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Eine 7-tägige Andacht
von Reid Ferguson,
Pastor der Evangelical Church of Fairport,
Fairport NY (a Rochester suburb)
Copyright 1997 rights granted to distribute with credits
Aus dem Englischen übersetzt von M.A.
Original: http://www.reformed.org/misc/revival_1.phpl
Inhalt:
Vorwort des Übersetzers
Ein paar Worte zur Übersetzung des zentralen Begriffs "revival" bzw.
"revive". Die gebräuchlichen deutschen Worte dafür sind "Erweckung"
bzw. "erwecken", obwohl die wörtlichere und treffendere Übersetzung
"(Wieder-) Belebung" bzw. "(wieder-) beleben" ist. Ich habe in der
vorliegenden Übersetzung beide deutschen Begriffe gemischt verwendet. Von der Schrift her
ist meiner Meinung beides ableitbar: In Eph 5,14 z.B. geht es um "Erweckung",
andere Stellen wie Ps
71,20; 80,18-19; 85,7; 119,25; 143,11; Jes 57,15 sprechen von
"Belebung".
Und noch eine zweite Anmerkung: Der Text ist in manchen Teilen speziell auf die
Situation der Evangelikalen in den USA zugeschnitten. Es bleibt dem Leser überlassen, wie
weit solche Stellen auch auf unsere Gemeindesituation anwendbar sind. Das Wichtigste
jedoch ist die persönliche Ebene - wie stehe ich vor dem Herrn da und genau hier
fühle ich mich oft sehr direkt angesprochen. Mein Wunsch und Gebet ist, daß der Herr
durch dieses Studium Licht in unser persönliches Leben bringen möge und als unmittelbare
Folge persönliche geistliche Belebung und als weitere Folge Belebung des Gemeindelebens.
Wien, 30.11.1998
Tag 1: Einleitung
2Chr 7,12-14 Da erschien Jahwe dem Salomo in der Nacht und sprach zu
ihm: Ich habe dein Gebet gehört und mir diesen Ort zum Opferhause erwählt.
Wenn ich den Himmel verschließe, und kein Regen sein wird, und wenn ich der
Heuschrecke gebiete, das Land abzufressen, und wenn ich eine Pest unter mein
Volk sende; und mein Volk, welches nach meinem Namen genannt wird, demütigt
sich, und sie beten und suchen mein Angesicht, und kehren um von ihren bösen
Wegen: so werde ich vom Himmel her hören und ihre Sünden vergeben und ihr
Land heilen.
Schauen wir uns doch diesen bekannten Abschnitt noch einmal ein. Als wir ihn das letzte
Mal betrachteten, haben wir bemerkt, daß diese große Verheißung Gottes eine Antwort auf
ein Gebet Salomos war. Anläßlich der Einweihung des Tempels in Jerusalem hatte er Gott
um besondere Segnungen gebeten. Im Wesentlichen ging es in dem Gebet um Gottes
Bereitwilligkeit, Israel in Zeiten des Ungehorsams zu vergeben. Wie der Text klar zeigt,
war Gott nicht bereit, über Israels Verfehlungen hinwegzusehen, wenn sie abwichen.
Statt dessen sah er die Mittel zur Wiederherstellung vor. So erklärt er, daß es eine
Heilung gibt, wenn Israel unter der züchtigenden Hand Gottes leidet. O die Barmherzigkeit
und Gnade unseres Gottes.
Nun ist es gut, zuerst zu bemerken, welche erstaunliche Gnade Gott für die Seinen
vorsieht. Er ist kein aufbrausender Despot. Noch verwirft er in der Hitze seines Zorns
sein Volk. Er ist ein Gott, der sich mit den Seinen befaßt. Die einzelnen Teile des
vorhergehenden Abschnitts formulieren in geradezu furchtbarem Detail, wie weit Gott zu
gehen bereit ist, um sie zu behalten und zu korrigieren. Es ist in seiner Barmherzigkeit,
daß er betrübt; in seiner Gnade, daß er züchtigt; in seiner Liebe, daß er nicht mit
einem einzigen gerechten Schlag ein Ende macht. Nein, er verheißt zu konfrontieren, zu
ermahnen, zu schelten, zu züchtigen, zu schlagen mit aller Treue. Nein, nicht um zu
zerstören, sondern um zu retten. So ist die unerschütterliche Liebe unseres Gottes.
Obwohl wir so oft zur Selbstzerstörung entschlossen scheinen, so rettet er doch uns
Christen ständig vor uns selbst. O Christenmensch, er ist so gut.
Wie wir auch das letzte Mal bemerkten, müssen wir uns daran erinnern, daß seine
Verheißung nicht "amerikanisch" ist. Obwohl es heutzutage viele so ausgelegt
haben, weil Amerika für eine christliche Nation gehalten wird. In Wahrheit gilt die
Verheißung zuerst und vor allem Israel; und durch die Erweiterung von Gottes Bund
(Eph 2,14-22) für die Gemeinde. Keine andere Nation oder Gruppe ist jemals inbegriffen. Sie
gilt "dem Volk, welches nach seinem Namen genannt wird"; das sind Isra-EL und
die CHRIST-en.
Nun ist die Summe dessen, was er hier so gnädig gewährt, nicht die Formel für wahre
Erweckung sondern ihre Merkmale. Und darauf möchte ich eure Aufmerksamkeit für die
nächsten paar Tage lenken. Denn Erweckung ist ein Thema von großem Interesse für die
Gemeinde aller Zeitalter. Wir hören überall rund um uns viel darüber. Aber wie wenig
von dem, was in diesem Abschnitt genannt wird, hat mit dem zu tun, was heute in der
Christenheit "Erweckung" genannt wird. Jedoch wie dringend brauchen wir sie! Wir
haben eine Gemeinde, die dem Diktat und dem Stil, den Werten und den Methoden der Welt
erlegen ist. Wir haben die Fähigkeit verloren, in der Gesellschaft Gerechtigkeit zu
bewirken. Weltlichkeit und Sünde herrschen in der Gemeinde vor wie nie zuvor, nicht
weil die Sünde stärker ist, sondern weil wir so wenig von Gott haben. Von der Kanzel bis
zur Kirchenbank sind wir geprägt von Kompromiß, Eigenwillen, Menschenreligion und der
Preisgabe der Autorität und Hinlänglichkeit der Schrift. Wenn es jemals eine Generation
gab, die Erweckung brauchte, dann diese.
