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RÜCKBLICK AUF DIE NT-ÜBERSICHT
DER MENSCH PAULUS UND SEINE BRIEFE

TEIL 24

HAUSAUFGABE

BIBEL: Apostelgeschichte 13,1 - 21,14 (die drei Missionsreisen) aufmerksam durchlesen.

.FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen, bevor die Unterlagen durchgelesen werden.

a) Lies Luk. 2,1 - 5 und 3,1 - 6; was kann man aufgrund dieser Verse über den geschichtlichen Hintergrund des NT sagen?

b) Lies Röm. 15,19;  verwende eine Landkarte als Grundlage und markiere auf einer selbst gezeichneten Karte des Mittelmeerraumes die angegebenen Arbeitsgebiete des Paulus.

c) Lies 1. Kor. 15,9;  Gal. 1,13;  Phil. 3,6;  1. Tim. 1,13;  Apg. 8,1;  Apg. 8,3;  9,1-2;  9,13-14;  22,4-5. Was sagen diese Stellen über Paulus vor seiner Bekehrung? Lies 1. Kor. 15,10;  Gal. 1,15 - 16;  1.Tim. 1,13;  Apg. 9,15;  Apg. 26,16.  Was sagen diese Stellen über Paulus nach seiner Bekehrung?

UNTERLAGEN: NT-Teil 24 aufmerksam durchlesen

RÜCKBLICK AUF DIE NT-ÜBERSICHT

1) DER GESCHICHTLICHE HINTERGRUND

Um die Aussage des NT besser und genauer verstehen zu können, ist es notwendig, die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte vor der Geburt Jesu zu analysieren; im besonderen den Einfluss von drei Weltkulturen auf die Zeit Jesu:

         die jüdische Welt       (ihr Einfluss war hauptsächlich „religiös“)
         die griechische Welt  (ihr Einfluss war hauptsächlich „kulturell“)
         die römische Welt      (ihr Einfluss war hauptsächlich „politisch“)

In Gal. 4,4 steht: „... als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott Seinen Sohn ...“.

Man kann den Einfluss dieser drei Kulturen auf die Zeit des NT wie folgt zusammenfassen:

DIE JÜDISCHE WELT:

Die Diaspora
Die Juden, Gottes Volk, zerstreut in alle Länder und Städte der Welt; enorme Wichtigkeit bei der Ausbreitung des Evangeliums (siehe Apostelgeschichte).

Das Judentum
Diese Religion bildete die Grundlage, welche die Voraussetzung dafür war, dass Jesus Christus überhaupt in die Welt kommen konnte (Gal. 4,4 – 5). Inmitten von Gottlosigkeit und Götzendienst legten die Juden durch ihre Religion überall Zeugnis für den wahren und lebendigen Gott ab.

Das Gesetz und die Schriften
Gottes Wort wurde für sein Volk aufbewahrt, es sprach von EINEM, der kommen würde. Jesus Christus kam als Erfüllung der Verheißung der Schriften (das Matthäus-Evangelium weist auf diese Wahrheit besonders hin. Matthäus nimmt des Öfteren Bezug auf das Gesetz und die Schriften). Die Heiden hatten das Zeugnis des Wortes Gottes stets in ihrer Mitte, vor allem nach Fertigstellung der Septuaginta-Übersetzung.

Die Synagoge
Inmitten gottloser Kulturen konnten Liebe und Interesse für das Wort Gottes bewahrt werden. Die Synagoge war ein wichtiger Ausgangspunkt in jeder Stadt für die Verbreitung des Evangeliums (Apostelgeschichte).

Der zweite Tempel
Wichtiges Symbol des Judentums; alle religiösen Juden versuchten wenigstens dreimal im Jahr nach Jerusalem zu kommen: zum Passahfest, zum Fest der Ungesäuerten Brote (Pfingsten) und zum Laubhüttenfest (Joh. 12,1;  Joh. 2,23;  7,1;  7,10;  Apg. 2,1;  2,5 – 10).

Die hellenistischen Juden
Obwohl sie Juden waren, hatten sie durch ihre Kultur und Sprache bessere Möglichkeiten, die Heiden zu erreichen (z. B. Philippus, Paulus); sie bildeten die Brücke zwischen der Gemeinde in Jerusalem (hebräische Juden) und der Weltmission zu den Heiden (siehe Stephanus - Apg. 6 – 7). Ihre kulturelle Aufgeschlossenheit verwendete Gott, um das Evangelium von seinem engen nationalen jüdischen Rahmen zu einer Botschaft für die ganze Welt zu entwickeln.

