Jesaja 50 - Der lernende Gottesknecht

Inhalt

Einleitung
Der verkaufte Knecht (V. 1-3)
Der lernende Knecht (V. 4-9) Zusammenfassung
Jesus, der vollkommene Knecht und Jünger
Das tägliche Hören auf Gottes Stimme
Die Reaktion auf Gottes Willen
In der Schule Gottes
Im Tal des Todesschattens 
Der lehrende Knecht (V. 10-11)
Aufgabenteilung zwischen Herr und Knecht
Schluss

Einleitung

Dieses Kapitel ist vor folgendem Hintergrund zu betrachten: In Jes 41-53 kommt immer wieder der Knecht des Herrn vor. Aufgrund des Zusammenhangs und einiger Zitate im Neuen Testament geht hervor, dass damit manchmal Israel und manchmal der Messias gemeint ist:

Es war von Anfang an Gottes Plan, durch das Volk Israel sein Zeugnis vor den Völkern aufzurichten und sie zu segnen (1Mo 12,1-3; 28,14). Doch Israel versagte durch seine Untreue. So berief Gott einen Knecht, der nicht versagte, der treu war, der das Licht Gottes zuerst zu seinem Volk und dann zu den Nationen brachte. Und in Jesus Christus darf sowohl der Überrest Israels als auch die Gemeinde die Stellung als treuer Knecht Gottes erben, der den Nationen das Licht bringt.

Hier sind Beispiele von Texten über den Gottesknecht, die im Neuen Testament auf Jesus bezogen werden:

Jes 42,1-4  -  Mt 12,15-21
Jes 49,6  -  Apg 13,47
Jes 53,7-8  -  Apg 8,32-35

In Jes 50 sehen wir

Seitenanfang

Der verkaufte Knecht (V. 1-3)

Gott hat die Kinder seines Volkes Israel, das er zu seinem Knecht berufen hat, verkauft - aber nicht um eine Schuld zu bezahlen (vgl. 2Mo 21,7; 2Kö 4,1) sondern aufgrund ihrer Sünden - sie haben sich selbst der Knechtschaft der Sünde ausgeliefert. Der Herr hat Israel, die Mutter entlassen, weil sie die Ehe gebrochen hat:

Jer 3,8 Und sie sah auch, daß ich Israel, die Abtrünnige, eben deshalb, weil sie die Ehe gebrochen, entließ und ihr den Scheidebrief gab. Doch ihre Schwester Juda, die Treulose, fürchtete sich nicht, sondern ging hin und trieb selbst auch Hurerei.

Sie haben auf Gottes Rufen nicht reagiert (vgl. 2Chr 36,15-16; Jes 65,2; Mt 21,33-41; 22,2-3; 23,37), und trotz seiner Züchtigung rufen sie ihn nicht um Hilfe an - dabei hat er die Macht, aus dem Unheil zu erretten, das er verhängt hat.

Das ist Gottes Urteil über sein Volk Israel. Wie steht es um die Gemeinde Jesu, wie steht es um uns? Wenn wir ohne Gemeinschaft mit Gott sind, wenn wir wie Geschiedene bzw. wie die Kinder einer Geschiedenen in Bezug auf Gott sind, so ist es wegen unserer Sünden:

Jes 59,1-2 Siehe, die Hand des HERRN ist nicht zu kurz, um zu retten, und sein Ohr nicht zu schwer, um zu hören; sondern eure Vergehen sind es, die eine Scheidung gemacht haben zwischen euch und eurem Gott, und eure Sünden haben sein Angesicht vor euch verhüllt, daß er nicht hört.

Wenn wir auf Gottes Reden zu unserem Gewissen nicht reagiert haben, so dürfen wir uns nicht wundern, wenn er sich von uns zurückgezogen hat, wenn er uns durch Trockenheit und Traurigkeit züchtigt. In welcher Finsternis, in welcher Not, in welcher geistlichen Trockenheit auch immer wir uns befinden - es gibt einen Ausweg: Umkehr und Vertrauen auf den allmächtigen Gott, dessen Arm weder zu kurz zum Gericht ist noch zur Erlösung:

Jes 30,15 Denn so spricht der Herr, HERR, der Heilige Israels: Durch Umkehr und durch Ruhe werdet ihr gerettet. In Stillsein und in Vertrauen ist eure Stärke. Aber ihr habt nicht gewollt.

Seitenanfang

Der lernende Knecht (V. 4-9)

Zusammenfassung

Der Herr hat seinem Knecht die Zunge und Ohren eines Jüngers gegeben, damit er lernt, die Müden aufzurichten. Der Knecht war nicht widerspenstig gegen das Reden seines Herrn, obwohl es für ihn Schläge und Schmach bedeutete. Dem allem stellt er sich willig und vertraut ganz auf die Hilfe des Herrn. Er weiß: Wenn Gott für ihn ist, braucht er sich vor keinem Ankläger oder Angreifer zu fürchten.

