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Fragen rund ums Beten
Inhalt
1. Was sagt die Bibel zum Thema Gebet?
2. Werden Gebete von Christen immer erhört?
3. Kommt es auf die Anzahl der Beter an?
4. Reicht nicht ein einfach gesprochenes Gebet aus?
5. Gibt es ein richtiges, wirkungsvolles Beten?
6. Erhört Gott die Gebete aller Menschen?
7. Wie sollen Gottes Kinder beten?
8. Können Gebete Gott ein Gräuel sein?
9. Gibt es Bedingungen dafür, dass Gott Gebete erhört?
10. Zu wem sollen wir beten?
Frage
Was steht in der Bibel alles zu
diesem Thema?
Antwort
Gebet ist eines der wichtigsten und am häufigsten vorkommenden Themen in der Bibel.
Kein Wunder - schließlich ist es die Antwort des Menschen auf Gottes Reden, bzw. die
Hinwendung des Menschen zu Gott. Und genau darum geht es in der Bibel: Wie Gott und Mensch
in Beziehung treten können. Kommunikation ist das Wesen einer Beziehung. Zu einer
Beziehung mit Gott gehört es, auf ihn zu hören und mit ihm zu reden. Daher ist die Bibel
voll von Aussagen über Gebet und voll von Gebeten. Immerhin gibt es neben zahlreichen
anderen Gebeten in der Bibel 150 Psalmen (Lieder), von denen die allermeisten Gebete aus
verschiedensten Lebenslagen sind. Aus den Psalmen lernt man auch eine der wichtigsten
Lektionen, was Beten betrifft: Es geht letztlich um Gott. Oft fängt der Beter an, Gott
sein Elend zu klagen, doch richtet sich sein Blick mit der Zeit immer mehr auf Gott, bis
er in Dank ausbricht und voller Hoffnung sein Gebet beendet.
Um eines der wichtigsten Gebete in der Bibel herauszugreifen: Das sogenannte
Vater-Unser (Mt 6,5-15) betont dieselbe Tatsache. Es geht zuerst um Gott, um seine Ehre,
sein Königreich, seinen Willen. Und dann geht es um unsere materiellen (das
tägliche Brot) und geistlichen Bedürfnisse (Sündenvergebung und Rettung vor
dem Bösen).
Wer sich im Gebet an diesen Prioritäten orientiert, wird sich an einer engen, Trost
und Kraft gebenden Beziehung zum Vater erfreuen dürfen, wie es auch Jesus tat.
Abgesehen von der Erhörung seiner Gebete sind diese für den Christen lebenswichtig,
denn sie sind sein Lebenselement. Im Gebet übt er seinen Glauben, seine Demut, seine
bewusste Abhängigkeit von Gott. Gebet verändert sein Herz und sein Leben, denn Gott
verwendet es, damit er mehr und mehr seinen Willen, seine Pläne versteht und sein Wesen
annimmt. Im Gebet pflegt das Gotteskind seine intime Beziehung zum Vater. Indem es zum
Vater hingewandt dankt, bittet, sucht, beharrt, ringt, wird es in das Vorbild Jesu
umgestaltet.
In den folgenden Antworten finden sich nähere Ausführungen, was
die Bibel zum Thema Gebet sagt.
Frage
Ich habe gelesen, dass Gebete von Christen immer von Gott erhört werden. Sagt Gott
nicht auch mal nein?
Antwort
dass Gebete von Christen immer von Gott erhört werden, kann man nicht so absolut stehen
lassen. Es gibt zwar Bibelstellen, die man bei oberflächlichem Lesen so verstehen könnte
(z.B. Mt 7,7-8), aber wenn man genauer hinschaut, erkennt man, dass es Bedingungen für
die Gebetserhörung gibt.
Mt 7,7-8 Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden;
klopft an, und es wird euch geöffnet werden! Denn jeder Bittende empfängt, und der
Suchende findet, und dem Anklopfenden wird aufgetan werden.
