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Bibelüberblick - Teil 25

Das Buch der Richter und das Buch Ruth -
Niederlage nach Niederlage

Richter 1-5

HAUSAUFGABE
  1. BIBEL: Ri 1-5 aufmerksam durchlesen
  2. FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen aus dem obigen Abschnitt in der Bibel, bevor du die Unterlagen durchliest.
    1. Was war der Hauptgrund für die Sünden und die Niederlagen Israels (siehe 2,10)? Welche Konsequenzen sollte man daraus für die Gegenwart ziehen?
    2. Welche zwei Zeichen bekam Gideon in Kap. 6? Ist es richtig, von Gott Zeichen zu fordern?
  3. UNTERLAGEN: Teil 25 aufmerksam durchlesen

EINLEITUNG ZU DEM BUCH DER RICHTER

Gemäß der Überlieferungen ist Samuel der Verfasser des Buches. Das Wort Gottes gibt uns jedoch keine Hinweise, die diese Behauptung bestätigen würden. Das Buch hat seinen Namen nach den Richtern, welche Israel nach der Einnahme des Landes regierten. Ihre Aufgaben gliederten sich in drei Bereiche:

  1. richterliche Entscheidungen
  2. militärische Leitung
  3. geistliche Führung

Es ist fast unmöglich, eine chronologische Tabelle der Richter aufzustellen. Es gibt etwa 40-50 verschiedene Tabellen. In Apg 13,20 weist Paulus auf eine davon hin.

Karte 56 - Das Problem der Chronologie der Richter

Die jeweilige Dauer der verschiedenen Ereignisse seit dem Auszug aus Ägypten bis zum 4. Regierungsjahr Salomos wurde geschätzt. Die einzige Erklärung für den Unterschied zwischen 480 Jahren und ca. 564 Jahren ist die Tatsache, dass einige der Richter zur selben Zeit an verschiedenen Orten regierten. Die Namen dieser eher unwichtigen Richter, welche möglicherweise zur selben Zeit regierten sind: Schamgar, Tola, Jair, Ibzan, Elon und Abdon.

Die Ereignisse des Buches umfassen eine Zeitperiode von etwa 300 Jahren, zwischen 1360-1060 v. Chr.

Der Hauptgedanke des Buches ist der VERFALL Israels. Immer wieder wird in dem Buche Richter das militärische und moralische Versagen Israels betont. Es gab dafür grundsätzlich drei Gründe:

  1. Obwohl das Land Israel gehörte, gab es überall noch kanaanitische Stellungen, von wo aus noch immer Widerstand geleistet wurde; z.B. wurde während der Zeit der Richter Jerusalem, wo die Jebusiter wohnten, niemals richtig erobert. Erst zur Zeit des Königs David ergriff Israel völlig Besitz.
     
  2. Es gab keine Hauptstadt. Obwohl Silo noch immer das religiöse Zentrum war, gab es keine politische Hauptstadt. Die Richter regierten in ihrer eigenen Gegend und kaum einer von ihnen beeinflusste das Geschick der ganzen Nation.
     
  3. Das Gelände Kanaans - Nun waren die Israeliten mit demselben Problem konfrontiert wie die Kanaaniter vor ihnen, und zwar mit der Tatsache, dass das Gelände Kanaans eher Zersplitterung als Vereinigung der Nation verursachte.

Das Buch Richter steht im völligen Gegensatz zu Josua.

Karte 57 - Ein Vergleich zwischen Richter und Josua

J O S U A

R I C H T E R

immer SIEGE

immer NIEDERLAGEN

      durch GLAUBEN      

   durch KOMPROMISSE   

Der letzte Vers des Buches beschreibt genau den geistlichen Zustand zur Zeit der Richter - "in jenen Tagen war kein König in Israel; ein jeder tat was recht war in seinen Augen". (21,25).

Es gibt in Richter einen bestimmten Kreis von Ereignissen, welcher siebenmal in dem Buch vorkommt. Hauptsächlich kommt dieser Kreis in dem Hauptteil des Buches vor, und zwar zwischen Kap. 3 und 16.

Karte 58 - Der Kreis der Ereignisse in Richter

Wenn man Kap. 1-2 als die Einleitung und Kap. 17-21 als den Abschluss nimmt, hat man die Grundlage für die Unterteilung des Buches.

Karte 59 - Die Unterteilung des Buches Richter

1,1 - 3,6

3,7 - 16,31

17,1 - 21,25

  DIE HINTERGRÜNDE DER PERIODE  

  DIE RICHTER DER PERIODE  

  DIE PROBLEME DER PERIODE  

Das Volk Israel wurde als Gericht für seine Sünden im Buche der Richter siebenmal unter fremde Herrschaft gestellt. In jedem dieser Fälle, schickte ihnen Gott einen Richter, um sie zu befreien, als das Volk bereit war, sich zu beugen. Die sieben fremden Herrschaften waren:

1) Mesopotamische Herrschaft    -     Richter Othniel (3,7-11)
2) Moabitische Herrschaft           -     Richter Ehud (3,12-31)
3) Kanaanitische Herrschaft        -     Richter Debora ( 4-5)
4) Midianitische Herrschaft          -     Richter Gideon (6-8)
5) Midianitische Herrschaft          -     Richter Abimelech (9)
6) Ammonitische Herrschaft        -     Richter Jephtha (12-12)
7) Philistische Herrschaft            -     Richter Simson (13-16)

 

EINTEILUNG VON RICHTER

HAUPTGEDANKE: DER VERFALL ISRAELS

I) DIE HINTERGRÜNDE DER PERIODE: 1,1-3,6

1) EIN ÜBERBLICK DES NOCH EINZUNEHMENDEN LANDES  1,1-2,5
2) EINE ZUSAMMENFASSUNG DER PERIODE  2,6-3,6

II) DIE RICHTER DER PERIODE: 3,7-16,31

3) MESOPOTAMISCHE HERRSCHAFT - OTHNIEL  3,7-11
4) MOABITISCHE HERRSCHAFT - EHUD  3,12-31
5) KANAANITISCHE HERRSCHAFT - DEBORA  4-5
6) MIDIANITISCHE HERRSCHAFT - GIDEON  6-8

a) ein Mann der Furcht (6)
b) ein Mann des Glaubens (7)
c) ein Mann des Versagens (8)

7) MIDIANITISCHE HERRSCHAFT - ABIMELECH  9
8) AMMONITISCHE HERRSCHAFT - JEPHTA  10-12
9) PHILISTISCHE HERRSCHAFT - SIMSON  13-16

a) seine Geburt (13)
b) seine Kämpfe mit den Philistern (14-15)
c) sein Verrat und sein Tod (16)

III) DIE PROBLEME DER PERIODE: 17,1-21,25

10) GEISTLICHE PROBLEME - GÖTZENDIENST  17-18
11) SOZIALE PROBLEME - UNSITTLICHKEIT  19
12) POLITISCHE PROBLEME - BÜRGERKRIEG  20-21


I) DIE HINTERGRÜNDE DER PERIODE: 1,1-3,6

1) EIN ÜBERBLICK DES NOCH EINZUNEHMENDEN LANDES: 1,1-2,5

Israel hatte in der Einnahme des Landes einen gewissen Erfolg (1,1-10). Doch ein Ausdruck, welcher öfters wiederholt wird, offenbart die traurige Lage im Lande - ...."trieben sie nicht aus".... (1,19; 21; 27; 29; 31; 33). Ein Grund, warum die Israeliten die Kanaaniter nicht völlig vertreiben konnten, war die Tatsache, dass sie das Volk in der Niederung, das eiserne Wagen hatte, nicht bekämpfen konnten. Am Ende dieses Abschnittes tadelte Gott Israel, dass sie nicht Seiner Stimme gehorcht hatten (2,2). Die Folge davon war - "Ich werde sie nicht vor euch vertreiben....." (2,3).

2) EINE ZUSAMMENFASSUNG DER PERIODE: 2,6-3,6

In diesem Abschnitt wird der Kreis der Ereignisse zusammengefasst, welcher in dem Hauptteil des Buches siebenmal vorkommt:

Der Kern des Problems kommt in 2,9-10 zum Ausdruck. Die alte Generation hat es versäumt, ihren Kindern von dem Herrn zu erzählen. Sie versäumte es, das Schema, gemäß Gottes Wort 5Mo 6,1-9 (siehe auch Teil 19), ihren Familien weiterzugeben. Diese neue Generation kannte Gott nicht und wurde zu den Götzen der Kanaaniter hingezogen. Hier wird ein gewisses Prinzip deutlich, welches für den Verfall Israels verantwortlich war.

Karte 60 - Der Verfall Israels

II) DIE RICHTER DER PERIODE: 3,7-16,31

Dieser Zentralabschnitt des Buches wird von sieben Fremd-Herrschaften gekennzeichnet, welche im Rahmen dieses siebenmaligen Kreises der Ereignisse vorkommen. In jedem Fall schickte Gott Seinen Richter, um das Volk zu befreien. Abgesehen von diesen sieben Richtern, werden auch sechs "kleinere" Richter erwähnt -

Schamgar (3,31); Tola und Jair (10,1-5); Ibzan, Elon und Abdon (12,8-15)

Insgesamt wird in dem Buche von 13 Richtern berichtet.

3) MESOPOTAMISCHE HERRSCHAFT - OTHNIEL: 3,7-11

Über diesen Richter ist sehr wenig bekannt. Man weiß nur, dass er ein Verwandter von Kaleb war, und dass der Geist Gottes ihn dazu befähigte, Israel von der Herrschaft von Kuschan-Rischathaim, König von Mesopotamien, zu befreien. Danach hatte Israel 40 Jahre Ruhe.

4) MOABITISCHE HERRSCHAFT - EHUD: 3,12-31

Ehud war ein links-händiger Mann aus dem Stamm Benjamin. Er konnte Eglon, den König von Moab, töten und Israel dadurch befreien. Danach hatte das Volk 80 Jahre Ruhe.

5) KANAANITISCHE HERRSCHAFT - DEBORA: 4-5

Das Volk sündigte wieder und wurde diesmal unter die Herrschaft der Kanaaniter gebracht (4,1-2). Gott verwendete Debora aus dem Stamm Ephraim und Barak aus dem Stamm Naphtali, um Israel zu befreien. Zuerst zögerte Barak, gegen Sisera, den Feldherrn von König Jabin, in den Kampf zu ziehen. Dafür gibt es zwei mögliche Gründe:

  1. Kleinmut und Angst
  2. Vorsicht - Debora sollte dabei sein, damit er für die Schlacht göttliche Weisung bekommt.

Kap. 4 beschreibt die Schlacht zwischen Barak und Sisera und Kap. 5 ist das Lied des Sieges.

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