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Bibel-Notizen für Anwender
Einführung in die Methode
Inhalt
1. Hintergrund
2. Erklärung der Methode 2.1. Vorbereitung
2.2. Zusammenfassung
2.3. Detail
2.4. Anwendung 3. Vor- und Nachteile der Methode
4. Zum Schluss
Seit Jahren wende ich mit großem Gewinn eine relativ einfache aber gute Methode zum
Studium von Bibelbüchern an. Mit "Gewinn" meine ich, dass die Methode
mir immer hilft, aus dem Bibeltext etwas für mich "herauszuholen",
d.h. durch gezieltes Nachdenken zu einer Anwendung für mein persönliches Leben
zu kommen. Ich höre immer wieder die Klage von Christen (und kenne sie auch aus
meinem eigenen Leben), dass das persönliche Bibellesen manchmal so trocken sei,
dass nichts dabei herauskomme. In solchen Situationen kann diese Methode helfen.
Über Gottes Wort nachzusinnen mit dem Ziel es anzuwenden, ist eines der wichtigsten Dinge im Leben
eines Christen. Die hier vorgestellte Methode ist nichts anderes als eine Hilfe
dazu. Ihr Wert liegt für mich im systematischen Ansatz, der aber gleichzeitig
einfach genug ist, dass ich ihn "durchziehen" kann. Ich habe schon mit
mehreren Methoden "experimentiert", aber ich hielt die komplizierteren
Methoden nicht über
längere Zeit durch.
Bei der folgenden Erklärung der Methode verwende ich immer wieder einen
Abschnitt aus dem Buch Jona als Beispiel. Die Beispiele
sind farblich gekennzeichnet. Die Anwendung der Methode auf das ganze
Buch Jona steht auch zur Verfügung.
Gebet
So wie bei jeder Art des Bibelstudiums ist es wichtig, ruhig zu werden, sich
Zeit zu nehmen und Gott um Licht zu bitten. Dabei müssen wir ehrlich sein und
Gott die Dinge, die ihm nicht gefallen, bekennen und loslassen. Wir dürfen
nicht erwarten, dass Gott uns große geistliche Wahrheiten offenbart, wenn wir
in den einfachen Dingen, die wir schon erkannt haben, nicht gehorsam sind.
Unsere Einstellung muss sein: Wir wollen verstehen, was Gott uns zu sagen hat,
um dementsprechend zu handeln.
Das
Gebet vor dem Lesen des Bibelabschnittes ist nicht eine abgeschlossene Sache. Es
baut die Verbindung mit dem Herrn auf, aber wir legen danach nicht auf. Die
ganze Stille Zeit hindurch sollte die Verbindung mehr oder weniger bewusst
aufrecht erhalten bleiben, denn worum es eigentlich geht, ist Folgendes: betend
über Gottes Wort nachsinnen.
Lesen
Zuerst müssen wir einen Abschnitt auswählen. Es sollte eine logische
Einheit sein. Meistens sind es ein paar Verse. Oft deckt sich solch ein
Abschnitt mit dem, was in vielen Bibelausgaben unter einer Überschrift steht.
Dann lesen wir den Abschnitt mit dem Ziel zu erfassen, was er aussagt, ohne
uns noch viel Gedanken über die persönliche Anwendung zu machen.
Beispiel
Ein Beispiel für einen logischen Abschnitt wäre Jon
1,1-3.
Im nächsten Schritt schreiben wir den Gedankengang des gelesenen
Textabschnittes in eigenen Worten kurz nieder. Das ist eine Zusammenfassung des
Textes, d.h. wir versuchen nicht zu interpretieren sondern das Wesentliche des
Textes zu erfassen und die Details wegzulassen. Das ist eine sehr wertvolle
Kunst, die man dabei übt. Man braucht sie immer und überall. Wir tun es im
Alltag mehr oder weniger bewusst, der eine kann es besser, der andere weniger
gut, aber jeder kann sich darin üben. Man nennt es auch
"Abstrahieren". Damit ist gemeint, aus den einzelnen Worten bzw.
Dingen, die wir über die Sinne wahrnehmen, auf den großen Zusammenhang zu schließen.
