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Der alte und der neue Bund
Inhalt
1. Was ist ein Bund?
2. Verschiedene Bünde in der Bibel
2.1. Der Bund mit Abraham
2.2. Der mosaische Bund
2.3. Der Bund mit David
2.4. Der neue Bund
2.5. Für wen gilt welcher Bund
3. Der neue Bund
3.1. Der alte Bund war vorläufig
3.2. Der alte Bund war unzureichend
3.3. Gottes Gesetz im Herzen
3.4. Persönliche Beziehung
3.5. Gnade und Vergebung
3.6. Der alte Bund hat sich überlebt
4. Vom Gesetz zur Gnade
4.1. Pflicht - Sicht
4.2. Zwang - Drang
4.3. Last - Lust
4.4. Krieg - Sieg
5. Der NT-Gläubige und das Gesetz
6. Schluss
Ein Bund oder Bündnis ist eine Vereinbarung, ein Vertrag zwischen mindestens 2 Parteien:
- Es gibt ein Ziel, einen Zweck des Bundes.
- Es gibt Rechte und Pflichten.
- Es gibt definierte Konsequenzen bei Vertragsbruch.
Es gibt grundsätzlich 2 Arten von Bündnissen. Beide kommen in der Bibel vor:
- Einseitiger/unbedingter Bund: Nur ein Bündnispartner verpflichtet sich zu etwas.
Es gibt keine Bedingungen.
- Beidseitiger/bedingter Bund: Die Pflichten sind auf beide Parteien verteilt. Die
Bundestreue des einen Partners hängt von der Bundestreue des anderen ab.
In diesem Studium geht es uns um diejenigen biblischen Bünde, die die Herstellung und
Erhaltung der Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch zum Ziel haben:
"Ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein."
Die für uns wichtigsten einseitigen/unbedingten göttlichen Bünde sind:
Der wichtigste beidseitige/bedingte göttliche Bund:
1Mo
12; 15
In 1Mo 12,1-3 erwählte Gott Abram aus den Heiden, befahl ihm Land, Verwandtschaft und
Vaterhaus zu verlassen und in das Land zu gehen, das er ihm zeigen würde. Er versprach
ihm ein große Nachkommenschaft, Segen und einen großen Namen. Vers 1 darf nicht so
verstanden werden, dass es sich um einen bedingten Bund handelt. Das geht aus Kap. 15 klar
hervor. Der Befehl an Abram ist vielmehr so zu verstehen, dass er aufbrechen und sich in
Richtung Verheißung bewegen sollte. Gott macht ihm ein unbedingtes Gnadengeschenk, aber
er muss hingehen, um es in Empfang zu nehmen. Ähnlich ist es mit unserer Bekehrung. Die
Errettung ist ein freies Gnadengeschenk. Dass wir die Lumpen unseres gottlosen Lebens
ablegen müssen, um das Festgewand seines neuen Lebens anzuziehen, kann man nicht als
Leistung, als Vertragspflicht sehen.
In Kap. 15 wird der Bund dann formal abgeschlossen - aber nicht wie üblicherweise,
indem beide Bundespartner zwischen den Hälften der Opfertiere durchgehen, sondern Gott
allein. Damit ist klar, dass es ein Bund ist, dessen Bestand allein von Gott abhängt. Das
wiederum ist die einzige Chance für einen dauerhaften Bund zwischen Gott und Mensch, wie
die Menschheitsgeschichte bis zu diesem Punkt gezeigt hat.
In 1Mo 17,1-21 bestätigt Gott den Bund, gibt Abram seinen neuen Namen Abraham und
führt das Bundeszeichen der Beschneidung ein.
Gott antwortet auf den Glaubensgehorsam Abrahams (Opferung Isaaks) in 1Mo 22,15-18 mit
einer neuerlichen, mit einem Schwur bekräftigten Bestätigung der Bundesverheißungen.
