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Bibelüberblick - Teil 19

Das fünfte Buch Mose -
Blick zurück, Blick nach vorn

5. Mose 1-11

HAUSAUFGABE
  1. BIBEL: 5Mo 1-11 aufmerksam durchlesen
  2. FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen aus dem obigen Abschnitt in der Bibel, bevor du die Unterlagen durchliest.
    1. Welche Gründe führt Mose für die Jahre in der Wüste an (siehe 1,26-46)?
    2. Gibt es einen Unterschied zwischen den zehn Geboten in 2Mo 20 und den zehn Geboten in 5Mo 5? Wenn ja, welche?
    3. Welche große Wahrheit versucht Mose dem Volk in 6,4-9 zu vermitteln? Wie sollte das Volk diese Wahrheit bewahren?
  3. UNTERLAGEN: Teil 19 aufmerksam durchlesen

EINLEITUNG ZU 5. MOSE

Der Name für 5. Mose in der griechischen Septuaginta-Übersetzung ist Deuteronomium. Dieser Name bedeutet "das zweite Gesetz". Dieses Buch bringt aber nicht ein neues Gesetz, sondern eine Wiederholung des alten Gesetzes, mit der Anwendung auf die neue Lage, nämlich den bevorstehenden Einzug in das verheißene Land.

Das Buch enthält die Reden Mose an sein Volk, als dieses am Ostufer des Jordan, in den Ebenen Moabs, lagerte. 5. Mose ist ein Buch des ÜBERGANGS, als das Volk sich auf einen neuen Führer und ein neues Land vorbereitet. In seinen Reden blickte Mose zurück auf die Jahre der Wüstenwanderung und nach vorne zu dem verheißenen Land. Das Schlüsselwort für den Rückblick ist ERINNERN; für den Blick in die Zukunft GEHORCHEN.

BLICK ZURÜCK

BLICK NACH VORNE

ZURÜCK ZU DER WÜSTE

VORWÄRTS ZU DEM LAND

Schlüsselwort: ERINNERN

Schlüsselwort: GEHORCHEN

Die neuen Erkenntnisse der letzten Jahre über die verschiedenen Vertragsformen, welche in den Zeiten der Patriarchen üblich waren, haben neues Licht auf 5. Mose geworfen. Es gab nämlich zu jener Zeit einen sogenannten Oberlehnsherr -(oder Suzerän) Lehnsmann- (oder Vasall) Vertrag, welcher zwischen einem König oder Führer und seinem Volk geschlossen wurde. Die zehn Gebote in 2Mo 20 sind den Bedingungen solch eines Oberlehnsherr-Lehnsmann-Vertrages sehr ähnlich. Wenn dann zu einem späteren Zeitpunkt durch geänderte Umstände eine Überholung dieses Vertrages notwendig wäre, würde der neue Vertrag folgende Zusammenstellung aufweisen:

  1. Die Vorrede
  2. Die geschichtliche Einleitung
    Der Oberlehnsherr blickt zurück, wie er mit seinem Volke umgegangen ist.
  3. Die Bedingungen des Vertrages
    Die genauen Bestimmungen des Vertrages werden erläutert.
  4. Die Flüche und Segnungen des Vertrages
    Diese werden in einer öffentlichen Versammlung feierlich geschworen.
  5. Die Vorkehrungen für die Fortdauer des Vertrages
    Die Vorkehrungen für den Fortbestand des Vertrages nach dem Tod des Oberlehnsherrn werden erläutert.

Wenn man die Punkte 1. und 2. zusammenlegt, ergibt diese Zusammenstellung des Oberlehnsherr-Lehnsmann-Vertrages die Unterteilung von 5. Mose.

Karte 48 - Die Unterteilung von 5. Mose

1-4

5-26

27-30

31-34

   DER RÜCKBLICK AUF   
DIE VERGANGENHEIT

   DIE ERNEUTE   
BETEUERUNG
DES BUNDES

   DIE BESTÄTIGUNG   
DES BUNDES

   DIE FORTDAUER   
DES BUNDES

1. und 2.

