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EINLEITUNG ZU JONA2Kö 14,25 erwähnt den Dienst des Propheten Jona in seinem geschichtlichen Hintergrund. Zu diesem Zeitpunkt war Jerobeam II König von Israel (siehe Karte 131). JEROBEAM II (2. Könige 14,23-29)Er regierte 41 Jahre. Die Bibel gibt wenig Auskunft über ihn. Er war der hervorragendste der vier Könige der Dynastie Jehu. Jona prophezeite, dass er das Land Israel in seinen ursprünglichen Grenzen zurückgewinnen würde. Amos und Hosea prophezeiten von dem moralischen und geistlichen Abfall, der durch die militärischen Siege verursacht wurde. Er befestigte auch Samaria und machte die Mauern so stark, dass die Assyrer später drei Jahre brauchten, um die Stadt einzunehmen. Der Karte 131 ist auch zu entnehmen, dass Elisa, der prophetische Vorläufer, sowie Amos und Hosea Nachfolger Jonas waren. Der Name Jona (hebr. "Yonah") bedeutet "der Taube". Sein Vater hieß Omittai (laut jüdischer Überlieferung war seine Mutter jene Witwe, welche Elia, den Tisbiter, zu Zarpath versorgt hatte - 1Kö 17,8-24). Jona stammte aus Gath-Hepher, einem Dorf etwa 5 km nordöstlich von Nazareth, dem Heimatort des Herrn. Eine hervorragende Charaktereigenschaft Jonas wird klar, wenn man das Buch liest: seine EHRLICHKEIT. Dies wird durch die Tatsache deutlich, dass er überhaupt dazu bereit war, seine Person in solch einem negativen Bild zu beschreiben. Völlig ungeschminkt gibt er all seinen Ungehorsam, seine Rebellion und Auflehnung gegen Gott wieder. Zugleich spricht er von seiner Unbarmherzigkeit den Assyrern gegenüber. Folgende Karte zeigt den geographischen Ablauf der Ereignisse: Karte 150 - Der geographische Ablauf der Ereignisse im Buch Jona
Während der Regierung Jerobeams II bedeutete die zunehmende Vormachtstellung Assyriens im fruchtbaren Halbmond eine drohende Gefahr. König war Salmaneser IV. Die Grausamkeit der Assyrer war bereits berüchtigt und die Israeliten, vor allem die des Nordreiches, hatten Angst vor diesem fremden Volk. Syrien stand zwar noch als Pufferzone zwischen Israel und Assyrien und bot einen gewissen Schutz, doch die Frage war, für wie lange. Angesichts dieses Hintergrundes kann man wohl die menschlichen Beweggründe verstehen, welche Jona veranlassten, den Auftrag Gottes, nach Ninive zu gehen, zu verweigern. Wie bei fast jedem Buch des AT wird von den liberalen Theologen die geschichtliche Wahrheit von Jona verleugnet. Sie deuten die Ereignisse in dem Buch als eine Allegorie. Ihrer Meinung nach ist der Zeitpunkt der Niederschrift ca. 400 v. Chr. Mt 12,38-41 berichtet, wie der Herr Jesus die Ereignisse in Jona erwähnt und ihre historische Wahrheit dadurch ohne Zweifel bestätigt. Das Buch Jona ist unter den prophetischen Büchern insofern einmalig, als die Betonung des Buches eher auf dem Botschafter als auf der Botschaft liegt. Der Ablauf des Buches offenbart die Verantwortung der Israeliten, kraft ihrer besonderen Beziehung zu Gott als Sein Bundesvolk, den heidnischen Nationen gegenüber, ja, wie in dem Fall dieses Buches, sogar ihren größten Feinden gegenüber. Das Buch offenbart zwei Aspekte:
Weiters kann man vier Deutungen der Person Jonas als Typus für das Volk Gottes herausheben:
Karte 151 - Die Unterteilung von Jona
EINTEILUNG VON JONA
1) DER UNGEHORSAME PROPHET: 1Der Auftrag Gottes an Jona ist unmissverständlich:
1,3-17 beschreibt, wie Jona versucht, diesem Auftrag zu entkommen. Dabei sollen drei Punkte erwähnt werden: 1. Die Bosheit Ninives Diese große Stadt lag am östlichen Ufer des Flusses Tigris und war die Hauptstadt des assyrischen Weltreiches. 612 v. Chr. wurde die Stadt völlig zerstört. Das Wort Gottes nennt Nimrod als Gründer dieser Stadt (1Mo 10,8-10). Die eigentliche Stadt (in der assyrischen Sprache "Nuna" oder "Ninua" genannt), die von einer Mauer umgeben war, war mit einer Fläche von ca. 10 km² relativ klein. Es war jedoch bei den Israeliten üblich, dass sie nicht nur den von einer Mauer umgebenen Teil, sondern auch die ganzen umliegenden Dörfer, Städte, usw., zu der eigentlichen Stadt zählten. Daher war der "Ninive-Komplex" sehr groß. In 3,3 liest man "eine außerordentliche große Stadt von drei Tagereisen", d.h. man brauchte ca. drei Tage, um den "Ninive-Komplex" zu umwandern. Die Bevölkerung dieser Metropole betrug ca. 600.000 Einwohner. Karte 152 - Die Stadt Ninive