Der Bund Gottes mit Abraham umfasst folgende Verheißungen:
- Land (Kanaan)
- Nachkommen, große Nation
- Segen für alle Völker
Jer
7,23; 11,3-4
Der Mose-Bund ist im Gegensatz zum Abraham-Bund ein bedingter. Umso wichtiger ist es zu
sehen, dass er kein eigenständiger, losgelöster Bund war, sondern ein Bund, der auf dem
Abraham-Bund aufbaute (2Mo 19,4-6; 5Mo 4,4-8 zusammen mit 2Mo 2,24-25; 5Mo
4,36-38; 29,31; 1Chr 16,15-19). Er hatte eine zeitlich und national begrenzte Gültigkeit. Gott benütze
ihn auf dem Weg zur Erfüllung des Bundes, den er mit Abraham geschlossen hatte. Durch den
Mose-Bund, d.i. das Gesetz, sollte die Nation Israel bis zum Kommen des Messias und seines
Neuen Bundes geheiligt, bewahrt und vorbereitet werden (Gal 3,23-24).
2Sam 7,8-16; Ps
89,3-4; 89,20-37
Gott verpflichtet sich mit einem Schwur (Ps 89,35), das Königtum Davids auf ewig zu
befestigen. Obwohl es in diesem Bund vor allem um die Beziehung zwischen Gott und dem Haus
Davids geht, dient er letztlich dem großen Ziel Gottes, das allen Bünden gemeinsam ist:
Die Herstellung und Aufrechterhaltung der Gemeinschaft zwischen Gott und seinem Volk (Hes 34,23-24). Einer der Nachkommen Davids wird der Messias sein, durch den alle Verheißungen
des Abraham-Bundes, des Mose-Bundes und des Neuen Bundes verwirklicht werden. Dieser
verheißene Same - sowohl Davids, als auch Abrahams als auch Evas (1Mo 3,15) - ist derjenige
mit dem letztlich alle Verheißungen der Schrift stehen und fallen; in ihm ist
das Ja und das Amen (2Kor 1,20). Ohne das Werk und die Person Christ würde es keinen Bund geben - welcher
Art auch immer - der das Zusammenleben von Gott und gefallenen Menschen ermöglicht.
Jer 31,31-37; Hes 36,15-28
Gott zeigt schon durch die AT-Propheten, dass der Mose-Bund nur eine Übergangslösung
war. Er hat einen neuen Bund vorgesehen. Durch diesen Bund wird Gottes ursprüngliches
Ziel erreicht werden:
"Ich werde ihnen Gott und sie werden mir Volk sein."
Dies wird möglich
- durch die Vergebung der Sünden durch das Blut Christi (Rechtfertigung),
- durch die inwendige Erneuerung, d.h. die neue Schöpfung in Christus (Heiligung). Nur
sie, aber nichts, was der alte Mensch produziert, kann Gottes Heiligkeit genügen.
Alle aufgezählten Bünde gelten für Israel. Und der neue Bund?
- Ursprünglich und zuallererst für Israel und Juda (Jer 31,31). Die vollkommene
Erfüllung dieses Bundes wird erst im 1000-jährigen Reich stattfinden.
- Da wir, die Gemeinde Jesu im NT, Abrahams Same (Gal 3,7.29) und Miterben der
Verheißungen (Eph 3,6) sind, gilt er auch für uns. So wie der Messias schon gekommen ist
und doch erst kommt, so wie das Königreich Gottes schon unter uns ist und doch erst
kommt, so ist der neue Bund schon in Kraft und doch noch nicht. Es handelt sich um eine
Teilerfüllung.
Der Hebräerbrief ist ein Schlüssel - wenn nicht der Schlüssel - zum
Verständnis des Zusammenhangs zwischen dem alten (mosaischen) und dem neuen
(Gnaden-)Bund. Ein Kerntext in diesem Brief ist das Zitat aus Jer 31,31-34 in Hebr 8,7-13.
Was lernen wir aus diesem Abschnitt?
- Der erste (mosaische) Bund war nicht tadellos, er war vorläufig, vorbereitend auf den
neuen Bund.
- Der alte Bund war unzureichend für sündige Menschen, denn der Gehorsam des
Bundesvolkes ggü. Gott war Bedingung für das Kümmern Gottes um sein Volk; anders
ausgedrückt: die Treue des Volkes zu Gott war Bedingung für die Treue Gottes zum Volk.
