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1. THESSALONICHER 1 - 5
2. THESSALONICHER 1 - 3

TEIL 25

HAUSAUFGABE

BIBEL: Apostelgeschichte 17,1-9; 1. Thessalonicher 1 - 5; 2. Thessalonicher 1 - 3 aufmerksam durchlesen.

FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen, bevor die Unterlagen durchgelesen werden.

a) Beschreibe in eigenen Worten die Gründung der Gemeinde in Thessalonich (Apg. 17,1-9).

b) Was haben die folgenden Stellen des 1.Thessalonicher mit folgenden Stellen gemeinsam?
1,9-10; 2,19-20; 3,11-13; 4,13-18; 5,23-24

c) Welche Eigenschaften von Paulus werden in 2,1 - 3,13 hervorgehoben?

d)Warum schrieb Paulus den 2.Thessalonicherbrief?

UNTERLAGEN: NT-Teil 25 aufmerksam durchlesen

EINLEITUNG ZU DEN ENDZEIT-BRIEFEN

Gruppe 1 - Die Endzeit Briefe

  1. Thessalonicherbrief
  2. Thessalonicherbrief

Diese Briefe wurden aufgrund von Berichten über die Leiden der Gläubigen in Thessalonich geschrieben (1. Thess. 3,1 - 10). Paulus sandte Timotheus nach Thessalonich zurück und als er ihn in Korinth wieder traf, berichtete Timotheus über die Lage in Thessalonich. Paulus schrieb dann diese Briefe an die Gläubigen als Danksagung für ihre Standfestigkeit und auch als Trost und Ermutigung inmitten ihrer Drangsal. Es wurde unter den Gläubigen auch eine Irrlehre bezüglich dem Tag des Herrn und der Wiederkunft Jesu Christi verbreitet und Paulus schrieb auch, um diese falsche Lehre zu korrigieren.

Weiters gab es in der Gemeinde auch gewisse Probleme, welche aufgrund des griechischen Hintergrundes der Gläubigen entstanden waren:

  1. Sexuelle Gewohnheiten (1. Thess. 4,1-8)
  2. Einstellung zur Arbeit (erniedrigend) (1. Thess. 4,9-12)
  3. Hoffnungslosigkeit bezüglich des Todes (1. Thess. 4,13-18)
  4. Irrlehre bezüglich dem Tag des Herrn (2. Thess. 1,3 - 2,12)
  5. Die Tendenz einiger, angesichts dem Tag des Herrn, nicht mehr arbeiten zu wollen (2. Thess. 3,10-12).

Paulus gab praktische Ratschläge zur Behandlung dieser Probleme. Obwohl der Herr wiederkommen würde, hatten die Gläubigen die Verantwortung, sich auf diesen Tag hin heiligen zu lassen.

Die Endzeit-Briefe wurden zuerst geschrieben (ausgenommen Galaterbrief), ihr Inhalt jedoch, die Wiederkunft Jesu Christi, wird zuletzt erlebt.

Die Wiederkunft Jesu Christi in den Endzeit-Briefen:

a) „apokalypsis“ - eine Enthüllung (2. Thess. 1,7) deutet auf das Sichtbarwerden des Herrn bei seiner Wiederkunft hin

b) „parusia“ - die persönliche Anwesenheit (1. Thess. 2,19; 3,13; 4,15; 5,23; 2. Thess. 2,1; 2,8) deutet auf eine leibliche, nicht geistliche, Wiederkunft hin

c) „epiphaneia“ - eine Erscheinung (2. Thess. 2,8) deutet auf die Herrlichkeit Seiner Wiederkunft hin

Wie der Name bereits sagt, behandeln die Endzeit-Briefe die Endzeit und im Besonderen die Wiederkunft des Herrn und den Tag des Herrn.

Weshalb muss der Herr Jesus Christus wiederkommen?

Auf diese Frage gibt es eine dreifache Antwort:

  1. um die Seinen zu erlösen - d. h. die Entrückung
  2. um die sündige Welt zu richten - d. h. der Tag des Herrn
  3. um Sein ewiges Reich der Gerechtigkeit und des Friedens aufzurichten - d. h. das Tausendjährige Reich

Der 1. Thessalonicherbrief behandelt die Wiederkunft des Herrn von der Warte der Gläubigen aus und betont die Entrückung.

