Der Gott des Alten Testaments

Inhalt

1. Einleitung
2. Gott stellt sich vor
3. Gott, der Richter
4. Gottes Gerichte im AT 4.1. Die Flut
4.2. Sodom und Gomorrah
4.3. Götzendiener und Gesetzesübertreter in Israel
4.4. Die Amalekiter
4.5. Die Kanaaniter
4.6. Ninive
4.7. Was ist mit unschuldigen Kindern?
5. Was ist anders im NT? 5.1. Gottes Versöhnungsangebot
5.2. Die 2 Kommen Christi
6. Schlussfolgerungen 6.1. Korrektur unseres Gottesbildes
6.2. Unser Dienst in Niedrigkeit

1. Einleitung

Ist der Gott des AT ein blutrünstiger Gott? Siehe z.B. 5Mo 32,39-43.
Erzog er sich ein blutrünstiges Volk? Siehe z.B. 5Mo 13,15, Ps 149,6-9.
Ist das derselbe Gott, der im NT verkündigt wird?

Wenn man das Thema studiert, kommt man sehr schnell zur Erkenntnis, dass der Gott des AT derselbe Gott ist wie der Gott des NT. Wie könnte es auch anders sein bei dem unveränderlichen Gott (Mal 3,6; Jak 1,17; Hebr 1,12; 13,8). Gott ist der souveräne Herrscher.

Um diese Wesensmerkmale Gottes und ihre Bedeutung für sein Volk im AT und im NT soll es im Folgenden gehen.

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2. Gott stellt sich vor

Jer 9,24; 2Mo 34,6-7; 4Mo 14,18; Ps 103,8-10

Das ist also die Visitenkarte Jahwes:

Siehe auch 2Mo 32,3.5: Gott muss Unreinigkeit samt den Unreinen vernichten. Das entspricht seinem heiligen Wesen. Nur durch das Blut der Versöhnung ist Gemeinschaft zwischen Gott und Menschen möglich. Im AT war es das Zelt der Zusammenkunft - durch Tierblut gereinigt - wodurch diese Versöhnung ermöglicht wurde. Im NT - und rückwirkend auch für das ganze AT - ist es das Blut Jesu Christi, der das vollkommene göttliche Opferlamm ist (Hebr 9,12.20-26). Wir müssen zuallererst verstehen, dass Gott als souveräner Herrscher jeden Menschen, der sich gegen seine Herrschaft auflehnt, vernichten könnte und müsste, wenn es allein nach seiner Gerechtigkeit ginge. Keinem würde dadurch Unrecht widerfahren. Aber es entspricht auch Gottes Wesen, gütig, gnädig und langsam zum Zorn zu sein. Daher verwirklichte er mittels seiner ewigen Erwählung in Jesus Christus seinen Heilsplan. In Christus hat er viele zur Rettung erwählt. Jeder der glaubt, er könne außerhalb von Christus dem Zorn Gottes entrinnen, hat sich gründlich getäuscht (Mt 3,7). Gottes Plan der Wiederherstellung seiner totalen Herrschaft ist nicht in erster Linie gewaltsam. Nein, als Antwort auf die Rebellion der Völker gegen seine Herrschaft, hat er hat seinen König, Christus eingesetzt. Eines Tages wird er sie mit eisernem Zepter zerschmettern, aber bis dahin heißt es: "Küsset den Sohn!" und "Wohl allen, die sich bergen bei ihm." (Ps 2). Christus, der König kommt um zu retten, bevor er kommt um zu richten.

Durch diesen wunderbaren göttlichen Plan wird Genüge getan

Der Stolze, über Gott Urteilende, sich weiser als Gott Dünkende kann Gott nur als Richter kennen lernen:

Lk 19,20-23

Ps 138,6 Denn Jahwe ist hoch, und er sieht den Niedrigen, und den Hochmütigen erkennt er von ferne.

Jes 57,15 Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der in Ewigkeit wohnt und dessen Name der Heilige ist: In der Höhe und im Heiligen wohne ich und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist, um zu beleben den Geist der Gebeugten und zu beleben das Herz der Zerschlagenen.

