Jakobus - Die Bewährung des Glaubens (5)

Inhalt

Gliederung und Zusammenfassung von Kapitel 5,7-12
5,7-12  Ausharren bis zum Ende 5,7-8     Geduld bis zur Ankunft des Herrn
5,9        Nicht gegen Geschwister seufzen
5,10-11  Biblische Vorbilder des Ausharrens
5,12       Nicht schwören
Anwendung / Selbstprüfung
5,7-12  Der rechte Gebrauch der Zunge 5,13       Gebet in Freud und Leid
14-18     Gebet für einander 
19-20     Zurechtbringung von abgeirrten Geschwistern
Anwendung / Selbstprüfung

Gliederung und Zusammenfassung von Kapitel 5,7-20

Die Briefempfänger sollen geduldig auf die Ankunft des Herrn warten und dabei nicht ihre Zunge missbrauchen, indem sie der Versuchung

Vielmehr sollen sie sich stärken durch

5,7-12  Ausharren bis zum Ende

7-8     Geduld bis zur Ankunft des Herrn

Wie der Bauer geduldig auf die Ernte wartet, sollen auch die Briefempfänger geduldig auf die Ankunft des Herrn warten.

9        Nicht gegen Geschwister seufzen

Wer gegen Geschwister seufzt, wird bei der Ankunft des Herrn von ihm gerichtet werden.

10-11  Biblische Vorbilder des Ausharrens

Die Briefempfänger sollen sich die alttestamentlichen Propheten als Vorbilder der Geduld nehmen. Besonders bei Hiob sehen sie Gottes Barmherzigkeit, die am Ende des Ausharrens steht.

12      Nicht schwören

Wer statt zu seinem Wort zu stehen, es mit leichtfertigen Schwüren bekräftigt, fällt unter Gottes Gericht.

5,13-20  Der rechte Gebrauch der Zunge

13      Gebet in Freud und Leid

Wer leidet, soll beten; wer froh ist, Loblieder singen.

14-18  Gebet für einander

Wer krank ist, soll die Älteste rufen, damit sie für seine Heilung beten. Wenn die Krankheit aufgrund von Sünde war, wird ihm vergeben werden. Durch gegenseitiges Sündenbekenntnis und Gebet für einander wird der Herr Heilung schenken, denn das Gebet eines Gerechten vermag viel, wie das Beispiel Elias zeigt.

19-20  Zurechtbringung von abgeirrten Geschwistern

Großer Segen liegt in der Zurechtbringung von Geschwistern, die auf Abwege geraten sind.


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5,7-12  Ausharren bis zum Ende

Geduld und Ausharren

Jakobus wendet sich nun wieder dem Thema "Ausharren" bzw. "Geduld" zu, das er schon zu Beginn des Briefes behandelte (1,3-4; 1,12). Er verwendet dabei zwei ähnliche Worte:

  1. hypomeno (bzw. das davon abgeleitete Hauptwort hypemone): standhalten (und nicht fliehen), etwas aushalten oder ertragen: durchhalten (unter Anfechtungen und Trübsalen beim Glauben bleiben); etwas erdulden bzw. tapfer und still ertragen d.h. leiden (z.B. Leid, Schmerz oder schlechte Behandlung).
    Dieses Wort kommt in Kap. 1,3.4.12 vor und zweimal in 5,11
     
  2. makrothymeo (bzw. das davon abgeleitete Hauptwort makrothymia): geduldig auf etwas warten, nicht die Geduld verlieren
    Dieses Wort kommt in Kap. 5,7 (2 mal), 5,8 und 5,10 vor.

Während also hypomone mehr das standhafte Erdulden des Leidens ausdrückt, bezieht sich makrothymeo mehr auf das geduldige Warten auf das Ziel, das Ende des Leidens, nämlich die Ankunft des Herrn Jesus Christus. Beides hängt eng zusammen: Die geduldige Erwartung der Ankunft Christi gibt die Kraft zum geduldigen Ausharren in allen Anfechtungen und Leiden.

Das Thema "Ausharren" passt gut zum letzten Abschnitt, wo es um die Reichen geht, die den Gerechten bedrängen, ohne dass dieser sich wehrt. Die Leserschaft von Jakobus bestand wohl hauptsächlich aus ärmeren Leuten, weshalb er in 4,2 auch sagt: "Ihr begehrt und habt nicht!". Daher litt zumindest ein Gutteil unter sozialer und wirtschaftlicher Ungerechtigkeit. In diese Situation hinein spricht Jakobus nun über das Ausharren und über das geduldige Warten auf den Herrn und den Lohn, den er bringt (Offb 22,12). Aber natürlich betrifft es nicht nur die Armen und Bedrängten sondern jeden Christen, denn jeder Christ muss durch Anfechtungen gehen, um sich zu bewähren.

Struktur des Abschnitts [1]

In diesem Abschnitt begegnet uns wieder die Zunge als Quelle der Sünde:

V. 7-8
Geduld
V. 9
Die Zunge
 (Seufzen über Geschwister) 
V. 10-11
          Geduld / Ausharren        
V. 12
Die Zunge
(Schwören / Unwahrhaftigkeit)

Auch von einem anderen Gesichtspunkt her weist der Abschnitt eine interessante Struktur auf:

V. 7-8
Der kommende Herr
V. 9
    Der kommende Richter      
V. 10-11
  Das kommende (gute) Ende    
V. 12
Das kommende Gericht

Exkurs: Der Richter steht vor der Tür

Es wird auch für die Gläubigen ein Gericht geben, allerdings ein völlig anderes als das für die Ungeretteten (das Gericht am jüngsten Tag vor dem großen weißen Thron). Es wird sich um eine familieninterne Abrechnung handeln. Der Herr Jesus selbst hat gelehrt, dass er wiederkommen würde, um diese Abrechnung durchzuführen (z.B. Lk 19,11-27). Dabei wird es vor allem um den Lohn für treue Dienste gehen, aber auch um den Tadel bzw. den Verlust für Untreue. Der Herr hat jedem seiner Leute etwas anvertraut. Er wird darüber Rechenschaft fordern, wie sie damit gewirtschaftet haben.

Paulus beschreibt das Gericht für die Gläubigen als Feuer (1Kor 3,12-15), in dem alles Wertlose verbrennen wird, und als Richterstuhl Christi:

2Kor 5,9-10 Deshalb setzen wir auch unsere Ehre darein, ob einheimisch oder ausheimisch, ihm wohlgefällig zu sein. Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder empfange, was er durch den Leib vollbracht, dementsprechend, was er getan hat, es sei Gutes oder Böses.

Paulus verwendet auch das Bild von Saat und Ernte (Gal 6,7-9), was gut zu unserem Jakobustext passt. Auf irgendeine Weise werden wir ernten, was wir säen: teils schon in diesem Leben, teils erst vor dem Richterstuhl Christi. Wenn wir auf das Fleisch säen, werden wir Verderben ernten, denn die Frucht des Fleisches hat keinen Platz im Reich Gottes. Was aus der Saat des Fleisches erwachsen ist, muss spätestens vor dem Richterstuhl Christi im Feuer verbrennen. Und wer auf den Geist gesät hat, darf endlich die volle Frucht seiner Saat ernten - was ihm selbst Lob und dem Herrn Ehre bringt.

