Maleachi - Gottes Antwort auf die Scheinheiligkeit

Inhalt

Einleitung Hintergrund
Der Dialog
Gliederung und Zusammenfassung
Kommentar 1,1: Last des Herrn an Israel durch Maleachi
1,2-5: Woran wird die Liebe des Herrn zu seinem Volk erkannt?
1,6 - 2,9: Warum der Herr die Priester verflucht hat
2,10-16: Warum der Herr die Opfergaben Judas nicht annimmt
2,17 - 3,5: Wie die Gerechtigkeit des Herrn erkannt wird
3,6-12: Warum der Herr das Volk verflucht hat
3,13-21: Was es bringt, dem Herrn zu dienen
3,22-24: Was der Herr zu sagen hat

Einleitung

Hintergrund

Maleachis Prophetenamt fiel in das 5. Jahrhundert v. Chr., etwa 100 Jahre nach dem Dekret des Königs Kyrus, das den Juden gestattete, aus dem Exil nach Juda zurückzukehren. Als Reaktion auf die Verkündigungen der Propheten Haggai und Sacharja hatten die Juden nach der Rückkehr mit dem Wiederaufbau des Tempels begonnen und ihn im Jahr 515 v. Chr. fertiggestellt. Auch die Häuser standen wieder, und sogar die Stadtmauer von Jerusalem war in Maleachis Zeit höchstwahrscheinlich durch die Leute Nehemias wiederaufgebaut bzw. ausgebessert worden.

Das Leben damals war nicht einfach. Juda stand unter der politischen Verwaltung Persiens ("Statthalter", in Mal 1,8; "Fürst", ist ein persischer Titel, den auch Esr 5,3.6.14; 6,6- 7,13 und Dan 3,2-3.27; 6,7 benutzen). Die Ernten fielen schlecht aus, und zudem gab es immer wieder verheerende Heuschreckenplagen (Mal 3,11). Die meisten Menschen standen Gott innerlich gleichgültig oder sogar ablehnend gegenüber. Sowohl die Priester als auch das Volk hielten die mosaischen Gebote über Opfergaben und -zeiten und über die Abgabe des Zehnten nicht ein. Die Menschen hatten kein Vertrauen in die Bundesverheißungen mehr, wie die zahlreichen Mischehen mit Heiden, die vielen Scheidungen und die doppelbödige Moral zeigten. [1]

Der Dialog

Maleachi weist ein im AT einzigartiges stilistisches Merkmal auf: Es ist ein Dialog zwischen dem Herrn und seinem Volk:

Der Herr spricht

spricht der HERR (4x): 1,2.13; 3,13
spricht der HERR, der Gott Israels (1x): 2,16
spricht der HERR der Heerscharen (21x): 1,4.6.8.9.10.11.13.14; 2,2.4.8.16; 3,1.5.7.10.11.12.17.19.21

Hauptsächlich offenbart sich Gott als der Herr der Heerscharen, der Herr der himmlischen Kriegsheere. Dies unterstreicht die Botschaft vom drohenden Gericht am Tag des Herrn. Mit Gott kann man keine scheinheiligen Spielchen spielen. Er ist zu fürchten.

Das Volk spricht

Wenn man die Stellen betrachtet, in denen das Volk bzw. die Priester reden, bekommt man einen guten Überblick über ihre zwiespältige und respektlose Haltung gegenüber dem Herrn. Sie stellen 8 heuchlerische Fragen, mit denen sie sich gegen Gottes Anklagen wehren und so tun, als wären sie unschuldig:

Aber der Herr durchschaut ihre Heuchelei und offenbart, was sie tatsächlich sagen:


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Gliederung und Zusammenfassung

1,1: Last des Herrn an Israel durch Maleachi:

1,2-5: Woran die Liebe des Herrn zu seinem Volk erkannt wird

Ich habe euch geliebt.

Worin hast du uns geliebt?

Indem ich euch, die Nachkommen Jakobs, gesegnet habe - im Gegensatz zu Esau, dessen Nachkommen ich auf ewig verflucht habe.

1,6 - 2,9: Warum der Herr die Priester verflucht hat

Ehrt mich als Vater und fürchtet mich als Herrn, statt meinen Namen zu verachten.

Womit haben wir deinen Namen verachtet?

Indem ihr Unreines auf meinen Altar gebracht habt.

Womit haben wir dich unrein gemacht?

Indem ihr mir den "Ausschuss" opfert, was ihr eurem Statthalter gegenüber niemals wagen würdet. Solche Opfer könnt ihr euch überhaupt sparen. Die Heiden bringen mir reinere Opfer als ihr, die ihr widerwillig und "billig" opfert.
Ich werde einen Fluch über euch bringen, wenn ihr meinem Namen nicht Ehre gebt, denn ihr habt den Bund gebrochen, den ich mit eurem Vater Levi geschlossen habe.

2,10-16: Warum der Herr die Opfergaben Judas nicht annimmt

Juda hat sich durch Heirat von ausländischen Götzendienerinnen versündigt. Ihr weint, weil ich eure Opfergaben nicht wohlgefällig annehme.

Weswegen (nimmst du sie nicht an)?

Weil ihr die Frauen eurer Jugend verstoßen habt. Der Herr hasst Scheidung.

2,17 - 3,5: Wie die Gerechtigkeit des Herrn erkannt wird

Ihr ermüdet den Herrn mit euren Worten.

Womit ermüden wir ihn?

Indem ihr sagt, dass Gott ungerecht ist.
Ihr werdet meine Gerechtigkeit sehen, wenn ich meinen Boten vor mir hersenden und plötzlich kommen werde, um Gericht und Läuterung über die Söhne Levis und Judas zu bringen, damit sie mir reine Opfer bringen.

3,6-12: Warum der Herr das Volk verflucht hat

Ich habe mich nicht geändert, ihr aber seid immer schon von meinen Ordnungen abgewichen. Kehrt um zu mir, so werde ich zu euch umkehren.

Worin sollen wir umkehren?

Ihr beraubt mich.

Worin haben wir dich beraubt?

In euren Abgaben. Mein Fluch ist schon auf euch, und trotzdem beraubt ihr mich weiterhin.
Gebt mir die Abgaben, die mir gebühren, und ich werde euch segnen, so dass alle Nationen euch glücklich preisen werden.

3,13-21: Was es bringt, dem Herrn zu dienen

Eure Worte sind anmaßend gegen mich.

Was bereden wir gegen dich?

Ihr sagt: "Es bringt uns nichts, Gott zu dienen und zu ihm umzukehren, denn wir sehen, wie die Gottlosen gedeihen."
Aber einige fürchten Gott und reden nicht so. An seinem Tag wird der Herr die Gottlosen verbrennen, aber die ihn fürchten, werden reich belohnt werden.

