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Bibelüberblick NT - Teil 20

Apostelgeschichte 1 - 7

HAUSAUFGABE

BIBEL: Apostelgeschichte 1 – 7 aufmerksam durchlesen.

FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen, bevor die Unterlagen durchgelesen werden.

a) Die Grundlage für die Ausbreitung des Evangeliums wird in 1,4 – 8 gelegt. Was ist diese Grundlage?

b) Versuche verschiedene Funktionen zu nennen, welche Petrus in 1,12 – 5,42 ausübt. Zum Beispiel sieht man ihn in 1,15 – 26 als „Organisator“ der Apostel.

c) Stephanus begann eine andere Art des Evangelisierens als die Apostel. Worin bestand der Unterschied? (6,8 – 9)

d) Versuche die Rede von Stephanus auf drei grundlegende Aussagen zu reduzieren. Welche wären dies?

UNTERLAGEN: NT-Teil 20 aufmerksam durchlesen

(Fortsetzung)

EINLEITUNG ZU DER APOSTELGESCHICHTE

Weitere Informationen über die Apostelgeschichte werden in den folgenden Punkten kurz zusammengefasst:

  1. Datum der Niederschrift: ca. 62 n.Chr. (siehe Lukas)
  2. Leserschaft: Theophilus, ein griechischer Gläubiger (siehe Lukas)
  3. Absicht: Luk. 1,1 – 4 (siehe Lukas)
  4. Schlüsselwort: der Heilige Geist (verschiedene Aspekte)
  5. Schlüsselvers: „Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem, als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.“ (1,8)
  6. Merkmale:

    a) Die Einheit der Jünger Jesu
    Das griechische Wort „homothymadon“ (meistens mit „einmütig“ übersetzt) beschreibt die geistliche Einheit unter den Jüngern in der Urgemeinde; es kommt in diesem Zusammenhang 5 mal vor:

    1) 1,14 - „diese alle verharrten einmütig im Gebet ...“
    2) 2,46 - „und indem sie täglich einmütig im Tempel verharrten ...“
    3) 4,24 - „sie aber ... erhoben einmütig ihre Stimme zu Gott ...“
    4) 5,12 - „sie waren alle einmütig in der Säulenhalle Salomos ...“
    5) 15,25 - „... schien es uns, nachdem wir einstimmig geworden, gut, Männer auszuwählen ...“

Die Einheit war sichtbar unter den Gläubigen. Sie hatten einen gemeinsamen Glauben an den auferstandenen Christus und dieser Glaube wurde in Taten umgesetzt. Ob im Gebet, in der Gemeinschaft (koinonia – 2,42), im Dienst oder in geschäftlichen Angelegenheiten, diese Einheit kam immer ans Licht.

b) Das Bewusstsein der göttlichen Verordnung und Bestimmung

Die Jünger der Apostelgeschichte waren von der Verordnung und Bestimmung Gottes hinter ihren Tätigkeiten völlig ergriffen. Diese Ergriffenheit wird durch das kleine griechische Wort „dei“ (meistens als „wir müssen dieses oder jenes tun“ übersetzt) gezeigt. Dieses Wort kommt in der Apostelgeschichte 12 mal vor.

1)

1,22

-

Notwendigkeit der Wahl eines 12. Apostels anstelle von Judas

2)

4,12

-

Notwendigkeit der ausschließlichen Errettung im Namen Jesu

3)

5,29

-

Notwendigkeit Gott mehr zu gehorchen als den Menschen

4)

9,6

-

Notwendigkeit allein das zu tun was Jesus sagt

5)

9,16

-

Notwendigkeit für den Namen Jesu zu leiden (Paulus)

6)

14,22

-

Notwendigkeit für den Namen Jesu zu leiden (die Jünger)

7)

19,21

-

Notwendigkeit für Paulus nach Rom zu gehen, um dort zu evangelisieren

8)

23,11

9)

25,10

10)

27,24

11)

20,35

-

Notwendigkeit den Worten Jesu gehorsam zu sein

12)

27,22

-

Notwendigkeit die Worte eines Dieners Jesu zu befolgen

Lukas wiederholt viermal, dass Paulus nach Rom kommen musste, da dies die Erfüllung des göttlichen Planes von 1,8 war „das Evangelium zu verbreiten bis an das Ende der Erde“ (Rom und danach das ganze römische Reich).

c) Das Reich Gottes

Die Antwort auf die Frage der Jünger (und fast eines jeden Juden) in Apg. 1,6 „Herr, stellst Du in dieser Zeit dem Israel das Reich wieder her?“ wird in der Apostelgeschichte gegeben. Das Buch beginnt (1,3) und schließt (28,31) mit diesem wohlbekannten Thema (mindestens 126 mal in den Evangelien erwähnt). Der Jude wartete auf die Herstellung dieses Reiches und stellte sich darunter ein sichtbares und politisches Reich vor.

