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Bibelüberblick - Teil 96

DIE PROPHETEN OBADJA, NAHUM UND HABAKUK -
DIE NATIONEN, DIE GOTT ABLEHNTEN

Obadja 1
Nahum 1-3
Habakuk 1-3

HAUSAUFGABE
  1. BIBEL: Ob 1; Nah 1-3; Hab 1-3 aufmerksam durchlesen
  2. FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen aus dem obigen Abschnitt in der Bibel, bevor du die Unterlagen durchliest.
    1. Welches heidnische Volk wird in Obadja behandelt?
    2. Welche Einstellung hatten die Bewohner dieses Landes?
    3. Welche konkreten Gründe gibt Obadja für das Gericht an?
    4. Welches heidnische Volk wird in Nahum behandelt?
    5. Welche konkreten Gründe werden in Kap. 3 für die Notwendigkeit des Gerichtes angegeben?
    6. Welches heidnische Volk wird in Habakuk behandelt?
    7. Wie wird dieses Volk in 1,5-11 beschrieben? Wozu verwendet sie der Herr?
    8. Welche Sünden der Feinde Israels werden in den fünf Wehklagen in 2,5-20 aufgezählt?
  3. UNTERLAGEN: Teil 96 aufmerksam durchlesen

EINLEITUNG ZU OBADJA

Der Herr hat Seine Wortführer nicht nur an Sein Volk, sondern auch an die heidnischen Völker, vor allem an jene, die in einer Verbindung zu Seinem Volk standen. Diese Nationen waren vor allem die Edomiter, die Assyrer und die Chaldäer (Babylonier). Die folgende Karte zeigt die Nationen und Propheten, die Gott dorthin sandte.

Karte 161 - Der Wortführer Gottes an die Nationen

Man könnte die Wortführer Gottes wie folgt darstellen:

DAS VOLK GOTTES

     NORDREICH     

     SÜDREICH     

Israel

Juda

JONA *
AMOS
HOSEA

JOEL
ZEPHANJA
MICHA

                



    DIE HEIDNISCHEN VÖLKER **    
 

OBADJA
NAHUM
HABAKUK

Edom
Assyrien
Babylon

* Der Dienst Jonas war hauptsächlich gegen Ninive und die Assyrer gerichtet. Er war ein Prophet des Nordreiches.

** Fast alle anderen Propheten des AT - Jesaja, Jeremia, Hesekiel, usw. - erwähnten Gerichte über heidnische Völker. Diese drei wurden jedoch von Gott besonders beauftragt, ausschließlich zu den Heiden zu gehen.

Der Name Obadja bedeutet "der Diener oder Anbeter Jahwes". Der Name kommt etwa 20 mal in der Bibel vor und bezeichnet 13 verschiedene Personen. Abgesehen von der Erwähnung des Namens in V. 1 "Gesicht Obadjas", wird von dieser Person in der ganzen Bibel nichts mehr erwähnt. Man weiß daher nichts über diesen Propheten. Der Zeitpunkt seines Dienstes ist sehr schwer festzustellen. Der einzige Anhaltspunkt ist die Beschreibung eines Überfalles auf Jerusalem in V. 11-14. Im AT wird von vier derartigen Angriffen berichtet:

  1. während der Regierungszeit von Rehabeam, und zwar durch Sisak, den König von Ägypten, um etwa 925 v.Chr. (1Kö 14,25-26; 2Chr 12,1-16)
     
  2. während der Regierungszeit von Joram, und zwar durch die Philister und die Araber, um etwa 845 v.Chr. (2Chr 21,16-17); zu dieser Zeit waren die Edomiter von der Herrschaft Judas abgefallen (2Chr 21,8-10).
     
  3. während der Regierungszeit von Amazja, und zwar durch Joas, König von Israel, um etwa 790 v.Chr. (2Kö 14,8-14; 2Chr 25,17-24)
     
  4. während der Regierungszeit von Zedekia, und zwar durch Nebukadnezar, um etwa 586 v.Chr. (2Kö 24,18-25,17; Ps 137,7)

Durch ein Studium der weiteren Aspekte der Prophezeiung scheint es als wahrscheinlich, dass es sich bei dem beschriebenen Überfall um jenen zur Zeit Jorams, etwa 845 v.Chr., handelt. Wenn diese Zeitspanne stimmt, war Obadja ein Zeitgenosse Elisas.

