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Bibelüberblick - Teil 87

Hesekiel 40-48

HAUSAUFGABE
  1. BIBEL: Hes 40-48 aufmerksam durchlesen
  2. FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen aus dem obigen Abschnitt in der Bibel, bevor du die Unterlagen durchliest.
    1. Wann empfing Hesekiel das Gesicht von Kap. 40? (siehe 40,1 und vergleiche mit 2Mo 12,1)
    2. Nachdem Hesekiel den neuen Tempel sieht, bekommt er in 43,1-12 wieder ein Gesicht. Welches war dies? Beschreibe es in eigenen Worten.
    3. Was ist deiner Meinung nach der geistliche Zweck der Satzungen über Opfer usw. in 43,13 - 46,24? Ziehe dafür Aussagen im NT wie Hebr 10,18 oder Hebr 10,11 in Betracht.
    4. Welche herrliche Botschaft der Hoffnung bringt Hesekiel in 48,35?
  3. UNTERLAGEN: Teil 87 aufmerksam durchlesen

III) DIE HERRLICHKEIT DES HERRN ERSCHEINT WIEDER:  40-48

Es war gerade die Zeit des Passahfestes (40,1 und 2Mo 12,1), d.h. der 10. Nisan in dem vierzehnten Jahr nach der Zerstörung Jerusalems (d.h. 573 v. Chr.). Vielleicht dachten die Gefangenen an die Vergangenheit, wie Gott das Volk aus der ägyptischen Sklaverei geführt hat. Hesekiel bekommt im Gesicht die Offenbarung einer Befreiung und Wiederherstellung des Volkes. Die Herrlichkeit des Herrn wird in einem neuen Tempel wieder erscheinen.

Bevor das Studium dieses Kapitels angefangen wird, sollten zuerst die verschiedenen Probleme aufgebracht werden, welche mit einer Auslegung dieser Kapitel verbunden sind. Es gibt kaum einen Abschnitt in der Bibel, worüber die Bibellehrer größere Meinungsunterschiede haben als bezüglich Hes 40-48. Sogar die Juden selbst haben mit diesem Abschnitt Schwierigkeiten. Die Rabbiner des Talmud (Menahot 4A) sagen, dass allein Elia, wenn er wiederkommt, um die Erlösung anzukündigen, die Unterschiede zwischen Aussagen in diesen Kapiteln und dem Gesetz Mose erklären wird. Weiters sagen sie, dass, wenn Rabbi Chanina ben Hezekiah nicht einige der Schwierigkeiten bezüglich der Auslegung bereits gelöst hätte, das Buch Hesekiel wahrscheinlich überhaupt nicht als Gottes Wort akzeptiert worden wäre (Babylonischer Talmud, Hagiga 13A). Einige der für die Juden noch existierenden Schwierigkeiten in Bezug auf die Auslegung sind:

  1. Sollte dieses Gesicht zu einem späteren Zeitpunkt buchstäblich erfüllt werden? (40,2)
  2. Welche Rolle spielen Schlachtopfer und andere Opfer in der geistlichen Zukunft Israels? (40,38-43; 43,18-27; 45,13-17; 46,13-15)
  3. Wird die levitische Priesterschaft ohne Hohenpriester wieder eine entscheidende Rolle spielen? (40,45; 42,13-14; 43,18-27; 44,15-31; 45,18-20; 46,19-24)
  4. Wer ist der Fürst und seine Söhne? (44,3; 45,7-24; 46,1-18)
  5. Wer sind die abgesetzten Leviten? (44,10-14)
  6. Wer sind die unbeschnittenen Fremden, welche von dem Tempel ausgeschlossen werden? (44,5 und 44,9)
  7. Wer sind die Fremdlinge, welche ein Erbteil empfangen sollten? (47,22-23)
  8. Es gibt auch topographische Probleme:

  9. Wie sollte man den Strom, der aus dem Tempel herausfließt, verstehen? (47,1-12)
  10. Wie sollte man die Aufteilung des Landes an die verschiedenen Stämme verstehen? (47,13 - 48,29)

Die Auslegungen dieser Kapitel fallen in zwei Kategorien – allegorische oder buchstäbliche Erfüllung. Sieben der bedeutendsten Auslegungen sind:

  1. Eine Beschreibung des Tempels von Salomo zu dem Zwecke, dass die nach Hause zurückkehrenden Juden imstande sein würden, den Tempel wieder aufzubauen. (Die Details bezüglich der Größe des Baues zeigen jedoch, dass der Tempel von Hesekiel anders und größer wird als der Tempel Salomos.)
     