3,22-24: Was der Herr zu sagen hat

Bewahrt das Gesetz des Mose. Bevor der große und furchtbare Tag des Herrn kommt, werde ich euch den Propheten Elia senden, um Väter und Söhne zu einander zu bekehren. 


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Kommentar

1,1: Last des Herrn an Israel durch Maleachi

Das hebräische Wort, das manche mit Ausspruch übersetzen, bedeutet eigentlich Last. Es handelt sich um etwas Schwerwiegendes, um etwas Bedrückendes. Es wird von den Propheten prinzipiell im Zusammenhang mit Schreckensbotschaften verwendet (siehe z.B. Jes 13,1; Nah 1,1). Wie wir sehen werden, mangelt es den Empfängern dieser "Last" an Gottesfurcht. Schon im ersten Vers zeigt sich das Anliegen des Buches, nämlich das Volk dazu zu bewegen, Gott ernst zu nehmen, ihn zu ehren, ihn zu fürchten.

1,2-5: Woran wird die Liebe des Herrn zu seinem Volk erkannt?

Die Liebe des Herrn zu Israel wird durch den Kontrast zu Esau und seinen Nachkommen erkannt. Gott hat die Edomiter auf ewig verflucht. Dagegen hat Israel die Verheißungen und den Segen Gottes in alle Ewigkeit - auch wenn es sich lange Zeit selbst um den vollen Segen gebracht hat.

Edom

Gottes Gerichtsankündigungen über Edom: 4Mo 20,17-18; Ps 137,7; Hes 25,12-14; Hes 35; Jer 49,7-22; Ob 1,10-15
Die Vollziehung des Gerichts war zu Zeiten Maleachis schon sichtbar:

Sowohl Israel als auch Edom wurden im 6. Jahrhundert v. Chr. durch die Babylonier von Gott gerichtet (Jer 27,2-8). Doch Gott versprach wiederholt, Israel wiederherzustellen (gemäß seiner Verheißungen bei der Bundesschließung; 5Mo 4,29-31; 30,1-10); Edom dagegen überließ er der völligen Vernichtung, von der es sich nie erholen sollte (Jer 49,7-22; Hes 35).
...
Im fünften Jahrhundert besetzten die Nabatäer, ein arabischer Stamm, Edom (das im Süden und Osten Judäas lag) und zwangen die Edomiter, in das Wüstengebiet nach Westen auszuweichen, das später als Idumäa bekannt wurde. Im vierten Jahrhundert eroberten die Nabatäer dann auch Idumäa. [2]

Edom hat sich Gottes Gericht durch seine Grausamkeit gegenüber dem Volk Gottes zugezogen. Und schon für Esau, ihren Stammvater gilt: Er war ein Gottloser, der den Segen verschmähte (Hebr 12,16-17). Das ist die eine Seite der Münze, die andere Seite ist, dass Gott Jakob erwählte und Esau verwarf, noch bevor sie Gutes oder Böses getan hatten (Röm 9,11-13). Wir müssen beide Wahrheiten festhalten und richtig anwenden. Völlig verstehen werden wir den Zusammenhang erst, wenn wir beim Herrn sind.

Die erwählende Liebe

Die hebräischen Worte für "lieben" und "hassen" beziehen sich nicht auf Gottes Emotionen, sondern auf seine Bevorzugung des einen Stammes vor dem anderen als Bundespartner (vgl. 1Mo 29,31-35; 5Mo 21,15.17; Lk 14,26). Jemanden zu hassen, bedeutete, ihn abzulehnen und sich von jeglicher liebenden Bindung an ihn loszusagen (vgl. Ps 139,21). [3]

In diesem letzten atl. Buch wird Gottes erwählende, souveräne, unverdiente und anhaltende Liebe zu Israel (vgl. Röm 9,13) vom Herrn selbst nachdrücklich und deutlich wiederholt und durch die Erwählung Jakobs und seiner Nachkommen illustriert. Absolut ohne Bedingungen und menschliche Verdienste erwählte Gott Jakob und seine Nachkommen zu seinen Erben der Verheißung (vgl. Röm 9,6-29). Niemand sollte zu dem Schluss kommen, dass Gott sein Volk nicht liebte, weil er es heimsuchte, sondern er liebte das Volk, weil er es erwählt hatte. [4]

Die Liebe Gottes zu seinem Volk Israel ist fester Bundesbestandteil:

5Mo 10,12-16: "... nur deinen Vätern hat der HERR sich zugeneigt, sie zu lieben. Und er hat ihre Nachkommen nach ihnen, nämlich euch, aus allen Völkern erwählt ..."

Am 3,2 Nur euch habe ich von allen Geschlechtern der Erde erkannt; darum werde ich an euch alle eure Sünden heimsuchen.

Am 3,2 ist eine Kurzfassung des Themas von Maleachi: Weil Gott sein Volk liebt, nimmt er es in Zucht und läutert es.

Ähnlich ist es mit der Liebe Gottes zur Gemeinde Christi. Wir sehen z.B. in den ersten drei Kapiteln des Epheserbriefes, welche Segnungen uns durch Gottes Erwählung (Eph 1,4) zuteil geworden sind. Auf dieser Grundlage aufbauend fordert Paulus im Rest des Briefes einen Lebenswandel ein, der dieser Erwählung und Berufung würdig ist (Eph 4,1).

Röm 8,28-39: Gemäß Gottes ewigem Vorsatz hat er uns schon zuvor (d.h. bevor wir noch existierten) in erwählender/liebender Zuwendung erkannt und bestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein. Als es ihm gefiel (Gal 1,15-16), hat er uns dann berufen. Die vorher Erkannten sind zugleich die zur Sohnschaft Bestimmten, die Berufenen, Gerechtfertigten und Verherrlichten. Gottes Liebe zu uns ist durch nichts anderes bedingt als durch seine freie Gnadenwahl. Daher kann nichts und niemand uns von dieser Liebe trennen. Darum brauchen wir uns auch vor keiner Anklage zu fürchten. Wenn Gott, der souveräne Gesetzgeber und Richter uns erwählt hat, um uns in Christus zu begnadigen ganz unabhängig von unseren Werken (siehe auch Eph 2,8-9) - wer will uns dann anklagen?

