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Bibelüberblick NT - Teil 13

Lukas 10-18

HAUSAUFGABE
  1. BIBEL: Lk 9,51 - 18,30 aufmerksam durchlesen
  2. FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen aus dem obigen Abschnitt in der Bibel, bevor du die Unterlagen durchliest.
    1. Was drücken die Stellen 9,51; 9,53; 13,22; 17,11; 19,1; 19,28 aus?
    2. Analysiere das sogenannte "Vaterunser" in 11,1-13. Drei oder vier verschiedene "Arten" des Gebetes werden darin geoffenbart. Welche sind dies?
    3. Welche schlimme Anklage brachten die Schriftgelehrten und Pharisäer in 11,15 vor?
    4. Fasse die drei Gleichnisse in Kap. 15 in eigenen Worten zusammen.
  3. UNTERLAGEN: NT-Teil 13 aufmerksam durchlesen

3) DER MENSCHENSOHN DIENT IN PERÄA:  9,51 - 18,30

Im vorigen Abschnitt "der Menschensohn dient in Galiläa" wurde die Betonung auf Wunder, auf die Werke des Menschensohnes, gelegt. Es war Sein Bestreben, dass Seine Identität durch die begleitenden Werke klar dokumentiert wurde. Die Begebenheit in Cäsarea Philippi zeigte aber, dass das Volk Ihn nicht erkannt hatte. Nun ändert sich die Betonung in dieser letzten Phase des öffentlichen Dienstes. Nicht mehr die Werke, sondern die Worte des Herrn stehen im Vordergrund. In diesem Abschnitt kommen viele Gleichnisse vor.

Lukas betont immer wieder die Entschiedenheit des Herrn, nach Jerusalem zu gehen, obwohl Er deutlich wusste, was das für Ihn bedeuten würde.

"dass Er Sein Angesicht feststellte, nach Jerusalem zu gehen" (9,51)

"und sie nahmen Ihn nicht auf, weil Sein Angesicht nach Jerusalem hingerichtet war" (9,53)

"Und Er durchzog nacheinander Städte und Dörfer, indem Er lehrte und nach Jerusalem reiste" (13,22)

"Und es geschah, als Er nach Jerusalem reiste, dass Er mitten durch Samaria und Galiläa ging" (17,11)

"Und Er ging hinein und zog durch Jericho" (19,1)

"Und als Er dies gesagt hatte, zog Er voran, indem Er hinaufging nach Jerusalem" (19,28)

Diese geographischen Hinweise ermöglichen es, die "Route" des Herrn im letzten Abschnitt des öffentlichen Dienstes festzuhalten:

Die Vorbereitung der Jünger:  9,51 - 14,35

(vgl. Mt 8,14-22; 11,20-30; Joh 7,2-13)

Die Zeit der Kreuzigung rückt immer näher. Der Herr nutzt die nun vor Ihm liegende Zeit vorwiegend, um Seine Jünger für ihre Aufgabe auszurüsten. Lukas berichtet von verschiedenen Begebenheiten, die der Menschensohn dazu verwendet, um den Jüngern bestimmte geistliche Wahrheiten beizubringen.

Ergänze auf der folgenden Karte die jeweilige(n) Lehre(n), Wahrheit(en) oder Verhaltensregel(n), die der Herr weitergab.

Karte 36 - Die Vorbereitung der Jünger

BIBELSTELLE

BEGEBENHEIT

LEHRE / WAHRHEIT

9,51-56


die Empörung darüber, dass die Samariter den Herrn nicht aufnahmen

"Ihr wisset nicht, wes Geistes ihr seid"; der geistliche Ursprung der Jünger und Nachfolger Jesu.

9,57-62




 

10,1-16




 

10,17-24




 

10,25-37




 

10,38-42




 

Im besonderen Maße zeigt Lukas in 11,1-13 (der Autor von dem "Evangelium des Gebetes") wichtige Prinzipien in Bezug auf Gebet. Man kann die richtige Gebetsordnung wie folgt darstellen:

ZU WEM WIRD GEBETET?

"Vater (im Himmel)"

1) ANBETUNG - Seine Person
                         Sein Wille

"geheiligt werde Dein Name"
"Dein Reich komme"

2) FÜRBITTE

"unser nötiges Brot gib uns täglich"

3) BEKENNEN

"vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jeden, der uns schuldig ist"

4) FLEHEN

"führe uns nicht in Versuchung"

Man kann dieses Gebet auch folgendermaßen zusammenfassen:

das Kind zu seinem Vater              - "Vater (im Himmel)"
der Anbeter zu seinem Gott           - "geheiligt werde Dein Name"
der Untertänige zu seinem König  - "Dein Reich komme"
der Bettler zu seinem Wohltäter    - "unser nötiges Brot gib uns täglich"
der Sünder zu seinem Heiland      - "vergib uns unsere Sünden"
der Fremde zu seinem Führer       - "führe uns nicht in Versuchung"

In 11,5-13 betont der Herr, dass wir jederzeit beten können - Gott will uns das Beste geben.