Das ist eine großartige Verheißung, aber aus den folgenden Versen (Mt 7,9-11) geht
hervor, dass Gott denen, die ihn um gute Gaben bitten, auch gute Gaben gibt. Er gibt
gewiss nicht jede schlechte Gabe, um die seine Kinder ihn bitten, so wie auch menschliche
Eltern das mit ihren Kindern nicht tun würden. Allerdings kommen Eltern manchmal
bestimmten Wünschen ihrer Kinder nach, obwohl es ihrer Überzeugung nach eigentlich nicht
das Beste für das Kind ist. Doch ist es für die Entwicklung des Kindes mitunter
notwendig. Ebenso gibt es Beispiele in der Bibel, wo Gott die Wünsche von Menschen
erfüllt, die hartnäckig etwas wollen, was gegen Gottes Willen ist:
- Ps 78,29-31: Es steht zwar nicht, dass das Volk direkt zu Gott gebetet hatte, aber Mose
brachte das Verlangen des Volkes nach Fleisch vor Gott, und er erhörte sie - jedoch zum
Gericht.
- Die Geschichte von Bileam (4Mo 22) zeigt, dass Gott den Herzenswunsch Bileams erhörte.
Er hatte aber Bileam vorher klar gesagt, dass er nicht zu Balak gehen soll. Es ist
gefährlich, etwas zu wünschen bzw. um etwas zu beten, obwohl der Herr gezeigt hat,
dass er es nicht will. Es kann einem zum Verhängnis werden - so wie bei Bileam (4Mo
22,32; 4Mo 31,8).
- 1Sam 8,5-22: Israels Wunsch nach einem König wurde erfüllt, obwohl es - jedenfalls zu
diesem Zeitpunkt - nicht Gottes Wille war.
Wir sollten uns also davor hüten, immer wieder um etwas zu bitten bzw. beharrlich nach
etwas zu streben, wovon Gott uns in seinem Wort und/oder durch persönliche Führung
gezeigt hat, dass es nicht in seinem Willen ist. Dagegen sehen wir am Beispiel Jesu, wie
wir unsere eigenen Wünsche vor Gott bringen sollen, wenn wir nicht wissen, ob sie im
Willen Gottes sind:
Lk 22,41-43 Und er zog sich ungefähr einen Steinwurf weit von ihnen zurück und
kniete nieder, betete und sprach: Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir weg -
doch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe! Es erschien ihm aber ein Engel vom
Himmel, der ihn stärkte.
Wir sehen, dass Jesus seinen Wunsch nach Erlösung aus dem Leiden vor Gott brachte,
dabei aber ganz bewußt den Willen des Vaters über seinen eigenen stellte. War sein Gebet
also umsonst? Nein, der Vater erhörte ihn auf seine eigene Weise. Er gab Jesus die Kraft,
durch das Leiden hindurch und siegreich daraus hervor zu gehen (siehe auch Hebr 5,7-8).
Wir sehen auch bei Paulus, wie ein reifer Christ mit unerhörtem Gebet umgeht: Dreimal
bat er Gott, ihn von einer bestimmten Plage zu befreien, aber Gott sagte, "meine
Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung". Nun
verfolgte Paulus seinen Wunsch nicht weiter sondern ließ ihn los, um ein größeres Ziel
zu erfassen. Nachdem er Gottes Ziel zu seinem eigenen gemacht hatte, hatte er Wohlgefallen
an seiner Schwachheit, statt sie loswerden zu wollen (2Kor 12,7-10). So formt Gott seine
Kinder nicht nur durch die erhörten sondern auch durch die unerhörten oder noch nicht
erhörten Gebete.
Hier sind weitere wichtige Bibelstellen im Neuen Testament zum Thema Gebet:
Mk 11,22-24 Und Jesus antwortete und spricht zu ihnen: Habt Glauben an Gott!
Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berg sagen wird: Hebe dich empor und wirf dich ins
Meer! und nicht zweifeln wird in seinem Herzen, sondern glauben, dass geschieht, was er
sagt, dem wird es werden. Darum sage ich euch: Alles, um was ihr auch betet und bittet,
glaubt, dass ihr es empfangen habt, und es wird euch werden.
Lk 18,1 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis dafür, dass sie allezeit beten und
nicht ermatten sollten,
Joh 14,13-14 Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit
der Vater verherrlicht werde im Sohn. Wenn ihr mich etwas bitten werdet in meinem Namen,
so werde ich es tun.
Joh 15,7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr
bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen.
Joh 15,16 Ihr habt nicht mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch
dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe, damit, was ihr
den Vater bitten werdet in meinem Namen, er euch gebe.
Joh 16,23-24 Und an jenem Tag werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich,
ich sage euch: Was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, wird er euch geben. Bis
jetzt habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, und ihr werdet empfangen, damit
eure Freude völlig sei!
Jak 1,5-6 Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der allen
willig gibt und keine Vorwürfe macht, und sie wird ihm gegeben werden. Er bitte aber im
Glauben, ohne irgend zu zweifeln; denn der Zweifler gleicht einer Meereswoge, die vom Wind
bewegt und hin und her getrieben wird.
Jak 4,2-3 Ihr begehrt und habt nichts; ihr tötet und neidet und könnt nichts
erlangen; ihr streitet und führt Krieg. Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet; ihr
bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.
Jak 5,16-18 Bekennt nun einander die Sünden und betet füreinander, damit ihr
geheilt werdet! Viel vermag eines Gerechten Gebet in seiner Wirkung. Elia war ein Mensch
von gleichen Gemütsbewegungen wie wir; und er betete inständig, dass es nicht regnen
möge, und es regnete nicht auf der Erde drei Jahre und sechs Monate. Und wieder betete
er, und der Himmel gab Regen, und die Erde brachte ihre Frucht hervor.
1Jo 3,21-22 Geliebte, wenn das Herz uns nicht verurteilt, haben wir Freimütigkeit
zu Gott, und was immer wir bitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und
das vor ihm Wohlgefällige tun.
1Jo 5,14-15 Und dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben, dass er uns hört,
wenn wir etwas nach seinem Willen bitten. Und wenn wir wissen, dass er uns hört, was wir
auch bitten, so wissen wir, dass wir das Erbetene haben, das wir von ihm erbeten haben.
Wenn man all diese Stellen zusammen nimmt, bekommt man ein klares Bild davon, unter
welchen Bedingungen Gott Gebet erhört. Wenn der Beter
- glaubt und nicht zweifelt,
- im Namen Jesu betet,
- in Jesus bleibt und Jesu Worte in ihm,
- mit den rechten (nicht selbstsüchtigen) Motiven betet,
- ein Gerechter ist,
- Gottes Gebote hält und das vor ihm Wohlgefällige tut,
- gemäß Gottes Willen betet,
- ausdauernd ist und nicht ermattet.
Als Gründe für nicht erhörtes Gebet wird ausdrücklich erwähnt:
- Zweifel,
- Versäumnis zu bitten,
- falsches, egoistisches Bitten, unrechte Motive,
- nicht im Reinen mit Gott (Ps
66,18; Spr 15,29).
Ich verstehe den Zusammenhang dieser Aussagen so, dass es sich nicht um verschiedene
Bedingungen handelt, die alle erfüllt sein müssen, sondern dass es im Wesentlichen immer
um dasselbe geht, nämlich um die Verbundenheit mit Jesus Christus. Der mit Christus
Verbundene, d.h. derjenige, der in ihm bleibt wie die Rebe am Weinstock (Joh 15),
- ist gewiss in seinem Glauben,
- betet im Namen Jesu, d.h. in seinem Sinn, d.h. zugleich im Willen Gottes, und das mit
Ausdauer,
- ist in Jesus und Jesu Worte sind in ihm,
- hat nicht egoistische sondern göttliche Motive in seinem Leben und Beten,
- ist gerecht vor Gott, hält seine Gebote und tut was ihm wohlgefällt.
