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Was ist richtiger Lobpreis? [1]
Das ist eine kurze, aber nicht einfach zu beantwortende Frage. Unter Lobpreis
werden ja von verschiedenen Leuten verschiedene Dinge verstanden.
"Lobpreis-Gottesdienst", "Lobpreis-Leiter", "Lobpreis-CD"
- mit diesen Begriffen wird üblicherweise eine bestimmte Art von moderner
geistlicher Musik verbunden.
Ich möchte das Thema aber umfassender angehen. Gott zu loben und zu preisen,
ist eines der Hauptthemen der Bibel, und es beschränkt sich nicht auf Gesang.
Ein Muster-Lobpreis
Einen klassischen neutestamentlichen Lobpreis lesen wir in Eph 1,3-14. Der
Abschnitt ist in meiner Bibel auch mit Lobpreis Gottes übertitelt. Es
fängt an mit "Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus
Christus! Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt
in Christus". In der Folge werden die Segnungen aufgezählt. Hier ist eine
Zusammenfassung:
Der Vater hat uns
- auserwählt, um heilig und tadellos vor ihm zu sein
- vorherbestimmt zur Sohnschaft durch Jesus Christus
- reichlich Gnade gegeben
- Einsicht in seine Pläne gegeben
In Jesus Christus haben wir
- Erlösung durch sein Blut
- Sündenvergebung
- ein Erbteil erlangt
- die Versiegelung mit dem Heiligen Geist erhalten
Es lohnt sich diesen Abschnitt zu studieren. Nicht nur, dass der ganze
Abschnitt ein Lobpreis ist, er enthält auch mehrere wesentliche Aussagen über
Lobpreis:
"und uns vorherbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus
für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Preise der
Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat in dem
Geliebten." (V. 5-6)
"Und in ihm haben wir auch ein Erbteil erlangt, die wir
vorherbestimmt waren nach dem Vorsatz dessen, der alles nach dem Rat seines
Willens wirkt, damit wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien, die wir vorher
schon auf den Christus gehofft haben." (V. 11-12)
"Der [Heilige Geist] ist das Unterpfand unseres Erbes auf die
Erlösung seines Eigentums zum Preise seiner Herrlichkeit." (V. 14)
Wir erkennen aus diesen Versen, dass Lobpreis wesentlich mehr ist als unser
Singen von Lobliedern - es ist unsere eigentliche Bestimmung, unser Lebenszweck:
Der Vater hat uns in Jesus Christus mit Gnade überschüttet, um uns zu
tadellosen, Jesus ähnlichen Menschen zu machen, deren Leben ein einziger
Lobpreis der alles überstrahlenden Schönheit und Größe Gottes ist.
Lobpreis hat also mit unserem ganzen Leben zu tun, kein Bereich ist davon
ausgeschlossen.
Lobpreis durch Worte
Ein wesentlicher Teil des Lobpreises äußert sich in Worten, d.h. - durch
Gebet (persönlich und in Gemeinschaft) - durch Gesang (persönlich und in
Gemeinschaft) - durch Bekenntnis und Verkündigung (Ps 51,17; Hebr 13,15)
Der Inhalt des Lobpreises unserer Lippen sind unsere Liebe, Dankbarkeit,
Freude und Anbetung angesichts des herrlichen Wesens Gottes und seiner
wunderbaren Taten an uns und an anderen. Das haben wir im Lobpreis des Paulus in
Eph 1,3-14 gesehen, und wir sehen es z.B. auch im Lobpreis der Israeliten nach
ihrer Rettung vor den Ägyptern (2Mo 14,30 - 15,21). Die Motivation dieses
Lobpreises ist bemerkenswert:
"Als nun Israel die große Macht sah, die der HERR an den Ägyptern
ausgeübt hatte, da fürchtete das Volk den HERRN, und sie glaubten an den
HERRN und an seinen Knecht Mose." (2Mo 14,31)
Furcht Gottes und Glaube an ihn bewegten sie, den Lobpreis anzustimmen. Wir
könnten viele Bibeltexte mit Beispielen für Lobpreis anführen. Die Psalmen
sind voll davon. Wir können aus ihnen lernen, wie Gott zu preisen ist, indem
wir über sie nachdenken und sie in unseren Gebeten und Liedern verwenden. Auch
im Neuen Testament kommt den Loblieder bzw. Psalmen eine große Bedeutung zu
(Eph 5,18-20; Kol 3,16; Jak 5,13).
Das Singen von Psalmen bzw. Lobliedern beinhaltet Dank und Lobpreis, ist aber
mehr. Beim Singen ist nicht nur der Verstand, sondern auch das Gemüt, die Seele
involviert. Und das ist gut so, denn du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben
mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen
Verstand (Mt 22,37). Unser Schöpfer weiß, dass es ein menschliches
Bedürfnis ist, der Freude Ausdruck zu verleihen. Gesang ist ein solcher
Ausdruck, und zwar ein wesentlicher. Wenn wir unsere musikalischen Anlagen für
Gott heiligen und für ihn einsetzen, dann wird der Teufel weniger Gelegenheit
haben, uns durch Musik in eine falsche Richtung zu ziehen.