Paulus selbst nimmt dieses kommende Gericht so ernst, dass er in 2Kor 5,11 (also unmittelbar anschließend an den oben zitierten Vers über den Richterstuhl Christi) vom "Schrecken des Herrn" redet, der ihn motiviert, das ihm Anvertraute treu zu verwalten.

Gott hat uns allen anvertraut - dem einen mehr, dem anderen weniger. Er wird uns dafür zur Rechenschaft ziehen, wie wir damit umgegangen sind. Hier sind zwei Beispiele:

5,7-8  Geduld bis zur Ankunft des Herrn

Das Bild des geduldigen Bauern ist sehr deutlich: So wie er geduldig wartet, bis die Frucht alles bekommen hat, was sie zur Reifung nötig hat, so sollen auch wir es tun. In beiden Fällen braucht es Zeit und Geduld. Beim Bauern sind es außerdem der Früh- und Spätregen, bei uns sind es die göttlichen Ressourcen (Wort Gottes, Weisheit, Gnade, ...), die er uns nach unseren Bedürfnissen gibt, wenn wir recht bitten.
Ein Vergleich mit 5Mo 11,8-17 ist dabei sehr interessant: Die Bewässerung Kanaans geschah nicht künstlich (durch das Öffnen und Schließen von Wassergräben bzw. durch das Treten des Schöpfrades) sondern durch den Regen des Himmels. Die Fruchtbarkeit war also ganz von Gott abhängig und hing direkt mit der Treue zu Gott zusammen.

Bauer Christ
Same
Zeit
Geduld 
Gott mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele lieben und dienen 
Regen von Gott Segen von Gott
köstliche Frucht
Ernte

die Ankunft des Herrn ist nahegekommen: Die Naherwartung der Ankunft Jesu Christi und der Blick auf die köstliche Frucht, die er dem Ausharrenden bringen wird, ist der Schlüssel zum geduldigen Ausharren in allen Anfechtungen und Leiden:

Hebr 10,35-37 Werft nun eure Zuversicht nicht weg, die eine große Belohnung hat. Denn Ausharren habt ihr nötig, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung davontragt. Denn noch eine ganz kleine Weile, und der Kommende wird kommen und nicht säumen.

stärket eure Herzen (griech. sterizo): stabil machen, befestigen, fixieren, beständig machen
Der Blick auf die bevorstehende Ankunft des Herrn gibt Kraft zum Ausharren. Dieselbe Phrase kommt noch einmal in 1Thes 3,13 vor. Auch dort steht die Herzensstärkung im Zusammenhang mit der Ankunft des Herrn Jesus Christus.

5,9  Nicht gegen Geschwister seufzen

Die bevorstehende Ankunft des Herrn kann (und soll) sowohl freudige Erwartung als auch Furcht auslösen - je nach dem, wie es mit unserer Heiligung aussieht. Der Herr, der vor der Tür steht, ist nicht nur der derjenige, der dem Ausharrenden reichen Lohn bringt, sondern er ist zugleich derjenige, der dem nicht Ausharrenden Gericht bringt. Ein Beispiel für solches Nicht-Ausharren ist wieder einmal eine Sünde der Zunge, nämlich das Seufzen gegen Geschwister:

seufzt nicht gegeneinander (griech. stenazo): seufzen, stöhnen, jammern, klagen, murren. Das Wort beschreibt innerliche Gefühle, denen in unartikulierten Lauten Ausdruck verliehen wird (Mk 7,34; Röm 8,23; 2Kor 5,2.4; Hebr 13,17).

Es besteht ein große Versuchung darin, über Geschwister zu stöhnen. Hier ist weniger das Jammern über Geschwistern vor anderen gemeint (vgl. 4,11), sondern das Stöhnen bzw. Seufzen bei sich selbst. Gewiss sind Geschwister ein nicht unwesentlicher Bestandteil der Anfechtungen, die uns der Herr über den Weg schickt. Entweder wir bewähren uns durch geduldiges Ausharren, indem wir unser Not vor den Herrn bringen, oder wir geben der Versuchung nach, indem wir über Geschwister stöhnen und die Augen verdrehen, womit wir sie richten und uns über sie erheben (vgl. 4,11-12).
Das Prinzip, dem wir schon in Jak 2,13 begegnet sind, kommt auch hier zum Tragen: Wenn wir richten, werden wir gerichtet. Wenn wir Barmherzigkeit erweisen, wird uns Barmherzigkeit erwiesen (Mt 5,7; 7,1).

5,10-11  Biblische Vorbilder des Ausharrens

die im Namen des Herrn redeten: Nicht zufällig ist auch hier wieder die Zunge im Spiel. Gottes Leute müssen ihre Zunge zügeln, weil sie ein geheiligtes Werkzeug sein soll, um in seinem Namen zu reden.

Wir erfahren große Ermutigung, wenn wir die biblischen Glaubenshelden zu Vorbildern nehmen:

Hiob ist ein besonders gutes Beispiel eines solchen Glaubenshelden. Im Gegensatz zu ihm, haben wir das Privileg, den Ausgang schon zu kennen. Deshalb preisen wir ihn und seinesgleichen auch glücklich. Wir wissen rückblickend, dass sie den richtigen Weg - nämlich den Weg des Ausharrens - gewählt haben, denn wir sehen, den Segen des Herrn, der am Ende dieses Weges steht. Dabei besteht der Segen nicht nur im materiellen Überfluss, den der Herr dem Hiob gab, sondern vor allem in der neuen Qualität der Gotteserkenntnis:

Hi 42,5 Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, jetzt aber hat mein Auge dich gesehen.

Nur um doppelt soviel Reichtum zu bekommen, wäre es nicht wert gewesen, die Trübsal zu ertragen, denn Hiob war schon vor der Trübsal reich genug. Aber Gott wirklich kennen zu lernen, war ein Ziel, das die Mühe wert war.

voll innigen Mitgefühls und barmherzig: Damit sagt Jakobus, dass der Herr keinen Augenblick von Hiob distanziert war und sein Elend aus der Ferne beobachtete; vielmehr nahm er Anteil, es war ihm nicht gleichgültig, wie schlimm sein Knecht leiden musste. Jedes Detail seiner körperlichen und seelischen Qualen sah Gott ganz genau. Er ließ es zu - nicht aus Grausamkeit und auch nicht aus Gleichgültigkeit oder Ohnmacht, sondern weil er gute Pläne für Hiob hatte und wusste, dass die tiefe Begegnung mit Gott unermesslich kostbar war und wert, durch die Trübsal zu gehen.

Wenn uns der Mut und die Geduld verlassen wollen, können wir auf Hiobs Ende blicken, und unsere Herzen stärken, weil wir sehen, wie gut es der Herr mit seinen Leuten meint.

5,12  Nicht schwören

Exkurs über Schwüre

Hebr 6,16 Denn Menschen schwören bei einem Größeren, und der Eid ist ihnen zur Bestätigung ein Ende alles Widerspruchs.

oder in der "Hoffnung für alle" Version:

Hebr 6,16 Menschen schwören einen Eid, um zu bekräftigen, daß ihre Aussage wahr ist, und um mögliche Zweifel auszuräumen. Dabei berufen sie sich auf eine Autorität, die über ihnen steht und von allen anerkannt wird.

