Kana: Eine Hoch-Zeit des Glaubens

Inhalt

1. Einleitung
2. Glaube und Gehorsam
2.1. Jesus - Im Takt mit dem Vater
2.2. Maria - Sich selbst nicht wichtig nehmen
2.3. Die Diener - Mutiger Gehorsam trotz Unverständnis
3. Offenbarung und Glaube
3.1. Die Jünger - Offenbarung als Folge von Gehorsam
4. Zusammenfassung

1. Einleitung

In Joh 2,1-12 berichtet Johannes von der Hochzeit in Kana, wo Jesus sein erstes Zeichen tat. Vieles gäbe es zu diesem Bibeltext zu sagen. Ich möchte mich auf eines konzentrieren: den vorbildlichen Glauben, den hier verschiedene Personen in verschiedenen Situationen durch praktischen Gehorsam ausdrücken. So gesehen kann man die Begebenheit als Hoch-Zeit des Glaubens bezeichnen.

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2. Glaube und Gehorsam

In Jesus, Maria und den Dienern begegnen uns verschiedene Aspekte von Glaubensgehorsam. Dieses Wort kommt zwar nur zweimal im Neuen Testament vor - zu Beginn und am Ende des Römerbriefs (Röm 1,5; 16,26) - aber es drückt sehr gut aus, worum es beim Glauben geht: nicht nur um ein Für-wahr-halten, sondern um ein der Glaubensüberzeugung entsprechend gehorsames Handeln (siehe auch Jak 2,14-26).

2.1. Jesus - Im Takt mit dem Vater

Jesus handelte nicht unabhängig vom Willen und vom Zeitplan des Vaters, im Besonderen nicht, wenn es um den Einsatz seiner übernatürlichen Fähigkeiten ging. Obwohl ihm seine Mutter nahe legte, etwas zu unternehmen, unternahm er nichts, bis seine Stunde gekommen war, d.h. bis er einen Auftrag von seinem Vater dazu hatte - und nicht von seiner Mutter. Hier prallen zwei Welten auf einander: die menschliche und die göttliche. Erstere darf in letzterer nicht mitmischen. Daher sagte Jesus zu seiner Mutter: Was ist dir und mir <gemeinsam>? Maria und Jesus hatten durch ihre Verwandtschaft viel gemeinsam. Aber in dieser Sache, wo es um die Mission Jesu geht, um seinen göttlichen Auftrag, sein göttliches Wirken, da hat menschlicher Rat - selbst der bestgemeinte vom besten Menschen - nichts verloren. Alles, was Jesus redete und tat, war im Auftrag, im Namen des Vaters:

Joh 5,19  Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn.

Joh 5,30  Ich kann nichts von mir selbst tun; so wie ich höre, richte ich, und mein Gericht ist gerecht, denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.

Joh 12,49-50  Denn ich habe nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, er hat mir ein Gebot gegeben, was ich sagen und was ich reden soll; und ich weiß, daß sein Gebot ewiges Leben ist. Was ich nun rede, rede ich so, wie mir der Vater gesagt hat.

Wir müssen lernen zu unterscheiden, wo wir auf menschlichen Rat hören können und wo nicht. Dazu müssen wir zuerst lernen, die Stimme des Hirten zu erkennen. Wenn der Herr uns durch den Heiligen Geist eine klare Richtungsweisung gegeben hat, so dürfen wir uns nicht von Menschen davon abbringen lassen. Wir müssen lernen, im Takt mit Gott zu sein. Wir tun erst dann den Willen Gottes, wenn wir auch nach seinem Zeitplan agieren. Möge der Herr uns das Gehör für sein "Jetzt" öffnen und uns die Geduld geben, bis dahin zu warten. Sonst sind wir nicht besser als Saul, der nicht warten konnte, bis Samuel kam um zu opfern (1Sam 13,8-13). Oft sind wir wie Musiker in einem Orchester, die nicht auf ihren Einsatz warten, sondern irgendwann einsetzen. Wenn sie ihr Instrument noch so gut beherrschen und wenn sie ihren Teil noch so gut spielen können - es wird niemals ein Wohlklang, wenn sich nicht alle vom Dirigenten den Einsatz zeigen lassen.

2.2. Maria - Sich selbst nicht wichtig nehmen

Maria hätte menschlich gesehen guten Grund, verstimmt zu sein, nachdem sie ihre wohlgemeinte Initiative verschmäht sah. Aber sie ließ sich in ihrem Vertrauen auf Jesus nicht erschüttern. Sie gab den Dienern Anweisung, den Anweisungen Jesu zu folgen. Damit stellte sie sich selbst und ihre persönlichen Gefühle ganz in den Hintergrund zu Gunsten der Sache, um die es eigentlich ging: das Problem des Weinmangels zu lösen. Dabei vertraute sie nach wie vor ganz auf Jesus. Doch lenkte sie ihre Problemlösungsinitiative jetzt in die richtigen Bahnen: Statt Jesus zu nahe zu legen, wann er was tun sollte, sorgte sie dafür, dass das Umfeld bereit war zu kooperieren, wenn Jesus aktiv werden sollte.

