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Bibelüberblick NT - Teil 21

Apostelgeschichte 8 - 14

HAUSAUFGABE

BIBEL: Apostelgeschichte 8 – 14 aufmerksam durchlesen.

FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen, bevor die Unterlagen durchgelesen werden.

a) In Samarien prallte das Evangelium gegen den Okkultismus. Wie geschah dies?

b) Warum mussten Petrus und Johannes von Jerusalem nach Samarien kommen? (Kap. 8)

c) Wen sandte die Gemeinde in Jerusalem nach Antiochien? (11,22) Warum sandten sie ausgerechnet diesen Diener Gottes?

d) Welche Schlüsselrolle hatte Petrus in Kap. 8 – 11?

e) Welchen wichtigen Einschub in der Geschichte gibt es in Kap. 9?

UNTERLAGEN: NT-Teil 21 aufmerksam durchlesen

Der dritte Gesichtspunkt von dem aus Lukas die Apostelgeschichte geschrieben hat, ist die Lehre:

3) LEHRE

Die große Lehrbetonung des Gesamtwerkes „Lukas-Evangelium / Apostelgeschichte“ ist die Person und das Werk des Heiligen Geistes.“
Nachstehend werden 3 Aspekte dieser Lehre angeführt:

a) Die Eigenschaften des Heiligen Geistes

Der Heilige Geist wirksam in dem Leben Jesu Christi:

Luk. 1,35 - Jesus vom Geist gezeugt
Luk. 3,22 - Jesus vom Geist bestätigt
Luk. 4,1 - Jesus vom Geist in die Wüste geführt
Luk. 4,18 - Jesus vom Geist gesalbt
Luk. 10,21 - Jesus frohlockte im Geist
Apg. 10,38 - Jesus mit dem Heiligen Geist und Kraft gesalbt

Der Heilige Geist wirksam in den Aposteln:

Apg. 1,5 – 8 - die Verheißung Seines Kommens
Apg. 2,1 – 47 - Seine Wirksamkeit im Dienste
Apg. 5,1 – 11 - Seine Wirksamkeit in Zuckt
Apg. 6 - Seine Wirksamkeit in Weisheit
Apg. 8 - Seine Wirksamkeit in Führung
Apg. 16 -Seine Wirksamkeit in Führung
Apg. 13 - die Erwählung Seiner Diener



b) Die Kraft des Heiligen Geistes

Die Kraft des Heiligen Geistes in dem Leben ist das Zeugnis Seiner Gegenwart.

Die Kraft des Heiligen Geistes in dem Leben Jesu Christi:

Luk. 4,14 - Jesus kommt von der Wüste zurück
Apg. 2,22 - Gottes Bestätigung für Jesus
Apg. 10,38 - Gottes Befähigung für Jesus

Die Kraft des Heiligen Geistes in den Aposteln:

Apg. 1,8 - die Kraft wurde ihnen versprochen
Apg. 3,12 - nicht eigene Kraft
Apg. 4,7 - die Kraft wurde offenbar
Apg. 4,33 - die Kraft begleitete die Predigt von der Auferstehung
Apg. 6,8 - die Kraft offenbart in Stephanus
Apg. 8,13 - die Kraft offenbart in Philippus

Dieses Wort „Kraft“ (griechisch: „dynamis“) kommt in den ersten 10 Kapiteln der Apostelgeschichte 8 mal vor (nach Kap. 10 kommt es nur mehr 1 mal vor), und zeigt, dass der Ursprung der Gemeinde von einer besonderen göttlichen Triebkraft begleitet war.

c) Die Erfüllung des Heiligen Geistes

Das griechische Wort „pimplemi“ beschreibt diese besondere Erfüllung des Heiligen Geistes, die Diener Gottes für außerordentliche Dienste zubereitet. Die Grammatik dieses Wortes deutet auf eine Erfüllung hin, die einen Anfang und ein Ende hat, nämlich bevor die Tat vollbracht werden kann und nachdem sie vollendet wurde.

