Frontmission - ein Thema für alle Christen?

Inhalt

1. Einleitung
2. Jesu Auftrag 2.1. Die Formulierung des Auftrags
2.2. Der Geltungsbereich des Auftrags
2.3. Die Befähigung für den Auftrag
2.4. Die Bedeutung der Herrlichkeit Gottes für den Auftrag
3. Antiochia - ein urgemeindliches Vorbild 3.1. Antiochia - eine gesunde örtliche Gemeinde
3.2. Antiochia - eine sendende Gemeinde
4. Ortsgemeinde und Mission 4.1. Gegründet durch Mission
4.2. Gegründet für Mission
4.3. Strategie für die Mission
4.4. Information über Mission
4.5. Gebet für die Mission
4.6. Gaben für die Mission
4.7. Suche, Ausbildung und Aussendung von Missionaren
5. Frontmission kontra Umgebungsmission?
6. Schluss
Fußnoten

1. Einleitung

"Mission beginnt vor unserer Haustüre." Mit diesem (An-)Satz entschuldigen viele Christen ihr mangelndes bzw. nicht vorhandenes Engagement für die Frontmission. Wir wollen in dieser Studie auf der Basis des Wortes Gottes eine Antwort auf die Titel-Frage finden: Geht Frontmission alle Christen etwas an, oder reicht es, wenn sich einige der Frontmission, andere der Mission ihrer unmittelbaren Umgebung widmen?

Gleich zu Beginn möchte ich klarstellen, was ich mit Frontmission im Gegensatz zur Mission (Evangelisation) unserer Umgebung meine: Frontmission ist das gezielte Erreichen bisher unerreichter Volks- und Sprachgruppen mit dem Evangelium mit dem Ziel, dort eine gesunde, unabhängige, fortpflanzungsfähige Gemeinde zu gründen.

Viele Anregungen für die folgenden Ausführungen verdanke ich John Piper [1] und Kenneth Flemming [2].

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2. Jesu Auftrag

2.1. Die Formulierung des Auftrags

Jesus hat das (unsichtbare) Königreich begründet, und er hat seine Jünger ausgebildet und ihnen den Auftrag gegeben, es bis an die Enden der Erde auszudehnen:

Mt 28,18-20 Und Jesus trat zu ihnen und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.

Es ist aus folgenden Gründen klar, dass das nicht nur für die elf Jünger galt, zu denen Jesus sprach, sondern für alle folgenden bis zur Vollendung des Zeitalters:

In der Konstruktion im griechischen Text gibt es nur ein Verb in der Befehlsform: macht zu Jüngern. Ganz wörtlich lautet die Übersetzung: "Hingehend macht alle Nationen zu Jüngern, sie taufend ... und sie lehrend ...". Oder etwas deutscher formuliert: "Indem ihr hingeht, macht alle Nationen zu Jüngern, indem ihr sie tauft ... und lehrt ...". Es geht also nicht darum, Entschiedene zu machen, wie es heute oft formuliert und praktiziert wird, sondern Jünger, Schüler, Nachfolger Christi. Zu diesem Zweck muss die Gemeinde sich aufmachen und hingehen (wo immer der Herr sie hinführt), um das Evangelium zu verkündigen (Mk 16,15), zu taufen und zu lehren. Warum steht hier nichts von Bekehrung? Ist sie nicht wichtiger als die Taufe? Gewiss, aber es ist nicht Sache der Jünger, die Menschen zu bekehren. Sie müssen sich selbst bekehren, und das geht nur durch das Wirken des Geistes Gottes. 

Der Auftrag an die Jünger lautet also, Menschen aus allen Nationen in der Nachfolge Christi zu schulen, indem sie 

  1. zu ihnen hingehen und ihnen das Evangelium verkündigen (mit Wort und Leben),
  2. sie im Namen des dreieinigen Gottes taufen,
  3. ihnen beibringen, Jesu Gebote zu halten.