3.

4.

5.

DER OBERLEHNSHERR - LEHNSMANN - VERTRAG

 

EINTEILUNG VON 5. MOSE

HAUPTGEDANKE: DIE UNTERWEISUNG GOTTES

I) DER RÜCKBLICK AUF DIE VERGANGENHEIT: 1-4

1) EIN RÜCKBLICK AUF DIE WANDERUNGEN  1-3
2) EIN AUFRUF AN DAS VOLK  4

II) DIE ERNEUTE BETEUERUNG DES BUNDES: 5-26

3) DIE ZEHN GEBOTE  5-11
4) DIE GESETZE BESONDERS FÜR KANAAN  12-26

a) die Gesetze und die Verordnungen (12,1-16,17)
b) gesetzliche Angelegenheiten (16,18-26,19)

III) DIE BESTÄTIGUNG DES BUNDES: 27-30

5) DIE ÖFFENTLICHE VERSAMMLUNG  27
6) DIE WARNUNG  28-30

IV) DIE FORTDAUER DES BUNDES: 31-34

7) DIE BERUFUNG VON JOSUA  31
8) DAS LIED MOSES  32-33
9) DER TOD MOSES  34


I) DER RÜCKBLICK AUF DIE VERGANGENHEIT: 1-4

1) EIN RÜCKBLICK AUF DIE WANDERUNGEN: 1-3

1,1-5 bilden die Vorrede zu 5. Mose. Mose und das Volk lagerten am Ostufer des Jordan, in den Ebenen Moabs. Er blickte zurück auf die Wanderungen des Volkes vom Berg Sinai bis zu ihrem gegenwärtigen Lagerplatz. Diese Reise hätte 11 Tage dauern sollen (V. 2); stattdessen dauerte sie fast 40 Jahre (V. 3). Israel verlor durch Ungehorsam sehr viel Zeit.

Kap. 1 beschreibt die Reise vom Berg Sinai bis Kadesch. Mose zeigte auf, dass Israel aufgrund seines Unglaubens nicht in das Land einmarschieren durfte. Mose bekennt auch seine Schuld an diesem Versagen Israels. In V. 12 beschreibt er sein eigenes Murren. Mose beugt sich unter der Schuld Israels.

Kap. 2,1-23 schildert dann die Reise nördlich durch Moab bis zu dem Fluss Arnon. Mose erinnert das Volk daran, dass sie gegen Moab nicht kämpfen dürften, da sie dieses Land nicht zum Erbe bekommen haben.

Kap. 2,24-29 beschreibt den weiteren Verlauf der Reise, und zwar von dem Fluss Arnon bis zu den Ebenen Moabs.

Ein Rückblick auf diese Wanderungen zeigt zwei Wahrheiten -

  1. das Versagen des Menschen (wiederholte Rebellion gegenüber Gott)
  2. die Treue Gottes (Gott begegnet jeder Not "es hat dir an nichts gemangelt" 2,7)

2) EIN AUFRUF AN DAS VOLK: 4

Mose wendet nun die Wahrheiten der Wanderungen auf den bevorstehenden Einzug in das Land an. Der Aufruf an das Volk hat zwei Grundlagen -

  1. Die Nähe Gottes (V. 7) - (... "welche große Nation gibt es, die Götter hätte, welche ihr so nahe wären, wie Jahwe, unser Gott ...?)
  2. Die Vollkommenheit des Gesetzes (V. 8) - (... "welche große Nation gibt es, die so gerechte Satzungen und Rechte hätte, wie dieses ganze Gesetz ...?")