Im Text und nach Gottes Meinung besteht Erweckung aus diesen 5 Dingen:
- "und mein Volk, welches nach meinem Namen genannt wird"
- "demütigt sich"
- "und sie beten"
- "und suchen mein Angesicht"
- "und kehren um von ihren bösen Wegen"
Dann verspricht er: "so werde ich vom Himmel her hören und ihre Sünden vergeben
und ihr Land heilen."
Geliebte, laßt mich euch fragen ist euer geistliches Leben trocken und dürr
geworden? Ist da eine Schalheit? Gibt es wenig Weiterkommen? Wenig Lebendigkeit? Kurze
Anstrengungen aber kein Strom von Leidenschaft für Gott? Wenn ihr um euch blickt,
spiegeln eure Lebensart und Einstellung mehr von der Welt wider als von Christus? Habt ihr
euren Appetit am Wort verloren? Ist Gebet eine mühsame Übung, falls ihr überhaupt
betet? Werdet ihr von Sünden beherrscht, über die ihr einst Sieg hattet? Christ, du
brauchst Erweckung. Dieser süße Wind des Geistes Gottes muß wieder über die Seiten
deiner Seele streichen. Du brauchst von neuem die Fülle und Realität seiner herrschenden
Gegenwart. Und er will das gerne tun. Denn " wenn mein Volk, welches nach meinem
Namen genannt wird, sich demütigt, und sie beten und suchen mein Angesicht, und kehren um
von ihren bösen Wegen: so werde ich vom Himmel her hören und ihre Sünden vergeben und
ihr Land heilen."
Tag 2: Gottes Volk
Für die nächsten paar Tage betrachten wir das Thema Erweckung anhand des obigen
Textes. Wie wir gestern bemerkt haben, gibt es in der heutigen Gemeinde eine schreiende
Not nach echter Erweckung. Und wir müssen den Unterschied hervorheben zwischen Dingen,
die oft Erweckung genannt werden, und Erweckung, wie sie im Wort dargestellt wird. Es ist
kein geringes Problem, daß wir Begriffe oft schlampig anwenden um sie zu verschleiern.
Wir verwenden das Wort "Erweckung" für Evangelisationen, spezielle Gruppen oder
Meetings oder gar für populäre Trends oder Bewegungen in der Gemeinde. Diese haben alle
ihren Platz, aber sie haben wenig oder nichts zu tun mit Erweckung, wie sie in der Bibel
beschrieben wird. Erweckung im strengsten Sinn ist die Barmherzigkeit und Gnade Gottes,
die in besonderer Weise ausgegossen wird, um sein Volk wiederherzustellen. Sie ist eine
göttliche Heimsuchung, die das frische Leben der Gegenwart Christi in trockene und dürre
Seelen hineinhaucht, die ausgedörrt und abgezehrt sind durch geistlichen Kompromiß und
durch die daraus folgende züchtigende Hand Gottes. Sie ist die Bundeslade und die
Herrlichkeit des Herrn, die in das Allerheiligste zurückgebracht werden.
Wenige würden bestreiten, daß es einen furchtbaren Mangel unter uns gibt. Die
Christenheit ist nicht länger eine Bedrohung für die weltlichen Systeme und
Philosophien. Wir haben unsere Lehren so verwässert, unsere Überzeugungen so politisiert
und um gesellschaftliche Anerkennung gekämpft, daß wir wenig mehr als eine unter
Myriaden von Alternativen darstellen. Die Menschen haben nicht mehr Angst, sich der
Gemeinde anzuschließen, denn das Geweihte und das Heilige sind fast verschwunden. Es ist
nicht länger die Frage, ob gefallene Menschen für oder gegen uns sind; sie ignorieren
uns! Sie reagieren auf die Worte unserer Predigten und Lehren mit einer apathischen
Lauheit, die dem Geist entspricht, in dem sie gesprochen werden. Wie viele von uns können
behaupten, vom Eifer des Herrn verzehrt zu werden? Der Geist der Opferbereitschaft wurde
ersetzt durch eine Furcht vor dem Unbequemen. Brennende Leidenschaft für Christus wird
als eine Krankheit Junggläubiger angesehen. Wo sind Mitgefühl für die Verlorenen,
unersättlicher Hunger nach dem Wort, der notwendige Drang zur Anbetung oder echte
Zerbrochenheit über Sünde? Mit den Lippen bekennen wir die Autorität des Wortes, aber
in der Praxis ignorieren wir seine Hinlänglichkeit. Meistens beten wir aus Gewohnheit,
Ritual, Schuld oder weil wir "sollten" wenn überhaupt. Die Wahrheit
bewegt, wärmt, entflammt nicht mehr unsere Herzen. So bewegen, wärmen, entflammen wir
die Sinne in einem Versuch die Leere zu übertünchen. O Gott, unser Gott, lieber Gott
gib uns Erweckung!
So sehen wir also den allerersten Bestandteil echter Erweckung es ist das, was
zu "meinem Volk, welches nach meinem Namen genannt wird",
gehört. Es ist nicht eine Bewegung von außen, es ist Gott, der von innen her bekehrt und
wiederherstellt; Gott, der sich nicht mit verlorenen Seelen befaßt sondern mit verlorenen
Kindern. Erweckung ist im ersten Ansatz der verlorene Sohn, der zur
Besinnung kommt zu sich selbst. Sie ist das Aufheben der Augen in Armut an einem
fernen Ort, wo Gottes Begabungen leichtsinnig verschwendet wurden. Sie ist ein Herz, das
anfängt sich wieder nach Hause und nach dem Angesicht des Vaters zu sehnen. Sie ist der
Schmerz über den geistlichen Niedergang. Der Schock der Erkenntnis, wo wir hingekommen
sind, weckt endlich das durch Kompromiß abgestumpfte Herz auf. O Gott, unser Gott, teurer
Gott gib uns Erweckung!