Wir sehen aber die Liebe Gottes nicht nur an unseren Segnungen. Manchmal - z.B. wenn wir undankbar geworden sind - erinnert uns der Herr daran, wie schlimm es um uns stehen würde, wenn er sich nicht in Liebe uns zugewandt hätte. Dies ist der Hauptgedanke von V. 2-5. Eine Parallele dazu finden wir in Ps 73, wo Asaph beschreibt, wie er fast zu Fall gekommen ist, als er sah, wie es den Gottlosen gut ging. Erst als er in das Heiligtum Gottes ging und auf ihr Ende sah (V. 17), erkannte er, wie furchtbar ihr Schicksal war und wie gesegnet er selbst war.

1,6 - 2,9: Warum der Herr die Priester verflucht hat

Vater und Herr

Gott ist seinem Volk - und hier speziell den Priestern - Vater (2Mo 4,22; Hos 11,1) und Herr (2Mo 20,2). Dementsprechend sind sie ihm Ehre und Furcht schuldig. Doch beides sind sie ihm schuldig geblieben, denn sie verachten ihn, indem sie sagen:

Wertlose Opfer

Die Verachtung der Priester gegenüber Gott drückt sich darin aus, dass sie Gott den "Ausschuss", die "zweite Wahl" der Tiere opfern. Sie opfern das, was für sie von minderem Wert ist. Aber solche Opfer sind im doppelten Sinn wertlos: Sie haben keinen Wert vor Gott. Es wäre besser, gleich gar nicht opfern. Denn die heuchlerischen, wertlosen Opfer, die die Priester darbringen sind ein Affront gegen den Herrn. Sie fordern ihn heraus, denn sie greifen seine Ehre an.

Wie sieht es mit unseren Opfern für den Herrn aus? Das wichtigste Opfer unsererseits ist das Opfer unseres Leibes, unseres ganzen Lebens, d.h. unsere völlige Hingabe an Gott (Röm 12,1-2). Kein Lebensbereich soll dabei ausgeschlossen sein. Ob wir diese Hingabe ernstnehmen oder nicht zeigt sich in verschiedenen Bereichen:
Bekommt Gott das Beste oder die Reste

Und wie sieht es mit unserer Einstellung zu Gott als Vater und Herr aus? Wir müssen beide Seiten im Auge behalten: Wir dürfen Gott zwar als Vater in Vertrautheit begegnen, aber wir dürfen nicht vergessen, dass er der Herr ist, der über Leben und Tod, über Segen und Fluch entscheidet.

Mt 10,28-31: In diesen Versen haben wir beide Seiten: Wir sollen Gott als denjenigen fürchten, der Leib und Seele in der Hölle verderben kann, aber wir sollen vor nichts Angst haben, weil wir einen Vater im Himmel haben, der für uns sorgt.

Wahre Anbeter unter den Heiden

Die volle Erfüllung dieser Stelle werden wir zwar erst im 1000-jährigen Reich erleben, aber schon damals galt: Sogar unter den Heiden gab es Menschen, die reinere Opfer darbrachten als die Juden. Es klingt zwar unglaublich, dass auf der ganzen damals besiedelten Erde dem wahren Gott Opfer dargebracht wurden, aber wir müssen bedenken, zu welchem Zeitpunkt Maleachi das schreibt: ca. 100 Jahre nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil, also nicht lange nachdem der Befehl des Königs Darius an alle Völker, Nationen und Sprachen, die auf der ganzen Erde wohnten, erging, den Gott Daniels zu fürchten (Dan 6,26-28). Davor hatte schon König Nebukadnezar an alle Völker, Nationen und Sprachen, die auf der ganzen Erde wohnten, von den Zeichen und Wundern geschrieben, die der höchste Gott an ihm getan hatte (Dan 3,31-33).

Außerdem gab es vielleicht auch damals vereinzelt Menschen wie Melchisedek, die den Gott des Himmels kannten und anbeteten, ohne dabei im Bunde Gottes mit Abraham und dem Volk Israel zu stehen. Sie hatten offenbar noch von Noah her und/oder durch persönliche Offenbarung Kenntnis über Gott.

Das führt mich zu der Überlegung, dass auch wir - und hier sind im Besonderen Prediger, Lehrer und Hirten angesprochen - die wir die Bibel gut kennen, manchmal weniger Ehrfurcht vor Gott haben, als manch einer, der mit weniger Verständnis aber mehr Ernsthaftigkeit versucht, Gott zu gefallen. Das ist schändlich und sollte nicht so sein.

Der Bund mit Levi

Der Herr wird einen Fluch über die Priester bringen, wenn sie seinem Namen nicht Ehre geben, denn er hat einen Bund mit ihrem Vater Levi geschlossen. Der Herr gab ihm Leben und Frieden, und er fürchtete den Herrn und gab gute Weisung in seinem Namen. Aber die Priester zur Zeit Maleachis brechen den Bund, indem sie den Herrn verachten und (durch ihre Vorbildwirkung) verächtlich machen. Daher macht der Herr sie verächtlich.

Der Bund mit Levi:

Der Mund spielt eine bedeutende Rolle bei diesem Dienst. Deshalb ist es so wichtig ihn für Gott zu heiligen und von allem eitlen, unnützen, unheiligen, herablassenden, verleumderischen, böswilligen Reden zu reinigen (siehe Jak 3,1-12).

Wir können diesen Abschnitt über den Bund mit Levi in zweifacher Weise für uns anwenden:

  1. Wir sind im Neuen Bund alle Priester Gottes. Wir stehen alle im Bund mit Gott: Er gibt uns Leben und Frieden und wir geben ihm Ehre und fürchten ihn. Wir haben alle die Verantwortung, unseren Mund für Gott zu heiligen, um seine Wahrheit zu verkündigen und viele zur Umkehr von Schuld zu bringen.
  2. Es gibt auch im Neuen Bund solche, die Gott mit besonderer Verantwortung für seine Gemeinde betraut hat: Hirten, Lehrer, Älteste, geistliche Väter - sie sind diejenigen, die innerhalb der Gemeinde Christi zuverlässige Weisung geben sollen. Sie müssen in besonderer Weise auf ihre Worte Acht geben, weil sie aufgrund ihrer Verantwortung von Gott strenger beurteilt werden (Jak 3,1-2). Sie müssen in ihrem Wandel mit Gott (in Frieden und Geradheit) als Vorbilder vorangehen.

