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Bibelüberblick - Teil 29

Das erste Buch Samuel - 
von Gottesherrschaft zur Königsherrschaft

1. Samuel 1-7

HAUSAUFGABE
  1. BIBEL: 1Sam 1-7 aufmerksam durchlesen
  2. FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen aus dem obigen Abschnitt in der Bibel, bevor du die Unterlagen durchliest.
    1. Wer sind die zwei Hauptpersönlichkeiten in 1Sam 1-7?
    2. Ziehe einen Vergleich zwischen den Söhnen Elis und dem Sohn von Hanna.
    3. Beschreibe den Dienst Samuels, welchen er in 1Sam 7,5-17 für das Volk Israel verrichtet.
  3. UNTERLAGEN: Teil 29 aufmerksam durchlesen

EINLEITUNG ZU 1. SAMUEL

Im ursprünglichen hebräischen Text waren 1. + 2. Samuel und 1. + 2. Könige je ein Buch. Die Übersetzer der Septuaginta teilten diese zwei Bücher jedoch in vier Bücher und nannten sie die vier Bücher der Könige–

Obwohl Samuel einen Teil der zwei Bücher, welche seinen Namen tragen, geschrieben haben könnte, ist es offenbar, dass er nicht alles verfasst hat. Der größere Teil des Werkes berichtet über Ereignisse, welche nach seinem Tod stattgefunden haben.

1. Samuel wird besondere geschichtliche Bedeutung beigemessen, da es den Übergang von der Gottesherrschaft zur Königsherrschaft in der Geschichte Israels beschreibt.

Karte 64 - Die geschichtliche Bedeutung von 1. Samuel

Dieser Übergang von der Gottesherrschaft zur Königsherrschaft ist es auch, welcher die Grundlage für die Unterteilung des Buches liefert.

Karte 65 - Die Unterteilung von 1. Samuel

1-7

8-31

DAS ENDE DER RICHTER

   DIE ERRICHTUNG DES KÖNIGREICHES   

Eli und Samuel

Saul und David

Das Buch gibt auch wichtige Hinweise hinsichtlich der drei Ämter im Volk Israel –

  1. das Versagen des priesterlichen Amtes
  2. das Formen des prophetischen Amtes
  3. die Gründung des königlichen Amtes

1. Samuel liefert auch Information über vier wichtige Personen in der Geschichte Israels, nämlich Eli, Samuel, Saul und David:

  1. Eli und Samuel      (Kap. 1 – 7)
  2. Samuel und Saul   (Kap. 8 – 15)
  3. Saul und David      (Kap. 16 – 31)

DER GESCHICHTLICHE HINTERGRUND

Israel erreichte in dem 12. und 11. Jahrhundert den Höhepunkt seiner Geschichte, und zwar während der Königsherrschaft von David und Salomo. Einer der Hauptgründe für diese Glanzzeit war, dass es wenig oder keine Einmischung von den rund um das Land Kanaan liegenden heidnischen Völkern gab.

Karte 66 - Die heidnischen Völker um das Land Kanaan zur Zeit von 1. Samuel

1) Ägypten

Die Macht des Pharao verschwand und durch viele Jahrhunderte hindurch wurde das Land von einer stark politisch engagierten Priesterfamilie regiert. Erst in dem fünften Jahr von König Rehabeam (ca. 927 v. Chr.) wurde Ägypten wieder stark genug, um Israel zu bezwingen (1Kö 14,25-26).

2) Assyrien

Auch die Assyrer waren geschwächt, durch interne Machtkämpfe zerrissen. Erst um 875 v.Chr. gewann Assyrien die absolute Herrschaft über das Tigris-Euphrat Gebiet und wurde dadurch zu einer Bedrohung für Israel.

3) Philistäa

Während der Übergangszeit von 1. Samuel waren die Philister die einzige ernste Bedrohung für Israel. Sie besiedelten um 1200 v.Chr. die Küste und das Küstenflachland. Die fünf Hauptstädte ihrer fünf Fürsten waren Asdod, Gasa, Askalon, Gath und Ekron (1Sam 6,17). Die Stärke der Philister lag darin, dass sie die Kunst der Eisenverhüttung beherrschten. Als Folge davon waren sie auch geschickte Eisenschmiede in der Produktion von Waffen und landwirtschaftlichen Geräten. In 1Sam 13,19-20 wird die völlige Abhängigkeit der Israeliten von den Philistern geoffenbart –

"Und es war kein Schmied zu finden im ganzen Lande Israel.... Und ganz Israel ging zu den Philistern hinab, ein jeder, um seine Pflugschar und seinen Spaten und sein Beil und seine Sichel zu schärfen ......."

Erst als König David das Land Edom einnahm und dadurch Zugang zu den Bodenschätzen der Sinai-Halbinsel bekam, wurde dieses Monopol der Philister gebrochen. David brachte die Eisenverhüttung nach Israel und machte sein Königreich unabhängig und stark.

4) Aram (Syrien)

Hadadeser von Zoba, einer Provinz in Syrien, war der einzige König, welcher für Israel eine Gefahr darstellte. Doch als David sein Reich expandierte, fiel auch dieser König unter die Herrschaft Israels (1Sam 8,3-8).

5) Phönizien

Die Phöniker besiedelten das Küstenflachland im Norden Kanaans. Sie waren grundsätzlich ein friedfertiges Volk. Das Schwergewicht ihrer Politik lag auf der Marine und nicht auf dem Heer. In späteren Jahren unterhielt David außerordentlich gute Beziehungen zu König Hiram von Tyrus.

6) Edom

Die Edomiter wurden bereits von König Saul angegriffen, aber erst als David König wurde, konnte er den endgültigen Sieg erringen. Die Bodenschätze in Edom, vor allem das Kupfer und das Eisenerz, brachten dem Reich Davids viele Vorteile und eine Überlegenheit anderen Völkern gegenüber.

7) Moab

Die Moabiter wurden von Saul besiegt und von David tributpflichtig gemacht. Zwei Jahrhunderte hindurch waren sie unter der völligen Herrschaft Israels.

8) Amalek

Die Amalekiter gehörten der Nachkommenschaft Esaus an. König Saul kämpfte gegen sie, aber er unterließ es, sie völlig auszurotten (1Sam 15,1-9).

9) Ammon

Am Anfang seiner Regierungszeit besiegte Saul die Ammoniter bei Jabes-Gilead (1Sam 11,1-11). Doch David brachte das Volk völlig unter seine Herrschaft, als er Rabba-Ammon einnahm (2Sam 12,26-31)

In der Karte 66 auf Seite 135 kann man erkennen, wie das Volk Israel in Kanaan wuchs. Unter der Herrschaft Davids gelangte es von nur "einem Volk unter Völkern" zu einem der bedeutendsten Reiche der Mittelmeergegend.

 

EINTEILUNG VON 1. SAMUEL

HAUPTGEDANKE: DAS KÖNIGREICH ERRICHTET - SAUL UND DAVID

I) DAS ENDE DER RICHTER - ELI UND SAMUEL: 1-7

1) DIE GEBURT SAMUELS  1,1-2,11
2) DIE JUGEND SAMUELS  2,12-3,21

a) das Versagen der Söhne Elis (2,12 – 17; 2,22 – 36)
b) die Treue Samuels (2,18 – 21; 3,1-21)

3) DER DIENST SAMUELS DIE JUGEND SAMUELS  4-7

II) DIE ERRICHTUNG DES KÖNIGREICHES – SAUL UND DAVID: 8-31

4) SAUL  8-15

a) die Erwählung Sauls - Erfolg (8-11)
b) Samuel zieht sich zurück (12)
c) die Verwerfung Sauls - Versagen (13 – 15)
5) DAVID  16-31

a) David dient Saul am Hof (16-20)
b) David flieht vor Saul in die Wüste (21-31)


I) DAS ENDE DER RICHTER - ELI UND SAMUEL: 1-7

Dieser erste Abschnitt im 1. Samuel stellt die Verbindung zu der Geschichte der verschiedenen Richter Israels in dem Buche der Richter und Ruth dar. Eli, sein Ungehorsam und seine gottlosen Söhne werden mit der Treue und dem Gehorsam von Samuel verglichen. In dieser dunklen Stunde der Geschichte Israels war Samuel – "der Lichtblick von Gott".

Sein Platz in der Geschichte Israels ist einmalig –

  1. der letzte Richter - überall in Israel
  2. der größte Prophet - seit Mose
  3. der führende Priester - obwohl er nicht zu der Familie Aarons gehörte

1) DIE GEBURT SAMUELS: 1,1-2,11

Hanna sehnte sich nach einem Sohn. Ihre tiefe Traurigkeit wird dargestellt. Eli verwechselt ihr Gebet vor dem Herrn mit Trunkenheit. Diese Begebenheit offenbart zwei Punkte –

  1. Da Eli das Verhalten Hannas für Trunkenheit hielt, ist anzunehmen, dass die Israeliten öfters Gott in einem betrunkenen Zustand anbeteten. Dieser Exzess war bei den heidnischen religiösen Praktiken nämlich gang und gäbe.
     

