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Bibelüberblick NT - Teil 2

Geschichtlicher Hintergrund (2/2)

HAUSAUFGABE
  1. BIBEL: Lk 1-4; Apg 1-4; Gal 1-3; Offb 1-3 aufmerksam durchlesen
  2. FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen aus dem obigen Abschnitt in der Bibel, bevor du die Unterlagen durchliest.
    1. Lies Lk 2,1-3 und 3,1-2. Erläutere die geschichtlichen, geographischen und religiösen Hintergründe der Geburt und des öffentlichen Auftretens Jesu Christi.
    2. Beschreibe kurz die politischen, kulturellen und religiösen Einflüsse, welche das Leben von Paulus prägten. (Lies dazu Phil 3,5-6; Apg 22,1-3; 1Kor 9,20-23; Apg 16,37-38; Apg 22,25-28).
    3. Wie viele Bücher gibt es im NT? Wie könnte man diese Bücher unterteilen (z.B. welche sind geschichtlich, welche lehrmäßig, usw.)?
  3. UNTERLAGEN: NT-Teil 2 aufmerksam durchlesen

NT-Teil 1 zeigte den Einfluss, den die jüdische Welt auf die Zeit Jesu hatte. Durch sie wurde vor allem die religiöse Grundlage geschaffen, die für das Kommen Jesu Christi absolut notwendig war.

Nun betrachten wir die beiden anderen wesentlichen Einflüsse auf die Zeit des Herrn:

die griechische Welt  - ihr Einfluss war hauptsächlich "kulturell"
die römische Welt     - ihr Einfluss war hauptsächlich "politisch"

 

 
DIE GRIECHISCHE WELT - KULTUR UND SPRACHE

334 v.Chr. kam Alexander der Große, Sohn des Königs Philippus von Mazedonien, nach Asien und griff die persischen Streitkräfte unter König Darius III. an. Er errang große Siege und setzte seinen Siegeszug bis nach Indien fort. Nach der Eroberung Indiens marschierte er zurück nach Babel. Dort starb er im Juni 323 v.Chr. plötzlich nach einer fieberhaften Erkrankung.

In Dan 8,1-14 beschreibt der Prophet diese Geschehnisse in einem prophetischen Gesicht:

  1. "der Widder mit zwei Hörnern" (8,3):
    die Weltmacht Persien (die zwei Hörner sind die Meder und die Perser)
     
  2. "der Ziegenbock, mit dem ansehnlichen Horn, der über die ganze Erde geht ohne sie zu berühren" (8,5):
    die Weltmacht Griechenland mit Alexander dem Großen als Führer
     
  3. "der Ziegenbock stieß den Widder und zerbrach seine beiden Hörner" (8,7):
    die Weltmacht Persien überwältigt von Griechenland
     
  4. "der Ziegenbock wurde groß über die Maßen und als er stark geworden war, zerbrach das große Horn" (8,8):
    die Ausbreitung des griechischen Reiches und der plötzliche Tod von Alexander dem Großen
     
  5. "und vier ansehnliche Hörner wuchsen an seiner Statt nach den vier Winden des Himmels" (8,8):
    die vier Feldherren von Alexander, die sein Reich aufteilten

Zwei dieser Reiche hatten für das Volk der Juden große Bedeutung, nämlich das Südreich (Ägypten, Mittelmeergegend, usw.) unter dem Feldherrn Ptolemäus und das Nordreich (Syrien, usw.) unter dem Feldherrn Seleukis (siehe Karte 1).

Obwohl Alexander nur knapp 10 Jahre an der Macht war, hatte er die Welt durch die Verbreitung der griechischen Kultur und Sprache entscheidend beeinflusst.

Karte 2 - Die griechische Welt Alexanders des Großen

Der Hellenismus

Alexander wurde "der Apostel des Hellenismus" genannt. Unter seiner Führung sahen die Griechen ihre Lebensaufgabe darin, die Welt für den Hellenismus zu erreichen (d.h. griechische Bräuche, Literatur, Philosophie, Sprache, Kleidung, Lebensstil usw. in die Kulturen der Welt zu bringen). Um seinen Traum von einer "Einwelt-Gesellschaft" zu verwirklichen, verwendete Alexander, ein ehemaliger Schüler von Aristoteles, nicht nur ein Heer von Soldaten, sondern auch von eben diesem Philosophen ausgebildete Gelehrte und Wissenschaftler. Die Basis für diese Gesellschaft war die griechische Sprache und die griechische Kultur - der Hellenismus.