Wie komme ich also dahin, so zu beten, dass Gott es erhört?
- Ich muss mit Gott einmal grundsätzlich ins Reine kommen, denn der natürliche Mensch,
wie er geboren wird und aufwächst, kann nicht erfassen, was vom Geist Gottes ist (2Kor 2,14); er kann also nicht im Willen Gottes beten, auch nicht im Glauben, und somit kann
sein Gebet vor Gott nicht wohlgefällig sein. Daher muss er zuerst von seinem Gott-losen
Leben umkehren, d.h. seine Sünden Gott bekennen, den stellvertretenden Tod Jesu zur
Vergebung seiner Sünden glaubend annehmen und ein Leben mit und für Gott beginnen. So
wird man Christ, so wird man Kind Gottes und das ist die Voraussetzung, um sich im
kindlichen Vertrauen an den himmlischen Vater wenden zu können.
- Als Christ, der von Gott ein neues Leben geschenkt bekommen hat, gilt es nun, dieses
neue Leben - das ist meine Wesensverbundenheit mit Jesus Christus - zu pflegen,
bewusst in dieser Verbundenheit zu bleiben und sie zu vertiefen.
Wie geschieht das? Im Wesentlichen durch die Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes; d.h.
hören/lesen, nachdenken, antworten. So kommen Jesu Worte in mein Herz, so lerne ich
verstehen, was Gottes Wille ist, was Jesus am Herzen liegt; als Folge kann ich im Namen
Jesus beten. Im Betrachten meines großartigen Gottes wächst auch mein Glaube an ihn, und
als Folge kann ich glaubend beten. Das Wort Gottes deckt auch die falschen Motive meines
Lebens und meines Betens auf, damit ich sie erkenne, um Vergebung bitte, und mir von Gott
viel wertvollere Motive schenken lasse.
Schließlich bedarf es bei manchen Anliegen Ausdauer, bis Gott erhört - nicht, weil er
sich durch viel Betteln überreden lässt, sondern weil das Bitten, Warten, Vertrauen
zu seinem Erziehungsprozess gehört.
Bei all dem darf ich als Christ beim Beten auf die Hilfe des Heiligen Geistes zählen, der
sich meiner Schwachheit annimmt (Röm 8,26).
Aber auch, wenn ich Gottes Wort Raum in meinem Leben gebe, wenn ich mich nach Gottes Willen
ausstrecke und mir keiner egoistischen Motive bewusst bin, kann es immer noch sein,
dass Gott meine Bitten nicht gewährt - oder nicht so gewährt, wie ich es mir vorstelle (siehe
obige Beispiele von Jesus und Paulus).
Um noch einmal auf die Frage zurück zu kommen: Nein, Gott erhört nicht jedes Gebet
von Christen. Er sagt dann nein, wenn sich das Gebet nicht mit seinen Zielen verträgt,
und diese sind seine Ehre und das (langfristige) Wohl des Christen. Je mehr wir diese
Ziele zu unseren eigenen machen und uns von Gott auch den Weg zu diesen Zielen zeigen
lassen, desto mehr können wir im Einklang mit Gottes Willen und Plan beten und somit auch
erhörlich beten.
Frage
Mir wurde erzählt, dass ein Gebet viel mächtiger ist, als wir uns das vorstellen
können. Aus diesem Grund verstehe ich den Sinn von Gebetsaufrufen nicht. Bei Gott kommt
es doch nicht auf die Anzahl an?
"Wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind ...". Da steht doch nicht:
Wenn mindestens zwei oder drei. Kann man durch mehr betende Menschen mehr erreichen?
Antwort
Ja und nein:
Jak 5,16-18 Bekennt nun einander die Sünden und betet füreinander, damit ihr
geheilt werdet! Viel vermag eines Gerechten Gebet in seiner Wirkung. Elia war ein Mensch
von gleichen Gemütsbewegungen wie wir; und er betete inständig, daß es nicht regnen
möge, und es regnete nicht auf der Erde drei Jahre und sechs Monate. Und wieder betete
er, und der Himmel gab Regen, und die Erde brachte ihre Frucht hervor.