JORAM -
(2Kö 1,19-8,15)

Er regierte 12 Jahre. Elisa war der Prophet während seiner Regierungszeit. Mit Hilfe von König Josaphat und dem König von Edom kämpfte er gegen die Moabiter. Auch am Ende seiner Regierung suchte er die Hilfe des Südreiches. Diesmal kämpfte Ahasja (König von Juda) mit ihm gegen Ramoth-Gilead. In diesem Kampf wurde er verwundet. Elisa sandte einen seiner Propheten, um Jehu zum neuen König von Israel zu salben. Jehu kam gegen Israel und tötete Joram und auch Ahasja von Juda. Dann wrude Isebel getötet und die Prophezeiung Elias, dass das Haus Ahabs ausgerottet würde, ging in Erfüllung.

Obadja ist das kürzeste Buch im AT. Aber in diesem Fall gilt ganz gewiss die Aussage "multum in parvo" (viel in wenig).

Die Hauptstadt der Edomiter, Petra - bedeutet "Fels" (hebr. "sela"; griech. "petra" = Fels), war der Begriff für Stolz und Überheblichkeit. Man liest: "Der Übermut deines Herzens hat dich verführt, der du in Felsenklüften, auf hohem Sitze wohnst und in deinem Herzen sprichst: Wer wird mich zur Erde hinabstürzen?" (V. 3).

Die Edomiter waren die Nachkommen von Esau (1Mo 25,19-34). Sie besiedelten die Gegend um das Gebirge Seir. Die Beziehung zwischen Edom und dem Volk Gottes war immer gespannt. Sie erlaubten den Juden z.B. nicht, ihr Land zu durchqueren (4Mo 20,14-21). Die Feindschaft begann mit den Zwillingsbrüdern Jakob und Esau (1Mo 27) und blieb durch die Jahrhunderte aufrecht, indem sie sich auf die zwei Völker Israel (Jakob) und Edom (Esau) ausweitete.

Die Botschaft des Buches ist das Gericht über Edom wegen seinem Verhalten dem Volk Gottes gegenüber. Weitere Aspekte des Buches sind die eben erwähnte Feindschaft zwischen Israel (Jakob) und Edom (Esau). Jakob ist der geistliche Mensch, Esau hingegen der fleischliche. Hebr 12,16 bezeichnet ihn als "einen Ungöttlichen". Diese zwei Betonungen sind miteinander unvereinbar! Es wird zwischen dem Geist und dem Fleisch immer Feindschaft geben - "denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, der Geist aber wider das Fleisch" (Gal 5,17).

Die Unterteilung des Buches ist ziemlich einfach.

Karte 162 - Die Unterteilung von Obadja

1,1-16

1,17-21

     DAS GERICHT ÜBER     
EDOM

     DIE BEFREIUNG     
ISRAELS

 

EINTEILUNG VON OBADJA

HAUPTGEDANKE: DIE FEINDSCHAFT ZWISCHEN FLEISCH UND GEIST

1) DAS GERICHT ÜBER EDOM:  1,1-16

2) DIE BEFREIUNG ISRAELS:  1,17-21

 


1) DAS GERICHT ÜBER EDOM: 1,1-16

Die Überheblichkeit der Edomiter wird in V. 1-3 dargestellt. Wegen der topographischen Beschaffenheit ihres Landes dachten sie, dass sie uneinnehmbar waren. Doch der Herr würde sie klein machen und von ihren Höhen stürzen (V. 2).

In V. 5-9 wird das Ausmaß der Zerstörung der Hauptstadt Sela beschrieben. Wenn Diebe einbrechen, dann lassen sie normalerweise etwas zurück. Doch wenn das Gericht über Edom vorbei ist, wird von dem Volk nichts übrig bleiben. Diese Prophezeiung erfüllte sich zur Gänze 70 n.Chr., als die Römer nicht nur Jerusalem, sondern auch das gesamte Gebiet um Edom einnahmen und zerstörten. Von den Edomitern als Volk blieb keine Spur über!

In V. 10-16 wird der Grund für dieses verheerende Gericht angegeben. Die Edomiter sahen mit Genugtuung dem Überfall auf Jerusalem zu. Sie sahen in der Niederlage der Juden sogar eine Gelegenheit, ihre eigene Stellung zu stärken. Sie fielen auch über die wehrlose Stadt her und plünderten sie (V15-16). Das Gericht wird kommen!

