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Bibelüberblick - Teil 77

Jeremia 7-17

HAUSAUFGABE
  1. BIBEL: Jer 7-17 aufmerksam durchlesen
  2. FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen aus dem obigen Abschnitt in der Bibel, bevor du die Unterlagen durchliest.
    1. Die dritte Predigt über die Sünden des Volkes findet man in den Kap. 7-10. Die Reaktion des Volkes, vor allem der Priester und der Propheten, findet man in Kap. 26. Wer war an der Regierung, als Jeremia diese Predigt an das Volk richtete (26,1)? Lies 2Kö 23,35-24,7 und 2Chr 36,5-8 und erstelle einen kurzen Überblick von dem Leben dieses Königs. Welche Überschrift könnte man dieser Predigt Jeremias geben?
    2. In den Kap. 13-19 kommen fünf Zeichen für das Volk vor. Welche
    3. Beschreibe das Zeichen von Kap. 13.
  3. UNTERLAGEN: Teil 77 aufmerksam durchlesen

In diesem Abschnitt greift Jeremia weitere Sünden des Volkes auf, vor allem was seine Verantwortung als Volk Gottes betrifft. Die Juden dachten, dass die Bewahrung der äußeren Form ihrer Religion (der Tempel, die Opfer usw.) Gott ohnehin genügen würde.

Als Ergänzung zu den vier Predigten in den Kap. 2-12 offenbart der Herr mittels fünf Zeichen weitere Einzelheiten über das Volk und das kommende Gericht.

4) BOTSCHAFT DES BEVORSTEHENDEN GERICHTES: 2-29

a) die Sünden des Volkes - vier Botschaften (2-12)
b) die Sünden des Volkes - die fünf Zeichen (13-19)
c) die Gefangennahme von Jeremia (20)
d) die Sünden der Führerschaft des Volkes (21-29)

ad a) Die Sünden des Volkes - vier Botschaften: 2-12 (Fortsetzung)

Botschaft 3 - Der Götzendienst im Südreich (7-10)

Diese dritte Botschaft, welche während der Regierungszeit von König Jojakim verkündigt wurde (26,1), betont die NICHTIGKEIT DES GÖTZENDIENSTES.

Jeremia predigte am Tor des Hauses Jahwes (d.h. des Tempels) (7,2) und forderte das Volk zu einem wirklich heiligen Wandel auf (7,3-7).

Die Juden dachten, weil sie den Tempel hatten (7,4; 7,8; 8,8), könne ihnen nichts passieren. Ihr Gottesdienst war völlig auf das äußere gerichtet. In 7,9-11 wird aber die Heuchelei und Zweigleisigkeit ihrer religiösen Anstrengungen geoffenbart:

Der Prophet machte auch eine Gegenüberstellung zwischen den götzendienerischen Handlungen des Volkes und dem heiligen Wesen Gottes:

DER GÖTZENDIENST

DAS WESEN GOTTES


Anbetung der Himmelskönigin und anderer Götzen (7,17-18; 9,14)

Verunreinigung des Tempels durch Götzenbilder (7,30)

Menschenopfer (7,31)

die Herstellung von Götzenbildern (10,3-5; 10,8-9)


Güte, Recht und Gerechtigkeit (9,24)


Wahrhaftigkeit (10,10)


Kraft, Weisheit und Einsicht (10,12-13)

Auch in dieser Botschaft kommt etwas von dem Mitgefühl Jeremias für sein Volk zum Ausdruck (7,16; 8,18-22).

Kap. 26 zeigt den rebellischen Widerstand des Volkes gegen die Wahrheit dieser Predigt.

Botschaft 4 - Das Südreich hielt sich nicht an den Bund mit Gott (11-12)

Dieses Wort betont den UNGEHORSAM des Volkes.

Jeremia fasst das eigentliche Problem in 11,1-8 zusammen:

  1. Gott sagt: "Höret auf meine Stimme!"
  2. Israel: "...aber sie haben nicht gehört und ihr Ohr nicht geneigt, sondern sie wandelten ein jeder in dem Starrsinn ihres bösen Herzens".

