[ vorheriger Teil | Inhalt | nächster Teil ]

Bibelüberblick NT - Teil 15

Johannes 1-4

HAUSAUFGABE
  1. BIBEL: Joh 1,1-4,42 aufmerksam durchlesen
  2. FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen aus dem obigen Abschnitt in der Bibel, bevor du die Unterlagen durchliest.
    1. Warum schrieb Johannes sein Evangelium? (siehe 20,30-31)
    2. Lies Mt 4,21; Lk 5,10; Joh 1,44; Mk 1,20; Lk 8,3; Joh 19,27; Joh 18,15; Mt 20,20 und Offb 1,9. Mache aufgrund dieser Schriftstellen eine Personenbeschreibung von Johannes.
    3. Ziehe einen Vergleich zwischen der Begegnung des Herrn mit Nikodemus und jener mit der Samariterin (3,1-4,42).
  3. UNTERLAGEN: NT-Teil 15 aufmerksam durchlesen

EINLEITUNG ZUM JOHANNES-EVANGELIUM

Der Name Johannes als Schreiber des "vierten Evangeliums" kommt nicht vor, doch gibt es überwältigende Hinweise dafür, dass Johannes, der Sohn des Zebedäus, der Autor war. Vier Hinweise kann man dem Evangelium selbst entnehmen:

  1. Der Schreiber war ein Jude:
    Er war mit dem AT sehr vertraut (10,34-35; 12,38-41; 19,24); er wusste von dem jüdischen Brauchtum und den religiösen Feierlichkeiten (2,6; 10,22; 19,31) und er kannte die jüdischen Vorurteile (4,9; 4,27).
     
  2. Der Schreiber war ein palästinensischer Jude:
    Er kannte die Landschaft Samariens und Judäas und im besonderen Jerusalem - "Quelle Jakobs" (4,5-6); "in der Säulenhalle Salomons" (10,23); "in dem Teiche Siloam" (9,7); "in das Prätorium" (18,28).
     
  3. Der Schreiber war Augenzeuge der Begebenheiten, die in dem Evangelium berichtet werden
    Er beginnt und schließt seine Erzählung mit persönlichen Zeugnissen (1,14; 19,35); kleine, auf den ersten Blick unwichtig erscheinende Details zeigen, dass er Augenzeuge war - "es waren aber daselbst sechs steinerne Wasserkrüge aufgestellt" (2,6); "es war aber viel Gras an dem Orte" (6,10); "zog das Netz voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig" (21,11).
     
  4. Der Schreiber war Johannes der Apostel, der Sohn des Zebedäus:
    Der Schreiber des Evangeliums wird als "der Jünger, welchen Jesus liebte" (21,20) identifiziert. Dieser geliebte Jünger wird noch an vier anderen Stellen erwähnt:
    1. bei der letzten Mahlzeit mit dem Herrn (13,23)
    2. bei dem Verhör des Herrn vor dem Hohenpriester (18,15-16)
    3. bei der Kreuzigung (19,26-27)
    4. am See von Tiberias, nach der Auferstehung (21,7)

Die Synoptiker erwähnen öfters einen inneren Kreis von drei Aposteln, den der Herr bei ganz entscheidenden Begebenheiten zu sich zog. Diese drei waren Petrus, Johannes und Jakobus (siehe Karte 15, Seite 42). Petrus (siehe Joh 21,20-24) und Jakobus (siehe Apg 12,1-2) können das Evangelium nicht geschrieben haben; Johannes war der Autor!

Johannes (Griech. Ioannes" vom Hebr. "Yohanan" bedeutet "Gott ist gnädig") war der Sohn von Zebedäus und Salome. Er war der jüngere Bruder von Jakobus (Mt 4,21). Er kam aus Bethsaida (Lk 5,10; Joh. 1,44). Einige Hinweise in den Evangelien zeigen, dass Johannes relativ wohlhabend und einflussreich gewesen sein musste:

  1. sein Vater konnte sich Tagelöhner leisten (Mk 1,20)
  2. seine Mutter Salome hatte "Habe" (Lk 8,3)
  3. er hatte ein eigenes Zuhause (Joh 19,27)
  4. er kannte den Hohepriester (Joh 18,15)
  5. seine Mutter war eine außerordentliche Frau, die für ihre Söhne nur das Beste im Reich Gottes wollte (Mt 20,20).