Eingebettet ist der Auftrag Jesu in die Zusicherung seiner Souveränität/Allmacht und seiner Gegenwart. Die Jünger haben somit (durch den Heiligen Geist) alles Rüstzeug bekommen, um den Auftrag auszuführen.

Was immer der Auftrag noch beinhaltet - er beinhaltet ausdrücklich das Hingehen zu allen Nationen. Das ist die Basis für Frontmission.

2.2. Der Geltungsbereich des Auftrags

Was meinte Jesus mit "alle Nationen" (griechisch: panta ta ethne)? Meinte er Nationen im Sinne politischer Grenzen? Nein, denn oft sind Grenzen rein willkürlich gezogen und entsprechen nicht den verschiedenen Völkern und Sprachen. Die Schrift gibt uns keine exakte Definition, was Jesus meinte, aber folgende Verse aus der Offenbarung zeigen uns, worauf Gott hinaus will und wohin er auch tatsächlich gelangen wird:

Offb 5,9 Und sie sangen ein neues Lied: Würdig bist du, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu brechen; denn du bist geschlachtet worden und hast für Gott mit deinem Blut [Menschen] erkauft aus allen Stämmen und Zungen und Völkern und Nationen

Offb 7,9-10 Darnach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Zungen; die standen vor dem Throne und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern, und Palmen in ihren Händen. Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: Das Heil steht bei unsrem Gott, der auf dem Throne sitzt, und bei dem Lamm!

Es ist Gottes Plan, Menschen aus allen Stämmen, Sprachen, Völkern und Nationen zu erkaufen. Schon im Alten Testament war das der Plan Gottes (siehe z.B.: 1Mo 12,3; 18,18; 28,14; Ps 86,9; Jes 11,10; 49,6; 55,5; 56,7; 60,33).

Bis in die Siebziger Jahre des 20. Jh. stand bei den Missionsbestrebungen die Erreichung aller Länder im Vordergrund. Aber durch eine wachsende Sensibilisierung erkannten die Missionsstrategen, dass noch lange nicht alle Völker bzw. Volksgruppen erreicht waren, wenn eine Gemeinde in einem Land gegründet wurde. Man denke z.B. nur an die frühere Sowjetunion oder an Indien, in denen jeweils hunderte Völker leben. Missionare haben daher den Begriff der Volksgruppen geprägt, um sie von Nationen im politischen Sinn zu unterscheiden. Dieser neue Ansatz trug Früchte: 1974 gehörte ca. die Hälfte der Weltbevölkerung zu unerreichten Völkern, d.h. sie waren außerhalb des Wirkungsbereichs der Gemeinde. Im Jahr 2000 war es "nur" noch ein Drittel [3]. Einerseits sehen wir, dass es klare Fortschritte und somit Grund zur Dankbarkeit und zur Hoffnung gibt, andererseits ist es aber ernüchternd, dass ein Drittel aller Menschen keine Möglichkeit haben, das Evangelium zu hören.

Es gibt mehrere Ansätze, eine Volksgruppe zu definieren. Ein Ansatz, der für die Planung der Frontmission sehr hilfreich ist, ist folgender: Die größte Gruppe, innerhalb derer sich das Evangelium als Gemeindegründungsbewegung ausbreiten kann, ohne auf Barrieren des Verständnisses oder der Akzeptanz zu stoßen [3].

Die essentielle missionarische Aufgabe ist es, in einer Volksgruppe eine lebensfähige, einheimische Gemeindegründungsbewegung zu etablieren, die das Potential hat, generationsübergreifende Gemeinschaften hervorzubringen, die in der Lage sind, den Rest der Volksgruppe mit dem Evangelium zu erreichen.