Deshalb waren Gebete gegen Gottes Feinde wie z.B. Ps 83 im AT gerechtfertigt; sie hatten nämlich folgendes Ziel:

Ps 83,19 damit sie erkennen, dass du allein - Jahwe ist ja dein Name! - der Höchste bist über die ganze Erde!

Das ist es, worum es von allem Anfang der Weltgeschichte an geht, und worum es auch noch in ihrem letzten Abschnitt gehen wird: Die Ehre Gottes vor aller Schöpfung aufzurichten. Genau um diese Ehre Gottes tobt der Kampf in der unsichtbaren Welt. Luzifer wollte Gott seine Ehre streitig machen, und seit seinem Fall will er auch die Menschen zu diesem Zweck missbrauchen. Aber Gott teilt seine Ehre mit keinem anderen:

Jes 42,8 Ich bin Jahwe, das ist mein Name. Und meine Ehre gebe ich keinem anderen noch meinen Ruhm den Götterbildern.

Offb 14,6-7 Und ich sah einen anderen Engel hoch oben am Himmel fliegen, der das ewige Evangelium hatte, um es denen zu verkündigen, die auf der Erde ansässig sind, und jeder Nation und jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk, und er sprach mit lauter Stimme: Fürchtet Gott und gebt ihm Ehre! Denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen. Und betet den an, der den Himmel und die Erde und Meer und Wasserquellen gemacht hat!

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3. Gott, der Richter

Aus diesem Grund hat Gott im AT gerichtet (z.B. Sintflut, Sodom und Gomorrah, Pharao, Kanaaniter) und aus demselben Grund wird er wieder richten (siehe Offenbarung: 7 Siegeln, 7 Posaunen, 7 Zornschalen, der Feuersee, ...) und zwar furchtbarer als je zuvor (z.B. Offb 19,15-21).

Aber auch der moralische Verfall, den wir miterleben ist schon Gericht Gottes, wenn auch anderer Art - Gott hat viele schon dahingegeben (Röm 1,18.24.26).

Alles fängt also mit der Demut, Anerkennung und Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer und Herrscher des Universums an, man könnte auch sagen mit der Furcht des Herrn. Wer sich dieser Art vor dem Herrn demütigt, dem begegnet er auch in seiner Gnade. Aber wir dürfen Gnade nicht mit Recht verwechseln:

2Mo 33,19 Er antwortete: Ich werde all meine Güte an deinem Angesicht vorübergehen lassen und den Namen Jahwe vor dir ausrufen: Ich werde gnädig sein, wem ich gnädig bin, und mich erbarmen, über wen ich mich erbarme.

Mose war der demütigste Mann auf Erden (4Mo 12,3), und er war der Mensch der Gott näher kommen durfte als irgendein anderer (2Mo 33,11.18-19). Auch das zeigt den Zusammenhang zwischen Demut vor Gott und Begegnung mit Gott.

Zuallererst müssen wir anerkennen, dass Gott jedes Recht hat, mit uns zu verfahren, wie es ihm gut dünkt und dass sein Urteilsspruch gerecht ist; auf diese Weise ehren und heiligen wir ihn:

Ps 51,6 Gegen dich, gegen dich allein habe ich gesündigt und getan, was böse ist in deinen Augen; damit du im Recht bist mit deinem Reden, rein erfunden in deinem Richten.

In dieser Haltung dürfen wir an seine Gnade appellieren:

Ps 51,3-5 Sei mir gnädig, o Gott, nach deiner Gnade; tilge meine Vergehen nach der Größe deiner Barmherzigkeit! Wasche mich völlig von meiner Schuld, und reinige mich von meiner Sünde! Denn ich erkenne meine Vergehen, und meine Sünde ist stets vor mir.

Es ist Gottes Recht und Pflicht als Herrscher zu richten:

Die Gerechten sehnen sich danach, dass Gott Gerechtigkeit übt. Das drückte sich im AT z.B. in den Verwünschungspsalmen aus. Im NT drückt sich dieselbe Sehnsucht z.B. in Offb 6,9-11 in dem Wunsch der Märtyrer nach Rache aus. Aber es ist in beiden Fällen keine eigenmächtige Rache, sondern die Bitte an Gott zu rächen und damit der Gerechtigkeit Genüge zu tun. Wenn wir die Wiederkunft des Herrn herbei sehnen und beschleunigen (2Petr 3,12), so bedeutet dies nicht nur die Vereinigung mit dem Herrn sondern auch Feuer, Gericht, Verderben für die Gottlosen (2Petr 3,7).