Gebet:
Vater unsere Herzen erwachen von neuem zu dir hin. Wir blicken auf uns: besudelt
und bedeckt mit dem Schmutz unseres eigenen Verderbens. Wir haben dein sanftes Joch
abgeworfen, um in Ketten der Sünden gebunden zu werden. Wir haben all deine Schätze
genommen und sie für uns selbst verschwendet. Wir sind kalt und besudelt nackt und
hungrig. Wir sind so weit weg von dir. Es ist so lange her, daß wir die Musik deiner
Stimme gehört haben, die sanfte Last deiner Hand auf unseren Schultern gespürt haben.
Wir sehnen uns zurück nach dem Geruch deiner Kleidung, als wir dich umarmten, nach deinem
Lächeln, der Gewißheit deiner Gegenwart, nach der Ruhe und Sicherheit unserer eigenen
Betten, in unseren eigenen Zimmern, in deinem Haus. O Vater lieber Vater, wir
sehnen uns wieder nach dir. Wir suchen nicht länger unsere Selbstverwirklichung
wir kommen zu uns selbst und wir sind dein. Vater, wir wollen nach Hause kommen.
Das ist der Beginn von Erweckung.
Wir betrachten weiter das Thema Erweckung anhand unseres Textes. Zuerst haben wir
gesehen, daß Erweckung ein Werk Gottes unter seinem Volk, der Gemeinde ist. "Wenn mein
Volk" sagt der Text. Und wir haben bemerkt, daß es notwendig ist, wann immer die
Gemeinde von ihrer Treue zu Christus abfällt. Solche Erweckung mag persönlich sein,
innerhalb einer kleinen Gruppe oder örtlichen Versammlung, regional, national oder
global; wann und wo immer Gottes Volk lau geworden ist; wenn wir aufhören kalt und hart
gegenüber der Sünde zu sein und die glühende Hitze für Christus entflammter Herzen
verlieren; wenn wir in solcher Lauheit unserem Gott und König so zuwider sind, daß wir
gefährlich nahe daran sind, "aus seinem Mund ausgespieen zu werden" (Offb 3,16).
Dann ist es für die Gemeinde Zeit anzufangen, ihr Gesuch vor Gott zu bringen; ihn zu
suchen, durch die Himmelstore hineinzudrängen, damit wir von neuem den Hauch Gottes an
uns erfahren.
Wir sehen dann zweitens, daß diese ganze Sache mit Demut in den Heiligen verbunden
ist. "Wenn mein Volk, das nach meinem Namen genannt wird, sich demütigt".
Während dieses Demütigen zweifellos mit der nächsten Phrase verknüpft ist, nämlich
"sich demütigt und betet", so ist es dennoch gut, es einmal gesondert zu
betrachten. Denn es ist eine unabänderliche Satzung Gottes, daß "Gott den
Hochmütigen widersteht, aber den Demütigen Gnade gibt" (Jak 4,6). Die Schrift
wiederholt diesen Gedanken oft. Sie tut es, weil Stolz immer und ohne Abweichung zur
Selbstherrschaft im Gegensatz zur Gottesherrschaft führt. Stolz spielt den menschlichen
Willen immer gegen den Willen Gottes aus. Es ist der Mensch, der an sich reißt, was
allein Gott zusteht: richtig und falsch zu unterscheiden. Alles Böse kommt daher. Wir
sehen das im Garten Eden, wo Satan Gottes Gesetz herausfordert und wo der Mensch es
verletzt, indem er denkt, er kann es ungestraft übertreten. Jeder Kompromiß mit der
Sünde, den wir eingehen, ist stolze Rebellion gegen Gottes Absoluta und ein Versuch, sie
nach unserem Willen umzubiegen. "Sechs sind es, die Jahwe haßt, und sieben sind
seiner Seele ein Greuel." (Spr 6,16). Das erste in der Liste sind "stolze
Augen". "Hoffart geht dem Sturze, und Hochmut dem Falle voraus." (Spr 16,18)
Nun zeigt sich Stolz hauptsächlich auf vier Arten:
- Sich selbst den anderen überlegen einzuschätzen
- Durst nach Anerkennung
- Selbstbestimmung gegen die Autorität Gottes (und folglich aller anderen)
- In allen Dingen sich auf sich selbst verlassen und in sich selbst Genüge zu haben
Wenn die Gemeinde also ein geistliches Elitedenken einreißen läßt, besonders, wenn
ein Teil des Leibes solch eine Haltung gegenüber irgend einem anderen Teil des Leibes
einnimmt; wenn einzelne Gemeinden, Diener und Dienste sich mästen mit Eigenwerbung und
öffentlichem Aufstieg; wenn einzelne Christen und ebenso Denominationen biblische
Anbetung verwerfen um kreativ, ausdrucksvoll oder irgend etwas anderes zu werden, was uns
gerade einfällt; wenn es um Programme, Pläne und Techniken geht, um unsere
Vision für die Gemeinde zu verwirklichen: dann sind wir gefallen. Geliebte, wenn das
nicht ein Bild des modernen Evangelikalismus in Amerika ist, dann weiß ich nicht, was es
ist. Erweckung ist niemals das Produkt einer solchen Atmosphäre. Sie ist ihr Gegensatz,
ihre Heilung.
So werden wir zu dem Schluß gebracht: Damit Erweckung unter uns sein kann, müssen wir
uns demütigen. O Gemeinde höre! Während es so zugeht, während wir unsere Köpfe
in frecher Selbstzufriedenheit erheben, ist die Gemeinde kraftlos, unwirksam, dumm,
weltlich und eine Schande für den Namen Christi. Der Ruf an uns ist, all das wegzuwerfen!