2,10-16: Warum der Herr die Opfergaben Judas nicht annimmt

V. 10 hebt sich vom übrigen Buch ab, weil hier weder der anklagende Herr spricht, noch das sich gegen die Anklage wehrende Volk, sondern der Prophet in einer Mittlerrolle. Mit drei Fragen ruft er zur Besinnung:

Der Prophet spricht in der Wir-Form. Er ist kein Außenstehender sondern Teil des Volkes und somit ein geeigneter Mittler. Er spricht zwar für den Herrn, schließt sich selbst aber nicht aus, wenn er von der Treulosigkeit des Volkes redet. Eine ähnliche Haltung finden wir bei Daniel (Dan 9) und Esra (Esr 9). Als Mittler weist er auf den Herrn hin, der ihr Vater und Schöpfer ist (ähnlich wie in Kap. 1,6), und zwar nicht nur in einem allgemeinen Sinn - er ist ja der Schöpfer aller Menschen - sondern speziell als Vater und Schöpfer der Nation Israel (5Mo 32,6). Und zwar ist er

Auch für uns im Neuen Bund gilt: Gott ist unser Vater - er hat uns in der Wiedergeburt neues, geistliches Leben geschenkt - und unser Schöpfer - er hat jeden einzelnen von uns als neue Schöpfung in Christus erschaffen (2Kor 5,18; Eph 2,10) und er hat alle gemeinsam zu einem neuen Menschen, zu einem Leib (Eph 2,15) erschaffen. Daraus folgt, dass wir Gott als Vater ehren und lieben und dass wir auch unsere Geschwister lieben sollen (1Jo 5,1).

Die Entweihung des auserwählten Volkes

Den Hintergrund für die Anklage in V. 11 lesen wir in Neh 13:

Nehemia zeigt dem Volk die große Gefahr der Mischehen auf: Wenn Salomo, der größte und weiseste aller israelitischen Könige, der Geliebte des Herrn durch ausländische Frauen zu Fall kam, wie viel mehr sie?
Warum war es nicht gut für Israel, sich mit den heidnischen Völkern zu vermischen? Weil es der Herr eindeutig verboten hat (2Mo 34,11-16; 5Mo 7,3-4). Der Grund: Die Verbindung mit Ausländern, die Götzen anbeteten, würde sie geistlich zu Fall bringen.

Der Prophet erklärt in V. 12, dass es nichts nützt, dem Herrn Opfer zu bringen, wenn man ihm gleichzeitig nicht gehorcht. Der Herr wird diejenigen, die sich vermischen, samt ihren Nachkommen ausrotten.

Wir müssen aufpassen, dass wir nicht versuchen, Geistliches mit Fleischlichem, Göttliches mit Weltlichem zu vermischen, um auf diese Weise Frucht zu bringen. Das, was aus solcher Vermischung hervorkommt, wird sich immer weiter von der göttlichen Reinheit entfernen, die Gott für seine Gemeinde geplant hat. Man könnte als Beispiel weltliche Musik, weltliche Psychologie und Ähnliches anführen: Wenn wir denken, wir könnten damit die Attraktivität des Evangeliums aufbessern und mehr Frucht für den Herrn bringen, so sitzen wir einem Betrug auf. Der Geist Gottes hat die weltlichen Mittel nicht nötig, im Gegenteil sie behindern sein Wirken.

Die Entweihung der Familie

Und noch einen Grund gibt es dafür, dass Gott die Opfer des Volkes nicht wohlgefällig annimmt: Weil sie sich von den Frauen ihrer Jugend scheiden ließen, oder anders übersetzt: weil sie sie wegschickten. Der Herr hasst Scheidung, denn sie ist der Bruch eines Bundes, der vor dem Herrn geschlossen wurde.
V. 15 ist schwer zu übersetzen. Man kann nicht eindeutig sagen, was er bedeuten soll. Folgende englische Übersetzung (American Standard Version; Authorised Version und Webster Bible übersetzten ähnlich) scheint mir am besten in den Zusammenhang zu passen:

Mal 2,15 And did he not make one, although he had the residue of the Spirit? And wherefore one? He sought a godly seed. Therefore take heed to your spirit, and let none deal treacherously against the wife of his youth.

Ins Deutsche übersetzt bedeutet das:

Und hat er nicht eine(n) gemacht, obwohl er den Überrest des Geistes hatte. Und warum eine(n)? Er suchte göttliche Nachkommenschaft. So behütet euren Geist, und handelt nicht treulos an der Frau eurer Jugend.

Gott hat nur eine Frau für Adam erschaffen, obwohl er genug Lebensgeist für viele Frauen gehabt hätte. Aber weil die lebenslange Einehe die geeignetste Umgebung ist, um göttliche Nachkommen großzuziehen, hat Gott genau eine Frau für Adam geschaffen mit dem Ziel, dass die beiden eins werden sollten. Göttliche Nachkommenschaft ist wichtig im Bund Gottes mit den Menschen - sowohl die physische als auch die geistliche Nachkommenschaft. Es geht nie allein um uns, es geht immer auch um diejenigen, die uns anvertraut sind, für die wir Verantwortung haben, sie zu erziehen und zu lehren (sowohl geistlich als auch familiär).
Die Übersetzung "Und hat er sie nicht zu einem gemacht" ergibt einen ähnlichen Sinn: Gott hat Mann und Frau zusammengefügt, und was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden (Mt 19,6), denn die Einheit ist wichtig für das Gedeihen der Nachkommenschaft.

2,17 - 3,5: Wie die Gerechtigkeit des Herrn erkannt wird

Zweifel an Gottes Gerechtigkeit

Dieser Abschnitt beginnt mit folgender Anklage des Herrn:

Ihr ermüdet den HERRN mit euren Worten ... damit, daß ihr sagt:
Jeder, der Böses tut, ist gut in den Augen des HERRN, und an solchen hat er Gefallen;
oder: Wo ist der Gott des Gerichts?

Weil die Israeliten in ihrem Unglauben nicht sehen, dass Gott Sünde bestraft, meinen sie, Gott habe Wohlgefallen an der Sünde, oder aber er bestrafe sie aus irgendeinem anderen Grund nicht. Dabei sollten sie erkennen, dass ein Zusammenhang zwischen ihren Sünden und dem Nicht-Gelingen ihres Lebens besteht - immerhin geht es ihnen so schlecht, dass sie Tränen vergießen (2,13). Warum weinen und stöhnen sie?