Bemerkenswert ist das Ungleichgewicht der Verteilung protestantischer Missionare [3]

  Erreichte Unerreichte
Volksgruppen 14.000 10.000
Nicht-Christen 50% 50%
Protestantische Missionare 74% 26%

Das heißt ganz einfach, dass verhältnismäßig viel zu wenige Missionare an der Missionsfront sind. Drei Viertel arbeiten unter den erreichten Völkern. Es gibt zu wenige, die ihre Berufung wie Paulus verstehen, nämlich das Evangelium dort zu verkündigen, wo Christus noch nicht genannt worden ist (Röm 15,18-21).

2.3. Die Befähigung für den Auftrag

Wozu hat Jesus seinen Jüngern (zu denen hoffentlich auch wir gehören) den Heiligen Geist geschickt?

Apg 1,8 Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.

Der Herr will seine Jünger mit der Kraft des Heiligen Geistes ausrüsten, damit sie sein Zeugnis in der ganzen Welt aufrichten - angefangen in der unmittelbaren Umgebung bis hin an das Ende der Erde. Wir dürfen nicht denken, dass dieser Auftrag den Jüngern leichter fiel als uns heute. Sie waren ziemlich auf Jerusalem und Judäa fixiert. Der Herr musste Gewalt (Verfolgung) anwenden, um sie in Richtung Ende der Erde zu bewegen.

2.4. Die Bedeutung der Herrlichkeit Gottes für den Auftrag

John Piper schreibt beginnt sein Buch "Let the Nations Be Glad" [1] mit den folgenden Worten:

Das Endziel der Gemeinde ist nicht Mission sondern Anbetung. Mission ist da, weil Anbetung fehlt. Anbetung ist das Höchste, nicht Mission, denn Gott ist der Höchste, nicht der Mensch. Wenn dieses Zeitalter vorüber ist, und unzählige Millionen von Erlösten vor dem Thron Gottes auf ihr Angesicht fallen, wird es keine Mission mehr geben. Es ist eine temporäre Notwendigkeit. Aber Anbetung bleibt für immer.

Daher ist Anbetung der Treibstoff und das Ziel aller Mission. Sie ist das Ziel der Mission, denn durch Mission zielen wir einfach darauf ab, die Nationen zur unermesslichen Freude an Gottes Herrlichkeit zu bringen. Das Ziel der Mission ist die Freude der Völker an der Größe Gottes. "Der HERR regiert; die Erde frohlocke, die vielen Inseln seien fröhlich!" (Ps 97,1). "Es sollen dir danken die Völker, o Gott, dir danken alle Völker. Die Nationen sollen sich freuen und jauchzen," (Ps 67,4-5).

Aber Anbetung ist auch der Treibstoff der Mission. Leidenschaft für Gott in der Anbetung geht dem Angebot Gottes in der Predigt voraus. Man kann nicht empfehlen, was man nicht liebt. Missionare, die nicht von Herzen sagen können, "Ich freue mich am Herrn ... Ich will den HERRN von ganzem Herzen loben, ich will alle deine Wunder erzählen" (Ps 104,34; 9,2), werden niemals ausrufen "Die Nationen sollen sich freuen!". Mission beginnt und endet mit Anbetung.

... Wenn die Flamme der Anbetung mit der Hitze von Gottes wahrem Wert brennt, dann wird das Licht der Mission bis zu den entferntesten Völkern der Erde scheinen. Und ich sehne mich nach diesem Tag.

In der Frontmission trägt die Lehre von der Herrlichkeit und von der Souveränität Gottes besondere Früchte. Die Freude an der Herrlichkeit Gottes ließ Missionare große Leiden willig erdulden. Die Gewissheit der Souveränität Gottes, die Gewissheit, dass sie in seiner Mission unterwegs waren und dass seine Sache siegen wird, machte sie unerschütterlich trotz aller Anfeindung:

Jes 55,10-11 Denn gleichwie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, er habe denn die Erde getränkt und befruchtet und zum Grünen gebracht, daß sie dem Sämann Samen und dem Hungrigen Brot gibt; - also soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: es soll nicht leer zu mir zurückkehren, sondern ausrichten, was mir gefällt, und durchführen, wozu ich es sende!