Schwört nicht ...

Wogegen sich Jakobus sich in diesem Vers wendet, wird klar, wenn wir die Parallelstelle in Mt 5,33-37 und Mt 23,16-22 betrachten: So wie die Leute zu denen Jesus redete, waren auch die Empfänger des Jakobusbriefes Juden, die von der damaligen Form des rabbinischen Judentums stark geprägt waren. So wie in anderen Bereichen auch (z.B. Sabbatgebot) konzentrierten sich die rabbinischen Regeln auf die äußere Form und entkräfteten damit in vielen Fällen den eigentlichen Sinn der Gebote Gottes. So behaupteten die Rabbiner, dass ein Eid, der nicht den Namen Gottes enthielt, nicht bindend war. Dies ist typisch für ihren "defensiven" Umgang mit Gottes Geboten.

3Mo 19,12 Und ihr sollt bei meinem Namen nicht falsch schwören, daß du den Namen deines Gottes entweihen würdest. Ich bin der HERR. -

Um dieses Gebot nicht zu übertreten, versuchten sie, den Namen Gottes aus Schwüren herauszuhalten, die sie möglicherweise nicht halten würden. Also wurde bei "Himmel" und "Erde" und bei anderem Erschaffenem geschworen. Auf diese Weise wurden oft leichtfertig Schwüre abgelegt, obwohl ein einfaches "Ja" oder "Nein" gereicht hätte. Wenn wir bedenken, dass diejenigen, an die Jakobus seine Worte richtet, in eben diesem Umfeld aufgewachsen sind, dürfen wir uns nicht wundern, dass sie zum Teil noch dieser Unsitte frönten.

Die Sünde, gegen die sich Jakobus hier wendet, hat also zwei Aspekte:

  1. Mangelnde Wahrhaftigkeit: 2Mo 20,16; Sach 8,16; Eph 4,25; Kol 3,9
    Auch die hier angesprochene Sünde hat viel mit der schon mehrmals angesprochenen "Doppelherzigkeit" bzw. Zwiespältigkeit zu tun. Gott will ganz einfach, dass wir auch meinen, was wir sagen. Für Christen ist Wahrhaftigkeit eines der obersten Gebote. Ihr Charakter und ihre Worte sollten glaubwürdig sein, man muss sich auf sie verlassen können, denn das entspricht dem Wesen Gottes. Das Gegenstück zur menschlichen Raffinesse solcher Schwüre ist die ungeheuchelte Weisheit Gottes (Jak 3,17).
     
  2. Missbrauch des Namens Gottes (auch wenn er nicht ausdrücklich verwendet wurde): 2Mo 20,7
    Wir wollen den Namen Gottes heiligen (Mt 6,9) und somit alles vermeiden, was Gottes Namen entheiligt.

Petrus liefert ein negatives Beispiel für solch vorschnelles Schwören (Mt 26,74). Die Situation ist typisch: Er geriet unter Druck und griff auf seine menschlichen Ressourcen zurück, d.h. er tat, was der alte Petrus in solchen Situationen zu tun pflegte: lügen, vorschnell schwören, möglichst schnell ausbüchsen. Der neue Petrus, der sich nicht mehr selbst gürtete, sondern sich von Gott gürten ließ (Joh 21,18), wäre in dieser Anfechtung wohl nicht gestrauchelt, sondern wäre das Risiko des Leidens für Christus gerne eingegangen (1Petr 2,19-20) und hätte sich dem übergeben, der gerecht richtet, ohne sich mit seiner Zunge zu versündigen (1Petr 2,23).

Es gibt noch andere Eide, nämlich solche gegenüber Gott. Wenn wir unter Druck geraten, besteht die Versuchung in etwa folgendermaßen zu beten: "Gott, wenn du mir hilfst, dann verspreche ich dir dies und das." Wir werden nirgends aufgefordert, so mit Gott zu handeln. Es ist gefährlich, Gott gegenüber vorschnell Versprechungen oder gar Eide auszusprechen. Ein negatives Beispiel finden wir im Buch der Richter bei Jephta (Ri 11,30-40).

Dürfen wir vor Gericht einen Eid ablegen?

Wenn man die Praxis betrachtet, gegen die sich Jakobus wendet (siehe oben), ist meiner Meinung nach klar, dass uns hier nicht der gerichtliche Eid verboten wird. Jakobus wendet sich gegen den achtlosen Umgang mit der Zunge, was bei einem gerichtlichen Eid gerade nicht der Fall ist. Es ist Teil unserer Unterordnung unter die Obrigkeit, dass wir den Eid ablegen. Schließlich können wir nicht erwarten, dass uns ein Richter unsere Glaubwürdigkeit "ansieht" und deshalb auf einen Eid verzichtet.

Anwendung / Selbstprüfung

Seufzen gegen Geschwister

Unheiliges Gerede

Wahrhaftigkeit, Schwören

Die Ankunft des Herrn


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5,7-12  Der rechte Gebrauch der Zunge

Vergleich von Jak 5,7-12 mit Jak 5,13-20

Kamen im vorigen Abschnitt 7-mal mal Abwandlungen von Geduld, warten, ausharren vor, so kommt in diesem Abschnitt 7-mal beten bzw. Gebet vor. Das deutet auf die Schwerpunkte und den Zusammenhang der beiden Abschnitte hin:

  V. 7-12 V. 13-20
Schwerpunkt: Geduld + Ausharren Gebet + Fürsorge
Ergebnis Mittel 
Ziel (Zukunft) Weg (Gegenwart)
Der Herr gibt: Lohn, wenn wir am Ziel sind Hilfe unterwegs 
Blickrichtung: auf den wiederkommenden Herrn auf den gegenwärtigen Herrn
Vorbild aus dem AT:  Hiob Elia
Über die Zunge:  Warnung vor Missbrauch Anweisungen zum rechten Gebrauch
Betrifft vor allem: den Einzelnen die Gemeinschaft

Die Bedeutung der Zunge

Wir sehen jetzt deutlich, warum Jakobus solchen Wert auf den Gebrauch der Zunge legt: Sie ist entscheidend für uns als Person und für die Gemeinschaft der Gläubigen:

  persönliches Leben Gemeindeleben
Missbrauch: Entehrung Gottes schlechte Reden, Streiten
Lohn: Gericht Gottes Schaden für Geschwister, Gericht
Rechter Gebrauch: Gebet und Lobgesang  Fürbitte, Ermahnung, Ermunterung
Lohn: Persönliche Hilfe Hilfe für Geschwister auf dem Weg

5,13  Gebet in Freud und Leid

Leidet jemand unter euch ...

Das Verbindungsglied vom vorigen Abschnitt zu diesem Abschnitt ist das Leiden. Wir lasen in V. 10-11 vom Leiden und Ausharren der Propheten. Dasselbe Leid (wenn vielleicht auch in anderer Form) betrifft Christen zu allen Zeiten, also auch uns:

2Tim 3,12 Alle aber auch, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden.
Apg 14,22 Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und sagten, daß wir durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes hineingehen müssen.