Die dringende Not der Stunde ist es nicht, unsere Organisationen, Gemeinden, Dienste oder
uns selbst zu verherrlichen, sondern vor dem Kreuz niederzufallen und ihn zu
verherrlichen! "Wenn mein Volk ... sich demütigt" ist der Ruf, nicht wenn sie
sich selbst fördern und Überlegenheit gewinnen. Die Gemeinde überwindet niemals die
Welt, wenn die Gemeinde nicht von Christus überwunden wird. Als er kam, "machte er
sich selbst zu nichts". Er kümmerte sich nicht darum, wie er aufgenommen wurde,
sondern nur, daß er den Willen des Vaters tat.
Erweckung wird bei Menschen gefunden, die sich selbst aufgegeben haben, um Ihn zu
gewinnen; die nicht mehr Personen untereinander vergleichen, die auf Anerkennung pfeifen,
damit Christus den Vorrang habe, die alles der Autorität seines Wortes und seines
innewohnenden Geistes übergeben und die mit dem Gebet auf das Angesicht fallen, daß er
tun möge, was niemals durch den Arm des Fleisches getan werden kann. Erweckung ist in
denen, die sich zum Motto gemacht haben: "Ohne Christus kann ich nichts tun".
Sie ist in den Herzen derer, die sagen: "Alles andere beiseite, gib mir
Christus!" Bis du und ich uns nicht mehr kümmern um Position, Status, Autorität
oder Verdienste, damit wir ihm zur Verfügung stehen, solange werden wir nichts von echter
Erweckung erleben. Wir haben unsere erste Liebe verlassen.
Gebet
O Gott, unser Gott, gib uns gar nichts, wenn du uns nicht mehr von Christus gibst! Wir
flehen dich heute an. Wir werfen all diese anderen Dinge ab. Wir hassen und verabscheuen
sie. Wir bitten, vergib uns, daß unsere Herzen je so geneigt waren. O wie wir gegen dich
gesündigt haben. Wir tun Buße o Herr, wir kehren um von dieser unserer Bosheit. Willst
du uns nicht wieder gnädig sein und Quellen göttlicher Gunst über uns gießen? O laß
es so sein. Denn wir sind dein, und du bist unser. O Gott, belebe uns wieder!
Bisher haben wir zwei zentrale Gedanken im Zusammenhang mit echter Erweckung gesehen:
- Erweckung (wie weit auch immer sie sich dann ausbreiten mag) ist in ihrem Kern etwas,
das Gottes Volk betrifft.
- Erweckung ist untrennbar verbunden mit der Demütigung des Gottesvolkes. Wir können
hier anmerken, daß der Text sagt: "sich demütigen". Das spricht von Herzen,
die bereitwillig Stolz, Arroganz und Selbstsucht ablegen. Es ist nicht einfach ein von
außen gedemütigt werden, sondern Christus nachfolgen und sich selbst zu nichts machen.
Unsere Selbstliebe ist unser Lieblingskind; sie ist unser Isaak. Und wir sind mehr
abgeneigt, es auf dem Opferaltar darzubringen als Abraham es war. Aber genau das bedeutet
es. Wir antworten so, wie wir denken, daß Abraham hätte antworten sollen: "Herr,
ich kann nicht, du mußt es tun. Ich kann es nicht ertragen zu sehen, wie dieser einzige
geliebte Sohn auf diese Weise geopfert wird. Aber wenn es so sein muß, so laß es doch
nicht durch meine eigene Hand geschehen. Nimm ihn im Schlaf weg. Laß ihn durch ein Fieber
oder eine Seuche umkommen. Laß einen tragischen Unfall über ihn kommen, aber laß nicht
mich meine eigene Hand gegen ihn erheben!" Aber Stolz wird nur durch unsere eigene
Hand geopfert. Wir müssen selbst die Knie beugen. Wir müssen das Messer in unsere
eigenen Herzen stechen. "Wenn mein Volk, welches nach meinem Namen genannt ist, sich
demütigt".
Wir gehen jetzt weiter zum dritten Gedanken, der im Text vor uns liegt: "wenn mein
Volk, welches nach meinem Namen genannt ist, sich demütigt und betet".
Merke wohl, Erweckung, echte Erweckung ist immer, ausnahmslos gekennzeichnet durch
starkes, inbrünstiges Gebet. Wir könnten leicht auf die Geschichte verweisen. Lest die
Berichte der Erweckung in Wales, des "Great Awakening" oder des "Second
Great Awakening". Untersucht die Reformation. Schaut euch die Geschichten von
Erweckungen in irgendeiner Generation oder irgendeiner Kultur an, und ihr werdet Gebet
immer als festen Bestandteil sehen. Und ihr könnt auch festhalten, daß falsche
Erweckungen einen schlimmen Mangel an Gebetsgeist haben. Es mag Eifer und Erregtheit
geben, aber die mühevolle, herzzerreißende Arbeit inständigen Gebets ist selten wenn
überhaupt da, und ist sicher kein herausragendes Merkmal. Aber abgesehen von der
Geschichte unser Text stellt es uns so dar, und daher muß es so sein. Wenn der
Geist des lebendigen Gottes anfängt, sich mächtig unter seinem Volk zu bewegen, dann
fangen sie an zu ihm zu schreien. O daß doch Gott heute unsere Herzen so entzünden
möge! In der Mitte des Gottesvolkes, das zur Besinnung kommt, im Schrecken der Sünde,
die dem Herzen aufgedeckt wird, und des traurigen geistlichen Zustandes der Gemeinde, der
auf der Seele lastet, in dieser Stunde, wenn wir endlich sehen, daß unsere ganze
Frömmigkeit in uns selbst bestand statt in Ihm, dann fallen Männer und Frauen auf ihre
Angesichter und schreien zu Gott! Es ist unvermeidlich! Hilflose, sündenbefleckte,
überführte Herzen suchen Gott im Wissen, daß er allein das Blatt wenden und sie beleben
kann. Selbstzufriedene, laue Herzen, die an ihren eigenen Plänen festhalten, machen Gebet
zu einem Ornament auf dem Gewand ihres geistlichen Stolzes.