Im Zuge seiner Siege baute Alexander überall Großstädte, die als Zentren des Hellenismus dienen sollten; einige dieser Städte waren Alexandrien, Pergamon und Antiochia (Syrien).

Die griechischen Philosophen und mystischen Religionen

Zur Zeit Alexanders lebten zwei der größten Philosophen aller Zeiten, nämlich Plato und sein Schüler Aristoteles.

Plato propagierte die Philosophie, dass die sichtbare Welt als Wirklichkeit nur ein Schatten von der unsichtbaren, ewigen Wirklichkeit ist, dass hinter der Vielfältigkeit "die Einheit" stecke, von der alles gekommen ist.

Aristoteles hingegen propagierte, dass die Wirklichkeit der sichtbaren Welt alles ist, und dass man durch intensives Studium soviel wie möglich über die verschiedensten Bereiche dieser sichtbaren Welt lernen sollte. Er war der erste Gelehrte, der sich nach "Fachwissen" ausstreckte.

Zeno lebte im 3. Jahrhundert v.Chr. in Athen. Er propagierte ein einfaches Leben nach der Natur, in dem man sich mit Geduld gegen die Schwierigkeiten und Probleme des Lebens durchsetzen sollte. Nach dem Tod versprach er ein "Zurückkehren" zu dem großen "Weltgeist", von dem alles stammt.

Epikur, ein Zeitgenosse Zenos, propagierte hingegen ein Leben voll Freude und Vergnügen, worin jeglicher Schmerz vermieden werden sollte. Nach dem Tod gab es kein Weiterleben.

Als Paulus nach Athen kam (Apg 17,16-34) begegnete er den Anhängern dieser beiden Philosophen: "den epikuräischen und den stoischen (Zeno) Philosophen" (17,18). Er predigte ihnen das Evangelium und sprach über die Auferstehung: "...als sie aber von der Totenauferstehung hörten, spotteten die einen (die Epikuräer?), die anderen aber sprachen: "Wir wollen dich darüber auch nochmals hören" (die Stoiker?)" (Apg 17,32).

Die mystischen Religionen füllten für viele Menschen die Gefühlsleere aus, die die verstandesmäßigen Philosophien hinterließen. Durch einen sehr komplizierten und geheimnisvollen Einweihungsritus (manchmal "Neugeburt" genannt) trat der Eingeweihte in Gemeinschaft mit dem Gott der jeweiligen Religion, der Heil und ewiges Leben versprach. Da dieser Gott selbstverständlich keine Heilsgewissheit vermitteln konnte, ließen sich die Menschen gleichzeitig in verschiedene Religionen einweihen, um sich bezüglich ihres Heils irgendwie abzusichern. Diese Religionen verlangten von ihren Eingeweihten weder einen geänderten Lebensstil noch die Anpassung an eine neue Moral. Einige von ihnen propagierten sogar, als Bestandteil der Anbetung der jeweiligen Götter, ein Leben der Ausschweifung.

Zusammenfassung

Der Einfluss der griechischen Welt auf die Zeit Jesu kann in folgenden Punkten zusammengefasst werden:

DIE RÖMISCHE WELT - FRIEDE UND ORDNUNG (PAX ROMANA)
UND DAS STRASSENNETZSYSTEM

63 v.Chr. nahm der römische Feldherr Pompeius Jerusalem ein und brachte somit das Land Palästina unter römische Herrschaft.

Die Geschehnisse des NT fanden unter dieser Herrschaft statt. Die Beiträge, die die Römer zur menschlichen Geschichte leisten sollten, waren das letzte Mosaikstückchen in dem Bild, bevor "die Fülle der Zeit" gekommen war. Jetzt konnte Gott Seinen Sohn in die Welt schicken.

Karte 3 - Die römische Welt

Das römische Regierungssystem

Rom vereinigte sein riesiges Reich durch ein System von Provinzen, die organisatorisch zwischen dem Kaiser und dem Senat aufgeteilt wurden (siehe Karte 3). Die kaiserlichen Provinzen waren hauptsächlich die neueren, potentiell gefährlichen Provinzen. Der Kaiser bestimmte einen Gouverneur (wie z.B. Pilatus, von Kaiser Tiberius bestimmt), der der Provinz vorstehen sollte. Judäa war eine Provinz unter kaiserlicher Autorität. Die Provinzen unter der Autorität des Senates waren hauptsächlich die älteren, etablierten Provinzen. Der Senat bestimmte für eine Amtsperiode von einem Jahr einen Prokonsul, der folgende Aufgaben hatte:

  1. militärische Sicherheit und gesellschaftliche Ordnung zu bewahren (Joh 11,48-50; Apg 21,31-38)
  2. das Einsammeln von Steuergeldern zu organisieren (Luk. 20,22-25; Röm 13,6-7)
  3. die Gerichte zu überwachen (Apg 16,38; 25,8-10; 18,12-15) (Sergius Paulus war Prokonsul von Zypern (Apg 13,7), Gallio war Prokonsul von Achaja (Apg 18,12)

Die Römer erlaubten auch, dass gewisse Königreiche zum Teil autonom waren. Am Anfang der Regierungszeit von Kaiser Augustus besaß Judäa z.B. diese teilweise Unabhängigkeit unter König Herodes und dann unter seinem Sohn Archelaus (Mt 2,1.22). Später wurde Judäa zu einer Provinz.

Zur Zeit der Gemeinde des ersten Jahrhunderts regierten im römischen Reich acht Kaiser. Karte 4 zeigt diese Kaiser im neutestamentlich-biblisch-geschichtlichen Zusammenhang:

Karte 4 - Die römischen Kaiser der NT-Zeit

Augustus (44/27 v.Chr. - 14 n.Chr.) *)

Jesus Christus geboren (Lk 2,7.21)

Tiberius (14-37 n.Chr.)

Jesus Christus gekreuzigt

Gajus (Caligula) (37-41 n.Chr.)

nicht im NT erwähnt

Claudius (41-54 n.Chr.)

"Hungersnot über den ganzen Erdkreis" (Apg 11,28-29) Juden mussten Rom verlassen (Apg 18,2)

Nero (54-68 n.Chr.)

Paulus berief sich auf den Kaiser (Apg 25,11). Paulus in Rom; er erwartete in Rom seine Verurteilung (Apg 28,30-31) Christenverfolgung nach dem Großbrand von Rom im Jahre 64 n.Chr.

Vespasian (69-79 n.Chr.)

Jerusalem durch die Römer zerstört

Titus (79-81 n.Chr.)

er war als Feldherr für die Zerstörung Jerusalems verantwortlich

Domitian (81-96 n.Chr.)

Christenverfolgung; er verbannte Johannes auf die Insel Patmos (Offb 1,9)

*) nach der Ermordung von Cäsar bildeten Octavian, Marc Anton und Lepidus das zweite Triumvirat. Die Spannung im Staat wuchs. Octavian gewann die entscheidende Seeschlacht bei Actium, 31 v.Chr., und wurde Alleinherrscher. Er bekam im Jahr 27 v.Chr. vom Senat und vom Volk den Namen Augustus (der Erhabene).

Zusammenfassung

Der Einfluss der römischen Welt auf die Zeit Jesu kann in folgenden Punkten zusammengefasst werden:

Das römische Regierungssystem:

Schlussfolgerung:

Die Welt wurde auf die Ankunft Christi und die Gründung Seiner Gemeinde einmalig vorbereitet.

" DIE FÜLLE DER ZEIT"

Das Gesetz, die Schriften und die Ausbreitung des Judentums legten die religiöse und ethische Grundlage.

Die griechische Welt schuf die einheitliche Sprache und einen aufgeschlossenen kulturellen Hintergrund.

Das römische Reich bereitete den Rechtsstaat und die geordnete Umwelt vor, worin die Gemeinde wachsen konnte.

DIE BÜCHER DES NT

Es gibt 27 Bücher im NT (39 Bücher im AT; daher 66 Bücher insgesamt). Man kann sie, wie die folgende Karte zeigt, grundsätzlich in drei Gruppen eingliedern:

Wie sind die Schriften des NT entstanden?

In der Zeit um 50-150 n.Chr. wurden innerhalb der Urgemeinde viele verschiedene christliche Schriften zwischen den Gemeinden hin und her geschickt. Es war üblich, dass sofort nach Eintreffen solch eines Briefes oder einer Homilie dieser vor der Gemeinde öffentlich verlesen wurde (siehe 1Thes 5,27 und Kol 4,16). Auch in Offb 1,3 kann man sich vorstellen, dass diese gewaltige Offenbarung vor der versammelten Gemeinde vorgelesen und dann an die nächste örtliche Gemeinde weiter gesandt wurde.

Öfters waren Briefe für eine ganze Gegend bestimmt, wie dies beim Galaterbrief ("den Versammlungen von Galatien" - 1,2), dem 2. Korintherbrief ("der Versammlung Gottes, die in Korinth ist, samt allen Heiligen, die in ganz Achaja sind" - 1,1) und dem Buch der Offenbarung ("...den sieben Versammlungen, die in Asien sind" 1,4) der Fall ist. Mit der Zeit wurden dann Kopien dieser Briefe für jede örtliche Gemeinde gemacht, damit, wenn der Brief weiter geschickt werden musste, eine Kopie bei der Versammlung blieb, die zur Unterweisung und zum Studium diente.