Im Zusammenhang mit der Entrückung kann man drei Aspekte erwähnen:

  1. Was ist die Entrückung?
    Gottes Vorkehrung, seine Kinder von dem Ort seines Gerichtes (d. h. von dieser Welt) zu entfernen
    (1. Kor. 15,51 - 53; 1. Thess. 4,14 - 18)
    Gottes Vorkehrung, seine Kinder mit ihrem viel geliebten Herrn für alle Ewigkeit zu vereinen
    (1. Thess. 4,17)

  2. Wie geht die Entrückung vor sich?
    für die entschlafenen Gläubigen - unverweslich auferweckt (1. Kor. 15,52)
    für die lebenden Gläubigen - verwandelt werden(1. Kor. 15,52)
    beide bekommen einen Herrlichkeitsleib - Phil. 3:"!

  3. Wann ist die Entrückung?
    Vor dem Zorn und dem Gericht Gottes auf diese Welt.
    Bei der letzten Posaune (1. Kor. 15,52; 1. Thess. 4,16)

2. Thessalonicher hingegen behandelt zwar auch die Wiederkunft des Herrn, betont aber den Tag des Herrn.

Im Zusammenhang mit dem Tag des Herrn können zwei Aspekte erwähnt werden:

1. Was ist der Tag des Herrn?
Gottes Zorn und Gericht für eine sündhafte Welt (Jes. 13,9-11; Kol. 3,5)
Gottes Zorn und Gericht für den Antichrist und sein Reich (Offb. 16,10; 19,11-21)
Gottes Schlussstrich unter die Rebellion der Menschheit (Offb. 11,15)
Der Anfang des ewigen Reiches Gottes unter der Herrschaft Jesu Christi (Offb. 11,15-17)

2. Wann ist der Tag des Herrn?
nach dem sechsten Siegel (Offb. 6,16-17)
nach der siebenten Posaune (Offb. 11,18)
während der Zeit der sieben goldenen Zornschalen (Offb. 15,1; 15,7-8; 16,1-21)
nach dem Abfall und der Offenbarwerdung des Antichristen

Der 2. Thessalonicherbrief offenbart zwei Geschehnisse, welche vor dem Tag des Herrn stattfinden (2. Thess. 2,1-12):


DIE GRÜNDUNG DER GEMEINDE IN THESSALONICH

Thessalonich lag auf einer wichtigen militärischen Straße im Osten und war seit 44 n. Chr. ein Marinehafen der römischen Kriegsmarine. Die Stadt lag in einer fruchtbaren Ebene und war ein wichtiges Handels- und Kulturzentrum. Seit Mazedonien 148 n. Chr. eine römische Provinz wurde, war Thessalonich der Sitz der Provinzregierung. In den letzten Tagen der römischen Republik hatte sich die Stadt auf die Seite von Octavianus (Kaiser Augustus), dem Großneffen Cäsars, und Marcus Antonius, gegen die Mörder Cäsars in der Schlacht zu Philippi (42 v. Chr.) gestellt. Als Belohnung dafür erhielt die Stadt die Bezeichnung „Freistadt“. Diese politische Unabhängigkeit wird in Apg. 17,6 und 17,8 gezeigt, und zwar durch den Ausdruck „die Obersten der Stadt“ (gr. „Politarchen“). Den überwiegenden Teil der Bevölkerung der Stadt bildeten Heiden, obwohl es eine kleine aber selbstbewusste Minderheit von Juden gab, die sogar ihre eigene Synagoge besaßen. Die Gemeinde bestand aus etlichen Juden, die gläubig wurden „und von den anbetenden Griechen eine große Menge und der vornehmsten Frauen nicht wenige“ (Apg. 17,4). Dies waren die Gläubigen, welche durch die Predigten in der Synagoge gerettet wurden. Es scheint aber, dass Paulus nicht nur am Sabbat in der Synagoge predigte, sondern auch unter der Woche auf den Straßen und in den Märkten. Viele Heiden, welche vorher Götzendiener waren, wurden gläubig (1. Thess. 1,9-10).