In 11,14-26 gibt der Herr wichtige Information in Bezug auf das Reich Satans. Nachdem Er einen Besessenen befreit hatte, wurde Er mit der Anklage konfrontiert: "Durch Beelzebub, den Obersten der Dämonen, treibt Er die Dämonen aus" (11,15). Beelzebub ist im Hebräischen "Baalzebul" und bedeutet "der Herr der Fliegen" oder "der Herr der Wohnungen". Als Baalzebul wurde der Götze Baal in der Philisterstadt Ekron angebetet und ihm gedient. In 2Kö 1,2-16 wird davon berichtet, dass der König Ahasja, König des Nordreiches, Boten nach Ekron schickte, um den Baal-Sebub wegen einer bestimmten Auskunft zu befragen. Die Pharisäer haben den Namen übernommen und ihn für Satan verwendet, "der Oberste der Dämonen". Ihre Anklage bestand darin, dass der Herr durch Satan dämonische Mächte bezwingen konnte. In den nächsten Versen gibt der Herr darauf Seine Antwort. Die religiöse Führerschaft würde Ihn lieber der Zusammenarbeit mit Satan beschuldigen, als Seine göttliche Kraft und Seinen göttlichen Ursprung anzuerkennen.

Der Herr nutzt weitere Begebenheiten in 11,27-36 ("ein gewisses Weib")
                                                           11,37-44 ("ein gewisser Pharisäer") und
                                                           11,45-52 ("einer der Gesetzesgelehrten"),

um noch mehr Wahrheiten zu verkündigen.

11,53-54 offenbart die Pläne der Pharisäer und Schriftgelehrten gegen Ihn: "und sie lauerten auf Ihn, etwas aus Seinem Munde zu erjagen". In Kap. 12-14 gibt Lukas viele Worte des Herrn wieder, vorwiegend Warnungen gegen dieHeuchelei (12,1-12) und die Habsucht (12,13-21). Dann wendet sich der Herr Seinen Jüngern zu und lehrt sie wichtige Prinzipien über Glauben und die richtige Einstellung in Bezug auf die Wiederkunft des Herrn (12,22-59).

In 14,25-35 beendet der Menschensohn diesen Abschnitt mit einer Warnung an "die großen Volksmengen", die mit Ihm gingen. Dreimal warnt Er: "so kann er nicht Mein Jünger sein" (V. 26, 27 und 33). Der Menschensohn hat kein Interesse an großen Volksmengen, die Ihm nachfolgen ohne den Preis der Nachfolge zu kennen.

Die Gnade Gottes und die Verantwortung des Menschen:  15,1 - 16,31

In 15,1 liest man von Menschen, welche bereit waren den geforderten Preis der Nachfolge zu bezahlen; es waren dies die Zöllner und Sünder. Man liest: "Es nahten ("pflegten sich zu nahen" - der griechische Ausdruck bezeichnet eine fortgesetzte Handlung) aber zu Ihm ...". Diese Menschen kamen, obwohl sie von den Anforderungen des Herrn bezüglich der Nachfolge wussten, immer wieder zu Ihm. Dieses verursachte Empörung und Verachtung bei den Pharisäern und Schriftgelehrten: "Dieser nimmt Sünder auf und isst mit ihnen" (15,2). Diese Worte gaben den Anlass für einen der bekanntesten Abschnitte im Lukas-Evangelium, nämlich die dreiGleichnisse über Verlorenes und wieder Gefundenes.

Man kann diese drei Gleichnisse in Kap. 15 aber in einem größeren Zusammenhang sehen, und zwar "die Gnade Gottes (Kap. 15) und die Verantwortung des Menschen (Kap. 16)".

Die Gnade Gottes:

Der Herr erzählte diese drei Gleichnisse (es wird auch behauptet, dass es sich hier eigentlich nur um ein Gleichnis in drei Teilen handelt) als Antwort auf die Anklage der religiösen Führer: "Dieser nimmt Sünder auf und isset mit ihnen".

Die folgende Karte stellt einen Vergleich dieser drei Gleichnisse dar.

