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Bibelüberblick - Teil 90

Daniel 8-12

HAUSAUFGABE
  1. BIBEL: Dan 8-12 aufmerksam durchlesen
  2. FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen aus dem obigen Abschnitt in der Bibel, bevor du die Unterlagen durchliest.
    1. Welche zwei Weltreiche werden in Kap. 8 behandelt? Fasse dieses Kapitel in eigenen Worten zusammen.
    2. Zu welchem Zeitpunkt empfing Daniel in Kap. 9 die Vision von den siebzig Wochen? Was veranlasste Daniel zu beten? Unterteile sein Gebet in drei Abschnitte. Fasse den Inhalt dieser drei Abschnitte zusammen.
    3. Von welchem geistlichen Kampf wird in Kap. 10 berichtet? Erläutere deine Antwort
  3. UNTERLAGEN: Teil 90 aufmerksam durchlesen

III) DIE PROPHETISCHE GESCHICHTE DER JUDEN: 8-12

Nun wechselt die Sprache in Daniel von Aramäisch zu Hebräisch. Jetzt wird die prophetische Entwicklung in den "Zeiten der Nationen" vor allem vom jüdischen Standpunkt aus gesehen. In diesem Abschnitt erhält Daniel drei sehr wichtige Offenbarungen.

5) DIE EROBERUNG DURCH PERSIEN UND GRIECHENLAND: 8

In Kap. 8 werden das zweite und das dritte Weltreich aus Kap. 7 erwähnt, nämlich Medo-Persien und Griechenland.

Medo-Persien wird als Widder und Griechenland als Ziegenbock dargestellt. Der Ablauf der Ereignisse, die in diesem Kapitel geschildert werden, kann wie folgt dargestellt werden:

Karte 146 - Die prophetischen Ereignisse in Kapitel 8

8,1-4
VISION

8,15-26
BEDEUTUNG

ERFÜLLUNG

Widder mit zwei Hörner (V. 3)

die Königreiche von Medien und Persien (V. 20)

DAS MEDO-PERSISCHE REICH
(550-331 v. Chr.)

Ziegenbock (V. 5)

Griechenland (V. 21)

DAS GRIECHISCHE REICH
(331-63 v. Chr.)

das ansehnliche Horn (V. 5)

der erste König (von Griechenland)

ALEXANDER DER GROSSE

das große (ansehnliche) Horn zerbricht (V. 8)

der erste König zerbrochen (gestorben) (V. 22)

DER TOD VON ALEXANDER
(323 v. Chr.)





vier ansehnliche Hörner (V. 8)




vier Königreiche entstehen an seiner Stelle (V. 22)

VIER KÖNIGREICHE:

  • Griechenland (Mazedonien)
  • Thrazien
  • Ägypten
    (Ptolemäische Herrschaft)
  • Syrien
    (Seleukidische Herrschaft)

das kleine Horn

der König, "frechen Angesichts und der Ränke kundig" (V. 23)

ANTIOCHUS EPIPHANES
(König von Syrien)

die Heere des Himmels niederwerfen (V. 10)

das Volk der Heiligen verderben
(V. 24)

DIE VERFOLGUNG DER JUDEN

das beständige Opfer weggenommen (V. 11)

DIE TEMPELOPFER BEENDET
(167 v. Chr.)

zweitausenddreihundert Abende und Morgen (V. 14)

Abend – Morgen (V. 26)

DIE REGIERUNG VON ANTIOCHUS (175-163 v. Chr.)

das Heiligtum wird gerechtfertigt
(V. 14)

DER TEMPEL GEREINIGT
(161 v. Chr.)

Er wird zerschmettert werden (V. 25)

DER TOD VON ANTIOCHUS
ENDE DER JUDENVERFOLGUNG

Diese Prophezeiung gilt aber nicht nur Antiochus Epiphanes, sondern in einem weiteren Sinn gewiss auch dem, für den Antiochus als Vorschatten diente, nämlich dem Antichrist.

