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Bibelüberblick NT - Teil 19

Apostelgeschichte - Einleitung und geschichlicher Überblick

HAUSAUFGABE
  1. BIBEL: Apostelgeschichte 1 – 28 schnell durchlesen. (Bevor Apg. 1 – 28 gelesen wird, soll in den Unterlagen der Abschnitt „Der geschichtliche Überblick“ auf den Seiten 151– 156 gelesen werden.)
  2. FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Entfallen, da die Leseaufgabe sehr umfangreich ist!
  3. UNTERLAGEN: NT-Teil 19 aufmerksam durchlesen

EINLEITUNG ZU DER APOSTELGESCHICHTE

Die Apostelgeschichte ist der zweite Band des Gesamtwerkes Lukas-Evangelium / Apostelgeschichte.

Ein Vergleich von Luk. 1,1 – 4 und Apg. 1,1 – 5 deutet darauf hin, dass:

  1. „der erste Bericht ... von allem was Jesus anfing, sowohl zu tun als auch zu lehren“ (Apg. 1,1) das Lukas-Evangelium war;
  2. es die Absicht des Gesamtwerkes Lukas-Evangelium / Apostelgeschichte war, Theophilus (einen heidnischen Gläubigen) in jenen Dingen Zuversicht zu geben und ihn zu befestigen, in welchen er bereits Unterricht erhalten hatte (sowohl in dem Leben und dem Dienst Jesu, als auch in dem Seiner Apostel) – (Luk. 1,4);
  3. Theophilus der Empfänger des Gesamtwerkes war (Luk. 1,4; Apg. 1,1).

Nach Paulus schrieb Lukas am meisten im NT. Sein Evangelium umfasst einen ordentlichen Bericht über das Leben Christi, die Apostelgeschichte umfasst einen ordentlichen Bericht über die Taten der Jünger Jesu. Beide Berichte umspannen einen Zeitraum von jeweils 30 – 35 Jahren, d.h. die ersten beiden Generationen des Christentums.

Paulus-Briefe 87 Kapitel = 33 % des NT
Lukas-Evangelium
Apostelgeschichte
52 Kapitel = 20 % des NT
Johannes-Evangelium
Johannes-Briefe
Offenbarung
50 Kapitel = 19 % des NT
Matthäus-Evangelium 28 Kapitel = 11 % des NT
Allgemeine Briefe
27 Kapitel
= 10 % des NT
Markus-Evangelium 16 Kapitel = 7 % des NT


Um seine in Lukas 1,1 – 4 erwähnte Absicht zu erfüllen, schrieb Lukas das Gesamtwerk in 5 einander ergänzenden Gesichtspunkten auf, welche nachstehend angeführt werden:

1) Der geschichtliche Überblick

Der Vergleich von Luk. 1,1 – 4 und Apg. 1,1 – 5 zeigt eine fortlaufende Geschichte. Das Evangelium berichtet darüber, was Jesus anfing zu tun und zu lehren; die Apostelgeschichte berichtet über die Fortsetzung dieses Dienstes durch den Heiligen Geist in dem Leben der Apostel. Die Bedeutung und die Folgen des Lebens, des Todes und der Auferstehung Jesu werden in der Apostelgeschichte deutlich.

2) Die Verteidigung

Die Verkündigung der frohen Botschaft wird in dem Evangelium entwickelt. Die Apostelgeschichte, vor allem Kap. 21 – 28, gibt eine Verteidigung für diese Botschaft. Lukas beschreibt einige Gerichtsverhandlungen, worin Paulus und „seine“ Botschaft, das Evangelium Jesu Christi, von dem römischen Gesetzessystem als absolut ungefährlich und nicht staatsbedrohend erklärt werden.

3) Die Lehre

Die Lehre über die Person und das Werk des Heiligen Geistes wird in dem Evangelium begonnen, vor allem in der Person Jesu Christi, und dann in der Apostelgeschichte in den Berichten über die ersten Gläubigen entwickelt und erweitert.

4) Die Biographie

Die Personen, welche die ständigen Begleiter des Herrn während Seines irdischen Lebens waren (die Apostel), allen voran Petrus, werden in dem Evangelium vorgestellt, damit ihre Rollen in der Befestigung und Erweiterung des Evangeliums, worüber in der Apostelgeschichte berichtet wird, verstanden werden können. Nachdem in diesem Sinne die Rolle des Petrus völlig dargestellt wurde (Apg. 1 – 12), konnte dann als natürliche Erweiterung des Evangeliums auch die Rolle des Paulus dargestellt werden (Apg. 13 – 28).