  2. Eli, als der Hohepriester, sollte in Verbindung mit Gott sein – doch bei dieser Begebenheit besaß er nicht einmal genügend geistlichen Einblick, um Traurigkeit und seelische Not von Trunkenheit zu unterscheiden. Im Verlauf dieser Geschichte wird der Unterschied zwischen Eli und Hanna deutlicher –

Das Lied von Hanna wird in 2,1-10 wiedergegeben. Sie rühmt vor allem die Treue und die Allmacht Gottes. (Ein Widerhall dieses Liedes wurde mehr als 1000 Jahre später gegeben, als Maria Gott lobte - Lk 1,46-55).

2) DIE JUGEND SAMUELS: 2,12-3,21

a) das Versagen der Söhne Elis (2,12 – 17; 2,22 – 36)
b) die Treue Samuels (2,18 – 21; 3,1 – 21)

In diesem Teil der Geschichte wird eine Gegenüberstellung der Familie Elis (seinen Söhne – Hophni und Pinehas) und der Familie Hannas (ihr Sohn – Samuel) gebracht –

DIE SÖHNE ELIS
Hophni und Pinehas

DER SOHN HANNAS
Samuel

2,12 – 17

2,18 – 21

2,22 – 36

3,1 – 21

VERSAGEN – SÜNDE

TREUE - DIENST

ad a) Das Versagen der Söhne Elis – 2,12 – 17; 2,22 – 36

In Kap. 1 wurde geoffenbart, dass Eli Mangel an geistlichem Einblick hatte. Nun wird sein Versagen als geistlicher Führer und Vater aufgezeigt, als diese Mängel sich in seinen beiden Söhnen offenbaren:

  1. seine Söhne kannten den Herrn nicht (2,12)
  2. sie verachteten die Dinge Gottes (2,17)
  3. sie brachten sexuelle Ausschweifungen und andere Elemente des kanaanitischen Götzendienstes in den Gottesdienst Israels (2,22)
  4. Eli hing mit einer "Affenliebe" an seinen Söhnen – er ehrte sie mehr als den Herrn (2,29)
  5. Eli war nicht das Haupt in seinem Hause – er konnte sich seinen Söhnen gegenüber nicht durchsetzen, was zur Folge hatte, dass sie niemals geistliche Autorität anerkennen mussten (3,13)

ad b) Die Treue Samuels - 2,18 – 21; 3,1 – 21

Als völliger Gegensatz zu den Söhnen Elis wird von der Treue Samuels berichtet. Inmitten dieser gottlosen Umgebung dient er dem Herrn (3,1). Obwohl Eli der Hohepriester war, sprach Gott selten mit ihm – "das Wort Jahwes war selten in jenen Tagen, Gesichte waren nicht häufig" (3,1). Doch Gott sprach zu Samuel und offenbarte ihm Seinen Willen (3,2-14).

3) DER DIENST SAMUELS: 4-7

Diese Kapitel zeigen, dass Gott wirklich mit Samuel ist. Zuerst wird von einer Niederlage Israels berichtet, und dann von einem wunderbaren Sieg. Samuel war die Person, welche diese Änderung bewirkte.

4-6

7

NIEDERLAGE

SIEG

ISRAEL VERTRAUT DER BUNDESLADE

ISRAEL VERTRAUT GOTT

Betonung der Unzulänglichkeit von Eli

Betonung des Glaubens von Samuel

In Kapitel 4 wird Israel von den Philistern besiegt. Um den Kampf doch zu gewinnen, nehmen sie die Bundeslade mit - in dem Glauben, dass diese irgendeine "magische" Wirkung habe. Israel setzt sein Vertrauen mehr auf die Bundeslade, als auf den Gott der Bundeslade. Die Philister erbeuten die Bundeslade und Israel wird völlig zerschlagen. Eli stirbt und die priesterliche Linie kann erst durch seinen Enkel fortgesetzt werden (4,20 – 21). Samuel springt in die geistliche Bresche.

In Kap. 5 + 6 werden die Schwierigkeiten gezeigt, welche die Philister hatten, weil sie die Bundeslade bei sich behielten. Die Bundeslade kommt wieder nach Israel und bleibt in dem Hause Abinadabs (7,1).

Kap. 7 zeigt die Wende von der Niederlage zum Sieg. Samuel ermutigt das Volk während eines Tages der nationalen Trauer bei Mizpa, mit dem Götzendienst Schluss zu machen, (7,2 – 6). Anschließend schenkt Gott einen mächtigen Sieg über die Philister. Als Gedenkstätte richtet Samuel einen Stein auf und nennt ihn "Eben-Eser" (Stein der Hilfe).

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