Johannes schrieb sein Evangelium wahrscheinlich gegen Ende des ersten Jahrhunderts. Zu diesem Zeitpunkt waren Paulus und Petrus bereits den Märtyrertod gestorben, alle anderen Apostel des Herrn waren gleichfalls tot. Die synoptischen Evangelien waren bereits geschrieben und weit verbreitet; Jerusalem wurde 70 n.Chr. zerstört und die Römer beherrschten vollkommen das Land Palästina. Überall standen falsche Lehrer und Propheten auf, welche die Gottheit des Herrn verleugneten. Johannes selbst wurde während der Regierung von Domitian (81-96 n.Chr.) auf die Insel Patmos verbannt (Offb 1,9).

Die Absicht des Johannes wird in 20,30-31 ganz deutlich festgehalten:

"Auch viele andere ZEICHEN hat nun zwar Jesus vor Seinen Jüngern getan, die nicht in diesem Buche geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, auf dass ihr GLAUBET, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und auf dass ihr glaubend LEBEN habet in Seinem Namen."

In dieser Absichtserklärung erwähnt der Evangelist drei der wichtigsten Begriffe in seinem Werk:

Zeichen, Glauben und Leben.

Johannes lässt wichtige Begebenheiten in dem Leben des Herrn aus, die von den Synoptikern erwähnt wurden:

kein   Stammbaum
keine
Geburt - Er war "im Anfang"
keine Einzelheiten über das Leben Jesu als Kind
keine Versuchung durch den Teufel
keine Verwandlung auf dem Berg der Verklärung
keine Berufung der Apostel
keine Gebete - in Kap. 17 (das Hohepriesterliche Gebet) betet der Herr nicht in dem herkömmlichen
          Sinn, sondern Er spricht mit Seinesgleichen
keine Gleichnisse
keine Himmelfahrt
kein   großer Auftrag an die Jünger die Welt zu evangelisieren.

Weitere wichtige Informationen über das Johannes-Evangelium werden in den folgenden Punkten kurz zusammengefasst:

  1. Datum der Niederschrift:
    ca. 90-100 n.Chr.
     
  2. Leserschaft:
    die Gemeinde des ersten Jahrhunderts
     
  3. Absicht:
    "Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor Seinen Jüngern getan, die nicht in diesem Buche geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, auf dass ihr glaubet, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und auf dass ihr glaubend Leben habet in Seinem Namen". (20,30-31)
     
  4. Schlüsselwort:
    "glauben" (98 mal)
     
  5. Schlüsselvers:
    "Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor Seinen Jüngern getan, die nicht in diesem Buche geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, auf dass ihr glaubet, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und auf dass ihr glaubend Leben habet in Seinem Namen". (20,30-31)
     
  6. Merkmale:
    1. Die sieben Zeichen
      Von den vielen Zeichen die Jesus tat (20,30), wählte Johannes sieben aus, nicht nur um in erster Linie den übernatürlichen Charakter der Handlung hervorzuheben, sondern um geistliche Wahrheiten zu versinnbildlichen und Zeugnis über die Person Jesu abzulegen. Die sieben Zeichen mit ihren Zeugnissen über die Person Jesu sind folgende:

      ZEICHEN

      ZEUGNIS

      die Verwandlung von Wasser in Wein (2,1-11)
      die Heilung des Sohnes eines Beamten (4,46-54)
      die Heilung eines Kranken (5,1-18)
      die Speisung der Fünftausend (6,1-14)
      Jesus wandelt auf dem Meer (6,16-21)
      die Heilung eines Blindgeborenen (9,1-12)
      die Auferweckung des Lazarus (11,1-46)

      Macht über Qualität
      Macht über Entfernung
      Macht über die Zeit
      Macht über Quantität
      Macht über die Naturgesetze 
      Macht über Unglück oder "Schicksal" 
      Macht über den Tod

    2.  
    3. Die sieben "ICH BIN"
      Jesus verwendete sieben natürliche Begriffe, um die geistlichen, göttlichen Eigenschaften Seiner Person darzustellen:
       
      1. das Brot des Lebens (6,35)
      2. das Licht der Welt (8,12; 9,5)
      3. die Tür (10,7)
      4. der gute Hirte (10,11 + 14)
      5. die Auferstehung und das Leben (11,25)
      6. der Weg und die Wahrheit und das Leben (14,6)
      7. der wahre Weinstock (15,1)
         
      Zusätzlich verwendet Er dreimal "ICH BIN" in dem absoluten Sinn (8,24; 8,28; 8,58). Bei der letzten Aussage - "Ehe Abraham ward, bin ich" (8,58), hoben die Juden Steine auf, um Ihn für die vermeintliche Gotteslästerung (2Mo 3,14) zu steinigen.
       