Hier lesen wir von einem Gerechten und auch viele andere Stellen sagen aus,
dass es nur auf den Glauben des Beters ankommt.
Aber es gibt es auch klare Hinweise, dass eine besondere Glaubenskraft in der
Gemeinschaft von Kindern Gottes ist, die als Familie ihre Anliegen vor Gott bringen:
Mt 18,19-20 Wiederum sage ich euch: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen,
irgendeine Sache zu erbitten, so wird sie ihnen werden von meinem Vater, der in den
Himmeln ist. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer
Mitte.
Hört ein Vater darauf, wenn ihn eines seiner Kinder um etwas bittet? Ja. Hört er
besonders darauf, wenn ihn mehrere seiner Kinder um dasselbe bitten? Ja. Das Vorbringen
eines einmütigen Anliegens hat etwas Anmutiges, Bewegendes an sich. Auch deshalb, weil es
vom Wesen her nicht egoistisch ist. Dies ist nur ein hinkender, menschlicher Vergleich. Er
erklärt die Sache nur sehr beschränkt, aber vielleicht lässt er uns doch ein bisschen
von der göttlichen Wirklichkeit erahnen.
Gebetsaufrufe sind auch einfach deshalb richtig, weil wir Beispiele dafür in Gottes
Wort haben: z.B. Esr
8,21; Dan 2,17-19; Eph 6,18-19; 2Thes 3,1-2.
Frage
Reicht
nicht ein einfach gesprochenes Gebet aus, oder ist das zu wenig?
Antwort
Die Frage ist ähnlich der vorigen, doch während vorher die Betonung auf der Anzahl
der Beter lag, so liegt sie hier auf der Anzahl und Ausführlichkeit der Gebete. Auch hier
muss man wieder sagen: Ja und nein.
Die Anzahl der Worte alleine bringt gar nichts, im Gegenteil, Jesus warnt extra vor dem
Herunterleiern.
Mt 6,7 Leiere deine Gebete nicht herunter wie Leute, die Gott nicht kennen. Sie
meinen, Gott würde schon antworten, wenn sie nur viele Worte machen. Nein, euer Vater
weiß genau, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn um etwas bittet.
Auch im Alten Testament haben wir ein schönes Beispiel dafür: Am Berg Karmel wird der
Kontrast zwischen der heidnischen und der göttlichen Art zu beten deutlich: In 1Kö 18,26-29 rufen die Priester stundenlang zu ihrem Gott Baal um Antwort.
Dabei tanzen sie und ritzen sich ein, bis sie bluten - aber umsonst. In V. 36-38
spricht der Prophet Elia dann ein einfaches, nüchternes aber herzliches Gebet zu Gott,
und es wird erhört.
Andererseits lehrte Jesus auch, dass es oft sehr wohl auf die Beharrlichkeit im Gebet
ankommt (Lk 18,1-8). D.h., dass wir für manche Dinge immer wieder (von Herzen, nicht
leiernd) beten sollen. Das Warten auf Gott, das Bewusstsein unserer eigenen Ohnmacht und
unserer Abhängigkeit von Gott, das Lernen, was Gottes Wille ist - all das gehört zu
unserem Erziehungsprozess. Es trägt dazu bei, dass wir "nicht träge werden, sondern Nachahmer derer, die durch Glauben und
Ausharren die Verheißungen erben" (Hebr 6,12).
Frage
Gibt es ein richtiges,
wirkungsvolles Beten oder sind alle Gebete gleich mächtig?
