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Bibelüberblick - Teil 26

Richter 6-16

HAUSAUFGABE
  1. BIBEL: Ri 6-16 aufmerksam durchlesen
  2. FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen aus dem obigen Abschnitt in der Bibel, bevor du die Unterlagen durchliest.
    1. Fasse das Leben von Gideon in drei Abschnitte kurz zusammen. Welche Überschrift könnte jeder Abschnitt haben (siehe Kap. 6-8)?
    2. Führe alle Taten von Simson an, welche in Kap. 14-15 vorkommen.
  3. UNTERLAGEN: Teil 26 aufmerksam durchlesen

6) MIDIANITISCHE HERRSCHAFT - GIDEON: 6-8

a) ein Mann der Furcht (6)
b) ein Mann des Glaubens (7)
c) ein Mann des Versagens (8)

Den größten Teil des Buches Richter nimmt die Geschichte von zwei Männern ein, nämlich von Simson und Gideon. Die Geschichte von Gideon kann in drei Abschnitte unterteilt werden - seine Furcht (Kap. 6), sein Glaube (Kap. 7) und sein Versagen (Kap. 8).

ad a) Ein Mann der Furcht: 6

Israel sündigte wieder und wurde sieben Jahre lang unter die harte Herrschaft der Midianiter gebracht (6,1). Gideon begegnete dem Engel des Herrn und zeigte bei dieser Begegnung, wie wenig Verständnis er für das Wirken Gottes hatte. Er verwechselte die Treue Gottes mit der Zucht Gottes. Er dachte, dass die Schwierigkeiten durch welche Israel ging, darauf zurückzuführen waren, dass Gott Sein Volk im Stich gelassen hatte. Der Engel Gottes beauftragte Gideon, Israel zu befreien. Er zweifelte jedoch daran, dass er der richtige Mann für diese große Aufgabe war (V. 15). Er bat um ein Zeichen und Gott gab ihm zwei -

  1. das Feuer vom Himmel verzehrte sein Opfer (V. 20-21)
  2. der Test des zweimal geprüften Woll-Vließes (V. 36-40)

Durch diese Zeichen kam Gott dem Kleinglauben Gideons entgegen. Danach zerstörte Gideon den Götzenaltar seines Vaters. Er wurde noch immer von Furcht geplagt, doch er war gehorsam (V. 27). Dieser Gehorsam bereitete ihn für den Kampf vor, von dem in Kap. 7 berichtet wird. Sein Name wurde von Gideon zu Jerub-Baal, d. h. Baal rechte mit ihm.

ad b) Ein Mann des Glaubens: 7

Der Glaube Gideons wurde nun gestärkt und Gott konnte ihm eine größere Aufgabe anvertrauen, nämlich die Midianiter mit einem kleinen Heer und unkonventionellen Waffen zu schlagen. Zuerst meldeten sich 32.000 Soldaten bei Gideon. Davon hatten 22.000 Angst und wurden wieder nach Hause geschickt. Danach prüfte Gott die Wachsamkeit und Tüchtigkeit der übriggebliebenen 10.000. 9.700 wurden als nicht wachsam erfunden, als sie beim Wassertrinken ihre Waffen niederlegten. Die Zahl von Gideons Heer betrug daher 300 wachsame, kampftüchtige Soldaten. Diese Männer waren furchtlos und wachsam. Die Feiglinge und Unwachsamen wurden nach Hause geschickt. Mit diesem kleinen Heer besiegte Gideon die Midianiter völlig. Als Waffen benutzten sie Posaunen und Fackeln, die in Krügen versteckt waren.

ad c) Ein Mann des Versagens: 8

Nach dem großen Sieg versuchte Israel Gideon zum König zu machen, doch er lehnte ab (V. 33). Aber in den Versen 24-27 wird sein Versagen offenbar. Ausgerechnet in der Stadt Ophra, wo er den Götzenaltar seines Vaters zerstört hatte, machte er von der Kriegsbeute ein Ephod und stellte es auf. Dieses Ephod wurde für Israel und für das Haus Gideons zum Fallstrick. Der Glaube dieses Mannes wurde in seinen späteren Jahren durch sein Versagen überschattet. Israel bekam von seinem Dienst wenig Nutzen und V. 34-35 zeigen, dass die Lage genauso schlimm war wie vor seinem Dienst.