- Die einzige Chance einer dauerhaft funktionierenden Gemeinschaft zwischen Gott und
Mensch ist, dass die Treue nicht von außen erzwungen wird, sondern dass der Mensch Gottes
Gesetz in seinem Sinn und in seinem Herzen trägt, d.h. dass eine göttliche Erneuerung
des inneren Menschen stattfindet.
- Im neuen Bund kennt der Verbündete Gott nicht durch einen Mittler vom Hörensagen
sondern er kennt ihn persönlich. Der neue Bund ist keine Gleichschaltung aller, die im
Bund stehen - es wird Kleine und Große geben - aber dass sie Gott persönlich kennen, ist
die Basis ihres Bundes mit Gott.
- Was ermöglicht diese allgemeine persönliche Gemeinschaft mit Gott: Dass er den
Ungerechtigkeiten gnädig ist und der Sünden nicht mehr gedenkt. Die Sünden, die im
Alten Bund immer wieder eine Mauer zwischen Gott und seinem Volk waren und die
Gemeinschaft verhinderten, stehen nun nicht mehr im Weg. Sie wurden ein für alle Mal
bezahlt.
- Mit der Errichtung des neuen Bundes in Jesus Christus hat sich der alte überlebt.
Im Detail:
Der mosaische Bund war Schatten und Vorbereitung des wahren Bundes:
Gal 3,23-24 Bevor aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt,
eingeschlossen auf den Glauben hin, der geoffenbart werden sollte. Also ist das Gesetz
unser Zuchtmeister gewesen auf Christum hin, auf daß wir aus Glauben gerechtfertigt
würden.
Das Gesetz brachte Erkenntnis über:
Gott
Im AT und besonders im Gesetz offenbart Gott sehr deutlich sein Wesen. Er ist gnädig
und barmherzig aber auch gerecht und heilig. Er ist ein zu liebender und ein zu
fürchtender Gott.
Sünde
Das Gesetz mit all seinen Ge- und Verboten, mit seinen Strafen, Gerichten und Opfern,
mit seinen Segnungen und Flüchen macht überaus deutlich, was Sünde in den Augen des
heiligen Gottes ist: todeswürdig, ausrottenswürdig.
Sühnung
Die Einrichtungen der Stiftshütte bzw. des Tempels, die Vorschriften über Reinigung,
Opfer und den Priesterdienst zeigen, dass zur Vergebung von Sünde Blut fließen muss,
dass es besonderer, heiliger Einrichtungen und Mittler bedarf, damit der sündige Mensch
mit dem heiligen Gott in Berührung kommen kann.
Anbetung
Die Einrichtungen des Sabbats, des Räucheraltars, verschiedener Opfer und Feste
verdeutlichten, dass Anbetung Gottes wesentlicher Bestandteil des Bundes mit Gott sind.
Gott kennen heißt, ihn lieben und anbeten.
Menschliche Unzulänglichkeit
Das Scheitern des alten Bundes im Hinblick auf die Heiligung des Bundesvolkes und das
gute Gewissen zeigen, dass ein neuer, besserer Bund notwendig ist.
Gottes Erlöser
Der Opfer- und Priesterdienst weisen deutlich auf das Lamm Gottes und den Hohepriester Gottes hin.
Auch viele Verheißungen und Weissagungen deuten auf den Christus Gottes hin.
Weiters ebnete der mosaische Bund in folgender Hinsicht den Weg für den Messias:
Bewahrung der messianischen Linie
Ein wesentliches Ziel von Gottes Handeln mit den Menschen im AT ist, seine
messianischen Verheißungen zu erfüllen - die Verheißungen an Adam und Eva und später
an Abraham in Bezug auf den Samen, der allen Völkern zum Segen wird. Gott bewahrt die
messianische Linie (Seth, Noah, Sem, Abraham, Isaak, Jakob, Juda, usw.), er heiligt sie,
damit zur Erfüllung der Zeiten eine gottesfürchtige Jungfrau den Messias gebären kann.
Glaubwürdigkeit durch Weissagungen
Die vielen AT-Weissagungen, die im NT, besonders von Matthäus zitiert werden,
untermauern, dass Jesus tatsächlich der verheißene Messias ist. Sie zeigen, dass die
Erfüllung von Gottes Verheißung vom kommenden Königreich und von seinem König nahe
gekommen ist, dass sie in Jesus begonnen hat.