    4. Die sieben Zeugnisse von der Göttlichkeit des Herrn
      1. Johannes der Täufer sagt: "...und ich habe gesehen und habe bezeugt, dass Dieser der Sohn Gottes ist" (1,34)
      2. Nathanael sagt: "Rabbi, Du bist der Sohn Gottes, Du bist der König Israels" (1,49)
      3. Petrus sagt: "...wir haben geglaubt und erkannt, dass Du der Heilige Gottes bist" (6,69)
      4. Martha sagt: "Ja Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll" (11,27)
      5. Thomas sagt: "Mein Herr und mein Gott!" (20,28)
      6. Johannes sagt: "Jesus der Christus ... der Sohn Gottes" (20,31)
      7. Der Herr Jesus sagt: "Ich bin Gottes Sohn" (10,36)
         
    5. Die persönlichen Gespräche
      Johannes beschreibt die verschiedensten persönlichen Gespräche, in denen die Menschen mit Christus konfrontiert wurden: entweder sie nahmen Ihn auf, oder sie lehnten Ihn ab, entweder sie glaubten, oder sie glaubten nicht. Insgesamt wird von etwa 25 solchen Gesprächen berichtet, manche waren sehr kurz, manche dauerten etwas länger. Hier werden einige der wichtigsten genannt:
      • Kap. 3       -  Nikodemus
      • Kap. 4       -  die samaritische Frau
      • Kap. 9       -  der Blinde
      • Kap. 11     -  Martha und Maria
      • Kap. 18-19 -  Pilatus
         
    6. Jesus, als der Gott-Mensch
      Obwohl es die Absicht von Johannes war, Jesus als den Sohn Gottes darzustellen (20,30-31), schilderte kein anderer Evangelist die Menschlichkeit Jesu so deutlich wie Johannes.



      Diese Gegenüberstellung wird durch das ganze Evangelium hindurch fortgesetzt bis zu dem Höhepunkt, als Thomas den auferstandenen Herrn sah und bezeugte: "Mein Herr und mein Gott". (20,28)

      Johannes beschreibt eine einmalige Person, die persönlichen Glauben und große Hingabe hervorrief, Er war wirklich "...der Christus ... der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll". (11,27)
       
  7. Die Unterteilung des Johannes-Evangeliums
    Man kann das Evangelium relativ leicht unterteilen, da der Dienst des Herrn in drei große Bereiche zerfällt, und zwar in den öffentlichen Dienst, den privaten Dienst und den Leidens-Dienst.

Karte 41 - Die Unterteilung des Johannes-Evangeliums

 

EINTEILUNG DES JOHANNES-EVANGELIUMS

HAUPTGEDANKE. DER HEILIGE SOHN GOTTES

1) DIE VORSTELLUNG DES SOHNES GOTTES:  1,1-18

2) DER ÖFFENTLICHE DIENST DES SOHNES GOTTES:  1,19 - 12,50
    mit dem Volk

3) DER PRIVATE DIENST DES SOHNES GOTTES:  13-17
    mit den Jüngern

4) DER LEIDENS-DIENST DES SOHNES GOTTES:  18-20
    mit dem Vater

5) DIE ABSCHIEDSWORTE DES SOHNES GOTTES:  21


DAS IRDISCHE LEBEN DES HERRN IM JOHANNES-EVANGELIUM

Die folgende Karte zeigt die Aufteilung im Evangelium der drei Jahre des öffentlichen Dienstes.

Karte 42 - Das irdische Leben des Herrn im Johannes-Evangelium

 

1) DIE VORSTELLUNG DES SOHNES GOTTES:  1,1-18

Johannes leitet in 1,1-18 drei grundlegende Aspekte seines Evangeliums ein:

  1. die Hauptperso
    Der Herr wird nicht gleich als Jesus Christus vorgestellt, sondern als "das Wort", "das Licht", "die Welt ward durch Ihn" (der Schöpfer) "der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist" und "Jesus Christus".
     
  2. die Hauptausdrücke
    "das Leben", "das Licht", "das Zeugnis", "die Welt", "glauben"; all diese Ausdrücke werden im späteren Verlauf des Evangeliums öfters verwendet.
     