Der Zustand ist so schlimm, dass Jeremia für das Volk nicht mehr beten darf (11,14). Die Hauptverantwortlichen für den geistlichen Abfall des Volkes sind die religiösen Führer - "viele Hirten haben meinen Weinberg verderbt" (12,10-11). Diese Botschaft offenbart auch die ganze Enttäuschung Gottes über Sein Volk (12,7-9).

ad b) Die Sünden des Volkes - fünf Zeichen: 13-19

Zeichen 1 - Der leinene Gürtel (13)

Dieses Zeichen offenbart das Gericht, welches wegen der Hoffart des Volkes und im Besonderen wegen der Hoffart der Stadt Jerusalem kommen würde. Als Jeremia endlich seinen Gürtel aus den Fluten des Euphrat holte, bemerkte er: "und siehe, der Gürtel war verdorben, taugte zu gar nichts mehr" (13,1). In Vers 10 sagt der Herr über das Volk des Südreiches: "...es soll werden wie dieser Gürtel, der zu gar nichts taugt."

Mit diesem Zeichen drückt der Prophet die einstige Wichtigkeit des Volkes Gottes aus, aber auch die nun gegenwärtige Verwerfung und Nutzlosigkeit. Das Problem liegt in dem Herzen des Volkes "da es wandelt in dem Starrsinn seines Herzens und anderen Göttern nachgeht" (13,10).

612 v. Chr. eroberte Babylon endgültig das große assyrische Reich. Die folgende Karte zeigt die Grenzen dieses neuen Weltreiches.

Karte 135 - Das babylonische Reich

Zeichen 2 - Die Dürre (14-15)

Die falschen Propheten haben geweissagt, angeblich im Namen Jahwes, und dem Volk Lügen erzählt: "Ihr werdet kein Schwert sehen und Hunger wird euch nicht treffen" (14,13-16). Die Dürre offenbart, dass ihre ganzen Aussagen nichts als Lügen sind. Die Dürre und die Hungersnot kommen. Ihre Auswirkungen werden in drei Bereichen sichtbar:

  1. in der Stadt (V. 2-3)
    Sogar die Reichen, welche sich besondere Anstrengungen leisten können um zu Wasser zu kommen, werden nichts ausrichten. Es gibt kein Wasser.
     
  2. auf dem Lande (V. 4)
    Die Bauern sind bestürzt als sie zusehen müssen wie alles zugrunde geht, weil kein Wasser vorhanden ist.
     
  3. in der Natur (V. 5-6)
    Auch die unschuldigen Tiere leiden. Sie verlassen ihr natürliches Verhalten angesichts der drohenden Katastrophe.

Jeremia fängt an, für das Volk zu flehen (14,7-9), aber in V. 11 verbietet ihm der Herr dies zu tun. Die Entschlossenheit des Herrn das Gericht über das Volk zu bringen, wird auch in Kap. 15 gezeigt. Sogar wenn Mose und Samuel vor Gott stünden, würde Er Sein Gericht nicht zurückhalten (15,1). In der Geschichte von Israel gab es kaum zwei Männer, welche den Dienst des Flehens so gut kannten wie Mose (2Mo 32,11-14; 4Mo 14,13-19) und Samuel (1Sam 7,5-11; 12,19; Ps 99,6), doch sogar ihr Dienst hätte an der gegenwärtigen Entscheidung Gottes nichts geändert.

Die Entscheidung Gottes stand bereits fest:

"Ich will sie zur Misshandlung hingeben allen Königreichen der Erde, um Manasses willen, des Sohnes Hiskias, des Königs von Juda, wegen dessen, was er in Jerusalem getan hat" (15,4).
- siehe auch 2Kö 21,1-18.

Zeichen 3 - Die Ehelosigkeit Jeremias (16-17)

Dieses Zeichen ist die logische Folge der anderen zwei. Es würden schreckliche Zeiten über das Südreich kommen. Dieses Zeichen sollte zweierlei bewirken:

  1. Die Ehelosigkeit des Propheten sollte als Mahnung für die Juden dienen. Sie sollten wissen, dass sogar das Familienleben gefährdet sei.
  2. Die Ehelosigkeit des Propheten sollte ihm und der Familie, die er gehabt hätte, viel Leid ersparen.

In 17,9-13 wird die Wurzel des ganzen Abfalls von Juda und eigentlich des Menschen überhaupt offenbar:

"Arglistig ist das Herz, mehr als alles, und verderbt ist es; wer mag es kennen?" Das Wort "arglistig" ist im Hebräischen "aqob". Es kommt von dem Stammwort "aqab" was "aufschwellen" bedeutet. In einem bestimmten grammatikalischen Fall bedeutet es "Fersen" (d.h. Fleischteil aufgeschwollen). In diesem Zusammenhang kommt die zusätzliche Bedeutung von "arglistig", d.h. "Fersenhalter". Von demselben Stamm kommt der Name Jakob - (siehe 1Mo 25,26).

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