Dieses Leiden ist vielfältig; es kann körperlich oder seelisch sein. Es kann durch Verfolgung von außen oder durch freiwilligen Verzicht um Jesu willen hervorgerufen sein. Es können Krankheiten und Entbehrungen sein. Es kann Traurigkeit über den Verlust oder das Leiden geliebter Menschen sein, oder Traurigkeit über die geistliche Not unserer Umgebung. Es kann Gefahr, Angst, Hilflosigkeit, Niedergeschlagenheit sein, und vieles mehr. Wie immer unser Leiden aussieht, wir sollen wissen,

  1. dass es nichts Ungewöhnliches für Gottesdiener ist,
  2. wohin wir uns mit unserer Not wenden sollen.

Gottes Wort lässt uns nicht im Zweifel darüber, an wen wir uns wenden sollen; es ist voll von Aufforderungen, Gott in der Not zu suchen; z.B.:

Ps 50,15 und rufe mich an am Tag der Not; ich will dich erretten, und du wirst mich verherrlichen!

Ebenso ist sie voller Beispiele solcher Gebete um Rettung (besonders die Psalmen); z.B.:

Ps 116,3-5 Es umfingen mich die Fesseln des Todes, die Ängste des Scheols erreichten mich. Ich geriet in Not und Kummer. Da rief ich den Namen des HERRN an: "Bitte, HERR, rette meine Seele!" Gnädig ist der HERR und gerecht, und unser Gott ist barmherzig.

Schon in Jak 1,5 haben wir die Aufforderung gelesen, in unseren Anfechtungen Weisheit bei Gott zu suchen. Wir haben die Verheißung, dass er demjenigen, der im Glauben bittet und dessen Herz ungeteilt beim Herrn ist, gerne die nötige Weisheit geben wird (Jak 1,6-8). Und in 5,13 sehen wir, wohin wir uns in der Not wenden sollen: an Gott. In allen unseren Nöten den Herrn zu suchen und auf ihn zu vertrauen, ist eines der wichtigsten Dinge des Glaubenslebens:

Phil 4,6-7 Seid um nichts besorgt, sondern in allem sollen durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus.

Im vorigen Abschnitt sahen wir das Ziel: geduldig ausharren bis zum Ende. Hier wird uns das Mittel zum Ausharren beschrieben: Gebet. Wir haben die Verheißung, dass unsere Herzen und Gedanken in Christus bewahrt werden, wenn wir mit allen Anliegen zu Gott kommen. Das ist alltäglich gelebter Glaube, wie er Gott gefällt.

Ist jemand guten Mutes ...

Gott ist nicht nur ein Gott für schlechte Zeiten. Er will der Gott sein, an dem wir unsere Lust haben (Ps 37,4) und aus dessen Hand wir alles Gute dankbar annehmen (Jak 1,17). Ganz besonders soll auch unsere Freude über Rettung aus Not zum Lobpreis führen (Ps 50,15). Solange wir nur zu Gott kommen, wenn es uns schlecht geht, ist unser Glaube unreif und unser Herz geteilt (vgl. Kap. 1,6-8; 4,8). Erst wenn wir gelernt haben sowohl mit unserem Leid als auch mit unserer Freude zu ihm zu kommen, wissen wir, was geisterfülltes Leben ist:

Eph 5,18-19 ... sondern werdet voller Geist, indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt!

Kol 3,16 Das Wort des Christus wohne reichlich in euch; in aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig! Mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade!

In diesen Parallelstellen erkennen wir auch die beiden Richtungen der Anwendung von Wort, Gebet und Lobpreis: Sie dienen sowohl der persönlichen als auch der gegenseitigen Auferbauung. In Jak 5,13 geht es zwar vor allem um persönliches Gebet und Lobsingen, aber in den folgenden Versen erkennen wir die Bedeutung der gegenseitigen Auferbauung durch Gebet.

Er singe Psalmen

Jakobus gibt uns einen praktischen Rat, und wir tun gut daran, ihn zu befolgen. Er sagt nicht nur, "dankt Gott" oder "preist ihn", sondern "singt Loblieder". Das Singen von Psalmen bzw. Lobliedern beinhaltet Dank und Lobpreis, ist aber mehr. Beim Singen ist nicht nur der Verstand, sondern auch das Gemüt, die Seele involviert. Und das ist gut so, denn "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand." Unser Schöpfer weiß, dass es ein menschliches Bedürfnis ist, der Freude Ausdruck zu verleihen. Gesang ist ein solcher Ausdruck, und zwar ein wesentlicher.

Für manche von uns (ich zähle mich dazu) stellt der Bereich der Musik eine große geistliche Gefahr dar. Wie leicht kann uns der große Verführer hier zu Fall bringen, wenn wir das Seelische vom Geistlichen trennen. Wie herrlich dagegen ist es für uns und für Gott, wenn wir die beiden verbinden, indem wir Gottes Geist auf den Saiten unserer Seele spielen lassen. Ich bin überzeugt, wir sind in diesem Bereich weniger verführbar, wenn wir den Rat von Jakobus beherzigen und unserem Frohsinn im Singen von Psalmen und Lobliedern Ausdruck verleihen. Das können wir alleine tun (im Auto, unter der Dusche, beim Spazierengehen, ...) oder in Gemeinschaft (im Gottesdienst oder wo sonst noch mit oder für einander gesungen wird). Zu diesem Zweck ist es sehr nützlich, ein Repertoire an guten Lobliedern (inkl. vertonter Psalmen) auswendig zu lernen.

Was sind gute Loblieder?

14-18  Gebet für einander 

Umkehr und Heilung

Richard Mayhue [2] beschreibt treffend die Schwierigkeiten des Abschnitts über die Krankenheilung:

Hier einige berechtigte Fragen, die Jakobus 5 aufwirft: Ist dieser Abschnitt nur auf das 1. Jahrhundert beschränkt, oder ist er heute anwendbar? Gilt er für alle Menschen, oder nur für Christen? Gilt er für alle Christen, oder nur für eine besondere Gruppe? Handelt es sich womöglich um eine Vorbereitung auf den Tod, oder sollen die Betroffenen vielmehr zu einem gesunden Leben zurückgeführt werden? Geht es hier um körperliche, seelische oder geistliche Probleme? Sind die hier angesprochenen Komplikationen schwerwiegend oder alltäglich? Soll diese Vorgehensweise öffentlich oder im privaten Rahmen durchgeführt werden? Ist das Salben mit Öl medizinisch oder symbolisch gemeint? Geschieht die Heilung auf übernatürliche Weise oder durch Gottes Vorsehung? Gilt die Verheißung absolut, oder ist sie von bestimmten Umständen abhängig?

Dementsprechend viele Auslegungen zu dem Abschnitt gibt es. Ich denke, Richard Mayhue gibt uns einen guten Hinweis, wenn er schreibt, dass das in V. 17-18 beschriebene Bild von Elia ein Schlüssel zum Verständnis ist [3]:

Das Volk Israel hatte sich unter der Führung von König Ahab durch Götzendienst schwer am Herrn versündigt. Wie der Herr es durch Mose angekündigt hatte (siehe z.B. 5Mo 11,13-17), war eine Dürre die Folge. Der Herr hatte aber dem Salomo auf dessen Gebet hin auch verheißen, im Falle der Buße des Volkes die Schuld zu vergeben und das Land zu heilen (2Chr 7,13-14). Nachdem Israel umgekehrt und die Baalspriester getötet waren,  (1Kö 18,37-40) bat Elia Gott um Regen und wurde erhört (1Kö 18,42-45). Gott handelte also mit Israel genau, wie er es angekündigt hatte, aber es war Elia, der durch sein Gebet Gottes Handeln (zur Züchtigung und zur Heilung) auslöste.