Was für ein Vorbild: Wie oft steht unser verletztes Ich dem Wirken Gottes im Weg. Wenn wir nur die Bedeutung unserer Gefühle im Verhältnis zur Bedeutung des Reiches Gottes klar sehen könnten, würden wir uns selbst nicht mehr so wichtig nehmen sondern vielmehr fragen, wie wir mitbauen, mitwirken können. Wenn unser Eifer in die falsche Richtung ging und wir korrigiert werden, so soll uns das nicht verdrießen, sondern wir sollen mit frischem Vertrauen in die richtige Richtung weiterwirken. Statt Gott vorzuschreiben, wann er was tun soll, sollen wir lieber uns selbst und unser Umfeld vorbereiten, auf Gottes Befehl unverzüglich mit Gehorsam zu reagieren.

2.3. Die Diener - Mutiger Gehorsam trotz Unverständnis

Das Bemerkenswerte an den Dienern war, dass sie eine sehr einfache, "niedrige" Rolle in dem Stück spielten, aber durch ihren schlichten Gehorsam wurde das Wunder Jesu verwirklicht. Wir wissen nicht viel über sie. Wahrscheinlich kannten sie Jesus nicht, dafür aber Maria. Sie gaben aufgrund der Worte Marias Jesus, von dem sie so gut wie nichts wussten, einen Vertrauensvorschuss - und zwar einen gewaltigen: Sie taten scheinbar sinnlose Arbeit, indem sie 600 Liter Wasser in Krüge füllten. Und dann folgten sie gar dem Befehl Jesu, aus den Wassergefäßen zu schöpfen und es dem Speisemeister zum Kosten zu bringen. Die Formulierung "welche das Wasser geschöpft hatten" in V.9 legt nahe, dass es sich zum Zeitpunkt des Schöpfens noch um Wasser handelte. Was für ein mutiger Glaubensgehorsam - dem Speisemeister Wasser aus Waschgefäßen zu bringen. Das hätte schlimm für die Diener ausgehen können.

Das ist eine einfache aber sehr wichtige Lektion für uns: In erster Linie gilt es, Gott zu vertrauen und im Vertrauen zu gehorchen. Wieweit wir das, was er von uns will, verstehen, ist sekundär. Auch Abraham, unser Glaubensvater erinnert uns daran. Die Glaubensprüfung war für Abraham, dass er seinen langersehnten und geliebten Sohn schlachten sollte. Aber zu dem Zeitpunkt hatte Gott Abraham so weit geformt, dass er sein Unverständnis hintan stellte und einfach gehorchte. Die Überzeugung, dass Gott treu ist und weiß, was er tut, überstrahlte alle Bedenken (Hebr 11,17-19). Und gerade diesen Glaubensgehorsam Abrahams rechnete Gott ihm hoch an (1Mo 22,16-19). Auch der Gehorsam der Diener auf der Hochzeit wurde belohnt. Wie viel Segen könnte Gott für uns und durch uns für andere wirken, wenn wir ihm doch wirklich vertrauten, statt uns um unser Unverständnis zu drehen!

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3. Offenbarung und Glaube

Zuletzt lesen wir noch, dass die Jünger an Jesus glaubten.

3.1. Die Jünger - Offenbarung als Folge von Gehorsam

Die Jünger Jesu hatten schon vorher in gewisser Weise geglaubt: Sie hatten alles verlassen und waren Jesus nachgefolgt, obwohl er noch kein Zeichen getan hatte. Dieser Glaubensgehorsam wurde jetzt belohnt, indem sie eine klare Bestätigung seiner göttlichen Herrlichkeit bekamen. "Seine Jünger glaubten an ihn" betont nicht den Gehorsamsaspekt sondern den Erkenntnis- bzw. Überzeugungsaspekt des Glaubens.

So ist das Glaubensleben wie eine nach oben laufende Spirale: Es beginnt mit wenig Erkenntnis, es folgt gehorchender Glaube aufgrund dieser Erkenntnis, Gott belohnt mit mehr Erkenntnis, wodurch wir im Glauben größere Gehorsamsschritte tun können, usw. Glaubenswachstum hat einen passiven und einen aktiven Aspekt: Wenn Gott uns einen Teil seiner Herrlichkeit offenbart, so wächst der Glaube ohne unser Zutun. Wenn Gott von uns einen Gehorsamsschritt verlangt, so müssen wir folgen. Auch damit wächst der Glaube. Beides ist notwendig. Wir können nicht nur durch göttliche Offenbarung im Glauben wachsen, denn Gott macht seine Offenbarung vom Maß unseres Gehorsames abhängig. Wenn wir Schritt halten, so werden wir ständig im Glauben wachsen und die Wunder Gottes sehen.

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4. Zusammenfassung

Wir sehen rund um das erste Zeichen Jesu in Kana verschiedene Aspekte von Glaubensgehorsam:

Lasst uns, soweit es an uns liegt, dem Herrn in allen Dingen glauben und gehorchen - ganz nach seinem Plan und in seinem Tempo, unter Selbstverleugnung und auch, wenn wir seine Wege nicht verstehen. Der Herr wird mit Wundern antworten und unseren Glauben durch die fortschreitende Offenbarung seiner Herrlichkeit stärken:

2Kor 3,18  Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht.

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