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Bibelüberblick - Teil 95

Micha 1-7

HAUSAUFGABE
  1. BIBEL: Mi 1-7 aufmerksam durchlesen
  2. FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen aus dem obigen Abschnitt in der Bibel, bevor du die Unterlagen durchliest.
    1. Was ist deiner Meinung nach die Hauptbetonung von Micha?
      Gib dem Buch eine eigene Überschrift.
    2. Gegen wen richtet sich die Prophezeiung von Micha? (siehe 1,5) Warum?
    3. Welche Sünde oder Sünden werden in 2,1-11 angeprangert?
    4. Nenne die besonderen Gruppen, die in Kap. 3 erwähnt werden.
    5. Beschreibe in eigenen Worten das Tausendjährige Reich, wie es in Kap. 4 dargestellt wird.
    6. Im letzten Kapitel des Buches wehklagt der Prophet Micha selbst über sein Volk. Was sagt er?
  3. UNTERLAGEN: Teil 95 aufmerksam durchlesen

EINTEILUNG ZU MICHA

Der Name Micha bedeutet "Wer ist wie Jahwe?" oder "Wer ist Jahwe gleich?". Er kam von Morescheth-Gath (1,1 und 1,14), einem Dorf etwa 35 km südwestlich von Jerusalem. Der Name bedeutet "zu Gath gehörend", was darauf hindeutet, dass dieses Dorf zu der größeren Stadt Gath dazugehörte.

Micha prophezeite in der ersten Hälfte des achten Jahrhunderts v.Chr., während der Regierungszeiten von Jotham, Ahas und Hiskia. Er war daher ein Zeitgenosse Jesajas. Vergleiche Mi 4,1-5 und Jes 2,1-6. Beide Abschnitte sind miteinander fast identisch. Es hat den Anschein, dass Jesaja mehr für die Bewohner von Jerusalem predigte, während sich Micha mehr auf das Landvolk konzentrierte.

JOTHAM -
Anti-Assyrien-Politik (2Kö 15,32-38; 2Chr 27,1-9)

Er regierte etwa 20 Jahre. Er hatte wenig Gelegenheit sich zu behaupten, da er nie lange genug alleine regierte. Er baute an dem Tempel, versuchte aber niemals den Götzendienst einzudämmen. Er überwältigte die Ammoniter und verlangte Tribut von ihnen, bis er selbst unter den Druck der Assyrer kam. Er hatte große Schwierigkeiten, seine Anti-Assyrien-Politik durchzusetzen. Während seiner Regierungszeit begann Micha seinen prophetischen Dienst.

AHAS -
Pro-Assyrien-Politik (2Kö 16,1-20; 2Chr 28,1-27)

Während seiner ganzen Regierungszeit hielt er an seiner pro-assyrischen Politik fest, obwohl dies die Bezahlung von hohem Tribut bedeutete. Als er von Syrien und Israel (Rezin und Pekach) angegriffen wurde, ermutigte ihn Jesaja auf den Herrn zu vertrauen. Ahas aber vertraute lieber seiner Politik und seinem Bündnis mit Tiglath-Pileser. Jerusalem wurde belagert, aber nicht eingenommen. Er befahl auch den Bau eines Altars, wie er ihn in Damaskus gesehen hatte. Er leitete den Götzendienst und trotz des Dienstes von Jesaja führte Ahas sein Volk in die schlimmsten heidnischen Praktiken ein. Der Prophet Micha war zu dieser Zeit auch tätig.

HISKIA -
Ein gerechter König (2Kö 18,1-20,21; 2Chr 29,1 - 32,33)

Er regierte 29 Jahre. Wahrscheinlich mit Hilfe von Jesaja und Micha führte Hiskia Juda in eine Zeit großen geistlichen Segens. Er handelte genau im Gegensatz zu dem Götzendienst seines Vaters Ahas. Er war Zeuge vom Zerfall des Nordreiches, verursacht durch Götzendienst, und so entschloss er sich, sein Reich näher zum Herrn zu führen. Er unterwarf Sargon II von Assyrien und versuchte auch gute Beziehungen zu den übriggebliebenen Juden des Nordreiches zu erhalten, indem er sie zu den religiösen Feierlichkeiten in Jerusalem einlud. Er baute den Tempel auf und führte den levitischen Dienst wieder ein. Nach dem Tod von Sargon II kam der neue König Assyriens, Sanherib, gegen Juda. Hiskia nahm Schätze aus dem Tempel und gab sie den Assyrern in der Hoffnung, dass sie daraufhin abziehen würden. Dann wurde Hiskia krank, er sollte sterben. Doch er wandte sich an Gott und der Herr antwortete ihm durch Jesaja wie folgt:

  1. er würde noch fünfzehn Jahre leben
  2. Jerusalem würde von der Bedrohung der Assyrer befreit

Die Assyrer zogen wirklich ab und Hiskia bekam internationale Anerkennung. Auch Babylon sandte einige Leute zu ihm. Er zeigte ihnen alle seine Schätze, wie Hiskia sagte: "Sie haben alles gesehen, was in meinem Hause ist; es gibt nichts in meinen Schätzen, was ich ihnen nicht gezeigt hätte". Jesaja prophezeite, dass Juda unter die Herrschaft Babels kommen würde. In den letzten 15 Jahren seines Lebens zeugte Hiskia Manasse.

Obwohl Micha in seinen Prophezeiungen auch das Nordreich erwähnt, sind sie doch hauptsächlich gegen das Südreich gerichtet. Seine Botschaft ist in der Betonung jener des Propheten Amos sehr ähnlich, nämlich soziale und geistliche Ungerechtigkeit. Man könnte dem Buch Micha die Überschrift "Korruption bei der Führerschaft" geben. Amos diente im Nordreich kurz bevor Micha seinen Dienst im Südreich begann. Es könnte sein, dass Micha sah, wie sich die Missstände, die Amos in Israel aufdeckte, nun langsam in Juda etablierten. Er trat furchtlos gegen sie auf.

Im Besonderen prangerte Micha folgende Missstände an:

  1. Götzendienst (1,7; 6,16)
  2. Heuchelei und Falschheit im Gottesdienst wegen der korrupten Propheten (3,5-7) und der gierigen Priester (3,11)
  3. Die Unterdrückung der Armen im Land (2,2; 3,1-3)

Micha legte diese Zustände aber nicht nur bloß, sondern er bot auch die Lösung an. Soziale Gerechtigkeit und geistliche Wahrheit werden erst dann zu Gottes Volk kommen, wenn der gerechte Herrscher über das Volk regieren wird. Micha prophezeite, dass dieser eines Tages in Bethlehem geboren würde. (5,2).

Karte 159 - Die Unterteilung von Micha

1-3

4-5

6-7

   DIE ANKÜNDIGUNG   
DES GERICHTES

   DIE VERHEISSUNG DER   
WIEDERHERSTELLUNG

   DER AUFRUF   
ZUR BUSSE

 

EINTEILUNG VON MICHA

HAUPTGEDANKE: DER GERECHTE HERRSCHER KOMMT

I) DIE ANKÜNDIGUNG DES GERICHTES: 1-3

1) JUDA UND ISRAEL WERDEN ANGEGLAGT:  1
2) DIE KORRUPTION WIRD BESCHRIEBEN:  2-3

II) DIE VERHEISSUNG DER WIEDERHERSTELLUNG: 4-5

3) DAS GERECHTE REICH:  4
4) DER GERECHTE HERRSCHER:  5

III) DER AUFRUF ZUR BUSSE: 6-7

5) DER AUFRUF GOTTES AN SEIN VOLK:  6
6) DER AUFRUF MICHAS AN SEIN VOLK:  7


I) DIE ANKÜNDIGUNG DES GERICHTES: 1-3

Das Buch wurde, wie bereits erwähnt, in der ersten Hälfte des achten Jahrhunderts v.Chr. geschrieben; wahrscheinlich nach der Eroberung von Damaskus durch die Assyrer 734-732 v.Chr. (siehe 2Kö 16,5-16 und Jes 7,1-9) und vor der Einnahme von Samaria, der Hauptstadt des Nordreiches, im Jahre 722 v. Chr.

In gewisser Weise sind die Weichen bereits gestellt. Micha kündigt an, dass Juda wegen seiner Abtrünnigkeit gerichtet werden wird, dass jedoch noch immer das Angebot zur Vergebung gilt. Die Betonung von Micha unterstreicht zwei Eigenschaften der Person Gottes, die man in Röm. 11,22 zusammen findet:

"Siehe nun die GÜTE und die STRENGE Gottes..."