Karte 59 - Die Reise nach Thessalonich

In Apg. 16 wird berichtet, wie Paulus auf seiner zweiten Missionsreise (Apg. 15,36 - 18,22) das Ägäische Meer von Troas nach Philippi überquerte. Danach kam er mit Timotheus und Silas nach Thessalonich (Apg. 17,1-9), welche die größte und wichtigste Stadt Mazedoniens war. Wie bereits erwähnt wurde, war Thessalonich eine freie Stadt und Rom als auch dem Kaiser sehr loyal. Paulus fing sogleich an in der Synagoge den dort anwesenden Juden zu predigen, „indem er eröffnete (die Schriften) und darlegte, dass der Christus leiden und aus den Toten auferstehen müsste...“ (17,2-3). Paulus wird der Behauptung „...dass ein anderer König sei ... Jesus“ (17,7) beschuldigt und vor die Politarchen, dem Magistrat der Stadt, gebracht. Aufgrund der zunehmenden Bedrängnis vonseiten der eifersüchtigen Juden wird Paulus aufgefordert, die Stadt zu verlassen. Er reiste weiter nach Beröa und Athen, von wo aus er dann Timotheus zurücksandte, um zu sehen wie die junge Gemeinde den Verfolgungen standgehalten hat. Timotheus kehrt dann wieder zurück und überbringt Paulus, der inzwischen nach Korinth gekommen war, einen positiven Bericht, welcher der Anlass für das Schreiben dieses Briefes war.

1. THESSALONICHERBRIEF

Einige wichtige Informationen über den Brief werden in den folgenden Punkten kurz zusammengefasst:

1. Gruppe: 1- Die Endzeit-Briefe

2. Datum der Niederschrift:
ca. 50/51 n. Chr., während der zweiten Missionsreise von Korinth aus geschrieben (Apg. 15,36 - 18,22)

3. Hintergrund: Apg. 17,1-9

4. Leserschaft: Die Gemeinde in Thessalonich


5. Absicht:

a) Danksagung für die Standfestigkeit der Gläubigen
b) Trost und Ermutigung für die schwergeprüften Gläubigen
c) Die falsche Lehre bezüglich dem Tag des Herrn und der Wiederkunft Jesu zu korrigieren
d) Verteidigung seines Dienstes als Apostel gegen die Anschuldigung der Juden

6. Schlüsselwort: Die Wiederkunft Jesu Christi (1.Thess. 1,10; 2,19; 3,13; 4,13-18; 5,1-11; 5,23)

7.Schlüsselvers: „Denn dies ist Gottes Wille: eure Heiligkeit“ (4,3)
„… der Gott des Friedens, heilige euch völlig … bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus“ (5,23)

8. Merkmale:

a) die Wiederkunft des Herrn von der Sicht der Gläubigen aus – Trost und Hoffnung
b) der Höhepunkt eines jeden Kapitels – die Wiederkunft Jesu Christi (1,10; 2,19; 3,13; 4,16; 5,23)

c) die Zusammenfassung des christlichen Lebens (1,9-10)
die Vergangenheit - „ihr euch bekehrt habt“
die Gegenwart - „zu dienen“
die Zukunft - „zu erwarten“

d) die Dreieinigkeit - Glaube, Liebe, Hoffnung (1,3)
Glaube - Werke (1,3; 1,8; 3,2; 3,6; 3,7; 3,10; 5,8)
Liebe - Bemühungen (1,3; 3,6; 3,12; 4,9 [2x]; 5,8; 5,13)
Hoffnung - Ausharren (1,3; 2,19; 4,13; 5,8)


9. Die Unterteilung des 1. Thessalonicherbriefes:

Karte 60 - Die Unterteilung des 1. Thessalonicherbriefes

EINTEILUNG DES 1. THESSALONICHERBRIEFES

HAUPTGEDANKE:

DIE WIEDERKUNFT JESU CHRISTI
DIE ENTRÜCKUNG: TROST UND HOFFNUNG

1) BEGRÜSSUNG - 1,1

2) DANKSAGUNG - 1,2 - 10

3) DIENST DES PAULUS VERTEIDIGT - 2,1 - 3,13

4) CHRISTLICHER WANDEL KLARGELEGT - 4,1 - 5,24

a) Ermahnung, den Willen Gottes zu tun (4,1 - 12)
b) Erwartung der Wiederkunft Christi (4,13 - 18)
c) Anwendung auf das christliche Leben (5,1 - 24)

5) SCHLUSSWORT 5,25 - 28

1) BEGRÜSSUNG 1,1

Die apostolische Mannschaft grüßt:

Paulus – der mächtige Apostel und Evangelist

Silvanus – auch Silas genannt, war ein hellenistischer Jude aus der Gemeinde in Jerusalem (Apg. 15,22).
Es scheint, dass auch er, wie Paulus, die römische Staatsbürgerschaft besaß (Apg. 16,37). Nach der Apostelversammlung in Jerusalem um 50 n. Chr., wurde Silas von der Führerschaft beauftragt, mit Paulus und Barnabas nach Antiochien zu gehen (Apg. 15,22; 15,32). Paulus erwählte ihn als seinen Mitarbeiter für die zweite Missionsreise, nachdem er (Paulus) und Barnabas einen heftigen Streit hatten (Apg. 15,40). Er litt auch mit den Aposteln in Philippi. Später blieb er mit Timotheus in Beröa zurück, als Paulus alleine nach Athen weiterreiste (Apg. 17,14). Erst in Korinth hört man wieder von ihm (Apg. 18,5). Seine Gegenwart in Korinth wird einige Male erwähnt (2. Kor. 1,19; 1. Thess. 1,1; 2. Thess. 1,1).

Wahrscheinlich ging er dann mit Paulus nach Jerusalem zurück, wo er auch blieb. Viele glauben, dass er derselbe Silvanus war, welcher als Überbringer des 1. Petrusbriefes an die „Fremdlinge in der Zerstreuung“ angeführt wird (1. Petr. 1,1; 1. Petr. 5,12).

Timotheus – der Name bedeutet „Gott verehrend“;
Er war das Kind einer Mischehe, die zwar von dem jüdischen Gesetz her verboten war, doch sehr häufig vorkam. Seine Mutter, Eunike, war eine Jüdin; sein Vater, der Name ist unbekannt, war Heide (Apg. 16,1-3). Timotheus kam wahrscheinlich zum Glauben, als Paulus während seiner ersten Missionsreise Lystra besuchte (Apg. 14,6ff; 2. Tim. 1,5). Während seiner zweiten Missionsreise kam Paulus wieder in Lystra vorbei. Timotheus, mittlerweile unter der Führung der örtlichen Ältesten (Apg. 14,23), war so im Glauben gewachsen, dass Paulus beschloss, ihn mitzunehmen. Er wurde beschnitten und durch die Händeauflegung des Apostels für die Arbeit in der apostolischen Mannschaft abgesondert (Apg. 16,3; 1. Tim. 4,14; 2. Tim. 4,5). Ab diesem Zeitpunkt war er ohne Zweifel der engste Mitarbeiter von Paulus. (Mehr Einzelheiten über die Person von Timotheus werden noch später in den Unterlagen gegeben).

2) DANKSAGUNG 1,2 – 10

In diesem Abschnitt wird die Kraft des Evangeliums gezeigt, wie dadurch Menschenleben vollkommen verändert werden können. Drei Aspekte kann man hierzu erwähnen:

1. die geänderte Lebensweise der Thessalonicher

(Das Wort „Werk“ ist im Griechischen „ergon“ und bedeutet eine Arbeit oder eine Beschäftigung, die immer etwas hervorbringt; das Wort „Bemühung“ ist im Griechischen „kopos“ und bedeutet Arbeit, welche ermüdet und einen Verlust der Kraft mit sich bringt; „Ausharren“ ist im Griechischen „hypomone“ und bedeutet ein Darunterbleiben).

Seinen Sohn aus dem Himmel zu erwarten (V. 10).

2. die Grundlage für die geänderte Lebensweise der Thessalonicher

Das Evangelium wurde ihnen unter „idealen Umständen“ gepredigt.

seitens des Predigers

seitens der Hörer

in Kraft (V. 5)

in vieler Drangsal (V. 6)

im Heiligen Geist (V. 5)

UND

mit Freude des Heiligen Geistes (V. 6)

in großer Gewissheit (V. 5)

3. die Folge der geänderten Lebensweise der Thessalonicher

Sie wurden zu Vorbildern (gr. „typos“ – eine Form, eine Ähnlichkeit) für alle Gläubigen in Mazedonien und Achaja (V. 7).

Das Zeugnis wurde ausgebreitet, nicht allein in Mazedonien und Achaja, sondern an jedem Ort (V. 8).

3) DIENST DES PAULUS VERTEIDIGT 2,1 - 3,13

In diesem Abschnitt des Briefes beantwortet Paulus Anschuldigungen seitens der Feinde des Evangeliums in Thessalonich. Sie behaupteten, dass Paulus mit den zahlreichen Scharlatanen zu vergleichen sei, welche die großen Städte des Römischen Reiches häufig durchzogen, um ihre „Waren“ lauthals anzupreisen.