  1. Wann wird das Reich Gottes kommen?
  2. Wie wird das Reich Gottes kommen?

Auf die erste Frage gab der Herr Jesus selbst die Antwort: „Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Zeitpunkte zu wissen“. (1,7)

Auf die zweite Frage gibt die Apostelgeschichte in ihrer Entwicklung die Antwort, und zwar, dass das Reich Gottes, zumindest was dieses Zeitalter betrifft, keine sichtbare politische Macht ist, sondern Gottes unsichtbare und geistliche Herrschaft, geoffenbart in der Person Jesu Christi. Der einzige Weg, um in das Reich Gottes zu gelangen, ist durch Jesus Christus und das Leben, welches Er gibt (Joh. 3,3; Apg. 8,12; Apg. 20,21.25).

d) Jesus und Mose

In der Apostelgeschichte wird der klare Unterschied zwischen Jesus Christus (Christentum) und Mose (Judentum) dargestellt. In der Verteidigungsrede des Stephanus vor dem Sanhedrin wird veranschaulicht, dass dieser Unterschied in der verschiedenen Auffassung bezüglich der wahren Natur der Gottesanbetung besteht. In Joh. 4,21 – 24 hat der Herr bereits angekündigt, dass die wahre Gottesanbetung nunmehr nicht nur von den im Tempel in Jerusalem anbetenden Juden dargebracht werden kann, sondern von einem jeden der Gott in Geist und Wahrheit anbetet. Durch seine Rede bereitete Stephanus den Weg für die Aufnahme von Samaritern und Heiden als wahre Gottesanbeter.

e) Das Heil der Heiden

In der Apostelgeschichte schneidet Lukas die vielleicht heikelste aller Fragen an, nämlich ob die Heiden auch ohne Gesetz gerettet werden können. Die endgültige göttliche Antwort wird in 15,28 – 29 gegeben. Die Heiden können ohne das Gesetz Mose gerettet werden; die jüdischen Gläubigen in Jerusalem empfahlen den Heiden nur die Einhaltung gewisser Regeln für ihr christliches Leben:

1)

 Enthaltung von Götzenopfern

 

Bestandteile von Götzendienst

2)

 Enthaltung von Blut

3)

 Enthaltung von Ersticktem

4)

 Enthaltung von Hurerei

„Wenn ihr euch davor bewahret, so werdet ihr wohl tun“. (15,29)

f) Lukas war Augenzeuge

Die „wir“-Abschnitte in der Apostelgeschichte (16,10 – 17; 20,5 – 21,18; 27,1 – 28,16) zeigen, dass Lukas teilweise Augenzeuge der Ereignisse in der Apostelgeschichte war.

7) Die Unterteilung der Apostelgeschichte

Die geographische Entwicklung und Erweiterung des Evangeliums liefert die Grundlage für die Apostelgeschichte.

Karte 47  -  Die Unterteilung der Apostelgeschichte

„und ihr werdet Meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch
in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde“ (1,8)

1,1  – 11

1,12  – 8,3

8,4  – 11,18

11,19  – 21,14

21,15  – 28,29

28,30  – 31

DER APOSTOLISCHE AUFTRAG GEGEBEN

DAS EVANGELIUM IN JERUSALEM

DAS EVANGELIUM IN SAMARIEN UND JUDÄA

DAS EVANGELIUM BIS AN DAS ENDE DER WELT

DAS EVANGELIUM IN CÄSAREA UND ROM

DER APOSTOLISCHE AUFTRAG ERFÜLLT

 

Ursprünge

Übergänge

Ausdehnungen

Gefangen-schaften

 

 

EINTEILUNG DER APOSTELGESCHICHTE

 