Die Proselyten
Heiden, die dem Judentum zugeneigt waren oder zum Judentum konvertiert waren (siehe Cornelius - Apg. 10,2;  Lydia - Apg. 16,14).

Die Pharisäer
Eine politisch orientierte religiöse Schule in Jerusalem. Jesus kritisiert sie mehrmals (z. B. Lk. 12,1)

(Bezüglich detaillierter Ausführungen der oben genannten Begriffe siehe NT-Überblick, Teil 2.)

DIE GRIECHISCHE WELT

Der Hellenismus
Eine einheitliche Sprache und Kultur, welche die Ausbreitung des Evangeliums überhaupt erst ermöglichte.

Die griechischen Philosophien und mystischen Religionen
Brachten den Menschen keinen inneren Frieden und durch die verursachte Verwirrung bereiteten sie den Weg für die freudige Aufnahme des Evangeliums unter den Heiden vor.

DIE RÖMISCHE WELT

Das römische Regierungssystem

  1. die Ordnung in der Gesellschaft ermöglichte die Ausbreitung des Evangeliums („Pax Romana“)
  2. aufgrund der gesetzlichen Rechte eines Römers konnte Paulus das Evangelium direkt zum Kaiserthron nach Rom bringen (Apg. 25,11;  Phil. 4,22)
  3. stabile Wirtschaft und blühender Handel veranlassten den Bau eines durchaus organisierten Straßennetzsystems, das der Verbreitung des Evangeliums diente.

(Bezüglich detaillierter Ausführungen der oben genannten Begriffe siehe NT-Überblick, Teil 2.)

Karte 54  -  Die römischen Kaiser der NT-Zeit

Name des Kaisers

Bekannte Begebenheit

Augustus   (44/27 v.Chr.  – 14 n.Chr.)   *)

Jesus Christus geboren   (Luk. 2,7 + 21)

Tiberius   (14 – 37 n.Chr.)

Jesus Christus gekreuzigt

Gajus   (37 – 41 n.Chr.)

nicht im NT erwähnt

Klaudius   (41 – 54 n.Chr.)

„Hungersnot über den ganzen Erdkreis“
(Apg. 11,28  –  29)
Juden mussten Rom verlassen (Apg. 18,2)

Nero   (54 – 68 n.Chr.)

Paulus berief sich auf den Kaiser (Apg. 25,11). Paulus in Rom; er erwartete in Rom seine
Verurteilung (Apg. 28,30 – 31)
Christenverfolgung nach dem Großbrand von Rom im Jahre 64 n.Chr.

Vespasian   (69 – 79 n.Chr.)

Jerusalem durch die Römer zerstört

Titus   (79 – 81 n.Chr.)

er war als Feldherr für die Zerstörung Jerusalems verantwortlich

Domitian   (81 – 96 n.Chr.)

Christenverfolgung;
er verbannte Johannes auf die Insel Patmos
(Offb. 1,9)

*)      nach der Ermordung von Cäsar bildeten Octavian, Marcus Antonius und Marcus Lepidus das zweite Triumvirat. Die Spannung im Staat wuchs. Octavian gewann die entscheidende Seeschlacht bei Actium, 31 v.Chr., und wurde Alleinherrscher. Er bekam im Jahr 27 v.Chr. vom Senat und vom Volk den Namen Augustus (der Erhabene).

2) DIE GEOGRAPHIE DES NT

Karte 55  -  Imperium Romanum

 

3) DIE BÜCHER DES NT

Es gibt 27 Bücher im NT. Wie die folgende Karte veranschaulicht, kann man sie grundsätzlich in drei Gruppen einteilen:

4) WIEDERHOLUNG DER UNTERTEILUNGEN DER EVANGELIEN UND DER APOSTELGESCHICHTE

MATTHÄUS-EVANGELIUM  (28 Kapitel)

Hauptgedanke:  JESUS CHRISTUS - DER VERSPROCHENE KÖNIG

JESUS CHRISTUS  -  DER VERSPROCHENE KÖNIG

 

PREDIGT 1

PREDIGT 2

PREDIGT 3

PREDIGT 4

PREDIGT 5

 