Der alte Bund war an Bedingungen geknüpft.
Jer 11,4 welche ich euren Vätern geboten habe zur Zeit, als ich sie aus
Ägyptenland, dem eisernen Schmelzofen, führte, indem ich sprach: Seid meiner Stimme
gehorsam und tut darnach, ganz wie ich euch gebiete, so sollt ihr mein Volk sein, und ich
will euer Gott sein! -
Israel kam in den Genuss des Segens Gottes, wenn sie ihm gehorchten. Er war treu, wenn
sie ihm treu waren. Die Geschichte Israels zeigte, dass der bedingte Segen zu wenig war,
um den gefallenen Menschen völlig zu retten. Ein anderer Heilsplan musste her, der die
gefallene Natur des Menschen völlig überwand.
Apg 13,38-39 So sei es euch nun kund, Brüder, daß durch diesen euch Vergebung der
Sünden verkündigt wird; und von allem, wovon ihr im Gesetz Moses' nicht gerechtfertigt
werden konntet, wird in diesem jeder Glaubende gerechtfertigt.
Jer 32,40 Und ich werde einen ewigen Bund mit ihnen machen, daß ich nicht von ihnen
lassen werde, ihnen wohlzutun; und ich werde meine Furcht in ihr Herz legen, damit sie
nicht von mir abweichen.
Röm 8,3 Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war,
tat Gott, indem er, seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für
die Sünde sendend, die Sünde im Fleische verurteilte, ...
Gal 3,11 Daß aber durch Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar,
denn "der Gerechte wird aus Glauben leben".
Jer 32,40 Und ich werde einen ewigen Bund mit ihnen machen, daß ich nicht von ihnen
lassen werde, ihnen wohlzutun; und ich werde meine Furcht in ihr Herz legen, damit sie
nicht von mir abweichen.
Hes 11,19-20 Und ich werde ihnen ein Herz geben, und werde einen neuen Geist in euer
Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus ihrem Fleische wegnehmen und ihnen ein
fleischernes Herz geben: auf daß sie in meinen Satzungen wandeln und meine Rechte
bewahren und sie tun; und sie werden mein Volk, und ich werde ihr Gott sein.
Hes 36,25-27 Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein
sein; von allen euren Unreinigkeiten und von allen euren Götzen werde ich euch reinigen.
Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und
ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleische wegnehmen und euch ein fleischernes Herz
geben. Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, daß ihr in
meinen Satzungen wandelt und meine Rechte bewahret und tut.
Durch die Wiedergeburt in Christus schaffte Gott was der alte Bund nicht vermochte:
eine Erneuerung von innen heraus - Gottes Geist im Herzen des Menschen. Das Herz des
natürlichen Menschen ist in Bezug auf Gott steinern, leblos, hart, tot. Durch die
Wiedergeburt bekommt der Mensch ein Herz aus Fleisch, d.h. lebendig in Bezug auf Gott, so
wie er es ursprünglich geschaffen hat, empfänglich für Gott, in Verbindung mit Gott,
schlagend für Gott.
Es ist ein unglaubliches Vorrecht für diejenigen, die im Neuen Bund stehen: Sie
dürfen in einer persönlichen Beziehung mit Gott stehen; mit Gott, dem Allmächtigen, dem
Schöpfer, Erhalter und Richter der Welt, demjenigen, den kein Mensch sehen kann, ohne zu
sterben, der in einem unzugänglichen Licht wohnt, der die alte Welt in Wasser
hinwegraffte und der die jetzige durch Feuer vernichten wird. Derjenige, der zu Mose
sagte:
... denn ich will nicht mit dir hinaufziehen, weil du ein halsstarriges Volk bist;
ich würde dich sonst unterwegs verzehren. (2Mo 33,3)
... Sage den Kindern Israel: Ihr seid ein halsstarriges Volk! Wenn ich nur einen
Augenblick in deiner Mitte hinaufzöge, müßte ich dich vertilgen ... (2Mo 33,5)
Wie ist es möglich in eine Kind-Vater Beziehung zu dem Gott zu treten, der ein
verzehrendes Feuer ist? Nur in Christus. Er ist der geliebte Sohn, an dem der Vater sein
Wohlgefallen hat. Wir sind Kinder Gottes, weil wir durch Glauben in Christus sind, wir
haben ihn in der Taufe angezogen, und somit sind wir Söhne Gottes wie er (Gal 3,26-27).