Antwort
Auch bei dieser Frage ist es ganz wichtig zu verstehen, dass Gebet vor allem
Beziehungssache ist, Kommunikation zwischen Kind und Vater. Wir leben in einer Zeit, wo
das magische Denken zunimmt. Diesem Denken gemäß wäre Gebet eine Art Zauberspruch, mit
dem man Macht ausübt und seine Ziele verwirklichen kann. Derjenige, der die
wirkungsvollsten Formeln beherrscht, hat die meiste Macht. Aber diese Vorstellung
widerspricht dem biblischen Beten. Die Worte, die Form oder gar Formel des Gebetes haben
in sich noch gar keine Macht. Macht hat nur der himmlische Vater, dem sich der Beter in
kindlichem Glauben zuwendet. Ich möchte wieder das Beispiel Kind - Vater zur
Verdeutlichung verwenden: Besondere Formeln oder Ausdrücke spielen keine Rolle, wenn ein
Kind seinen Vater um etwas bittet - es geht um eine Verständigung von Herz zu Herz. Auch
kann das Kind selbst mit den ausgeklügeltsten Worten nichts erzwingen. So geht es auch im
Gebet nicht darum, den eigenen Willen zu verwirklichen sondern vielmehr, den Willen Gottes
immer mehr zu verstehen und selbst zu wollen.
Im Übrigen möchte ich auf die Antwort zur Frage "Werden Gebete von
Christen immer erhört?" verweisen, wo Bedingungen für wirkungsvolles Gebet näher erläutert werden.
Frage
Anhänger anderer Religionen beten ja auch zu "Gott". Viele können bestimmt
auch berichten, wie sich ihre Lage darauf dann verbessert hat. Ich denke schon, dass Gott
die Gebete aller Menschen erhört.
Antwort
Schon im Alten Testament steht:
2Chr 16,9 Denn des HERRN Augen durchlaufen die ganze Erde, um denen treu
beizustehen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist.
Alle Menschen, die Gott - nicht irgendeinen Gott, sondern den Schöpfer Himmels und der
Erde - von ganzem Herzen suchen - und zwar nicht primär aus egoistischen Motiven sondern
um seinetwillen, um der Wahrheit willen - denen wird er antworten.
Röm 10,9-14 Denn wenn du mit deinem Munde bekennst: «Jesus Christus ist der
Herr!», und wenn du von ganzem Herzen glaubst, daß Gott ihn von den Toten auferweckt
hat, dann wirst du gerettet werden. Wer also von Herzen an Christus glaubt und seinen
Glauben auch bekennt, der erlebt, was es heißt, von Christus erlöst zu sein.
Gott sagte schon durch den Propheten Jesaja: «Wer an ihn glaubt, wird nicht
verlorengehen.» Da gibt es auch keinen Unterschied zwischen Juden und anderen Völkern:
Gott ist ein und derselbe Herr, der aus seinem Reichtum alle beschenkt, die ihn darum
bitten. «Denn jeder, der den Namen des Herrn im Gebet anruft, der wird von ihm
gerettet.» Wie aber sollen die Menschen zu Gott beten, wenn sie nicht an ihn glauben? Wie
sollen sie zum Glauben an ihn kommen, wenn sie nie von ihm gehört haben? Und wie können
sie von ihm hören, wenn ihnen niemand Gottes Wort sagt?
Wir lesen hier die wunderbare Zusage, dass jeder, der den Namen des Herrn (aus dem
Zusammenhang geht hervor, dass es sich dabei um Jesus Christus handelt) anruft, gerettet
wird. Es wird aber auch klar, dass es nicht um irgendein Gebet zu irgendeinem Gott geht,
sondern dass Glaube an diesen Gott da sein muss, bevor man zu ihm beten kann. Dieser
Glaube wiederum kommt aus der Verkündigung des Wortes Gottes, d.i. die Bibel, in diesem
Zusammenhang besonders die frohe Botschaft von Jesus Christus. Das Wort Gottes spielt also
eine wesentliche Rolle beim Beten. Unsere Beziehung zu Gott soll ja kein toter Monolog
sein, sondern ein lebendiger Dialog, wobei es besonders wichtig ist, dass wir uns Gottes
Argumente/Aussagen sehr gut und genau anhören und dann darauf eingehen. Also wird nicht
jedes Gebet jedes Menschen erhört, sondern die Gebete jener Menschen, die bereit sind,
sich von Gott etwas sagen zu lassen und darauf entsprechend zu antworten.