  3. die Hauptbetonung
    Johannes stellt von allem Anfang an klar, dass sein Evangelium einen geistlichen Kampf zwischen Licht und Finsternis und zwischen Glauben und Unglauben beschreibt. Im Laufe des Evangeliums wird dieser Konflikt immer deutlicher, bis er schließlich in der Vollendung von Finsternis und Unglauben, in der Kreuzigung des Sohnes Gottes, gipfelt. Doch das Licht und der Glaube siegen; Thomas, der Zweifler, bekennt, als er den auferstandenen Herrn sieht, "Mein Herr und mein Gott!" (20,28).

2) DER ÖFFENTLICHE DIENST DES SOHNES GOTTES:  1,19 - 12,50

Im Gegensatz zu den Synoptikern berichtet Johannes über das erste Jahr des Dienstes des Herrn in Judäa und Jerusalem.

ÖFFENTLICHER DIENST

1,1 - 12,11

der erste Jahr
UNBEKANNT

das zweite Jahr
BELIEBT

das dritte Jahr
WIDERSTANDEN

         1,1 - 4,42         

4,43 - 6,71

7,1 - 12,11

                         

Das Zeugnis von Johannes dem Täufer:  1,19-34

Zwei Aspekte des Dienstes des Johannes erwecken das Interesse bei der religiösen Führerschaft des Landes:

  1. seine kraftvollen Predigten (Mt 3,5)
  2. er taufte im Jordan (Joh 1,26)

"Die Juden" - (im Johannes-Evangelium wird diese Bezeichnung fast ausschließlich für die religiöse Führerschaft verwendet; wenn Johannes "die Juden" als Nation meint, verwendet er die Bezeichnung "das Volk"), - beauftragt von den Pharisäern (V. 24), kommen zu Johannes, um ihn über seinen Dienst zu befragen. Er sagt ganz klar, dass er nicht der Messias ist und gibt klares Zeugnis für den Herrn. "Dies geschah zu Bethanien, jenseits des Jordan..." (1,28).

Es wäre bei dieser Gelegenheit vielleicht vorteilhaft, etwas über den Jordan zu wissen. Der Name kommt von dem hebr. "hayyarden" und bedeutet "der Hinunterfließende". Bereits durch den Namen wird der Charakter dieses Flusses und die umliegende Landschaft beschrieben.

Ab dem See Huleh sinkt das Niveau des Jordans unter den Meeresspiegel und steigt erst wieder am südlichsten Punkt des Toten Meeres über den Meeresspiegel. Die Länge dieses Tales beträgt ca. 260 km. Das Tal hat eine Breite von ca. 3 bis 24 km im Verlauf dieser 260 km. Man kann das Tal in vier wichtige Abschnitte unterteilen:
  1. Beeka'a Tal - Libanon Hochebene
     
  2. Ober-Jordan - der Jordan fließt aus dem See Huleh, welcher von 4 kleinen Flüssen gespeist wird. Um den See Genezareth gibt es sehr gute und fruchtbare Erde.
     
  3. Unter-Jordan - von Genezareth bis nach Jericho (Einmündung in das Tote Meer). Der Unter-Jordan ist ca. 105 km lang; auch um Jericho gibt es sehr fruchtbare Erde.
     
  4. Totes Meer

 

Die ersten Jünger:  1,35-51

Johannes ist der einzige Evangelist, der erwähnt, dass Andreas und ein anderer Jünger (vermutlich Johannes selbst) zuvor Jünger von Johannes dem Täufer waren (1,35). Andreas holt seinen Bruder Petrus. Einen Tag später wird Philippus aus Bethsaida (dieselbe Stadt, aus der auch Andreas und Petrus kamen) zu dem Herrn gerufen. Schließlich kommt Nathanael zu dem Herrn.

Das erste Zeichen:  2,1-11

Johannes bezeichnet dieses Wunder ganz klar als "der Anfang der Zeichen". Dies sollte im Gegensatz zu all den falschen "Evangelien" stehen, die bereits im Umlauf waren und von sogenannten Wundern des Kindes Jesu berichteten. Die Folge des Zeichens: "...und Seine Jünger glaubten an Ihn" (2,11).

Die Reise nach Kapernaum und der erste Besuch in Judäa, in Jerusalem:  2,12-25

Zuerst ging der Herr mit Seiner Familie und Seinen Jüngern nach Kapernaum. Danach berichtet Johannes über den ersten Besuch des Herrn in Jerusalem während Seines öffentlichen Dienstes. Er reinigte den Tempel von den ungerechten Praktiken der Geldgeber, die von der religiösen Führerschaft geduldet wurden. Die Synoptiker berichten jedoch, dass Er während der Kreuzigungswoche den Tempel noch einmal reinigen musste. Die Juden ließen sich dieses lukrative Geschäft nicht so einfach aus der Hand nehmen. Die beiden Reinigungen des Tempels offenbaren zwei verschiedene Charaktere:

Als die Juden (die religiösen Führer) Ihn nach Seiner Autorität fragten, sagte Er, dass Er den Tempel (Seines Leibes) in drei Tagen (wortwörtlich: am dritten Tage) wieder aufrichten würde. Sie dachten natürlich an den sichtbaren Tempel des Herodes. Er hatte 20 v. Chr. mit der Vergrößerung und Verschönerung des Tempels begonnen. Nun etwa 46 Jahre später, war die Arbeit vollendet.