Wir haben den Geist der Sohnschaft empfangen (Röm 8,15; Gal 4,6). In diesem Geist rufen
wir "Abba, lieber Vater!". Dieser Geist zieht uns hin zum Vater und leitet uns
(Röm 8,14).
Im Neuen Bund dürfen wir durch den heiligen Geist Gott kennen. Der Geist offenbart
uns, was im Herzen Gottes ist (1Kor 2,10), wir werden durch den Geist direkt über Gott
belehrt und sind nicht (allein) von Menschen abhängig, was die Erkenntnis Gottes betrifft
(Joh
14,26; 16,13; 1Jo 2,27).
Joh 1,16-17 Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade um Gnade. Denn das
Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus
geworden.
Gab es vorher keine Gnade und Vergebung? Doch, aber alles nur vorausschauend auf das
Kreuz. Alles waren nur Schatten der Gnade und der Wahrheit, die in Christus kamen. Er
ist die personifizierte Gnade. Gab es schon früher Worte der Gnade von Gott, so ist Jesus
das Wort der Gnade von Gott. Bestand der alte Bund aus Schatten des Wahren, so ist
Christus das Wahre, die Realität, die ihren Schatten in das AT hinein warf. Er ist die
Wahrheit in jeder Hinsicht.
Ohne das Kreuz täte jede Gnade der Gerechtigkeit und Wahrheit Gottes Abbruch. Wie kann
er Sünde jemals dulden? Jede Gnade in der Vergangenheit und Zukunft beruht auf dem
vollbrachten Werk Christi.
Im neuen Bund hat die Vergebung eine andere Dimension. Sie ist vollkommen, sie reicht
aus, um das Gewissen zu reinigen (Hebr
9,14).
Röm 10,4 Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit.
Gal 3,24-25 Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christum hin, auf
daß wir aus Glauben gerechtfertigt würden. Da aber der Glaube gekommen ist, sind wir
nicht mehr unter einem Zuchtmeister;
Gesetz:
- Ich soll das Gute tun und das Böse lassen.
- Mir fehlt die Kraft dazu, weil in meinen Gliedern das Gesetz der Sünde herrscht.
- Das bewirkt Kampf, Krampf und schlechtes Gewissen.
Gnade:
- Gott befreit mich von der Herrschaft der Sünde, indem er mir die Sünde vergibt.
- Er schreibt sein Gesetz in mein Herz.
- Die Freiheit zu tun, was ich will, führt nicht zum hemmungslosen Sündigen, sondern zur
Heiligung, denn
- ich will und kann tun, was ich tun soll.
Weil Erkenntnis Gottes durch Jesus Christus da ist, weil wir die hervorragende Stellung
sehen, die wir in ihm haben, werden wir umgestaltet. Die Betonung liegt auf dem, was uns
geschenkt ist, statt auf dem, was wir tun müssen: 1Kor 2,9-10; 2Kor 3,18
Die Heiligung ist für die neue Schöpfung nicht von außen auferlegte Pflicht, sondern
ein aus der klaren Sicht Christi entstehendes Bestreben zur Nachahmung.
Sind die Gebote Christi dem natürlichen Menschen ein Zwang, so sind sie dem vom
Heiligen Geist Erneuerten ein Drang: Röm 7,22
Sind die Gebote Christi dem natürlichen Menschen eine Last, so sind sie dem neuen
Menschen eine Lust: Jer 23,33-36; Röm 7,22
Kämpft der fleischliche Christ mit fleischlichen Waffen und bleibt sieglos, so erlebt
der im Geist Wandelnde den Sieg über Sünde durch die Identifikation mit Christus. Er
erlebt, was es heißt, in der Neuheit des Lebens Christi zu wandeln, und was Paulus
meinte, als er schrieb: "Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir."