William Carey, der große Pionier der modernen Frontmission, der sich 1793 von England nach Indien aufmachte, schrieb:

Als ich England verließ, war meine Hoffnung auf die Bekehrung Indiens sehr stark; aber bei so vielen Hindernissen würde sie sterben, wenn Gott sie nicht aufrecht erhielte. Nun, ich habe Gott, und sein Wort ist wahr. Wäre der Aberglaube der Heiden noch tausendmal stärker und das schlechte Vorbild der Europäer noch tausendmal schlimmer; wäre ich von allen verlassen und von allen verfolgt, so würde sich doch mein Glaube, verankert im sicheren Wort, über alle Hemmnisse erheben und jede Prüfung überwinden. Gottes Sache wird triumphieren.

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3. Antiochia - ein urgemeindliches Vorbild

Im Folgenden wollen wir uns die missionarische Dynamik ansehen, durch die die Gemeinde in Antiochia entstand und die von ihr ausging. Daraus wollen wir Schlüsse für unsere Umsetzung des Auftrags Jesu ziehen.

3.1. Antiochia - eine gesunde örtliche Gemeinde

In Apg 11,19-30 lesen wir von der Entstehung und gesunden Entwicklung der Gemeinde in Antiochia:

3.2. Antiochia - eine sendende Gemeinde

In Apg 13,1-5 lesen wir, wie Barnabas und Saulus von den Brüdern in Antiochia zur ersten Missionsreise ausgesandt wurden:

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4. Ortsgemeinde und Mission

4.1. Gegründet durch Mission

Jede Gemeinde - außer die Urgemeinde in Jerusalem - ist direkt oder indirekt durch Frontmission entstanden. Den Christen in Antiochia war die Dynamik der Frontmission noch sehr bewusst. Ihre Gemeinde war erst kürzlich dadurch entstanden, dass Christen aus Jerusalem und Judäa vertrieben wurden und in Antiochia das Evangelium predigten - zuerst nur den Juden, doch dann auch den Heiden. Sie konnten sich sicher gut vorstellen, was passieren würde, wenn die Botschaft noch weiter, in andere Städte, Länder und Kulturen getragen würde. Für uns ist diese Dynamik heute vielleicht nicht mehr so bewusst. Umso mehr müssen wir uns durch Gottes Wort daran erinnern lassen. 

4.2. Gegründet für Mission

Jede Gemeinde wurde von Gott mit dem Ziel ins Leben gerufen zu missionieren. Natürlich ist damit nicht nur die Frontmission gemeint sondern ebenso, wenn nicht vorrangig, die Mission der unmittelbaren Umgebung. Auch dürfen wir Mission nicht als alleinigen Zweck der Gemeindegründung sehen. Gott verfolgt in seinem vollkommenen Plan mit der örtlichen Gemeinde mehrere Absichten. Dabei ist die Mission nicht alleiniger und Selbst-Zweck, sondern Mittel zum Zweck, nämlich zur Anbetung, zur Verherrlichung des Herrn unter allen Völkern.

4.3. Strategie für die Mission

Die örtliche Gemeinde soll den Willen des Herrn suchen, was ihren Beitrag zur Durchdringung dieser Welt mit dem Evangelium betrifft. Dabei soll sie nachdenken, beten und in der Führung des Herrn Strategien entwickeln, wie sie durch verschiedene Arten von Unterstützung bis hin zur Aussendung eigener Gemeindeglieder an der Gründung von gesunden Gemeinden unter allen Völkern mitwirken kann.

4.4. Information über Mission

Zu diesem Zweck muss es in der örtlichen Gemeinde Information über Mission geben - und zwar zweierlei Art von Information:

  1. Eine Lehre, die den globalen Aspekt des Evangeliums in angemessener Weise aus der Schrift aufzeigt.
  2. Informationen von Missionaren und über Missionare in Form von Veranstaltungen (z.B. Einladung von Missionaren), Biographien, Bücher, Zeitschriften, usw. Es sollte allerdings nicht nur eine Menge von Information bereit stehen, sondern es sollte von der Leitung auf bestimmte überschaubare Informationen über die Bereichen fokussiert werden, wo sich die Gemeinde engagieren will.

