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Bibelüberblick NT - Teil 23

Apostelgeschichte 22 - 28

HAUSAUFGABE

BIBEL: Apostelgeschichte 21:15 – 28:31 aufmerksam durchlesen.

FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen, bevor die Unterlagen durchgelesen werden.

a) In 21,15 und 27,1 gibt es zwei „wir“-Stellen. Dazwischen liegt der Bericht von der Gefangenschaft in Jerusalem und Cäsarea. Welcher Schluss kann daraus gezogen werden?

b) Welche Anklagepunkte brachte Tertullus gegen Paulus in 24,5 – 6 vor?

b) Warum beschrieb Lukas die Ablehnung des Evangeliums durch die religiöse Führerschaft in Jerusalem und in Rom? Was wollte er damit ausdrücken?

UNTERLAGEN: NT-Teil 23 aufmerksam durchlesen

Der fünfte und letzte Gesichtspunkt, unter dem Lukas die Apostelgeschichte geschrieben hat, ist die universelle Botschaft des Evangeliums:

5) UNIVERSELLE BOTSCHAFT DES EVANGELIUMS

Lukas betont in seinem Gesamtwerk Lukas-Evangelium / Apostelgeschichte auch, dass das Evangelium für jedermann ist.

Diese Betonung hat man bereits im Lukas-Evangelium gesehen:

Das Evangelium für:

a) die Juden - 2,10;
b) die Samariter - 9,54; 10,33; 17,16;
c) die Heiden - 2,14; 2,31; 2,32; 3,6; 19,10; 24,47;

In der Apostelgeschichte wird diese Botschaft fortgesetzt:

a) die Juden - 2,41 – 42; 6,7;
b) die Samariter - 8,5 – 6;
c) die Heiden - 11,18; 16,14 + 34; 17,34;

5) DAS EVANGELIUM IN CÄSAREA UND ROM - (Gefangenschaften) 21,15 – 28,29

    a) Paulus, Gefangener in Jerusalem (21,15 – 23,20)
    b) Paulus, Gefangener in Cäsarea (23,11 – 26,32)
    c) Paulus, Gefangener in Rom (27,1 – 28,29)
Wie bereits erwähnt wurde, verwendet Lukas fast 25 % seines Berichtes, um die Verteidigung des Evangeliums bei verschiedenen Gerichtsverhandlungen zu beschreiben.

ad a) Paulus, Gefangener in Jerusalem 21,15 – 23,10

Die „wir“-Bezeichnung in 21,15 zeigt, dass Lukas persönlicher Augenzeuge der nachstehenden Ereignisse war. Paulus berichtet der Gemeinde in Jerusalem von der Ausbreitung des Evangeliums unter den Heiden (21,18 – 19). Die Gemeinde freute sich, warnte Paulus aber vor „vielen Tausenden der Juden, welche glauben, und alle sind Eiferer für das Gesetz“ (21,20). Die Ältesten schlagen Paulus vor, dass er gewisse jüdische Regeln einhält, um den Ärger der Juden zu beenden. Es gab unter ihnen vier Männer, die ein Nasiräer-Gelübde auf sich genommen hatten. Die Dauer dieses Gelübdes war normalerweise 30 Tage. Doch aus irgendwelchen Gründen hatten sich diese Männer verunreinigt und mussten sich nun 7 Tage lang durch Opfer im Tempel reinigen. Paulus sollte sich diesen Männern anschließen und, wie es üblich war, für die Opfer auch bezahlen. Dies schien die Juden aus Jerusalem zu besänftigen, aber Juden aus Asien, die für das Pfingstfest nach Jerusalem gekommen waren, sahen Trophimus, einen Heiden-Christen aus Ephesus, mit Paulus. Sie nahmen nun an, dass Paulus den Heiden Trophimus mit in den Tempel genommen, und dadurch „diese heilige Stätte verunreinigt“ hatte (21,27 – 29). Es entstand ein Aufruhr im Tempel. Im Nordwesten des Tempelgebäudes lag die Burg Antonia; hier war eine Kohorte (ca. 400-600 Mann) römischer Soldaten stationiert.


Die Nachricht von dem Aufruhr kam zu dem Chiliarchen (d. i. der Oberste der Kohorte); er nahm einige  Soldaten mit ihren Hauptmännern mit sich und rettete Paulus vor dem Tod. Paulus sprach mit dem Chiliarchen, der ihn für einen Ägypter gehalten hatte. Etwa drei Jahre zuvor hatte ein ägyptischer Jude in Jerusalem eine Revolte verursacht. Er hatte 4.000 Juden auf den Ölberg hinausgeführt und ihnen versprochen, dass sie die Römer überwältigen würden. Die Anhänger dieser Revolte wurden „Sikarier“ (Dolchmänner) genannt, weil jeder von ihnen einen Dolch („sica“) in seinem Gewand versteckt hatte, um die politischen Feinde damit zu töten. Die Revolte wurde von dem römischen Prokurator Felix niedergeschlagen, doch dem Anführer gelang die Flucht. Aus irgendeinem Grund hielt der Chiliarch Paulus für diesen ägyptischen Juden (21,37 – 40).

Paulus redete zu der Menge und begann mit der Erzählung von seiner Bekehrung (22,1 – 21). Das Volk hörte zu, bis er das Wort „Nationen“ erwähnte. Dies löste von neuem einen Aufruhr aus und Paulus wurde zu seiner Sicherheit in die Burg gebracht. In Kap. 23 berichtet Lukas von der ersten Gerichtsverhandlung vor dem Synedrium. So wie sein Herr vor ihm, wird auch Paulus ungerecht behandelt und muss wegen einer jüdischen Verschwörung nach Cäsarea in Sicherheit gebracht werden.

ad b)  Paulus, Gefangener in Cäsarea  23,11 – 26,32

Als der Chiliarch, Klaudius Lysias, von dem geplanten Anschlag gegen Paulus erfuhr, ließ er eine außergewöhnlich starke Wache, 200 Soldaten, 70 Reiter und 200 Lanzenträger, antreten. Zwischen 21:00 und 22:00 Uhr brach die Wache mit Paulus in Richtung Cäsarea auf. Lysias schickte einen erklärenden Brief an den Landpfleger Antonius Felix (die Anrede des Chiliarchen an Felix: „vortrefflichster“ (23,26) ist die gleiche, die Lukas für Theophilus verwendet - Luk. 1,3; Apg. 1,1). Antonius Felix war zwischen 52 und 58 n. Chr. römischer Landpfleger. Der Historiker Tacitus beschreibt in seinem Werk (Histories 5.9) seine Regierungszeit wie folgt: „mit allen Arten der Grausamkeit und verderbten Lust übte er das Amt eines Fürsten aus mit dem Sinn eines Sklaven“. In Antipatris kehrten die 400 Fußsoldaten und Lanzenträger um. Die Hauptgefahr war nun gebannt, und Paulus wurde nur mehr von den 70 Reitern begleitet.

Fünf Tage danach kam das Synedrium nach Cäsarea. Sie brachten einen „gewissen Redner, Tertullus“ (24,1) mit. Tertullus war ein Redner, der mit dem römischen Recht vertraut war und das Synedrium in dieser Sache beriet. Tertullus erhebt eine dreifache Anklage gegen Paulus:

  1. Paulus wurde „als eine Pest befunden, und als einer der unter allen Juden, die auf dem Erdkreis sind, Aufruhr erregt“ (24,5);
  2. er war auch „Anführer der Sekte der Nazaräer“ (24,5);
  3. er hatte versucht „den Tempel zu entheiligen“ (24,6).

In 24,10 – 21 berichtet Lukas von der Verteidigungsrede des Paulus. Felix vertagt die Verhandlung. Die Schrift sagt, dass er „in betreff des Weges genauere Kenntnis hatte“ (24,22). Die Frage ist: Wie? Eine Möglichkeit wäre, durch seine Frau Drusilla, die eine Jüdin war. Sie war die jüngste Tochter von Herodes Agrippa I (siehe 12,1). Sie war mit dem König von Emesa, einer kleinen Provinz in Syrien, verheiratet. Felix hatte sie überredet, ihren Mann zu verlassen und ihn zu heiraten. Felix ließ zwei Jahre verstreichen, ohne eine Entscheidung zu treffen. Im Jahre 58 n. Chr. wurde er von dem Kaiser Nero nach Rom zurückberufen, um sich dort gegen Anklagen wegen seiner ungerechten Regierungsweise zu verantworten. Er wurde von Porcius Festus abgelöst (24,27).