(Gal 2,20). Das geistliche Leben ist nicht mehr bloß ein einziger unaufhörlicher Krieg,
sondern auch Sieg und Herrschaft, denn alles was aus Gott geboren ist überwindet die Welt
(1Jo 5,4). Abrüsten können wir erst, wenn wir bei der Wiederkunft des Herrn von der
Gegenwart der Sünde befreit werden. Aber siegen und in Wachsamkeit herrschen sollen und
können wir: "So herrsche denn nicht die Sünde in eurem sterblichen Leibe, um seinen
Lüsten zu gehorchen;" (Röm 6,12).
Wir leben nicht mehr unter dem mosaischen Gesetz. Ein Teil dieses Gesetzes ist
unwandelbar, d.h. gleich für alle Zeitalter, weil es den moralischen Standard Gottes
ausdrückt. Dieser Teil galt aber schon vor Mose und wird auch im NT wiederholt (das
Sabbat-Gebot z.B. gehört nicht dazu). In diesem Sinn sind wir nicht ohne Gesetz (1Kor 9,21). Vielmehr leben wir in dem Gesetz Christi, das in unsere Herzen geschrieben ist.
Dieses Gesetz ist nicht wie das mosaische eines der Werksgerechtigkeit sondern der
Glaubensgerechtigkeit. Der Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat, im Glauben
ziehen wir den neuen Menschen an, der nach dem Bild Christi erschaffen ist und dem Gottes
(ewiges) Gesetz eine Lust ist.
Allerdings kann das Gesetz Christi auch uns zum Zuchtmeister auf die Gnade Christi hin
werden - nämlich dann, wenn wir nach dem Fleisch wandeln, die Gebote Christi als
lästige/belastende Pflicht empfinden. Indem wir vergeblich versuchen, im Fleisch und aus
Werksgerechtigkeit unsere Heiligung voranzutreiben, kommen wir zu dem Punkt, wo wir
erkennen, dass wir unfähig sind, Christi Gesetz aus uns heraus zu erfüllen. So wird uns
sein Gesetz zum Zuchtmeister auf seine Gnade hin, d.h. es zeigt uns, dass wir unfähig
sind und treibt uns hin zur Gnade. Jetzt sind wir wieder bereit, im Glauben den neuen
Menschen anzuziehen und uns von der Gnade erziehen und heiligen zu lassen.
Im neuen Bund ist uns Unglaubliches - aber nicht Unglaubwürdiges oder Unglaubbares -
geschenkt:
- Segnungen (was uns schon gegeben ist: z.B. Vergebung, Errettung von der Strafe der
Sünde, Stellung als Kinder Gottes, Gemeinschaft mit Gott, ein neues Herz, ...)
- Verheißungen (was noch in der Zukunft liegt: z.B. Errettung von der Macht der Sünde,
Errettung von der Gegenwart der Sünde, Mitherrschen mit Christus, die Ewigkeit bei Gott,
...)
Beide Arten von Geschenken wollen im Glauben ergriffen werden. Der Glaube, d.h. unser
Vertrauen auf Gott, den Segner und Verheißer, ist unser Schlüssel sowohl zum Eintritt in
den neuen Bund als auch zum Ausschöpfen der Segnungen und Verheißungen, die in diesem
Bund verborgen liegen.
Hebr 12,1-2 Deshalb nun, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, laßt
auch uns, indem wir jede Bürde und die leicht umstrickende Sünde ablegen, mit Ausharren
laufen den vor uns liegenden Wettlauf, hinschauend auf Jesum, den Anfänger und Vollender
des Glaubens, welcher, der Schande nicht achtend, für die vor ihm liegende Freude das
Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.
Im Hinblick auf die Menge von Vorläufern im Bund mit Gott, vor allem aber im Aufblick
auf Jesus können wir die gegenwärtigen und zukünftigen Segnungen unseres Bündnisses
mit Gott ausschöpfen. Möge der Herr uns einen klaren Blick dafür geben, welch großen
Preis es in dem Wettlauf des Glaubens zu gewinnen gilt, damit wir wie Jesus für die vor
uns liegende Freude alles dulden.
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