Die Kleidung der Frau aus biblischer Sicht

Frage

Hier habe ich eine Frage, die mich schon die ganze Zeit beschäftigt. Gerade gestern war ich auf einem christlichem Konzert, indem die sehr engagierte Rebecca St. James Zeugnis von ihrem Glauben gegeben hat. Die Frage, die sich nun anschließt heißt: darf man sich als Christ kleiden wie man will, ich meine, sind enge Oberteile, Minirock und sonst wie attraktive Kleidung mit einem christlichen Lebensstil vereinbar? Hat man nicht auch gerade als Frau Verantwortung vor seiner männlichen Umwelt und sollte man sich nicht deswegen durchaus nett aber nicht unbedingt anzüglich kleiden? - und vor allem, wo sind die Grenzen? Gerade in der jugendlichen christlichen Welt merke ich, dass dies anscheinend überhaupt kein Thema ist. Viele laufen in hautengen Oberteilen rum. Nur eben, wo ist die Grenze? Manchmal wird man ja schon in einfachen T-shirts dumm angemacht.
Die Frage mag ein wenig verklemmt klingen, aber sie ist durchaus ernst gemeint. Vielen Dank für ihre Antworten.

Antwort

Die Bibel macht sehr klare Aussagen zur Kleidung der Frau. Die folgenden Stellen gehören zu den wichtigsten in diesem Zusammenhang. Ich gebe sie jeweils in einer eher wortgetreuen Übersetzung (Elberfelder) und in einer sprachlich moderneren Übertragung (Hoffnung für alle) wieder:

1Tim 2,9-10 (Elberfelder): Ebenso, dass auch die Frauen sich in würdiger Haltung mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit schmücken, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung, sondern mit dem, was Frauen geziemt, die sich zur Gottesfurcht bekennen, durch gute Werke.

1Tim 2,9-10 (Hoffnung für alle): Ebenso sollen die Frauen unauffällig und schlicht gekleidet zum Gottesdienst kommen. Sie sollen sich weder durch ausgefallene Frisuren noch durch kostbaren Schmuck oder irgendwelche Modetorheiten hervortun. Der wahre Schmuck der Frauen ist es, Gutes zu tun. Damit beweisen sie, dass sie Gott lieben und ehren.

1Petr 3,3-5 (Elberfelder): Euer Schmuck sei nicht der äußerliche durch Flechten der Haare und Umhängen von Gold oder Anziehen von Kleidern, sondern der verborgene Mensch des Herzens im unvergänglichen Schmuck des sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr köstlich ist.  Denn so schmückten sich auch einst die heiligen Frauen, die ihre Hoffnung auf Gott setzten und sich ihren Männern unterordneten.

1Petr 3,3-5 (Hoffnung für alle): Nicht äußerliche Dinge - wie kunstvolle Frisuren, wertvoller Schmuck oder modische Kleidung - dürfen für euch Frauen wichtig sein. Nein, euch sollen vielmehr Eigenschaften von unvergänglichem Wert schmücken, wie Freundlichkeit und Güte; denn wahre Schönheit kommt von innen. Und diese Werte zählen vor Gott. So haben sich auch die frommen Frauen zur Zeit unserer Väter geschmückt: Sie setzten ihre ganze Hoffnung auf Gott und ordneten sich ihren Männern unter.

Es gibt - Gott sei Dank - keine detaillierten Vorschriften über die Beschaffenheit der Kleidung, wie z.B. die Länge von Röcken. Damit wären diese Texte sehr kulturgebunden und nicht so allgemein gültig. Aber die Richtlinien sind klar, man kann sie in jeder Kultur anwenden:

Christliche Frauen sollen sich

und nicht mit

kleiden bzw. schmücken.

Das heißt nicht, dass Frauen keine Zöpfe haben dürfen, denn Zöpfe können - je nach Kulturkreis - anständig und bescheiden wirken. Vielmehr geht es hier um "Imponier"-Frisuren, wie es sie im Altertum in Form von aufwendigen Haargeflechten gab. Die "Gute Nachricht"-Übersetzung gibt es so wieder:

1Petr 3,3: Putzt euch nicht äußerlich heraus mit aufwendigen Frisuren, kostbarem Schmuck oder prächtigen Kleidern.

Frisuren, Schmuck und Kleidung sollen Bescheidenheit und Schamhaftigkeit zum Ausdruck bringen. Das sind nur wenige Richtlinien, aber sie geben sehr viel her. Ich glaube, mit ihrer Hilfe kann eine Frau, die zuerst Gott gefallen will und dann erst sich selbst bzw. dem Mann, im Großen und Ganzen beurteilen, wie sie sich kleiden bzw. schmücken soll. Alles, was nicht schamhaft, anständig und bescheiden ist, ist nicht gottgefällig. Oder etwas moderner ausgedrückt: Alles, was auf Zur-Schau-Stellung der körperlichen, geschmacklichen oder finanziellen Vorzüge abzielt, fällt bei der wichtigsten - nämlich göttlichen - Wertung durch.

Es wird wohl nicht reichen, einer Frau zu sagen, wie sie sich nicht "herausputzen" soll. Noch wichtiger ist es, ihr von Gottes Wort her zu zeigen, wo ihre eigentliche Schönheit liegt: in ihrer (für das physische Auge) verborgenen Herzensgesinnung:

Das ist vor Gott und göttlich gesinnten Menschen mehr wert als das beeindruckendste äußerliche Styling. Eine Frau, die anfängt, diese inneren Werte zu entwickeln, wird immer weniger darauf angewiesen sein, sich äußerlich beeindruckend darzustellen.

Wo beginnt Anzüglichkeit? Die Schwierigkeit beim Suchen der Grenze besteht darin, dass sowohl die Frau, die eine erotische Anziehung ausübt, als auch der Mann, der sich dadurch angezogen fühlt, Verantwortung dafür tragen. Ein Mann ist immer verantwortlich dafür, wie weit er seine Blicke und Gedanken schweifen lässt. Ein christlicher Mann muss lernen, sich diesbezüglich unter Kontrolle zu haben, sonst kann er nicht bestehen in einer Welt, wo er einem erotischen Dauerbombardement ausgesetzt ist. Aber eine christliche Frau will nicht auch dazu beitragen, dass die Männer unnötigen Versuchungen ausgesetzt sind. Gewiss, auch eine sehr dezent gekleidete Frau kann auf einen Mann erotisch wirken - Frauen üben nun einmal diese im richtigen Rahmen gottgewollte Anziehung auf Männer aus. Hier liegt es an den Männern, ihre Gedanken und Blicke zu kontrollieren. Ich glaube es wird dann funktionieren, wenn Männer und Frauen sich von dem biblischen Prinzip der gegenseitigen Rücksichtnahme leiten lassen. Für die Frau bedeutet das, ihre erotische Ausstrahlung in der Öffentlichkeit nicht bewusst einzusetzen sondern im Gegenteil bewusst zurückzuhalten. Für den Mann bedeutet es, nicht seine Blicke umherschweifen zu lassen und geradezu nach einem Anstoß zu suchen sondern sich mit Gottes Hilfe zu disziplinieren.

Es gibt noch ein wichtiges Kriterium, das Mann und Frau bei der Kleidung und Haartracht nicht übersehen sollten: Gott hat Mann und Frau körperlich und seelisch differenziert geschaffen, damit sie sich gegenseitig ergänzen und in Abhängigkeit von einander leben (1Kor 11,11-12) - nicht, damit sich ein Geschlecht besser vorkommt als das andere. Männer und Frauen, die die göttliche Schöpfungsordnung annehmen, werden nicht versuchen, die gottgewollten Unterschiede zu verwischen. Sie werden sich im Rahmen ihrer Kultur als Männer bzw. Frauen kleiden und verhalten:

5Mo 22,5: Eine Frau soll keine Männerkleidung tragen und ein Mann keine Frauenkleidung. Wer so etwas tut, den verabscheut der Herr, euer Gott.

Dieser Vers ist zwar Teil des mosaischen Gesetzes, aber das darin ausgedrückte Prinzip passt genau in das biblische Gesamtbild von Mann und Frau. Damit wird nicht gesagt, dass Männer keine Röcke tragen sollen und auch nicht unbedingt, dass Frauen keine Hosen tragen sollen. Das hängt von der jeweiligen Kultur und dem Zusammenhang ab. Z.B. sind Röcke in Schottland Männerkleidung und Ski- oder Jogginghosen bei der Sportausübung ebenso Frauen- wie Männerkleidung. Es soll nur heißen, dass Männer ganz Männer sein sollen und Frauen ganz Frauen, und dass sich die Geschlechter nicht an einander angleichen sollen. Auch das sind natürlich keine scharfen Grenzen.

Letztlich dürfen nicht starre Regeln über das Äußere entscheiden sondern das gesunde Augenmaß von Menschen, die vor allem Gott gefallen wollen, sein Wort ernstnehmen und betend nachdenken, wie sie es in die Praxis umsetzen können. Solche Menschen werden nicht geformt, indem Regeln über Rocklänge, Haartracht, usw. aufgestellt und exekutiert werden, sondern, indem in Gemeinden, Jugendgruppen usw. die biblischen Prinzipien über die göttliche Geschlechterordnung und über gegenseitige Rücksichtnahme aufgezeigt werden. Wenn das Gewissen einmal durch Gottes Wort geschärft ist, werden die praktischen Früchte nicht ausbleiben. Es sollte dann kaum mehr notwendig sein, eine Frau darauf hinzuweisen, dass sie z.B. zu anzüglich gekleidet ist, und wenn doch, dann würde ich empfehlen, dass das nicht ein Mann sondern eine Frau tut.

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