2) DIE BEFREIUNG ISRAELS: 1,17-21

Im Gegensatz dazu wird für Israel Befreiung kommen. Gott wird Sein Volk wie ein Feuer verwenden, um gegen Edom aufzutreten. Der Herr wird alles in die richtige Ordnung bringen "und das Reich wird Jahwe gehören" (V. 21).


EINLEITUNG ZU NAHUM

Der Name Nahum ist die verkürzte Form von Nehemia und bedeutet soviel wie "Trost" oder "Tröster". Er wurde in Elkosch geboren. Der genaue Standort dieser Stadt ist nicht bekannt. Nahum gibt keinen Hinweis bezüglich des Zeitpunktes seines Dienstes, doch sind in seinen Prophezeiungen Anhaltspunkte enthalten, die eine Datierung seines Dienstes erleichtern:

Nahum diente daher während der Regierungszeit von Manasse und Amon (möglicherweise auch unter Josia).

MANASSE -
Götzendienst und Erneuerung(2Kö 21,1-18; 2Chr 33,1-20)

Manasse regierte von allen Königen Judas am längsten - 55 Jahre. Ähnlich wie sein Großvater Ahas, führte er in Juda den Götzendienst ein. Er betete auch das ganze Heer des Himmels und die verschiedenen Götzen der Nachbarländer an. Menschenopfer, Astrologie, Spiritismus und Okkultismus waren die normalen Bestandteile der Religion, welche Manasse nach Juda brachte. Es ist auch möglich, dass Jesaja unter der Regierung von Manasse hingerichtet worden ist. Unter der Herrschaft der Könige Esar-Haddon und Assurbanipal erreichte Assyrien den Höhepunkt seiner Geschichte. Dann kam es in dem mächtigen Reich zu einem Bürgerkrieg. Zu diesem Zeitpunkt versuchte Manasse von der Herrschaft der Assyierer loszukommen. Doch die neuen Machthaber Assyriens, die Babylonier, kamen nach Jerusalem und nahmen Manasse als Gefangenen mit nach Babel. Als er dann wieder freigelassen wurde, versuchte er eine geistliche Erneuerung in Juda durchzuführen. Obwohl er persönlich sicherlich Buße getan hatte, ist es zweifelhaft, ob diese Erneuerung wirklich eine große Wirkung hatte.

AMON -
Abfall(2Kö 21,19-26; 2Chr 33,21-25)

Er regierte 2 Jahre. Er führte den ursprünglichen Götzendienst seines Vaters Manasse wieder ein. Der Abfall Judas stand nun fest. Das Gericht konnte nicht mehr aufgehalten werden. Der Prophet Nahum prophezeite in dieser Zeit gegen Ninive.

Das Thema des Buches ist das Gericht über die Assyrer, dargestellt durch die Zerstörung ihrer Hauptstadt Ninive. Zu dem Zeitpunkt der Niederschrift hatten die Juden zumindest zweimal die Grausamkeit der Assyrer erlebt:

  1. die Eroberung des Nordreiches, 722 v.Chr., durch Salmanassar V / Sargon II (2Kö 17,6)
  2. die Belagerung Jerusalems, 701/700 v.Chr., durch Sanherib, Sohn von Sargon II (2Kö 18,13-18)

Asar-Haddon (680-669 v.Chr.) baute das Reich der Assyrer aus. Er erobert Ägypten (Memphis). Es folgte ihm Assurbanipal (699-627 v.Chr.), der durch die Eroberung der bis zu diesem Zeitpunkt als uneinnehmbar geltenden Stadt Theben oder No-Ammon (Nah 3,8) ganz Ägypten unter seine Gewalt brachte. Assurbanipal war für seine Grausamkeit berüchtigt. Es gibt viele Überlieferungen, welche die grenzenlose Brutalität und Grausamkeit dieses Königs bestätigen. Nach seinem Tod verlor Assyrien immer mehr an Wichtigkeit und 612 v.Chr. wurde schließlich die Hauptstadt Ninive durch Nabopolassar, einen chaldäischen Fürsten, und dem Heer der Meder und Perser erobert. Die Prophezeiung Nahums wurde erfüllt.

Der Hauptgedanke des Buches ist "die Langmut Jahwes ist zu Ende". Man muss das Buch als eine Fortsetzung von Jona sehen. Etwa 100 Jahre früher schickte der Herr Jona nach Ninive. Als die Assyrer die Botschaft Jonas hörten, taten sie Buße und kehrten sich von ihren Wegen ab. Dies durfte aber anscheinend bald vergessen worden sein und die Grausamkeit und Gottlosigkeit stieg über die Maßen. Nun hatte die Langmut Gottes ihre Grenze erreicht. Nun musste der Herr dieses Volk richten.

N I N I V E   ( D I E   A S S Y R E R )

JONA

        ca. 100 Jahre      

NAHUM

Botschaft der
HOFFNUNG

Botschaft des
GERICHTS

DIE BARMHERZIGKEIT
GOTTES

DIE GERECHTIGKEIT
GOTTES

Ninive tut Buße

zu spät zur Buße

Ninive GERETTET

Ninive ZERSTÖRT

Das Buch besteht aus zwei Gedichten über auf Ninive. Diese liefern auch die Grundlage für die Unterteilung des Buches:

Karte 163 - Die Unterteilung von Nahum

1

2-3

DIE MAJESTÄT
GOTTES

DIE ZERSTÖRUNG
NINIVES

   der Richter und Seine   
Urteilsverkündigung

   das Gericht beschrieben   
und begründet

EINTEILUNG VON NAHUM

HAUPTGEDANKE: DIE GRENZE DER LANGMUT GOTTES

I) DIE MAJESTÄT GOTTES: 1

1) DER RICHTER:  1,1-8
2) DIE URTEILSVERKÜNDIGUNG:  1,9-15

II) DIE ZERSTÖRUNG NINIVES:  2-3

3) DAS GERICHT WIRD BESCHRIEBEN:  2
4) DAS GERICHT WIRD BEGRÜNDET:  3


I) DIE MAJESTÄT GOTTES: 1

Auf der menschlichen Ebene werden sogar die objektivsten Gerichte zwangsläufig von der Person des Richters beeinflusst. Dies ist bei Gott nicht der Fall. Er ist absolut gerecht. Nahum hebt diese Tatsache hervor, bevor das Gericht über Ninive näher beschrieben wird.

1) DER RICHTER: 1,1-8

Der Herr wird als Rächer und voll von Grimm gezeigt (1,2-6). Doch ist Er absolut gerecht und Sein Gericht ist immer absolut gerechtfertigt. Wenn Er richtet, dann ist die ganze Natur davon betroffen.

Doch der Herr ist zugleich gütig (1,7-8). "Er kennt die, welche auf Ihn vertrauen". Sie erfahren Seinen Schutz und Seine Bewahrung.

2) DIE URTEILSVERKÜNDIGUNG: 1,9-15

Das Urteil des gerechten Richters ist die Zerstörung von Ninive. Dieses Gericht wird so vollkommen sein, dass die Assyrer nie wieder als Weltmacht emporsteigen werden. Die Juden sollen erkennen, dass der Herr sie befreit und sollen feiern und Ihm dafür danken (1,15).

II) DIE ZERSTÖRUNG NINIVES: 2-3

3) DAS GERICHT WIRD BESCHRIEBEN: 2

"Der Zerschmetterer" (V. 1), so werden die vereinten Heere der Babyolnier, der Meder und der Perser bezeichnet. Mit sehr klaren Bildern wird die Einnahme der Stadt beschrieben. Die Kriegswagen rasen durch die Straßen Ninives; die Bewohner der Stadt sind voll Angst "und ihrer aller Angesichter erblassen" (2,10). Die Assyrer waren wie ein Löwe, der von dem Fleisch anderer lebte. Nun aber hat die Jagd auf den Löwen begonnen und er wird erlegt.

4) DAS GERICHT WIRD BEGRÜNDET: 3

Einige der Gründe für das Gericht werden angeführt:

  1. Lüge, Gewalttat und Raub (3,1)
  2. Hurerei und Zaubereien (3,4)

Der Herr erwähnt die Eroberung von Theben (No-Ammon). Diese Stadt galt als uneinnehmbar. Doch die Assyrer selbst haben sie eingenommen. Assurbanipal hatte die Bewohner der Stadt mit besonderer Grausamkeit behandelt (3,8-11). Ninive wird das gleiche Schicksal erleben! Der Herr lässt Grausamkeit und Brutalität nur eine gewisse Zeit zu. Dann aber ist Seine Langmut zu Ende und das Gericht wird kommen.


EINLEITUNG ZU HABAKUK

Der Name Habakuk bedeutet "umarmen, umklammern oder umfassen" (siehe 2Kö 4,16; Hi 24,8; Pred 3,5; Hl 2,6 wo das Wort vor kommt). Habakuk bezeichnet sich als Prophet (1,1). Manche meinen, dass er zu dem prophetischen Amt berufen wurde, während er als Levit/Tempelsänger diente. Dies würde die musikalischen Angaben in 3,1 und 3,19 erklären.

Ein genaues Studium des Buches zeigt, dass es höchstwahrscheinlich zwischen 609 v.Chr., dem Tod von König Josia, und 605 v.Chr., der Schlacht zu Karkemisch, zwischen Ägypten (Pharao Necho) und Babylon (Nebukadnezar II), geschrieben wurde.

Habakuk diente daher nach dem gottesfürchtigen König Josia, während der Regierungszeit von König Jojakim. Er war ein Zeitgenosse Jeremias.

JOAHAS -
(2Kö 23,31-34; 2Chr 36,1-4)

Er wurde auch Sallum genannt. Er regierte nur 3 Monate und wurde als Gefangener nach Ägypten geführt. Er starb dort, wie Jeremia es prophezeit hatte.

JOJAKIM -
(2Kö 23,35-24,7; 2Chr 36,5-8)

Der Pharao Necho setzte ihn in das Amt. Er regierte 11 Jahre. Sein Name wurde von Eljakim auf Jojakim abgeändert. Jeremia hatte während seiner Regierung eine schwierige Zeit. Im Tempel prophezeite er, wie das Volk in die babylonische Gefangenschaft gehen würde. Die Fürsten Judas verlangten seinen Tod. Nur durch die Hilfe von Freunden blieb er am Leben. Er schrieb auch eine Rolle mit Prophezeiungen, die jedoch von Jojakim völlig verschmäht wurden. Man weiß nicht genau, wie Jojakim starb, jedenfalls hinterließ er seinem Sohn eine gefährliche Anti-Babylon-Politik.

Die in Kap. 1 über die Chaldäer gemachten Angaben erwecken den Eindruck, dass sich Habakuk darüber völlig im Klaren ist, dass die Bosheit, Grausamkeit und Brutalität der Assyrer nun in den Chaldäern fortgesetzt wird. Wenn das Buch kurz vor der Schlacht zu Karkemisch geschrieben wurde, dann sah der Prophet, wie nun auch Babylon zur Weltmacht wurde und diese grausame Weltherrschaft fortsetzte. Einige Jahre später, 610 v.Chr., begannen die Chaldäer (Babylonier) mit ihren Angriffen gegen das Südreich und schleppten Gefangene weg.

Vor einiger Zeit wurde in den alten Schriften, die beim Toten Meer gefunden wurden, auch ein Schriftstück mit dem Titel "der Kommentar über Habakuk" entdeckt. Dieses Dokument behandelt allerdings nur die Kap. 1-2; Kap. 3 wird überhaupt nicht erwähnt. Dies fachte eine Diskussion unter Theologen an. Sie zogen den Schluss, dass das dritte Kapitel des Buches wahrscheinlich gar nicht von Habakuk geschrieben wurde, sondern dass es irgend jemand zu einem späteren Zeitpunkt verfasste. Doch diese Annahme ist nicht berechtigt. Wenn man "den Kommentar über Habakuk" näher ansieht, merkt man, dass der Schreiber nur eine Absicht hatte: Er wollte zwischen den Chaldäern und ihren Angriffen auf das Südreich und der politischen und geistlichen Lage in seinen Tagen Parallelen ziehen. Im Rahmen dieses Themenkreises fand er in Kap. 3 nichts Anwendbares. Daher schrieb er darüber auch nichts. Kap. 3 beinhaltet die Reaktion Habakuks auf die Antworten, welche Gott ihm auf seine Fragen in Kap. 1-2 gegeben hat.