5) Die universelle Botschaft des Evangeliums

Das Evangelium gilt für jedermann. Jesus Christus kam „zu suchen und zu erretten was verloren ist“ (Luk. 19,10); sei dies Jude, Samariter oder Heide. Diese Betonung wird in dem Evangelium gelegt:

Luk. 2,10 - für „das ganze Volk“ (die Juden)
Luk. 2,14 - für „den Menschen“
Luk. 2,31 - für „alle Völker“
Luk. 2,32 - für „die Heiden“
Luk. 3,6 - für „alles Fleisch“
Luk. 9,54 - für „die Samariter“
Luk. 10,33 - für „die Samariter“
Luk. 17,16 - für „die Samariter“
Luk. 24,47 - für „alle Nationen“

In der Apostelgeschichte wird diese Betonung fortgesetzt:

Apg. 1 – 7 - für „die Juden“
Apg. 8 – 11 - für „die Samariter“
Apg. 13 – 28 - für „die Heiden“

Die Botschaft fing in der kleinen Stadt Nazareth in Galiläa an und hatte binnen 30 – 40 Jahren Rom, die Hauptstadt des römischen Weltreiches, erreicht.

Vom geschichtlichen Standpunkt aus ist die Apostelgeschichte das wichtigste Buch im NT. Fast alles, was man über die Urgemeinde weiß, kommt aus der Apostelgeschichte. Sie ist das Bindeglied zwischen der Botschaft der Evangelien und der Aussage in den Briefen und der Offenbarung.

Die Apostelgeschichte berichtet über den Anfang der Gemeinde, wie er in den Evangelien vorausgesagt (Matth. 16,18) und in den Briefen erweitert wurde; sie liefert auch sehr wichtige Informationen über die geschichtlichen Hintergründe der Briefe von Paulus.

13,14 – 14,28

-

erste Missionsreise;
Paulus in Antiochien, Ikonium, Lystra, Derbe – Hintergrund für den Galaterbrief

16,11 – 40

-

zweite Missionsreise;
Paulus in Philippi – Hintergrund für den Philipperbrief

17,1 – 9

-

zweite Missionsreise;
Paulus in Thessalonich – Hintergrund für den 1. + 2. Thessalonicherbrief

18,1 – 16

-

zweite Missionsreise;
Paulus in Korinth – Hintergrund für den 1. + 2. Korintherbrief

19,1 – 41
20,17 – 35

-

dritte Missionsreise;
Paulus in Ephesus – Hintergrund für den Epheserbrief und den 1. + 2. Timotheusbrief

Karte 45  -  Die Wichtigkeit der Apostelgeschichte im NT

 
(Weitere Aspekte der Einleitung werden im nächsten Teil behandelt.)

DER GESCHICHTLICHE HINTERGRUND

Wie bereits erwähnt wurde, hat Lukas das Gesamtwerk „Lukas-Evangelium / Apostelgeschichte“ von fünf einander ergänzenden Gesichtspunkten aus geschrieben:

1)   der geschichtliche Überblick
2)   die Verteidigung
3)   die Lehre
4)   die Biographie
5)   die universelle Botschaft des Evangeliums

1)   DER GESCHICHTLICHE ÜBERBLICK

Lukas-Evangelium

-

„... was Jesus anfing, sowohl zu tun, als auch zu lehren ...“

Apostelgeschichte

-

die Fortsetzung dieser Tätigkeit durch den Heiligen Geist in den Aposteln. Der geschichtliche Überblick schildert den Ursprung der Gemeinde, sowie deren Befestigung und Erweiterung in der ganzen Welt.

Die Grundlage für diese Befestigung und Erweiterung wird im ersten Kapitel gegeben:

a) die Verheißung

-

„... die Verheißung des Vaters ...“ (1,4)

b) die Vollmacht

-

„... ihr werdet Kraft empfangen ...“ (1,8)

c) die Verbreitung

-

„Jerusalem... ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde“ (1,8)

Karte 46  -  Die Verbreitung des Evangeliums in der Apostelgeschichte

Lukas nimmt die geographische Einteilung von 1,8 und beschreibt die mit den verschiedenen Entwicklungsstufen verbundenen Dienste der Gläubigen.


1) JERUSALEM (1,1 – 8,3)  -  Petrus und Stephanus

Petrus (1,12 – 5,42)

Pfingsten und die ersten Tage der Gemeinde; der Herr hatte versprochen (Matth. 16,18), die Gemeinde durch den Heiligen Geist (1. Kor. 12,13;  Eph. 1,22 – 23) zu bauen.

Am Anfang gab es nur jüdische Gläubige, die eingesehen hatten, dass Jesus der von den Propheten versprochene Messias war. Es kam bald zu einem Konflikt zwischen der jungen Gemeinde und dem Judentum (4,1 – 3). Die Gemeinde wuchs (4,4;  6,1.7) und ihr Einfluss war überall spürbar.

