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Bibelüberblick - Teil 82

DIE KLAGELIEDER -
DIE ZÜCHTIGUNG GOTTES

Klagelieder 1-5

HAUSAUFGABE
  1. BIBEL: Kla 1-5 aufmerksam durchlesen
  2. FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen aus dem obigen Abschnitt in der Bibel, bevor du die Unterlagen durchliest.
    1. Lese Hebr 12,3-11. Schreibe einen kurzen Aufsatz über die Aussage von Hebr 12,4-11; behandle vor allem V. 6 im Zusammenhang mit der Aussage der Klagelieder.
    2. Welche zwei Stimmen werden in Kap. 1 laut?
    3. Man kann Kap. 3 in drei Teile unterteilen. Versuche diese Einteilung zu machen. Was ist die jeweilige Aussage eines jeden Teiles?
    4. Fasse das Gebet in Kap. 5 in eigenen Worten zusammen.
  3. UNTERLAGEN: Teil 82 aufmerksam durchlesen

EINLEITUNG ZU DEN KLAGELIEDERN

Die Klagelieder eignen sich sehr gut als Nachfolge des Buches Jeremia, da sie auf das selbe Ereignis zurückblicken, auf welches in Jeremia hingewiesen wird, nämlich die Zerstörung Jerusalems. Der Kern der Botschaft Jeremias war "das Gericht ist gewiss". In den Klageliedern wird die bittere Realität dieser Botschaft geoffenbart.

Die zwei häufigsten Bezeichnungen im hebräischen AT für die Klagelieder sind:

"Ekhah" ("Ach wie" oder "Wehe")
Dies ist jeweils das erste Wort in den Kap. 1, 2 und 4.

"Qinoth" ("die Klagen")
Eine Bezeichnung, welche den traurigen Inhalt dieser fünf Gedichte oder Lieder zum Ausdruck bringt.

In der Septuaginta-Übersetzung wurde "Qinoth" mit "Threnoi" ("die Klagen") wiedergegeben. Das Wort kommt von "threomai" = "laut schreien" oder "beklagen". In der lateinischen Vulgata-Übersetzung hieß das Buch dann "Liber Threnorum" (das Buch der Klagen).

In der dreiteiligen hebräischen Bibel (Gesetz, Propheten, Schriften) erscheinen die Klagelieder als letztes Buch im Teil "Megilloth". Die "Megilloth" sind fünf Bücher, welche die Juden an den religiösen Feiertagen laut vorlesen. Die Klagelieder werden am 9. Ab (ca. Mitte Juli) vorgelesen, dem Gedenktag der Zerstörung Jerusalems und des Tempels 586 v.Chr. bzw. 70 n.Chr.

Karte 137 - Das hebräische AT

Es gibt drei Gründe, welche darauf hindeuten, dass Jeremia der Schreiber der Klagelieder war:

  1. Die große Ähnlichkeiten zwischen den Klageliedern und verschiedenen Stellen in Jeremia (siehe auch 2Chr 35,25 "und Jeremia stimmte ein Klagelied über Josia an").
     
  2. Der Schreiber war Augenzeuge des Falls und der Zerstörung Jerusalems. Es war jemand, der großes Mitgefühl für Jerusalem und die Juden hatte.
     
  3. In der Einleitung der Septuaginta-Übersetzung der Klagelieder steht: "..Jeremia weinte und klagte mit diesen Klageliedern über Jerusalem und sagte...".

Das Buch besteht aus fünf Elegien. Das Akrostichon bestimmt die Form der Elegien (d.h. jedes Kapitel oder jede Elegie besteht aus 22 Versen, das ist pro Buchstabe des hebräischen Alphabets ein Vers; Kap. 3 hat 66 Verse, d.h. das Akrostichon wird dreimal wiederholt).

Man kann drei Aspekte in den Klageliedern entdecken:

  1. Traurigkeit und Betroffenheit angesichts des Gerichtes über Jerusalem wegen seiner Sünde. Dies ist der Hauptteil des Buches. Vergleiche die Betroffenheit von Jesus Christus in Lk 13,34-35 und 19,41-44, als Er über Jerusalem weinte.

  1. Das Bekennen von Sünden (z.B. 1,8; 3,59; 5,16)
     
  2. Die zukünftige Hoffnung (z.B. 3,21-32; 5,21): Nur jemand, der weit in die Zukunft blicken konnte, war imstande inmitten von dieser Zerstörung Hoffnung zu erblicken. Trotz der augenblicklichen Tragödie konnte Jeremia auf Jahwe hoffen und sagen: "Deine Treue ist groß" (3,23). Warum? Weil Jeremia die Wahrheit kannte, welche in Hebr 12,6 zum Ausdruck gebracht wird "denn wen der Herr liebt, den ZÜCHTIGT Er". Das war genau das, was Jerusalem (die Juden) nun erleben musste - die Züchtigung des Herrn. Aber Gott liebte sie, und eines Tages würde es eine Wende in der Geschichte der Juden geben.

Man kann das Buch wie folgt in fünf Elegien unterteilen:

Karte 138 - Die Unterteilung der Klagelieder

1

2

3

4

5

DIE NOT JERUSALEMS

DER ZORN JAHWES

DIE BETROFFENHEIT JEREMIAS

DER FALL JERUSALEMS

DAS GEBET JERUSALEMS

 

EINTEILUNG DER KLAGELIEDER

HAUPTGEDANKE: GOTT LÄSST SICH NICHT SPOTTEN!

