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EINLEITUNG ZU DEN POETISCHEN BÜCHERNDie Absicht der Schreiber der fünf poetischen Bücher des AT könnte am besten mit dem Ausdruck "eine Auswertung des Lebens" zusammengefasst werden. Sie werden auch "Weisheitsliteratur" genannt, da sie in ihrem Schreibstil zeitgenössischen, nicht biblischen Schriften, welche auch diesen Namen tragen, sehr ähnlich sind. Für den modernen Menschen ist es sehr schwierig, die poetischen Merkmale dieser Bücher auf den ersten Blick festzustellen. Es muss aber in Erinnerung gehalten werden, dass hebräische poetische Literatur auf der Grundlage des Parallelismus der Gedanken und nicht des Reimes aufgebaut wurde. Die drei wichtigsten Formen des Parallelismus sind:
Die poetischen Bücher werfen fünf grundsätzliche Fragen des Lebens auf:
Es ist schwierig, bei den poetischen Büchern die Zeit der Niederschrift festzulegen, da sie fast keine Information enthalten, welche mit der Geschichte Israels identifiziert werden könnte. Gemeinsam mit den siebzehn prophetischen Büchern ergänzen diese fünf poetischen Bücher jedoch auf jeden Fall das geschichtliche Gerüst, welches in 1. Mose bis Esther geliefert wird.
EINLEITUNG ZU HIOBDer Schreiber von Hiob wird öfters "der Shakespeare der Bibel" genannt. Sein Werk ist literarisch schwierig zu definieren. Elemente von verschiedenen Richtungen sind zu erkennen:
Das Buch hat jedoch trotz aller Versuche, es literarisch einzureihen, einen eigenen und einmaligen Stil. Obwohl viel über den Stil diskutiert wird, darf nicht vergessen werden, dass Hiob eine geschichtliche Person ist. Das AT und das NT bestätigen diese Tatsache - siehe Hes 14,14 + 20; Jak 5,11. Die Niederschrift von Hiob fand wahrscheinlich zur Zeit der Regierung Salomos statt. Das Gedankengut dieses Buches weist Ähnlichkeite n zu anderen Werken dieser Zeit auf. Der Schreiber ist unbekannt. (Grundsätzlich gibt es jedoch fünf verschiedene Auffassungen in Bezug auf den Zeitpunkt der Niederschrift, welche von der Zeit Abrahams bis zur babylonischen Gefangenschaft reichen). Es muss jedoch unterschieden werden zwischen
Die geschichtliche Person Hiob lebte zur Zeit der Patriarchen. Vier Gründe deuten auf diese Tatsache hin:
Das Hauptthema des Buches ist "die Leiden Hiobs". Er wird als musterhafter Gläubiger und als unschuldige Person dargestellt, welche jedoch in unbeschreibliche Schwierigkeiten kommt. Diese Umstände werfen die Frage auf: WARUM MUSS DER GERECHTE LEIDEN? Karte 112 - Die Unterteilung des Buches Hiob
EINTEILUNG DES BUCHES HIOB
I) DER PROLOG: 1-2
II) DER DIALOG: 3,1-42,6
III) DER EPILOG: 42,7-17
I) DER PROLOG: 1-21) HIOB WIRD VORGESTELLT: 1,1-5Drei Aspekte von Hiobs Leben werden betont:
2) HIOB WIRD ANGEGRIFFEN: 1,6-2,13In diesem Abschnitt wechselt zweimal der Ort der Handlung, und zwar vom Himmel auf die Erde. Karte 113 - Die Gespräche im Himmel und die Folgen auf Erden
Das erste Gespräch - Gott fängt das Gespräch mit Satan an. Er macht ihn auf die Treue Seines Knechtes Hiob aufmerksam. Satan bestreitet nicht die Einschätzung, stellt jedoch die Motive Hiobs in Frage. Satan argumentiert, dass der Grund für Hiobs Treue in den Segnungen Gottes zu suchen sei. Um diese Behauptung zu entkräften, gibt Gott Satan die Erlaubnis, die Familie und die materiellen Güter Hiobs anzugreifen. Das ganze Geschehen wird jedoch von Gott kontrolliert. Die Folgen - Vier Botschaften von Katastrophen folgen blitzartig hintereinander. Hiob zeigt seine geistliche Größe: "Er fiel zur Erde nieder und betete an" (1,20). Er erkennt, dass er letzten Endes nur ein Verwalter der Segnungen Gottes (d.h. seiner Kinder und Besitztümer) gewesen ist (1,21). Das zweite Gespräch - Dieses Gespräch verläuft in ähnlicher Weise wie das erste. Die Behauptung Satans bei dem ersten Gespräch wird als falsch entlarvt. Gott sagt, dass Hiob trotz aller Prüfungen "noch fest an seiner Vollkommenheit hält" (2,3). Satan kontert, dass die ersten Prüfungen nicht stark genug waren. Wenn sich die Angriffe gegen Hiob selbst richteten, dann würde er Gott verlassen. Hiob darf zum zweiten Mal von Satan angegriffen werden, damit dessen Behauptung zurückgewiesen werden kann. Die Folgen - Hiob wird mit einer Hautkrankheit geplagt, die folgende Symptome zeigt: schlimme Geschwüre (2,7), Juckreiz (2,8), krankhafte Veränderungen der Gesichtshaut (2,7+12), Appetitlosigkeit (3,24), Niedergeschlagenheit (3,24-25), Schwinden der Kräfte (6,11), Würmer in den Geschwüren (7,5), eiternde Geschwüre (7,5), Atemnot (9,18), Schatten vor den Augen (16,16), Mundgeruch (19,17), Abmagerung (19,20; 33,21), immerwährender Schmerz (30,17), Ruhelosigkeit (30,27), schwarz werdende Haut (30,30), sich schälende Haut (30,30) und Fieber (30,30). Hiobs Frau wendet sich von ihm ab und seine Freunde können ihm überhaupt nicht helfen. Hiob hat alles verloren und ist nun völlig allein. II) DER DIALOG: 3,1-42,6Dieser in Gedichtform geschriebene Abschnitt enthält die verschiedensten Versuche, das plötzliche Leid Hiobs zu erklären. 3) DIE WEHKLAGE HIOBS: 3Hiob ist am Verzweifeln, als er über seine Probleme nachdenkt. Er sucht bei seinen Freunden Hilfe, die nachfolgenden Kapitel zeigen jedoch, dass sie ihm wenig helfen können. Grundsätzlich stellt Hiob nun zwei Fragen:
4) HIOB UND SEINE DREI FREUNDE: 4-28
Dieser Abschnitt weist eine ganz bestimmte Ordnung auf. Jeder der drei Freunde spricht dreimal und Hiob antwortet fast jedesmal. Karte 114 - Die Reden der drei Freunde
*) Bei der letzten Rede wird der Name Zophar nicht erwähnt, doch man kann annehmen, dass er der Redner war. Die Reden der Freunde weichen inhaltlich sehr wenig voneinander ab. Das grundlegende Argument ist - Gott handelt mit Menschen immer auf der Grundlage von Gerechtigkeit. Gott verwendet Leiden, um die Menschen für ihre Sünde zu strafen. Wenn ein Mensch leidet, dann empfängt er eigentlich nur, was er ohnehin verdient hat. Die Bedeutung des Leidens Hiobs ist, dass er für irgendwelche Sünden bestraft wird. Er solle seine Sünden bekennen, dann werde Gott auf ihn hören (siehe 4,7-8; 8,3-7 und 11,1-6). ad a) Die erste Runde: 4-14Eliphas: 4-5 - Der Name Eliphas bedeutet: "Gott ist wie feines Gold". Er kam aus Teman in Edom. Es ist möglich, dass er ein Nachfolger des Sohnes Esaus (auch Eliphas genannt) war, der einen Sohn namens Teman hatte (1Mo 36,4.10-11.15). Eliphas bringt vorsichtig seine Meinung zum Ausdruck, und zwar, dass kein Mensch mit seiner beschränkten Weisheit vor einem allmächtigen Gott als Gerechter erscheinen könne. Da Hiob leidet, nimmt Eliphas an, dass er für Sünde bestraft wird. Hiob: 6-7 - Hiob schildert seine unglaublichen Leiden, welche seine Freunde nicht verstehen. Es scheint ihm, als ob Gott ihn zu ununterbrochenen Leiden verurteilt hätte. Er sehnt einen Ausgang herbei, in dem er Befreiung, Tod oder Vergebung seiner Sünde erlangen würde. Bildad: 8 - Er fängt seine erste Rede mit einer Beteuerung an, dass Gott niemals anders als recht handeln könne: "Wird Gott das Recht beugen, oder wird der Allmächtige beugen die Gerechtigkeit" (8,3). Bildad stellt auch fest, dass der Herr niemals einen unschuldigen Mann verlassen würde. Er nimmt an, dass Hiob seiner Sünden wegen leidet. Hiob: 9-10 - Hiob fragt: "Wie könnte ein Mensch gerecht sein vor Gott?" (9,1). Er stimmt auch ein, dass Gott allmächtig ist und dass Er machen kann, was Er will, ohne irgend jemandem Rechenschaft abgeben zu müssen. Hiob hasst nun das Leben und hofft auf ein baldiges Abscheiden (10,18-22). |
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