Das Gebet aus dem zitierten Bibeltext ist nicht irgendein Gebet, sondern ein Gebet um
Rettung aus der geistlichen Verlorenheit. Ein Mensch - egal welcher Rasse und Herkunft -
erkennt, dass sein größtes Problem ist, dass er verloren geht, d.h. dass er ohne Gott
lebt und ohne ihn sterben wird. Danach wird er vor seinem Richterstuhl erscheinen und
keine Entschuldigung haben, sondern zu ewiger Verdammnis, getrennt von Gottes
segenbringender Gegenwart, verurteilt werden. Die Bibel nennt das auch den zweiten Tod. In
der Erkenntnis dieser Notlage wendet er sich an Jesus Christus, der ihn retten, seine
Schuld tilgen und ihm ewiges Leben schenken kann. Gott will, dass Menschen sich retten lassen (1Tim 2,4), daher wird er solch ein Gebet
gewiss erhören.
Außerdem verwendet Gott auch Gebete aus verschiedensten Notlagen, um
Menschen zu ihm zu führen. Manch einer hat schon in Todesangst gebetet
"Gott, wenn es dich gibt, dann hilf mir jetzt!". Aber nicht jeder, dem
Gott aus der Not half, hat es ihm gedankt. Der Sinn solcher
"Rettungsaktionen" ist, dass Menschen erkennen, dass es einen Gott
gibt und dass sie ihn suchen - nicht nur als Notnagel, sondern als denjenigen,
der mehr zählt als alles andere im Leben:
Ps 50,15 und rufe mich an am Tage der Not, so will ich dich erretten,
und du sollst mich ehren!
Frage
Wie sieht es mit Gebeten von Gottes Kindern aus? Wie soll man beten?
Antwort
In Lk 11,1-13 bittet einer seiner Jünger Jesus, sie beten zu lehren. Aus
seiner Antwort kann man Folgendes lernen:
- Wir beten zwar zum allmächtigen Gott, Schöpfer, Erhalter und Richter des
Universums, aber wir dürfen und sollen ihn als Vater anreden, denn wir heißen
nicht nur "Kinder Gottes" sondern sind es tatsächlich, wenn wir die
geistliche Neugeburt erlebt haben
(1Jo 3,1). Die kindliche Haltung beinhaltet Demut, Ehrfurcht, Abhängigkeit,
Vertrauen, Liebe.
- Das Königreich Gottes und die Ehre Gottes haben oberste Priorität. D.h.
es geht zuerst um ihn und dann erst um uns.
- Wir sollen für unsere materiellen Bedürfnisse beten. Keine unserer
Nöte ist zu klein oder zu groß für Gott.
- Wir sollen um die Vergebung unserer Sünden bitten und gleichzeitig
selbst vergeben, d.h. wir sollen unsere Beziehung mit Gott und dem Nächsten ins
Reine bringen.
- Wir sollen Gott um Bewahrung vor Versuchung und Sünde bitten, im Bewusstsein,
dass wir aus uns heraus kein göttliches Leben führen können,
sondern die bewahrende Gnade Gottes dazu brauchen.
- Wenn wir betend (1) bitten, (2) suchen und (3) anklopfen wird es gewiss nicht
vergeblich sein. Damit werden verschiedene Aspekte des richtigen Betens
ausgedrückt: (1) Unsere Bitten vor Gott bringen, (2) den Willen Gottes im Gebet
suchen, (3) ausdauernd beten, bis uns die Türe aufgetan wird.
- Wenn schon irdische Väter ihren bittenden Kindern gute Gaben geben, wie viel
mehr der himmlische Vater.
