Der alte und der neue Bund

Inhalt

1. Was ist ein Bund?
2. Verschiedene Bünde in der Bibel 2.1. Der Bund mit Abraham
2.2. Der mosaische Bund
2.3. Der Bund mit David
2.4. Der neue Bund
2.5. Für wen gilt welcher Bund
3. Der neue Bund 3.1. Der alte Bund war vorläufig
3.2. Der alte Bund war unzureichend
3.3. Gottes Gesetz im Herzen
3.4. Persönliche Beziehung
3.5. Gnade und Vergebung
3.6. Der alte Bund hat sich überlebt
4. Vom Gesetz zur Gnade 4.1. Pflicht - Sicht
4.2. Zwang - Drang
4.3. Last - Lust
4.4. Krieg - Sieg
5. Der NT-Gläubige und das Gesetz
6. Schluss

1. Was ist ein Bund?

Ein Bund oder Bündnis ist eine Vereinbarung, ein Vertrag zwischen mindestens 2 Parteien:

Es gibt grundsätzlich 2 Arten von Bündnissen. Beide kommen in der Bibel vor:

  1. Einseitiger/unbedingter Bund: Nur ein Bündnispartner verpflichtet sich zu etwas. Es gibt keine Bedingungen.
  2. Beidseitiger/bedingter Bund: Die Pflichten sind auf beide Parteien verteilt. Die Bundestreue des einen Partners hängt von der Bundestreue des anderen ab.
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2. Verschiedene Bünde in der Bibel

In diesem Studium geht es uns um diejenigen biblischen Bünde, die die Herstellung und Erhaltung der Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch zum Ziel haben:
"Ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein."

Die für uns wichtigsten einseitigen/unbedingten göttlichen Bünde sind:

Der wichtigste beidseitige/bedingte göttliche Bund:

2.1. Der Bund mit Abraham

1Mo 12; 15

In 1Mo 12,1-3 erwählte Gott Abram aus den Heiden, befahl ihm Land, Verwandtschaft und Vaterhaus zu verlassen und in das Land zu gehen, das er ihm zeigen würde. Er versprach ihm ein große Nachkommenschaft, Segen und einen großen Namen. Vers 1 darf nicht so verstanden werden, dass es sich um einen bedingten Bund handelt. Das geht aus Kap. 15 klar hervor. Der Befehl an Abram ist vielmehr so zu verstehen, dass er aufbrechen und sich in Richtung Verheißung bewegen sollte. Gott macht ihm ein unbedingtes Gnadengeschenk, aber er muss hingehen, um es in Empfang zu nehmen. Ähnlich ist es mit unserer Bekehrung. Die Errettung ist ein freies Gnadengeschenk. Dass wir die Lumpen unseres gottlosen Lebens ablegen müssen, um das Festgewand seines neuen Lebens anzuziehen, kann man nicht als Leistung, als Vertragspflicht sehen.

In Kap. 15 wird der Bund dann formal abgeschlossen - aber nicht wie üblicherweise, indem beide Bundespartner zwischen den Hälften der Opfertiere durchgehen, sondern Gott allein. Damit ist klar, dass es ein Bund ist, dessen Bestand allein von Gott abhängt. Das wiederum ist die einzige Chance für einen dauerhaften Bund zwischen Gott und Mensch, wie die Menschheitsgeschichte bis zu diesem Punkt gezeigt hat.

In 1Mo 17,1-21 bestätigt Gott den Bund, gibt Abram seinen neuen Namen Abraham und führt das Bundeszeichen der Beschneidung ein.

Gott antwortet auf den Glaubensgehorsam Abrahams (Opferung Isaaks) in 1Mo 22,15-18 mit einer neuerlichen, mit einem Schwur bekräftigten Bestätigung der Bundesverheißungen.

Der Bund Gottes mit Abraham umfasst folgende Verheißungen:

2.2. Der mosaische Bund

Jer 7,23; 11,3-4

Der Mose-Bund ist im Gegensatz zum Abraham-Bund ein bedingter. Umso wichtiger ist es zu sehen, dass er kein eigenständiger, losgelöster Bund war, sondern ein Bund, der auf dem Abraham-Bund aufbaute (2Mo 19,4-6; 5Mo 4,4-8 zusammen mit 2Mo 2,24-25; 5Mo 4,36-38; 29,31; 1Chr 16,15-19). Er hatte eine zeitlich und national begrenzte Gültigkeit. Gott benütze ihn auf dem Weg zur Erfüllung des Bundes, den er mit Abraham geschlossen hatte. Durch den Mose-Bund, d.i. das Gesetz, sollte die Nation Israel bis zum Kommen des Messias und seines Neuen Bundes geheiligt, bewahrt und vorbereitet werden (Gal 3,23-24).

