sich lösen, wenn wir die Worte von Erdman beachten würden:
"Die Souveränität Gottes ist absolut, doch wird sie nie ausgeübt,
um Menschen zu verurteilen, die doch gerettet werden sollten, sondern diese
Souveränität hat dazu geführt, daß Menschen gerettet werden, die
eigentlich gerechterweise hätten verloren gehen müssen."
Wie andere theologische Streitpunkte auch, hat die Erwählungs- bzw.
Vorherbestimmungslehre viele Diskussionen, Streitigkeiten und Trennungen
verursacht. Die folgenden Zitate sind ein leuchtendes Beispiel wie wir in
Wahrheit und Liebe mit solchen Dingen umzugehen haben.
George Whitefield und John Wesley waren lange Jahre Gefährten in der
Verkündigung des Evangeliums. Doch sah sich Whitefield gezwungen, aufgrund
Wesleys arminianischer Haltung die Zusammenarbeit aufzugeben:
Whitefield schreibt an Wesley [3]:
Ich versichere, ich liebe dich vom Herzen Jesu Christi und denke, ich könnte mein
Leben für dich niederlegen. Aber mein lieber Freund, ich kann mir nicht helfen, gegen
deine Irrtümer auf diesem Gebiet aufzustehen, weil ich glaube, dass du dich, wenn auch
nicht absichtlich, der Wahrheit, die in Christus ist, widersetzest,...
Auch Spurgeon verurteilte die Irrmeinung Wesleys in diesem Punkt, aber nicht
Wesley als Bruder:
Spurgeon sagt über Wesley [2]:
Es gibt keine Seele, die fester an der Lehre der Gnade hält, als ich, und wenn mich
jemand fragt, ob ich mich schäme, ein Calvinist genannt zu werden, so antworte ich - ich
möchte am liebsten nichts als ein Christ genannt werden; aber wenn du mich fragst, ob ich
die Lehrmeinungen von Johannes Calvin festhalte, so antworte ich, im Wesentlichen halte
ich sie fest, und bekenne es gerne. Aber nichts liegt mir ferner, als mir auch nur
vorzustellen, dass Zion nur calvinistische Christen enthält, oder dass niemand gerettet
wird, der nicht diese Ansichten festhält. Die furchtbarsten Dinge wurden über den
Charakter und geistlichen Zustand von John Wesley gesagt, den modernen Fürsten der
Arminianer. Ich kann in Bezug auf ihn nur sagen, während ich viele der Lehren, welche er
predigt, verabscheue, so habe ich doch vor dem Mann selbst einen Respekt wie vor keinem
anderen Wesleyaner; und wenn es gälte, zwei Apostel zur Zahl der Zwölf hinzuzufügen, so
glaube ich nicht, dass sich zwei geeignetere Männer fänden als George Whitefield und
John Wesley. Der Charakter von John Wesley steht für Selbst-Opferung, Eifer, Heiligkeit
und Gemeinschaft mit Gott; er lebte weit über dem üblichen Standard gewöhnlicher
Christen, und war einer, "dessen die Welt nicht würdig war." Ich glaube, es
gibt eine Menge von Menschen, die diese Wahrheiten nicht sehen können, oder sie
jedenfalls nicht in der Weise sehen können, wie wir sie darstellen, die nichts desto
weniger Christus als ihren Heiland angenommen haben und dem Herzen des Gottes der Gnade so
teuer sind wie der solideste Calvinist innerhalb oder außerhalb des Himmels.
- J. I. Packer, Evangelism and the Souvereignity of God, Inter-Varsity
Fellowship, London, 1961
- John Piper, Desiring God,
http://www.DesiringGod.org/dg
- John Piper, Are There Two Wills in God? Divine Election and God's Desire for
All to be Saved, http://www.DesiringGod.org/resources/2wills.php
- Karsten Ernst, Wie sollen wir das Evangelium verkündigen?, http://www.keinanderesevangelium.de/195seite3.php
- Questions & Answers der Biblical Studies Foundation, Abschnitt God's
Sovereignty & Election: http://www.bible.org/docs/q&a/toc.php
- Jörg Dechert, Verstockung, http://www.nikodemus.net/article.php3?article=58
Fußnoten
[1] Zitiert nach Die Bekenntnisschriften der Evangelisch-lutherischen
Kirche, 9. Aufl., Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1982, S. 511f.
[2] C.H. Spurgeon, A Defense of Calvinism, http://www.reformed.org/calvinism/Spurgeon-Calvinism.phpl
[3] George WHITEFIELD an John WESLEY v. 24. Dezember 1740 abgedruckt in: GILLIES,
Whitefield, S. 633.
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