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Salbung
Was ist unter Salbung im NT zu verstehen, besonders die Stelle in 1Jo
2,20+27 ?
Antwort
Salbung im Alten Testament
Um zu verstehen, was Salbung im Neuen Testament bedeutet, ist es hilfreich,
die Bedeutung im Alten Testament zu betrachten: Bestimmte Menschen und
Gegenstände, die Gott geweiht waren, wurden mit Öl gesalbt:
Damit wurde ausgedrückt, dass sie von Gott zu einem besonderen Zweck bzw.
Dienst für ihn bestimmt und ausgerüstet wurden.
Der Gesalbte
In diesem Sinn ist auch Jesus der Inbegriff des Gesalbten, da er von Gott
für die größte Mission aller Zeiten ausgesucht und zugerüstet wurde,
nämlich eine gottlose Welt mit Gott zu versöhnen:
"Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute
Botschaft zu verkündigen; er hat mich gesandt, Gefangenen Freiheit auszurufen
und Blinden, daß sie wieder sehen, Zerschlagene in Freiheit hinzusenden,
auszurufen ein angenehmes Jahr des Herrn." (Lk 4,18-19)
Daher ist Jesus der Messias, der Christus: beide Bezeichnungen heißen
übersetzt "der Gesalbte". Jesus ist sowohl König, als auch Priester,
als auch Prophet, und auch die Einrichtungen des Zeltes der Begegnung bzw. des Tempels
finden ihre Erfüllung in ihm, d.h. sie waren nur Vorläufer und Schatten der
Wirklichkeit, die mit dem vollkommenen Erlösungswerk Jesu Christi kam. Dies
wird im Hebräerbrief detailliert ausgeführt.
1. Johannes 2,20+27
"Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen und habt alle das
Wissen." (1Jo 2,20)
"Und ihr! Die Salbung, die ihr von ihm
empfangen habt, bleibt in euch, und ihr habt nicht nötig, daß euch jemand
belehre, sondern wie seine Salbung euch über alles belehrt, so ist es auch
wahr und keine Lüge. Und wie sie euch belehrt hat, so bleibt in ihm!"
(1Jo 2,27)
Aus Lk 4,18 geht der Zusammenhang zwischen Salbung und Heiligem Geist
hervor. Auch andere Bibelstellen zeigen dies (z.B. Apg 10,38).
Dieser Zusammenhang ist der Schlüssel zum Verständnis der Verse im 1.
Johannesbrief. Ähnlich wie Christus erfahren auch alle seine Nachfolger die
Salbung des Heiligen Geistes (2Kor 1,21-22). Jesus hat seinen Jüngern
versprochen, dass er sie nicht alleine lassen wird, wenn er zum Vater geht,
sondern ihnen einen anderen Tröster oder Beistand senden wird, den Heiligen
Geist. Über diesen macht er unter anderem folgende Aussagen:
- Er bleibt in euch. (Joh 14,17)
- Er wird euch alles lehren und euch an alles erinnern. (Joh 14,26)
- Er wird euch in die ganze Wahrheit leiten. (Joh 16,13)
Wenn man diese Aussagen mit 1Jo
2,20+27 vergleicht, erkennt man
sofort, um welche Salbung es sich handelt, nämlich um die Salbung des Heiligen
Geistes.
Noch ein erklärendes Wort zu 1Jo 2,18-27: Es geht dort um die
Verführung durch Irrlehrer, sogenannte "Antichristen", die leugnen,
dass Jesus der Christus, d.h. der Gesalbte ist. Diese Verführung gab und gibt
es in verschiedenster Form, manchmal offen gegen die Lehren der Bibel, manchmal
- und das ist die noch gefährlichere Verführung - unter einem biblischen
Deckmantel. Allen gemeinsam ist, dass sie Jesus nicht in der Form als einzigen
Weg, als göttlichen Sohn, vom Vater gesalbt und gesandt, anerkennen, wie es die
Apostel lehrten. Wie können sich die Gläubigen, denen Johannes schreibt, nun
gegen diese bedrohliche Verführung wehren? Indem sie mithilfe des Heiligen
Geistes (V. 20+27) an der Lehre der Apostel festhalten (V. 24). Das ist das
klassische neutestamentliche Rezept: Wort und Geist.
Ist V. 27 so zu verstehen, dass sich ein Christ von niemandem etwas sagen zu
lassen braucht? Gewiss nicht, sonst wäre der 1. Johannesbrief absurd, in dem
Johannes die Gläubigen über Verschiedenes belehrt, unter anderem darüber,
dass sie sich von niemandem belehren lassen brauchen. "Ihr habt nicht
nötig, dass euch jemand belehre" gilt nur in einem bestimmten Sinn: Im
Gegensatz zum Alten Bund ist Gottes Wahrheit, sein Gesetz im Neuen Bund durch
den Heiligen Geist in die Herzen der Gotteskinder geschrieben, so dass sie alle
eine persönliche Beziehung zu Gott haben und keiner zum anderen sagen kann:
"Ich bin Mittler zwischen dir und Gott, denn ich habe direkten Kontakt zu
ihm, aber du nicht." (Hebr 8,10-11) Es ist tatsächlich so, dass der
Heilige Geist der Lehrer der Gotteskinder ist. Er bedient sich allerdings dazu
der Bibel, anderer Menschen und auch bestimmter Umstände. Denselben Geist, der
auf Jesus war, haben auch die Christen bei ihrer Neugeburt empfangen, so dass
sie Jesus als den von Gott Gesalbten erkennen können. Wenn sie im Wort Gottes
(in der Lehre der Apostel) bleiben, werden sie durch die Belehrung des Heiligen
Geistes die Irrlehre von der Wahrheit unterscheiden können.
Weitere Aspekte von Salbung im Neuen Testament
Dass Gotteskinder von Gott gesalbt sind, bedeutet auch - ausgehend von der
Bedeutung im Alten Testament -, dass sie
- für Gott aus der Welt ausgesondert, beiseite genommen sind, um für ihn
heilig zu sein,
- für einen bestimmten Dienst berufen sind,
- für diesen Dienst auch die nötige Ausrüstung bekommen.
Es ist wichtig, dass sich jeder einzelne dieser Berufung grundsätzlich
bewusst ist, und auch, dass er täglich sucht, zu verstehen und zu tun, was
diese Berufung für ihn bedeutet.
Ein weiterer Aspekt der Salbung ist Freude:
"du hast Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehaßt; darum
hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl vor deinen
Gefährten." (Hebr 1,9)
Hier wird über Jesus ausgesagt, dass er mit besonderer Freude beschenkt war,
weil er die Gerechtigkeit (Gottes) so kompromisslos geliebt und jede Form von
Gottlosigkeit gehasst hat. Darin steckt eine große, in der Bibel oftmals
wiederholte Lehre für uns: Je kompromissloser wir Jesus in der Liebe
zu Gott und zu seiner Gerechtigkeit nachfolgen, desto mehr Freude und Glück
finden wir.
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