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Was war die Lästerung des Heiligen Geistes?
Ergänzung zu der Niederschrift von Pfr. Jürgen
Neidhart "Messianische Zeichen und Wunder"
von Alexander Seibel
In Mt 9,32 lesen wir bereits vor dem Wendepunkt in Mt 12, wie man zu Jesus
einen stummen Menschen bringt. "Als aber der böse Geist war ausgetrieben,
redete der Stumme. Und das Volk verwunderte sich und sprach: So etwas ist noch
nie in Israel gesehen worden" (Vers 33). Noch nie! Wir sehen hier den
Einmaligkeitscharakter, den Jesus auch noch besonders in Joh 15,24
unterstreicht. Der Messias tat Werke, die kein anderer jemals getan hat.
Ähnlich wie in Mt 12 weisen die Pharisäer die Aussagekraft dieses Wunders
mit der Anschuldigung zurück, die Geister würden durch ihren Obersten
ausgetrieben (Vers 34). In vielen pfingstlichen und charismatischen Kreisen wird
die Vorstellung vertreten, ein Wunder Gottes dem Teufel zu unterstellen, sei die
Lästerung des Heiligen Geistes. Wenn dies zuträfe, müßte nun unser Herr
bereits hier (Mt 9,34) von der unvergebbaren Sünde sprechen. Wir lesen nichts
dergleichen. Er wirkt weiter unter dem Volk, bis es nach dem siebten Widerspruch
der Pharisäer schließlich in Mt 12 zum Bruch kommt.
Gemäß Joh 16,9 ist die Sünde in Gottes Augen die Weigerung, an Jesus
zu glauben. Das ist die entscheidende Weichenstellung: Nimmt Israel den Messias
an oder nicht, werden sie an Ihn glauben oder nicht? Gott hat sich in Jesus und
dem Heiligen Geist so weit herabgelassen, daß er genau die Wunder gewirkt hat,
die nach ihrer eigenen eher willkürlichen Definition niemand anderer tun konnte
als allein der Messias. So weit ist ihnen Gott entgegengekommen, ähnlich wie
dem ungläubigen Thomas.
Doch wer sich weigert, ähnlich wie die Schriftgelehrten zur Zeit Jesu, an
Christus zu glauben, für den gibt es keine Hoffnung. Von daher kann ein
Gläubiger überhaupt nicht den Heiligen Geist lästern, ist er doch längst mit
Gott versöhnt. Von dieser Lästerung hat außerdem das Recht zu reden nur der
Herr selber, da Er der Richter ist. Der Apostel Paulus, über den die
fleischlichen Korinther zu Gericht saßen (1Kor 9,3), deutete nie an, nun
haben seine Gegner die unvergebbare Sünde begangen. Sonst würde nämlich ein
Mensch einen anderen mit dieser bestimmten Drohung buchstäblich gnadenlos
verdammen, und dies steht niemandem als allein dem lebendigen Gott zu.
Solch eine Begebenheit, daß eine Generation die Gnadenstunde Gottes
versäumte, ist dem Volk Israel nicht das erste Mal widerfahren. Nach der
Rebellion der Kundschafter, die das Gelobte Land ausgespäht haben, erklärt der
lebendige Gott: "Alle die Männer, die meine Herrlichkeit und meine Zeichen
gesehen haben, die ich getan habe in Ägypten und in der Wüste, und mich nun
zehnmal versucht und meiner Stimme nicht gehorcht haben, von denen soll keiner
das Land sehen, das ich ihren Vätern zu geben geschworen habe; auch keiner soll
es sehen, der mich gelästert hat" (4Mo 14,22-23).
Für die damalige Generation war eine heilsgeschichtliche Stunde
unwiederbringlich vorbei. Man konnte danach tun und lassen, was man wollte, nach
dieser "Lästerung" stand das Urteil Gottes, ähnlich wie in Mt
12,31-32, unverrückbar fest. Ausgenommen sind nur Josua und Kaleb. Selbst Moses
durfte dieses Land nicht mehr betreten.
Auch die Generation, die das Gericht Gottes durch das babylonische Exil
erfuhr, befand sich in einer ähnlichen Weichenstellung. Es war so viel
unschuldiges Blut vergossen worden, daß Gott nicht mehr vergeben wollte und die
Zerstörung des Tempels, damals durch die Babylonier, Jahrhunderte später durch
die Römer, zuließ. "Doch kehrte sich der Herr nicht ab von dem Grimm
seines großen Zorns, mit dem er über Juda erzürnt war um all der Ärgernisse
willen, durch die ihn Manasse erzürnt hatte" (2Kö 23,26). "
.auch um des unschuldigen Blutes willen, das er vergoß, so daß er Jerusalem
mit unschuldigem Blut erfüllte. Das wollte der Herr nicht vergeben" (2Kö
24,4).
