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EINLEITUNG ZU DEM LIED DER LIEDERMan könnte sagen, dass in den drei Büchern, welche Salomo geschrieben oder teilweise geschrieben hat, der ganze Mensch behandelt wird:
Ein altes rabbinisches Gesetz verbot es einem Juden vor dem 30. Lebensjahr das Lied der Lieder zu lesen. Dies zeigt die Schwierigkeiten auf, die mit der Auslegung des Buches verbunden sind. Man könnte meinen, dass der Inhalt des Buches sinnlich und unsittlich wäre. Der Name Gottes wird kein einziges Mal erwähnt. Viele Fragen werden im Zusammenhang mit dem Buch aufgeworfen. Der Titel des Buches kommt in 1,1 vor - "das Lied der Lieder". Dies ist die hebräische grammatikalische Form für den Superlativ. Salomo schrieb 1.005 Lieder laut 1Kö 4,32. Dieses ist eines der besten, wenn nicht sogar das beste. Viele liberale Theologen setzen die Niederschrift des Buches in der zwischentestamentarischen Zeit an. Sie führen hier dieselben Argumente an wie beim Prediger. Salomo schrieb "das Lied der Lieder" wahrscheinlich als er noch ein junger Mann war, vielleicht um 956 v. Chr. Dies war die Zeit bevor die siebenhundert fremden Frauen sein Herz von Jahwe ablenkten (1Kö 11,3-4). Im hebräischen AT ist das Lied der Lieder das erste der fünf Bücher der "Megilloth" (Lied der Lieder; Ruth; die Klagelieder; der Prediger und Esther). Teile des Buches wurden am achten Tag des Passahs vorgelesen. Die Juden betrachteten das Lied der Lieder als erhaben. Sie verglichen die Sprüche mit dem inneren Hof des Tempels; den Prediger mit dem Heiligtum und das Lied der Lieder mit dem Allerheiligsten!
Grundsätzlich gibt es zwei Auslegungen des Buches:
Man kann jene Auslegung, bei der in der Geschichte zwei Personen vorkommen, auf drei Ebenen verstehen:
Dieses Verständnis wurde durch die Jahrhunderte von vielen Christen befürwortet: Der geschichtliche Hintergrund der Geschichte wird auf ein Minimum reduziert und alles, sogar die kleinsten Einzelheiten, werden als allegorisch angesehen. Zum Beispiel ist Salomo "das Wort"; die Sulamithin "die Seele" - Bernard von Clairvaux und Watchman Nee sind zwei Schreiber, welche diesen Standpunkt vertreten. Dieses Verständnis ist genau das Gegenteil von dem allegorischen Standpunkt. Hier wird das Buch als Ausdruck romantischer menschlicher Liebe auf der höchsten Ebene angesehen. Darin wird die Kraft und die Schönheit menschlicher Liebe vor und nach der Hochzeit deutlich gemacht. Bei diesem Verständnis werden überhaupt keine geistlichen Prinzipien herausgelesen.
Es ist schwierig, für das Buch eine genaue Unterteilung zu finden. Man kann es aber in zwei Schwerpunkte unterteilen, wie auf Karte 124 ersichtlich ist. Karte 124 - Die Unterteilung von dem Lied der Lieder
DIE EINTEILUNG VON DEM LIED DER LIEDER
I) ERWARTUNG: 1-3
II) ERFÜLLUNG: 4-8
Bevor man mit dem Studium dieses Buches beginnt, ist es wertvoll, sich über die Einzelheiten in der Geschichte ein Bild zu machen. König Salomo hatte in dem Gebirge Ephraim, etwa 80 km nördlich von Jerusalem, einen Weingarten (8,11). Er verpachtete diesen Weingarten (8,11) an eine Mutter mit ihren zwei Söhnen (1,6) und zwei Töchtern - die Sulamithin (6,13) und ihre kleine Schwester (8,8). Die Sulamithin schien "das Aschenbrödel" der Familie zu sein (1,5), von Natur sehr schön, aber wenig beachtet. Wahrscheinlich waren ihre Brüder nur Halbbrüder (1,6). Sie zwangen die Sulamithin in dem Weingarten hart zu arbeiten, sodass sie nur wenig Zeit für ihre eigene Pflege hatte (1,6). Sie pflegte die Reben und stellte