Die Erfüllung des Heiligen Geistes in Lukas:

Luk. 1,15 - Johannes der Täufer
Luk. 1,41 - Elisabeth, die Mutter von Johannes
Luk. 1,67 - Zacharias, der Vater von Johannes

Die Erfüllung des Heiligen Geistes in der Apostelgeschichte:

Apg. 2,4 - die Jünger (Pfingsten)
Apg. 4,8 - Petrus
Apg. 4,31 - die versammelte Gemeinde
Apg. 9,17 - Paulus
Apg. 13,9 - Paulus

Da in der Apostelgeschichte so viel von der Person und dem Werk des Heiligen Geistes gesprochen wird, wurde das Buch öfters „die Geschichte des Heiligen Geistes“ genannt.


3)      DAS EVANGELIUM IN SAMARIEN UND JUDÄA  -  (Übergänge)    8,4 – 11,18

  1. der Dienst des Philippus (8,4 – 40)
  2. der Beginn des Dienstes von Paulus (9,1 – 31)
  3. der Abschluss des Dienstes von Petrus (9,32 – 11,18)

ad a)  Der Dienst des Philippus 8,4 – 40

In diesem Abschnitt wendet sich die Verkündigung des Evangeliums konkret weg von Jerusalem. Durch die große Verfolgung, die durch den Tod des Stephanus ausgebrochen war, wurden die Gläubigen (vorwiegend der hellenistische Teil der Gemeinde) überallhin verstreut. Philippus, einer der sieben Diener der Gemeinde in Jerusalem, ging nach Samarien.


Wenn man die oben dargestellte Entwicklung und Verbreitung des Evangeliums auf eine Landkarte überträgt, sieht es folgendermaßen aus:

Karte 48  -  Die Ausbreitung des Evangeliums

Philippus ging vermutlich nach Sichar, in die Nähe des Berges Garizim (siehe Joh. 4,5 und Apg. 8,5) und verkündigte dort den Messias, auf den sowohl die Juden als auch die Samariter warteten (siehe Joh. 4,25). Viele glaubten dieser Botschaft und ließen sich taufen. Es ist interessant zu sehen, dass es gleich bei der ersten Verkündigung des Evangeliums zu einer Konfrontation mit dem Okkultismus kommt. In den engen religiösen Grenzen von Jerusalem dagegen gab es Kämpfe mit dem Judentum und der Heuchelei der religiösen Führerschaft, doch es gab nicht einmal den Hauch von Okkultismus. Aber gleich außerhalb dieses Rahmens prallte das Evangelium gegen satanische Praktiken. Simon der Zauberer, in der späteren Kirchengeschichte als Simon Magus bekannt, wurde laut dem Kirchenvater Justin, dem Märtyrer, in Gitton, einem Dorf Samariens, geboren. Er studierte in Alexandrien und kam dort in Kontakt mit Dositheus, dem Gründer des Gnostizismus. Er wurde zu einem eifrigen Verfechter dieser satanischen Lehre. Von Simon kommt der Begriff  „Simonie“, was bedeutet: der Verkauf oder Ankauf von geistlichen Dingen gegen Entgelt.

Als die Apostel in Jerusalem von den neuesten Entwicklungen in Samarien hörten, sandten sie Petrus und Johannes, um die Lage zu überprüfen. Die uralten rassistischen und religiösen Unterschiede zwischen Juden und Samaritern konnten nicht über Nacht zur Seite gelegt werden. Die beiden Apostel waren von der Echtheit der Samariter überzeugt, legten ihnen die Hände auf (als Zeichen der Einheit in ihrem Glauben mit ihnen) und der Heilige Geist kam auch auf dieses Volk (8,14 – 25).

Philippus wird beauftragt weiterzuziehen auf der Straße, die von Jerusalem nach Gaza führt.

Der Kämmerer (ein Eunuch) war vermutlich ein Proselyt. Er kam gerade von Jerusalem, wo er im Tempel (Vorhof der Heiden) angebetet hatte. Nun befand er sich auf der Rückreise und las aus einer griechischen Übersetzung (Septuaginta) des AT eine Stelle in Jes. 53,7 – 8. Philippus predigte ihm „Jesus“ (8,35). Es ist bemerkenswert, dass er nicht von dem Messias sprach. Der Kämmerer hatte nicht die Hoffnung auf den Messias wie die Juden oder die Samariter - er brauchte „Jesus“. Nach der Bekehrung und Taufe des Kämmerers zog Philippus weiter nach Norden der Küste entlang und verkündigte überall das Evangelium. Das nächste, was man von ihm hört, ist in Cäsarea (21,8), wo ihn Paulus besuchte.