6) DIE CHRONOLOGIE DER SIEBZIG WOCHEN

a) das Gebet (9,1-23)
b) die Prophezeiung (9,24-27)

ad a) Das Gebet: 9,1-23

Der geschichtliche Hintergrund dieser Vision wird in V. 1 erläutert. Der eigentliche Grund für Daniels Gebet war das Lesen der Prophezeiung Jeremias bezüglich der Dauer der Babylonischen Gefangenschaft, d.h. Jer 25,11-12; 29,10. Daniel begreift, dass die Zeit der Gefangenschaft fast vorbei ist.

*) der eigentliche König des neu eroberten babylonischen Reiches war König Kores. Er setzte aber Gubaru, einen seiner Generäle, bekannt als Darius der Meder, als Gouverneur oder Unterkönig über Chaldäa (Babylon).

Jeremia sagte eine Periode von siebzig Jahren voraus.

Daniel ging im Gebet zum Herrn. Dieses Gebet kann man in drei Teile unterteilen:

  1. die Sünde Israels (V. 3-11)
    Zuerst bekennt er die Sünde des Volkes Israel (er schließt sich bewusst mit ein – wiederholte Verwendung von "wir")
     
  2. die Folgen der Sünde (V. 12-14)
    Daniel wiederholt das gerechte Urteil Gottes wegen dieser fürchterlichen Sünde Seines Volkes.
     
  3. die Bitte um Vergebung (V. 15-19)
    "und nun, Herr, unser Gott..." (V. 15) Daniel fleht zu Gott, dass Er nun, da die Zeit des Gerichtes bald vorbei sein würde, Sein Gesicht abwenden und Jerusalem und den Tempel wiederherstellen möge.

ad b) Die Prophezeiung: 9,24-27

Während Daniel betet, erscheint ihm der Engel Gabriel und bringt ihm die Antwort auf sein Gebet. Kurz zusammengefasst lautete die Antwort, dass die Juden tatsächlich bald nach Jerusalem zurückkehren würden, doch sie der volle Segen Gottes nicht sofort begleiten würde. "Siebzig Wochen" stellen den geschichtlichen Zeitplan Gottes dar, und zwar von der Beendigung der babylonischen Gefangenschaft bis zur Wiederkunft Jesu Christi.

Sechs Punkte sollten hier im Zusammenhang mit dieser Prophezeiung erwähnt werden:

  1. Die Prophezeiung gilt dem Volk Daniels und der heiligen Stadt, d.h. den Juden und Jerusalem (V. 24)
     
  2. Das Wort "Wochen" ist eigentlich das Wort "sieben", d.h. die Prophezeiung bezieht sich auf "siebzig mal sieben". In V. 2 steht, "dass nämlich siebzig Jahre für die Verwüstung Jerusalems vollendet werden sollten". Die Prophezeiung bezieht sich daher auf "siebzig mal sieben (Jahre)" = 470 Jahre. Die ganze Geschichte der Juden, angefangen von der Beendigung der babylonischen Gefangenschaft bis zur Wiederkunft Jesu Christi und der babylonischen Gefangenschaft bis zur Wiederkunft Jesu Christi und der Errichtung Seines irdischen Reiches, wird sich in dieser Zeitspanne abspielen.
  3. Dieser Ausdruck "sieben" (Jahre) war im jüdischen Kalender ein üblicher Ausdruck; z.B. 3Mo 25,8 "Und du sollst dir sieben Jahrsabbathe zählen, siebenmal sieben Jahre, sodass die Tage von sieben Jahrsabbathen dir neunundvierzig Jahre ausmachen".

  4. Der Beginn dieser 490jährigen Periode war das Dekret von Artasasta an Nehemia, welches ihm die Erlaubnis zum Bau der Mauer Jerusalems gab (Neh 2,1-8). Man rechnet dafür das Jahr 445 v. Chr.
     
  5. Man muss die "siebzig Wochen" in vier Teile unterteilen:
     
    1. 7 Wochen (49 Jahre)
    2. 62 Wochen (434 Jahre)
    3. 1Woche (7 Jahre)
    4. Mitte der Woche (nach 3 ½ Jahren)

    Nach der neunundsechzigsten Woche (483 Jahre) wird der Messias ausgerottet und die Stadt Jerusalem zerstört (9,26). Ein Vergleich zwischen Offb 11,2 und 12,6 + 14 ergibt, dass 42 Monate, 1260 Tage und 3 ½ Jahre dasselbe ergeben. Wenn dies der Fall ist, dann hat ein "prophetisches" Jahr 360 Tage! Man hat ausgerechnet, dass das Ende der Periode von 483 Jahren 29 n. Chr. war, als Christus in Jerusalem einzog: Mt 21,1-11; Mk 11,1-11; Lk 19,19-44; Joh 12,12-19.

