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Bibelüberblick NT - Teil 16

Johannes 5-12

HAUSAUFGABE
  1. BIBEL: Joh 4,43 - 12,50 aufmerksam durchlesen
  2. FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen aus dem obigen Abschnitt in der Bibel, bevor du die Unterlagen durchliest.
    1. Wie wurde der Glaube des königlichen Beamten in 4,43-54 unter Beweis gestellt?
    2. Welche Reaktion löste die Heilung des Kranken bei der religiösen Führerschaft aus? (5,1-47)
    3. In Kap. 5 hält der Herr eine Rede über Seine Verbindung zu dem Vater. Was sagte er?
    4. Fasse in eigenen Worten kurz die Zeit des Herrn bei dem Laubhüttenfest zusammen (7,1 - 10,21).
  3. UNTERLAGEN: NT-Teil 16 aufmerksam durchlesen

(Fortsetzung)

2) DER ÖFFENTLICHE DIENST DES SOHNES GOTTES:  1,19 - 12,50

Ab 4,43 beginnt das zweite Jahr des öffentlichen Dienstes des Herrn.

ÖFFENTLICHER DIENST

1,1 - 12,11

der erste Jahr
UNBEKANNT

das zweite Jahr
BELIEBT

das dritte Jahr
WIDERSTANDEN

         1,1 - 4,42         

4,43 - 6,71

7,1 - 12,11

                         

Johannes ist sehr selektiv in Bezug auf die Begebenheiten, die er schildert. Er beabsichtigt nicht in erster Linie jede Einzelheit in chronologischer Reihenfolge wiederzugeben, sondern ganz bestimmte Aspekte hervorzuheben um zu zeigen, dass dieser Jesus Christus der Sohn Gottes ist.

Die Heilung des Sohnes des königlichen Beamten:  4,43-54

Nach Seinem Aufenthalt in Judäa und Samarien geht der Herr in Seine Heimat Galiläa zurück. Während Er in Kana war, kam ein königlicher Beamte zu Ihm. (Der Name "königlicher Beamte" ist im griechischen "basilikos" und bedeutet "eine königliche Persönlichkeit" oder "eine Person im Dienste des Königs"). Er kam von Kapernaum, das ca. 30 km von Kana entfernt liegt (siehe Karte 14, Seite 38). Wahrscheinlich hatte er durch die vom Passahfest Zurückkehrenden über die Macht Jesu gehört. Diese waren Augenzeugen der Wunder des Herrn in Jerusalem gewesen (siehe 4,45). Er bat den Herrn, ihm und seinem Sohn zu helfen. Doch dem Herrn war in erster Linie der Glaube des Vaters wichtig, mehr als die Gesundheit des Sohnes. Der Glaube des Mannes wird geprüft! Der Herr sagt zu ihm: "Gehe hin, dein Sohn lebt". Der Mann glaubt und eilt die 30 km nach Kapernaum wieder zurück. Sein Glaube wurde belohnt. Sein Sohn war gesund.

Das erste Zeichen in Kana brachte die Jünger zum Glauben, das zweite Zeichen in derselben Stadt brachte noch mehr Menschen zum Glauben.

Die Heilung des Kranken am Teich:  5,1-47

Als der Herr wieder in Jerusalem war, wahrscheinlich für das Passahfest, begegnete Er einem Mann, der keine Hoffnung auf Heilung hatte. (In seinem Buch "Side Lights on New Testament Research" beschreibt J. Rendel Harris, dass er an einigen Orten im Nahen Osten auf eine Geschichte gestoßen ist, die erzählt, dass einmal im Jahr (normalerweise zum Neuen Jahr) ein Engel kommt und verschiedene Wasserstellen berührt. Nach dieser Berührung gibt es dann für den Ersten, der ins Wasser kommt, Heilung.) Die Heilung dieses Mannes, der bereits 38 gelähmt war, erregte sofort Aufsehen bei "den Juden" (der religiösen Führerschaft), weil der Herr diese Heilung an einem Sabbath vollbracht hatte. Johannes zeigt, dass der erste Versuch der Juden den Herrn zu töten eigentlich bereits im zweiten Jahr Seines Dienstes war - sie verfolgten Ihn "und suchten Ihn zu töten" (5,16). Der Herr gab ihnen noch mehr Grund dafür, indem Er klar sagte, dass Gott Sein Vater sei und dadurch "sich selbst Gott gleich machte" (5,18). Johannes gibt eine Rede des Herrn wieder, worin der Herr Seinen Anspruch, Gottes Sohn zu sein, klar verteidigt (5,19-47). Der Herr spricht von Seiner absoluten Abhängigkeit von Seinem Vater aber zugleich von der Willigkeit des Vaters, alles durch den Sohn zu tun:

"Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigte Ihm alles, was Er selbst tut" (V. 20)
"Denn gleichwie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, also macht auch der Sohn lebendig..." (V. 21)
"Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat Er dem Sohne gegeben..." (V. 22)
"Denn gleichwie der Vater Leben in sich selbst hat, also hat Er auch dem Sohne gegeben..." (V. 26)

Der Vater gibt (das Wort kommt 5 mal vor) dem Sohn:

  1. das ganze Gericht (V. 22)
  2. das Leben (V. 26)
  3. die Gewalt zu richten (V. 27)
  4. die Werke (die von der Göttlichkeit Jesu zeugen) (V. 36)
  5. das Zeugnis (dass Er Gottes Sohn ist) (V. 37)

Der Herr schließt diese erste große Rede mit der Begründung, warum die Juden nicht glauben können, bzw. wollen. - Sie suchen die Ehre von Menschen. Wer dies tut, kann nicht glauben!

Die Speisung der 5.000 und die Ereignisse am folgenden Tag:  6,1-71

(vgl. Mt 14,14-33; Mk 6,31-52; Lk 9,10-17)

Die Speisung der 5.000 ist das einzige Zeichen, welches in allen vier Evangelien vorkommt. Die Synoptiker erzählen, dass der Herr zuvor die Volksmenge lehrte, aber nur Johannes berichtet von der Rede des Herrn am darauffolgenden Tag.

Johannes gibt einen Hinweis bezüglich des Zeitpunktes dieser Begebenheit: "Es war aber das Passah nahe" (6,4). Eine große Volksmenge folgte Ihm "auf die andere Seite des Sees von Galiläa" (6,1), d.h. es war auf der östlichen Seite des Sees. Bethsaida wäre die nächste Stadt gewesen.

Der Herr fragte Philippus, wie sie das Problem der Verpflegung des Volkes lösen könnten. Philippus erklärte, dass es unmöglich sei, für das Volk aufzukommen. Sie hatten 200 Denare in der Kassa. (Ein Denarius war ein Tageslohn und würde einer fünfköpfigen Familie für sechs Mahlzeiten (oder 2 Tage) reichen; d.h. sie hätten genug in der Kassa, um ungefähr 50 Leuten eine kleine Mahlzeit zu geben, vorausgesetzt, dass die Jünger überhaupt soviel Lebensmittel auftreiben könnten. Doch das Wort sagt, dass allein die Zahl der Männer 5.000 betrug!). Der Herr wusste, bevor Er Philippus überhaupt fragte, wie Er das Problem lösen würde. Er benötigte fünf Gerstenbrote und zwei Fische!

In der Nacht ruderten die Jünger zurück nach Kapernaum. In der Finsternis und gegen den Wind und den hohen Seegang kamen sie nicht sehr weit, 25-30 Stadien (6,19), d.h. ca. 5 ½ km. Doch der Herr kam auf dem Wasser zu ihnen "und alsbald war das Schiff an dem Lande, zu welchem sie hinfuhren" (6,21).

Als das Volk am nächsten Tag - sie lagerten noch an dem Ort, wo sie so wunderbar mit Essen versorgt wurden - merkte, dass der Herr nicht mehr da war, suchten sie Ihn. Der Herr offenbarte aber das wirkliche Motiv ihrer Suche, und zwar wollten sie immer so versorgt werden (6,25-27). Die Aufforderung des Volkes, der Herr möge ihnen sagen "was sollen wir tun, auf dass wir die Werke Gottes wirken?" (6,28), gab dem Herrn die Möglichkeit, eine entscheidende Rede über den Grund des Kommens des Sohnes Gottes in die Welt zu halten.

Diese Rede in der Synagoge zu Kapernaum aber verursachte, dass viele von denen, die dem Herrn bis jetzt nachgefolgt waren, sich zurückzogen (6,66). Der Herr fragte dann die Zwölf um ihre Stellungnahme. Simon Petrus, verkündigte als ihr Sprecher ihre Treue zu dem Heiland.

Ab Kapitel 7 beginnt Johannes mit dem Bericht über das dritte Jahr.

ÖFFENTLICHER DIENST

1,1 - 12,11

der erste Jahr
UNBEKANNT

das zweite Jahr
BELIEBT

das dritte Jahr
WIDERSTANDEN

         1,1 - 4,42         

4,43 - 6,71

7,1 - 12,11

                          

Die Zeit in Jerusalem bei dem Laubhüttenfest:  7,1 - 10,21

Johannes schildert, wie der Druck gegen den Herrn zunimmt. In Seiner Heimat Kapernaum sind viele von Ihm weggegangen; eine Reise nach Judäa wäre gefährlich, weil die religiöse Führerschaft versucht, Ihn zu töten. Der Evangelist gibt wieder den zeitlichen Rahmen für die Ereignisse, über die er berichten will.

