Das Evangelium - Gott im Zentrum

Inhalt

1. Das Evangelium für Gläubige?
2. Das Vorbild der Apostel 2.1. 1Thessalonicher 2
2.2. Merkmale göttlich orientierter Evangelisation
2.3. Merkmale menschlich orientierter Evangelisation
3. Geht es um uns oder um Gott?
4. Das Evangelium mit Gott im Zentrum 4.1. Gott - der heilige und liebende Schöpfer
4.2. Der Mensch - das sündige Geschöpf
4.3. Christus - der barmherzige Erlöser
4.4. Unsere notwendige Antwort um mit Christus vereint zu werden
5. Mission und göttliche Erwählung
6. Zusammenfassung

1. Das Evangelium für Gläubige?

Wozu sollen wir uns als wiedergeborene Christen mit dem Evangelium befassen? Ist das nicht eher etwas für Ungläubige oder vielleicht noch für ganz junge Christen? Brauchen langjährige Christen nicht etwas Tieferes, weiter Fortgeschrittenes?

Nein, das Evangelium ist nicht nur die Basis unseres Christentums sondern auch sein Kern. Wir - und damit meine ich alle Kinder Gottes - müssen uns fortwährend damit beschäftigen, müssen ständig wachsen im Verständnis des Evangeliums und in der Fähigkeit es zu erklären, und zwar aus folgenden Gründen:

Daher soll durch dieses Studium - so klar es in diesem Umfang möglich ist - erfasst werden,

  1. was das Evangelium ist,
  2. dass Gott und nicht der Mensch im Zentrum des Evangeliums steht,
  3. was unsere Verantwortung in der Verbreitung des Evangeliums ist,
  4. was Gottes Rolle dabei ist.

Es wird in diesem Studium nicht (oder nur am Rande) um bestimmte Evangelisationsmethoden gehen. Sehr wohl aber wird es darum gehen, welche Rolle Methoden allgemein bei der Evangelisation spielen.

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2. Das Vorbild der Apostel

Wir wollen zuerst ein neutestamentliches Muster für Evangelisation betrachten und davon Merkmale göttlich und menschlich orientierter Evangelisation ableiten:

2.1. 1Thessalonicher 2

2.2. Merkmale göttlich orientierter Evangelisation

Aus obigem Text lassen sich folgende Merkmale von göttlich orientierter Evangelisation ableiten:

2.3. Merkmale menschlich orientierter Evangelisation

Im Gegensatz zur göttlich orientierten Evangelisation hat die menschlich orientierte folgende Merkmale:

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3. Geht es um uns oder um Gott?

Kapitel 3 und 4 sind meine Übersetzungen von Auszügen aus Tell the Truth (Will Metzger, Tell the Truth, The Whole Gospel to the Whole Person by Whole People, Inter-Varsity Press, Illinois, 1984). Durch die Gegenüberstellung von Aussagen soll der Unterschied zwischen einem menschlich orientiertem Evangelium und einem göttlich orientiertem konkretisiert werden.