Jesus, der vollkommene Knecht und Jünger

Jesus ist der Knecht, der diese prophetischen Worte Jesajas vollkommen erfüllte:

Das tägliche Hören auf Gottes Stimme

Jes 50,4b Er weckt mich, ja Morgen für Morgen weckt er mir das Ohr, damit ich höre, wie Jünger hören.

In den Psalmen wird besonders deutlich, wie gut es ist, den Herrn Morgen für Morgen zu suchen:

Ps 5,4 HERR, in der Frühe wirst du meine Stimme hören. In der Frühe rüste ich dir ein Opfer zu und spähe aus.

Ps 88,14 Ich aber, o HERR, schreie zu dir, und am Morgen möge dir mein Gebet begegnen.

Ps 90,14 Sättige uns am Morgen mit deiner Gnade, so werden wir jubeln und uns freuen in allen unseren Tagen.

Ps 119,147 Der Morgendämmerung bin ich zuvorgekommen und habe um Hilfe gerufen. Auf deine Worte habe ich gehofft.

Ps 143,8 Laß mich am Morgen hören deine Gnade, denn ich vertraue auf dich! Tu mir kund den Weg, den ich gehen soll, denn zu dir erhebe ich meine Seele!

In der Früh späht der Psalmist aus, sucht er die Gegenwart und das Reden Gottes. Auf diese Weise wird die Gnade Gottes im Leben des Beters wirksam. Auch wir brauchen in der Früh die Begegnung mit Gott, aus der uns seine Gnade, sein Reden, Seine Führung und die nötige Glaubensstärke für den Tag fließen. Gott möchte uns gerne Morgen für Morgen das Ohr wecken, aber dazu müssen wir es ihm zur Verfügung stellen. Er wird sich in der Regel nicht in unsere Geschäftigkeit hineindrängen sondern wartet, dass wir vor ihm stille werden.

In der Früh dürfen wir still werden, über die Worte Gottes nachdenken, mit ihm ins Reine kommen, mit einem willigen Herzen um die Erkenntnis seines Willens beten und um die Kraft ihn zu tun. Es gibt keinen gesegneteren Stand, als den Tag so zu beginnen und die Gemeinschaft mit Gott den ganzen Tag über latent aufrechtzuerhalten. Aus solcher göttlichen Gemeinschaft kann ein Leben für Gott hervorkommen - im Denken, Reden und Tun. 

Die Reaktion auf Gottes Willen

Jes 50,5 Der Herr, HERR, hat mir das Ohr geöffnet, und ich, ich bin nicht widerspenstig gewesen, bin nicht zurückgewichen.

Es gibt zwei falsche Arten auf die Offenbarung von Gottes Willen zu reagieren, beide haben letztlich gleich schlimme Folgen:

  1. Widerstand, Widerspenstigkeit, Rebellion
  2. Ausweichen, Zurückweichen, Feigheit (vgl. Hebr 10,38-39)

Dagegen gibt es eine richtige Art auf Gottes Willen zu reagieren, nämlich ihn mit Sanftmut und Glauben anzunehmen und zu tun:

Jak 1,21-22 Deshalb legt ab alle Unsauberkeit und das Übermaß der Schlechtigkeit, und nehmt das eingepflanzte Wort mit Sanftmut auf, das eure Seelen zu erretten vermag! Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen!

Hebr 10,39 Wir aber sind nicht von denen, die zurückweichen zum Verderben, sondern von denen, die glauben zur Gewinnung des Lebens.

In der Schule Gottes

Wir alle, die wir zu Christus gehören, sind seine Jünger. Auf die eine oder andere Art sind wir alle berufen, die Müden mit einem Wort von Gott aufzurichten - seien es Gottlose, denen wir das Evangelium weitergeben, oder seien es Geschwister, die wir beleben, trösten, erbauen. Wenn der Herr uns dazu verwenden will, muss er uns aber gleichzeitig das Ohr eines Jüngers wecken und öffnen. Er muss uns in seine Schule nehmen, damit wir lernen wie Jünger zu hören: horchen und gehorchen! Unweigerlich wird Gottes Wille uns durch Bedrängnisse führen (Apg 14,22), damit unser Glaube erprobt und kostbarer als geläutertes Gold befunden werde (1Petr 1,6-7). Lasst uns dieser Tatsache nicht ängstlich und ausweichend, auch nicht rebellisch und widerstrebend ins Auge sehen, sondern mit Freude (Jak 1,2-4). Wir haben Jesus als Vorläufer, als Vorbild, als Fürsprecher und als Helfer in diesem guten Kampf des Glaubens.

Der Kampf lohnt sich, denn

  1. bekommt Gott dadurch die Ehre,
  2. dient das Überwinden zu unserem eigenen Besten,
  3. können wir auf diese Weise andere aufrichten und im besten Sinn belehren.