2.3. Der Bund mit David

2Sam 7,8-16; Ps 89,3-4; 89,20-37

Gott verpflichtet sich mit einem Schwur (Ps 89,35), das Königtum Davids auf ewig zu befestigen. Obwohl es in diesem Bund vor allem um die Beziehung zwischen Gott und dem Haus Davids geht, dient er letztlich dem großen Ziel Gottes, das allen Bünden gemeinsam ist: Die Herstellung und Aufrechterhaltung der Gemeinschaft zwischen Gott und seinem Volk (Hes 34,23-24). Einer der Nachkommen Davids wird der Messias sein, durch den alle Verheißungen des Abraham-Bundes, des Mose-Bundes und des Neuen Bundes verwirklicht werden. Dieser verheißene Same - sowohl Davids, als auch Abrahams als auch Evas (1Mo 3,15) - ist derjenige mit dem letztlich alle Verheißungen der Schrift stehen und fallen; in ihm ist das Ja und das Amen (2Kor 1,20). Ohne das Werk und die Person Christ würde es keinen Bund geben - welcher Art auch immer - der das Zusammenleben von Gott und gefallenen Menschen ermöglicht.

2.4. Der neue Bund

Jer 31,31-37; Hes 36,15-28

Gott zeigt schon durch die AT-Propheten, dass der Mose-Bund nur eine Übergangslösung war. Er hat einen neuen Bund vorgesehen. Durch diesen Bund wird Gottes ursprüngliches Ziel erreicht werden:
"Ich werde ihnen Gott und sie werden mir Volk sein."
Dies wird möglich

2.5. Für wen gilt welcher Bund

Alle aufgezählten Bünde gelten für Israel. Und der neue Bund?

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3. Der neue Bund

Der Hebräerbrief ist ein Schlüssel - wenn nicht der Schlüssel - zum Verständnis des Zusammenhangs zwischen dem alten (mosaischen) und dem neuen (Gnaden-)Bund. Ein Kerntext in diesem Brief ist das Zitat aus Jer 31,31-34 in Hebr 8,7-13.

Was lernen wir aus diesem Abschnitt?

  1. Der erste (mosaische) Bund war nicht tadellos, er war vorläufig, vorbereitend auf den neuen Bund.
  2. Der alte Bund war unzureichend für sündige Menschen, denn der Gehorsam des Bundesvolkes ggü. Gott war Bedingung für das Kümmern Gottes um sein Volk; anders ausgedrückt: die Treue des Volkes zu Gott war Bedingung für die Treue Gottes zum Volk.
  3. Die einzige Chance einer dauerhaft funktionierenden Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch ist, dass die Treue nicht von außen erzwungen wird, sondern dass der Mensch Gottes Gesetz in seinem Sinn und in seinem Herzen trägt, d.h. dass eine göttliche Erneuerung des inneren Menschen stattfindet.
  4. Im neuen Bund kennt der Verbündete Gott nicht durch einen Mittler vom Hörensagen sondern er kennt ihn persönlich. Der neue Bund ist keine Gleichschaltung aller, die im Bund stehen - es wird Kleine und Große geben - aber dass sie Gott persönlich kennen, ist die Basis ihres Bundes mit Gott.
  5. Was ermöglicht diese allgemeine persönliche Gemeinschaft mit Gott: Dass er den Ungerechtigkeiten gnädig ist und der Sünden nicht mehr gedenkt. Die Sünden, die im Alten Bund immer wieder eine Mauer zwischen Gott und seinem Volk waren und die Gemeinschaft verhinderten, stehen nun nicht mehr im Weg. Sie wurden ein für alle Mal bezahlt.
  6. Mit der Errichtung des neuen Bundes in Jesus Christus hat sich der alte überlebt.

Im Detail:

3.1. Der alte Bund war vorläufig

Der mosaische Bund war Schatten und Vorbereitung des wahren Bundes:

Gal 3,23-24 Bevor aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt, eingeschlossen auf den Glauben hin, der geoffenbart werden sollte. Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christum hin, auf daß wir aus Glauben gerechtfertigt würden.

Das Gesetz brachte Erkenntnis über:

Gott

Im AT und besonders im Gesetz offenbart Gott sehr deutlich sein Wesen. Er ist gnädig und barmherzig aber auch gerecht und heilig. Er ist ein zu liebender und ein zu fürchtender Gott.