1) JUDA UND ISRAEL WERDEN ANGEKLAGT: 1

Dieser Abschnitt gleicht einer Szene aus dem Gerichtssaal. Der Herr persönlich erhebt Anklage gegen Sein Volk. Er ruft die ganze Erde auf, Seine Anklage anzuhören: "Höret, ihr Völker alle, merke auf, die Erde und ihre Fülle" (1,2). Hauptsächlich konzentriert Er sich auf die Hauptstädte der beiden Reiche, da von ihnen aus die ganze Gottlosigkeit und Rebellion gekommen ist (1,5). Dort wo Gerechtigkeit und Recht herrschen sollen, findet man Korruption und Ungerechtigkeit vor.

In 1,8-16 sieht Micha dann im Geist das heranmarschierende Heer der Babylonier, wie es von Norden auf Jerusalem zukommt und die Stadt umzingelt. Alle auf dem Weg liegenden Dörfer wurden zerstört. Die Bedeutung der Namen der Dörfer stellen auch Aspekte des herannahenden Gerichtes dar:t

Beth-Leaphra

(Staubheim) "wälze ich mich im Staube"

Schaphir

(Schönstadt) "ziehe hin ... in schändlicher Blöße"

Zaanan

(Auszug) "die Bewohnerin ... ist nicht ausgezogen"

Beth-Ezel

(das Haus des Entfernens) "die Wehklage ... wird dessen Rastort von euch wegnehmen"

Maroth

(Bitterkeiten) "zittert wegen ihrer Habe"

Lachis

(Pferd) "spanne die Renner an die Wagen"

Morescheth-Gath

(Besitztum von Gath) "darum wirst du ... ein Entlassungsgeschenk geben"

Aksib

(Trug) "die Häuser ... werden zu einem trügerischen Bache für die Könige Israels"

Marescha

(Besitz) "noch werde ich den Besitznehmer dir bringen"

Adullam

(Zufluchtstadt) "bis ... werden kommen die Edlen von Israel".

2) DIE KORRUPTION WIRD BESCHRIEBEN: 2-3

Die Sünden des Volkes werden in Kap. 2-3 genauer beschrieben. Im Besonderen klagt Micha drei Gruppen aus der Bevölkerung an:

  1. die reichen Landbesitzer (2,1-13)
  2. die politischen Führer (3,1-4)
  3. die religiösen Führer (Propheten und Priester; 3,5-12)

In 2,1-13 werden die Landbesitzer dargestellt, wie sie die ganze Nacht wach bleiben, um Pläne zu schmieden wie sie zu noch mehr Besitztum kommen könnten. Sie wären sogar bereit, unbeteiligte Passanten zu entkleiden, wenn ihnen dies einen Vorteil einbrächte (2,8). Kein Wunder, dass sie aufschreien - "Weissagt nicht" (2,6). Die Worte des Propheten sind ihnen sehr unangenehm.

Die politische und religiöse Führerschaft des Volkes ist völlig korrupt. Die Propheten weissagen die Lüge und stehen in vollkommenen Gegensatz zu Micha, dem Diener Gottes - "Ich hingegen, ich bin mit Kraft erfüllt durch den Geist Jahwes, und mit Recht und Stärke, um Jakob seine Übertretung kundzutun und Israel seine Sünde."

II) DIE VERHEISSUNG DER WIEDERHERSTELLUNG: 4-5

Im Gegensatz zu der gegenwärtigen korrupten Führerschaft, die in Kap. 1-3 dargelegt wird, offenbart Kap. 4-5 einen zukünftigen gerechten Herrscher und das Reich, das er anführen wird.

3) DAS GERECHTE REICH: 4

Die idealen Umstände des Tausendjährigen Reiches werden in 4,1-8 beschrieben. Jerusalem wird die Hauptstadt der Welt sein und alle Nationen werden dorthin kommen, um dem König (Jesus Christus) ihre Untertänigkeit zu erweisen. Gerechtigkeit wird in der ganzen Welt herrschen und es wird echten Frieden geben.