  2. Eine Beschreibung eines hohen Ideals als Anleitung für die heimkehrenden Juden, damit sie den Tempel wieder aufbauen können. Doch alle Berichte über den Tempel, der von Serubbabel und Josua mit Hilfe von Haggai und Sacharja gebaut wurde, stimmen nicht mit der Beschreibung des Tempels in Hesekiel überein.
     
  3. Vor allem jüdische Ausleger sehen den Tempel als ein Werk, das der Messias in der Zeit seines Friedensreiches vollenden wird.
     
  4. Viele christliche Bibelausleger vertreten dieselbe Auffassung wie unter Punkt 3. beschrieben und sehen eine buchstäbliche Erfüllung von all dem, was Hes 40-48 berichtet, im Tausendjährigen Reich (Millenium) zustande kommen. (Dies ist auch die Auffassung, welche in diesen Unterlagen vertreten wird.)
     
  5. Eine Beschreibung, in Form von verschiedenen Bildern, wie die Erlösten aller Zeiten Gott im Himmel anbeten werden. Wenn dies jedoch der Fall wäre, dann wären einige der Bilder (z.B. das Sündopfer) kaum passend für den Himmel.
     
  6. Vor allem die Reformatoren und früheren Gemeindeväter verstanden das Ganze als einen Typus für die Gemeinde und das Zeitalter der Gemeinde. Wenn dies stimmt, dann hat dieses Gesicht überhaupt keine Relevanz für Hesekiel und seine Zuhörer.
     
  7. Zuletzt werden diese Kapitel von einigen als ein prophetisches Gleichnis verstanden.

6) DER WIEDERAUFGEBAUTE TEMPEL  40-42

Dieser Tempel ist größer als der Tempel Salomos. Er wird während des Milleniums gebaut, und zwar auf dem gleichen Platz, auf dem der Tempel Salomos stand.

7) DIE WIEDERKEHR DER HERRLICHKEIT DES HERRN  43,1-12

Hesekiel sieht die Herrlichkeit des Herrn wieder, wie in Kap. 1-8. Sie kommt von Osten und "erfüllte das Haus" (Tempel), d.h. die Herrlichkeit des Herrn kommt aus genau derselben Richtung wieder zurück, in die sie den Tempel und die Stadt verlassen hat.

8) DIE WIEDEREINFÜHRUNG DES GOTTESDIENSTES 43,13-46,24

Viele argumentieren, dass gerade dieser Abschnitt zeigt, dass Hes 40-48 nicht buchstäblich zu verstehen ist. Sie sagen mit Recht, dass die Opfer und Zeremonien des AT durch das Opfer Christi überholt sind. Daher dürfen diese Opfer nicht wortwörtlich verstanden werden, sonst würde dies ein gewisses Aufheben des Opfers Christi bedeuten.

Wenn diese Opfer mit derselben geistlichen Bedeutung wie im AT praktiziert werden, dann würde diese oben genannte Auffassung stimmen. Aber wenn diese Opfer während des Milleniums nur als eine Art Gedächtniszeremonie an das Opfer Jesu Christi praktiziert werden, so wie sie im AT als Typus für das noch zukünftige Opfer Christ hindeuteten, dann gäbe es keinerlei Probleme hinsichtlich einer buchstäblichen Erfüllung dieser Worte in Hes 40-48.

Die Gemeinde des Herrn Jesus im NT feiert auch regelmäßig zwei Gedächtniszeremonien, welche, jede auf ihre Art, an das Opfer Christ erinnern, nämlich den Tisch des Herrn (Abendmahl) und die Wassertaufe.

9) DIE NEUVERTEILUNG DES LANDES 47-48

Sach 14 berichtet von Ereignissen, welche die Topographie von Israel radikal verändern werden. In diesem Zusammenhang kann man die Neuverteilung des Landes und die anderen topographischen Unterschiede zu dem jetzigen Israel verstehen.

Das Buch endet mit einem Siegesruf:

"Und der Name der Stadt soll von nun an heißen: "JAHWE DASELBST" (48,35).

Das ist der Gottesname "Jahwe Schammah". Obwohl zu dem Zeitpunkt der Botschaft Hesekiels die Stadt in Trümmern lag und der Tempel zerstört war, sah der Prophet diese herrliche Zukunft für sein Volk im Voraus!

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