In 2,4 sagt Paulus: „sondern so, wie wir von Gott bewährt worden sind mit dem Evangelium betraut zu werden…“. Warum betraute Gott Paulus mit dem Evangelium? Vier Gründe werden angegeben:

2,1 - 2

seine FREIMÜTIGKEIT (MUT)

2,3 - 6

seine INTEGRITÄT

2,7 - 3,8

sein HERZ FÜR MENSCHEN

3,9 - 13

seine TREUE

sein Herz für Menschen (2,7-3,8):

  • wie eine stillende Mutter (2,7-8)
  • wie ein liebender Vater (2,9-20)
  • wie ein besorgter Freund (3,1-8)

    4) CHRISTLICHER WANDEL KLARGELEGT 4,1 - 5,24

    Paulus schreibt den Thessalonichern, was der Wille Gottes für ihr Leben ist: „eure Heiligkeit“ (4,3) (eigentlich: Heiligung oder Geheiligtsein). In den nachstehenden Versen gibt der Apostel Auskunft über die verschiedensten Bereiche im Leben, wo „das Geheiligtsein“ der Kinder Gottes „hervorleuchten“ soll.

    ad a) Ermahnung, den Willen Gottes zu tun 4,1 – 12

    Man kann hier zwei klare Ermahnungen erkennen:

    1) Das Zeugnis von der Welt angesichts zunehmender Unmoral (4,1 – 8). Vor allem in der heidnischen Umwelt von Thessalonich, wo Unmoral und Unsittlichkeit zur Tagesordnung gehörte und sogar im Rahmen der mystischen Religionen gefördert wurde, sollten die Kinder Gottes durch ihren keuschen Wandel ein klares Zeugnis sein.

    2) Das Zeugnis vor der Welt angesichts zunehmender Verantwortungslosigkeit (4,9-12). Als Timotheus dem Paulus von der Gemeinde berichtete, nannte er unter anderem zwei Schwächen und eine Stärke der Geschwister:

    Schwächen:
    - Moral (4:1-8)
    - Arbeiten (4:11-12)

    Stärke:
    - Bruderliebe (4:9-10)

    Nachdem Paulus sie für ihre Liebe gelobt hatte, ermahnt er die Gemeinde: „…euch zu beeifern, still zu sein und eure eigenen Geschäfte zu tun und mit euren eigenen Händen zu arbeiten…“ (4,11).

    ad b) Erwartung der Wiederkunft Jesu Christi 4,13 – 18

    Einige der Gläubigen in Thessalonich sind gestorben (vielleicht durch Verfolgung); die Übriggebliebenen trauerten. Sie wussten offenbar nichts von der herrlichen christlichen Hoffnung. Ein Ausschnitt aus einem Brief des 2. Jahrhunderts zeigt, wie die Menschen dieser Zeit, welche ohne der christlichen Hoffnung waren, einander im Angesicht des Todes zu trösten versuchten. (Dieser Brief entstammt der Oxyrhynchus Papyri).

    „Irene an Taonnophris und Philo Grüße.
    Es tut mir leid und ich trauere um den, der von uns gegangen ist, so wie ich um Didymas getrauert habe. Ich und meine ganze Familie, Epaphroditus und Thermuthion und Philion und Apollonius und Plantas, haben alles getan, was zu tun war. Doch gegen so etwas (den Tod) kann man nichts unternehmen. Daher tröstet einander.
    Alles Gute.“

    Wenn man diese Worte mit den Aussagen von Paulus vergleicht, sieht man den ganzen Unterschied:

    ad c) Anwendung auf das christliche Leben 5,1 – 24

    Man könnte diesen Abschnitt wie folgt zusammenfassen:

    Die Wiederkunft Jesu Christi:

    1. ist eine Quelle des Trostes (4,13-18)
    2. ist eine Herausforderung (5,1-11)
    3. bestimmt jeden Bereich des Alltagslebens (5,12-25)

    Die Folge all dessen ist ein völlig geheiligtes Individuum bei der Wiederkunft des Herrn (5,23). Paulus endet mit einem Wort der Zuversicht und Hoffnung: „Treu ist, der euch ruft; der wird es auch tun.“ (5,24)

    5) SCHLUSSWORT 5,25 – 28

    Trotz der verschiedenen „Problemkinder“ in der Gemeinde, sagt Paulus „dass der Brief allen heiligen Brüdern vorgelesen werde“. (5,27)


    2. THESSALONICHERBRIEF

    Kurz nach dem ersten Brief schrieb Paulus diesen Brief von Korinth aus, und zwar hauptsächlich wegen der falschen Vorstellung bezüglich „dem Tag des Herrn“. Jemand hatte einen Brief geschrieben (2,2), der angeblich von Paulus stammen sollte, worin behauptet wurde, dass der Tag des Herrn schon gekommen sei und die Drangsal, welche die Gläubigen zur Zeit durchmachten, die „Trübsal“ wäre.

    Die Gläubigen in Thessalonich waren von diesem Brief „erschüttert“ und Paulus schrieb ihnen, um die Lage zu klären und die Gläubigen zu trösten – der Tag des Herrn kann nicht stattfinden, bis der Abfall und der Mensch der Sünde kommen – diese Ereignisse waren aber noch nicht eingetroffen, daher konnte der Tag des Herrn unmöglich schon gekommen sein.

    Einige wichtige Informationen über den Brief werden in den folgenden Punkten kurz zusammengefasst:

    1) Gruppe: 1- Die Endzeit-Briefe

    2) Datum der Niederschrift: ca. 50/51 n.Chr. während der zweiten Missionsreise von Korinth aus geschrieben (Apg. 15,36 – 18,22)

    3) Hintergrund: Apg. 17,1-9

    4) Leserschaft: die Gemeinde in Thessalonich

    5) Absicht: eine Aufklärung bezüglich dem Tag des Herrn, da ein falscher Brief „von Paulus“ die Gläubigen beunruhigte (2,2)

    6) Schlüsselwort: Gericht (1,5; 2,12)

    7) Schlüsselvers: „Lasst euch von niemand auf irgendeine Weise verführen, denn (dieser Tag des Herrn kommt nicht), es sei denn, dass zuerst der Abfall komme und geoffenbart worden sei der Mensch der Sünde…“ (2,3)

    8) Merkmale:
    a) die Wiederkunft des Herrn aus der Sicht der Ungläubigen – Gericht
    b) der Mensch der Sünde (Antichrist) (2,1-12)
    c) „der, welcher zurückhält…“ (2,7)

    Wer ist dieser, der den Antichristen zurückhält? Es gibt dazu einige verschiedene Theorien:
    1. das römische Reich und der Kaiser
    2. Gesetz und Ordnung
    3. der Heilige Geist und die Gemeinde

    9) Die Unterteilung des 2. Thessalonicherbriefes

    Karte 61 – Die Unterteilung des 2. Thessalonicherbriefes

    1,1 – 2

    BEGRÜSSUNG

    1,3 – 12

    2,1 – 17

    3,1 – 16

    3,17 – 18

    SCHLUSS-WORT

    ERWARTUNG
    DES TAGES DES HERRN

    BESCHREIBUNG DES TAGES DES HERRN

    ERMAHNUNG ZUM GEBET UND RICHTIGEN VERHALTEN ANGESICHTS
    DES TAGES DES HERRN

    EINTEILUNG DES 2. THESSALONICHERBRIEFES

    HAUPTGEDANKE:

    DIE WIEDERKUNFT DES HERRN
    DER TAG DES HERRN: GERICHT


    Mit dem „Tag des Herrn“ als Zentralthema tröstet (Kapitel 1), warnt (Kapitel 2) und ermahnt (Kapitel 3) Paulus die Gläubigen.

    1) BEGRÜSSUNG 1,1 - 2

    2) ERWARTUNG DES TAGES DES HERRN 1,3 - 12

    3) BESCHREIBUNG DES TAGES DES HERRN 2,1 - 17

    4) ERMAHNUNG ZUM GEBET UND RICHTIGEN VERLATEN
    ANGESICHTS DES TAGES DES HERRN 3,1 - 16

    5) SCHLUSSWORT 3,17 - 18

    In 1. Thess. 5,14 wurden drei Menschengruppen erwähnt, welche sich in der Gemeinde befanden:

    In diesem zweiten Brief schreibt Paulus diesen Menschen, ganz besonders im Hinblick auf die im Umlauf befindliche falsche Lehre, dass der Tag des Herrn bereits gekommen sei. Die Unordentlichen hatten durch diese falsche Lehre eine neue Argumentation, dass sie nicht arbeiten sollten; die Schwachen und Kleinmütigen wurden, angesichts dessen was auf sie zukommen sollte, mit Furcht erfüllt.