Und nun übertragen wir dieses Bild auf die Situation in Jak 5,14-15: Ein Kind Gottes lebt in Sünde (ist ein Freund der Welt und somit Feind Gottes, siehe Jak 4,4) und wird von Gott durch Krankheit gezüchtigt (Vgl. Hi 5,17-18; Ps 32,2-5.10; 38; 118,18). Nachdem es Buße getan hat und Fürbitte geleistet wurde, heilt Gott sein Kind. Ich führe zwei typische Szenarien an:

  1. V. 14-15: Das Gotteskind lebt in schwerer Sünde, so dass die ganze Gemeinde davon betroffen ist (z.B. dadurch, dass es das Zeugnis der Gemeinde zerstört hat) und Gott züchtigt es dafür. Das Gotteskind ruft die Ältesten zu sich und bekennt die Sünde. Die Ältesten beten als Repräsentanten der Gemeinde für das Gotteskind. Der Herr vergibt ihm und richtet es wieder auf.
     
  2. V. 16: Die Sünde, aufgrund derer der Herr das Gotteskind züchtigt, ist gegen einen bestimmten Bruder (oder eine Schwester) gerichtet. In diesem Fall reicht es, zu diesem Bruder (oder zu dieser Schwester) zu gehen und die Sünde zu bekennen. Dann sollte der Bruder (oder die Schwester) vergeben und für den reumütigen Sünder beten. Auf diese Weise wird der Herr sein Kind heilen.

Gebet der Ältesten für Kranke

Um welche Art von Krankheit geht es hier? Die hier verwendeten griechischen Worte bedeuten schwach sein (astheneo in V. 14) und ermattet sein (kamno in V. 15). Beide Worte können sich sowohl auf körperliches als auch auf seelisch-geistliches Geschwächt-Sein beziehen. Daher sind sich die Ausleger in diesem Punkt nicht einig: Manche meinen, es gehe hier nur um geistliche Mattheit, die meisten dagegen sind der Ansicht, es gehe um körperliche Krankheit. Für Letzteres spricht die Verwendung von astheneo in den Evangelien und in der Apostelgeschichte für körperliche Schwachheit. Erst in den paulinischen Briefen wird das Wort für Glaubens- und Gewissens-Schwachheit verwendet. Jakobus, der mehr als alle anderen Autoren des NT die Worte des Herrn Jesus zitierte, stand der Sprache der Evangelien eindeutig näher als der Sprache des Paulus, der seine Briefe erst nach dem Jakobusbrief verfasste.
Am besten ist es daher wohl, den Zustand als ein Geschwächt-Sein in Folge von Krankheit, Leiden, Gebrechen zu verstehen.

Dass der Kranke die Ältesten zu sich ruft, ist ein Hinweis dafür, dass er so sehr geschwächt ist, dass er nicht zu ihnen bzw. in die Gemeindeversammlung gehen kann, gleichzeitig zeigt es aber, dass die Initiative vom Kranken ausgehen soll. Dass ihn die Ältesten mit Öl einreiben, ist ein Hinweis, dass es sich um eine Krankheit handelt, die eine körperliche Behandlung notwendig macht (zur Bedeutung des Öls siehe unten).

Obwohl die Situation, dass Sünde im Spiel ist, sehr gut in den Zusammenhang passt, dürfen wir diese Verse nicht darauf beschränken, denn in V.15 steht "wenn er Sünden begangen hat". Dies muss also nicht unbedingt der Fall sein. Es soll jeder, der ernstlich krank oder geschwächt ist, die Freiheit haben, die Ältesten zu rufen - auch wenn er sich nicht sicher ist, ob ein Zusammenhang zwischen einer persönlichen Sünde und der Krankheit besteht. Vielleicht bringt der Herr die Sünde erst ans Licht (siehe folgendes Beispiel), oder vielleicht stellt sich heraus, dass kein Zusammenhang zu persönlicher Sünde besteht.

Richard Mayhue gibt uns ein Beispiel für die hier beschriebene Situation [4]:

Bei der ernstlich erkrankten Person handelte es sich um eine Gläubige, die zufällig die Frau eines Arztes war. Sie litt unter schrecklichen, fast unerträglichen Schmerzen im gesamten Rücken. Die Ärzte konnten keine Ursache feststellen. Mehrere kompetente Orthopäden untersuchten sie, doch alle ohne Ergebnis …

Ihre unglaublichen Schmerzen veranlassten die Ärzte, ihr hohe Dosen Medikamente zu verabreichen, was zur Abhängigkeit führen konnte, und ihr Gatte war darüber äußerst besorgt, genauso wie, natürlich, sie selbst. Schließlich wurde die Frau ins Krankenhaus eingewiesen.

Da wir seit langem befreundet waren, nahm sie Kontakt mit mir auf und fragte mich: "Ich würde gern wissen … ob du eine Gruppe von Ältesten aus der Gemeinde zusammen bekommen könntest und ob einige von euch kommen und beten könnten." Ich antwortete: "Wir werden ganz gewiss kommen." Und wir kamen, sechs oder sieben an der Zahl.

An einem Sonntagabend, nach dem Abendgottesdienst, kamen wir in ihr Krankenzimmer. Sie hatte solche Schmerzen, dass sie kaum sprechen konnte. "Ich weiß nicht, was ich machen soll", sagte sie, "ich bin am Verzweifeln … Was können wir tun; was können wir nur tun?" Ich antwortete: "Wir können das tun, wozu Gott uns angewiesen hat: beten. Wir werden beten, dass er dich retten, heilen und aufrichten wird, wenn es sein souveräner Wille ist!"

Wir schlossen die Tür, knieten uns hin und begannen zu beten. Ich beendete mein Gebet mit der Bitte an Gott, dass er Erleichterung und, wenn es sein Wille ist, völlige Genesung geben möge. Als ein anderer Bruder zu beten begann, streckte die Frau ihre Hand aus und fasste mich an die Schulter. Sie stieß mich ein wenig, als wollte sie etwas sagen. Ich streckte mich zu dem Beter aus und drückte ihn signalisierend, um ihm mitzuteilen, er soll kurz innehalten, was er auch tat. Sofort sagte die Frau: "Entschuldigt meine Unterbrechung, aber der Schmerz hat ganz aufgehört." Dann fing sie an zu weinen.

"Ich muss euch etwas sagen", schluchzte sie und richtete sich im Bett auf - wozu sie tagelang nicht imstande gewesen war. Ich denke, sie hätte an diesem Abend sogar aufstehen, aus dem Krankenhaus gehen und mit dem Auto nach Hause fahren können. Der Schmerz war vollständig weg. Sie sagte: "Ich muss euch etwas aus meinem Leben sagen." Leise, aber ohne zu zögern begann sie eine Geschichte der Sünde zu entfalten, die bisher einfach zu ihrem Lebensstil dazugehörte. Ich brauche hier nicht ins Detail zu gehen, sondern will nur sagen, dass sie vor uns wie vor ihrer Familie ein Doppelleben geführt hatte. Aber durch unser Gebet und die Ernsthaftigkeit unseres Glaubens war sie genötigt und zu solch einem brennenden Sündenbewusstsein gelangt, dass sie uns nicht einmal zu Ende beten lassen konnte. Gott erhörte ihr Gebet, in dem sie ihre Sünden bekannte und ihren Wunsch nach echter Umkehr ausdrückte.

