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Bibelüberblick - Teil 54

Das Buch Hiob -
Warum muss der Gerechte leiden?

Hiob 1-10

HAUSAUFGABE
  1. BIBEL: Hi 1-10 aufmerksam durchlesen
  2. FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen aus dem obigen Abschnitt in der Bibel, bevor du die Unterlagen durchliest.
    1. Beschreibe Hiob aufgrund der in 1,1-5 über ihn gegebenen Information.
    2. Zähle alles auf, was Hiob bei dem ersten Angriff Satans widerfahren ist (1,6-22).
    3. In Kapitel 3 stellt Hiob zwei grundlegende Fragen. Welche sind das?
    4. Wie heißen die drei Freunde von Hiob? Fasse in einigen Worten zusammen, welche Ratschläge sie Hiob erteilten.
  3. UNTERLAGEN: Teil 54 aufmerksam durchlesen

EINLEITUNG ZU DEN POETISCHEN BÜCHERN

Die Absicht der Schreiber der fünf poetischen Bücher des AT könnte am besten mit dem Ausdruck "eine Auswertung des Lebens" zusammengefasst werden. Sie werden auch "Weisheitsliteratur" genannt, da sie in ihrem Schreibstil zeitgenössischen, nicht biblischen Schriften, welche auch diesen Namen tragen, sehr ähnlich sind. Für den modernen Menschen ist es sehr schwierig, die poetischen Merkmale dieser Bücher auf den ersten Blick festzustellen. Es muss aber in Erinnerung gehalten werden, dass hebräische poetische Literatur auf der Grundlage des Parallelismus der Gedanken und nicht des Reimes aufgebaut wurde. Die drei wichtigsten Formen des Parallelismus sind:

  1. sinnverwandt (synonymer Parallelismus) - d.h. die zweite Zeile wiederholt die Wahrheit der ersten Zeile in ähnlichen Worten
    z. B.
    "Jahwes ist die Erde und ihre Fülle,
    der Erdkreis und die darauf wohnen" (Ps 24,1)
     
  2. gegensätzlich (antithetischen Parallelismus) - d.h. die Aussage der ersten Zeile wird durch den Vergleich mit der Aussage der zweiten Zeile betont
    z.B.
    "Eine gelinde Antwort wendet den Grimm ab,
    aber ein kränkendes Wort erregt den Zorn" (Spr 15,1)
     
  3. zusammensetzend (synthetischer Parallelismus) - d.h. die zweite Zeile erklärt oder ergänzt die erste Zeile
    z.B. 
    "Das Gesetz des Herrn ist vollkommen,
    erquickend die Seele" (Ps 19,7)

Die poetischen Bücher werfen fünf grundsätzliche Fragen des Lebens auf:

HIOB

Warum muss der Gerechte leiden?

DIE PSALMEN

Was ist Anbetung?

DIE SPRÜCHE

Was ist Weisheit?

DER PREDIGER

Was ist das Allerbeste?

DAS LIED DER LIEDER

Was ist Liebe?

Es ist schwierig, bei den poetischen Büchern die Zeit der Niederschrift festzulegen, da sie fast keine Information enthalten, welche mit der Geschichte Israels identifiziert werden könnte. Gemeinsam mit den siebzehn prophetischen Büchern ergänzen diese fünf poetischen Bücher jedoch auf jeden Fall das geschichtliche Gerüst, welches in 1. Mose bis Esther geliefert wird.

EINLEITUNG ZU HIOB

Der Schreiber von Hiob wird öfters "der Shakespeare der Bibel" genannt. Sein Werk ist literarisch schwierig zu definieren. Elemente von verschiedenen Richtungen sind zu erkennen:

Das Buch hat jedoch trotz aller Versuche, es literarisch einzureihen, einen eigenen und einmaligen Stil. Obwohl viel über den Stil diskutiert wird, darf nicht vergessen werden, dass Hiob eine geschichtliche Person ist. Das AT und das NT bestätigen diese Tatsache - siehe Hes 14,14 + 20; Jak 5,11.

Die Niederschrift von Hiob fand wahrscheinlich zur Zeit der Regierung Salomos statt. Das Gedankengut dieses Buches weist Ähnlichkeite

n zu anderen Werken dieser Zeit auf. Der Schreiber ist unbekannt. (Grundsätzlich gibt es jedoch fünf verschiedene Auffassungen in Bezug auf den Zeitpunkt der Niederschrift, welche von der Zeit Abrahams bis zur babylonischen Gefangenschaft reichen). Es muss jedoch unterschieden werden zwischen:

  1. dem Zeitpunkt der Niederschrift
  2. dem Zeitpunkt der Handlung des Buches

Die geschichtliche Person Hiob lebte zur Zeit der Patriarchen. Vier Gründe deuten auf diese Tatsache hin:

  1. die Familienverhältnisse, welche in dem Buche beschrieben werden
  2. es gibt keine Erwähnung des Gesetzes oder der Religion der Juden
  3. es gibt keine Erwähnung der Propheten
  4. das einfache Leben, wie es beschrieben wird, würde in die Zeit der Patriarchen passen.

Das Hauptthema des Buches ist "die Leiden Hiobs". Er wird als musterhafter Gläubiger und als unschuldige Person dargestellt, welche jedoch in unbeschreibliche Schwierigkeiten kommt. Diese Umstände werfen die Frage auf: WARUM MUSS DER GERECHTE LEIDEN?

Karte 112 - Die Unterteilung des Buches Hiob

1-2

3,1-42,6

42,7-42,17

DER PROLOG
(Prosa)

DER DIALOG
(Poesie)

DER EPILOG
(Prosa)

das Problem wird aufgebracht

das Problem wird besprochen

der Schluß wird gezogen

 

EINTEILUNG DES BUCHES HIOB

HAUPTGEDANKE: GEPRÜFT!

I) DER PROLOG: 1-2

1) HIOB WIRD VORGESTELLT  1,1-5
2) HIOB WIRD ANGEGRIFFEN  1,6-2,13

II) DER DIALOG: 3,1-42,6

3) DIE WEHKLAGE HIOBS  3
4) HIOB UND SEINE DREI FREUNDE  4 - 28

    1. die erste Runde (4-14)
    2. die zweite Runde (15-21)
    3. die dritte Runde (22-28)

5) DIE ABSCHLIESSENDE REDE HIOBS  29 - 31
6) HIOB UND ELIHU  32-37
7) HIOB UND DER HERR  38,1 - 42,6

    1. die erste Offenbarung Gottes (38,1-39,32)
    2. die Antwort Hiobs (39,33-35)
    3. die zweite Offenbarung Gottes (40-41)
    4. die Antwort Hiobs (42,1-6)

III) DER EPILOG: 42,7-17

8) DEN DREI FREUNDEN WIRD GEHOLFEN  42,7 - 9
9) DIE WIEDERHERSTELLUNG VON HIOB  42,10 - 17


I) DER PROLOG: 1-2

1) HIOB WIRD VORGESTELLT: 1,1-5

Drei Aspekte von Hiobs Leben werden betont:

  1. geistlich (V.1) - Er wird als ein ausgeglichener, reifer Gläubiger dargestellt; er führte einen heiligen Wandel und war dem Herrn hingegeben.
  2. materiell (V. 2-3) - Er war sehr reich und hatte viele Besitztümer, doch er ließ sich von diesen Reichtümern nicht verblenden oder verleiten. Seine Beziehung zu den materiellen Gütern stimmte, weil seine Beziehung zu Gott stimmte.
  3. familiär (V. 4-5) - Er war ein guter Familienvater, der viel Zeit mit seinen Kindern verbrachte. Er nahm auch seine Verantwortung als Priester für seine Familie war. Er betete für sie und brachte Opfer für sie "allezeit".

2) HIOB WIRD ANGEGRIFFEN: 1,6-2,13

In diesem Abschnitt wechselt zweimal der Ort der Handlung, und zwar vom Himmel auf die Erde.

Karte 113 - Die Gespräche im Himmel und die Folgen auf Erden

Das erste Gespräch - Gott fängt das Gespräch mit Satan an. Er macht ihn auf die Treue Seines Knechtes Hiob aufmerksam. Satan bestreitet nicht die Einschätzung, stellt jedoch die Motive Hiobs in Frage. Satan argumentiert, dass der Grund für Hiobs Treue in den Segnungen Gottes zu suchen sei. Um diese Behauptung zu entkräften, gibt Gott Satan die Erlaubnis, die Familie und die materiellen Güter Hiobs anzugreifen. Das ganze Geschehen wird jedoch von Gott kontrolliert.

Die Folgen - Vier Botschaften von Katastrophen folgen blitzartig hintereinander. Hiob zeigt seine geistliche Größe: "Er fiel zur Erde nieder und betete an" (1,20). Er erkennt, dass er letzten Endes nur ein Verwalter der Segnungen Gottes (d.h. seiner Kinder und Besitztümer) gewesen ist (1,21).

Das zweite Gespräch - Dieses Gespräch verläuft in ähnlicher Weise wie das erste. Die Behauptung Satans bei dem ersten Gespräch wird als falsch entlarvt. Gott sagt, dass Hiob trotz aller Prüfungen "noch fest an seiner Vollkommenheit hält" (2,3). Satan kontert, dass die ersten Prüfungen nicht stark genug waren. Wenn sich die Angriffe gegen Hiob selbst richteten, dann würde er Gott verlassen. Hiob darf zum zweiten Mal von Satan angegriffen werden, damit dessen Behauptung zurückgewiesen werden kann.