Lukas unterbricht nun seine Erzählung über die Ausbreitung des Evangeliums in „ganz Judäa und Samaria“, um als Einschub von der Bekehrung des Paulus zu berichten. Als Gott immer mehr Länder mit dem Evangelium erreichen wollte, bereitete Er auch persönlich Seine dazu auserlesenen Werkzeuge vor.

DIE AUSBREITUNG DES EVANGELIUMS
IN GANZ JUDÄA UND SAMARIA

KAPITEL 8

EINSCHUB
KAPITEL 9

KAPITEL 10

KAPITEL 11

DIE SAMARITER
DIE HEIDEN

DIE BEKEHRUNG
VON DEM
APOSTEL
DER HEIDEN
(Gal. 2,7 / Eph. 3,8)

DIE HEIDEN

Petrus hatte gewiss eine Schlüsselrolle; er, als Anführer der 12 Apostel, musste die Echtheit und Richtigkeit des Glaubens der Samariter und der Heiden (Kornelius - Kap. 10 – 11) bestätigen. Sobald aber die Gemeinde in Jerusalem diese Ausbreitung des Evangeliums akzeptiert hatte, konnte das wirkliche Werkzeug Gottes für die Heiden, nämlich Paulus, „in Aktion treten“. Im Hinblick auf diese Entwicklung baut Lukas bereits vor, indem er die Bekehrung von Paulus beschreibt. (Ein genaues Studium über die Bekehrung und das Leben von Paulus wird nicht in diesem Teil, sondern es erst im NT-Überblick, Abschnitt 2, behandelt.) Eine Wiederholung dieser Bekehrung wird auch in 22,4 – 16 und 26,12 – 18 gegeben.

Ab Kap. 9,32 setzt Lukas seinen Bericht über die Ausbreitung des Evangeliums fort. Nach den Ereignissen von Kapitel 8 geht Petrus zuerst nach Jerusalem, doch dann geht auch er, wie Philippus, nördlich durch Samarien. Vielleicht besucht er alle jene Städte, in denen Philippus gerade gepredigt hat. Er macht in Lydda Halt und zieht später nach Joppe. In Kap. 10 berichtet Petrus von der Bekehrung des römischen Hauptmannes Kornelius, seiner Verwandten und seiner nächsten Freunden in Cäsarea. Vor diesem gewaltigen Ereignis berichtet Lukas sorgfältig, wie Gott Petrus für diesen bevorstehenden „Sprung“ vorbereitete. Während Petrus zu Mittag auf sein Essen wartete und die Boten von Kornelius sich Joppe näherten, ließ Gott Petrus eine Vision sehen, die ihm die Wahrheit über Gottes Willen für die Heiden („die Unreinen“) beibringen sollte. Als Petrus dann nach Cäsarea kam, verkündigte er „die Geschichte Jesu“, nämlich das Leben, das Sterben und die Auferstehung Jesu Christi (10,36 – 43). Kornelius und die anderen Zuhörer glaubten, und der Heilige Geist kam auch auf sie, wie dies auch bei den Samaritern geschah. Petrus war Zeuge. Er sollte auch dieses Ereignis vor der Gemeinde in Jerusalem verteidigen! (11,1 – 18).

 

Petrus wurde von Gott als Zeuge und Bürge für die Bekehrung dieser drei Hauptgruppen von Menschen in „ganz Judäa und Samaria“ ausgewählt. Nun war der Weg frei für die nächste Stufe in Gottes Plan - das Evangelium bis an das Ende der Welt zu verkündigen! Für diese Aufgabe hatte Gott auch bereits Sein Werkzeug: Paulus.