HAUPTGEDANKE:  IHR WERDET MEINE ZEUGEN SEIN

 

1)  DER APOSTOLISCHE AUFTRAG GEGEBEN  1,1  – 11

2)  DAS EVANGELIUM IN JERUSALEM  (Ursprünge) 1,12  – 8,3

  1. der Dienst des Petrus  (1,12  – 5,42)
  2. der Dienst des Stephanus  (6,1  – 8,3)

3)  DAS EVANGELIUM IN SAMARIEN UND JUDÄA  (Übergänge)  8,4  – 11,18

  1. der Dienst des Philippus  (8,4  – 40)
  2. der Beginn des Dienstes von Paulus  (9,1  – 31)
  3. der Abschluss des Dienstes von Petrus  (9,32  – 11,18)

4)  DAS EVANGELIUM BIS AN DAS ENDE DER WELT  (Ausdehnungen)  11,19  – 21,14

  1. der Dienst von Barnabas  (11,19  – 12,25)
  2. der Dienst von Paulus  (13,1  – 21,14)

5)  DAS EVANGELIUM IN CÄSAREA UND ROM  (Gefangenschaften)  21,15  – 28,29

  1. Paulus, Gefangener in Jerusalem  (21,15  – 23,10)
  2. Paulus, Gefangener in Cäsarea  (23,11  – 26,32)
  3. Paulus, Gefangener in Rom  (27,1  – 28,29)

6)  DER APOSTOLISCHE AUFTRAG ERFÜLLT 28,30  – 31

 

2) VERTEIDIGUNG

Lukas wollte „die Unbescholtenheit“ des Evangeliums einer römischen Welt zeigen. In seinem Bericht wollte er die positive Einstellung der römischen Behörden dem Evangelium gegenüber zeigen, sowie ihre „faire“ Haltung, wenn es dazu kam eine gerichtliche Entscheidung über das Evangelium zu fällen.

Einige Beispiele für diese Absicht von Lukas sind:

1)

13,6  – 12

-

Sergius Paulus, der Prokonsul von Zypern wurde gläubig.

2)

16,35  – 39

-

Die Behörde in Philippi entschuldigte sich für die ungerechte Behandlung der Apostel.

3)

18,12  – 17

-

Gallio, der Prokonsul von Achaia, hat sich in die Angelegenheiten des Evangeliums überhaupt nicht eingemischt.

4)

19,31

-

Die Asiarchen (die Vorsteher bei den öffentlichen Festen) in Ephesus waren dem Evangelium gegenüber positiv eingestellt.

5)

19,35  – 41

-

Der Stadtschreiber in Ephesus half Paulus.

6)

24  – 26

-

Felix, Festus und Agripa gaben Paulus eine faire Verhandlung und mussten feststellen: „dieser Mensch tut nichts, was des Todes oder der Bande wert wäre“. (26,31)

Dies ist der Hauptgrund, warum Lukas fast 25 % seines Berichtes (Kap. 21 – 28) den Gefangenschaften und den Gerichtsverhandlungen des Paulus widmet.

Die Apostelgeschichte bezeugt die Freiheit, die das Evangelium hatte. Diese offizielle Freiheit verwandelte sich aber schlagartig nach dem Großbrand von Rom – 645 n.Chr. (nur einige Jahre nach Fertigstellung der Apostelgeschichte). Kaiser Nero leitete eine furchtbare Zeit der Verfolgung für die Christen ein.

(Weitere Aspekte bezüglich der fünf Gesichtspunkte findet man im nächsten Teil.)

1)  DER APOSTOLISCHE AUFTRAG GEGEBEN  1,1  -  11

Dieser Abschnitt bildet die Grundlage für das restliche Buch. An den Anfang werden die Tatsache der Auferstehung und die Abschiedsworte Jesu an Seine Jünger gestellt:

DIE VERHEISSUNG

„die Verheißung des Vaters“ (1,4)

DIE VOLLMACHT

„ihr werdet Kraft (dynamis) empfangen“ (1,8)

DIE VERBREITUNG

„Jerusalem ... ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde“ (1,8)

 

2)  DAS EVANGELIUM IN JERUSALEM  (Ursprünge)  1,12 8,3 

  1. Der Dienst des Petrus  (1,12 – 5,42)
  2. Der Dienst des Stephanus  (6,1 – 8,3)

ad a)  Der Dienst des Petrus  1,12 – 5,42

Die Jünger kehrten vom Ölberg nach Jerusalem zurück, eine Distanz von etwa 900 m. Dies war für den Sabbat erlaubt. Sie gingen in den Obersaal, vermutlich derselbe, in dem sie das Abendmahl gefeiert hatten.