    Die Zerstörung der Stadt wurde 70 n. Chr. durch die Römer unter Titus ausgeführt.
     

  6. Allein durch die Wortstellung in 9,25-26 entsteht der Eindruck, dass die siebzigste Woche nicht unmittelbar nach der neunundsechzigsten folgt, sondern dass es dazwischen eine Pause gibt.
     
  7. Die siebzigste Woche ist mit der kommenden Trübsalszeit zu vergleichen, welche bereits in den Visionen von Kap. 2 und Kap. 7 erwähnt wurde. Am Anfang der Woche schließt der Antichrist einen Bund mit den Juden. Doch am Ende der sieben Jahre wird er den Juden furchtbare Dinge antun, nachdem er nach 3 ½ Jahren den Bund bricht. Er wird dafür gerichtet werden (9,27).

Man kann diese Prophezeiung überblicksmäßig wie folgt darstellen:

Karte 147 - Die siebzig Wochen

7) DER ABSCHLUSS DER GESCHICHTE DER JUDEN: 10-12

Diese Kapitel enthalten mehr Einzelheiten über die Zeit, die in Kap. 9 behandelt wurde. Die Grundlage dafür ist die Chronologie der siebzig Wochen.

Die Vision beginnt in 11,2. Vorher beschreibt Daniel den satanischen Widerstand gegen diese Offenbarung (Kap. 10). Vor allem wird eine Engelsmacht erwähnt: "der Fürst des Königreiches Persien". Er widerstand dem Kundwerden dieser Wahrheit 21 Tage lang. Der Engel, der die Offenbarung bringt, erwähnt auch, dass dieser Fürst vom Fürsten von Griechenland Schützenhilfe erhalten wird. Der Widerstand dieser gewaltigen Engelsmächte gegen diese Offenbarung ist interessant, da die zu offenbarende Wahrheit unter anderem mit den Niederlagen ihrer jeweiligen irdischen Königreiche zu tun hat.

Dieser schwierige Abschnitt kann grundsätzlich in drei Teile unterteilt werden:

11,2-35

11,36 - 12,3

12,4-13

DIE ZUSTÄNDE IN ISRAEL
  VOR DEM
ERSTEN KOMMEN  
JESU CHRISTI

DIE ZUSTÄNDE IN ISRAEL
  VOR DEM
ZWEITEN KOMMEN  
JESU CHRISTI

ABSCHLIESSENDE
  PROPHEZEIUNGEN  

bereits erfüllt

noch nicht erfüllt

In 11,2-35 werden die Jahrhunderte während der persischen und griechischen Weltherrschaft bis zur Zeit von Antiochus Epiphanes und der mit seiner Person verbundenen Judenverfolgung beschrieben. Diese Prophezeiungen wurden bereits erfüllt.

In 11,36-12,3 werden die Ereignisse vor dem zweiten Kommen Jesu Christi beschrieben. In diesem Abschnitt ist der Antichrist die Hauptfigur.

Diese Vision könnte man wie folgt darstellen:

Karte 148 - Die Vision von Kap. 11-12

11,36-39 gibt Aufschluss über die Person des Antichristen; 11,40-45 Aufschluss über seine Handlungen.

Der letzte Abschnitt, 12,4-13 vermittelt weitere Prophezeiungen hinsichtlich der Juden und gibt eine Erläuterung des Begriffes "eine Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit".

Eine mögliche Auslegung einer näheren Zeitbestimmung der siebzigsten Woche, könnte wie folgt dargestellt werden:

Abschließend wäre es wichtig, die fünf Hauptvisionen Daniels noch einmal miteinander zu vergleichen.

Karte 149 - Ein Vergleich der Visionen Daniels

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