Die Begegnung mit Nikodemus und mit der Samariterin:  3,1-4,42

Auf den ersten Blick scheinen sie nichts miteinander gemeinsam zu haben, doch diese zwei Begegnungen ergänzen einander, stehen zugleich aber auch im Gegensatz zueinander, wie folgende Karte zeigt:

Karte 43 - Ein Vergleich zwischen Nikodemus und der Samariterin

NIKODEMUS 3,1-21

SAMARITERIN 4,1-32

"Gott widersteht den Hochmütigen" Jak 4,6

"Die Opfer Gottes sind ein zerbrochener Geist; ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten." Ps 51,17

Er kam allein des Nachts - er schämte sich mit Jesus gesehen zu werden. Er war Jude, einflussreich, Pharisäer, Lehrer des Volkes, ein Mann - menschlich betrachtet könnte er Gemeinschaft mit Gott haben, ABER sein Herz war stolz . Er sprach Jesus an. (3,1-2)

Sie kam allein zum Brunnen - sie schämte sich wegen ihrer Sünden. (4,17-18) Sie war Samaritern, Sünderin, eine Frau - menschlich betrachtet könnte sie keine Gemeinschaft mit Gott haben, ABER ihr Herz war demütig. Jesus sprach sie an. (4,6-8)

Er ist überrascht - versucht mit menschlicher Weisheit sich vom Wort Gottes her zu verteidigen (3,4)

Sie ist angesprochen - sie möchte diese Herrlichkeit erleben. (4,15)

Der Herr klagt ihn wegen seines mangelnden Wissens an, obwohl er sich so verhalten hat, als ob er alles wüsste - der Herr fordert ihn heraus, an den gekreuzigten Sohn des Menschen zu glauben. (3,5-21)

Der Herr offenbart das Verborgene ihres Herzens. (4,16-18) Der Herr offenbart sich ihr als der Messias, der Christus genannt wird. (4,19-26)

Er kommt vermutlich zwei Jahre später zum Glauben. (19,39-42)

Sie glaubt sofort. (4,28-29)

 

Sie bringt viel Frucht. (4,39)

Nikodemus war ein Mitglied des Sanhedrins. Dieses Wort ist die aramäische Form des griechischen Wortes "sunedrion" und bedeutet "eine Ratsversammlung" oder "eine beratende Versammlung". Der Sanhedrin hatte seinen Ursprung während der Zeit der griechischen Weltherrschaft. Die Rabbis jedoch sagen, dass er eigentlich von den siebzig Ältesten stammte, die Gott eingesetzt hatte, um Mose zu helfen (siehe 4Mo 11,16-17). Der Sanhedrin bestand aus siebzig Mitgliedern, die auf Lebenszeit gewählt wurden. Verschiedene Gruppen der religiösen Führerschaft waren in der Versammlung vertreten. Der Präsident war immer der aktive Hohepriester, dann kamen ehemalige Hohepriester und Mitglieder der privilegierten Familien, aus denen die Hohepriester stammten. Weitere Mitglieder waren die Ältesten (d.h. die Familienoberhäupter von einflussreichen Familien), die Schriftgelehrten (d.h. die Fachmänner in gesetzlichen Angelegenheiten des mosaischen Gesetzes), weiters die Pharisäer und die Sadduzäer. In Judäa hatte der Sanhedrin die absolute Entscheidungsgewalt über alle Juden in religiösen und des öfteren auch in zivilen Angelegenheiten. Aber auch in anderen Gegenden des römischen Reiches übte der Sanhedrin großen Einfluss aus.

Im Vergleich zu der wichtigen Persönlichkeit des Nikodemus war die unbenannte Samariterin eine "persona non grata". Doch sie fand das ewige Leben in dem Heiland. Bei Nikodemus sollte es noch eine Zeit lang dauern, bis er den Heiland wirklich fand.

[ vorheriger Teil | Inhalt | nächster Teil ]