Wenn das Volk das Gesetz nicht hält, dann wird Gott durch Zerstreuung und Drangsal Gericht über sie bringen. In diesen Zeiten der Not wird Israel dann auf den Herrn hören und zu Ihm zurückkehren. Diese Worte haben einen prophetischen Charakter, unter anderem durch die Verwendung der Worte "am Ende der Tage" (V. 30). Israel wird durch seinen Ungehorsam zerstreut und Gott wird die große Trübsal verwenden, um Sein Volk zu Ihm zurückzubringen.

II) DIE ERNEUTE BETEUERUNG DES BUNDES: 5-26

In diesem Abschnitt werden die zehn Gebote, welche die Grundlage für den Bund mit Mose darstellen, wiederholt. Dies ist aus zwei Gründen notwendig:

  1. diese neue Generation, außer Josua und Kaleb war niemand über 60 Jahre alt, benötigte ein Verständnis für das Gesetz
  2. angesichts der geänderten Umstände mussten einige Gesetze neu angewandt werden.

3) DIE ZEHN GEBOTE: 5-11

Dieser Teil behandelt im Besonderen die zehn Gebote

DER INHALT DES BUNDES

5

DIE MITTEILUNG DES BUNDES

6

DIE EINNAHME DES LANDES

7

DIE VORSICHT WEGEN DES BUNDES

  8-11

In Kapitel 5 werden mit einer Ausnahme, die zehn Gebote von 2. Mose 20 wiederholt. Das vierte Gebot, das Einhalten des Sabbaths, stellte in 2. Mose 20 ein Bild des Wirkens Gottes in der Schöpfung dar. In 5Mo 5 wird ein weiterer Grund angegeben, nämlich das Wirken Gottes in der Erlösung.

In Kapitel 6 werden zwei grundsätzliche Fragen des Bundes mit Mose behandelt:

  1. Was ist die große Wahrheit der zehn Gebote?
  2. Wie sollte die große Wahrheit der zehn Gebote mitgeteilt werden?

Die Antwort auf die erste Frage ist in 6,4-5 zu finden. Die große Wahrheit des Bundes mit Mose ist:

"Höre Israel: Jahwe, unser Gott, ist ein einiger Jahwe!
Und du sollst Jahwe, deinen Gott lieben,
mit deinem ganzen Herzen und
mit deiner ganzen Seele und
mit deiner ganzen Kraft."

     S C H e M A

Diese Wahrheit heißt Schema (das e wird nicht betont) und wird bei jedem Gottesdienst in einer Synagoge zitiert. Diese Aussage betont die Einheit und Einzigartigkeit Gottes. Israels Antwort auf diese große Wahrheit sollte LIEBE sein.

Die Antwort auf die zweite Frage ist in 6,6-9 zu finden. Die große Wahrheit der zehn Gebote sollte durch folgende Methoden mitgeteilt werden:

  1. Gottes Wort im Herzen (V. 6)
  2. Gottes Wort im Herzen in der Familie weitergeben (V. 7)
  3. Gottes Wort im Herzen und in der Familie, überall weitergeben (V. 8-9)

Kap. 7 bezieht sich auf die Einnahme des Landes. Israel wird die Verehelichung mit den Kanaaniter ausdrücklich verboten, und zwar mit dem Ziel, dass die große Wahrheit von Kap. 6 nicht durch den Einfluss von Götzendienst ausgetilgt werden kann.

Kap. 8-11 stellen eine Warnung an Israel dar, das nicht zu vergessen, was Gott für sie getan hat. Wenn sie in das Land kommen, dürfen sie nicht vergessen, dass

  1. Gott ihnen immer Manna gegeben hat (Kap. 8)
  2. sie sich vor Überheblichkeit und Stolz in acht nehmen sollten und nicht zu denken, dass ihre eigene Gerechtigkeit die Einnahme des Landes bewirkt hat (8,16-17; 9,4)

Zum Abschluss fordert Mose Israel auf, sich dem Herrn zu übergeben (10,12-22), und Ihm in dieser Einstellung zu dienen, zu gehorchen und Ihn zu lieben.

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