Jedes Mal, wenn wir jemandem etwas erzählen, was wir erlebt,
beobachtet, gelesen oder im Fernsehen gesehen haben, tun wir genau das: Wir
versuchen zu entscheiden, was die wichtigsten Fakten sind, und was der
Zusammenhang ist. Den Rest lassen wir in der Erzählung weg, sonst würde es
viel zu lange dauern. Es ist sehr anstrengend, Menschen zuzuhören, die das
nicht gut können. Sie reden und reden, und man weiß immer noch nicht, worum es
geht.
Auch im Umgang mit der Bibel müssen wir unbedingt lernen, "den Wald zu sehen"
und nicht nur die einzelnen Bäume - sonst entgehen uns die Zusammenhänge in
Gottes Wort. Genau diese Zusammenhänge sind aber der Schlüssel für das Verständnis.
Wenn wir die Zusammenfassung geschrieben haben, abstrahieren wir noch eine
Ebene weiter, d.h. wir fassen noch einmal zusammen, indem wir dem Ganzen eine
Überschrift geben.
Beispiel
Jon 1,1-3: Die Flucht des Propheten vor dem Herrn
Jahwe beauftragt seinen Propheten Jona, wegen ihrer
Bosheit gegen die Stadt Ninive zu predigen. Jona flieht vor dem Auftraggeber und
reist mit dem Schiff genau in die entgegengesetzte Richtung.
Jetzt ist es an der Zeit, die Details anzuschauen. Was fällt uns im Text
auf? Was ist schwer verständlich? Welche Prinzipien erkennen wir in dem Text?
Was lernen wir über Gottes Wesen? Was sind die geschichtlichen Hintergründe?
...
Es
geht hier einfach um ein genaues Beobachten aber noch nicht um die persönliche
Anwendung. Der Grund ist, dass wir erst einmal möglichst gut verstehen müssen,
was der Text im ursprünglichen Zusammenhang bedeutet hat, d.h. was er den
ursprünglichen Hörern zu sagen hatte, bevor wir auf uns schließen.
Anderenfalls ist die Gefahr groß, dass man willkürliche und mitunter falsche Schlüsse zieht.
Vielleicht lesen wir an dieser Stelle Parallelstellen, schlagen im
Bibellexikon oder in Bibelkommentaren nach, schauen uns etwas auf der Landkarte
an, usw.
Wir zählen unsere Detail-Beobachtungen Punkt für Punkt auf. Es muss keine
logische Abfolge sein.
Beispiel
- Gott hatte auch im AT ein Augenmerk auf die heidnischen Völker (2Chr 16,9; Spr 15,3). Er übte nicht nur Gericht an ihnen, sondern ließ sie auch sein Wort der Warnung hören.
- Gott wählt souverän Botschaft, Adressaten, Ort und Boten für seine Aufträge aus. Er fragt vorher nicht, ob der Bote mit dem Auftrag einverstanden ist. Er sagt ihm den Auftrag, begründet ihn und befiehlt zu gehen.
- Hinweg von dem Angesicht des Herrn: Diese Richtung kennen leider auch Gottes Boten. Der Prophet ist keine Prophetiemaschine. Gott sendet, aber es kommt immer wieder zum inneren Kampf des Boten mit dem Auftraggeber wegen des Auftrags, denn er liegt dem Boten nicht immer. Oft ist er mit Strapazen und Leiden verbunden, oft sieht der Bote den Sinn nicht ein. Und so flieht mancher, der von Gott gesandt ist, weg von der Gegenwart Gottes - so als könnte man Gott entkommen.
Nachdem wir möglichst gut verstanden haben, worum es in dem Text geht, was
er im ursprünglichen Zusammenhang bedeutet hat, welche Prinzipien
dahinterstehen, können wir endlich das tun,
worum es letztlich geht: Den Text auf unser Leben anwenden: Was bedeutet das für
mich?
- Wie fördert das meine Gotteserkenntnis und somit meine Anbetung und meinen Dank?
- Was muss bei mir korrigiert werden?
- Wofür muss ich Gott um Vergebung bitten?
- Was nehme ich mir aufgrund dieses Textes vor?
- Worum bitte ich Gott aufgrund dieses Textes?
- ...