Ich bin überzeugt, dass dieser Text für uns heute von Bedeutung ist, aber wir dürfen nicht die Unterschiede zwischen unserer Situation und der Situation der Briefempfänger übersehen. Die medizinische Versorgung war damals nicht das, was sie heute war: Der Zugang war sehr beschränkt, die meisten Leute konnten sich keinen Arzt leisten. Außerdem konnten die Ärzte nur in sehr beschränktem Maß helfen. Man wusste im Vergleich zu heute relativ wenig über Krankheitsursachen und -behandlungen. Daher kam die Situation, in der es angebracht war, die Ältesten zu rufen, wohl häufiger vor als heute.

Wir dürfen die gute medizinische Versorgung - soweit sie vorhanden ist - dankbar aus Gottes Hand nehmen. Eine gute, wirksame Behandlung ist eine der vielen guten Gaben, die von Gott kommen (vgl. 1,17). Zur Veranschaulichung denken wir an die Versorgung der Israeliten während der Wüstenwanderung: Gott gab ihnen Brot vom Himmel. Er tat dies aber nur, solange sie sich nicht selbst versorgen konnten. Sobald sie im Land waren, konnten sie vom Ertrag des Landes essen. Doch waren sie auch darin von Gott abhängig, der den Regen und das Gedeihen gab, und sie sollten ihm auch dementsprechend dafür danken.

Wenn jemand in unseren Breiten krank ist, wird er in der Regel zum Arzt gehen und sich helfen lassen - aber nicht ohne zu beten und auf Gott zu vertrauen. Wenn sich aber herausstellt, dass der Arzt dem Kranken nicht aus seinem Zustand des Geschwächt-Seins heraus helfen kann, dann ist Hilfe durch die Ältesten nötig. Es gibt auch heute noch genügend Situationen, wo die Ärzte nicht helfen können: Entweder finden sie keine Ursache oder es handelt sich um unheilbare Krankheiten, Behinderungen, schweren Verletzungen, Depressionen, etc. 

Warum gerade die Ältesten?

Die Ältesten sind ja die Hirten der Gemeinde. Was liegt näher, als dass sich die Hirten um die kranken Schafe kümmern?
Jakobus macht klar, dass Heilung nicht etwas ist, was im Rahmen von Heilungsveranstaltungen durch begabte Heiler geschehen soll, sondern dass sie sich im Rahmen der örtlichen Gemeinde abspielen soll: Das kranke Gemeindeglied ruft seine Ältesten. Diese beten im Glauben dafür, dass er wieder aufgerichtet wird und reiben ihn mit Öl ein. 

Welche Rolle spielt das Öl?

Das hier verwendete griechische Wort (aleipho) bezeichnet nicht das zeremonielle Salben (griech. chrio) sondern das Einreiben zum praktischen Zweck der Pflege und Heilung, wie es damals üblich war (siehe Mt 6,17; Mk 6,13; Lk 7,38; Joh 12,3). Das Öl (in der Regel Olivenöl) wurde sowohl zur täglichen Körperpflege (Rt 3,3; 2Sam 12,20; 14,2; Dan 10,2-3; Mi 6,15; Mt 6,16-17) als auch zur medizinischen Behandlung verwendet (Wundversorgung und Einreiben bzw. Massieren; siehe Jes 1,6; Mk 6,13; Lk 10,34).
In unserem Zusammenhang kann es also sowohl den Zweck der körperlichen Wohltat, Pflege und Erfrischung, als auch der medizinischen Behandlung haben - im Sinne der Verabreichung eines Hausmittels.
Bei der Aussendung der 12 Jünger haben wir ein Vorbild für das Einreiben von Kranken mit Öl: 

Mk 6,17  und sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Schwache mit Öl und heilten sie.

Als der Herr Jesus sie zum Predigen und Heilen aussandte (Mt 10,7-8; Lk 9,1-2), erwähnte er das Salben zwar nicht, aber offenbar wandten es die Jünger als Begleitmaßnahme beim vollmächtigen Heilen an. Jakobus übernahm diese Gewohnheit in seine Anweisung für das Kranken-Gebet.

Manche Kommentatoren betonen den medizinischen Aspekt der Öl-Salbung. Andere dagegen meinen, es kann nicht als medizinische Behandlung gesehen werden, weil das Öl bei vielen Krankheiten keine heilende Wirkung hat. Sie sehen darin vielmehr eine symbolische Handlung, weil Öl in der Bibel Gesundheit und Wohlergehen symbolisiert. Ich denke, wir müssen hier keinen Widerspruch sehen. Das Einreiben mit einem duftenden Öl hat eine pflegende, wohltuende - zum Teil auch medizinische - Wirkung und weist gleichzeitig als Symbol auf die Heilung hin, die der Herr aufgrund des Gebets wirken soll. Die Ältesten sollen sich ja nicht auf die heilende Wirkung des Öls verlassen sondern auf das Eingreifen Gottes.

Sollen nun die Ältesten heute Öl verwenden oder etwas anderes oder gar nichts? Der Schwerpunkt liegt bestimmt nicht auf dem Äußerlichen, nämlich der Salbung mit Öl, sondern auf dem Gebet und dem Wirken Gottes. Die Ältesten sollten dies vor Gott prüfen und dabei auch ihren Hausverstand verwenden. Im Zweifelsfall halte ich es für ratsam, den Kranken mit einem wohlriechenden (Pflege-)Öl einzureiben, auch wenn es vom medizinischen Standpunkt heute nicht denselben Stellenwert hat wie damals.

Garantierte Heilung?

Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten ...

Wie ist das zu verstehen? Das Wort retten (griech. sozo) wird für Rettung, Hilfe  im weitesten Sinn verwendet: körperlich und seelisch-geistlich, zeitlich und ewig. Was es hier bedeutet, muss aus dem Zusammenhang bestimmt werden. Aufrichten ist die Übersetzung des griechischen egeiro: aufwecken, erwecken, aufstehen lassen, aufrichten. Es wird z.B. auch an folgender Stelle verwendet:

Eph 5,14 denn alles, was offenbar wird, ist Licht. Deshalb heißt es: "Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten! und der Christus wird dir aufleuchten!"