Fallen auf für die kleinen Füchse (2,15). Sie hütete auch die Schafe (1,8). Da sie sehr viel Zeit draußen verbrachte, wurde sie von der Sonne gebräunt (1,5). Eines Tages kam ein gut aussehender Fremder in den Weingarten. Es war Salomo, der sich verkleidet hatte. Er zeigte Interesse an ihr, sie schämte sich jedoch wegen ihres Aussehens (1,6). Sie dachte, er sei ein Hirte und erkundigte sich wegen seiner Schafe (1,7). Er gab ausweichende Antworten (1,8), aber er sprach Worte der Liebe zu ihr (1,8-10) und versprach Reichtümer für die Zukunft (1,11). Er gewann ihr Herz; er ging weg, versprach aber bald wieder zurückzukehren. Sie träumte von ihm Tag und Nacht und manchmal dachte sie, er sei ihr nahe (3,1). Schließlich kehrte er in all seiner königlichen Majestät zurück und nahm sie zur Frau (3,6-7). I) ERWARTUNG: 1-3Dieser Abschnitt zeigt verschiedene Szenen, in denen die Liebe zwischen Salomo und der Sulamithin immer tiefer wurde. 1) DIE UNWÜRDIGKEIT DER BRAUT: 1,1-14Die Sulamithin denkt an den König, der von ihr entfernt ist. Sie sinnt auch über ihre Unwürdigkeit nach. Sie ist nur eine einfache Hirtin. 2) DIE INTENSITÄT IHRER LIEBE: 1,15-2,7In diesem Abschnitt werden zwei Aspekte klar:
In 2,1 wiederholt die Sulamithin wahrscheinlich Worte, welche Salomo zu ihr geredet hat. Er betont in 2,2, dass seine Geliebte "wie eine Lilie inmitten der Dornen" ist. 3) DAS KOMMEN DES BRÄUTIGAMS: 2,8-17Der Winter ist vorbei. Der Frühling ist gekommen. Die Braut weiß, dass ihr Bräutigam zurückkommt. Sie weiß aber auch aus praktischer Erfahrung, dass die "kleinen Füchse" den Weinberg verderben; daher möchte sie vorsichtig sein, dass nun keine Kleinigkeiten zwischen ihr und ihrem Geliebten auftreten und die Beziehung verderben. So ist es auch im christlichen Leben. Es sind oft die Kleinigkeiten, welche die Beziehung zum Herrn trüben. 4) DIE BEFÜRCHTUNGEN DER BRAUT: 3,1-5Wahrscheinlich beschreibt dieser Abschnitt einen Traum der Braut. Sie träumt, dass sie ihren Geliebten verloren hat und macht sich auf, ihn zu suchen. 5) DAS ERSCHEINEN VON SALOMO: 3,6-11Der König kommt in all seiner königlichen Würde. Er kommt zu dem Haus der Sulamithin und nimmt sie fort, um sie zu heiraten. ("Die Rauchsäulen" V. 6 stellen das übliche Räuchern der wohlriechenden Gewürze usw. dar, welches solche wichtigen Ereignisse begleitete). II) ERFÜLLUNG: 4-8Die Betonung des ersten Teiles von dem Lied der Lieder war Erwartung. Nun ist der Bräutigam gekommen. Die letzten fünf Kapitel beschreiben die Beziehung zwischen Mann und Frau. 6) BEWUNDERUNG: 4,1-5,1Diese Verse stellen eine lange Beschreibung der Frau dar. Ihr Mann ist voll Bewunderung für sie. Er sieht sie "ohne Flecken". Auf diese Art sieht auch Christus die Gemeinde, da sie mit ihm verbunden ist (siehe Eph 5,27). 7) TRENNUNG: 5,2-6,3In diesem Abschnitt spricht die Sulamithin. Vielleicht träumt sie wieder. Sie ist wieder von ihm getrennt. Dann erwacht sie und hat die Gewissheit, dass er noch bei ihr ist - "Ich bin meines Geliebten; und mein Geliebter ist mein..." (6,3). 8) LETZTE WORTE: 6,4-8,14Nun werden die Gedanken Salomos und der Sulamithin festgehalten. Sie erinnert sich an ihr Zuhause und wie der König kam und sie von dort wegholte. In diesen letzten Worten wird die Betonung darauf gelegt, dass die Liebe, welche in dieser Geschichte geoffenbart wurde, so mächtig ist, dass sie sogar der Tod nicht auszulöschen vermag. Sie ist auch so kostbar, dass kein Geld in der ganzen Welt sie erkaufen könnte. |
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