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4. Gottes Gerichte im AT

Gott ist seiner Heiligkeit treu. Das zeigt sich oft in seinen Gerichten. Aber er ist auch seiner Langmut und Gnade treu. Er wartet, lässt Umkehr predigen und richtet erst, wenn das Maß der Sünde und der Verhärtung voll ist. Oft richtete er durch sein direktes Eingreifen. In anderen Fällen waren die Israeliten die Gerichtsvollstrecker (z.B. an den Kanaanitern). Keineswegs war es der Auftrag der Israeliten alle Völker zu unterdrücken, oder gar auszurotten. Sie hatten einen Gerichtsvollstreckungsauftrag für die Kanaaniter, deren Sündenmaß Gottes Toleranzgrenze erreicht hatte.
Im Folgenden einige Beispiele von Gottes Gericht - sowohl durch seine eigene Hand, als auch durch die Hand der Israeliten.

4.1. Die Flut

Gott wartete 120 Jahre und ließ Noah Gerechtigkeit predigen:

1Mo 6,3 Und Jahwe sprach: Mein Geist soll nicht ewiglich mit dem Menschen rechten, da er ja Fleisch ist; und seine Tage seien 120 Jahre.

1Petr 3,20 die einst nicht gehorchten, als Gottes Langmut zuwartete in den Tagen Noahs, während die Arche zugerichtet wurde, in welcher wenige, nämlich acht Seelen, hindurchgerettet wurden durchs Wasser.

2Petr 2,5 und wenn er die alte Welt nicht verschonte, sondern Noah, den Prediger der Gerechtigkeit, als achten beschützte, als er die Sündflut über die Welt der Gottlosen brachte, ...

4.2. Sodom und Gomorrah

1Mo 18,17 - 19,30

Hier werden einige interessante Aspekte über das Richten Gottes offenbar:

Gott hätte die Städte um 10 Gerechter willen verschont. Aber es fanden sich keine 10. Und die eine Familie der Gerechten (nicht im absoluten sondern in einem relativen Sinn) rettete er aus dem Gericht.

Mt 11,23-24: Die Worte Jesu machen deutlich, dass es mit dem irdischen Gericht über Sodom, von dem in 1Mo 19 berichtet wird, nicht getan ist. Hier wurden alle Gottlosen gleich behandelt. Aber es wird ein Gericht geben, in dem jeder nach seiner Erkenntnis und nach seinen Werken gerichtet wird, und wo es dem einen erträglicher gehen wird als dem anderen.

4.3. Götzendiener und Gesetzesübertreter in Israel

2Mo 32,27 Und er sprach zu ihnen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Gürte jeder sein Schwert an seine Lenden und gehet hin und her, von einem Tor zum andern im Lager, und erwürge ein jeder seinen Bruder, seinen Freund und seinen Nächsten!

Der Götzendienst des goldenen Kalbes war solch ein Gräuel vor dem Herrn, dass 3000 Israeliten durch die Hand ihrer Brüder sterben mussten.

3Mo 24,16 und wer den Namen des HERRN lästert, der soll unbedingt sterben! Die ganze Gemeinde soll ihn steinigen, er sei ein Fremdling oder ein Einheimischer; wenn er den Namen lästert, so soll er sterben!

Ganz allgemein sehen wir das Prinzip der Gerichtsausübung durch die ganze Gemeinde. Gott hätte ohne Zutun von Menschen jeden Frevel richten können, wie er es ja auch oft tut. Aber er will, dass in "Standardsituationen" die ganze Gemeinde Israel das Urteil vollstreckt. Es mag grausam klingen, dass alle zu Gerichtsvollstreckern wurden. Sie sahen nicht nur zu, sie warfen die Steine. Damit wird folgendes göttliche Prinzip verwirklicht:

5Mo 13,5; 17,7; 19,19; 22,21 ... also sollst du das Böse ausrotten aus deiner Mitte.