Sünde

Das Gesetz mit all seinen Ge- und Verboten, mit seinen Strafen, Gerichten und Opfern, mit seinen Segnungen und Flüchen macht überaus deutlich, was Sünde in den Augen des heiligen Gottes ist: todeswürdig, ausrottenswürdig.

Sühnung

Die Einrichtungen der Stiftshütte bzw. des Tempels, die Vorschriften über Reinigung, Opfer und den Priesterdienst zeigen, dass zur Vergebung von Sünde Blut fließen muss, dass es besonderer, heiliger Einrichtungen und Mittler bedarf, damit der sündige Mensch mit dem heiligen Gott in Berührung kommen kann.

Anbetung

Die Einrichtungen des Sabbats, des Räucheraltars, verschiedener Opfer und Feste verdeutlichten, dass Anbetung Gottes wesentlicher Bestandteil des Bundes mit Gott sind. Gott kennen heißt, ihn lieben und anbeten.

Menschliche Unzulänglichkeit

Das Scheitern des alten Bundes im Hinblick auf die Heiligung des Bundesvolkes und das gute Gewissen zeigen, dass ein neuer, besserer Bund notwendig ist.

Gottes Erlöser

Der Opfer- und Priesterdienst weisen deutlich auf das Lamm Gottes und den Hohepriester Gottes hin.

Auch viele Verheißungen und Weissagungen deuten auf den Christus Gottes hin.

Weiters ebnete der mosaische Bund in folgender Hinsicht den Weg für den Messias:

Bewahrung der messianischen Linie

Ein wesentliches Ziel von Gottes Handeln mit den Menschen im AT ist, seine messianischen Verheißungen zu erfüllen - die Verheißungen an Adam und Eva und später an Abraham in Bezug auf den Samen, der allen Völkern zum Segen wird. Gott bewahrt die messianische Linie (Seth, Noah, Sem, Abraham, Isaak, Jakob, Juda, usw.), er heiligt sie, damit zur Erfüllung der Zeiten eine gottesfürchtige Jungfrau den Messias gebären kann.

Glaubwürdigkeit durch Weissagungen

Die vielen AT-Weissagungen, die im NT, besonders von Matthäus zitiert werden, untermauern, dass Jesus tatsächlich der verheißene Messias ist. Sie zeigen, dass die Erfüllung von Gottes Verheißung vom kommenden Königreich und von seinem König nahe gekommen ist, dass sie in Jesus begonnen hat.

3.2. Der alte Bund war unzureichend

Der alte Bund war an Bedingungen geknüpft.

Jer 11,4 welche ich euren Vätern geboten habe zur Zeit, als ich sie aus Ägyptenland, dem eisernen Schmelzofen, führte, indem ich sprach: Seid meiner Stimme gehorsam und tut darnach, ganz wie ich euch gebiete, so sollt ihr mein Volk sein, und ich will euer Gott sein! -

Israel kam in den Genuss des Segens Gottes, wenn sie ihm gehorchten. Er war treu, wenn sie ihm treu waren. Die Geschichte Israels zeigte, dass der bedingte Segen zu wenig war, um den gefallenen Menschen völlig zu retten. Ein anderer Heilsplan musste her, der die gefallene Natur des Menschen völlig überwand.

Apg 13,38-39 So sei es euch nun kund, Brüder, daß durch diesen euch Vergebung der Sünden verkündigt wird; und von allem, wovon ihr im Gesetz Moses' nicht gerechtfertigt werden konntet, wird in diesem jeder Glaubende gerechtfertigt.

Jer 32,40 Und ich werde einen ewigen Bund mit ihnen machen, daß ich nicht von ihnen lassen werde, ihnen wohlzutun; und ich werde meine Furcht in ihr Herz legen, damit sie nicht von mir abweichen.

Röm 8,3 Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem er, seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sendend, die Sünde im Fleische verurteilte, ...

Gal 3,11 Daß aber durch Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn "der Gerechte wird aus Glauben leben".

3.3. Gottes Gesetz im Herzen

Jer 32,40 Und ich werde einen ewigen Bund mit ihnen machen, daß ich nicht von ihnen lassen werde, ihnen wohlzutun; und ich werde meine Furcht in ihr Herz legen, damit sie nicht von mir abweichen.

Hes 11,19-20 Und ich werde ihnen ein Herz geben, und werde einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus ihrem Fleische wegnehmen und ihnen ein fleischernes Herz geben: auf daß sie in meinen Satzungen wandeln und meine Rechte bewahren und sie tun; und sie werden mein Volk, und ich werde ihr Gott sein.