Zurück zu Mt 12. Nach diesem Urteilsspruch Jesu kommen die Pharisäer
und Schriftgelehrten und bitten um ein Zeichen (Vers 38). Doch der Herr weist
dies zurück. Er wendet sich von Israel auf dieser Basis der Zeichenforderung ab
und spricht nun in den nachfolgenden Versen von dem Gericht, das über diese
Generation (Verse 41-42) kommen wird.
Ab Mt 13 haben wir den Dienst des verworfenen Königs. Er, der "für
die verlorenen Schafe des Hauses Israel gekommen war", hätte hier
eigentlich die Welt räumen müssen. Doch die Tatsache, daß der Herr weiterhin
wirkt, zeigt, daß Gott nicht nur einen Plan für Israel hat. In den Versen 3-9
folgt nun das erste Gleichnis Jesu, und zwar das Gleichnis vom Sämann und dem
Wort (Vers 19). Und hier findet sich eine gewisse Vorschattung auf die neue
Heilszeit. Nun steht das Wort im Mittelpunkt und der Herr betont: "Wer
Ohren hat, der höre:" (Vers 9).
An der Frage der Jünger, "warum redest du zu ihnen in
Gleichnissen?" erkennt man, daß dies tatsächlich das erste Gleichnis war,
war ihnen doch diese Form des Wirkens Jesu noch fremd. Die Antwort Jesu:
"Euch ist es gegeben, daß ihr die Geheimnisse des Himmelreichs verstehet,
diesen aber ist's nicht gegeben" (Vers 11). Geistliche Wahrheiten werden
nun primär über den Verstand durch das Wort mit dem Herzen begriffen. Der Neue
Bund steht auch unter Geheimnissen und ist nicht mehr so offensichtlich wie das
alttestamentliche Bundesvolk Israel.
"Denn wer da hat, dem wird gegeben, daß er die Fülle habe" (Vers
12a). Auf wen bezieht sich das? Die Jünger, die Jesus nachfolgten. Mit dem
Heiligen Geist bekamen sie dann auch zu Pfingsten die Fülle. "Wer aber
nicht hat, von dem wird auch genommen, was er hat" (Vers 12b). Wer ist
damit gemeint? Israel. Sie hatten den Tempel, den Opferdienst, das Priestertum,
das verheißene Land usw. Es wurde ihnen alles weggenommen. Kein Stein blieb auf
dem anderen. Es ging alles unter und die Juden wurden zerstreut unter alle
Völker. "Darum rede ich zu ihnen in Gleichnissen. Denn mit sehenden Augen
sehen sie nicht. Und mit hörenden Ohren hören sie nicht; und sie verstehen es
auch nicht'' (Vers 13). Der Beweis sind die vorherigen Kapitel. Diese Generation
hat gesehen, wie der Blindgeborene geheilt wurde. Sie haben gesehen, wie der
Aussätzige gesund wurde. Sie haben es wahrgenommen, wie der Stumme auf einmal
reden konnte, und dennoch begreifen sie es nicht und verwerfen ihren Messias.
"Sehenden Auges und hörenden Ohres" sagt dieser Vers. Israel war
sowohl im Bereich des Auges wie des Ohres angesprochen. Sie hatten sowohl das
Wort wie auch die Zeichen. Die Juden fragen ja bekanntlich nach Zeichen. Aber in
Vorschattung für die Gemeinde lesen wir in dem bereits erwähnten ersten
Gleichnis nur noch: "Wer Ohren hat, der höre!" Man beachte auch
Offenbarung Kap. 2-3, die sieben Sendschreiben an die Gemeinden in Kleinasien,
wo der Herr siebenmal die gleiche Formulierung gebraucht.
Nach diesem Urteilsspruch über diese Generation, zeigt der Herr in den
Versen 43-45 in Mt 12, wie das Gericht kommt. Der böse Geist hat sein Haus,
nämlich Israel, verlassen. Nachdem er umkehrt, "findet er's leer, gekehrt
und geschmückt" (Vers 44). Wieso gekehrt und geschmückt? Johannes der
Täufer und auch unser Herr haben eine Bußbewegung bewirkt und der böse Geist
wurde ausgefegt, das Haus geschmückt. Wieso leer? Der Messias wird abgelehnt.
Dann wird es mit diesem Geschlecht ärger als vorher, denn es ist ein
göttliches Prinzip, daß nach einer gewissen Verhärtung Gott den Geistern
nicht mehr wehrt bzw. sogar die bösen Geister zum Gericht aussendet (1Kö
22,20-21).
Ähnliches spielt sich nun vor unseren Augen mit dieser gegenwärtigen
westlichen Generation ab, die immer offensichtlicher das Wort Gottes verwirft.
Gleichzeitig sehen wir eine zunehmende Okkultflut.
In den Versen 46-50 von Mt 12 ist die Geschichte von Jesu wahren Verwandten.
Seine Mutter und Brüder wollen mit ihm reden, doch Er wendet sich ab. "Und
er reckte die Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da, das ist meine
Mutter und meine Brüder! Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der
ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter" (Verse 49-50).