7) MIDIANITISCHE HERRSCHAFT - ABIMELECH: 9

Abimelech war der Sohn der Nebenfrau von Jerub-Baal zu Sichem. Er wollte König werden. Dieses Amt hatte Jerub-Baal ausdrücklich abgelehnt (8,23). Seine Regierungszeit dauerte etwa 3 Jahre, danach rebellierte das Volk gegen ihn. Er wurde während eines Versuches, diese Rebellion niederzuschlagen, getötet. Aus dieser Geschichte kann man zwei Prinzipien hinsichtlich einer geistlichen Führerschaft lernen:

  1. Das Volk machte den Fehler, dass sie Abimelech zu schnell zum König bestimmten, ohne sich die Zeit zu nehmen, ihn zu überprüfen, ob er für diese Verantwortung wirklich geeignet war.
     
  2. Abimelech machte den Fehler, dass er sich mit Gewalt in ein Amt drängen wollte, wofür er völlig ungeeignet war.

8) AMMONITISCHE HERRSCHAFT - JEPHTHA: 10-12

Kap. 10 schildert die geistlichen und moralischen Hintergründe der ammonitischen Herrschaft. 10,10-16 offenbart die Beugung Israels und den Hilferuf an den Herrn. Gott verwendet einen Mann, welcher aus einem tragischen familiären Hintergrund kommt (11,1-3) - Jephtha. Bevor er gegen Ammon in den Krieg zog, machte er ein vorschnelles Gelübde - "Wenn du die Kinder Ammon wirklich in meine Hand gibst, so soll das was zur Tür meines Hauses herausgeht, mir entgegen, wenn ich in Frieden von den Kindern Ammon zurückkehre, es soll Jahwe gehören, und ich werde es als Brandopfer opfern." (11,30-32). Als Jephtha von einer siegreichen Schlacht nach Hause zurückkehrte, kam ihm seine Tochter als erstes entgegen.

Viele meinen, dass Jephtha seine Tochter dem Herrn tatsächlich als Brandopfer dargebracht hat, dagegen sprechen jedoch drei Gründe:

  1. Er kannte die Gesetze Israels: Menschenopfer waren ausdrücklich verboten. Sollte er so ein Menschenopfer dargebracht haben, dann ist es nicht möglich, dass Gott gegen Sein eigenes Wort handelt und es annimmt. In V. 29 schenkte Gott Jephtha Seinen Geist. Er hätte dies sicherlich nicht angesichts eines Menschenopfers getan.
     
  2. Der Grund für die Trauer in V. 38 war nicht der Tod von Jephthas Tochter, sondern ihre Jungfernschaft.
     
  3. Wahrscheinlich gab Jephtha seine Tochter hin für den Gottesdienst in dem Heiligen Zelt. Da sie in diesem Dienst nicht heiraten durfte und Jephtha keine anderen Kinder mehr hatte, wurden ihm keine Kinder geboren, um seine Linie fortzusetzen. (Es gibt im AT einige Beispiele von Frauen, welche bei dem Heiligen Zelt gedient hatten - 1Sam 2,22 und 2Mo 38,8). Dies war das Opfer, welches Jephtha brachte.

Kap. 12 zeigt, wie sich die Männer von Ephraim bei Jephtha beschwerten, dass er sie nicht in den Kampf miteinbezogen hat. (Eine ähnliche Beschwerde brachten sie früher auch an Gideon heran und erhielten eine freundliche Antwort - siehe 8,1-3). Jephtha hingegen beschuldigte Ephraim, dass sie ihn im Stich gelassen hätten (12,2-3). In der Schlacht, welche aus diesem Streit resultierte, wurden 42.000 Männer von Ephraim getötet.