KAPITL 6

 

KAPITEL 7,1 - 10,21

 

KAPITEL 10,22 - 39

das Passahfest

 

das Laubhüttenfest

 

das Fest der Tempelweihe

FRÜHJAHR

HERBST

WINTER

Auch die eigene Familie wandte sich gegen den Herrn, und Seine Brüder stritten mit Ihm (7,1-9). Doch der Herr ging nach Jerusalem zu dem Fest, und in der Mitte der Woche (siehe 3Mo 23,36) stand Er auf und fing an, im Tempel zu lehren. Er warf der religiösen Führerschaft Ungehorsam in Bezug auf den geoffenbarten Willen Gottes vor. In ihrem Zorn wollten sie den Herrn gefangennehmen, aber es gelang ihnen nicht. An dem letzten Tag des Festes, am achten Tag, stand der Herr auf und rief: "Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke..." (7,37). Das Laubhüttenfest sollte unter anderem an die Reise des Volkes im AT durch die Wüste erinnern. An den ersten sieben Tagen brachten die Priester einen goldenen Krug voll Wasser aus dem Siloah-Teich (oder Siloam-Teich) und gossen es über den Altar im Tempel. Dies symbolisierte die göttliche Gabe des Wassers während der Wüstenwanderung. Am achten Tag aber wurde dieser symbolische Akt nicht gesetzt. An diesem Tag stand der Herr auf und erinnerte an den wirklichen Durst der Menschen. Viele dachten, dass der Herr der Prophet war, den Mose voraussagte (siehe 5Mo 18,15). Dieses Erscheinen des Herrn bei dem Laubhüttenfest verursachte große Verwirrung unter den Bewohnern Jerusalems. Einige glaubten, andere nicht, sogar innerhalb des Sanhedrin schien es eine Spaltung zu geben (7,50-53).

Johannes beschreibt weitere Begebenheiten, die sich während und nach dem Fest ereigneten:

die Ehebrecherin wurde vor den Herrn gestellt (8,1-11)
die Rede in der Schatzkammer des Tempels (8,12-59)
die Heilung des Blindgeborenen (9,1-41)
die Rede über den guten Hirten (10,1-21)

Die Schatzkammer des Tempels befand sich in dem Hof der Frauen.

Während des Laubhüttenfestes war es Brauchtum, in diesem Hof den großen goldenen Leuchter anzuzünden, um die Lichtwolke, die das Volk in der Wüste begleitet hatte, symbolisch darzustellen. In der Denkweise der Juden sollte dieser Leuchter auch das Licht der Schöpfung darstellen. Nun stand der Sohn Gottes auf und sagte: "Ich bin das Licht der Welt". (8,12).

Als die Jünger den Blindgeborenen sahen, dachten sie sofort an 2Mo 20,5, wo von der Heimzahlung der Gräuelsünden der Väter an den Kindern die Rede ist. Als der Herr diesen Mann sah, dachte Er an dessen Hilflosigkeit und Armseligkeit. Jetzt würde der, der das Licht der Welt ist, diesem armen Mann Licht bringen.

In Seiner Rede über den guten Hirten hielt der Herr Resümee über seine Zeit in Jerusalem bei dem Laubhüttenfest. Seine Auseinandersetzungen mit der religiösen Führerschaft zeigen, dass sie "die Mietlinge" sind, die keine wirkliche Liebe zu den Schafen haben. Sie machen diese Arbeit nur, damit sie für sich persönlich etwas bekommen. Nur der wirkliche Hirte geht zu den Schafen hinein und ruft sie beim Namen. Er liebt sie, sie sind sein Eigentum. Zur Zeit des Herrn wurden die Schafe auf der Weide, wenn Gefahr von Räubern oder wilden Tieren drohte, während der Nacht in einem Hof sicher gehalten. Dieser Hof war von hohen Mauern umgeben und hatte nur einen Eingang. Dieser wurde von einem Türhüter bewacht, der nur den Hirten einließ.

Das Fest der Tempelweihe:  10,22-39

Nochmals kam der Herr nach Jerusalem und bekräftigte seine Botschaft, die er im Herbst auf dem Laubhüttenfest verkündigt hatte. Die religiöse Führerschaft reagierte sofort und versuchte ihn zu steinigen.

Das Fest der Tempelweihe erinnerte an die Neueinweihung des Tempels durch Judas Makkabäus nach dem Gräuel von Antiochus Epiphanes im Jahre 165 v.Chr.. Das Fest begann am 25. Chislev (Dezember) und dauerte acht Tage. Es gab keine Verpflichtung, diesem Fest beizuwohnen.