1,1  –  4,11

4,12 – 7,29

8,1 – 11,1

11,2 – 13,53

13,54 – 19,1

19,2 – 26,2

26,3 – 28,20

DIE VOR-STELLUNG DES KÖNIGS

DIE FOR-DERUNGEN DES KÖNIGS

DIE TATEN DES KÖNIGS

DAS PRO-GRAMM DES KÖNIGS

DAS SCHICKSAL DES KÖNIGS

DIE PROBLEME DES KÖNIGS

DER TOD UND DIE AUFER-STEHUNG DES KÖNIGS

Grundlagen des Reiches Gottes

Mission

Heils-geschichte

Lehre über die Gemeinde

Endzeit-ereignisse


MARKUS-EVANGELIUM  (16 Kapitel)

Hauptgedanke:  JESUS CHRISTUS - DER GEHORSAME KNECHT

JESUS CHRISTUS  -  DER  GEHORSAME  KNECHT

1,1  –  13

1,14 – 6,56

7,1 – 10,52

11 – 15

16

DIE
VORBEREITUNG  DES KNECHTES

DER KNECHT ARBEITET

DEM KNECHT WIRD WIDERSTANDEN

DER KNECHT WIRD GEKREUZIGT

DIE VERHERRLICHUNG
DES KNECHTES

das 2. Jahr
BELIEBT

das 3. Jahr
WIDERSTAND

 

„Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden,
sondern um zu dienen und Sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.“                        (10,45)


LUKAS-EVANGELIUM  (24 Kapitel)

Hauptgedanke:  JESUS CHRISTUS - DER VOLLKOMMENE MENSCHENSOHN

JESUS CHRISTUS  -  DER  VOLLKOMMENE  MENSCHENSOHN

1,1  –  4, 13

4,14 – 9,50

9,51 – 18,30

18,31 – 21,38

22,1 – 23,56

24

DIE VOR-BEREITUNG  DES MENSCHEN-SOHNES

DER MENSCHENSOHN DIENT IN GALILÄA

DER MENSCHENSOHN DIENT IN
PERÄA

DER MENSCHENSOHN DIENT IN JERUSALEM

DER MENSCHENSOHN WIRD GEKREUZIGT

DIE VERHERR-LICHUNG
DES MENSCHEN-SOHNES

Wunder

Gleichnisse

Lehre

Leiden


JOHANNES-EVANGELIUM
 (21  Kapitel)

Hauptgedanke:  JESUS CHRISTUS - DER GÖTTLICHE SOHN

JESUS CHRISTUS – DER GÖTTLICHE SOHN

1,1 – 18

1,19 – 12,50

13 – 17

18 – 20

21

Die Vorstellung des Sohnes Gottes

der öffentliche Dienst des Sohnes Gottes

der private Dienst des Sohnes Gottes

der Leidens-Dienst des Sohnes Gottes

die Abschiedsworte des Sohnes Gottes

 

mit dem Volk

mit den Jüngern

mit dem Vater

 


APOSTELGESCHICHTE
  (28 Kapitel)

Hauptgedanke:  „IHR WERDET MEINE ZEUGEN SEIN“

„und ihr werden Meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch
in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde“  (1,8)

1,1  –  11

1,12  –  8,3

8,4  –  11,18

11,19  –  21,14

21,15  –  28,29

28,30  –  31

DER APOSTOLISCHE AUFTRAG GEGEBEN

DAS EVANGELIUM IN JERUSALEM

DAS EVANGELIUM IN SAMARIEN UND JUDÄA

DAS EVANGELIUM BIS AN DAS ENDE DER WELT

DAS EVANGELIUM IN CÄSAREA UND ROM

DER APOSTOLISCHE AUFTRAG ERFÜLLT

 

Ursprünge

Übergänge

Ausdehnungen

Gefangen-schaften

 


DER  MENSCH  PAULUS  UND  SEINE  BRIEFE

EINLEITUNG

Von den 27 Büchern des NT wurden 13 Bücher (vermutlich 14, wenn man den Hebräerbrief Paulus zurechnet) von einem Mann geschrieben: Paulus.

In Röm. 15,19 schrieb Paulus: „... sodass ich von Jerusalem an und ringsumher bis nach Illyrien das Evangelium des Christus völlig verkündigt habe ...“

(Dieses Gebiet umfasst etwa 7.770.000 km2, das entspricht in etwa einer Fläche von 90 mal Österreich.)