9) PHILISTISCHE HERRSCHAFT - SIMSON: 13-16

a) seine Geburt (13)
b) seine Kämpfe mit den Philistern (14-15)
c) der Verrat und Tod (16)

Simson begann Israel von den Philistern zu befreien. Er erreichte aber während seines Lebens nicht sein Ziel.

ad a) Seine Geburt: 13

Die Worte des Engels, der die Geburt Simsons ankündigte, waren prophetisch - "und er wird anfangen, Israel aus der Hand der Philister zu retten" (V. 5). Anstatt Israel zu befreien, war Simson am Ende seines Lebens selbst ein Gefangener der Philister. Der Grund dafür lag in seiner Disziplinlosigkeit. Der Engel kündigte auch an, dass er ein Nasiräer sein sollte - "kein Schermesser soll auf sein Haupt kommen, denn ein Nasiräer Gottes soll der Knabe sein von Mutterleibe an" (V. 5). Die Eltern erkannten die große Verantwortung, welche sie hatten, und baten zweimal um göttliche Hilfe (V. 8 + 12).

ad b) Seine Kämpfe mit den Philistern: 14-15

In diesen Kapiteln werden öfters die von Gott gegebenen Gaben in dem Leben von Simson gezeigt. Doch in tragischer Weise verwendete er diese Gaben häufig für die Verwirklichung eigener Pläne und Wünsche. Einige Male wird der Heilige Geist in Verbindung mit seinen Aktivitäten gebracht (13,25; 14,6 + 19; 15,14). In Kap. 14 offenbart sich die Eigensinnigkeit von Simson ganz besonders, als er seine Eltern aufforderte, für ihn eine Ehe mit einer philistischen Frau zu organisieren. Die Eltern rieten ihm von diesem Schritt ab (14,1-4), er setzte jedoch seinen Willen durch. Die darauffolgende Hochzeit verursachte eine Auseinandersetzung mit den Philistern und Simson musste 30 von ihnen töten.

Es wird in diesen Kapiteln von etwa sieben Begebenheiten berichtet, bei welchen Simson seine göttlichen Gaben einsetzte; diese können jedoch nur eine kleine Auswahl von den vielen Taten dieses Mannes darstellen.

  1. einen Löwen ohne Waffen erschlagen (14,5-6)
  2. 30 Philister erschlagen, um Hochzeitsgewänder zu bekommen (14,19)
  3. 300 Schakale benutzt, um die Ernte der Philister zu zerstören (15,4-5)
  4. viele Philister bei Etam erschlagen (15,6-9)
  5. die Bande zerrissen, mit welchen er gebunden war (15,14)
  6. 1.000 Philister mit einem Eselskinnbacken erschlagen (15,15-17)
  7. die Tore der Stadt Gaza aus ihrer Verankerung gerissen und etwa 70 Kilometer bis Hebron getragen (16,3).

ad c) Der Verrat und Tod: 16

Der Fall von Simson kam durch Delila. Sie hatte ihn verraten. Dem Verrat vorausgegangen sind drei Übertretungen des Nasiräer-Gelübdes durch Simson.

  1. Berührung mit einem toten Löwen (14,8)
  2. Teilnahme an einem philistischen Fest mit der Konsumierung alkoholischer Getränke (14,10)
  3. das Schneiden seines Haares (16,17-19)

Simsons letzter Sieg war ein hohler Sieg, da er ihn mit seinem eigenen Leben bezahlen musste. Doch in diesem Tod tötete er mehr Philister als zu seinen Lebzeiten.

Das Leben von Simson zeigt drei wichtige Prinzipien -

  1. Er wurde mit allem geistlichen Segen gesegnet, doch sein Leben endete mit einer Tragödie.
  2. Er selbst war sein größter Feind; er konnte einen Löwen oder 1.000 Philister erschlagen, doch seine eigenen fleischlichen Lüste konnte er nicht bekämpfen.
  3. Für Sünde muss ein hoher Preis bezahlt werden.
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