Es geht also für uns zuerst einmal darum, ein ganzes Ja zum Willen Gottes für unser Leben zu finden. In den Bedrängnissen, in die wir aufgrund dieser Entscheidung geraten, können wir Glauben lernen. Nur wenn wir auf diese Weise in Gottes Schule lernen, kann er uns verwenden, auch andere aufzurichten und zu lehren.

Im Tal des Todesschattens 

V. 7-9 sind ein herrlicher Ausdruck vollkommenen Gottvertrauens in schwierigsten Umständen. Wenn es auch bei niemandem so vollkommen war wie beim Sohn Gottes, so ist es doch zu allen Zeiten ein wesentliches Merkmal aller wahren Knechte Gottes.

Es war das geistliche Erfolgsrezept des Dichters von Ps 119, dass er inmitten der größten Bedrängnis seine Augen von den Umständen weg und auf den Herrn und sein Wort hin richtete. Die Feinde waren zwar nahe, aber auch der Herr war nahe. Das war Trost genug:

Ps 119,150-151 Nahe sind gekommen,die mich arglistig verfolgen. Fern sind sie von deinem Gesetz. Du bist nahe, HERR, und alle deine Gebote sind Wahrheit.

Auch David spricht in Ps 23 von Situationen, die äußerlich trostlos und dunkel sind, in denen der Glaubende aber den Trost Gottes erfahren kann:

Ps 23,4 Auch wenn ich wandere im Tal des Todesschattens, fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich.

Wenn schon die Heiligen des Alten Bundes das Ausharren in Trübsal, das Vertrauen in dunklen Zeiten erleben durften, wieviel mehr wir im Neuen Bund, die wir einen Vorläufer und Beistand im Himmel (Christus) und einen Begleiter und Beistand auf Erden (den Heiligen Geist) haben:

Röm 8,31-39 Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns? Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken? Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt. Wer ist, der verdamme? Christus Jesus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet. Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: «Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden.» Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin überzeugt, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Seitenanfang

Der lehrende Knecht (V. 10-11)

Nachdem der Knecht des Herrn selbst gelernt hat, im Leid auf Gott zu vertrauen, richtet er sein Wort an diejenigen, die Gott fürchten und auf die Stimme seines Knechtes hören: Sie sollen angesichts der sie umgebenden Finsternis auf den Herrn vertrauen. Der Knecht richtet sein Wort aber auch an diejenigen, die im Licht und in der Wärme ihrer selbstentzündeten Feuer wandeln und sich mit ihren selbstgemachten Brandpfeilen bewaffnen: Gottes Gericht über sie ist, dass sie in ihr eigenes Feuer hineinlaufen und Qual leiden werden.

Wir können diese Verse für uns sowohl in einem Gemeinde-Zusammenhang (was die naheliegendere Anwendung ist) als auch in einem evangelistischen Zusammenhang anwenden:

  1. Wenn wir selbst in der Schule Gottes waren, kann Gott uns verwenden,
     
    • Geschwister zu erbauen, zu ermuntern, zu trösten (vgl. 2Kor 1,4),
    • Geschwister zu ermahnen und zurechtzuweisen, dass sie sich allein auf Gott stützen sollen und nicht auf selbstgemachte Krücken,
    • falschen Bekennern mit der Schärfe von Gottes richtendem Wort entgegenzutreten. 

    Wenn wir versuchen, andere zu belehren oder zu trösten, ohne selbst durch Gottes Schule gegangen zu sein, so sind wir "mühsame Tröster" wie die Freunde Hiobs (Hi 16,2) und richten Schaden an statt zu helfen.
     

  2. Nur wenn wir hingegebene Knechte und Jünger des Herrn sind, können wir glaubwürdige Zeugen Gottes in der Welt sein. Nur dann können wir Salz und Licht sein (Mt 5,13-16). Nur dann können wir denen, die in der Finsternis sind, mit Vollmacht vom rettenden Glauben an Christus erzählen und von der ewigen Qual aller, die auf sich selbst vertrauen statt auf Gott. 
Seitenanfang

Aufgabenteilung zwischen Herr und Knecht

Was tut Gott, der Herr?

Was hat der Knecht noch zu tun bei all dem, was Gott tut?

Was immer wir für Gott tun und bewirken - wir können uns dessen nicht rühmen, denn alles kommt aus dem Wirken des Herrn,

Hinter allem Wirken des Knechtes/Jüngers steht das Wirken des Herrn/Meisters. Daher sagte Paulus über sein eigenes Wirken:

1Kor 15,10 Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin; und seine Gnade mir gegenüber ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist.

Seitenanfang

Schluss

Lasst uns nicht widerspenstig und nicht feig sein, wenn uns Gottes Wege nicht gefallen. Lasst uns statt dessen bedenken, welch großer Segen fließen kann, wenn wir - ganz in der Manier unseres Herrn und Meisters - Gottes Willen mit Sanftmut und Glauben annehmen. Genau dazu sind wir berufen. Jede andere Art des Christenlebens ist eine glatte Themaverfehlung.

Seitenanfang