Wenn wir die Gesamtaussage der Bibel zum Thema Heilung betrachten, so ist klar, dass diese Stelle nicht so gemeint sein kann, dass jeder Kranke, für den die Ältesten beten, körperlich völlig gesund wird. Aber unter bestimmten Umständen wird die Heilung eintreten:

  1. das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten: Nicht jedes Gebet, sondern das Gebet des Glaubens wird helfen. Es geht nicht um den Glauben des Kranken sondern um den Glauben der Ältesten. Wenn sie von Gott die Gewissheit bekommen, dass die körperliche Heilung sein Wille ist und dementsprechend im Glauben beten, dann wird diese Heilung eintreten. Das gilt für alle Gebete, die in solchem Glauben gesprochen werden (siehe z.B. Mt 17,20). Solch eine Gewissheit von Gott in Bezug auf eine konkrete Gebetserhörung ist vielleicht das, was die Bibel eine Gabe des Glaubens (1Kor 12,9) nennt, oder Gaben der Heilungen (1Kor 12,9), wenn es sich um ein Gebet um Heilung handelt.
    Ein Fall, wo die Ältesten die Verheißung der Heilung haben, ist eine Krankheit als Züchtigung für Sünde. Wenn die Sünde bekannt wird und die Ältesten gebetet haben, so vergibt der Herr und nimmt die Züchtigung weg.
     
  2. Wenn wir die Aufrichtung bzw. Stärkung des Geschwächten in einem geistlichen Sinn verstehen, dann können die Ältesten davon ausgehen, dass das der Wille des Herrn ist und mit Freimütigkeit dafür beten. Sie haben die Verheißung der Erhörung. Gott wird den Ermatteten im Glauben stärken und in seiner Seele aufrichten.

Gegenseitiges Bekennen und Fürbitten

Wenn wir uns einer Sünde gegen ein Gotteskind bewusst sind, sollten wir umgehend zu ihm hingehen und die Sünde bekennen:

Mt 5,23-26 Wenn du nun deine Gabe darbringst zu dem Altar und dich dort erinnerst, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß deine Gabe dort vor dem Altar und geh vorher hin, versöhne dich mit deinem Bruder; und dann komm und bring deine Gabe dar!
Komm deinem Gegner schnell entgegen, während du mit ihm auf dem Weg bist! Damit nicht etwa der Gegner dich dem Richter überliefert ...

Wir haben bisher im Jakobusbrief schon eine Reihe von Sünden gesehen, die wir gegen Geschwister begehen können:

Jakobus hat uns in V. 11 Hiob als Vorbild des Ausharrens dargestellt. Er ist aber auch ein Vorbild für die Anwendung von V. 16:
In Hi 42,7-9 lesen wir, dass Gott Folgendes anordnete: Die Freunde sollten Hiob ihre Schuld ihm gegenüber bekennen und dafür opfern. Dann sollte Hiob für sie bitten. Sein Vergeben und Fürbitten war notwendig, damit Gott den Freunden vergab und sie verschonte.

Wir sehen also ein wichtiges geistliches Prinzip: Wenn ich einem Bruder Unrecht getan habe, so reicht es nicht, wenn ich diese Sünde vor Gott bekenne; ich muss sie auch dem Bruder bekennen und - so weit dies möglich bzw. sinnvoll ist - bereinigen. Die Vergebung durch den Bruder und seine Fürbitte für mich sind notwendig, damit mich der Herr wieder herstellt bzw. damit ich vor seiner Züchtigung verschont bleibe.

Obwohl das meinem Verständnis nach die Hauptaussage von V. 16 ist, sehe ich noch weitere Anwendungen dieses Verses:

  1. Es ist wichtig für unser geistliches Wohlergehen, als Mann einen Bruder und als Frau eine Schwester ins Vertrauen zu ziehen, mit ihnen über unsere Kämpfe und über unser Versagen zu sprechen und mit ihnen gemeinsam zu beten - auch wenn wir uns nicht an ihnen versündigt haben. Es gibt ja Sünden, die nicht gegen eine lebende Person gerichtet sind, der wir sie bekennen können. Trotzdem hilft es in solchen Situation oft, sich mit einem gefestigten Christen darüber auszusprechen. Das darf aber nicht mit Beichte im katholischen Sinn verwechselt werden.
     
  2. Und auch, dass wir für einander beten sollen, gilt in einem ganz allgemeinen Sinn (also nicht nur, wenn uns jemand Unrecht getan hat und es nachher bereut):

Eph 6,18 Mit allem Gebet und Flehen betet zu jeder Zeit im Geist, und wachet hierzu in allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen.

Abschließend möchte ich zum Zusammenhang zwischen Sünde und Krankheit W. MacDonald zu Wort kommen lassen [5]:

Viel öfter, als wir es zugeben wollen, ist Krankheit durch Sünde verursacht - Sünde wie Völlerei, Sorgen, Zorn, mangelnde Vergebungsbereitschaft, Alkoholmißbrauch, Neid, Selbstsucht und Stolz. Sünde im Leben bringt Krankheit und manchmal den Tod (1Kor 11,30). Wir sollten Sünde bekennen und lassen, sobald wir erkannt haben, daß sie in unserem Leben ist. Alle Sünden sollten Gott bekannt werden. Zusätzlich sollten alle Sünden, die andere Menschen betreffen, auch vor diesen bekannt werden. Das ist für unsere geistliche Gesundheit wichtig und für unsere körperliche Gesundheit nützlich.

Elia, der betende Gerechte

Elia ist das ideale Vorbild für die Botschaft des Jakobus über das wirkungsvolle Gebet des Gerechten - das ist derjenige, der mit ungeteiltem Herzen glaubt. Schon in 1,5-8 hat Jakobus gezeigt, dass jemand mit geteiltem Herzen (wörtl. mit zwei Seelen) hin- und hergeworfen ist, unbeständig auf allen seinen Wegen, und dass der Herr das Gebet eines solchen Menschen nicht erhört. Die Geteiltheit des Herzens wird wieder in Kap. 4,8 angesprochen. Auch in diesem Zusammenhang geht es darum, dass Gott die Gebete nicht erhört, wenn die Beter aus falschen Motiven bitten - nämlich aus ihren selbstsüchtigen Begierden heraus. 

Schon der Name Elia (d.h. mein Gott ist Jahwe) drückt aus, worin seine Mission bestand: Israel zur Umkehr vom Götzendienst zu dem allein wahren Gott zu bewegen, der keine anderen Götter neben sich duldet:

1Kö 18,21 Und Elia trat zum ganzen Volk hin und sagte: Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten? Wenn der HERR der wahre Gott ist, dann folgt ihm nach; wenn aber der Baal, dann folgt ihm nach! Aber das Volk antwortete ihm kein Wort.

Es ist interessant, wie Gott Elia auf seine großen Glaubens-Taten bzw. -Gebete vorbereitete (1Kö 17): Nachdem Elia dem gottlosen Ahab das Gericht der Dürre angekündigt hatte, schickte Gott ihn zuerst an einen Bach, wo er von Raben mit Brot versorgt wurde, bis der Bach vertrocknete. Dies war eine Zeit der Abgeschiedenheit, in der Elia lernte, allein auf Gott zu vertrauen und an ihm Genüge zu haben. Danach schickte Gott ihn zu einer Witwe, die für ihn sorgen sollte. Bis zum Ende der dreijährigen Dürre wurden das Mehl und das Öl der Witwe nicht weniger. Auch hier lernte Elia die Macht und Fürsorge Gottes kennen. Sein Glaube war so gereift, dass er es gar wagte, um die Auferweckung des Sohnes der Witwe zu bitten - und er wurde erhört. Jetzt war er bereit für seine großen öffentlichen Einsätze, beginnend auf dem Berg Karmel, wo er Israel herausforderte, sich zwischen Baal und Gott zu entscheiden (1Kö 18).
Nachdem die Baalspriester stundenlang vergeblich zu ihrem Gott um ein Zeichen gebetet hatten, betete Elia mit diesen schlichten Worten:

1Kö 18,36-37  HERR, Gott Abrahams, Isaaks und Israels! Heute soll man erkennen, daß du Gott in Israel bist und ich dein Knecht und daß ich nach deinem Wort das alles getan habe. Antworte mir, HERR, antworte mir, damit dieses Volk erkennt, daß du, HERR, der wahre Gott bist und daß du selbst ihr Herz wieder zurückgewandt hast!