Es ist immer die Frage, ob Erweckung den Geist des Gebets bringt, oder ob Gebet den
Geist der Erweckung bringt. Freund, ich weiß es nicht. Aber so viel ist sicher: Es gibt
nichts, was würdig ist, den Namen Erweckung zu tragen, ohne daß das Volk Gottes auf
seine Knie getrieben wird und verzweifelt zu Gott schreit, um ihm zu nahen, um von den
Sünden gereinigt zu werden und seinen Segen zu erlangen. Wir können ebenso gut
versuchen, die Hitze von der Flamme zu trennen. So kalt, förmlich und rituell unsere
Gebete sind, so weit sind wir von Erweckung entfernt. Wann war das letzte Mal, daß du
zusammen mit dem Propheten ausriefst: "Wo ist der Gott Elias?" Gibt es nicht
eine innige Not an seiner Gegenwart, seinem Bewegen, seinem Wirken an der Seele, damit wir
voll heiliger Leidenschaft für Christus werden? O daß wir wieder betende Leute werden
mögen! Nicht nur Leute, die beten, sondern betende Leute gekennzeichnet, geprägt
durch Gebet; eingetaucht darin, ihm hingegeben. Das Herz der erwachenden Gemeinde weiß
dies, und wenn es das einzige ist: Ohne Ihn können wir nichts tun. Und so sucht es ihn
unablässig und gewissenhaft.
Gebet:
Liebender Vater wie weit sind wir davon weggekommen. Wie gewandt kommen die
Worte über unsere Lippen. Wie haben wir doch die stille Kammer aufgegeben um der
Unterhaltungen und Muße willen. Wie abgeneigt sind wir der Unbequemlichkeit einer so
himmlischen Sache, die uns doch direkt zu deinem Thron bringt. Wir dienen mit Lippen
sowohl dem Gebet als auch im Gebet. Wir haben uns selbst getäuscht, indem wir denken,
alles sei in Ordnung. Wir sind träge geworden in Gleichgültigkeit, zufrieden mit dem
Status quo. O erquicke uns wieder. Entzünde uns von neuem. Laß den Geist des Gebets so
auf uns fallen, daß wir ein Volk sind, das vor allem das Angesicht unseres Gottes sucht.
Wir sind so kalt, so banal, so voll von uns selbst. Wir wollen voll von Christus sein. Wir
bitten, gib uns wieder deinen eigenen lieblichen Geist im Gebet. O Gott, unser Gott,
lebendiger und wahrhaftiger Gott, belebe uns wieder!
Tag 5: Gottes Angesicht suchen
Wir haben das Thema Erweckung anhand dieses bekannten Textes aus dem alten Testament
untersucht. Wir haben gesehen, daß Erweckung eine Bewegung Gottes zur Wiederherstellung
unter seinem Volk ist und daß sie immer Demütigung und starkes Gebet einschließt. So
kommen wir zum nächsten Bestandteil, dem Suchen von Gottes Angesicht. Viele sehen diese
Phrase nur als eine Erweiterung des Gebets. Sicherlich hat Gebet auch diesen Aspekt. Im
Gebet suchen wir tatsächlich Gott. Aber der Text trennt das eine vom anderen, so daß wir
besonders Notiz davon nehmen, und das sollten wir auch tun.
Durch die ganze Schrift hindurch bedeutet der Gedanke des Angesichtes Gottes immer
eines von den beiden:
- Gemeinschaft mit Gott, Beziehung zu Gott und/oder
- die Gunst Gottes
Als David betrübt ist über die Auswirkung seiner Sünde, drückt er es in diesen
Worten aus: "Wie lange, O HERR, willst du mich ganz vergessen? Wie lange verbirgst du
dein Angesicht vor mir?" (Ps
13,2) Der Verlust der Intimität und Gemeinschaft mit
Gott betrübte das Herz Davids mehr als alles Übrige. Er konnte alles ertragen, nur nicht
das. In diesem Zustand trauert er. Seine Kraft verebbt, und seine Hoffnung ist trüb. Sein
Herz wird mutlos, denn er erkennt den Verlust der unmittelbaren Gegenwart Gottes.
Ebenso, wenn wir den oft zitierten Segen aus 4Mo 6,23-26 aussprechen: "So
sollt ihr die Kinder Israel segnen; sprechet zu ihnen: Jahwe segne dich
und behüte dich! Jahwe lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei
dir gnädig! Jahwe erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!" Was anderes bedeutet dieser
Segen als folgendes: Daß wir vor ihm in ständiger Gemeinschaft und somit im Vertrauen
auf seine Gunst leben. So ist es bei echter Erweckung, daß das Volk Gottes erkennt, daß
diese enge Vertrautheit mit ihm (vor seinem Angesicht zu sein) abhanden gekommen ist; daß
seine Nähe, seine Vertrautheit nur kalte Lehre und keine lebendige Realität sind.
Nun stimmt es, daß wir uns oft Gottes Gunst nicht bewußt sind, obwohl sie stark und
unverändert da ist. Gefühle sollen nicht als Barometer für die Wahrheit dienen.
Natürliche Launen, Streß, Anstrengungen und viele andere Dinge beeinträchtigen unsere
Wahrnehmung. Daß man eine Gänsehaut bekommt, ist nicht das Prüfkriterium, ob Gott am
Wirken ist. Das ebnet Fanatismus und Sinnlichkeit aller Art die Bahn. Aber zugleich ruft
es eine entsprechende Reaktion hervor, wenn wir mit Wahrheit konfrontiert werden. Schuld
sollte Beschämung und das Gefühl des bevorstehenden Gerichts hervorrufen; Vergebung
dagegen Freude und Erleichterung. Wenn wir weit von der beständigen Gemeinschaft mit Gott
entfernt sind, sollte das Traurigkeit und Unwohlsein hervorrufen; wenn wir wieder zu ihm
zurückgebracht werden, Zuversicht und Frieden. Der heilige Geist tut beides: er
überführt von Sünde, so daß wir uns schämen, und er gießt in unseren Herzen die
Liebe Gottes aus.