4.5. Gebet für die Mission

Die Rolle des Gebets für die Mission kann kaum genug betont werden, wenn man bedenkt, dass es in allem um die Führung und um das Wirken Gottes geht. Menschen können immer nur Ausführende sein, die der König ausschickt, und die er befähigt, seinen Auftrag auszuführen.

Daher ist Gebet in der örtlichen Gemeinde notwendig:

Beim Gebet für die Missionare bzw. das missionarische Werk sollten wir - neben anderen - gemäß folgenden Bibelstellen beten:

Eph 6,18-20 Mit allem Gebet und Flehen betet zu jeder Zeit im Geist, und wachet hierzu in allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen und auch für mich! damit mir Rede verliehen werde, wenn ich den Mund öffne, mit Freimütigkeit das Geheimnis des Evangeliums bekanntzumachen - für das ich ein Gesandter in Ketten bin - damit ich in ihm freimütig rede, wie ich reden soll.

Kol 4,3-4 Betet zugleich auch für uns, damit Gott uns eine Tür öffne für das Wort, um das Geheimnis Christi auszusprechen, um dessentwillen ich auch gebunden bin, damit ich es so kundtue, wie ich reden soll.

2Thes 3,1 Im übrigen betet für uns, ihr Brüder, daß das Wort des Herrn laufe und verherrlicht werde, wie bei euch, und daß wir errettet werden von den widrigen und bösen Menschen; denn nicht alle haben den Glauben.

Kenneth Flemming schreibt in seiner Einführung in das Thema Weltmission [2]:

Nur durch Gebet kann geistiger, bösartiger Widerstand des Feindes besiegt werden. Allein das Predigen ist nicht genug. Soziale Programme helfen auch nicht. Traktate und evangelistische Kassetten genau so wenig. Gott kann diese oder andere Geschosse benutzen, um die Mauern des Widerstands zu zerschmettern, aber die Kraft, die hinter diesen Methoden steht, ist die dynamische Kraft Gottes selbst. Nur Er kann den Sieg geben. Wie? In Beantwortung von vertrauendem Gebet. Er ist nicht auf Gebet angewiesen, weil Er souverän ist, aber Er hat beschlossen, durch Gebet zu wirken. Genau in diesem Punkt hat jeder hingegebene Christ größte Verantwortung für die Weltmission, aber gerade hierin versagt die überwiegende Mehrheit der Christen.

Gebet ist in erster Linie für den Krieg bestimmt, für den geistlichen Kampf, für das Vorantreiben des Reiches Gottes. Wie verkehrt ist es, Gebet zu missbrauchen, um die eigenen Wünsche zu verwirklichen, statt es zu gebrauchen, um es für Gottes Sache einzusetzen. 

John Piper schreibt dazu [1]:

Es gibt nicht einen Kriegsteil des Lebens und einen Friedensteil. Das Leben ist Krieg.

Aber die meisten Menschen glauben das nicht in ihren Herzen. Die meisten Menschen zeigen durch ihre Prioritäten und durch ihr lässiges Herangehen an geistliche Dinge, dass sie glauben im Frieden zu leben, nicht im Krieg.

Im Krieg sind die Zeitungen voller Schlagzeilen darüber, wie es den Truppen geht. Im Krieg sprechen Familien über die Söhne und Töchter an der Front; sie schreiben ihnen und beten für sie mit tiefer Besorgnis über ihre Sicherheit. Im Krieg sind wir auf der Hut. Wir sind bewaffnet. Wir sind wachsam. Im Krieg geben wir das Geld anders aus - da ist Mäßigung, nicht als Selbstzweck, sondern weil es strategischere Arten gibt, Geld auszugeben als für neue Reifen zu Hause. Die Anstrengung des Krieges betrifft jedermann. Wir schnallen alle den Gürtel enger. Das Luxuskreuzschiff wird zum Truppentransporter.

