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Bibelüberblick - Teil 85

Hesekiel 21-32

HAUSAUFGABE
  1. BIBEL: Hes 21-32 aufmerksam durchlesen
  2. FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen aus dem obigen Abschnitt in der Bibel, bevor du die Unterlagen durchliest.
    1. Fasse die Allegorie in Kap. 23 in eigenen Worten zusammen.
    2. In Kap. 25-32 wird das Gericht über heidnische Nationen verkündigt. Welche Nationen werden erwähnt?
    3. Stelle alle Aussagen zusammen, welche über den König von Tyrus (Hes 28,11-19) und den König von Babel (Jes 14,3-20) gemacht werden, wende diese gesammelte Information nun auf die Person Satans an, und schreibe einen kurzen Aufsatz darüber.
  3. UNTERLAGEN: Teil 85 aufmerksam durchlesen

3) DAS GERICHT IST GEWISS.  4-24

(Fortsetzung)

Nach einem Rückblick auf die Geschichte des Volkes, wodurch die Gründe für das bevorstehende Gericht deutlich aufgezeigt werden (Kap. 20 – 22), spricht der Prophet in einer Allegorie über die Sünde des Volkes durch das Schließen von Bündnissen mit heidnischen Nationen (Kap. 23).

In dieser Allegorie der zwei treulosen Frauen spielt Ohola die Rolle des Nordreiches (Samaria) und Oholiba die Rolle des Südreiches (Jerusalem). Gott wird sich für die Treulosigkeit Jerusalems rächen. Er hat die Chaldäer (Babylonier) dafür zubereitet, dass sie dieses Gericht für Ihn ausführen.

An demselben Tag als Nebukadnezar mit der Belagerung Jerusalems begann, d.h. am 15. Jänner 588 v. Chr. (vgl. 24,1 "im neunten Jahre, im zehnten Monat, am zehnten des Monats"), empfing Hesekiel eine andere Botschaft von Gott. In der Allegorie von dem siedenden Topf zeigt er das bevorstehende Gericht (24,1-14).

Während er die Botschaft verkündigt, offenbart ihm Gott eine zweite traurige Nachricht, nämlich dass seine Frau sterben wird. Hesekiel darf jedoch deswegen überhaupt keine Anzeichen von Trauer zeigen (24,15-27). Dieses Verhalten Hesekiels sollte dem Volk als Beispiel dienen, wie sie sich zu verhalten haben, wenn die Nachricht von der Zerstörung Jerusalems und des Tempels kommen wird.

4) DIE HEIMSUCHUNG DER NATIONEN 25-32

Hesekiel weissagt gegen sechs heidnische Nationen:

  1. Ammon
  2. Moab
  3. Edom
  4. Philistäa
  5. Phönizien 
  6. Ägypten
        
 25


26-28
29-32

Karte 142 – Die heidnischen Nationen in Hesekiel

Die in diesen Kapiteln enthaltenen Prophezeiungen wurden alle, mit Ausnahme von 2,17-21, zwischen dem 10. und 12. Jahr der Gefangenschaft Hesekiels ausgesprochen. Da die Zerstörung Jerusalems gewiss ist, wird die Frage bezüglich der Rolle der umliegenden heidnischen Völker aufgeworfen. Werden sie auch gerichtet werden?

In Jer 27,3-11 berichtet Jeremia, dass am Anfang der Regierungszeit von Zedekia einige heidnische Völker mit Juda ein Bündnis gegen Babylon eingegangen sind. Es werden vor allem Edom, Moab, Ammon und Phönizien erwähnt.

In Hes 25 weissagt Hesekiel gegen diese Völker, weil sie, obwohl sie sich mit Juda verbündet hatten, Jerusalem überhaupt nicht zu Hilfe kamen, als die Heere Nebukadnezars angriffen. Im Gegenteil, sie freuten sich über die Drangsal der Stadt. Gott wird sie wegen ihres Hasses und ihrer Arroganz richten. Obwohl Gott mit diesem Gericht gleich beginnen wird, wird der endgültige Abschluss erst dann erfolgen, wenn das Volk Gottes wieder im Land wohnen wird. Edom wird z.B. durch die Hand des Volkes Gottes gerichtet (25,14).