Was bewegte diesen Mann, so viele Kilometer zu reisen, um wie er selbst sagte: „... das Evangelium zu predigen, nicht da, wo Christus genannt worden ist, auf dass ich nicht auf eines anderen Grund baue ...?“

Was bewegte diesen Mann dazu, sein ganzes Leben für die Gemeinde Jesu Christi zu investieren, wovon seine Briefe reichlich Zeugnis ablegen?

Apg. 9,1 – 7 gibt die Antwort auf diese Fragen: Paulus hatte eine Begegnung mit dem auferstandenen Jesus Christus gehabt, die sein ganzes Leben radikal veränderte.

Bevor man die Briefe von Paulus verstehen kann, muss man versuchen, den Mann Paulus kennenzulernen, und zwar mittels jener Information, die uns in der Apostelgeschichte und in seinen Briefen gegeben wird. Man muss verstehen, wie sein Leben vor der Begegnung mit Christus und wie es nach dieser Begegnung mit Christus ausgesehen hat.

 

1) DAS LEBEN DES PAULUS

Das Leben von Paulus kann in drei einfache Abschnitte unterteilt werden:

    a) vor der Bekehrung
    b)die Bekehrung
    c) nach der Bekehrung

ad a)  Vor der Bekehrung

Die Bibel gibt nur einige Hinweise auf den Hintergrund des Paulus vor seiner Bekehrung.

     I)  er war Jude
    II)  er war hellenistischer Jude
  III)  er war römischer Staatsbürger

I)  Paulus war ein Jude (Herkunft und Ausbildung)

Er war „vom Geschlecht Israel, vom Stamme Benjamin“ (Phil. 3,5). Einer seiner Vorfahren war Saul, der erste König von Israel. Der Stamm Benjamin war in Israel wegen seiner Kampfeslust wohlbekannt (1. Mose 49,27;  Richter 3,15;  20,15 – 16;  1. Chr. 8,40).

Er war ein „Hebräer von Hebräern“ (Phil. 3,5;  2. Kor. 11,22). Er wurde in einer jüdischen Familie erzogen, wo die Muttersprache Aramäisch (die traditionelle Sprache der Juden in Syrien und Palästina) war.

Er war ein Pharisäer (Phil. 3,5;  Apg. 23,6;  26,5). Als Paulus, wahrscheinlich in seiner frühen Jugend, nach Jerusalem kam, studierte er unter Gamaliel, einem der zwei berühmtesten Rabbiner des ersten Jahrhunderts (Apg. 22,3). Die Pharisäer legten großen Wert auf die Anwendung des Gesetzes im Alltagsleben. Der Eifer der Pharisäer charakterisiert den jungen Paulus, vor allem in seiner Verfolgung der Gemeinde (Phil. 3,6;  Gal. 1,13 – 14).

II)  Paulus war ein hellenistischer Jude (Kultur)

Er wurde in der „Diaspora“ geboren. Sein Geburtsort war das große hellenistische Zentrum Tarsus. Tarsus war eine der größten Städte des römischen Reiches, ein Zentrum von Kultur, Wissen und Handel. Die griechische Sprache und Kultur, die griechischen Philosophien und die mystischen Religionen prägten diese Stadt. Der „Weltblick“ des Paulus (1. Kor. 9,19 – 23) wurde wahrscheinlich während seines Aufenthaltes in dieser Stadt durch den starken hellenistischen Einfluss geformt (Apg. 22,3;  9,30).

III) Paulus war ein Römer (Staatsbürgerschaft)

Die römische Staatsbürgerschaft bekam er von seinem Vater (Apg. 16,37 – 38;  22,25 – 28). Diese Staatsbürgerschaft war äußerst wertvoll.

Ein Römer genoss gewisse Privilegien:

  1. er durfte nicht mit Geißelhieben verhört werden (Apg. 22,24 – 29)
  2. er durfte nicht ohne Gerichtsverhandlung und Verurteilung geschlagen werden (Apg. 16,37 – 40)
  3. er hatte das Recht, sich jederzeit auf den Kaiser zu berufen (Apg. 25,10 – 12)
  4. im Falle einer Verurteilung durfte er nicht gekreuzigt werden; die Hinrichtung eines Römers geschah durch Enthauptung.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Saulus, geboren in Tarsus, ein Mensch mit einem vielfältigen Hintergrund war. Aufgrund seiner Geburt und Ausbildung war er Jude; von Kultur her war er Grieche; von der Staatsbürgerschaft her war er Römer. Unter dem berühmten Rabbiner Gamaliel in Jerusalem war er ein guter Student der Schriften und Überlieferungen der Pharisäer. Obwohl es nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, ist es möglich, dass er Mitglied des Synedriums war. Als Hauptfeind der Gemeinde und eifrigster Verfolger der Gläubigen hatte er aber auf alle Fälle das Recht, gegen die Angeklagten ein Urteil zu fällen (Apg. 26,10). Saulus war auch bei der Steinigung des Stephanus anwesend (Apg. 22,20). Da er der festen Überzeugung war, dass die christliche Botschaft der Auferstehung und Verherrlichung Jesu Christi falsch sei, setzte er es sich zum Ziel, diese „Lästerung“ gegen seinen jüdischen Glauben völlig auszurotten.

ad b)  Die Bekehrung

Saulus reiste nach Damaskus (Apg. 9,1ff), um die Christen dort zu verfolgen und gefangen zu nehmen. Plötzlich erstrahlte vom Himmel ein helles Licht, das ihn zu Boden warf und erblinden ließ. Eine Stimme fragte ihn: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Als er auf seine Frage „Wer bist du, Herr?“ die Antwort hörte: „Ich bin Jesus, den du verfolgst“ wurde ihm die erschreckende Wahrheit klar: Die Botschaft, die er auszurotten versuchte, war richtig, Jesus Christus war auferstanden. Er, Saulus, war auf dem falschen Weg. Er zögerte keinen Augenblick, sein Entschluss kam sofort: „Was soll ich tun, Herr?“. Der Wille des Verfolgers Saulus von Tarsus wurde einem neuen Herrn übergeben; er wurde beauftragt, Prediger und Apostel zu sein.

Hinweis auf die Gemeindeverfolgung des Paulus:

1. Kor. 15,9

„... weil ich die Versammlung Gottes verfolgt habe“

Gal. 1,13

„... dass ich die Versammlung Gottes über die Maßen verfolgte und sie zerstörte...“

Phil. 3,6

„... ein Verfolger der Versammlung ...“

1. Tim. 1,13

„... der zuvor ein Lästerer und Verfolger und Gewalttäter war ...“

Apg. 8,1

„... Saulus aber willigte in seine (Stephanus) Tötung mit ein ...“

Apg. 8,3

„... Saulus aber verwüstete die Versammlung, indem er der Reihe nach in die Häuser ging; und er schleppte Männer und Weiber fort und überlieferte sie ins Gefängnis.“

Apg. 9,1 – 2

„... Saulus aber, noch Drohung und Mord wider die Jünger des Herrn schnaubend ...
fände, sowohl Männer als Weiber, als sie gebunden nach Jerusalem führe ...“

Apg. 9,13 – 14

„... von diesem Manne gehört, wie viel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem getan hat ...“

Apg. 22,4 – 5

„... der ich diesen Weg verfolgt habe bis zum Tode, indem ich sowohl Männer als Weiber band und in die Gefängnisse überlieferte ...“

Paulus war sich aber sein ganzes Leben lang der Gnade und der Berufung bewusst, die er bei seiner Bekehrung erlebt hatte. Gott hat ihm seine Bosheit vergeben und ihn berufen, ein Botschafter des auferstandenen Herrn Jesus Christus zu werden.

1. Kor. 15,10

„Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin ...“

Gal. 1,15 – 16

„Als es aber Gott ... wohlgefiel ...“

1. Tim. 1,13

„... aber mir ist Barmherzigkeit zuteil geworden“

Apg. 9,15

„Der Herr aber sprach zu ihm (Ananias): Gehe hin; denn dieser ist mir ein auserwähltes
Gefäß ...“

Apg. 26,16

... denn hierzu bin Ich dir erschienen, dich zu einem Diener und Zeugen
zu verordnen ...“

ad c)  Nach der Bekehrung

Das Leben von Paulus nach seiner Bekehrung kann in drei Abschnitte unterteilt werden:

     I)  die „stillen“ Jahre
    II)  die Jahre, über die in der Apostelgeschichte berichtet wird
  III)  die Jahre nach der Apostelgeschichte bis zum Tod

I) Die „stillen“ Jahre

Über die 10 – 15 Jahre unmittelbar nach der Bekehrung von Paulus wird nur sehr wenig berichtet. Die Schrift sagt nur, dass

Man kann nur raten, was Paulus in diesen „stillen“ Jahren getan hat. Es gibt zwei mögliche Erklärungen:

II) Die Jahre, über die in der Apostelgeschichte berichtet wird

Diese Zeitperiode beginnt in Antiochien in Syrien und endet im Gefängnis in Rom. Aus dieser Zeit stammen folgende 10 Briefe:
Galater, 1. + 2. Thessalonicher, 1. + 2. Korinther, Römer, Philemon, Kolosser, Epheser, Philipper (Reihenfolge gemäß dem Datum der Niederschrift).

III) Die Jahre nach der Apostelgeschichte bis zum Tod

Wieder auf freiem Fuß, reiste und kämpfte Paulus weiter für das Evangelium, bis er wieder gefangen genommen und nach Rom gebracht wurde. Die Tradition berichtet, dass er von Kaiser Nero als Märtyrer hingerichtet wurde.

Aus diesen letzten Jahren stammen: 1. Timotheus, Titus, 2. Timotheus.

Karte 56  -  Das Leben des Paulus

n. Chr.

A) VOR DER BEKEHRUNG
  1. Jude - Geburt und Ausbildung
  2. hellenistischer Jude - Kultur
  3. Römer - Staatsbürgerschaft

       Jerusalem - Gamaliel  (Pharisäer/Zeltmacher)

33

B) DIE BEKEHRUNG

       „Was soll ich tun, Herr?“

 

33 - 35
35

C) NACH DER BEKEHRUNG

       Zeit in Damaskus, Arabien, erste Reise nach Jerusalem
       zurück nach Tarsus

DIE STILLEN JAHRE

45 Dienst mit Barnabas in Antiochien in Syrien, zweite Reise nach
Jerusalem; Helfer während Hungersnot

DIE IN DER APOSTEL-GESCHICHTE
BERICHTETEN JAHRE

47 - 48 ERSTE MISSIONSREISE - GALATIEN
49 GALATERBRIEF
49 - 50 dritte Reise nach Jerusalem; Apostelkonzil
50 - 51 1. und 2. THESSALONICHERBRIEF
50 - 52 ZWEITE MISSIONSREISE - MAZEDONIEN, ACHAIA
53 - 56 DRITTE MISSIONSREISE - ASIEN
55 - 56 1. und 2. KORINTHERBRIEF
RÖMERBRIEF
57 Gefangennahme in Jerusalem
58 - 60 Gefangenschaft in Cäsarea
60 REISE NACH ROM
60 - 61 PHILEMON, KOLOSSERBRIEF,
EPHESERBRIEF, PHILIPPERBRIEF

 

n. Chr.

C)   NACH DER BEKEHRUNG

62 - 67
64 - 65
67
67 - 68
67 - 68

       FREISPRUCH UND WEITERE REISEN                 
       1. TIMOTHEUSBRIEF, TITUSBRIEF
       LETZTE GEFANGENSCHAFT IN ROM
       2. TIMOTHEUSBRIEF
       HINRICHTUNG IN ROM

DIE JAHRE DANACH BIS ZUM TOD

2) DIE BRIEFE DES PAULUS

Um einen einfachen Überblick zu gewinnen, können die Briefe des Paulus in vier Gruppen unterteilt werden, die sich aus dem Zeitpunkt der Niederschrift und dem Thema ergeben.

1) DIE ENDZEIT-BRIEFE

1. + 2.  Thessalonicher  - EINLEITUNG

            Thema:  die Endzeit und die Wiederkunft Jesu Christi
            Datum der Niederschrift:  zweite Missionsreise

2) DIE HEILS-BRIEFE

Römer, Galater, 1. + 2. Korinther -  CHRISTUS FÜR UNS - Er starb für uns  - Antwort auf das Judentum