Frage
Es gibt doch auch eine Stelle wo es heißt, dass Gebete gegen seine Gebote ihm ein
Gräuel sind. Wie kann man das verstehen?
Antwort
Du meinst wahrscheinlich die folgenden Bibelstellen:
Spr 15,8 Das Opfer der Gottlosen ist ein Greuel für den HERRN, aber das Gebet der
Aufrichtigen sein Wohlgefallen.
Spr 28,9 Wer sein Ohr abwendet vom Hören des Gesetzes, dessen Gebet sogar ist ein Greuel.
Das hat damit zu tun, dass Gebet Teil der Kommunikation mit Gott ist. Wenn wir nur
irgendetwas vorbringen, was gar nichts mit dem zu tun hat, was er uns sagt, dann ist das
keine Kommunikation sondern ein Monolog. Es ist eine Missachtung Gottes, ähnlich wie wenn
jemand mit einer Bitte zu seinem Chef kommt, aber er selbst seinem Chef nie zuhört und
auch nicht tut, was er sagt. Gott gibt die Bedingungen für die Beziehung mit
ihm vor, nicht wir.
Frage
Gibt es auch Stellen wo es heißt, dass die Gebete nur erhört werden wenn eine bestimmte
Vorraussetzung erfüllt ist? Z.B., dass man seinen Namen verwenden muss.
Antwort
Ja es gibt Voraussetzungen, es gibt Bedingungen. Wir sollen im Namen Jesu beten. Das
bedeutet aber nicht, dass wir die Phrase "im Namen Jesu" verwenden müssen,
sondern, dass wir in seinem Sinn, an seiner Stelle beten, so dass er es
"unterschreiben" würde. Näheres dazu findet sich in der Antwort zur
Frage "Werden
Gebete von Christen immer erhört?".
Frage
Sollen wir zum Vater oder zum Sohn beten, oder gar zum Heiligen Geist?
Antwort
In den meisten NT Stellen finden wir Gebete zum Vater:
Röm 8,15; 2Kor 1,3; Gal 4,6; Eph 1,3.15-17; 3,14; 5,20; Kol 1,3.12; 3,17; 1Petr
1,3
Aber da Christus Gott ist, da er und der Vater eins sind, betet die
neutestamentliche Gemeinde auch zu ihm; sie ruft seinen Namen an:
Apg 7,59-60 Und sie steinigten den Stephanus, der betete und
sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Und niederkniend rief er mit lauter
Stimme: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu! Und als er dies gesagt
hatte, entschlief er.
Offb 22,20 Der diese Dinge bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald.
Amen, komm, Herr Jesus!
Dass die Urchristen den Namen Jesu anriefen, geht aus verschiedenen Stellen
hervor:
- Apg 9,14: Ananias sagt, dass die Heiligen den Namen des Herrn anrufen. Aus
V. 17 geht hervor, dass dieser Herr Jesus Christus ist.
- Apg 22,16: Ananias sagte dem Paulus, er solle den Namen Jesu anrufen.
- Weitere Stellen: Apg 9,21; 1Kor 1,2; 2Tim 2,22
Ebenso wird aber der Vater angerufen: 1Petr 1,17
Dass der Vater angerufen wird und der Sohn als Herr, zeigt auch die Göttlichkeit
Jesu. Unmöglich wäre es, zu jemandem zu beten, der nicht Gott ist; es gibt nur
einen Gott.
Weitere Beispiele für Gebete zu Vater und Sohn: 1Thes 3,11; 2Thes 2,16-17
1Jo 1,3 was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch,
damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und zwar ist unsere Gemeinschaft mit
dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.
Wir beten zu beiden, weil unsere Gemeinschaft mit beiden ist; Gemeinschaft
heißt u.a. Kommunikation, also Hören und Reden. Allerdings beten wir nicht zum
Heiligen Geist. Unsere Gemeinschaft ist nicht mit dem Heiligen Geist sondern
durch den Heiligen Geist mit dem Vater und mit dem Sohn.
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