Statt also zu meinen, der Herr sehe dem Unrecht einfach zu, sollten sie erkennen, dass er sie züchtigt. So hätten sie eine Chance zur Umkehr. Aber dadurch, dass sie die Züchtigung nicht erkennen und schon gar nicht annehmen, verfallen sie dem Gericht Gottes. Zu seiner Zeit wird der Herr nämlich plötzlich kommen, um zu läutern und um alle zu richten, die ihn nicht fürchten. Sein Kommen wird ganz anders sein als die Juden, die seine Gerechtigkeit anzweifeln, es sich vorstellen. Sie denken, er müsse bestimmte Menschen, die sie als Sünder einstufen (im Besonderen ihre Feinde), richten. Deshalb wünschen sie die Ankunft des Herrn herbei (siehe auch Am 5,18), aber sie werden sich noch wundern, denn sie werden dann selbst durch das Feuer des Schmelzofens gehen, und diejenigen, die ihn verachten, werden darin verderben. Sie erwarten einen Messias, der ihnen zu Stärke, Größe und Segen verhilft, aber sie übersehen dabei die Heiligkeit Gottes; es fehlt ihnen an Gottesfurcht. Sonst würden sie durch Mose und die Propheten verstehen, dass der Segen mit Gehorsam und Heiligung zusammenhängt. So aber verwechseln sie das kommende Friedensreich mit der Erfüllung ihrer egoistischen und von Gott unabhängigen Träume.

Wer kann den Tag seines Kommens ertragen?

Freigemacht von Schuld und Strafe, ewig frei und völlig rein,
hast du Hirte deine Schafe, dort in deines Kreuzes Pein.
Freigemacht, ja freigemacht! Freigemacht, ja freigemacht!
Ewig frei von Schuld und Strafe durch das Blut an deinem Kreuz

Ruhe fand hier mein Gewissen, denn Sein Blut - o reicher Quell! - 
hat von allen meinen Sünden mich gewaschen rein und hell
 

Statt zynisch Gottes gerechtes Richten in Frage zu stellen, sollten wir lieber prüfen, ob nicht manches, was schief in unserem Leben läuft, darauf zurückzuführen ist, dass wir Gott nicht gebührend fürchten und ehren.
Wie sieht es mit unserer Erwartungshaltung in Bezug auf den Herrn aus? Erwarten wir, dass er uns unsere selbstsüchtigen Wünsche erfüllt? Ist es das, was wir uns unter erfülltem Leben vorstellen? Oder haben wir verstanden, dass nicht in den Gaben selbst der wahre Segen liegt, sondern in der Gemeinschaft mit dem Geber? Für diese Gemeinschaft aber ist unsere Heiligung unabdingbar, denn Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsternis.

Das Kommen des Herrn

Wir wissen, dass es zwei Kommen des Herrn gibt. Johannes der Täufer war der Bote, der Wegbereiter des Herrn Jesus bei seinem ersten Kommen (Mt 11,10). Der Herr Jesus kam beim ersten Mal plötzlich zu seinem Tempel und reinigte ihn mit göttlichem Eifer (Joh 2,13-25). Aber die vollständige Erfüllung dieser Stelle steht noch aus: Auch bei seinem zweiten Kommen wird dem Herrn ein Bote vorangehen (siehe auch Mal 3,23), und dann wird er auf vollkommene Weise den Tempel reinigen, sein Volk läutern und die Gottlosen richten. Dann wird die Opfergabe Judas und Jerusalems dem HERRN angenehm sein, wie in den Tagen der Vorzeit und wie in den Jahren der Vergangenheit.

In 3,5 finden wir eine Aufzählung der Sünden, gegen die der Herr als Zeuge auftreten und die er richten wird:

Verhalten führt zu Gericht führt zu Segen
gegenüber Gott:   Zauberei, keine Furcht   Treue, Furcht
gegenüber der Familie:   Ehebruch   Treue
gegenüber den Nächsten:   falsches Schwören   Wahrhaftigkeit
gegenüber den Schwachen:  Unterdrückung und Ausbeutung         Barmherzigkeit      

3,6-12: Warum der Herr das Volk verflucht hat

Der Herr ändert sich nicht

V. 6 ist eine Überleitung: Denn ich, der HERR, verändere mich nicht, darum seid ihr, Kinder Jakobs, nicht aufgerieben worden. (Schlachter). Es kann auch übersetzt werden: ... werdet ihr nicht vernichtet werden (Unrev. Elb.).
Gerade hat der Herr angekündigt, dass er zum Gericht kommt. Hat er sich verändert? Hat er es bereut, Israel erwählt zu haben und verwirft er es jetzt? Nein, er bleibt seiner Verheißung treu, daher wird Israel im Gericht nicht völlig vernichtet werden. Und das obwohl sie seit den Tagen ihrer Väter von seinen Ordnungen abgewichen sind (siehe auch 5Mo 4,31; Jes 48,8-11). Aber er läutert sein Volk und gibt immer wieder die Chance zur Umkehr, so dass für einen Überrest die Bundes-Verheißungen in Erfüllung gehen. Die Gewissheit der Erfüllung aller Verheißungen ist nicht in der Treue des auserwählten Volkes begründet, sondern in der Treue des verheißenden Gottes. Er bleibt seinem Wort treu, denn es geht um seine Ehre - er wird nicht zulassen, dass sein Name entweiht wird (Jes 48,11). Das bedeutet zwar, dass viele Israeliten dem Gericht Gottes verfielen und verfallen werden - genau so, wie er es durch Mose angekündigt hatte -, aber es bedeutet auch, dass er einen Überrest läutern und sich an ihm verherrlichen wird. So wie er dafür sorgte, dass die messianische Linie von Adam und Eva bis Jesus trotz aller Versuche des Teufels nicht unterbrochen wurde, so sorgt er dafür, dass sich Israel bekehren und dem Herrn ein Zeugnis sein wird. Siehe auch Hes 36,22-23 und Röm 11,25-29.

Ihr beraubt mich

Auf den Vorwurf des Herrn, sie hätten seine Ordnungen nicht beachtet, und auf seine Aufforderung zur Umkehr antworten die Juden: Worin bzw. wieso sollen wir umkehren? Und sie wollen auch nicht den Vorwurf Gottes verstehen, dass sie ihn berauben. Es spricht von schlimmer Verstockung, wenn man eindeutige Sünden und die Entfernung von Gott im Gewissen nicht mehr spürt - und das trotz seinem Reden.

Im Gesetz des Mose gibt es klare Vorschriften über die für den Herrn zu entrichtenden Abgaben (2Mo 29,27-28; 4Mo 15,19-21; 18,24-29). Der Zehnte und das Hebopfer dienten dazu, die Leviten und die Priester zu versorgen und den Dienst im Heiligtum aufrecht zu erhalten. Zu Zeiten Maleachis wurden diese Abgaben nicht entrichtet (Neh 13,10), sodass die Leviten und Sänger nicht mehr im Heiligtum dienten, sondern auf ihre Felder gingen, um für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Unter Nehemia gab es eine geistliche Erneuerung, die auch die Ordnung der Abgaben mit sich brachte (Neh 10,36-40). Dementsprechend groß war auch die Freude am Herrn, an seinem Dienst und an seinen Dienern (Neh 12,43-45).
Wir sehen also, dass das Volk genauso Schuld trug wie die Priester, die den Tisch des Herrn verachteten: Dadurch, dass sie die Priester nicht unterstützten, war für diese die Versuchung umso größer, sich ihren Anteil auf unrechtmäßige Weise zu holen.