Bevor jedoch diese wunderbare Zeit kommt, muss das Volk noch einiges leiden. In 4,9-10a wird der Fall Jerusalems, 586 v.Chr., vorausgesagt. In 4,10b sieht Micha die babylonische Gefangenschaft voraus. In dem restlichen Teil des Abschnittes prophezeit er die Befreiung und die Wiederherstellung des Volkes.

4) DER GERECHTE HERRSCHER: 5

In diesem Abschnitt spricht Micha mit unglaublicher Genauigkeit über den Herrn Jesus. Die Prophezeiung bezüglich Seiner Geburt wurde ca. 700 Jahre später erfüllt. Der Abschnitt kann in zwei Teile gegliedert werden:

  1. das erste Kommen Jesu Christi (5,1-2) - der gerechte Herrscher wird in Bethlehem geboren werden, aber dies wird nicht sein wirklicher Beginn sein; denn "seine Ausgänge (d.h. Ursprünge) sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her" (V. 1). Er ist eine ewige Person!
     
  2. Das zweite Kommen Jesu Christi (5,3-14) - der Prophet sieht, wie alle Propheten des AT, keine Zeitspanne zwischen dem ersten und dem zweiten Kommen des Herrn, wie auf der nachstehenden Karte gezeigt wird.

Karte 160 - Der Blick des Propheten im AT

Bei der Wiederkunft Jesu Christi wird Er in der Kraft Jahwes stehen und "Seine Herde weiden" (5,3).

III) DER AUFRUF ZUR BUSSE: 6 - 7

Dieser Abschnitt beinhaltet wesentliche Wahrheiten über die Trennung des Menschen von Gott. Einige der wichtigsten Fragen, die beantwortet werden, sind:

  1. Warum ist der Mensch von Gott getrennt?
  2. Was ist die Voraussetzung für die Wiederherstellung der Gemeinschaft?
  3. Was ist der Unterschied zwischen Religion und wahrer Gemeinschaft mit Gott?
  4. Warum muss Sünde bestraft werden?
  5. Warum ist die göttliche Vergebung die einzige Hoffnung für den Menschen?

5) DER AUFRUF GOTTES AN SEIN VOLK: 6

Man könnte diesen Abschnitt den "Rechtsstreit Jahwes" nennen. Was hat der Herr gemacht oder getan? Das Volk soll antworten (6,3). In V. 6-7 wird die Frage gestellt, wie man vor einem heiligen und gerechten Gott erscheinen kann? In V. 8 wird die Antwort gegeben - nicht in Äußerlichkeiten, durch die Einhaltung von religiösen Zeremonien oder Feiern, sondern "Recht zu üben und Güte zu lieben, und demütig zu wandeln mit deinem Gott." Da wiederum ist Gott nicht durch gute Werke, die der Mensch selbst produziert, zufriedenzustellen. Der in V. 8 beschriebene Wandel ist nur möglich, wenn der Mensch wiedergeboren wird und mit der Hilfe des Geistes Gottes einen solchen Wandel führt.
Was aber fand Gott statt diesem Wandel bei Seinem Volk vor? Korruption, Betrug und Gottlosigkeit - "Sollte ich rein sein bei der Waage der Gesetzlosigkeit und bei einem Beutel mit betrügerischen Gewichtssteinen?" (6,11).

6) DER AUFRUF MICHAS AN SEIN VOLK: 7

Nach dem Aufruf des Herrn folgt der Prophet selbst mit seinem Appell an das Volk. Der Abschnitt beginnt mit traurigen Worten (7,1-6). Micha sieht das Volk wie einen Weingarten nach der Lese. Sein Herz ist traurig, da Gerechtigkeit unter dem Volk fehlt, wie reife Trauben in dem Weingarten nach der Lese. Was findet Micha vor? Verrat, Heuchelei und Untreue, sogar bis in die engste Familienbeziehung hinein, sind an der Tagesordnung.

Doch er schaut weiter auf den Herrn und sieht Hoffnung. Der Herr ist ein Herr von unbegrenzter Barmherzigkeit. Eines Tages wird Er die Sünden des Volkes "in die Tiefen des Meeres werfen" (7,19). Dann wird Gottes Volk die Herrschaft des gerechten Herrschers genießen, der in Bethlehem geboren wurde. Die "Korruption bei der Führerschaft" und bei dem Volk wird für immer verschwunden sein. Gerechtigkeit, Recht und Wahrheit werden das Leben des Volkes bestimmen.

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