Der Mensch im Zentrum Gott im Zentrum
Gott
Anknüpfungspunkt mit Nicht-Christen ist Liebe (Gott liebt dich). Daher ist Gottes Autorität sekundär. Anknüpfungspunkt mit Nicht-Christen ist die Schöpfung (Gott schuf dich). Daher hat Gott Autorität über dein Schicksal.
Liebe ist Gottes Haupteigenschaft. Heiligkeit und Liebe sind gleich wichtige Eigenschaften Gottes.
Gott ist ohnmächtig vor dem Willen des Sünders. Gott kann den Willen des Sünders befähigen.
Die Personen der Dreieinigkeit haben verschiedene  Ziele bei der Erwirkung und Anwendung der Rettung. Die Personen der Dreieinigkeit arbeiten in Harmonie - die Errettung erwirkt für und angewendet auf die selben Personen.
Gott ist ein Freund, der dir helfen wird. Gott ist ein König, der dich retten wird.
Mensch
Gefallen, hat jedoch das Potential, das Gute zu wählen. Gefallen und wird aus eigener Willenskraft nicht zu Gott kommen.
Sucht die Wahrheit, aber es fehlen im die richtigen Fakten. Feindlich gesinnt gegen Gott; keiner sucht Gott.
Braucht Liebe, Hilfe, Freundschaft. Braucht neue Natur (Verstand, Herz, Wille), Wiedergeburt.
Macht Fehler, ist unvollkommen, braucht Vergebung. Rebelliert gegen Gott, hat eine sündige Natur, braucht Versöhnung.
Braucht Rettung vor den Konsequenzen der Sünde - Unglücklich-Sein, Hölle. Braucht Rettung von der Schuld und Macht der Sünde.
Die Menschheit ist krank und unwissend. Der Mensch ist tot und verloren.
Christus
Retter aus Selbstsucht, Fehlern, Hölle. Retter aus Sünde und Sündennatur.
Er existiert zu unserem Nutzen. Er existiert um ein Königreich zu sammeln und Ehre und Ruhm zu bekommen.
Sein Tod war wichtiger als sein Leben. Sein Tod und sein gehorsames Leben sind gleich wichtig.
Betont seinen priesterlichen Dienst als Retter. Betont seinen priesterlichen, königlichen und prophetischen Dienst.
Eine Einstellung der Unterwerfung unter die Herrschaft Christi ist optional für die Errettung. Eine Einstellung der Unterwerfung unter die Herrschaft Christi ist notwendig für die Errettung.
Antwort auf Christus
Einladung, die darauf wartet, jetzt angenommen zu werden. Liebendes Gebot, dem jetzt gehorcht werden muss.
Unsere Wahl ist die Basis der Errettung - Gott antwortet auf unsere Entscheidung. Gottes Wahl ist die Basis für die Errettung - wir antworten auf Gottes Initiative.
Wir stimmen den Wahrheiten des Evangeliums mental zu - Entscheidung. Wir antworten mit unserer ganzen Person (Verstand, Herz, Wille) - Bekehrung.
Es wird an die Sehnsüchte des Sünders appelliert. Wahrheiten werden dem Gewissen des Sünders eingeprägt.
Errettet durch Glauben allein - Buße wird übergangen, denn sie wird unter "Werke" eingereiht. Errettet durch Glauben allein - rettender Glaube wird immer von Buße begleitet.
Heilsgewissheit kommt von einem Seelsorger, der die Verheißungen Gottes verwendet und den neuen Gläubigen für gerettet erklärt. Heilsgewissheit kommt vom Heiligen Geist, der biblische Verheißungen auf das Gewissen anwendet und ein verändertes Leben bewirkt.
Ziel des Zeugnisses
Ziel - Entscheidungen, Zustimmung, unmittelbare Reaktion in Form eines Gebetes. Ziel - Jünger, Bekehrung der ganzen Person, alleine lassen, damit sie Gott um Erbarmen anrufen.
Bringe sie dazu, bestimmten Fakten oder Gesetzen zuzustimmen. Lehre sie verantwortungsbewusst das Evangelium - klar, nachdrücklich, ausführlich.
"Evangelisiere", indem du eine einfache Schritt-für-Schritt Methode durchgehst. Kommuniziere die Wahrheiten des Evangeliums wiederholt und geduldig.
Bringe sie dazu, mit dir zu beten. Gib ihnen Zeit, in ihren eigenen Worten zu beten, am besten alleine.
Aktiviere ihr Potential, damit sie eine freie Wahl für Gott treffen. Konfrontiere sie damit, dass sie sich unmöglich selbst retten oder von sich aus glauben können.
Verwende ein äußeres Zeichen, um die geistliche Realität zu bestätigen - ein Kärtchen unterschreiben, die Hand heben, nach vorne gehen, ein Gebet wiederholen. Betone die Taufe, Teilnahme am Tisch des Herrn, um seinen Tod zu verkündigen, die Abkehr von sündigen Lebenswegen.
Fordere ihren Willen mit Abenteuer heraus, stachle ihre Gefühle mit Aufregendem auf. Präsentiere ihrem Verstand Wahrheit, appelliere an den Willen, zu gehorchen, erwarte, dass die Gefühle folgen werden.
Vermittle unmittelbare Gewissheit - erlaube ihnen nicht, ihre eigene Ernsthaftigkeit zu bezweifeln. Lass den Heiligen Geist Gewissheit vermitteln - durch das subjektive innere Zeugnis und den objektiven biblischen Beweis, eines veränderten Lebens.
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4. Das Evangelium mit Gott im Zentrum

Die folgenden Aussagen sind eine Zusammenfassung des Evangeliums, das Gott als Schöpfer und Erlöser ehrt.