Sehr wenige Leute bedenken, dass wir in einem größeren Krieg leben als dem 2. Weltkrieg oder irgendeinem vorstellbaren Atomkrieg. Wenige denken, dass Satan ein weit schlimmerer Feind ist als jeder irdische Gegner.

... Gebet ist dazu bestimmt, das Königreich in das fruchtlose Feindesland hinein auszuweiten.

Joh 15,16 Ihr habt nicht mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, daß ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe, damit, was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, er euch gebe.

Das Fruchtbringen ist das Ziel. Zu diesem Zweck erhört der Herr die Gebete seiner Leute.

Mk 4,18-19 Und andere sind die unter die Dornen Gesäten, es sind die, die das Wort gehört haben, und die Sorgen der Zeit und der Betrug des Reichtums und die Begierden nach den übrigen Dingen kommen hinein und ersticken das Wort, und es bringt keine Frucht.

Bevor wir uns überhaupt in der Sendung der Gemeinde engagieren können, müssen wir gegen den Betrug des Reichtums und gegen die Begierden nach den übrigen Dingen kämpfen. Wir müssen darum kämpfen, das Königreich über alles andere wertzuschätzen - das ist unser erster und dauernder Kampf. Das ist der Kampf des Glaubens. Dann, wenn wir einige Erfahrung in diesem Grundlegenden Kampf haben, schließen wir uns dem Kampf an, das Königreich zu allen Nationen zu tragen.

... Gebet ist das Funkgerät auf dem Schlachtfeld der Welt. Es meldet sich, um die genaue Zielposition in der Welt zu erfragen. Es meldet sich, um Luftunterstützung anzufordern. Es meldet sich, um Artilleriefeuer anzufordern, das einen Weg für die Panzer des Wortes Gottes freischießt. Es meldet sich, um das Wunder der Heilung der verwundeten Soldaten zu erbitten. Es meldet sich, um Versorgung für die Streitkräfte anzufordern. Und es meldet sich, um die benötigte Verstärkung anzufordern

4.6. Gaben für die Mission

Abhängigkeit in Gemeinden auf dem Missionsfeld ist ein ernstes Problem. Das Ziel muss sein, unabhängige (auch finanziell gesehen) Gemeinden entstehen zu lassen. Das bedeutet nicht, dass man nicht Gemeinden in Not unterstützen soll. Das geschah auch in der Urgemeinde. Aber es sollte nicht so sein, dass Gemeinden auf Dauer von Spenden und Missionaren aus dem Ausland abhängig sind. Das ist nicht meine Theorie, sondern das bestätigen viele erfahrene Missionare. Daher sollten wir unsere Gaben auf die Frontmission konzentrieren und nicht auf das (vielleicht schon Jahrzehnte lange) Aufrechterhalten von Gemeinden. Für Frontmission sind Investitionen nötig; wenn einmal eine gesunde Gemeinde existiert, kann sie selbst (im Glauben) Ressourcen aufbringen. Dafür gibt es wunderbare Zeugnisse aus sogenannten Drittweltländern. Natürlich sollen wir aus unserem Überfluss auch Gemeinden in großer materieller Not helfen. Aber wir sollen nicht auf Dauer ihre Pastoren und Gemeindegebäude tragen.

Einige Prinzipien zum Geben [2]:

Die Unterstützung kann für einen von der eigenen Gemeinde ausgesandten Missionar sein, sie kann aber auch für einen Missionar sein, der von einer anderen Gemeinde oder einem anderen Werk ausgesandt wurde. Im Neuen Testament haben wir das Beispiel von Paulus, der von den Philippern unterstützt wurde:

Phil 4,16-19 Denn sogar schon, als ich in Thessalonich war, habt ihr mir nicht nur einmal, sondern zweimal für meinen Bedarf gesandt. Nicht, daß ich die Gabe suche, sondern ich suche die Frucht, die sich zugunsten eurer Rechnung mehrt. Ich habe aber alles erhalten und habe Überfluß, ich habe die Fülle, da ich von Epaphroditus das von euch Gesandte empfangen habe, einen duftenden Wohlgeruch, ein angenehmes Opfer, Gott wohlgefällig. Mein Gott aber wird alles, wessen ihr bedürft, erfüllen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus.