Die Geschichte wendet sich nun weg von Jerusalem.

Stephanus  (6,1 – 8,3)

Stephanus, Führer des hellenistischen Teils der Gemeinde, wird nun zum Hauptwortführer der Gemeinde; er redet zu den hellenistischen Juden in den Synagogen (6,9). Die ungläubigen Juden in Jerusalem werden eifersüchtig. Er wird vor den Sanhedrin gestellt, für schuldig befunden und daraufhin durch Steinigung getötet (7,54 – 60). Ein gewisser Saulus (wahrscheinlich ein Mitglied des Sanhedrin) willigte in den Tod von Stephanus ein (7,60).

Es entsteht eine große Verfolgung der Hellenisten und sie werden aus Jerusalem vertrieben (8,1 – 3).

2) NACH SAMARIEN  (8,4 – 11,18)  -  Philippus und Petrus

Philippus  (8,4 – 40)

Philippus, ein hellenistischer Jude, geht bewusst nach Samarien, in ein Gebiet, das von den hebräischen Juden gemieden wurde. Er predigt von dem Christus (8,12). Die Gemeinde in Jerusalem sendet Petrus und Johannes, um die Lage zu überprüfen (8,14). Sie bestätigen, dass die Samariter, die Feinde der Juden, tatsächlich gläubig geworden sind.

Philippus begegnet dann einem äthiopischen Beamten (8,26 – 40) und führt ihn zum Herrn (eine Ankündigung der bevorstehenden Bekehrung der Heiden).

Petrus  (9,32 – 11,18)

Petrus besucht Cäsarea und verkündigt das Evangelium vor allem den Heiden (Kap. 10). Bevor dieser gewaltige Schritt unternommen wurde, hatte Gott den Petrus gut vorbereitet:

  1. er weckte eine Tote auf (9,4
  2. er hatte eine Vision von einem großen leinenen Tuch, in dem sich allerlei Dinge befanden, die für einen Juden unrein waren (10,9 – 16)

Nachdem die Heiden die Botschaft gehört hatten, wurden sie gläubig. Etwas Unerhörtes war geschehen. Jetzt hatte der große Apostel Petrus die drei Volksgruppen in Palästina mit dem Evangelium erreicht:

  1. die Juden (Kap. 1 – 5)
  2. die Samariter (Kap. 8)
  3. die Heiden (Kap. 10 – 11)

Damit war die Grundlage für den nächsten Schritt der Erweiterung gelegt.

2B) NACH ANTIOCHIEN  (11,19 – 21,14)  -  Barnabas und Paulus

Lukas geht jetzt zurück zu der Zeit kurz nach der Steinigung des Stephanus und der darauffolgenden Verfolgung der hellenistisch-jüdischen Gläubigen. Vergleiche:

  1. „Die Zerstreuten nun gingen umher ...“ (8,4)
  2. „Die nun zerstreut waren ... zogen hindurch bis ...“ (11,19)

Barnabas  (11,19 – 12,25)

Genauso wie die Gemeinde in Jerusalem Petrus und Johannes sandte, um die Lage in Samarien zu überprüfen, sendet sie jetzt Barnabas, um die Lage in Antiochien (Syrien) zu überprüfen (11,23 – 24). Zuerst holt Barnabas Paulus von Tarsus (11,25 – 26 / die Bekehrung von Paulus wurde in Kap. 9 beschrieben).

Die Gemeinde in Antiochien wird nun das Zentrum des Geschehens; der überwiegende Teil der Gläubigen sind Heiden.

Hier werden die Jünger auch zum ersten Mal „Christen“ genannt (11,26).

Paulus  (13,1 – 21,14)

Lukas beschreibt nun die Mission der Heiden durch die drei Missionsreisen des Paulus.

13,4 – 14,28

-

die erste Missionsreise in die Provinz Galatien

15,1 – 35

-

Einschub – die Apostelversammlung in Jerusalem

15,36 – 18,22

-

die zweite Missionsreise in die Provinzen Mazedonien und Achaia (Europa)

18,23 – 21,14

-

die dritte Missionsreise in die Provinz Asien.

 

3) VON JERUSALEN NACH ROM  (21,15 – 28,31)  -  Paulus

Paulus (21,15 – 28,31)

Lukas verwendet fast 25 % der Apostelgeschichte, um die Verteidigung des Evangeliums bei folgenden Gerichtsverhandlungen zu beschreiben:

in Jerusalem       (21,15 – 23,10)
in Cäsarea           (23,11 – 26,32)
in Rom                  (27,1 – 28,29)

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