4.1. Gott - der heilige und liebende Schöpfer

  1. Souveräner Schöpfer: Aus seinem Wohlgefallen und freien Willen heraus schuf und erhält uns Gott. Daher sind wir in allem, was wir haben, völlig abhängig von ihm. Wir haben keine innewohnenden Rechte. Gott ist Licht, was seine Majestät, Reinheit und Heiligkeit symbolisiert. Er setzt den Maßstab für Recht und Unrecht. Er ist der allmächtige Gott im Himmel über seine Schöpfung.
  2. Persönlicher Schöpfer: Wir sind weder unpersönliche Maschinen noch Tiere. Unsere Bedeutung leitet sich von unserer einzigartigen Erschaffung im Bild Gottes her, der eine Person ist. Gott ist Liebe und schuf uns zum Zweck der Gemeinschaft mit ihm - ihn anzubeten und zu ehren, mit ihm Gemeinschaft zu pflegen und uns an ihm zu erfreuen. Er ist der väterlich Gott seiner Geschöpfe.

Hauptpunkt: Gott hat als Schöpfer einen absoluten Anspruch auf unser Leben. Wir sind dafür verantwortlich, Gott widerzuspiegeln.

Schlüsselverse: Ps 100,3; Mt 5,48

Schlüsselpassagen: 2Mo 19,16-20; 20,1-26; Mt 5,17-48, Apg 17,24-31

Frage: Da Gottes wunderbarer Charakter, seine Rechte als Schöpfer, seine Segnungen und seine Warnungen alle dazu beschaffen sind, uns daran zu erinnern, dass er uns liebevoll besitzt - warum lieben wir ihn nicht mit unserem ganzen Herzen und Verstand, mit unserer ganzen Seele und Kraft?

4.2. Der Mensch - das sündige Geschöpf

  1. Definition von Sünde: Willentliche Rebellion durch die Weigerung zu tun, was Gott gebietet; Entschluss zu tun, was er verbietet:
    1. Wir spielen Gott: Wir führen unser Leben als ob Gott keine Rolle spielen würde; wir ignorieren Gott, versuchen niemanden zu brauchen und alles selbst im Griff zu haben.
    2. Wir bekämpfen Gott: Wir verstoßen gegen sein Gesetz zum Leben und missachten es; wir wollen selbst entscheiden, was richtig und falsch ist.
  2. Konsequenzen von Sünde: Tod (Trennung). Sowohl physisch als auch geistlicher Tod aufgrund des Zorns Gottes
    1. Lebender Tod: Trennung von Gott hier und jetzt, daraus folgen Schuld, Identitätsverlust, Sinnlosigkeit, verzerrte Beziehungen, usw.
    2. Ewiger Tod: Ewige Trennung unserer Seelen von Gott.

Hauptpunkt: Wir betrügen uns selbst, wenn wir denken, wir leben aus unseren eigenen Ressourcen heraus, während wir in Wirklichkeit Geschöpfe und unter dem Urteil stehende Rebellen sind, die sich selbst nicht helfen können. Wir haben uns entschieden, Gott abzulehnen.

Schlüsselverse: Jer 17,9; Röm 3,20; Jak 2,10

Schlüsselpassagen: Jes 64,6-7; Röm 1,20-25; 3,10-20; 7,7-13; Phil 3,4-6

Frage: Warum verleugnen wir die Verantwortung für unsere Sünden und leben weiter mit Schuld?

4.3. Christus - der barmherzige Erlöser

  1. Lehrer: Christi Worte und Leben offenbaren das Wesen Gottes. Er spricht zu unserem Gewissen, und wir unterwerfen uns seiner Autorität in der Schrift:
  2. Sünden-Träger: Er gab sich selbst hin als das unschuldige, stellvertretende Sündopfer für alle, die ihre Sünde anerkennen. Er nahm die Schuld von Sündern auf sich selbst und ertrug Gottes Gericht dafür in seinem Tod am Kreuz. Er erlöst sie durch sein vergossenes Blut, das den gerechten Zorn eines heiligen Gottes gegen sündige Menschen besänftigt.
  3. König: Er stand von den Toten auf (besiegte Sünde und Tod) und stieg wieder zu seinem Vater hinauf, um Herr zu sein. Sein Leben des vollkommenen Gehorsams ist jetzt erwiesen, und er gibt frei und souverän unwürdigen Sündern den Lohn der Gerechtigkeit.