Der Herr sagte "die Bosheit ist vor mich heraufgestiegen". Hauptsächlich waren die Assyrer wegen ihrer Grausamkeit bekannt. H.R. Hall beschreibt die Praktiken des Königs Assurbanipal II in "The Ancient History of the Near East" wie folgt: "Gewöhnlicherweiste steckte er eine Stadt nach deren Eroberung in Brand. Er ließ allen männlichen Gefangenen die Hände und die Ohren abschneiden und die Augen ausstechen. Danach wurden alle zusammen auf einen Haufen geworfen, wo sie durch die Sonne, die Fliegen, ihre Wunden und durch Ersticken, welches durch das Aufeinanderliegen verursacht wurde, langsam aber qualvoll umkamen. Die Kinder, Knaben und Mädchen, wurden verbrannt. Allein der König wurde nach Assyrien gebracht, wo er dann in Gegenwart von Assurbanipal, zu dessen Freude und Genugtuung, zu Tode gepeitscht wurde." Der Prophet Nahum beschreibt in Kap. 3 das Gericht, welches auch auf den Götzendienst Ninives kommen würde. 2. Der Ungehorsam Jonas Der Prophet weigert sich, den Auftrag Gottes anzunehmen und versucht, in die entgegengesetzte Richtung zu fliehen (siehe Karte 150). Tarsis könnte die berühmte Stadt Tartessus, im südwestlichen Spanien, gewesen sein. Das Wort ist eine phönizische Abwandlung eines akkadischen Wortes, welches "die Raffinierung" oder "die Läuterung" von Metallen bedeutet. In Sardinien und besonders in Spanien gab es große Städte, wo vor allem Kupfer geläutert wurde. Mit diesen Städten existierte ein ständiger Schiffsverkehr. Der Prophet versuchte auf einem dieser Handelsschiffe dem Herrn zu entfliehen. 3. Die Souveränität Gottes Jona läuft vorsätzlich von Gott weg, und der Herr setzt Maßnahmen, um ihn zurückzubringen. Die Hand Gottes wird in den großen Dingen (der Sturm und der große Fisch), aber auch in den kleinen Dingen (das Los werfen) sichtbar. In dem Buch wird die Souveränität Gottes öfters durch den Ausdruck "bestellt" zum Ausdruck gebracht:
Das hebräische Wort ist "manah" und bedeutet "abzuwiegen" oder im übertragenen Sinn "rechtlich hinzufügen", wie in Ps 61,7. 2) DER BETRÜBTE PROPHET: 2Zwischen dem Verschlingen und dem Ausspeien Jonas durch den großen Fisch liest man, abgesehen von der Zeitangabe über die Dauer des Aufenthaltes in dem Bauch des Fisches, nur von dem Gebet Jonas an den Herrn. Eine genaue Analyse dieses Gebetes offenbart, dass es hauptsächlich aus Wahrheiten und Ausdrücken besteht, die man auch in den Psalmen findet.
3) DER DISZIPLINIERTE PROPHET: 3Da Gott auch die Gottlosen liebt und Ninive noch auf dem Herzen hat, beauftragt Er Jona nochmals:
Die Botschaft, die Gott Jona für die Gottlosen gab, war folgende:
Es war eine Botschaft des Gerichtes. Diese Ankündigung hatte eine echte Buße seitens der Bewohner der Stadt zur Folge. Dabei werden drei Aspekte einer echten biblischen Buße deutlich:
4) DER ENTMUTIGTE PROPHET: 4In diesem Abschnitt gibt es zwei Schlüsselverse, die die Herzenseinstellung Jonas offenbaren:
Als die Gnade, Barmherzigkeit und Liebe Gottes in Form des Wunderbaumes für ihn persönlich offenbar wurde, "freute er sich mit großer Freude". Als aber diese selben Eigenschaften Gottes für andere offenbar wurden (in diesem Fall in der Errettung der Bevölkerung Ninives), "verdross es Jona sehr". Ja, man liest sogar, "er wurde zornig" (4,1). So ist das menschliche Herz; selbstsüchtig, Ich-bezogen, eifersüchtig, oder wie Jeremia es ausdrückt "arglistig ist das Herz, mehr als alles" (Jer 17,9). Es ist nun das eingetroffen, was Jona die ganze Zeit über befürchtet hatte. Die Gnade und Liebe Gottes hat obsiegt (4,2). Es gibt einige menschliche Gründe, warum Jona so gehandelt und gedacht hat - z.B. die Angst vor der Grausamkeit der Assyrer; die Sorge um die Sicherheit seines Volkes; usw., doch in letzter Instanz offenbart das Buch Jona, vor allem das letzte Kapitel, die gewaltigen Unterschiede zwischen dem Herzen Gottes und dem Herzen der Menschen.
Die folgende Karte stellt einen Vergleich zwischen Jona 1-2 und Jona 3-4 dar. Karte 152 - Ein Vergleich der zwei Teile von Jona
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