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EINLEITUNG ZU JEREMIADas Buch Jeremia weist einen stärkeren autobiographischen Charakter auf, als irgendein anderes prophetisches Buch. Es beschreibt die Gefühle, Eindrücke und Empfindungen von Jeremia, als er zusehen musste, wie sein Volk langsam aber sicher dem Gericht Gottes entgegenging. Dabei ragen zwei Eigenschaftes des Propheten hervor: Sein MITGEFÜHL und sein MUT. In Stellen wie 8,21-9,1 oder 10,23-24 kommt sein Mitgefühl ganz besonders zum Ausdruck. Jeremia weinte über Jerusalem und über die Juden genauso, wie der Herr Jesus Christus es sechs Jahrhunderte nach ihm machte (Mt 23,37-39). Mehr als irgendein anderer Diener Gottes im AT erlebte er die Wirklichkeit der "Gemeinschaft Seiner Leiden" (Phil 3,10). Jeremia war mehr über den geistlichen Zustand seines Volkes traurig und weinte mehr darüber als über sein eigenes leiderfülltes Leben. Sein Herz wurde von dem gebrochen, was auch das Herz Gottes brach. Jeremia war auch mutig. Er ging öfters durch Zeiten tiefster Depression, doch er gab niemals auf. Er wurde öfters misshandelt, sein Leben stand mehrmals in Gefahr, doch er verkündigte unentwegt seine unbeliebte Botschaft. Der Dienst Jeremias brachte wenig Frucht. Sein Beispiel zeigt, dass Gott geistliche Fruchtbarkeit mit ganz anderen Maßstäben misst, als dies Menschen tun. DER VERFASSERDer Name Jeremia bedeutet "Jahwe wird aufheben oder verherrlichen". Kap. 1,1 bestätigt ganz klar, dass die folgenden Prophezeiungen von Jeremia stammen: "Worte Jeremias" (1,1). Trotzdem versuchen liberale Theologen dies in Abrede zu stellen. Sie behaupten, dass Jeremia nicht das ganze Buch geschrieben hat. Ihre Argumente dafür sind zweifach:
Es gibt aber keine klar angeführten Argumente, welche beweisen könnten, dass Jeremia tatsächlich nicht dieses ganze Buch geschrieben hat. Über die eigentliche Person Jeremia ist sehr wenig bekannt. Er war der Sohn Hilkias, eines Priesters aus Anathoth, im Lande Benjamin. Anathoth war eine Priester- und Zufluchtsstadt (Jos 21,13-19). Anathoth lag etwa 5-6 km nordöstlich von Jerusalem. Jeremia wurde etwa 650 v. Chr., während der Regierung von König Manasse, geboren. Als er noch jung war (1,6) - etwa 20 Jahre alt -, wurde er von Gott als Prophet eingesetzt. 40 Jahre lang diente er als Prophet in Juda, in den letzten Jahren vor der babylonischen Gefangenschaft. Die Überlieferungen berichten, dass er als alter Mann in Ägypten starb. DER GESCHICHTLICHE HINTERGRUNDJeremia diente während der Regierungszeit der letzten fünf Könige von Juda. Eine Zusammenfassung ihrer Herrschaften gibt Einblick in den geschichtlichen Hintergrund. Karte 131 - Die Könige und Propheten von Israel und Juda
Karte 132 - Ein kurzer Überblick über die Periode der Könige
640 v. Chr. - BABYLON WIRD ZUR WELTMACHT 15) JOSIA - eine Periode des Optimismus (2Kö 22,1 - 23,20; 2Chr 34 - 35,27) Er begann zu regieren, als er erst 8 Jahre alt war. Er regierte 31 Jahre. Das assyrische Joch lag nicht mehr so schwer auf Juda. Die Gefühle des Nationalismus wurden stärker und Optimismus breitete sich aus. Zu Beginn seiner Regierungszeit stand das religiöse Leben noch unter dem Einfluss des Götzendienstes von Amon. Allmählich zeigte Josia Interesse an dem geistlichen Geschehen im Land. Der Prophet Zephanja mit seinen Warnungen vor dem "Tag des Herrn" spielte in Bezug auf das erwachende Interesse des Königs sicherlich eine große Rolle. Im 18. Jahr seiner Regierung (d.h. er war etwa 26 Jahre alt) wurde das Buch des Gesetzes gefunden. Die Prophetin Hulda warnte vor dem kommenden Gericht - Jerusalem würde eingenommen und zerstört werden, jedoch nicht zur Zeit Josias, da dieser sich vor dem Herrn erniedrigt hatte. Während des 13. Jahres seiner Regierung begann Jeremia mit seinem Dienst. Es ist möglich, dass sie in der Erneuerung des religiösen Lebens zusammengearbeitet haben. Als Josia zu Megiddo gegen die Ägypter kämpfte, wurde er getötet. Gegen Ende seiner Regierungszeit wurde das große assyrische Reich von Babylon erobert. 612 v. Chr. fiel die Hauptstadt Ninive. Nunmehr musste Juda mit Babylon rechnen. Zu dieser Zeit diente der Prophet Habakuk. Er prophezeite das kommende Gericht über den neu errichteten Staat Babylon. Josia war die letzte Hoffnung für Juda. Die vier nach ihm kommenden Könige bildeten eigentlich nur noch den Auftakt für das kommende Gericht. 16) JOAHAS - (2Kö 23,31-34; 2Chr 36,1-4) Er wurde auch Sallum genannt. Er regierte nur 3 Monate und wurde als Gefangener nach Ägypten geführt. Er starb dort, wie Jeremia es prophezeit hatte. 17) JOJAKIM - (2Kö 23,35-24,7; 2Chr 36,5-8) Der Pharao Neko setzte ihn in das Amt. Er regierte 11 Jahre. Sein Name wurde von Eljakim auf Jojakim abgeändert. Jeremia hatte während seiner Regentschaft eine schwierige Zeit. Im Tempel prophezeite er, wie das Volk in die babylonische Gefangenschaft gehen würde. Die Fürsten Judas verlangten seinen Tod. Nur durch die Hilfe von Freunden blieb er am Leben. Er schrieb auch eine Rolle mit Prophezeiungen, welche jedoch von Jojakim völlig verschmäht wurden. Man weiß nicht genau, wo Jojakim starb, auf jeden Fall hinterließ er seinem Sohn eine gefährliche Anti-Babylon-Politik. 18) JOJAKIN - (2Kö 24,8-17; 2Chr 36,9-10) Er regierte nur 3 Monate. Nebukadnezar hatte bereits während der Regierungszeit seines Vaters Jojakim Jerusalem angegriffen und dabei Gefangene und Beute weggeführt. Unter diesen Gefangenen befanden sich auch Daniel und seine Freunde. Nebukadnezar griff erneut an, und Jojakin kapitulierte und wurde festgenommen. Es wurden wieder Gefangene nach Babylon weggeführt. Hesekiel, der Prophet, ist einer von diesen. 19) ZEDEKIA - (2Kö 24,18-25,7; 2Chr 36,11-21) Nebukadnezar machte Mattanja zum König über Juda und änderte seinen Namen auf Zedekia. Er stand unter ständigem Druck von Ägypten, das von ihm eine Anti-Babylon-Politik verlangte. Jeremia bekam während seiner Regierungszeit zunehmend Schwierigkeiten in seinem Dienst. Er wurde dauernd mit falschen Propheten konfrontiert, welche den Juden Sieg und baldigen Frieden versprachen. Jeremia musste viel leiden, als er diese Botschaft des kommenden Gerichtes verkündigte. Er sprach öfters mit Zedekia und ermutigte ihn, sich Nebukadnezar zu ergeben. Doch Zedekia konnte angesichts seiner einflussreichen Fürsten nicht nachgeben. Im Sommer 586 v. Chr. drangen die Soldaten Nebukadnezars durch ein Loch in der Mauer in Jerusalem ein. Zedekia versuchte zu fliehen, wurde jedoch gefangengenommen. Die Babylonier stachen ihm seine Augen aus, töteten seine Söhne und brachten ihn nach Babylon. Der Tempel wurde ausgeraubt und dann mit der Stadt zerstört. 586 v. Chr. DIE BABYLONISCHE GEFANGENSCHAFT DIE POLITISCHE UND WIRTSCHAFTLICHE LAGEPolitisch gesehen war das Südreich (Juda) zwischen zwei Weltmächten, Babylon und Ägypten, eingekeilt. Es war für die Könige in Juda unmöglich, weder den einen noch den anderen Machtblock anzuerkennen. Die politische Führung des Landes wechselte häufig; einmal pro Babylon, dann wieder pro Ägypten. Die innere politische Lage konnte daher nie stabil sein. Verschiedene Erwähnungen in dem Buch zeigen, dass bedingt durch die internationale und nationale politische Lage, die wirtschaftliche Sicherheit des Landes sehr gefährdet war. Karte 133 - Die politische Lage Judas zwischen zwei Weltmächten
DAS RELIGIÖSE UND SOZIALE LEBEN DES SÜDREICHES (JUDA)Nach außen hin hatten die Juden des Südreiches einen Glauben an den lebendigen Gott. Sie hatten den Tempel und das Gesetz; sie feierten die religiösen Feste und brachten die vorgeschriebenen Opfer dar. Doch sie waren neben diesem äußeren Schein völlig in den Götzendienst verwickelt (7,9; 7,17-18; 9,14). Diese falsche satanische Religion gipfelte in der Anbetung und Verehrung der Himmelskönigin (44,1-19). Verständlicherweise tolerierte dieses System nicht die Verkündigung der Wahrheit. Deshalb wurde Jeremia sehr oft misshandelt und gefangengehalten (20,1-3). Auch das Volk wollte von Gottes Wort nichts wissen, manchmal spotteten sie (20,7-8), manchmal waren sie ausgesprochen rebellisch (44,15-16). Dieses falsche religiöse System führte zu einem Sturzflug der öffentlichen Moral. Kindermord (7,31), Diebstahl, Mord, Ehebruch und Lügen (7,9) wurden zu Alltagsereignissen. DIE UNTERTEILUNG VON JEREMIA Wegen der Schreibweise von Jeremia ist es sehr schwierig, eine genaue Unterteilung des Buches zu erstellen. Wie bereits erwähnt wurde, sind die Prophezeiungen nicht chronologisch aneinandergereiht. Karte 134 - Die Unterteilung von Jeremia
EINTEILUNG VON JEREMIA
I) DIE BERUFUNG: 1
II) DIE PROPHEZEIUNGEN: 2-33
III) DIE ERLEBNISSE: 34-44
IV) DREI ERGÄNZUNGEN: 45-52
I) DIE BERUFUNG: 11) DER HINTERGRUND DER BERUFUNG: 1,1-3Diese Verse vermitteln den geistlichen und geschichtlichen Hintergrund der Berufung Jeremias. Gottes Gericht stand bereits fest. In 2Kö 21,1-9 werden Einzelheiten über die schreckliche Regierungszeit des Königs Manasse berichtet. Angesichts dieser Greuel wird Gottes endgültiges Gericht über Juda und Jerusalem ausgesprochen (21,10-15). Jeremias Dienst begann etwa 60-70 Jahre nach dem Ausspruch des Gerichtes. Daher lautete der Kern seiner Botschaft: "Das Gericht ist gewiss!" 2) DIE BERUFUNG: 1,4-10Der Herr offenbart Jeremia, dass Er ihn, bevor er überhaupt gezeugt wurde, erkannt und berufen hat "zum Propheten an die Nationen" (V. 5, auch V. 10 und V. 18). Diese Aussage des Herrn erinnert an die Wahrheit von Eph 2,10; Paulus offenbart, dass auch Gläubige berufen wurden, um den Willen Gottes auszuführen. Diese Berufung geschah, bevor wir überhaupt existierten. Jeremia zögert und weist auf seine persönlichen Unzulänglichkeiten hin. Der Herr ermutigt ihn und sagt ihm eine zweifache göttliche Hilfe zu:
3) DIE BESTÄTIGUNG DER BERUFUNG: 1,11-19Die zwei Zeichen in diesem Abschnitt geben mehr Aufschluss über die Botschaft, welche Jeremia predigen wird:
Einige Worte des Herrn in diesem Kaptiel zeigen, wie Jeremia seinen Dienst ausführen sollte:
II) DIE PROPHEZEIUNGEN: 2-33Dieser lange Abschnitt beinhaltet viele der Botschaften, welche Jeremia während seines langen Dienstes ausgesprochen hat. Sie befinden sich nicht in einer chronologischen Reihenfolge, sondern sind eher dem Thema nach zusammengebracht. Immer wieder werden die persönlichen Gefühle und Eindrücke des Propheten vermittelt. Es gibt zwei Betonungen in diesen Botschaften:
4) BOTSCHAFTEN DES BEVORSTEHENDEN GERICHTES: 2-29a) die Sünden des Volkes - vier Botschaften (2-12) ad a) Die Sünden des Volkes - vier Botschaften: 2-12Botschaft 1: Das Südreich ist von Gott abgefallen: (2,1 - 3,5) Diese erste Predigt betont den ABFALL von Gott. Juda war völlig hartherzig und ohne Zeichen von Buße. Das Volk war völlig in Baalsanbetung verwickelt. Gott beschreibt diesen Abfall anhand von drei Bildern:
Dieser Abfall von Gott drückte sich auch in Undankbarkeit Gott gegenüber aus (2,6; vergleiche Röm 1,21). Drei Gruppen von Menschen in Juda sind dafür verantwortlich zu machen, dass das Volk in den Abfall geführt wurde:
Auch das Wesen der Sünde wird hier offenbar (2,5):
Botschaft 2: Das Südreich soll von dem Schicksal des Nordreiches lernen (3,6-6,30) Diese Predigt betont das BÖSE HERZ. Der Zeitpunkt dieser Predigt war während der 31-jährigen Regierungszeit von König Josia (3,6). Zuerst zieht Jeremia einen Vergleich zwischen dem Nordreich und dem Südreich (3,6-11): das Nordreich wird abtrünnig (V. 6; V. 8; V. 11), aber das Südreich (Juda) wird "treulos" (V. 7; V. 8; V. 10; V.11) genannt. 722 v. Chr. wurde Samaria, die Hauptstadt Israels, von König Sargon II von Assyrien erobert. Die Israeliten des Nordreiches wurden in die Gefangenschaft nach Assyrien gebracht. Dies war das Gericht Gottes für ihre "Hurerei" (3,8). In 3,12-4,2 appelliert Gott an diese zerstreuten Israeliten in dem assyrischen Reich:
Auch werden in diesem Abschnitt Einzelheiten über das Tausendjährige Reich Christi auf Erden gegeben (3,15-19). Das Südreich (Juda) aber lernte nicht von dem Beispiel Israels. Das Urproblem - ein störrisches und widerspenstiges Herz (5,23). Die einzige Lösung ist:
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