4.4. Die Amalekiter

2Mo 17,14-16

Warum diese Härte gegenüber Amalek? Zum Vollmaß ihrer Sünden haben ihr Vernichtungswille gegenüber Gottes Volk und ihr Bund gegen Gott beigetragen: Ps 83,1-7

4.5. Die Kanaaniter

Gott wartete 400 Jahre bis das Maß der Sünde der Kanaaniter voll war, bevor er durch Israel Gericht über sie brachte (1Mo 15,13-16). Aber auch hier gab es Ausnahmen wie die Prostituierte Rahab samt ihrer Verwandtschaft (Jos 2,9-14). Diese Begebenheit zeigt, dass die Kanaaniter das klare Zeugnis Gottes hatten, dass Jahwe, der Gott Israels, Gott im Himmel oben und auf der Erde unten war. Es gab immer wieder Fremdlinge aus den umliegenden Völkern die sich Jahwe anschlossen; z.B. Ittai, der Gathiter samt seinen Gefolgsleuten (Philister): 2Sam 15,18-22.

Auch aus anderen Stellen geht hervor, dass die umliegenden Völker Erkenntnis Gottes hatten: Jos 9,24-25; 1Sam 5,7.

4.6. Ninive

Jon 4,11 und ich sollte mich Ninives, der großen Stadt, nicht erbarmen, in welcher mehr als 120000 Menschen sind, die nicht zu unterscheiden wissen zwischen ihrer Rechten und ihrer Linken, und eine Menge Vieh?

Gott schenkte Ninive durch Jonas Predigt Gotteserkenntnis, Buße und Errettung. Es war Gott nicht gleichgültig, dass so viele Menschen in Sünde lebten und dem Gericht verfielen, ohne zu wissen, was recht ist.

4.7. Was ist mit unschuldigen Kindern?

Hier wie bei allen Fragen, die in eine ähnliche Richtung zielen, müssen wir uns vorhalten: Bei Gott kann keine Ungerechtigkeit sein. Die Ausrottung der Kanaaniter war ein zeitliches Gericht, aber jeder dieser Kanaaniter wird eines Tages vor seinem Schöpfer stehen und Gott wird jedem genau das geben, was ihm gebührt. Gemäß seiner Gerechtigkeit wird Gott die Menschen danach beurteilen, was sie mit der Erkenntnis, die sie hatten, gemacht haben. Aber abgesehen von diesem allgemein gültigen Prinzip meinen viele Bibelausleger, dass Kinder vor dem Alter der Eigenverantwortlichkeit in den Himmel kommen. Jedenfalls dürfen wir in der Gewissheit ruhen, dass Gott gerecht urteilt, gerechter als jeder Mensch, der Gottes Gerechtigkeit in Frage stellt.

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5. Was ist anders im NT?

5.1. Gottes Versöhnungsangebot

Der große Unterschied im NT ist die Offenbarung Gottes im Fleisch mit dem Ziel zu retten und nicht zu richten. Gott versöhnte die Menschen mit sich selbst, die seine Feinde waren. Sie mögen ihm immer noch Feind sein, aber er streckt ihnen die Hand der Versöhnung entgegen:

2Kor 5,19 ... nämlich dass Gott in Christo war, die Welt mit sich selbst versöhnend, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnend, und hat in uns das Wort der Versöhnung niedergelegt.

Gott duldet aufgrund des Sühneopfers Jesu das Unrecht, das mit jeder Sünde, mit jeder Sekunde eines gottlosen Lebens aufgehäuft wird (das tat er übrigens auch schon im AT, vorausschauend auf das Opfer Jesu). Aber er ist seinem Versprechen, eines Tages endgültige Gerechtigkeit zu schaffen, nicht untreu - der Tag naht, an dem er seine unversöhnlichen Feinde vernichten wird. Doch wartet er noch zu, um den Menschen Raum zur Umkehr zu geben:

2Petr 3,9-10 Der Herr verzieht nicht die Verheißung, wie es etliche für einen Verzug achten, sondern er ist langmütig gegen euch, da er nicht will, dass irgend welche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen. Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb, an welchem die Himmel vergehen werden mit gewaltigem Geräusch, die Elemente aber im Brande werden aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr verbrannt werden.

5.2. Die 2 Kommen Christi

Die 2 Kommen Christi entsprechen 2 Formen des Königreichs Gottes und erklären die Behandlung der Feinde Gottes im Neuen Bund:

  1. Das erste Kommen war äußerlich unscheinbar, in Niedrigkeit, mit dem Ziel zu retten, nicht zu richten. Damit wurde die erste Form des Königreichs aufgerichtet: Die Untertanen, als Nachfolger und Nachahmer des Königs, kämpfen zwar gegen den Fürsten dieser Welt und die unsichtbaren Mächte des Bösen, nicht aber gegen die Menschen, die in Rebellion gegen Gott leben. Sie üben keine Rache und kein Gericht an den Menschen, sondern wollen sie in Liebe und Wahrheit zur Anerkennung des Königs bringen.
  2. Das zweite Kommen wird in Macht und Herrlichkeit sein, mit dem Ziel zu richten, was sich nicht retten ließ. Die Königsherrschaft wird aus der Verborgenheit, aus dem "Untergrund" ans Licht kommen und vor allen und über alle aufgerichtet werden. Dann wird der König jede Rebellion ins Gericht bringen. Dann werden auch die Königstreuen mit ihm herrschen und richten: über Engel und über Menschen (1Kor 6,2-3; Offb 2,26-27; 3,21).
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6. Schlussfolgerungen

Was bedeutet das alles für uns? Vieles lässt sich aus dem Studium der Heiligkeit und des Zorns Gottes ableiten. Ich möchte mich zum Schluss auf folgende Aspekte beschränken:

6.1. Korrektur unseres Gottesbildes

Der Gott des AT ist derselbe wie der Gott des NT. Wenn uns der Gott des AT befremdet, so deshalb weil wir Gott nur einseitig kennen. Die Heiligkeit und der Zorn Gottes gehören genauso zu seinem vollkommenen Wesen wie seine Liebe und Gnade. Die Entdeckung der "anderen" Seite Gottes tut seinem Namen als "barmherziger und gnädiger Gott" keineswegs Abbruch - ganz im Gegenteil: in dem Maß, wie wir die Heiligkeit und Reinheit Gottes verstehen und in diesem Licht die Abscheulichkeit der Sünde, werden wir das Ausmaß seiner Gnade begreifen. Vielleicht kommen uns manche der alten reformatorischen Lieder (z.B. ... mein eignes Ich sink hin in Schmach, das Kreuz ist all mein Ruhm!) deshalb "übertrieben demütig" vor, weil wir die Sünde, das Fleisch, den Menschen ohne Gott noch nicht aus dem Blickwinkel des Gottes gesehen haben,

Kurz, wir müssen uns erinnern, dass nicht nur der Gott des AT (5Mo 4,24), sondern auch unser Gott ein verzehrendes Feuer ist (Hebr 12,29). Diese Erkenntnis lässt uns in der Furcht Gottes wachsen, was unter anderem folgende Auswirkungen hat:

  1. Wir kommen in eine vertrautere Beziehung zum Herrn (Ps 25,14).
  2. Wir sind eifrig, Menschen vor dem kommenden Zorn retten zu wollen (2Kor 5,11).

6.2. Unser Dienst in Niedrigkeit

Wir sehen deutlich, dass wir in einem besonderen Zeitabschnitt des Handelns Gottes mit den Menschen leben. Unser Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen, insbesondere unseren Feinden und den Feinden Gottes, muss vom Vorbild des ersten Kommens Jesu geprägt sein, denn genau so lauten seine Anweisungen. Ebenso wie er nicht kam um zu richten sondern um zu retten, muss das auch unser Ziel sein. Die Zeit kommt bald, wenn er richten wird und dann auch wir mit ihm. Jetzt aber heißt es:

Mt 5,44 Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen;

2Kor 5,20 So sind wir nun Gesandte für Christum, als ob Gott durch uns ermahnte; wir bitten an Christi Statt: Laßt euch versöhnen mit Gott!

Auch wir stehen in einem todernsten Krieg, aber unser Kampf richtet sich nicht wider Fleisch und Blut, sondern wider die Herrschaften, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Regionen (Eph 6,12).

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