Neue Leidenschaft für Jesus

Die folgenden Gedanken sind meine Antwort auf die Frage, wie man leidenschaftlich, brennend für Jesus werden kann. Sie sind auch bei www.Nikodemus.net veröffentlicht worden.

Ich halte das für eine ganz wesentliche Frage, und das Nachdenken darüber hat in mir die Liebe zu Jesus neu entfacht. Leidenschaft für Gott (sowohl Vater als auch Sohn), für Gott brennen, ihn lieben mit allem was wir sind und haben, ist genau das, worum es in der ganzen Bibel geht. Es ist das höchste Gebot und zugleich das höchste Privileg für den Menschen, denn nichts bringt größere Erfüllung, größeres Glück als die Liebesgemeinschaft mit Gott.

"Lehrer, welches ist das größte Gebot im Gesetz? Er aber sprach zu ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand." (Matthäus 22,36-37)

An dieser Stelle ist die ganzherzige, leidenschaftliche Liebe zu Gott als Gebot ausgedrückt. Man könnte sagen: Dass Gott es gebietet, hilft mir nicht weiter. Aber ich glaube, es ist der wichtigste, erste Schritt, die absolute Notwendigkeit dieser Liebe zu Gott zu erkennen und sich folglich mit aller Kraft nach ihr auszustrecken. Es reicht nicht, fromm, anständig zu sein, christlichen Wertvorstellungen zu genügen. Wenn ich das tue (soweit dies überhaupt möglich ist) und Gott nicht ganzherzig liebe, verstoße ich gegen das wichtigste Gebot.

So weit so gut. Wie komme ich aber zu dieser Liebe? Der Schlüssel zur Liebe zu Gott ist die Erkenntnis seines wunderbaren, aller Liebe werten Charakters und im Besonderen seiner Liebe zu mir. Je mehr ich verstehe, - wie gut er ist - und wie gut er zu mir ist (wie viel er mir vergeben hat, wie viel er mir geschenkt hat und noch schenken wird), desto größer wird meine Liebe zu ihm sein:

"Ich sage dir: Ihre große Schuld ist ihr vergeben; sonst hätte sie mir nicht so viel Liebe zeigen können. Wem wenig vergeben wird, der liebt auch wenig." (Lukas 7,47)

"Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, daß Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist." (Römer 5,8)

"Hierin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, daß Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten. Hierin ist die Liebe: nicht daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden." (1. Johannes 4,9-10)

Was bedeutet das nun für mich? Was kann ich dazu tun, in der Liebe zu Gott zu wachsen? Es bedeutet, dass ich in der Erkenntnis der Liebe Gottes zunehmen muss, indem ich ihn immer besser kennen lerne. Wie lerne ich eine Person gut kennen? Indem ich möglichst viel Gemeinschaft mit ihr pflege, ihr zuhöre und mit ihr rede. Dies gilt genauso für die Beziehung zu Gott: (1) seine Nähe suchen, alles Trennende ausräumen (2) sein Wort, in dem er sich und seine Liebe offenbart, bewusst aufnehmen (3) beten

Auch folgender Bibeltext bringt zum Ausdruck, wie das Feuer entfacht wird:

"Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, wie er auf dem Weg zu uns redete und wie er uns die Schriften öffnete?" (Lukas 24,32)

Zwei Jünger begegneten Jesus nach seiner Auferstehung, ohne ihn zu erkennen. Jesus erklärte ihnen in den Schriften des Alten Testaments von Mose bis zu den Propheten das, was ihn betraf. Ihr Herz brannte,

  1. weil sie in der Nähe Jesu waren,
  2. weil er ihnen Gottes Wort erklärte,
  3. weil sie die Gelegenheit hatten, mit ihm zu reden.

Ich möchte diese drei Punkte noch etwas näher ausführen:

1. In Gottes Nähe kommen

Das ist die Voraussetzung, um mit ihm kommunizieren zu können. Es geht natürlich nicht um die räumliche Nähe sondern um die geistliche. Wenn ich mit Gott Gemeinschaft haben will, muss ich seine Bedingungen akzeptieren. Ich muss mich vor ihm demütigen, ernsthafte Reue zeigen und um Vergebung bitten, wo ich an ihm schuldig geworden bin:

"Naht euch Gott! Und er wird sich euch nahen. Säubert die Hände, ihr Sünder, und reinigt die Herzen, ihr Wankelmütigen! Fühlt euer Elend und trauert und weint; euer Lachen verwandle sich in Traurigkeit und eure Freude in Niedergeschlagenheit! Demütigt euch vor dem Herrn! Und er wird euch erhöhen." (Jakobus 4,8-10)

2. Gut zuhören

Gottes Wort hat zentrale Bedeutung für Christen. Durch sein Wort werden sie neu geboren (Jakobus 1,18), durch sein Wort erfahren sie geistliches Wachstum und zunehmende Errettung aus der Macht der Sünde (1. Timotheus 3,14-17), wenn sie es sanftmütig annehmen (Jakobus 1,21). Dazu ist es aber notwendig, gut zuzuhören, d.h. nicht einfach nur die Bibel zu lesen, sondern gründlich über das Gelesene nachzudenken: Was steht hier? Was ist der Zusammenhang? Was bedeutet das für mich? Was will Gott von mir?

3. Mit ihm reden

Beten hat viele Aspekte, ich möchte nur zwei besonders wichtige herausgreifen: Ich muss Gott das Gespräch führen lassen. Er soll bestimmen, in welche Richtung es geht. Und das geschieht dann, wenn ich ihm gut zuhöre, d.h. über sein Wort nachdenke, und dann auf das eingehe, was er gesagt hat. Das ist das Prinzip erfolgreicher Kommunikation. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass ich Gott mein Herz, mein Leben öffne, dass ich mit all meinen Sorgen und Problemen, aber auch mit all meiner Freude und Dankbarkeit zu ihm komme. Nichts hat in meinem Leben eine solch entscheidende Wirkung auf meine Liebe zu Gott gehabt wie die Qualität meines Gebetslebens: Ich weiß, dass ich nichts Besseres tun kann, um mein Brennen für den Herrn zu entfachen, als täglich (möglichst in der Früh) eine konzentrierte Aussprache mit ihm zu haben, in der ich auf seine Gedanken eingehe und dementsprechend danke und bitte.

Man kann das ganze Thema auch noch von einer anderen Seite betrachten: Das Brennen für den Herrn hat unmittelbar mit dem Heiligen Geist zu tun (siehe Römer 12,11). Wenn es sich nämlich nicht um das Brennen des Geistes sondern um ein rein gefühlsmäßiges Auflodern handelt, so wird es schnell erlöschen und auch nicht viel bewirken. Das Brennen für den Herrn ist also nur ein anderer Ausdruck für die Erfüllung mit dem Heiligen Geist.

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