Etwa um 100 n.Chr. wurde der erste Band christlicher Literatur von den verschiedenen Gemeinden allgemein anerkannt. Dieser Band bestand aus 10 Briefen des Apostel Paulus. Kurz danach wurden die vier Evangelien in ähnlicher Weise zusammengebracht. Vor diesem Zeitpunkt hatten die Evangelien hauptsächlich nur für den Kreis Bedeutung, für den sie bestimmt waren:

Matthäus   -   für die Gemeinde in Antiochien in Syrien
Markus      -   für die Gemeinde in Rom
Lukas        -   für die von Paulus gegründeten heidnischen Gemeinden
Johannes   -   für die Gemeinden in Ephesus und Asien

Diese zwei Bände dienten der Gemeinde als Grundlage der Offenbarung über Jesus Christus und gewannen langsam die gleiche Autorität wie die heiligen Schriften des AT.

Dieser Grundlage folgte bald danach die Apostelgeschichte (der zweite Teil des Gesamtwerkes Lukas-Evangelium/Apostelgeschichte), 1. Petrus- und 1. Johannesbrief und das Buch der Offenbarung.

Mit dem Zunehmen der Irrlehrer und ihrer ketzerischen Schriften wurde die Gemeinde dazu gedrängt zu deklarieren, was sie als "göttlich inspiriert" akzeptierte und was nicht. Um etwa 200 n.Chr. gab es bereits 21 Bücher des neutestamentlichen Kanons, die allgemein als "göttlich inspirierte" Schriften angesehen wurden. Durch die kirchlichen Konzile von Hippo (393 n.Chr.) und Karthago (397 n.Chr.) wurden die 27 Bücher "unseres" NT völlig akzeptiert.

Natürlich ist dies die "menschliche" Geschichte des NT. Menschen haben die Schriften ausgewählt und bestimmt, doch der lebendige Gott war dahinter, um genau die 27 Bücher zusammenzubringen, welche Er haben wollte.

"Das Herz des Menschen erdenkt seinen Weg, aber Jahwe lenkt seine Schritte". (Spr 16,9)

Karte 5 - Die Briefe des NT in der chronologischen Reihenfolge ihrer Niederschrift

VERFASSER

BUCH

ZEIT DER
NIEDERSCHRIFT

ORT DER
NIEDERSCHRIFT

PERIODE IM
1.JHDT.

 Jakobus
 Paulus
 Markus
 Paulus
 Paulus
 Paulus
 Paulus
 Paulus

 Jakobusbrief
 Galaterbrief
 Markus-Evangelium
 1.Thessalonicherbrief 
 2.Thessalonicherbrief
 1. Korintherbrief
 2. Korintherbrief
 Römerbrief

 ca. 45
 ca. 49
 ca. 50
 ca. 50/51
 ca. 50/51
 ca. 55
 ca. 55/56
 ca. 56

 Jerusalem?
 Antiochien
 Rom?
 Korinth
 Korinth
 Ephesus
 Mazedonien
 Korinth

A
N
F
Ä
N
G
E

 Paulus
 Paulus
 Paulus
 Paulus
 Lukas
 
 Petrus
 Matthäus
 Paulus
 Paulus
 Petrus
 Judas
 Paulus

 Kolosserbrief
 Philemon
 Epheser
 Philipper
 Lukas-Evangelium /
 Apostelgeschichte
 1. Petrusbrief
 Matthäus-Evangelium
 1. Timotheusbrief
 Titusbrief
 2. Petrusbrief
 Judasbrief
 2. Timotheusbrief

 ca. 60/61
 ca. 60/61
 ca. 60/61
 ca. 60/61
 ca. 62
 
 ca. 63-65
 ca. 65
 ca. 64/65
 ca. 64/65
 ca. 65-67
 ca. 65-67
 ca. 67/68

 Rom
 Rom
 Rom
 Rom
 Cäsarea?
 
 Rom?
 Judäa?
 Mazedonien
 Ephesus?
 Rom?
 Jerusalem?
 Rom?

Z
E
N
T
R
A
L
E

 Apollos?
 Johannes
 Johannes
 Johannes

Hebräerbrief
Johannes-Evangelium
1.- 3. Johannesbrief
Offenbarung

ca. 80-90
ca. 90-100
ca. 90-100
ca. 90-100

Jerusalem?
Ephesus
Ephesus
Patmos

A
B
S
C
H
L
U
S
S

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