Hauptpunkt: Jesus als der Gott-Mensch ist der einzige Weg zum Leben - durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung als Erlöser.

Schlüsselverse: Jes 53,5; Mk 10,45; Eph 1,7

Schlüsselpassagen: Jes 53,1-11; 43,25; Mk 10,33-34, Apg 2,22-24.36

Frage: Auf welche Weise zeigt Christi Tod am Kreuz sowohl die Heiligkeit als auch die Liebe Gottes?

4.4. Unsere notwendige Antwort um mit Christus vereint zu werden

Auf der Basis dieser historischen Wahrheiten und weil Christus heute lebendig ist, lädt uns Gott jetzt ein und gebietet uns:

  1. Umzukehren: von unserer Rebellion, hin zu Christus als Herrn mit unserer ganzen Persönlichkeit, in
    1. unserem Verstand: Gott zuzustimmen, dass wir ihm Unrecht getan haben und sein Gericht verdienen. Zu erkennen, dass seine Güte, die er uns in vieler Weise gezeigt hat, den Zweck hatte, uns zur Buße zu demütigen.
    2. unseren Gefühlen: Unsere Sünden und unser sündiges Wesen zu verachten.
    3. unserem Willen: Uns zu entschließen, uns von unserer Rebellion abzuwenden und unserem Schöpfer und Erlöser zu dienen. Christus alleine als Bezahler für und Macht über unsere Sünden zu sehen.

    Schlüsselvers: Jes 55,7   Schlüsselpassagen: Jes 12,1-3; 1Thes 1,9-10

  2. Zu vertrauen: auf nichts, was wir tun können, sondern alleine auf das vollendete Werk Christi als Retter mit
    1. unserem Verstand: Christus anzuerkennen als die notwendige und hinreichende Bezahlung für Sünde.
    2. unseren Gefühlen: Uns nach Christus zu sehnen und uns an seiner Liebe zu den Unwürdigen zu erfreuen.
    3. unserem Willen: Unsere Leben Christus hinzugeben, indem wir uns auf ihn werfen als unsere einzige Hoffnung auf Versöhnung mit Gott. Unser Vertrauen von uns weg auf ihn hin zu verlagern. Sein Geschenk der Vergebung und Gerechtigkeit für uns anzunehmen. Um Gottes Barmherzigkeit zu bitten.

    Schlüsselverse: Joh 1,12   Schlüsselpassagen: Röm 3,21-26; Joh 3,16-18

Hauptpunkt: Eine Person kann nur Christ werden, indem sie sich von einem sündigen Leben weg- und zu Christus hinkehrt und indem sie ihm als Retter und Herrn vertraut. Ein Jünger Jesu zu werden hat seine Kosten. Lies Mk 8,34-38 und Lk 14,25-33. Bitte Gott, dich durch seinen heiligen Geist zu befähigen, umzukehren und zu vertrauen.

Schlussfolgerung: Lies Ps 51,1-17; Jes 53,1-11; Gal 2,20 und bitte Gott um seine Hilfe. Wenn er dir antwortet, sage es jemandem und suche die Freundschaft von Christen, die die Bibel ernst nehmen.

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5. Mission und göttliche Erwählung

Besonders schwierig zu vereinbaren scheinen missionarischer Eifer und Erwählung Gottes. Warum soll ich mich anstrengen, um Menschen mit dem Evangelium zu erreichen, wenn doch Gott seine Auswahl schon vor Grundlegung der Welt festgesetzt hat? Dazu ist zu sagen:

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6. Zusammenfassung

Das auf Gott ausgerichtete Evangelium und die auf Gott ausgerichtete Evangelisation räumen Gott in ausgewogener Weise den ihm angemessenen Platz ein

  1. als souveräner Schöpfer, Herrscher und Richter der Menschen und als Konstrukteur der Geschichte,
  2. als unendlich gnädiger und liebender Gott, der seine Geschöpfe retten will und um sie wirbt, indem er an ihre Vernunft und an ihren Willen appelliert.

Wir müssen uns in unseren missionarischen Aktivitäten davor hüten, Menschen gefallen zu wollen anstatt Gott, denn selbst in der Evangelisation ist das höchste Ziel die Ehre Gottes und nicht die Menge der Bekehrten. Die Ehre Gottes wird aufgerichtet, wenn wir 

Möge Gott uns zu solchen Botschaftern machen, die ihren König würdig vertreten.

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