4. DAS EVANGELIUM BIS AN DAS ENDE DER WELT - (Ausdehnungen)       11,19  –  21,14

  1. Der Dienst von Barnabas  (11,19  –  12,25)
  2. Der Dienst von Paulus  (13,1  –  21,14)

Ein Vergleich der Aussagen in 8,4 – 5 und 11,19 zeigt, dass Lukas von demselben Ereignis spricht:

 

Die Verbindung zu dem vorangegangenen Bericht über die Bekehrung der Heiden stellt Lukas dann mit den folgenden Worten her: „Es waren aber unter ihnen etliche Männer von Zypern und Kyrene, welche als sie nach Antiochien kamen, auch zu den Griechen redeten, indem sie das Evangelium von dem Herrn Jesus verkündigten. Und des Herrn Hand war mit ihnen, und eine große Zahl glaubte und bekehrte sich zu dem Herrn“ (11,20 – 21).

ad a)  Der Dienst von Barnabas  11,19 – 12,25

Nun wendet sich das Evangelium weg von Jerusalem nach Antiochien, der Hauptstadt Syriens. Antiochien lag am linken Ufer des Orontes-Flusses, ca. 30 km östlich vom Mittelmeer und 480 km nördlich von Jerusalem. Die Stadt wurde um 300 v.Chr. von Seleukos I. Nikator gegründet. Antiochien wuchs zur drittwichtigsten Stadt des römischen Reiches und hatte eine Bevölkerung von etwa 500.000 Einwohnern. Es gab ein reges kulturelles Leben; die etwa 6 km lange Hauptstraße war berühmt für ihre Schönheit und war an beiden Seiten flankiert von herrlichen Villen. In der Nähe der Stadt war das Hauptzentrum von zwei der wichtigsten heidnischen Kulten, nämlich der „Anbetung“ von Apollo und Artemis. Ein Teil der „Anbetung“ beinhaltete Tempel-Prostitution und alle Arten von sexueller Ausschweifung. Dieser moralische Sumpf beeinflusste die Stadt natürlich sehr, und Antiochien war überall bekannt als eine Stadt des moralischen Verfalles.

64 v.Chr. schenkte Pompeius der Stadt die Freiheit und machte sie zum Hauptsitz des römischen Gouverneurs in Syrien. Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung waren Juden, doch die Mehrheit waren „Griechen“ oder Heiden. So wie die Gemeinde in Jerusalem Petrus und Johannes nach Samarien schickte, sandte sie zur selben Zeit Barnabas nach Antiochien, weil er aus Zypern kam und vermutlich die Stadt gut kannte. Er holte Paulus von Tarsus, das nur einige Kilometer entfernt, nordöstlich von Antiochien, liegt.

Paulus und Barnabas blieben ein Jahr in Antiochien und stärkten die Gemeinde (11,22 – 26). Man liest den markanten Satz, dass „... die Jünger zuerst in Antiochien Christen genannt wurden“ (11,30). Es ist bekannt, dass es in Antiochien üblich war, den Menschen Spitznamen zu geben. Manche Gelehrte argumentieren, dass der ursprüngliche Name „Chresten“ war. „Chresten“ bedeutet „die, welche gute Taten verüben“ und es war ein Spitzname für die Gläubigen. Wie dem auch sei, Lukas berichtet von dem Wort "Christen", was so viel wie „Nachfolger oder Gesellen Christi“ bedeutet. Das Wort „Christen“ kommt sonst nur zweimal im NT vor, und zwar in Apg. 26,28 und 1. Petr. 4,16.

In Kap. 12 blendet Lukas nun zurück nach Jerusalem und berichtet von einer großen Verfolgung der Gemeinde in Jerusalem; dieses Mal waren nicht die hellenistischen Juden betroffen, sondern die palästinensischen. Der Verfolger war Herodes Agrippa I, der Enkelsohn von Herodes dem Großen. Er regierte über Judäa und Galiläa in der Zeit von 37–44 n.Chr.. Nach seinem Tod im Jahre 44 n.Chr. kam das ganze Land unter direkte römische Herrschaft.

In Kap. 13,1 – 14,28 wird über die erste Missionsreise von Paulus berichtet, und zwar in Begleitung von Barnabas. (Einzelheiten über die Missionsreise des Paulus werden im nächsten Teil behandelt.) In 13,1 – 3 zeigt Lukas, wie der Heilige Geist Seine Werkzeuge aussondert für den Dienst unter den Heiden.

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