Aus dieser Stelle wird der Segen des Gebens deutlich: Was wir für Gottes Werk geben, ist so hoch verzinst, dass wir uns nichts auf unsere Großzügigkeit oder Opferbereitschaft einbilden dürfen. Die Frucht mehrt sich für uns. Gott ist immer der Geber, wir immer die Beschenkten. Durch loslassendes Geben für Gottes Werk (d.h. Beträge, die wir spüren) können wir lernen, in den Bedürfnissen unseres Lebens auf Gott zu vertrauen. Er hat versprochen, dass er uns nicht hängen lassen wird.

4.7. Suche, Ausbildung und Aussendung von Missionaren

Ein in der Schrift häufig gebrauchtes Wort für die Gläubigen ist Jünger. Es ist die Übersetzung des griechischen mathetes und bedeutet Schüler, Lehrling. Jeder Gläubige sollte sich in Ausbildung befinden. Zwar ist es vor allem Gott, der ausbildet, gleichzeitig hat er aber den klaren Auftrag an die Gemeinde gegeben, Menschen zu lehren, zu schulen, auszubilden (Mt 28,19) - nicht im Sinne einer theoretischen Ausbildung, sondern im Sinne einer Lehre, wo der Lehrling mit dem Lehrenden Zeit verbringt und durch sein Vorbild in Wort und Leben und durch seine "Qualitätskontrolle" lernt.

Die örtliche Gemeinde sollte diese Ausbildungsfunktion ganz bewusst wahrnehmen und neben anderen Geboten des Herrn Jesus auch die Erreichung aller Völker einbeziehen. Den Jüngern soll der große, globale Plan Gottes vermittelt werden, und sie sollen ermutigt werden, an diesem Werk mitzuarbeiten - sei es durch Gebet, finanzielle Unterstützung oder persönlichen Einsatz an der Front. Gebet und finanzielle Unterstützung kann jeder Jünger beitragen, selbst an die Front zu gehen, bleibt bestimmten, von Gott dafür ausersehenen Menschen vorbehalten, die Gott dazu auch befähigt hat. Es ist Aufgabe der Gemeinde (im Besonderen der Leitung), solche Menschen in der Führung des Geistes zu erkennen, zu ermutigen und auszusenden bzw. zu entlassen, wie es die Schrift ausdrückt (Apg 13,3), denn eigentlich ist es der Heilige Geist, der sie aussendet. Es sollte also nicht so sein - wie es leider häufig ist -, dass Jünger ihren Ruf in die Mission unabhängig von der Gemeinde hören bzw. zu hören glauben und die Gemeinde sie dann mehr oder minder widerwillig gehen lässt. Vielmehr werden sie von der Gemeinde zu dem Werk ausgesondert, zu dem der Heilige Geist sie berufen hat (Apg 13,2).

Am Beispiel von Antiochia sehen wir, dass der Heilige Geist bewährte, geisterfüllte, lehrfähige Mitarbeiter für die Mission auswählte. Wenn uns Gottes weltweites Werk wirklich ein Anliegen ist, müssen wir - das betrifft im Besonderen die Ältesten - bereit sein, bewährte, begabte Mitarbeiter an die Front zu senden, wenn der Herr es so führt. Wir dürfen sie nicht festhalten aus Angst, wir kommen ohne sie nicht aus. Das ist blanker Unglaube. Der Geist, der Saulus und Barnabas von ihrem Lehrdienst in Antiochia abberief, um sein weltweites Werk durch sie voranzutreiben, wird andere Lehrer an ihre Stelle berufen.