So ist die Frage für uns heute: Sind wir ein Volk, das darauf bedacht ist, das
Angesicht Gottes zu suchen? Fühlen wir in uns die Not, das zu tun? Wie ist unsere
Gemeinschaft mit ihm? Wandeln wir wirklich in göttlicher Gunst, oder schauen wir über
die Schulter und hoffen, daß die "Glückssträhne" anhalten wird? Gibt es
unbekannte Sünde, von der wir wissen, daß sie uns vom Angesicht Gottes trennt, aber wir
machen einfach weiter so? Nahen wir zu ihm? Fühlen wir, wie nötig es ist, ihm zu nahen?
Sind unsere Herzen wirklich voll bis zum Überfließen aufgrund seiner segensreichen
Nähe, oder denken wir schon lange überhaupt nicht mehr darüber nach? Ist Gott real;
wirklich real? Oder ist unsere Beziehung zu ihm mehr wie eine beiläufige Bekanntschaft?
Wir lächeln und grüßen im Gottesdienst. Wir vergießen beim Brotbrechen eine Träne
gemischter Gefühle. Aber die Tiefe unserer Gemeinschaft ist, wie wenn wir den örtlichen
Polizeibeamten höflich grüßen. Er ist da, um unser Leben zu beschützen, aber wir
erkennen in nur an der Uniform. O wie sehr brauchen wir dann Erweckung!
Gebet
Gelobter Vater, vergib uns. Selten denken wir daran, zu dir hin zu drängen. Gib uns
das Herz Davids, als er schrie "Von dir hat mein Herz gesagt: Du sprichst:
Suchet mein Angesicht! - Dein Angesicht, Jahwe, suche ich." O Gott, wir schließen
heute unsere Stimmen der seinen an und bitten: "Verbirg dein Angesicht
nicht vor mir, weise nicht ab im Zorne deinen Knecht! Du bist meine Hilfe
gewesen; laß mich nicht und verlaß mich nicht, Gott meines Heils!" Wenn es jemals eine Generation,
eine Zeit in der Gemeinde gab, die es nötig hat, dein Angesicht zu suchen, Herr, dann ist
es jetzt! Unsere Nation schlittert täglich tiefer in Sünde und Rebellion hinein. Unsere
Gemeinden kompromittieren deine Wahrheit, ignorieren dein Wort, würdigen nicht deinen
Tisch und verehren die Kreatur. Höre uns o Gott! Wir brauchen dich! Unsere Programme
haben versagt. Der Arm des Fleisches ist zerbrochen, unsere Gebetskammern sind leer und
unsere Knie sauber. Belebe uns! Belebe uns, Herr! Belebe uns, Vater! Laß Dein Antlitz
wieder über uns leuchten. Mache unsere Herzen so hungrig und durstig nach dir, daß wir
vor nichts haltmachen um wieder vor dich zu kommen. O Gott, unser Gott, teurer Gott
gib uns Belebung!
Tag 6: Umkehr von Sünde
Bisher haben wir gesehen, daß Erweckung aus vier Dingen besteht, und heute morgen
werden wir ein fünftes hinzufügen. Wann immer und wo immer es echte Erweckung gibt,
betrifft sie immer Gottes Volk, welches nach seinem Namen genannt wird, das sich
demütigt, betet, sein Angesicht sucht und von seinen bösen Wegen umkehrt. Nun ist
dieser letzte Aspekt so kritisch, daß es ohne ihn keine echte Erweckung geben kann. Und
doch fehlt dem um uns herum, was gewöhnlich als Erweckung bezeichnet wird, meistens
dieses wesentliche Merkmal.
Bitte hört mich, Geliebte, es gibt dafür keinen Ersatz, es gibt kein Herumkommen.
Erweckung entsteht unter Leuten, die es mit dem Abwerfen der Sünde todernst meinen. Der
Schmerz, der Schrei, ja selbst der Schlag ihrer Herzen dreht sich um eine feine Empfindung
ihrer eigenen Sünde und der resultierenden Entfremdung von Gott. Diese Phrase "von
seinen bösen Wegen umkehrt" ist kraftvoll. Denn das Wort das für Bosheit verwendet
wird, bedeutet in seiner Wurzel alles, was falsch ist in Bezug auf die ursprüngliche und
fortwährende Absicht Gottes. Es ist das Wort, das verwendet wird zur Beschreibung des
Baumes der Erkenntnis des Guten und des Bösen im Garten Eden. Was diese Frucht
verderbenbringend und tödlich machte, war nicht seine physische Natur, sondern daß das
Essen dieser Frucht Gottes Absicht, seinen Willen verletzte. Wir sind so schnell dabei,
unsere Sünde zu entschuldigen, besonders diejenige, die niemandem offenkundig oder
äußerlich schadet. "Es tut ja niemandem weh" ist unsere Rechtfertigung. Adam
hätte schwerlich gegen Gottes Urteil argumentieren können, indem er erklärte:
"nun, ich habe ja keine Bäume niedergebrannt, sie sind alle noch in Ordnung. Ich
habe auch nicht die anderen Pflanzen ausgerissen. Ich habe ihre Pflege nicht
vernachlässigt, ich habe nur ein wenig von dieser Frucht gegessen." Und doch denken
wir, wir könnten unsere eigene Sünde so rechtfertigen. Ich habe dein Wort nicht
vernachlässigt, auch nicht die Anbetung oder das Brotbrechen. Ich töte, vergewaltige,
beraube niemanden. Ich gebe den Zehnten, besuche die Kranken, singe im Chor und sitze im
Brüderrat also was ist so schlimm, wenn ich ein bißchen von dem dort möchte? O
welch blasphemische Verführung unserer gefallenen Herzen.