Lukas zeigt von allem Anfang an, die Wichtigkeit des Petrus. Er wird als erster in der Apostelgeschichte genannt (V.13) und „in diesen Tagen stand Petrus in der Mitte der Brüder auf“ (V.15).
In 1,12 – 5,42 kann man Petrus in sechs verschiedenen Rollen sehen:

ORGANISATOR

VERTEIDIGER des EVANGELIUMS

WORTFÜHRER

ZUCHTMEISTER

WUNDERHEILER

ADMINISTRATOR

1)  ORGANISATOR  (1,15-26)

Es war sein Vorschlag und er organisierte auch die Wahl eines 12. Apostel, der die Stelle von Judas einnehmen sollte. Es ist wichtig festzuhalten, was die Voraussetzung für das Amt eines der 12 Apostel des Herrn war - „es muss nun von den Männern, die mit uns gegangen sind in all der Zeit, in welcher der Herr Jesus bei uns ein- und ausging, anfangend von der Taufe Johannes, bis zu dem Tage, an welchem Er vor uns aufgenommen wurde - von diesem muss einer ein Zeuge Seiner Auferstehung mit uns werden“ (1,21 – 22). Es gab auch im späteren Verlauf der Apostelgeschichte Apostel, aber sie gehörten nicht zu diesen 12 Aposteln des Herrn, weil sie diese Voraussetzungen nicht erfüllen konnten.

2)  WORTFÜHRER  (2,1 – 42)

Wie bereits erwähnt, steht Petrus von den Zwölfen auf und erklärt die Bedeutung der außerordentlichen Geschehnisse des Pfingsttages. Dann ruft er die Zuhörer auf, Buße zu tun und an den Herrn Jesus Christus zu glauben.

3)  WUNDERHEILER  (3,1 – 26)

 „... ein gewisser Mann, der von seiner Mutter Leibe an lahm war“ wartet wie jeden Tag an der Pforte des Tempels und bettelt. Petrus und Johannes kommen an diesem Mann um die neunte Stunde vorbei (d.h. 15:00 Uhr, die Zeit des Gebets im Zusammenhang mit dem Abend-Opfer). Petrus sagt zu dem Gelähmten: „Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: In dem Namen Jesu Christi, des Nazaräers, (stehe auf und) wandle!“ (3,6). Die Heilung dieses Mannes verursacht einen riesigen Auflauf im Tempel.

4)  VERTEIDIGER des EVANGELIUMS  (4,1 – 22)

Während Petrus noch mit dem Volke sprach „kamen Priester und der Hauptmann des Tempels“ (im Rang stand der Hauptmann hinter dem Hohepriester und war für die Ordnung im Tempel verantwortlich). An diesem Tag sind 5.000 Juden gläubig geworden. Die zwei Apostel wurden eingesperrt und mussten sich am nächsten Tag vor dem Hohen Rat verantworten. Petrus „erfüllt mit Heiligem Geist“ verteidigte das Evangelium vor diesen wichtigsten Gruppen von Menschen im Judentum.

5)  ZUCHTMEISTER  (4,36 – 5,11)

Ein gewisser Jünger „Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde (was verdolmetscht - Sohn des Trostes heißt)“, hatte seine Besitztümer verkauft und den Erlös den Aposteln für die Verbreitung des Evangeliums und die Versorgung der Armen zur Verfügung gestellt. Im Gegensatz dazu:  „ein gewisser Mann aber mit Namen Ananias, mit Saphira“ (Saphira bedeutet im Aramäischen „die Schöne“), versuchten durch Betrug den Eindruck zu erwecken, dass sie dasselbe tun. Obwohl vor den Augen der Menschen verborgen, hat der Heilige Geist Petrus diese Heuchelei geoffenbart. Auf strengste Art und Weise wird dieser erste Einbruch von Heuchelei in die Gemeinde geahndet.