Mit der Aussendung ist es natürlich nicht getan. Die Gemeinde steht voll hinter dem Werk, zu dem sie den Missionar ausgesandt bzw. entlassen hat: in Form von Gebet, finanzieller Unterstützung und Ermutigung durch den Austausch, der nach Möglichkeit aufrecht zu erhalten ist. Der Missionar berichtet der aussendenden Gemeinde und ermutigt sie dadurch.

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5. Frontmission kontra Umgebungsmission?

Es besteht eine Gefahr darin, Frontmission gegen Umgebungsmission auszuspielen und umgekehrt. Beide Varianten sind verbreitet - je nach dem, worauf jemand seinen Schwerpunkt legt. Die einen meinen, wozu Ressourcen vergeuden in Gegenden, wo das Evangelium schon bekannt ist! Die anderen meinen, es gibt rund um uns so viel Verlorene - warum in die Ferne schweifen! Die Antwort auf diese zwei Extreme gibt die Schrift: Der Zug der Weltmission fährt auf zwei Schienen, und beide sind notwendig:

  1. Frontmission

    Missionare verkündigen das Evangelium dort, wo es noch nicht bekannt ist. Paulus ist ein Musterbeispiel eines Frontmissionars:

    Röm 15,18-21 Denn ich werde nicht wagen, etwas von dem zu reden, was Christus nicht durch mich gewirkt hat zum Gehorsam der Nationen durch Wort und Werk, in der Kraft der Zeichen und Wunder, in der Kraft des Geistes, so daß ich von Jerusalem und ringsumher bis nach Illyrien das Evangelium des Christus völlig verkündigt habe. So aber setze ich meine Ehre darein, das Evangelium zu verkündigen, nicht da, wo Christus genannt worden ist, damit ich nicht auf eines anderen Grund baue; sondern wie geschrieben steht: «Denen nicht von ihm verkündigt wurde, die werden sehen, und die nicht gehört haben, werden verstehen.»

    Aus der Sicht des Frontmissionars hatte Paulus das Evangelium von Jerusalem bis Illyrien völlig verkündigt. Hatte er es wirklich allen Menschen in diesen Gegenden verkündigen können? Gewiss nicht, aber er hatte durch Gemeindegründungen die Grundlage gelegt, dass es diese Gegenden ganz durchdringen konnte.
  2. Umgebungsmission

    Ausgehend von den Früchten der Frontmission soll die ganze Umgebung (im weitesten Sinn die Volksgruppe) mit dem Evangelium durchdrungen werden, d.h. möglichst jeder in der Umgebung soll das Evangelium verständlich zu Ohren (das Wort der Jünger) und zu Gesicht (das Leben der Jünger) bekommen. Man könnte viele Schriftstellen dazu anführen, ich beschränke mich auf eine kleine Auswahl:

    Kol 4,5-6 Wandelt in Weisheit gegenüber denen, die draußen sind, kauft die gelegene Zeit aus! Euer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt; ihr sollt wissen, wie ihr jedem einzelnen antworten sollt!

    Mt 5,13-16 Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz fade geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden. 
    Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht eine Lampe an und setzt sie unter den Scheffel, sondern auf das Lampengestell, und sie leuchtet allen, die im Hause sind. So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.

Statt die eine Schiene gegen die andere auszuspielen, sollten wir beide im Plan Gottes sehen und ernstlich Gottes Führung für unsere Gemeinde und für unser Leben suchen, wie wir am Auftrag Jesu mitarbeiten sollen.

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6. Schluss

Mit diesen Ausführungen möchte ich anregen, dass wir als Gemeinde und als einzelne

2Tim 2,3-4 Nimm teil an den Leiden als ein guter Streiter Christi Jesu! Niemand, der Kriegsdienste leistet, verwickelt sich in die Beschäftigungen des Lebens, damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat.