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Bibelüberblick - Teil 62

Das Buch der Sprüche - Was ist Weisheit?
Sprüche 1-9

HAUSAUFGABE
  1. BIBEL: Spr 1-9 aufmerksam durchlesen
  2. FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen aus dem obigen Abschnitt in der Bibel, bevor du die Unterlagen durchliest.
    1. Für welche vier Gruppen von Menschen wurden die Sprüche geschrieben (siehe 1,1-6)?
    2. Wie oft kommt der Ausdruck "die Weisheit" in Kap. 1-9 vor?
    3. In 1Kor 1,30 wird der Herr Jesus Christus "die Weisheit" genannt. Welche geistliche Bedeutung hat dies im Hinblick auf Spr 8?
  3. UNTERLAGEN: Teil 62 aufmerksam durchlesen

I) EINLEITUNG ZU DEN SPRÜCHEN

Das Thema der Sprüche ist die Weisheit. Ein Leben in der Weisheit kann nur in Gemeinschaft mit dem Gott der Weisheit geführt werden. Der Schlüssel zu dieser Gemeinschaft ist die Furcht des Herrn - "die Furcht Jahwes ist der Erkenntnis Anfang" (1,7).

Es gibt verschiedene Auffassungen, was den Zeitpunkt der Niederschrift der Sprüche anbelangt. Liberale Theologen behaupten, dass das Buch in der zwischentestamentarischen Zeit um 350 v. Chr. von einem anonymen Schreiber verfasst wurde, der sich den Namen Salomo nur angeeignet hatte. Obwohl das Buch sicher erst nach dem Tode Salomos zusammengestellt wurde, gibt es keine Indizien, dass es so spät geschrieben wurde. Viel eher deutet der Inhalt des Buches auf eine Zeit in der Geschichte Israels vor der babylonischen Gefangenschaft hin.

WAS IST DAS WESEN DER SPRÜCHE?

Grundsätzlich gibt es zwei wichtige Merkmale der Sprüche:

  1. universal
    Die Sprüche wurden nicht in einem bestimmten geschichtlichen Zusammenhang geschrieben, sondern sie beinhalten allgemeine Aussagen, welche zu jeder Zeit, ganz gleich was der geschichtliche Hintergrund sein mag, ihre Gültigkeit haben. Es ist daher von Interesse, dass abgesehen von den einleitenden Worten in 1,1 oder 25,1, der Ausdruck "Israel" oder "Juda" nicht vorkommt.
     
  2. allumfassend
    Die Sprüche behandeln fast jeden Bereich des Lebens, doch nicht jeder individuelle Spruch ist gültig in jeder Lage. Es sind Wahrheiten, welche in einem ganz bestimmten Zusammenhang (in dem Text angegeben) wahr sind, aber nicht willkürlich in jeder beliebigen Lebenslage angewandt werden können.

WAS IST DIE ABSICHT DER SPRÜCHE?

Die Absicht des Buches ist es, das Leben mit der Weisheit Gottes zu meistern. Wie bereits erwähnt, liegt der Schlüssel dazu in der täglichen Gemeinschaft mit dem Gott der Weisheit durch "die Furcht Jahwes". Diese Furcht bedeutet nicht Angst, sondern vielmehr Respekt, Ergebenheit, usw. Die Sprüche offenbaren fünf wichtige Prinzipien hinsichtlich "der Furcht des Herrn":

  1. Diese Entscheidung muss täglich getroffen werden. (siehe 23,17)
  2. Man muss sich für die Furcht des Herrn entscheiden. (siehe 1,29)
  3. Die Furcht des Herrn bringt große Belohnung. (siehe 10,27)
  4. Was ist die Furcht des Herrn? - DAS BÖSE HASSEN! (siehe 8,13)
  5. Man muss die richtige Herzenseinstellung haben - "sei nicht weise in deinen Augen, fürchte Jahwe und weiche vom Bösen". (3,7)

WAS IST DIE ABSICHT DES BUCHES?

Wenn man diese tägliche Entscheidung trifft, dann beginnt das Leben in der Weisheit Gottes. Was ist diese Weisheit? Sie ist in erster Linie sicherlich keine intellektuelle Fähigkeit, Wissen zu sammeln. Sie hat weniger mit dem Umgang von Fakten zu tun, sondern mehr mit dem Umgang in verschiedenen Lebenslagen. Ein Beispiel für diese Art von Weisheit findet man in 1Kö 3. Salomo betet für diese Weisheit in 3,9. Im späteren Verlauf dieses Kapitels wird der junge König mit einem sehr heiklen Problem konfrontiert (3,16-27). Welcher Frau gehörte das Kind? Salomo wusste keine Antwort. Doch er wandte die ihm bekannten weisen Prinzipien an und ermittelte dadurch die wahre Mutter. Diese Gewissheit, was in einer bestimmten Lebenslage zu tun ist, ist ein Kennzeichen der Weisheit. (Mehr Einzelheiten in Bezug auf diese Lebensprinzipien der Weisheit werden im nächsten Teil Nr. 63 behandelt.)

WER SIND DIE HAUPTPERSÖNLICHKEITEN IN DEN SPRÜCHEN?

  1. Der Sohn
  2. Er wird von seinem Vater in den Prinzipien der Weisheit unterrichtet. Dieser Ausdruck kommt etwa 17 mal vor, überwiegend in den Kap. 1-9.

  3. Der Narr
  4. Er weist einen Mangel an moralischen und nicht an intellektuellen Fähigkeiten auf; einige seiner Merkmale sind:

    1. er freut sich, zu sündigen - "dem Toren ist es wie ein Spiel, Schandtat zu verüben" (10,23)
    2. er nimmt Sünde auf die leichte Schulter - "die Schuld spottet der Narren" (14,9)
    3. er hört nicht auf göttlichen Rat - "der Weg des Narren ist richtig in seinen Augen" (12,15)

    "ein Narr verschmäht die Unterweisung seines Vaters" (15,5)

  5. Der Faule
  6. Sein Charakter deckt sich ziemlich mit dem des Narren; einige seiner Merkmale sind:

    1. er ist an sein Bett "gefesselt" - "die Tür dreht sich in ihrer Angel: so der Faule auf seinem Bette" (26,14)
    2. er ist von Grund auf faul - "bis wann willst du liegen, du Fauler" (6,9-10)
    3. er hat viele Wünsche, aber kein Ziel im Leben - "die Seele des Faulen begehrt, und nichts ist da" (13,4)
    4. daher ist es fast unmöglich, sich auf ihn zu verlassen - "wie der Essig den Zähnen, und wie der Rauch den Augen, so ist der Faule denen, die ihn senden" (10,26)
       
  7. Die fremde Frau (2,16-19; 5,3-23; 6,23-35; 7,5-27)
  8. Sie ist eine Hure, die ihre Opfer mit schmeichelnder Rede fängt. Wer bei ihr war, verliert alles, und sein Leben wird in totalem Ruin enden. Allein durch das Wort Gottes kann man sich vor ihr bewahren (siehe 6,23 - 34).

  9. Die tüchtige Frau (31,10-31)
  10. Sie ist die ideale Ehefrau.

    1. sie trägt große Sorge um ihren Haushalt, dies wird durch die Tatsache deutlich, dass sie gern arbeitet und weise einkauft - "sie sucht Wolle und Flachs und arbeitet dann mit Lust ihrer Hände" (31,13)
    2. sie sorgt für ihren Mann, und er kann sich auf sie verlassen - "das Herz ihres Mannes vertraut auf sie" (31,11)
    3. sie redet mit Weisheit - "sie tut ihren Mund auf mit Weisheit, und liebreiche Lehre ist auf ihrer Zunge" (31,26)
    4. alle diese Vorzüglichkeiten sind eine Folge ihrer Gemeinschaft mit Gott und ihrer Herzenseinstellung - "ein Weib, das Jahwe fürchtet, sie wird gepriesen werden" (31,30)

Die Einteilung des Buches ist sehr schwierig. Die folgende Karte versucht, eine ungefähre Unterteilung der Entwicklung des Buches zu geben.