Das Buch Habakuk stellt die Konflikte eines Gläubigen dar, und zwar in Bezug auf den angeblichen Widerspruch zwischen dem, was er durch Glauben über seinen Gott weiß, und dem, was er auf der Weltbühne mit seinen Augen sieht. Er ist nicht imstande diesen Widerspruch selbst zu lösen und daher wendet er sich mit seinen Fragen an Gott. Der Dialog zwischen Gott und Habakuk wird in Kap. 1-2 beschrieben. Die Reaktion Habakuks auf Gottes Antworten findet man in Kap. 3.

Karte 164 - Die Unterteilung von Nahum

1-2

3

DER DIALOG

DER EPILOG

Habakuk stellt Fragen

Habakuk ist voll Lob

EINTEILUNG VON HABAKUK

HAUPTGEDANKE: DIE ABSOLUTE GERECHTIGKEIT GOTTES

I) DER DIALOG - FRAGEN:  1-2

1) HABAKUK STELLT SEINE ERSTE FRAGE:  1,1-4
2) GOTT ANTWORTET:  1,5-11
3) HABAKUK STELLT SEINE ZWEITE FRAGE:  1,12-2,1
4) GOTT ANTWORTET:  2,2-20

II) DER EPILOG - LOBPREIS:  3

5) HABAKUK BETET:  3


I) DER DIALOG - FRAGEN: 1-2

Habakuk war ein fragender Mensch. Er sah die Sünden seines Volkes. Er konnte nicht verstehen, warum der Herr nicht eingeschritten war. Gott zeigt ihm, dass Er die Chaldäer dazu verwenden würde, um das Gericht an Seinem Volk auszuführen.

1) HABAKUK STELLT SEINE ERSTE FRAGE: 1,1-4

Es scheint, als ob Habakuk etwas ungeduldig geworden ist. Er hat über das Problem gebetet und drängt Gott zur Antwort auf seine Frage. Warum lässt der Herr die Ungerechtigkeit zu? Warum schweigt der Herr? Warum greift Er nicht in das Geschehen Seines Volkes ein?

2) GOTT ANTWORTET: 1,5-11

Der Herr antwortet, dass Er doch in der Geschichte der Völker am Wirken ist. Er wird ein grausames und blutrünstiges Volk gegen das Südreich bringen. Dieses Volk, die Chaldäer (die Babylonier), beten ihre eigene militärische Stärke an, doch Gott wird sie verwenden.

3) HABAKUK STELLT SEINE ZWEITE FRAGE: 1,12-2,1

Nun versteht der Prophet nicht, warum Gott so ein Volk als Sein Werkzeug gegen Juda verwenden kann. Er beweist jedoch seinen Glauben, indem er allen Widersprüchen zum Trotz an der Integrität Gottes festhält. 1,12-13 zeigt den Glauben Habakuks. In 1,15-17 setzt er sich jedoch mit dem Problem der Bosheit und Grausamkeit der Chaldäer realistisch auseinander. In 2,1 nimmt er letztlich die Stellung des Wartenden ein ... "will spähen, um zu sehen, was Er mit mir reden wird".

4) GOTT ANTWORTET: 2,2-20

Der Herr ermutigt Habakuk zu glauben. Das Gericht wird kommen. Er soll geduldig auf die Erfüllung der Verheißung warten. Sein Glaube wird ihm den notwendigen Halt geben: "Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben" (2,4). Der Glaube ist auch das Merkmal, das den Unterschied zwischen dem Gerechten und dem Gesetzlosen darstellt.

II) DER EPILOG - LOBPREIS: 3

5) HABAKUK BETET: 3

Die freudige Erwiderung des Propheten auf diese Offenbarung wird in Kap. 3 dokumentiert. Nun versteht er, was der Herr vorhat, und er ist voll Furcht davor. Habakuk, der früher besorgt war, dass Gott vielleicht zu wenig tut, fürchtet sich nun, dass Gott zuviel tun könnte. Er betet, dass Gott inmitten Seines Gerichtes doch Erbarmen walten lassen solle.

In 3,3-15 wird die Beziehung Gottes zu Seinem Volk dargestellt. Die Natur wurde beeinflusst, als Gott Seinem Volk half. Abschließend werden die Gedanken des Propheten noch einmal formuliert. Er fürchtet sich weiter in Bezug auf das kommende Gericht, doch wartet er in Ruhe auf den "Tag der Drangsal" (V. 16). Er freut sich in seinem Gott, da er nun weiß, dass sein Gott absolut gerecht ist.

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