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Was bedeutet Verbal-Inspiration?
Was genau bedeutet Verbalinspiration? Stehen in der Bibel Hinweise für oder
gegen die Verbalinspiration der Bibel?
Antwort
Unter "Verbalinspiration" wird in der Regel verstanden, dass die
Originalmanuskripte der Bibelbücher wörtlich vom Geist Gottes inspiriert
(eingegeben) und daher irrtumslos sind. Ich möchte diese Aussage zuerst
biblisch begründen und dann erläutern.
Biblische Begründung der Verbalinspiration
Jesus und die Autoren des Neuen Testaments glaubten an eine wörtliche, ja
sogar buchstäbliche Inspiration des Alten Testaments. In einer modernen
Ausdrucksweise könnte man sagen, dass die Inspiration bis zum i-Punkt exakt
ist:
"... indem ihr dies zuerst wißt, daß keine Weissagung der Schrift
aus eigener Deutung geschieht. Denn niemals wurde eine Weissagung durch den
Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern von Gott her redeten Menschen,
getrieben vom Heiligen Geist." (2. Petrus 1,20-21)
"Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur
Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit,
..." (2. Timotheus 3, 16)
"Meint nicht, daß ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten
aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn
wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht
ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen
ist." (Matthäus 5,17-18)
Man könnte einwenden, dass sich diese Aussagen nur auf die Schriften des
Alten Testaments bezogen, da es ja noch keinen Kanon (d.h. autorisierte
Sammlung) von neutestamentlichen Schriften gab. Dieser Kanon war aber schon am
Entstehen, und es gibt einige Hinweise darauf, dass für diese Schriften
dasselbe gilt wie für die Schriften des Alten Testaments:
"... nach der Offenbarung des Geheimnisses, das ewige Zeiten
hindurch verschwiegen war, jetzt aber offenbart und durch prophetische
Schriften nach Befehl des ewigen Gottes zum Glaubensgehorsam an alle Nationen
bekanntgemacht worden ist," (Römer 16,25-26)
Hier geht es eindeutig um die Schriften des Neuen Testaments, da von dem
Geheimnis die Rede ist, das bis dahin verborgen war. Dabei handelt es sich um
die Botschaft der Apostel über Christus und seine Gemeinde.
"In diesen [Briefen des Paulus] ist einiges schwer zu verstehen,
was die Unwissenden und Ungefestigten verdrehen wie auch die übrigen
Schriften zu ihrem eigenen Verderben." (2. Petrus 3,16)
Der Apostel Petrus stellt hier die Briefe des Paulus in eine Reihe mit den
"übrigen Schriften", nämlich den Schriften des Alten Testaments.
Erklärung der Verbalinspiration
Mit Verbalinspiration ist nicht gemeint, dass die Autoren roboterhafte
Schreibmedien waren, deren Hand von einer göttlichen Macht geführt wurde. Es
waren Leute, die vom Heiligen Geist getrieben wurden, aber sie verloren dabei
nicht die Kontrolle über sich selbst. Es ist ein Prinzip des Wirkens Gottes,
dass er die Persönlichkeit (Verstand, Wille, Gefühl) nicht übergeht bzw.
missbraucht, sondern vielmehr mit ihr zusammenarbeitet. So schrieben die
biblischen Autoren unter dem Einfluss des Heiligen Geistes, jedoch unter Einsatz
ihres Willens, ihres Verstandes und ihrer Gefühle. Dabei kamen auch ihr
Hintergrund, ihre Bildung und andere Faktoren zum Tragen, sodass jeder Autor in
einem ihm eigenen Stil und Vokabular schrieb:
"Und die Geister der Propheten sind den Propheten untertan."
(1. Korinther 14,32)
Manche Autoren schrieben ihre Texte bewusst als Gottes Wort: So hatten z.B.
die Propheten Visionen, in denen Gott ihnen etwas offenbarte und ihnen auftrug
es niederzuschreiben. Andere Autoren schrieben ohne zu wissen, dass Gott sie
dabei in besonderer Weise unterstützen würde, damit sich keine Fehler
einschlichen - so z.B. Geschichtsschreiber. Auch Paulus wusste beim Schreiben
seiner Briefe an die Korinther wohl nicht, welche davon Eingang in die Bibel
finden würden und welche nicht.
Die absolute Irrtumslosigkeit bezieht sich nur auf die von den Autoren direkt
geschriebenen Manuskripte. Diese sind heute nicht mehr erhalten, dafür aber
sehr glaubwürdige Abschriften. Es gibt keine andere Literatur aus der Antike,
die nur annähernd so gut überliefert wurde. Dabei wird die Qualität der
Überlieferung an der Anzahl der erhaltenen Abschriften und an ihrer zeitlichen
Nähe zum Original gemessen. Man kann also für keines der bis heute erhaltenen
Manuskripte 100%ige Irrtumslosigkeit beanspruchen, aber durch Vergleiche der
verschiedenen Manuskripte erkennt man, dass es verhältnismäßig wenige
Abschreibfehler gab und dass der Sinn der Aussagen dadurch nicht in Frage
gestellt ist.
Schlussfolgerungen
Gott sorgte auf verschiedene Weise dafür, dass wir sein Wort unverfälscht
lesen bzw. hören können:
- Er veranlasste seine Diener zum Schreiben.
- Er half ihnen bei den Formulierungen, sodass sie zwar ihren
Persönlichkeiten entsprachen, aber dennoch irrtumslos waren.
- Er sorgte dafür, dass die Schriften oft und sorgfältig abgeschrieben
wurden.
- Er half den Gläubigen, die von ihm autorisierten Schriften als solche zu
erkennen.
- Er veranlasste Christen, die Bibel unter Einsatz ihres Lebens zu
überliefern, zu übersetzen, zu erklären, zu verbreiten - bis an die Enden
der Erde.
Und zu all dem wirkte und wirkt er in den Herzen von Menschen - sowohl
Gläubigen als auch Ungläubigen -, damit sie sein Wort verstehen und anwenden
können. Die Lehre über die Verbalinspiration kann recht trocken und
theoretisch klingen. Aber sie ist etwas ganz Einfaches und Lebendiges: Wenn ich
mit demütigem Herzen zu Gott komme und die Bibel im Glauben als sein Wort
annehme um es zu befolgen, so werde ich die göttliche Inspiration dieses Buches
erleben. Gottes Geist wird mir Gottes Wort erhellen, und es wird mir zur Quelle
des Trostes, der Stärkung, der Weisheit, der Zurechtweisung werden - kurz: zur
Quelle des Lebens.
Weil ich das erlebt habe und immer wieder erlebe, glaube ich an die
göttliche Inspiration jedes einzelnen Wortes in der Bibel.
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