Karte 121 - Die Unterteilung der Sprüche

1,1-1,6

1,7-29,27

30-31

DER PROLOG

DIE MAXIMEN

DER EPILOG

Salomo

Salomo und die weisen Männer

Agur und Lemuel

 

I) DIE EINTEILUNG DER SPRÜCHE

HAUPTGEDANKE: DIE WEISHEIT JAHWES

I) DER PROLOG: 1,1-1,6

II) DIE MAXIMEN: 1,7-29,27

1) DIE SPRÜCHE SALOMOS DIE WEISHEIT IST DIE ALLERWICHTIGSTE SACHE 1,7-9,18
2) DIE SPRÜCHE SALOMOS - DAS PRAKTISCHE LEBEN 10,1-22,16
3) DIE SPRÜCHE DER WEISEN MÄNNER - 
    AUFRUFE DIE WEISHEIT ZU ERLANGEN 22,17 - 24,34
4) DIE SPRÜCHE SALOMOS ZUSAMMENGETRAGEN VON DEN MÄNNERN HISKIAS - GRUNDSÄTZE IN ETHISCHEN UND WIRTSCHAFTLICHEN FRAGEN 25-29

III) DER EPILOG: 30-31

5) DIE WORTE AGURS - GEHEIMNISVOLLES ANS LICHT GEBRACHT 30
6) DIE WORTE LEMUELS - DAS FAMILIENLEBEN 31


I) DER PROLOG: 1,1-1,6

In diesen einleitenden Versen wird der Grund für die Abfassung der Sprüche angegeben. Sie sollen vor allem vier Gruppen von Menschen helfen:

  1. den Einfältigen - Klugheit Geben
  2. dem Jüngling - Erkenntnis und Besonnenheit geben
  3. dem Weisen - damit er hört und an Weisheit zunimmt
  4. dem Verständigen - damit er weisen Rat für sich erwerben kann

II) DIE MAXIMEN: 1,7-29,27

Kap. 1-9 geben den Auftakt zu dem Kern des Buches, nämlich den Maximen oder Sprüchen in Kap. 10-22.

1) DIE SPRÜCHE SALOMOS - DIE WEISHEIT IST DIE ALLERWICHTIGSTE SACHE: 1,7 - 9,18

In diesen Kapiteln wird eine Gegenüberstellung von der Weisheit und der Torheit gegeben. Die Rede wird in einer Lehrer-Schüler oder Vater-Sohn Form gehalten. Der Schreiber benützt öfters den Ausdruck "mein Sohn" (1,8; 1,10; 1,15; 2,1; 3,1; 3,11; 3,21; 4,10; 4,20; 5,1; 5,20; 6,1; 6,3; 6,20; 7,1). Das Wort "Weisheit" kommt ebenfalls häufig vor - 19 mal. Manchmal spricht der Vater zu dem Sohn, aber manchmal wird die Weisheit personifiziert und spricht selbst (siehe 1,20-33 oder 8,1-9,12).

Die Vortrefflichkeit der Weisheit wird verdeutlicht, und ganz besonders wird an die Einfältigen und Jünglinge appelliert, mittels der Weisheit von den Wegen der Torheit fernzubleiben. Die große Gefahr von sexuellen Sünden, schlechter Gesellschaft und anderen "tödlichen" Versuchungen wird unterstrichen. Anschließend bereitet die Weisheit ein mächtiges Festessen vor (9,1-3). Dann lässt sie einladen - "Wer ist einfältig? Er wende sich hierher! Zu den Unverständigen spricht sie: Kommet, esset von meinem Brote, und trinket von dem Weine, den ich gemischt habe." (9,4-5). Diejenigen, die diese Einladung angenommen haben, sind nun in der richtigen Gemeinschaft für den Kernteil des Buches - die Maximen.

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