Die Juden versuchten erneut, eine Verurteilung des Paulus herbeizuführen. Zum zweiten Mal wird er von den Juden vor den Richterstuhl des Landpflegers in Cäsarea gebracht und angeklagt (25,1 – 12). Festus droht Paulus mit der Möglichkeit, sich auch in Jerusalem verantworten zu müssen. Paulus, als römischer Staatsbürger, macht von seinem Recht Gebrauch, von dem Kaiser in Rom angehört zu werden: „Ich berufe mich auf den Kaiser“ (25,11).
Ein Römer genoss gewisse Privilegien:

    a) er durfte nicht mit Geißelhieben verhört werden (Apg. 22,24 – 29);
    b) er durfte nicht ohne Gerichtsverhandlung und Verurteilung geschlagen werden (Apg. 16,37 – 40);
    c) er hatte das Recht, sich jederzeit auf den Kaiser zu berufen (Apg. 25,10 – 12);
    d) wenn er verurteilt wurde, durfte er nicht gekreuzigt werden; die Hinrichtung eines Römers geschah durch Enthauptung.

Paulus wird noch einmal verhört, diesmal im Beisein von König Agrippa und dessen Schwester Bernice (25,13 – 26,32). Bei dieser Gelegenheit erzählt der Apostel, wie er sich bekehrt hat und wie Gott ihn dazu berufen hat, Apostel der Nationen zu werden.

Lukas beschreibt die Schiffsreise von Cäsarea nach Rom in 27,1 – 28,15 (siehe Karte 52, Seite 177). Die Verwendung von „wir“ in 27,1 lässt die Vermutung zu, dass Lukas während der ganzen Zeit in Jerusalem und Cäsarea bei Paulus gewesen ist.

Manche meinen, dass der Großteil des Lukas-Evangeliums und der Apostelgeschichte von Lukas in dieser Zeit geschrieben worden ist. In einem packenden Stil und penibler Genauigkeit beschreibt er die Schiffsreise und den Schiffbruch und wie sie letztlich doch nach Italien gelangten und zu Fuß nach Rom marschierten.

Die Nachricht, dass Paulus nach Rom unterwegs war, veranlasste einige der Gläubigen aus der Gemeinde, ihm entgegenzukommen und ihn zu begleiten. Das Wort „entgegen“ in 28,15 ist das gleiche Wort, das Paulus selbst in seinen Briefen für die Wiederkunft des Herrn und die Versammlung der Gläubigen zu ihrem Herrn verwendet. „Forum-Appii“ und „Tres-Tabernae“ waren zwei Orte an der berühmten Via Appia, wo man übernachten konnte. Appius (Forum-Appii war der Marktplatz dieses Ortes) lag etwa 64,5 km von Rom entfernt, Tres-Tabernae ca. 55 km.

6)      DER APOSTOLISCHE AUFTRAG ERFÜLLT   28,30  –  31

Paulus blieb in Rom zwei Jahre unter „Hausarrest“. Durch diesen Mann konnte Gott die gute Nachricht über Seinen Sohn bis in die Mitte der Hauptstadt des riesigen Reiches, ja sogar bis zu dem Thron des Kaisers, des mächtigsten Mannes der damaligen Welt, bringen. Gottes Plan wurde erfüllt. Was aber geschah mit Paulus nach der zweijährigen Gefangenschaft? Die Tradition sagt, dass er 64 n. Chr. in Rom hingerichtet wurde. Die Ereignisse der Apostelgeschichte enden ungefähr im Jahr 62 n. Chr.. Was machte der Apostel in dieser Zeit? Man kann annehmen, dass er nach seiner Freilassung seine apostolische Reisetätigkeit wieder aufnahm. Dieser Zeit entspringen die Briefe 1. Timotheus, Titus und als letzter Abschiedsbrief an seinen treuen Mitarbeiter Timotheus, der 2. Timotheus-Brief. Darin wird auch die bevorstehende Hinrichtung des großen Mannes Gottes angedeutet.

Lukas hatte in der Apostelgeschichte vieles beschrieben. Er hat aber auch vieles verschwiegen oder nur ungenau skizziert. Warum? Eine der Hauptabsichten des „geliebten Arztes“ war zu zeigen, dass das offizielle Judentum, ob das in Jerusalem (das jüdisch-religiöse Zentrum des Reiches) oder in Rom (das politische Zentrum des Reiches) war, das Evangelium ablehnte. Überall auf den Reisen des Paulus kamen Heiden zum Glauben. Lukas wollte zeigen, dass sich das Heil nun von den Juden als Volk abwendet und für die Heiden zugänglich ist. Die Basis dafür ist der Glaube an Jesus Christus und Sein Werk am Kreuz; die Botschaft, welche die großen Männer der Urgemeinde wie Petrus, Stephanus, Philippus und Paulus unermüdlich verkündigten, auch unter Preisgabe ihres Lebens!

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