Hes 36,25-27 Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von allen euren Unreinigkeiten und von allen euren Götzen werde ich euch reinigen. Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleische wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, daß ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechte bewahret und tut.

Durch die Wiedergeburt in Christus schaffte Gott was der alte Bund nicht vermochte: eine Erneuerung von innen heraus - Gottes Geist im Herzen des Menschen. Das Herz des natürlichen Menschen ist in Bezug auf Gott steinern, leblos, hart, tot. Durch die Wiedergeburt bekommt der Mensch ein Herz aus Fleisch, d.h. lebendig in Bezug auf Gott, so wie er es ursprünglich geschaffen hat, empfänglich für Gott, in Verbindung mit Gott, schlagend für Gott.

3.4. Persönliche Beziehung

Es ist ein unglaubliches Vorrecht für diejenigen, die im Neuen Bund stehen: Sie dürfen in einer persönlichen Beziehung mit Gott stehen; mit Gott, dem Allmächtigen, dem Schöpfer, Erhalter und Richter der Welt, demjenigen, den kein Mensch sehen kann, ohne zu sterben, der in einem unzugänglichen Licht wohnt, der die alte Welt in Wasser hinwegraffte und der die jetzige durch Feuer vernichten wird. Derjenige, der zu Mose sagte:

... denn ich will nicht mit dir hinaufziehen, weil du ein halsstarriges Volk bist; ich würde dich sonst unterwegs verzehren. (2Mo 33,3)
... Sage den Kindern Israel: Ihr seid ein halsstarriges Volk! Wenn ich nur einen Augenblick in deiner Mitte hinaufzöge, müßte ich dich vertilgen ... (2Mo 33,5)

Wie ist es möglich in eine Kind-Vater Beziehung zu dem Gott zu treten, der ein verzehrendes Feuer ist? Nur in Christus. Er ist der geliebte Sohn, an dem der Vater sein Wohlgefallen hat. Wir sind Kinder Gottes, weil wir durch Glauben in Christus sind, wir haben ihn in der Taufe angezogen, und somit sind wir Söhne Gottes wie er (Gal 3,26-27). Wir haben den Geist der Sohnschaft empfangen (Röm 8,15; Gal 4,6). In diesem Geist rufen wir "Abba, lieber Vater!". Dieser Geist zieht uns hin zum Vater und leitet uns (Röm 8,14).

Im Neuen Bund dürfen wir durch den heiligen Geist Gott kennen. Der Geist offenbart uns, was im Herzen Gottes ist (1Kor 2,10), wir werden durch den Geist direkt über Gott belehrt und sind nicht (allein) von Menschen abhängig, was die Erkenntnis Gottes betrifft (Joh 14,26; 16,13; 1Jo 2,27).

3.5. Gnade und Vergebung

Joh 1,16-17 Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.

Gab es vorher keine Gnade und Vergebung? Doch, aber alles nur vorausschauend auf das Kreuz. Alles waren nur Schatten der Gnade und der Wahrheit, die in Christus kamen. Er ist die personifizierte Gnade. Gab es schon früher Worte der Gnade von Gott, so ist Jesus das Wort der Gnade von Gott. Bestand der alte Bund aus Schatten des Wahren, so ist Christus das Wahre, die Realität, die ihren Schatten in das AT hinein warf. Er ist die Wahrheit in jeder Hinsicht.

Ohne das Kreuz täte jede Gnade der Gerechtigkeit und Wahrheit Gottes Abbruch. Wie kann er Sünde jemals dulden? Jede Gnade in der Vergangenheit und Zukunft beruht auf dem vollbrachten Werk Christi.

Im neuen Bund hat die Vergebung eine andere Dimension. Sie ist vollkommen, sie reicht aus, um das Gewissen zu reinigen (Hebr 9,14).

3.6. Der alte Bund hat sich überlebt

Röm 10,4 Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit.

Gal 3,24-25 Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christum hin, auf daß wir aus Glauben gerechtfertigt würden. Da aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter einem Zuchtmeister;

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4. Vom Gesetz zur Gnade

Gesetz:

Gnade:

4.1. Pflicht - Sicht

Weil Erkenntnis Gottes durch Jesus Christus da ist, weil wir die hervorragende Stellung sehen, die wir in ihm haben, werden wir umgestaltet. Die Betonung liegt auf dem, was uns geschenkt ist, statt auf dem, was wir tun müssen: 1Kor 2,9-10; 2Kor 3,18
Die Heiligung ist für die neue Schöpfung nicht von außen auferlegte Pflicht, sondern ein aus der klaren Sicht Christi entstehendes Bestreben zur Nachahmung.