Der Herr erhörte ihn - sowohl in Bezug auf das Feuer vom Himmel (was er im Gebet gar nicht ausdrücklich erwähnt hatte), als auch in Bezug auf das eigentliche Ziel der ganzen Aktion, nämlich die Gott-gewirkte Umkehr Israels:

1Kö 18,38-39  Da fiel Feuer vom HERRN herab und verzehrte das Brandopfer und das Holz und die Steine und die Erde; und das Wasser, das im Graben war, leckte es auf. Als das ganze Volk das sah, da fielen sie auf ihr Angesicht und sagten: Der HERR, er ist Gott! Der HERR, er ist Gott!

Jetzt stand auch der Beendigung der Dürre nichts mehr im Wege. Und wieder betete Elia im Glauben - aufbauend auf die Verheißung Gottes (18,36). Auf sein Gebet hin ließ Gott es nach über drei Jahren wieder regnen. Was für eine Freimütigkeit im Gebet geht davon aus, wenn wir im Auftrag Gottes unterwegs sind, wenn wir genau das tun, was er von uns will. Dann können wir Segenswerkzeuge sein, ganz besonders auch für Geschwister in Not.

Das Ermutigende am Vorbild des Elia sind auch seine Schwachheiten: Er war kein Übermensch, er war aus dem gleichen Holz geschnitzt wie wir, kannte das Wechselspiel der Gefühle wie wir. Er kannte Zweifel an der Güte Gottes (17,20), Selbstmitleid (19,10), Menschenfurcht und Ausgebranntheit bis hin zu Todessehnsucht (19,2-4). Aber sein Herz war ganz beim Herrn. Von ihm erwartete er alles, selbst den Tod (17,4). Darin ist er unser großes Vorbild: nicht nur, dass er große Gebetserhörungen erlebte, sondern dass er gelernt hatte, sich mit jeder Not an den Herrn zu wenden.

Gebet, das Gott erhört

So muss es sein: Wenn wir andere zur Ungeteiltheit und Wiederherstellung führen wollen, müssen wir selbst ungeteilt in Bezug auf den Herrn sein. Solche Fürbitte vermag viel in ihrer Wirkung. Das entspricht ganz den Worten Jesu über das Gebet:

Joh 14,13-14 Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn. Wenn ihr mich etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun.

Joh 15,7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen.

Die Verheißung der Erhörung liegt auf dem Gebet im Namen Jesu. Das ist das Gebet, das aus der Verbundenheit mit ihm und seinem Wort entspringt. In seinem ersten Brief schreibt Johannes etwas Ähnliches:

1Jo 3,21-22 Geliebte, wenn das Herz uns nicht verurteilt, haben wir Freimütigkeit zu Gott, und was immer wir bitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und das vor ihm Wohlgefällige tun.

Die Freimütigkeit im Gebet kommt aus einem Leben des Gehorsams. Solches Gebet erhört Gott. Das gilt ganz allgemein für unser Beten, im Besonderen auch für die hier beschriebene Situation, wo wir für die (körperliche oder seelisch-geistliche) Wiederherstellung von Geschwistern beten, die sich (an uns) versündigt haben.

19-20  Zurechtbringung von abgeirrten Geschwistern

Ein Gotteskind lebt in Sünde, erkennt bzw. bereut seine Sünde aber nicht. Es ruft daher weder die Ältesten, noch geht es zu demjenigen, gegen den es gesündigt hat. Mag sein, dass der Herr es züchtigt oder auch nicht. Jedenfalls sind die Geschwister aufgerufen, wenn sie solch einen Irrweg erkennen, den Irrenden zurechtzubringen - selbst wenn dieser von sich aus keine Hilfe sucht. Dies geschieht durch Fürbitte, Ermahnung und Ermunterung. Wenn das Gotteskind zurechtgebracht wird, werden seine Sünden vergeben (und somit zugedeckt) und es wird vor dem Tod errettet, denn im Extremfall führt Gottes Züchtigung zum irdischen Tod, wie bei Hananias und Saphira (Apg 5,1-11) und bei den Korinthern (1Kor 11,30); vgl. auch 5Mo 11,16-17. In jedem Fall bringt es Verderben, wenn jemand auf Fleisch sät (Gal 6,7-8).

Aber vielleicht wird durch unser Wirken auch jemand vor dem ewigen Tod errettet. Wenn wir für jemanden aus der Gemeinde beten, der die Welt lieb hat, so können wir nicht wissen, ob derjenige überhaupt wirklich wiedergeboren ist, auch wenn wir es annehmen. Jedenfalls wollen wir ihn dahin führen, dass er sich von der Welt abkehrt und ganz zu Christus bekehrt. Betrifft es ein Gotteskind, so wird es geistlich erneuert und vor irdischem Verderben errettet, betrifft es jemanden, der noch gar nicht wiedergeboren ist, so muss er dies erst einmal erkennen, um dann zum Heiland zu fliehen und dem ewigen Verderben zu entrinnen.

2Tim 2,24-26: Das sind hohe Anforderungen an den Knecht des Herrn: Er soll nicht streiten, sondern gegen alle milde sein, lehrfähig, duldsam, und die Widersacher in Sanftmut zurechtweisen. Aber ein solcher Charakter ist notwendig, wenn wir bedenken, dass das Wort für zurechtweisen das griechische paideuo ist, also eigentlich erziehen. Auch bei Eltern ist es so, dass sie selbst die nötige Reife brauchen, um Kinder erziehen zu können. Wie kann ich jemanden zu einer Reife hinführen, die ich selbst nicht besitze?

Auch das sollte also Motivation für unser geistliches Wachstum sein: Die Gemeinde Jesu braucht Nachfolger Jesu, die durch ihr eigenes Vorbild andere lehren können, im Glauben zu wachsen (siehe Mt 28,20).

So endet der Jakobusbrief einerseits ziemlich abrupt, andererseits rundet dieser Vers die Botschaft von Jakobus ab, denn er beinhaltet alle Hauptthemen (vgl. 1,26-27):

Anwendung / Selbstprüfung

Persönliches Gebet

Verhalten in Krankheit

Gegenseitiges Bekennen und Fürbitten

Ungeteiltheit und Gebetskraft

Zurechtbringung von Geschwistern

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Fußnoten

[1] Alec Motyer, The Message of James, Inter-Varsity Press 1985, S. 174

[2] Richard Mayhue, Dein Glaube hat dich geheilt, CLV 1999, S. 111-112

[3] Richard Mayhue, S. 112ff

[4] Richard Mayhue, S. 120ff

[5] William MacDonald, Kommentar zum Neuen Testament, Kommentar zu Jak 5,16

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