Das Wort trägt aber noch mehr Bedeutung in sich. Es beinhaltet die Ablehnung Gottes im
Hinblick auf individuelle Handlungen, die zu Gewohnheiten werden und schließlich als
Zwänge Besitz ergreifen. Die Sünde hat ein heimtückisches, fortschreitendes Wesen. Wir
denken, wir können sie in bestimmten Grenzen halten, aber wie die Hefe im Teig steckt sie
letztlich jeden Teil an. Sie beginnt in der Sprache, bewegt sich weiter zur Praxis und
endet letztlich in der Darbringung profaner Opfer. So schießt sie wie ein Pilz zum
vollentwickelten Götzendienst empor, obwohl wir nie in der Gemeinde gefehlt haben und das
Haus Gottes nicht vernachlässigt haben. Es ist der Christ, die Gemeinde, die sich in
irgendeinem Kompromiß anpaßt. John Owen hat es gut ausgedrückt: "Die Wurzel des
fleischlichen Wandels ist die Verdauung der Sünde ohne Bitterkeit." Schau um dich
herum. Was tolerierst du heute, das dich vor 5 bis 10 Jahren hätte schamrot werden
lassen? Was lassen wir herein unter dem Deckmantel der Unterhaltung, Kunst, Literatur oder
Kultiviertheit? Freund, erkennst du es nicht in deinem eigenen Leben? Möge Gott es
schenken, daß unsere Herzen es nicht länger ertragen können. Deshalb brauchen wir
Erweckung. Wir sind gebunden und gefesselt durch unsere eigene Einwilligung, die diese
Dinge hervorgebracht hat, von denen wir genau wissen, daß sie sich nicht mit unserer
Hingabe an einen heiligen Gott vertragen.
Wie also wird der Schleier von unseren Augen genommen? Wie fangen wir wieder an, die
Notwendigkeit der Erweckung zu empfinden? Wie schütteln wir die Trägheit und den Nebel
ab, um uns wieder in solcher Weise nach Gott auszustrecken und zu ihm zu schreien?
Folgendes, Geliebte, müssen wir tun:
Erstens müssen wir anfangen, zu Gott zu schreien, daß er unsere Augen öffnen, uns
unseren Zustand voll bewußt machen und uns einen unstillbaren Hunger nach ihm schenken
möge. Darum sind Gebet und Erweckung nicht von einander zu trennen. Wenn unsere Sünde
nicht offenkundig und aufgedeckt ist, so kennen wir ihn nur von der Ferne wenn
unsere Herzen nicht in uns brennen, ihn mehr zu kennen, wenn unsere Anbetung und
religiöse Pflicht zur Routine geworden ist oder austauschbar dann sind wir schon
weit in der Gefangenschaft und brauchen seine belebende Berührung. "Erforsche mich o
Gott" ist der Ruf. "Untersuche mich, prüfe mich, teste mich und wenn
sich irgendein Weg der Bosheit in mir findet, o Gott, dann zeige ihn mir, damit er
bereinigt werden kann!" Die Sehnsucht nach Erweckung kommt daher, daß wir seine
Beurteilung der Dinge bekommen, nicht unsere.
Zweitens müssen wir uns der sogenannten Gnadenmittel bedienen. Man kann nicht
wahrhaftig und intensiv das Wort Gottes studieren, ohne daß es den Scheinwerfer der
Heiligkeit auf die Seele wirft. Wenn du in diesen göttlichen Spiegel schaust und du
siehst keinen Makel, dann belügst du dich selbst. Denn das Bild darin ist das des
Vollkommenen und Gerechten, des Heiligen Gottes. Bist du so kühn und unverschämt zu
denken, du hättest es schon erreicht? Willst du dein Herz nicht zerbrechen lassen über
der Sünde, die das gesegnete Antlitz in dir so verdirbt? Wie hart und herzlos wir sind!
Auch Predigen ist ein Gnadenmittel. Unterwirfst du dich der Auslegung des Wortes Gottes,
damit dir Herz und Seele erneuert werden? Oder suchst du einen Diener und einen Dienst, dem
es mehr darum geht, daß du dich gut fühlst, als daß du den Himmel erlangst und jetzt an
Heiligkeit zunimmst? Suchst du dir einen Arzt, der dir eine genaue Diagnose stellen kann
oder einen der dir auf die Schulter klopft und dir sagt, alles ist in Ordnung, während du
doch zunehmend abbaust unter der Umklammerung einer tödlichen Krankheit? Und auch der
Tisch des Herrn ist ein mächtiges Gnadenmittel. Kannst du leidenschaftslos hinzutreten?
Brechen der gebrochene Leib und das vergossene Blut nicht auch dein Herz? Wenn nicht
warum nicht? Ist es nur Gewohnheit? Nur ein Brauch? Schön schon, aber nicht
wirksam? O Gott behüte, daß wir jemals mit teilnahmslosen und gewöhnlichen Herzen zu
dieser heiligen Verordnung hintreten! Das ist sein Blut, vergossen für meine Sünde. Das
ist sein Leib, geschlagen, geschunden und zerbrochen für meine Ungerechtigkeit. Kann ich
dann mit kaum mehr als billiger Sentimentalität hinzutreten? O wie wir Erweckung
brauchen!
Gebet
Himmlischer Vater, wir sind wie Simson, begabt und mächtig in dir, aber wir merken
nicht, daß uns der Geist Gottes verlassen hat, weil wir nicht von unserer Sünde lassen.
Wir sind glücklicher mit der Erinnerung an dein Lächeln als mit dem Gedanken es wieder
zu suchen. Wir sind kalt und gleichgültig. Wir entschuldigen alle möglichen Sünden, um
nicht irgendwie beschwert zu werden. Wir denken, daß uns die heiligsten Dinge
selbstverständlich zustehen. Wir haben die Herzen zurückgelassen, die mit Leidenschaft
Gott suchen und ihm wohlgefallen wollen. Wir haben angefangen uns einzubilden, daß du zu
unserer Freude existierst statt wir zu deiner. Wir sind schwarz und sündenbefleckt. Wir
sind schwach und zugrunde gerichtet. Wir haben den Götzen Ego angebetet und haben dir
unsere lahmen und fehlerhaften Ziegen geopfert. O Gott vergib uns! Mächtiger, lebendiger
Gott, vergib uns! Gepriesener, liebender Herr, vergib uns und sende uns Belebung.