In der Anwendung bedeutet dies, dass einerseits die Ältesten, Hirten, Lehrer und Evangelisten eine besondere Verantwortung vor Gott haben, seinen Namen zu heiligen und dass Gott sie zuerst zur Rechenschaft zieht, wenn sie ihn verachten. Andererseits aber tragen alle Gemeindeglieder Mit-Verantwortung für das geistliche Gedeihen oder den Niedergang der Gemeinde, denn sie haben ihren Anteil an der Aufrechterhaltung der Arbeit im Reich Gottes:

Fluch und Segen

Ab V. 9 werden die Folgen für die Beraubung des Herrn beschrieben; in einem Wort: Fluch. Als Auswirkungen werden in V. 10-11 mangelnder Regen und Verheerung der Ernte durch Heuschrecken angeführt, sowie die Verachtung Israels durch die Heiden (V. 12). Der Segen Gottes zeigt sich im genauen Gegenteil, nämlich vom Himmel herabströmender Segen, Regen, reiche Ernten und Hochachtung seitens der Nationen zum Zeugnis für den Herrn. Der Weg vom Fluch zum Segen ist nicht weit: Er besteht in der Umkehr zum Herrn. Was ist Umkehr? Ein Gebet um Vergebung? Ein guter Vorsatz? Nein, das alles gehört dazu, aber vor allem ist Umkehr Gehorsam gegenüber dem Herrn: ihm geben, was ihm gebührt.
Auch im Neuen Bund gibt es keine Buße bzw. Umkehr ohne Gehorsam. Gewiss, wir sind aus Gnade gerettet und nicht aus Werken, aber jede echte Buße drückt sich durch Unterordnung unter den Herrn aus. Das ist eine Änderung der Einstellung ihm gegenüber, die in einem Wandel des Gehorsams Früchte trägt. Daher spricht Paulus auch vom Glaubensgehorsam (Röm 1,5; 16,26). Natürlich ist der Gehorsam nicht von Anfang an vollkommen. Darum braucht es immer wieder Umkehr und Vergebung. Der Gehorsam ist kein Werk, das wir aus uns alleine hervorbringen könnten. Vielmehr überführt uns der Heilige Geist von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht und bewirkt, dass wir Gott fürchten und uns im gehorsamen Glauben an Christus wenden - auf ihn vertrauen wir sowohl, was die Vergebung betrifft, als auch was die Kraft zum Gehorsam betrifft. Er ist unsere Gerechtigkeit und unsere Heiligung (1Kor 1,30).

Segen bis zum Übermaß: Was für eine Verheißung! Der Herr ist nicht kleinlich im Segnen, er möchte den Becher seiner Kinder zum Überfließen bringen (Ps 23,5). Wie viel mehr gilt das für uns im Neuen Bund, die wir in Christus mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt gesegnet sind (Eph 1,3). Er hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in der Himmelswelt in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeitaltern den überragenden Reichtum seiner Gnade in Güte an uns erwiese in Christus Jesus. (Eph 2,6-7)
Man kann es auch so ausdrücken:

Öffnete der Herr im Alten Bund die Fenster des Himmels und ließ Segen im Überfluss auf sein Volk herabströmen, so öffnete er in Christus die Tür des Himmels und lässt uns in das Meer der himmlischen Segnungen hineintauchen.

V. 12: Im Alten wie im Neuen Bund hat Gott dasselbe Ziel: sich ein heiliges Volk zu erziehen, es im Überfluss zu segnen, sodass es ihn vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt verherrlicht. Siehe dazu auch 1Mo 12,2; Hes 36,22-23; Eph 1,3-6.
Land des Wohlgefallens: dasselbe hebräische Wort kommt schon in 1,10 vor (Ich habe kein Gefallen an euch). Der Herr wird durch seine Erziehung aus Leuten, an denen er kein Wohlgefallen hat, ein Land des Wohlgefallens machen: ein Wohlgefallen für den Herrn und ein Wohlgefallen für die Nationen. Sie werden sehen wie schön ein göttlicher Charakter ist. Aber um dieses Ziel zu erreichen, das Israel, der Knecht des Herrn, verfehlte (Jes 41,8-9; 42,22-25), musste der Herr erst einen anderen Knecht zubereiten, an dem er Wohlgefallen hatte - Jesus Christus (Jes 42,1-8). Durch ihn wird auch Israel zu dem ursprünglichen Ziel gelangen, nämlich dem Herrn wohlgefällig zu sein und ihm Ehre zu bereiten (Jes 43,1).

So ist es auch mit uns, die wir von Natur aus in unseren Sünden und Übertretungen dem Herrn nicht wohlgefällig sein können: Der Vater sandte Christus, den Sohn, an dem er Wohlgefallen fand (Mt 17,5). In ihm hat er auch uns auserwählt, dass wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe (Eph 1,4). Er hat uns vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein (Röm 8,29), sodass auch wir wohlgefällig in seinen Augen sein können. Vom juristischen Standpunkt sieht er uns jetzt schon so, wenn wir unsere Sünden bekennen und uns mit der Gerechtigkeit des Herrn Jesus bekleiden. Sein Erziehungsziel ist es, unseren Charakter und unseren Wandel immer mehr in die Ähnlichkeit Jesu zu verwandeln. Eines Tages wird er dieses gute Werk, das er in uns angefangen hat, vollenden (Phil 1,6).