Ich habe persönlich erlebt, wie meine starke Neigung zu bestimmter
weltlicher Musik zwischen mich und Gott gekommen ist - Musik wurde mir zum
Götzen. Es brauchte einige Zeit, bis ich wieder bereit war loszulassen und Gott
Chef in meinem Leben sein zu lassen. Es war mir eine große geistliche Hilfe,
als ich - inspiriert durch Jak 5,13 - anfing, ein paar gute geistliche
Lieder auswendig zu lernen. Diese singe ich in der Früh, beim Spazierengehen,
beim Autofahren usw. Mir fällt das Beten danach viel leichter, denn meine
Gedanken werden durch die tiefgehenden, an das Wort Gottes angelehnten Texte und
durch die erhebenden Melodien zu Gott hingeführt. Meine Freude am Herrn und
meine Liebe zu ihm wird durch das Singen solcher Lieder gefördert. Dies
wiederum hilft mir, öfter und regelmäßiger Zeit mit ihm zu verbringen und ihn
in meinem Leben an erste Stelle zu setzen.
Was sind gute Lobpreis-Lieder?
Was die Melodie betrifft, gibt es gewiss Unterschiede im Geschmack, je
nach Alter, Kultur, usw. Aber ich bin überzeugt, dass es ein schwerer Irrtum
ist zu meinen, Melodie und Rhythmus seien neutral, sie seien reine
Geschmackssache. Sobald man Töne in einer bestimmten Melodie und mit einem
bestimmten Rhythmus arrangiert, hat diese Musik ihren eigenen Charakter, der
nicht mehr völlig neutral ist. Der Charakter wird noch ausgeprägter, wenn man
das Ganze mit bestimmten Instrumenten in einer bestimmten Lautstärke spielt.
Die Beurteilung des Charakters eines Liedes wird immer zum Teil subjektiv sein,
aber dennoch muss ich mir die Fragen stellen: Welche Gefühle, welche
Assoziationen weckt die Musik in mir? Ist sie sinnlich? Ist sie aufwühlend?
Weckt sie in mir Sehnsüchte, die nicht zum Gotteslob passen? Wir haben ja
vorher gesehen, worum es beim Lobpreis geht: es geht nicht um mich und meinen
Geschmack sondern um den großen, herrlichen, zu fürchtenden und zu liebenden
Gott. Wenn es auch eine große Bandbreite an Musik geben mag, die wir für
Lobpreis einsetzen können, so gibt es doch Grenzen.
Was die Texte betrifft, sollte relativ klar sein, welche geeignet sind
und welche nicht. Liedtexte, die auf Lobpreis-Psalmen aufbauen, sind bestimmt
gut geeignet, aber auch andere Texte, in denen Gott verherrlicht wird. Ob Gott
verherrlicht wird, ist anhand der biblischen Lehre zu prüfen. Wir sollten auch
auf die Gesamtheit des von uns verwendeten Liedgutes schauen: Ist es ausgewogen,
oder wird Gott darin nur einseitig dargestellt? Stehen die Bedürfnisse des
Menschen im Vordergrund oder die Verherrlichung Gottes?
Bei der Liedauswahl sollten wir Gott um Weisheit bitten. Wir können bestimmt
keine starren Regeln aufstellen, durch die wir geistliche von ungeistlicher
Musik unterscheiden können. Aber wir können vor Gott prüfen, was uns
geistlich gut tut, was uns ihm näher bringt, was seinen Friede in uns fördert
- und was genau das Gegenteil von Lobpreis ist, nämlich dass wir unseren
weltlichen Neigungen den Vorrang gegenüber Gott geben:
"Liebt nicht die Welt noch was in der Welt ist! Wenn jemand die
Welt liebt, ist die Liebe des Vaters nicht in ihm; denn alles, was in der Welt
ist, die Begierde des Fleisches und die Begierde der Augen und der Hochmut des
Lebens, ist nicht vom Vater, sondern ist von der Welt." (1Jo 2,15-16)
Zusammenfassung
Richtiger Lobpreis muss ganzheitlich verstanden werden. Er besteht vor allem
in einer ganzen Hingabe an Gott und seinen Willen, uns vor ihm wohlgefällig zu
machen (Röm 12,1) - im Gegensatz zu einer Anpassung an die Welt (Röm 12,2).
Das betrifft alle Bereiche unseres Lebens, aber im Besonderen drücken wir
unseren Lobpreis der Herrlichkeit Gottes auch durch Beten und durch Loblieder
aus. So wie unser ganzes Leben dürfen auch diese Lieder nicht Anpassung an die
Welt ausdrücken, sondern Heiligung für Gott, was sowohl im Text als auch in
der Musik zum Tragen kommt.
Ich wünsche dir und mir, dass unser Leben, Beten und Singen immer mehr ein
Lobpreis nach Gottes Geschmack wird.
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