4.2. Zwang - Drang

Sind die Gebote Christi dem natürlichen Menschen ein Zwang, so sind sie dem vom Heiligen Geist Erneuerten ein Drang: Röm 7,22

4.3. Last - Lust

Sind die Gebote Christi dem natürlichen Menschen eine Last, so sind sie dem neuen Menschen eine Lust: Jer 23,33-36; Röm 7,22

4.4. Krieg - Sieg

Kämpft der fleischliche Christ mit fleischlichen Waffen und bleibt sieglos, so erlebt der im Geist Wandelnde den Sieg über Sünde durch die Identifikation mit Christus. Er erlebt, was es heißt, in der Neuheit des Lebens Christi zu wandeln, und was Paulus meinte, als er schrieb: "Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir." (Gal 2,20). Das geistliche Leben ist nicht mehr bloß ein einziger unaufhörlicher Krieg, sondern auch Sieg und Herrschaft, denn alles was aus Gott geboren ist überwindet die Welt (1Jo 5,4). Abrüsten können wir erst, wenn wir bei der Wiederkunft des Herrn von der Gegenwart der Sünde befreit werden. Aber siegen und in Wachsamkeit herrschen sollen und können wir: "So herrsche denn nicht die Sünde in eurem sterblichen Leibe, um seinen Lüsten zu gehorchen;" (Röm 6,12).

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5. Der NT-Gläubige und das Gesetz

Wir leben nicht mehr unter dem mosaischen Gesetz. Ein Teil dieses Gesetzes ist unwandelbar, d.h. gleich für alle Zeitalter, weil es den moralischen Standard Gottes ausdrückt. Dieser Teil galt aber schon vor Mose und wird auch im NT wiederholt (das Sabbat-Gebot z.B. gehört nicht dazu). In diesem Sinn sind wir nicht ohne Gesetz (1Kor 9,21). Vielmehr leben wir in dem Gesetz Christi, das in unsere Herzen geschrieben ist. Dieses Gesetz ist nicht wie das mosaische eines der Werksgerechtigkeit sondern der Glaubensgerechtigkeit. Der Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat, im Glauben ziehen wir den neuen Menschen an, der nach dem Bild Christi erschaffen ist und dem Gottes (ewiges) Gesetz eine Lust ist.

Allerdings kann das Gesetz Christi auch uns zum Zuchtmeister auf die Gnade Christi hin werden - nämlich dann, wenn wir nach dem Fleisch wandeln, die Gebote Christi als lästige/belastende Pflicht empfinden. Indem wir vergeblich versuchen, im Fleisch und aus Werksgerechtigkeit unsere Heiligung voranzutreiben, kommen wir zu dem Punkt, wo wir erkennen, dass wir unfähig sind, Christi Gesetz aus uns heraus zu erfüllen. So wird uns sein Gesetz zum Zuchtmeister auf seine Gnade hin, d.h. es zeigt uns, dass wir unfähig sind und treibt uns hin zur Gnade. Jetzt sind wir wieder bereit, im Glauben den neuen Menschen anzuziehen und uns von der Gnade erziehen und heiligen zu lassen.

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6. Schluss

Im neuen Bund ist uns Unglaubliches - aber nicht Unglaubwürdiges oder Unglaubbares - geschenkt:

Beide Arten von Geschenken wollen im Glauben ergriffen werden. Der Glaube, d.h. unser Vertrauen auf Gott, den Segner und Verheißer, ist unser Schlüssel sowohl zum Eintritt in den neuen Bund als auch zum Ausschöpfen der Segnungen und Verheißungen, die in diesem Bund verborgen liegen.

Hebr 12,1-2 Deshalb nun, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, laßt auch uns, indem wir jede Bürde und die leicht umstrickende Sünde ablegen, mit Ausharren laufen den vor uns liegenden Wettlauf, hinschauend auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens, welcher, der Schande nicht achtend, für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.

Im Hinblick auf die Menge von Vorläufern im Bund mit Gott, vor allem aber im Aufblick auf Jesus können wir die gegenwärtigen und zukünftigen Segnungen unseres Bündnisses mit Gott ausschöpfen. Möge der Herr uns einen klaren Blick dafür geben, welch großen Preis es in dem Wettlauf des Glaubens zu gewinnen gilt, damit wir wie Jesus für die vor uns liegende Freude alles dulden.

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