Dann wendet sich der Prophet in Kap. 26-28 gegen Tyrus und Sidon (Phönizien). Hauptsächlich wird die Inselstadt Tyrus erwähnt. Der Name Tyrus kommt von dem hebräischen "sor" welches "Felsen" bedeutet. Ursprünglich bestand die Stadt aus zwei Teilen – einer gut aufgebauten Verteidigungsanlage entlang der Küste und der eigentlichen, wiederum gut befestigten Stadt auf einer Insel.

Hesekiel erwähnt, dass Gott Nebukadnezar gegen Tyrus senden wird (26,7). Nebukadnezar belagerte Tyrus zwischen 586-573 v. Chr. Die Belagerung endete damit, dass Ethbaal, der König von Tyrus, sich Nebukadnezar ergab. Doch die Insel wurde endgültig besiegt, als Alexander der Große 332 v. Chr. durch den Bau eines ca. 200 Meter langen Dammes die Insel und somit auch die Stadt mit seinen Soldaten erreichen und erobern konnte. Er baute den Damm, indem er Felsen, Steine und Erde der umliegende Landschaft in das Meer warf, bis er die Insel erreichte. Auf diesem Erdwall ließ er eine Dammstraße für seine Soldaten bauen. Dadurch wurde die topographische Gestaltung dieses Gebietes wesentlich beeinflusst – Tyrus war nicht länger eine Insel.

Kap. 27 gibt erstaunliche Informationen über diese Stadt. Auch andere Propheten des AT berichten darüber, z.B. Jes 23, Am 1,9-10, Sach 9,2-4. Etwa 35 Jahre vor der Zerstörung Jerusalems begann König Josia mit einer großen Säuberungsaktion (siehe 2Kö 22-23). Während dieser Zeit zerstörte er alle heidnischen Götzen und Bildsäulen und tötete alle Priester dieser satanisch inspirierten Religionen. Unter anderem zerstörte er die Baals- und Astarte-Anbetung (2Kö 23,20), die die Hauptgottheiten der Phönizier waren. Die Einwohner von Tyrus müssen sich sehr gefreut haben, als König Josia im Krieg fiel und auch Jerusalem einige Jahre später von Nebukadnezar bezwungen wurde. Es musste als Racheakt ihrer Göttin Astarte gegolten haben.

Wahrscheinlich war das Klagelied gegen König Ethbaal (bedeutet "mit Baal") gerichtet, das Hesekiel in 28,11-19 anstimmte. Obwohl ein irdischer König angesprochen wird, ist durch die besondere Sprache, welche verwendet wird, offenbar, dass mehr als Ethbaal gemeint ist. Hier spricht Gott zu der wirklichen Macht, die hinter diesem bösen König stand, nämlich Satan selbst.

In Kap. 29-32 spricht Hesekiel das mächtige ägyptische Reich an. Die Arroganz dieses Reiches wird dadurch offenbar, dass Pharao sich rühmt, den Nilfluss selbst geschaffen zu haben (29,3). Gott wird Nebukadnezar auch gegen Ägypten schicken. Nach 40 Jahren wird sich Ägypten zwar wieder erholen, aber niemals wieder seine ursprüngliche Größe erreichen.

In 31,1-18 wird Ägypten mit Assyrien verglichen. Genauso, wie dieses Reich wie eine mächtige Zeder gefällt wurde, wird es auch bei Ägypten der Fall sein. Diese Botschaft wurde etwa in der Zeit Mai/Juni 587 v. Chr. ausgesprochen. Die Gefangenen in Babylon hofften auf Ägypten, dass dieses die Belagerung Jerusalems, welche ein Jahr vorher, 588 v. Chr., von den Babyloniern begonnen wurde, beenden würde.

Der Trauergesang in 32,17-32 erwähnt sechs heidnische Völker, die bereits im Hades sind: Assyrien, Elam (die persische Weltmacht, deren Hauptstadt Susa war), Mesech-Tubal, Edom, Sidon und die Fürsten des Nordens. Ägypten wird bald bei ihnen sein.

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