Die Folgen - Hiob wird mit einer Hautkrankheit geplagt, die folgende Symptome zeigt:

schlimme Geschwüre (2,7), Juckreiz (2,8), krankhafte Veränderungen der Gesichtshaut (2,7+12), Appetitlosigkeit (3,24), Niedergeschlagenheit (3,24-25), Schwinden der Kräfte (6,11), Würmer in den Geschwüren (7,5), eiternde Geschwüre (7,5), Atemnot (9,18), Schatten vor den Augen (16,16), Mundgeruch (19,17), Abmagerung (19,20; 33,21), immerwährender Schmerz (30,17), Ruhelosigkeit (30,27), schwarz werdende Haut (30,30), sich schälende Haut (30,30) und Fieber (30,30).

Hiobs Frau wendet sich von ihm ab und seine Freunde können ihm überhaupt nicht helfen. Hiob hat alles verloren und ist nun völlig allein.

II) DER DIALOG: 3,1-42,6

Dieser in Gedichtform geschriebene Abschnitt enthält die verschiedensten Versuche, das plötzliche Leid Hiobs zu erklären.

3) DIE WEHKLAGE HIOBS: 3

Hiob ist am Verzweifeln, als er über seine Probleme nachdenkt. Er sucht bei seinen Freunden Hilfe, die nachfolgenden Kapitel zeigen jedoch, dass sie ihm wenig helfen können. Grundsätzlich stellt Hiob nun zwei Fragen:

  1. Warum bin ich geboren?
  2. Warum kann ich nicht sterben?

4) HIOB UND SEINE DREI FREUNDE: 4-28

  1. die erste Runde (4-14)
  2. die zweite Runde (15-21)
  3. die dritte Runde (22-28)

Dieser Abschnitt weist eine ganz bestimmte Ordnung auf. Jeder der drei Freunde spricht dreimal und Hiob antwortet fast jedesmal.

Karte 114 - Die Reden der drei Freunde

DIE ERSTE RUNDE
(4-14)

DIE ZWEITE RUNDE
(15-21)

DIE DRITTE RUNDE
(22-28)

Eliphas  4-5
HIOB     6-7
Bildad    8
HIOB     9-10
Zophar   11
HIOB     12-14

Eliphas  15
HIOB     16-17
Bildad    18
HIOB     19
Zophar   20
HIOB     21

Eliphas  22
HIOB     23-24
Bildad    25
HIOB     26-27,7
Zophar   27,8-23 *)
HIOB     28

*) Bei der letzten Rede wird der Name Zophar nicht erwähnt, doch man kann annehmen, dass er der Redner war. Andere Ausleger sind aber auch der Meinung dass die Rede von Hiob oder vom Schreiber des Hiobbuches selbst ist.

Die Reden der Freunde weichen inhaltlich sehr wenig voneinander ab. Das grundlegende Argument ist - Gott handelt mit Menschen immer auf der Grundlage von Gerechtigkeit. Gott verwendet Leiden, um die Menschen für ihre Sünde zu strafen. Wenn ein Mensch leidet, dann empfängt er eigentlich nur, was er ohnehin verdient hat. Die Bedeutung des Leidens Hiobs ist, dass er für irgendwelche Sünden bestraft wird. Er solle seine Sünden bekennen, dann werde Gott auf ihn hören (siehe 4,7-8; 8,3-7 und 11,1-6).

ad a) Die erste Runde: 4-14

Eliphas: 4-5 - Der Name Eliphas bedeutet: "Gott ist wie feines Gold". Er kam aus Teman in Edom. Es ist möglich, dass er ein Nachfolger des Sohnes Esaus (auch Eliphas genannt) war, der einen Sohn namens Teman hatte (1Mo 36,4.10-11.15). Eliphas bringt vorsichtig seine Meinung zum Ausdruck, und zwar, dass kein Mensch mit seiner beschränkten Weisheit vor einem allmächtigen Gott als Gerechter erscheinen könne. Da Hiob leidet, nimmt Eliphas an, dass er für Sünde bestraft wird.

Hiob: 6-7 - Hiob schildert seine unglaublichen Leiden, welche seine Freunde nicht verstehen. Es scheint ihm, als ob Gott ihn zu ununterbrochenen Leiden verurteilt hätte. Er sehnt einen Ausgang herbei, in dem er Befreiung, Tod oder Vergebung seiner Sünde erlangen würde.

Bildad: 8 - Er fängt seine erste Rede mit einer Beteuerung an, dass Gott niemals anders als recht handeln könne: "Wird Gott das Recht beugen, oder wird der Allmächtige beugen die Gerechtigkeit" (8,3). Bildad stellt auch fest, dass der Herr niemals einen unschuldigen Mann verlassen würde. Auch er nimmt an, dass Hiob seiner Sünden wegen leidet.

Hiob: 9-10 - Hiob fragt: "Wie könnte ein Mensch gerecht sein vor Gott?" (9,1). Er stimmt auch ein, dass Gott allmächtig ist und dass Er machen kann, was Er will, ohne irgendjemandem Rechenschaft abgeben zu müssen. Hiob hasst nun das Leben und hofft auf ein baldiges Abscheiden (10,18-22).

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