Warum steht dies ausgerechnet hier? Es zeigt dies in typologisch
prophetischer Darlegung die Verwerfung Israels, dieses Geschlechts bzw. dieser
Generation. Denn man gehörte ja zum Volk Gottes nach dem Alten Bund aufgrund
der sichtbaren Zugehörigkeit, aufgrund der sichtbaren Beschneidung. Man mußte
Jude, also mit Jesus fleischlich verwandt sein, um Glied des Bundesvolkes, um
erwählt zu sein. Gerade dieser Alte Bund wird aber durch die Erklärung, diese
Generation habe den Heiligen Geist gelästert, vorwegnehmend aufgekündigt.
Danach aber möchten Jesu engste Verwandte ihn sprechen, also Menschen, die
vom Alten Bund her das Volk Gottes in höchster Form darstellten, nämlich die
Brüder, die Schwestern und die Mutter. Doch er wendet sich ab, denn das zählt
in der neu anbrechenden Heilszeit nicht mehr. Im Neuen Bund, der hier
allegorisch vorgeschattet wird, gilt nicht mehr die verwandtschaftliche
Zugehörigkeit, sondern wir sind nun von Gott geboren, wenn wir den Willen des
Vaters im Himmel tun. Der oder die Betreffende ist nun geistlich Jesu Bruder,
Schwester oder Mutter. Man kann noch so nahe mit Jesus verwandt sein, man muß
dennoch von neuem geboren werden. Die alte fleischliche Beziehung bzw.
Beschneidung zählt nicht mehr.
Es findet sich somit in gewisser Hinsicht von Mt 12 zu Mt 13 ein Übergang
von Israel zu den Nationen, vom Zeichen zum Wort, von sichtbaren zu unsichtbaren
von fleischlichen zu geistlichen Bezügen. Der Vers, der das auch in den Briefen
am deutlichsten bezeugt, ist 2Kor 5,16. "Darum kennen wir von nun an
niemand mehr dem Fleische nach; und ob wir auch Christus früher dem Fleische
nach gekannt haben (Alte Bund, Anm.), so erkennen wir ihn doch jetzt so nicht
mehr. Darum, ist jemand in Christus (Neue Bund, Anm.), so ist er eine neue
Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden" (Vers 17).
Jesu Brüder, Schwestern und seine Mutter kannten ihn dem Fleische nach.
"Jetzt so nicht mehr", erklärt Paulus. Hier ist ebenfalls ein
Übergang von sichtbaren zu unsichtbaren Realitäten zu erkennen, vom Schauen
zum Glauben (2Kor 5,7). Deswegen gibt es auch im engeren Sinne keine Apostel
mehr, weil der Apostel kannte definitionsgemäß Jesus dem Fleische bzw. dem
Auge nach (1Kor
9,1; 1Jo 1,1-3 u.a.).
Im Neuen Bund muß man jetzt in Jesus sein und das ist man nicht durch die
fleischliche, sondern durch die neue Geburt, wie der bereits oben zitierte Vers,
2Kor 5,17, so eindrücklich zeigt.
Mit folgender Darlegung möchte ich abschließen. In demselben Kapitel 12 von
Matthäus, das streckenweise nun ausführlicher behandelt worden ist, in dem
Israel die Herrlichkeit seines Messias verwirft, wird uns der Messias durch das
Wort in anderer Weise in seiner unausforschlichen Größe nochmals dargestellt.
Messias heißt ja griechisch Christos, der Gesalbte. Gesalbt wurden in
alttestamentlicher Zeit Könige, Priester und Propheten. In Mt 12,6 erklärt
Jesus: "Ich sage euch: Hier ist Größeres als der Tempel." Der Tempel
stand bekanntlich in Verbindung mit dem Priesterdienst. Hier ist also mehr als
der Tempel, hier ist mit anderen Worten, mehr als die Priester.
In Mt 12,41 sagt der Herr: "Die Leute von Ninive werden auftreten beim
Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach
der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona". Jona war ein
Prophet. Und im nächsten Vers lesen wir: "Die Königin vom Süden wird
auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen, denn sie kam
vom Ende der Erde, Salomos Weisheit zu hören. Und siehe, hier ist mehr als
Salomo." Salomo war bekanntlich ein König, und zwar der glanzvollste aller
Zeiten. Hier ist nun mehr als die Priester, mehr als die Propheten, mehr als die
Könige. Hier ist der wahre Gesalbte, hier ist der wahre Messias. In demselben
Abschnitt, wo Israel (auf Zeit) verworfen wird, wird uns der Messias noch einmal
durch das Wort in seiner Größe und Schönheit gezeigt. Er ist größer, Er ist
höher, Er ist reicher, Er ist mehr als alle und alles. Möge auch uns der Herr
der Herrlichkeit durch das Wort Gottes in seiner Einmaligkeit und unauslotbaren
Fülle neu kostbar werden. Mögen wir neu erkennen, wie reich wir durch Gottes
Wort beschenkt sind.
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