3,13-21: Was es bringt, dem Herrn zu dienen

In diesem Abschnitt begegnen wir zwei Gruppen von Menschen: Die einen meinen, es lohne sich nicht, Gott zu dienen, Abgaben für das Heiligtum zu geben und in Trauer zum Herrn umzukehren. Sie meinen, die Gottlosen seien glücklich und bleiben vom Gericht verschont. Die anderen dagegen reden in der Furcht Gottes miteinander. Das Schicksal dieser beiden Gruppen könnte nicht unterschiedlicher von einander sein:

Die den Herrn fürchten Die den Herrn nicht fürchten
  • Der Herr gibt ihnen Leben und Frieden (2,5)
  • Der Herr hört, was sie reden. Ein Buch der Erinnerung wird für sie geschrieben. (3,16)
  • Sie werden am Tag des Herrn sein Eigentum sein (3,17)
  • Er wird sie schonen wie ein Vater seinen Sohn. (3,17)
  • Sie werden sich in Gottes Gerechtigkeit sonnen und durch sie Heilung erfahren. (3,20)
  • Sie werden vor Freude springen wie Kälber, die aus dem Stall hinaus auf die Weide dürfen. (3,20)
  • Die Gottlosen werden Staub unter ihren Füßen sein. (3,21)
  • Der Herr wird an sie herantreten zum Gericht und ein schneller Zeuge gegen sie sein. (3,5)
  • Der Herr wird sie verbrennen wie Strohstoppeln. (3,19)
  • Sie werden von den Gottesfürchtigen zertreten werden. (3,21)

Die Furcht vor Gott ist es, die darüber entscheidet, ob ein Mensch Gott ehrt oder verachtet, ob er treu ist oder untreu, ob er eines Tages gerichtet oder belohnt wird (1,6.14; 2,5; 3,5.16.20). Egal in welchem Zeitalter - um gerettet zu werden war und ist Gottesfurcht notwendig. Gott fürchten, ihm die Ehre geben und ihn anbeten - das ist das ewige Evangelium (Offb 13,6-7). Über den Gottesfürchtigen bzw. Gerechten könnte man auch sagen: Er wird durch seinen Glauben leben (Hab 2,4), nämlich durch seinen Glauben an den Gott, der einem jeden vergelten wird - auch wenn es jetzt nicht offensichtlich ist. In diesem Spannungsfeld zwischen der Ungerechtigkeit, die heute vorherrscht, und der Gerechtigkeit, die der Tag des Herrn bringen wird, wird unser Glaube geprüft. Hier kann er sich bewähren - Gott zur Ehre und uns zum Lohn.

3,22-24: Was der Herr zu sagen hat

War Johannes der Täufer der verheißene Elia?

Wer war der verheißene Elia? War es Johannes der Täufer? Ja und Nein:

  1. Der Engel, der die Geburt des Johannes ankündigt, sagt, er würde im Geist und in der Kraft des Elia kommen (Lk 1,16.17). In diesem Sinn erfüllte er die Weissagung Maleachis. Aber er war nicht leiblich der Elia, der im Feuerwagen in den Himmel geholt wurde.
  2. Johannes selbst sagte, er wäre nicht Elia (Joh 1,21).
  3. Jesus sagt, Johannes war der Elia, gleichzeitig sagt er, dass Elia erst kommen und alle Dinge wiederherstellen würde (Mt 17,10-13).

Die Erklärung für diesen scheinbaren Widerspruch ist, dass Johannes der verheißene Elia für diejenigen war, die den König annahmen und somit Bürger seines Reiches wurden. Er wäre es für ganz Israel gewesen, wenn sie ihn angenommen hätten (Mt 11,7-15), so aber haben sie ihre Chance vertan. Erst in Verbindung mit dem zweiten Kommen des Messias wird Elia für Israel kommen, um den Weg des Herrn zu bereiten. Es spricht vieles dafür, dass er einer der beiden Zeugen aus Offb 11 sein wird. Jedenfalls wird er im Geist Elias wirken, womöglich sogar in seinem Leib.

Mt 17,12: Die Ablehnung des (ersten) verheißenen Elia geht Hand in Hand mit der Ablehnung des verheißenen Messias bei seinem ersten Kommen. Hätten sie den Wegbereiter angenommen, so hätten sie auch den angenommen, für den er den Weg bereitet hat. Ebenso, wie der Messias wiederkommen wird, um alle Verheißungen zu erfüllen, so wird Gott den Elia ein zweites Mal senden, um die Verheißungen zu erfüllen, nämlich den Tag des Herrn vorzubereiten, indem er das Herz der Väter den Kindern und das Herz der Kinder den Vätern zuwenden wird. Bei dieser großen endzeitlichen Erweckung wird es ganz anders sein, als bei Christenverfolgungen im Zeitalter der Gemeinde:

Mt 10,21-22 Es wird aber der Bruder den Bruder zum Tode überliefern und der Vater das Kind; und Kinder werden sich erheben gegen die Eltern und sie zu Tode bringen. Und ihr werdet von allen gehaßt werden um meines Namens willen. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden.

Dann werden durch das Wirken des verheißenen Elia die Familien der bekehrten Israeliten zusammenstehen.

Die Ablehnung des Christus und seines Wegbereiters durch die Schriftgelehrten soll uns eine Lehre sein: Sie sagten, dass Elia kommen müsse, doch sie erkannten ihn nicht, als er kam, sondern lehnten ihn ab. Auch wir müssen aufpassen, dass unser Bibelwissen nicht fruchtlos bleibt, dass wir nicht Wahrheiten erkennen und sie uns doch nichts nützen, weil uns dieses Wissen aufgrund unseres verstockten Herzens nicht zur geistlichen Weisheit wird sondern uns höchstens aufgeblasen macht.

Die Zusammenarbeit der Generationen

Wieso wird am Ende dieses Buches, am Ende des AT, im Vorausblick auf die Wiederherstellung aller Dinge hervorgehoben, dass der kommende Prophet (Elia) das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu den Vätern umkehren lassen wird? Neben der Erfüllung während der endzeitlichen Erweckung (siehe oben) hat uns diese Stelle noch mehr zu sagen:

Lk 1,16-17 Und viele der Söhne Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. Und er wird vor ihm hergehen in dem Geist und der Kraft des Elia, um der Väter Herzen zu bekehren zu den Kindern und Ungehorsame zur Gesinnung von Gerechten, um dem Herrn ein zugerüstetes Volk zu bereiten.

Hier wird die Bekehrung der Kinder zu den Vätern gleichgesetzt mit der Bekehrung von Ungehorsamen zur Gesinnung von Gerechten. Mit der Bekehrung der Väter zu den Kindern ist eine Rückkehr zur elterlichen Treue gemeint. Eltern haben vor Gott eine große Verantwortung für ihre Kinder und gläubige Eltern ganz besonders, nämlich sie im Glauben an Gott und seine Offenbarungen zu erziehen. Das Alte Testament ist voll von diesbezüglichen Anweisungen (5Mo 4,9-10; 5Mo 6,7; 5Mo 6,20-25; 5Mo 11,19; 5Mo 31,13; 5Mo 32,46) und Beispielen (Ps 78; Sprüche). Im Neuen Testament wird die Betonung auf die geistliche Fortpflanzung (Evangelisation) und Erziehung (Jüngerschaft) gelegt (Mt 28,19-20), aber auch über die Beziehung zwischen Vätern und physischen Kindern gibt es klare Anweisungen (Eph 6,4).