Die Auferweckung des Lazarus:  10,40 - 11,54

Der Herr ging über den Jordan nach Bethanien (Bethabara). Dort erhielt er die Nachricht von der Krankheit des Lazarus.

Statt sofort hinzugehen, wartete er noch zwei Tage, sodass bereits 4 Tage verstrichen waren, als er nach Bethanien (der Heimat von Lazarus) kam (11,17). Zuerst sprach der Herr mit den beiden Schwestern (Martha - V. 20 - 27 und Maria - V. 28-32). In den Versen 33-37 schildert Johannes die tiefe Trauer des Herrn über den Tod seines Freundes Lazarus. In den Versen 38-44 wird dann das Wunder beschrieben. Wie bei allem öffentlichen Auftreten des Herrn, gab es auch hier geteilte Meinungen. Der Sanhedrin wusste auf diese Handlung des Herrn keine Antwort (11,47 - 54).

Die Zeit unmittelbar vor dem Passahfest:  11,55 - 12,11

Wiederum gibt Johannes einen chronologischen Anhaltspunkt: "Es war aber nahe das Passah..." (11,55); und dann "sechs Tage vor dem Passah..." (12,1) kam der Herr nach Bethanien zu dem Haus von Lazarus, Martha und Maria. Dort wurde Er im Hinblick auf den bevorstehenden Tod gesalbt. Die angebliche Verschwendung der kostbaren Narde (der Wert betrug etwa 300 Denare, also fast ein ganzes Jahreseinkommen eines Tagelöhners wäre notwendig gewesen, um so eine kostbare Salbe zu kaufen) erregte die Geldgier von Judas Iskariot.

Ab 12,12 beginnt im Johannes-Evangelium die Woche der Kreuzigung:

Karte 19c - Die Woche der Kreuzigung

    KÖNIG GELOBT                      KÖNIG VERSPOTTET

DIENST FÜR DIE VOLKSMENGE

DIENST FÜR DIE JÜNGER

DIENST ALLEIN

SONNTAG

MONTAG

DIENSTAG

MITTWOCH

DONNERSTAG

FREITAG

12,12-19

keine Erwähnung

12,20-56

keine Erwähnung

13,1 - 17,26

18,1 - 19,42

AKTIVE TAGE

RUHIGE TAGE

GEWALTSAMER TAG

AUTORITÄT

BARMHERZIGKEIT

BEUGUNG

J E S U S   R E D E T   V I E L

J E S U S   R E D E T   W E N I G

HINEINGERITTEN AUF
EINEM MAULTIER
(Lk 19,35-37) 

HINAUSGETRIEBEN
MIT EINEM KREUZ
(Joh 19,17)

Sonntag - der Tag des Einzuges:  12,12-19

(vgl. Mt 21,1-11; Mk 11,1-11; Lk 19,28-44)

Wie die Synoptiker beginnt auch der Evangelist Johannes die letzte Woche im Leben des Herrn mit der Beschreibung des triumphalen Einzuges in Jerusalem. Aber nur Johannes erwähnt, dass Palmzweige verwendet wurden. Es waren die Pilger, die zum Passahfest gekommen waren, die dem Herrn diesen Empfang bereiteten.

Dienstag - ein Tag der Konfrontation und Prophezeiung:  12,20-50

(vgl. Mt 21,20 - 26,25; Mk 11,20 - 14,11; Lk 20,1 - 22,6)

Im Gegensatz zu den Synoptikern erwähnt Johannes nicht den Montag, an dem der Herr den Tempel zum zweiten Mal reinigte. Er berichtet aber kaum etwas von der Konfrontation des Dienstages. Er beschreibt ausschließlich das Begehren etlicher griechischer Proselyten, mit dem Herrn zu reden. Diese Begebenheit hat symbolischen Charakter, denn diese Proselyten mussten sich während des Festes im Hof der Heiden aufhalten. "Die Zwischenwand der Umzäunung" (Eph 2,14) hielt sie von dem Tempel fern. Doch in einigen Tagen würde die geistliche Bedeutung dieser Zwischenwand zunichte gemacht werden, und Juden und Heiden würden zu Gott hinkommen können. Die Voraussetzung dafür war aber, dass "das Weizenkorn" in die Erde fallen, dort sterben, aber im Sterben viel Frucht bringen würde.

Johannes nützte diese Begebenheit, um auf die Wahrheit der Gemeinde hinzuweisen, wie Paulus in Eph. 2 ganz deutlich darlegte - Heiden und Juden in einem Leib!

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