6)  VERTEIDIGER des EVANGELIUMS  (5,12 – 42)

Zum zweiten Mal werden die Apostel von dem Hohen Rat gefangen genommen. Wiederum verteidigt Petrus den Dienst der Apostel und die Verkündigung des Evangeliums. Im Falle dieser Gefangennahme waren die Sadduzäer federführend gewesen; sie waren voll Eifersucht (5,17). Der jüdische Historiker Josephus Flavius berichtet, dass die Sadduzäer, obwohl sie die Elite der religiösen Führerschaft bildeten, nichts ohne der Einwilligung der Pharisäer durchsetzen konnten. Die Pharisäer waren eine kleine, aber äußerst einflussreiche Gruppe. Auch anhand dieser Begebenheit kommt dies klar zum Ausdruck. Gamaliel, einer der berühmtesten Gesetzeslehrer des damaligen Judentums, der Lehrer von Paulus, ein Pharisäer, konnte durch seine Rede die Meinung des Hohen Rates und besonders die Sadduzäer beeinflussen.

7)  ADIMINISTRATOR  (6,1 – 6)

 „... in diesen Tagen aber, als die Jünger sich vermehrten, entstand ein Murren der Hellenisten gegen die Hebräer“ (6,1).  „Die Hebräer“ waren die palästinensischen Juden, die in Palästina lebten. Sie sprachen Aramäisch. „Die Hellenisten“ waren hellenistische Juden, die in der Diaspora lebten. Sie sprachen Griechisch. Manche konnten nicht Aramäisch. In der Gemeinde waren jetzt beide Gruppen vertreten und bei der täglichen Verteilung der Nahrungsmittel waren Probleme entstanden. Petrus und die anderen Apostel erkannten die große Gefahr und riefen die Gemeinde auf, sich umzusehen „nach sieben Männern aus euch, von gutem Zeugnis, voll (Heiligen) Geistes und Weisheit“ (6,3).

ad b)  Der Dienst des Stephanus  6,1 – 8,3

Obwohl Petrus und die Apostel für die Einsetzung der sieben Diener noch verantwortlich waren, lenkt Lukas die Geschichte bereits langsam weg von dem engen jüdischen Rahmen in Jerusalem. Die Gemeinde wählte sieben Männer:

STEPHANUS

TIMON

PHILIPPUS

PARMENAS

PROCHORUS

NIKOLAUS

NIKANOR

 

Dies sind alles griechische Namen und sie dürften alle aus dem hellenistischen Flügel der Gemeinde gekommen sein. Es wird behauptet, dass es bis zu 480 Synagogen in Jerusalem gegeben hat. Stephanus begann nun in den Synagogen der Männer aus Kyrene, Alexandria, Zilizien und Asien das Evangelium auf Griechisch zu predigen. „Sie vermochten nicht der Weisheit und dem Geiste zu widerstehen, womit er redete.“ So wurde Stephanus vor das Synedrium gebracht. Seine Rede, die Lukas vermutlich in der ursprünglichen Länge wiedergab, ist die längste Rede, die in der Apostelgeschichte beschrieben ist. (Von wem hat Lukas den Text dieser Rede bekommen? - Von Paulus, der zu diesem Zeitpunkt Mitglied des Synedriums war?) Grundsätzlich sagte Stephanus drei Dinge:

  1. Dass Gott die Väter gesegnet hat, obwohl sie zu dieser Zeit nicht in dem verheißenen Land gelebt hatten.
  2. Dass die Juden, einen großen Teil der Geschichte hindurch, Gott ohne Tempel angebetet und gedient hatten.
  3. Dass, sogar als die Juden den Tempel hatten, dies sie nicht davor zurückhielt ungehorsam und widerspenstig gegenüber Gott zu sein.

Die Folge dieser Rede war der erste Märtyrertod im NT. Der Hohe Rat beschloss die Steinigung des Stephanus. Obwohl es notwendig gewesen wäre, hat es den Anschein, dass die Juden nicht die formelle Zustimmung der römischen Behörden für diese Hinrichtung eingeholt hatten. Ohne weitere Erklärung bringt Lukas hier die Person des Paulus hinein in die Geschichte. „Saulus aber willigte in seine Tötung mit ein“ (7,60).

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