Wenn man dem Generationskonflikt auf den Grund geht, stößt man auf das Thema "Autorität", und dann wird auch klar, warum Gott soviel Wert auf die Bekehrung der Väter zu den Söhnen und der Söhne zu den Vätern legt. Der Generationskonflikt hat mit dem pervertierten Autoritätsverständnis der Menschen zu tun. Von Anfang an wollte Gott Autorität, Herrscher über die Menschen sein - im besten Sinn: Er verlangte Gehorsam, Unterordnung und bot dafür Schutz und Segen. Dieses Ziel Gottes mit den Menschen wird er mit einem Überrest verwirklichen (Offb 21,3).

Diese seine göttliche Eigenschaft, nämlich gut zu regieren, hat Gott in die Menschen gelegt, als er sie in sein Bild schuf (1Mo 1,28; 2,15). Dadurch, dass der Mensch selbst wiederum Nachkommen nach seinem Bild zeugte (1Mo 5,3), hatte er auch Autorität über diese. Diese Autorität leitet sich von Gott her und bedeutet Verantwortung. Ähnlich wie Gott seinen Untertanen Schutz und Segen gab, sind Eltern verantwortlich, ihre Kinder zu schützen und ihnen Gutes zukommen zu lassen. Aber diese Verantwortung bedeutet auch, den Nachkommen die Lebens-Weisheit beizubringen - und das schließt das Wissen über Gott und seine Gebote ein. In diesem Punkt haben die Menschen im Großen und Ganzen versagt, weshalb es mit der Menschheit auch so rapide moralisch bergab ging, bis Gott in der Sintflut den Sündern ein Ende setzte. Deshalb schärfte Mose den Israeliten ein, dass sie ihren Nachkommen die Heilsgeschichte und Gottes Gebote beibringen müssen. Wer dies nicht tat, machte sich an Generationen schuldig.

Die größere Verantwortung der Umkehr haben die Väter, denn ihr Versagen ist mit schuld an der Auflehnung der Söhne, was besonders am Beispiel von David und Absalom deutlich wird. Die wechselseitige Beziehung zwischen Vätern und Kindern wird auch im Neuen Testament angesprochen Eph 6,1-4.

Die Umkehr der Väter zu den Söhnen und umgekehrt hat also auch für uns große Bedeutung, und zwar in zweifacher Hinsicht:

  1. im menschlich-familiären Sinn
    Väter des 21. Jahrhunderts haben die gleiche Verantwortung, die Väter immer schon hatten, nämlich ihren Kindern die bestmögliche Erziehung in göttlicher Weisheit zu geben. Und auch Kinder von Heute sind schuldig, ihren Eltern zu gehorchen - d.h. Weisheit von ihnen anzunehmen - zu ihrem eigenen Wohl.
    Negative Beispiele sind Eli und seine Söhne (1Sam 2,12-17; 2,22-34; 3,11-14) und David und seine Söhne (2Sam 12-18; 1Kö 1,5-6). Die Sünde Davids mit Batseba potenzierte sich bei seinen Söhnen: Brach er noch als Verführer die Ehe, so nahm sein Sohn Ammon seine eigene Schwester mit Gewalt. Stand David nach dem Ehebruch zu Batseba und zu dem Kind, so verjagte Ammon seine Schwester nach der Vergewaltigung (2Sam 13). Tat David all das im Verborgenen, so nahm sein Sohn Absalom die Frauen seines Vaters vor den Augen Israels (2Sam 16,20-23) und zwar auf den Rat Ahitophels hin, der wahrscheinlich der Großvater von Batseba war (2Sam 23,34).
     
  2. im geistlich-familiären Sinn
    Die Väter im Glauben haben große Verantwortung gegenüber den Kindern im Glauben. Sie sollen sie alles zu halten lehren, was Jesus geboten hat, aber nicht auf eine beherrschende Art (Autorität im falschen Sinn) sondern als Vorbilder, die das Beste für die ihnen Anvertrauten suchen (1Petr 5,3).
    Umgekehrt ist es die Verantwortung der geistlichen Kinder, sich etwas sagen zu lassen von den Reifen in der Gemeinde (Hebr 13,7; 1Petr 5,5).
    Nur wenn beide Seiten ihrer Verantwortung nachkommen (wobei die größere Verantwortung naturgemäß bei den Reiferen ist), kann eine Gemeinde über mehrere Generationen bestehen und gedeihen.
    Ein positives Beispiel ist Paulus. In den Briefen sehen wir seine väterliche Beziehung zu Timotheus (1Tim 1,2.18; 2Tim 1,2; 2,1-2) und Onesimus (Phim 1,8-21).

Wenn also Elia kommen wird, um das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu den Vätern umkehren zu lassen, so bedeutet das, dass von Gott eingesetzte Ordnung und Autorität respektiert und gelebt wird. Dies ist offenbar eine Vorbereitung für den Tag des Herrn, d.h. für die Wiederherstellung göttlicher Gerechtigkeit. Für uns können wir dies so anwenden, dass auch der prophetische Dienst von Heute (Seelsorge, Predigt und Lehre) dieses Ziel haben sollen: einerseits die Ältesten, Lehrer und geistlichen Väter in ihrer Verantwortung gegenüber den jüngeren Geschwistern zuzurüsten und andererseits in den Jüngeren einen belehrsamen Geist zu fördern. Wo nicht, wird der Herr seine Gemeinde richten müssen - ebenso wie er einen Fluch über das Land Israel bringen musste, weil die Bekehrung der Generationen nicht stattgefunden hatte.

In Maleachi geht es um den fortschreitenden Abfall des Volkes vom Herrn. In demselben Zusammenhang spricht auch das NT von dem Problem des Ungehorsams von Kindern gegenüber ihren Eltern (1Tim 3,1-5). Es ist auch nicht verwunderlich, dass in einer Zeit, in der die Eltern selbstsüchtig, geldliebend, hochmütig und unenthaltsam sind, die Kinder diese Eltern nicht respektieren. Heute sind diese Eigenschaften schon deutlich sichtbar und sie infiltrieren auch die Gemeinde Jesu. Wir müssen also auf der Hut sein, dass wir den an Jahren und Reife Jungen verantwortungsvolle Väter sind, denen das Wachstum der Kinder wichtiger ist als ihr eigener Ruhm.

Gott, der sich Vater der Israeliten nennt (1,6; 2,10), gibt selbst ein Beispiel für die Umkehr der Söhne zum Vater und des Vaters zu den Söhnen: 

Mal 3,7 Seit den Tagen eurer Väter seid ihr von meinen Ordnungen abgewichen und habt sie nicht beachtet. Kehrt um zu mir! Und ich kehre um zu euch, spricht der HERR der Heerscharen ...