Thema:  die Lehre über das Heil
                          1. + 2. Korinther -   das Heil in der örtlichen Gemeinde ausgelebt
                          Galater              -   das Heil durch Glauben, nicht durch Werke
                                                         das Wesen des Evangeliums
                          Römer                -   die Erklärung des Heils für den sündhaften Menschen;
                                                         für Juden oder Heiden
Datum der Niederschrift: dritte Missionsreise(mit Ausnahme des Galaterbriefes, der wahrscheinlich während der ersten Missionsreise geschrieben wurde)

3) DIE CHRISTUS-BRIEFE oder GEFÄNGNIS-BRIEFE

Philemon,  Kolosser, Epheser, Philipper - CHRISTUS IN UNS   wir müssen mit ihm sterben - Antwort auf den Hellenismus

            Thema:  die Person und das Werk Jesu Christi
                          Philemon            -   persönlicher Brief an Philemon wegen seines Knechtes Onesimus.
                                                         Es wird darin das Prinzip der göttlichen Vergebung durch das
                                                         stellvertretende Einstehen eines anderen (Christus) beschrieben.
                          Kolosser             -   Christus, das Haupt der Gemeinde
                          Epheser              -   die Gemeinde, der Leib Jesu Christi
                          Philipper            -   die Erniedrigung des Christus in seiner Menschwerdung und die
                                                         daraus resultierende Erhöhung.
           
            Datum der Niederschrift:  während der ersten Gefangenschaft in Rom

4) DIE GEMEINDE-BRIEFE oder PASTORAL-BRIEFE

1. Timotheus, Titus, 2. Timotheus - ABSCHLUSS

            Thema:  die Leitung der örtlichen Gemeinde

            Datum der Niederschrift:  nach der Befreiung aus der ersten Gefangenschaft

Karte 57  -  Die Briefe des Paulus

GRUPPE

BRIEFE

MERKMALE

  1     DIE ENDZEIT-BRIEFE
         2. Missionsreise

1. + 2. Thessalonicher

prophetisch
die christliche Hoffnung
die Wiederkunft Jesu Christi
die Vollendung des Heils

  2     DIE HEILS-BRIEFE
         3. Missionsreise

Galater
1. + 2. Korinther
Römer

lehrmäßig
der christliche Glaube
das Kreuz Jesu Christi
der Plan des Heils

  3     DIE CHRISTUS-BRIEFE
         1. Gefangenschaft in Rom

Philemon
Kolosser
Epheser
Philipper

geistlich
das christliche Leben
die Person Jesu Christi
die Vorrechte des Heils

  4     DIE GEMEINDE-BRIEFE
         kurz vor dem Tod

1. Timotheus
Titus
2. Timotheus

pastoral
die christlichen Eigenschaften
die Gemeinde Jesu Christi
das Endziel des Heils

 

Karte 58 -  „in Christus“ in den Briefen von Paulus

„In Christus“ sind vielleicht zwei der wichtigsten Wörter im NT, die in jedem Brief das Thema offenbaren und einen Überblick über das christliche Leben darbieten.

BRIEF

THEMA

ÜBERBLICK

Römer

gerechtfertigt  in Christus (3,24)

Grundlage des christlichen Lebens

1. Korinther

geheiligt  in Christus (1,2)

nicht theoretisch, sondern praktisch

2. Korinther

getröstet  in Christus (1,5)

in Augenblicken der Not -
der Gott allen Trostes

Galater

befreit  in Christus (2,4)

befreit vom Gesetz (2,19 – 20)
befreit vom Fleisch (5,24)
befreit von der Welt (6,14)

Epheser

erhöht  in Christus (1,3;  2,6)

Stellung in den himmlischen Örtern

Philipper

erfreut  in Christus (1,26)

das „normale“ Christenleben

Kolosser

vollendet  in Christus (2,9 – 10)

durch die ganze Fülle der Gottheit

Philemon

gnädig  in Christus (15 – 16)

der Christ vergibt und vergisst

1. Thessalonicher

voll Hoffnung  in Christus (1,3)

die Wiederkunft Jesu Christi

2. Thessalonicher

verherrlicht  in Christus (1,12; 2,14)

die Zuversicht bei der Wiederkunft

1. Timotheus

dienen  in Christus (4,6)

die Verantwortung des Gläubigen

Titus

vorbildlich  in Christus (2,7 – 8)

für andere Gläubige und für die Welt

2. Timotheus

siegreich  in Christus (4,6 – 8)

den guten Kampf gekämpft
den Lauf vollendet
den Glauben bewahrt


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