Letztlich muss immer etwas herauskommen, was ich Gott im Gebet bringe: Buße,
Anbetung, Dank, Fürbitte, Bitte um Leitung und Hilfe bei der Umsetzung von
Entschlüssen, die ich aufgrund seines Wortes gefasst habe. Die Stille Zeit muss
ein Dialog sein: Gott redet zuerst, ich antworte ihm, nachdem ich verstanden
habe, was er gesagt hat; oder aber ich frage ihn, was er genau gemeint hat, wenn
ich es nicht richtig verstanden habe. Dieser Dialog, der sich in der Stille
vollzieht, ist die Quelle meines geistlichen Lebens. Hier wird entschieden, ob
ich meiner Berufung nachkomme - nämlich zur Ehre Gottes zu leben - oder nicht.
Wir zählen die Anwendungen, die uns in den Sinn kommen, auf. Typischer Weise
entsprechen sie jeweils den Detail-Beobachtungen, da sie sich meist durch
persönliche Anwendung derselben ergeben. Im Gegensatz zu den Detail-Beobachtungen,
sollten wir hier in der Ich-Form formulieren. Das bewahrt uns davor, ins
Unpersönliche und in Verallgemeinerungen abzugleiten:
| Unpersönlich |
Persönlich |
| Wir sollten ... |
Ich nehme mir vor ... |
| Wir können dem Herrn dankbar sein für ... |
Herr, ich danke dir für ... |
Beispiel
- Wenn mich der große Auftraggeber, der die wichtigsten Botschaften der Welt hat, mit einer Botschaft irgendwohin, zu irgendwem sendet, so soll ich gehen, so will ich gehen und nicht zögern, nicht davon laufen. Es wird bestimmt auch für mich Aufträge geben, die mir nicht schmecken. Aber Gottes Aufträge sind immer gut, denn Gott ist gut und hat gute Pläne, gute Botschaften. Er ist es wert auch gute, gehorsame Botschafter zu haben.
- Herr, vergib mir bitte, wo ich dir davongelaufen bin, deiner Gegenwart entfliehen wollte. Ich danke dir, dass du mich letztlich in deine Gegenwart hineingezogen hast und ich bitte dich, bereite mich zu für deine Sendung, hilf mir sie anzunehmen und sie so zu erfüllen wie du es willst. Ich danke dir für das Vorrecht, dein Bote zu sein.
Vorteile:
- Wenn ich Bibelbücher von vorne bis hinten studiere, lerne ich mit der Zeit alles, was Gott in seinem Wort zu sagen hat. Wenn ich das nicht tue, sondern immer nur thematisch studiere und bestimmte oder zufällige Bibelverse und -abschnitte lese, bekomme ich eine einseitige Bibellehre.
- Wenn ich zuerst versuche zu verstehen, was die Bibel sagt, bevor ich meine Auslegungen und Anwendungen mache, werde ich vor willkürlichem Umgang mit Gottes Wort bewahrt. Das Wort und nicht meine Voreingenommenheit muss die Auslegung und Anwendung leiten.
- Die Methode ist einfach genug, um (jedenfalls für mich) nicht als zu anstrengend empfunden zu werden. Ich kann sie "durchziehen".
- Durch das mehrstufige Vorgehen, komme ich eher zu einer persönlichen Anwendung, als wenn ich direkt vom Lesen des Textes zur Anwendung übergehe.
Nachteile:
- Ich komme mit dieser Methode nicht so schnell weiter wie beim einfachen Lesen. Bis zu einem gewissen Grad kann ich aber das Tempo bestimmen: Ich kann das Studium sehr genau betreiben, oder aber ich begnüge mich mit wenigen Beobachtungen und Anwendungen. Hier muss jeder sein Tempo finden und darauf achten, dass er sich nicht so im Detail verliert, dass er praktisch stecken bleibt.
Man sollte diese Methode nicht als Ersatz für das zügige Bibellesen sehen sondern als Ergänzung.
Natürlich ist diese Methode nicht die einzige, sie ist auch nicht die beste. Es mag auch sein, dass sie nicht jedem gleich gut liegt, dass jemand
mit einer anderen Methode mehr erreicht. Es geht letztlich nicht um eine Methode
sondern darum, Gottes Wort im eigenen Leben zur Anwendung zu bringen. Alles, was
dazu führt, ist gut. Wir müssen selbst herausfinden, was uns dabei am meisten
hilft. Aber wir dürfen uns von Schwierigkeiten und "trockenen" Phasen
nicht abbringen lassen, sondern betend daran arbeiten, bis das persönliche
Bibelstudium für uns zu einer selbstverständlichen und gewinnbringenden Disziplin
geworden ist.
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