O wie wir deine Belebung brauchen!
Tag 7: Vergebung und Heilung
Wir kommen nun zum Ende unserer Betrachtung dieses wunderbaren Abschnitts. Wir haben
die wesentlichen Bestandteile echter Erweckung gesehen. Es ist ein Wirken Gottes unter
seinem eigenen Volk, um sie wieder herzustellen zu geistlicher Lebendigkeit und Treue. Wir
haben gesehen, daß es bewußte Demütigung unsererseits umfaßt, eine Hingabe zum Gebet,
ein Suchen des Angesichts Gottes und ein Umkehren nicht nur von sündigen Taten, sondern
von sündigen Wegen; Gewohnheiten und Tendenzen der Sünde und sündige Gesinnung, die mit
der Zeit unbemerkt gewachsen sind. Solche Dinge sind wie Unkraut in uns, das den
Sonnenschein seines Antlitzes abblockt und uns das Leben aussaugt und erstickt, indem es
uns von den Ressourcen in Christus abschneidet. So ist der Christ, die Gemeinde, die
Belebung braucht. So ist die evangelikale Gemeinde in Amerika heute. Gebunden,
ausgetrocknet, irregeleitet und dahinsiechend an den Folgen eines Lebens, das nicht der
Heiligkeit hingegeben ist und zufrieden mit irgendeiner Form von Religion.
Aber schau dir doch bitte diese letzten paar Phrasen an. Was beginnt mit "wenn
mein Volk", endet mit "so werde ich vom Himmel her hören und ihre Sünden
vergeben und ihr Land heilen." O die Barmherzigkeit und Gnade Gottes! Er ist nicht
einer, der die Seinen verwirft. Aber schau, wie er den Weg mit gnädiger Anweisung
bereitet und ihn dann mit dem Wort seiner Verheißung versiegelt. Er ist nicht ein Gott,
der uns in unserer Sünde läßt. Obwohl wir nichts als seine Verachtung, seinen Zorn,
seine Gerechtigkeit verdienen so küssen sich doch immer noch Gerechtigkeit und
Friede in Christus, und die Hoffnung wird uns dargereicht! Gott hört, Gott vergibt! Gott
stellt wieder her! O welch kostbarem Herrn wir dienen.
Nun wurden die Verheißungen Israel in Bezug auf einen physikalischen und
geographischen Ort gegeben. So sagt der Text, daß er ihr Land heilen wird, sie
zurückbringen wird in ihr Erbteil, nachdem sie es durch Kompromiß und Sünde verloren
haben. Diese Verheißung galt ganz Israel ausgenommen die Leviten. Die Leviten
sollten kein Erbteil erhalten. Sie haben ursprünglich keines erhalten und werden auch bei
der Wiederherstellung keines erhalten. In 4Mo 18,20 lesen wir: "Und Jahwe sprach zu
Aaron: In ihrem Lande sollst du nichts erben und sollst kein Teil in ihrer Mitte haben;
ich bin dein Teil und dein Erbe inmitten der Kinder Israel." Was für ein Bild für
die Gemeinde! Uns wird kein verheißendes Land garantiert. Wir sind in der Tat ein
königliches Priestertum. Das wird bekräftigt durch die Art des Vorgeschmacks dessen, was
wir erhalten werden. Die Anzahlung unseres Erbes ist die segensreiche Gegenwart des
Heiligen Geistes selbst. Und wenn er das Angeld ist wie muß erst das Ganze sein?
Es kann nur das eine sein die unverhüllte Gegenwart Gottes für alle Ewigkeit! O
herrliches, wunderbares Erbteil! Auch in Bezug darauf sind wir also im Exil, wenn wir in
Sünde und Ungehorsam wandeln nicht mehr oder weniger als die Herrlichkeit seiner
Gegenwart. Und dorthin bringt er seine Gemeinde durch Erweckung zurück zu Ihm
selbst.
Christ, wir können über Zeichen und Wunder und geistliche Gaben reden. Wir können
über große Bewegungen und geistliche Erfahrungen sprechen. Aber wenn das alles gesagt
und getan ist, so bleibt als Summe wahren Christentums folgendes übrig: "Christus in
euch, die Hoffnung der Herrlichkeit." (Kol 1,27) Und ist es nicht so, daß genau
diese Realität uns meistens fern ist? Wieviele können mit Paulus sagen "Christus
ist mein Leben"? Ist er so nahe, so teuer? Ist die Stunde des Gebets noch
"lieblich"? Oder wurde sie zu dem Haufen der anderen gescheiterten Launen
verbannt? Erweckung stellt Gottes Volk wieder zum Ihm her. Niemand lasse sich verführen
irgend etwas anderes zu suchen oder zu verfolgen, wie attraktiv es äußerlich auch immer
scheinen mag. Herzen, die leidenschaftlich für Christus lodern, nicht für das Brot, das
er uns geben könnte, um unsere irdischen Gelüste zu befriedigen. Das ist das Feuer der
Erweckung. Laßt Torheit, Gefühlsbetonung, Fanatismus und das Vorzeigen fleischlichen
Eifers dahinfahren. Erweckung bringt uns weinend vor das Angesicht Gottes. Der verlorene
Sohn ist nicht einen Sprung nach Hause gekommen, um Essen zu verlangen und wieder
wegzugehen, um sich mit seinen Freunden zu vergnügen. Er kam in Reue über seine Sünde.
Er kam demütig, um die Stellung als Sohn gegen die Stellung als Sklave einzutauschen. Er
kam, seinen Vater zu suchen. Er kam mit der Bitte um Vergebung und er fand Gnade.
Das ist seine Verheißung.
Das ist Erweckung.
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