1) DIE NOT JERUSALEMS  1

2) DER ZORN JAHWES  2

3) DIE BETROFFENHEIT JEREMIAS  3

4) DER FALL JERUSALEMS  4

5) DAS GEBET JERUSALEMS  5


1) DIE NOT JERUSALEMS: 1

"Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten! denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten" (Gal 6,7). Die Kapitel der Klagelieder zeigen den bitteren Ernst dieser Aussage, als die Juden es am eigenen Leib erlebten.

Zwei Stimmen werden in diesem ersten Kapitel gehört:

  1. die Stimme des Propheten (1,1-11)
    Jeremia beschreibt die fürchterliche Zerstörung der Stadt. Sie ist wie eine Witwe, welche von allen Freunden verlassen wurde (1,1 - 2). Den Grund für diese Bedrängnis findet man in Vers 4 - "wegen der Menge ihrer Übertretungen".
     
  2. die Stimme der Stadt (1,12-22)
    Sie beklagt sich, weil die Vorbeiziehenden keine Ahnung von der großen Not zu haben scheinen. Es ist niemand da, der ihr helfen könnte. Das Kapitel endet mit einem Gebet, welches die Gerechtigkeit Gottes emporhebt: "Jahwe ist gerecht, denn ich bin widerspenstig gegen Seinen Mund gewesen" (1,18).

2) DER ZORN JAHWES: 2

Die Folgen des Zornes Gottes werden durch eine Beschreibung der zerstörten Stadt offenbar. Einige Worte, welche die Folgen dieses Zornes ausdrücken, sind:

"zur Erde geworfen" (V. 1)
"schonungslos vernichtet" (V. 2)
"in Seinem Grimme niedergerissen (V. 2)
"zu Boden geworfen" (V..2)
"in Zornesglut abgehauen" (V. 3)
"in Brand gesteckt" (V. 3)
"alle Lust der Augen (oder "alles was dem Auge köstlich ist") getötet" (V. 4)
"Seinen Grimm ausgegossen wie Feuer" (V. 4)
"Seufzen und Stöhnen gemehrt" (V. 5)
"Ort Seiner Festversammlung zerstört" (V. 6)
"verworfen .... verschmäht" (V. 7)
"Prachtgebäude der Hand des Feindes preisgegeben" (V. 7)

Diese schreckliche Wirklichkeit ist die Erfüllung des Wortes Gottes (2,17).

3) DIE BETROFFENHEIT JEREMIAS: 3

Es gibt in diesem Kapitel drei Teile:

  1. ein Schrei um Hilfe (3,1-18)
    Er fühlt sich wie ein Blinder, der versucht in der Finsternis den Weg zu finden (V. 2). Er schreit zu Gott im Gebet (V. 8) aber er bekommt keine Antwort.
     
  2. ein Lied der Hoffnung (3,19-39)
    Gott ist treu (V. 23). Züchtigung ist notwendig; Gott züchtigt nicht, weil Er es gerne tut, sondern weil Er es tun muss. Aber Seine Barmherzigkeit ist immer vorhanden, sogar bei Züchtigung.
     
  3. ein Sündenbekenntnis (3,40-44)
    Statt sich über unsere eigene Lage zu beklagen, ist es viel besser, das eigene Herz zu erforschen und die entdeckten Sünden zu bekennen.

4) DER FALL JERUSALEMS: 4

Dieses Kapitel beschreibt die Zustände während der Belagerung der Stadt durch Nebukadnezar. Diese Belagerung begann im Jänner 588 v. Chr. und dauerte, mit einer kurzen Unterbrechung, etwa 30 Monate. Die Bewohner Jerusalems warteten vergeblich auf Hilfe von außen.

5) DAS GEBET JERUSALEMS: 5

Die Stimme der Stadt wird in diesem Kapitel wieder gehört. Die Bewohner haben alles verloren - ihre Familien, ihre Häuser: "Unser Erbteil ist Fremden zugefallen, unsere Häuser Ausländern, wir sind Waisen, ohne Vater; unsere Mütter sind wie Witwen" (5,3-4). In dieser Lage erinnern sich die Juden daran, dass der Herr der allmächtige, ewige Gott ist.

EINE ANWENDUNG DER WAHRHEITEN IN DEN KLAGELIEDERN

Grundsätzlich kann man von diesem Buch drei Lehren ziehen:

  1. Wenn Züchtigung kommt, sollte das Kind Gottes dies zur Kenntnis nehmen. Die Züchtigung des Herrn wird des öfteren nicht als solche anerkannt. Man versucht die Hand des Herrn zu ignorieren:
    Hebr 12,3-11 gibt genügend geistliche Auskunft in Bezug auf diesen wichtigen Bestandteil des christlichen Lebens.
     
  2. Der Herr ist treu; auch in Züchtigung. So oft denken Kinder Gottes, dass Züchtigung eine Wegwendung Gottes bedeutet. In Wirklichkeit bedeutet es genau das Gegenteil. Inmitten von Züchtigung zeigt Gott Seine Liebe und Treue (3,22-23).
     
  3. Das Kind Gottes sollte sich der Züchtigung willig unterordnen. Der Herr möchte uns in jeder Drangsal etwas lehren. Zu allererst kann man mit dem eigenen Herzen beginnen und überprüfen, ob Sünde vorhanden ist, welche die Züchtigung Gottes möglicherweise hervorgerufen hat.
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