Karte 37 - Ein Vergleich der drei Gleichnisse in Kap. 15

Name

15,3-7

15,8-10

15,11-32

DAS VERLORENE
SCHAF

DIE VERLORENE
MÜNZE

DER VERLORENE
SOHN

Hauptperson

der Hirte mit Schafen

die Frau mit Münzen

der Vater mit seinen Söhnen

die Zahlen

100

10

2

die Reaktion auf
Erden, als das Ver-
lorene gefunden wurde

FREUDE; er ruft die Freunde und Nachbarn, dass sie sich mit ihm freuen

FREUDE; sie ruft die Freunde und Nachbarn, dass sie sich mit ihr freuen

FREUDE, der Vater veranstaltet ein Fest für alle

die Reaktion
im Himmel

die Freude über einen
Sünder, der Buße tut

die Freude bei den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut

---

Diese Gleichnisse offenbaren die Bereitwilligkeit Gottes, das Verlorene wieder aufzunehmen. Sie unterstreichen die Tatsache, dass der Mensch verloren ist; aber nicht in dem Sinne, dass er verloren ist und sich auf der Suche nach Gott befindet, sondern er ist absolut verloren und wenn Gott ihn nicht sucht, dann bleibt er auch verloren. Dies ist die Grundlage der Gnade. Der Mensch kann überhaupt nichts tun. Es ist allein Gottes Werk.

Das erste Gleichnis zeigt die absolute Hoffnungslosigkeit des Menschen. Allein der liebende gute Hirte macht sich auf den Weg, um das verlorene Schaf zu suchen.

Das zweite Gleichnis zeigt den großen Wert des Menschen. Wie eine Münze trägt auch er ein Bildnis, das Bildnis des lebendigen Gottes. Angesichts dieses Wertes ist es die Aufgabe der Gemeinde (das Weib), unter der Führung des Heiligen Geistes, solche zu suchen.

Das dritte Gleichnis zeigt die unvorstellbare große Liebe des Vaters, die auch die treibende Kraft hinter den Suchaktionen ist, die in den beiden anderen Gleichnissen gezeigt werden.

Die Verantwortung des Menschen:

Das erste Gleichnis in diesem Abschnitt (16,1-12) zeigt die Verantwortlichkeit des Menschen in jedem Bereich seines Lebens. Der Umgang mit materiellen Gütern übt einen Einfluss auf das geistliche Leben aus.

Das zweite Gleichnis, das strenggenommen gar kein Gleichnis ist sondern eine Erzählung von geistlichen Realitäten, offenbart eine falsche Einstellung in Bezug auf das ewige Leben. Reichtümer und Besitztümer sind nicht unbedingt die Kennzeichen eines Gott-gesegneten Lebens. Der Mangel an Barmherzigkeit des reichen Mannes gegenüber Lazarus wird deutlich gemacht. Gottes Gnade ist groß, aber sie schließt die Eigenverantwortung des Menschen nicht aus!

Der Herr nähert sich Jerusalem:  17,1 - 18,30

(vgl. Mt 19,1 - 20,28; Mk 10,1-45)

Im chronologischen Ablauf der Ereignisse erfolgt zwischen 17,10 und 17,11 eine Unterbrechung der Reise durch Peräa. Diese Begebenheit von der Auferweckung des Lazarus (in Bethanien) findet man nur in Joh 11,1-54.

Nach der Heilung der zehn Aussätzigen (17,11-19) wird der Herr gefragt: "Wann kommt das Reich Gottes?" (17,20). Der Herr beantwortet diese Frage in 17,20 - 18,30. Er gibt einen prophetischen Ausblick über die Endzeit, mit der besonderen Ermahnung an die Jünger, "dass sie allezeit beten und nicht ermatten sollten" (18,1). Um diese Wahrheit zu untermauern, erzählt der Herr das Gleichnis von der Witwe und dem Richter.

Der Ausdruck "Reich Gottes" kommt in dem Abschnitt 17,20 - 18,30 siebenmal vor. In 18,15-17 ist die Rede von den Bewohnern des Reiches Gottes, nämlich von den Kindern und denen, die im Herzen Kinder sind. Durch die Begebenheit mit dem "gewissen Obersten" in 18,18-30 zeigt der Herr auch, wie man in das Reich Gottes kommen kann. Nicht durch gute Werke, durch das Halten des Gesetzes, sondern durch das Ausliefern von allem im Leben für die Nachfolge des Herrn, wie Paulus es in Phil 3,7-8 ausdrückt: "Aber was irgend mir Gewinn war, das habe ich um Christi Willen für Verlust geachtet; ja wahrlich, ich achte auch alles für Verlust wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um Dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck achte, auf dass ich Christum gewinne...".

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