    1) BEGRÜSSUNG 1,1 – 2

    Die apostolische Mannschaft, Paulus, Silas und Timotheus, befindet sich noch in Korinth, wo der Widerstand gegen das Evangelium zu wachsen scheint (2. Thess. 1,7; 3,1-2).

    2) ERWARTUNG DES TAGES DES HERRN 1,3 – 12

    Die Verfolgung gegen die Gemeinde ging weiter, aber Paulus dankte, dass die Gläubigen standgehalten hatten und schrieb von der Zuversicht, dass der Tag kommen werde, an welchem der Herr Jesus vom Himmel geoffenbart werden wird und „Vergeltung gibt denen, die Gott nicht kennen…“ (1,8).

    Hier wird das Bild des Gerichtes Gottes gegen seine Feinde geschildert, welches im vollkommenen Gegensatz zum Bild der Wiederkunft des Herrn in 1. Thess. 4,13-17 steht, welches eine Quelle des Trostes für die Gläubigen ist.

    3) BESCHREIBUNG DES TAGES DES HERRN

    Durch falsche Berichte und einem falschen Brief bezüglich des Zeitpunktes des Tages des Herrn wurden die Gläubigen beunruhigt.Paulus sagte aber, dass der große Abfall (gr. „apostasia“) und der Mensch der Sünde vor dem Tag des Herrn kommen müssen, daher konnte die Zeit der gegenwärtigen Drangsal nicht der Tag des Herrn sein.

    Das Wort „erschüttert“ in 2,2 ist das griechische Wort „saleuo“ und wird verwendet, um die heftigen Bewegungen eines Schiffes, das zwar durch den Anker festgehalten, aber trotzdem durch den Wind und den hohen Seegang „erschüttert“ wird, zu beschreiben. Hier sieht man eine wichtige Angriffsmethode des Feindes. Die Erschütterung kommt von außen und zielt auf die Gesinnung (gr. „nous“) des Kindes Gottes. Die Absicht dahinter ist, den Gläubigen völlig durcheinander zu werfen und seine Augen von dem Herrn abzulenken.

    Am Ende dieses Abschnittes gibt Paulus eine gute Darstellung des christlichen Lebens:

    DAS CHRISTLICHE LEBEN - 2. THESS. 2,17

    4) ERMAHNUNG ZUM GEBET UND RICHTIGEN VERHALTEN ANGESICHTS DES TAGES DES HERRN 3,1 - 16

    Paulus erwähnt vor allem drei wichtige Aspekte angesichts des Tages des Herrn:

    1. Obwohl die Gläubigen in Thessalonich selbst unter Druck standen, sollten sie für die Verkündigung des Wortes Gottes beten, dass es „laufe“ (gr. „trecho“, bedeutet „in einem Wettrennen zu laufen“), und dass dieses Wort auch so aufgenommen werde, wie es bei ihnen aufgenommen worden war (3,1-3).

    2. Paulus ermahnt auch weiters zum Ausharren in der Liebe Gottes im Hinblick auf die Wiederkunft des Herrn (3,4-5).

    3. Auch den vielen gegenüber, die „unordentlich“ (gr. „ataktos“ = militärische Terminologie für jemanden, der widersetzlich und aufsässig ist) wandeln, sollen die Gläubigen die richtige Einstellung bewahren, nämlich sich zurückzuziehen. Paulus endet mit folgendem Grundsatz: „wenn jemand nicht arbeiten will, so soll er auch nicht essen“ (V. 10) (3,6-16)

    5) SCHLUSSWORT 3,17 – 18

    Der Apostel endet seinen Brief mit einem Gruß. Diese Worte aber schrieb er mit seiner eigenen Hand. Normalerweise diktierte Paulus seine Briefe und ein Sekretär schrieb sie für ihn. Der Galaterbrief dürfte die einzige Ausnahme darstellen (siehe Gal. 6,11). Der Apostel begnügt sich eben nur mit einem von eigener Hand geschriebenen Gruß (siehe auch 1. Kor. 16,21; Kol. 4,18).

    Was diesen Gruß aber so außergewöhnlich macht, sind die Worte „so schreibe ich“. Jetzt hatten die Gläubigen in Thessalonich ein Muster seiner Handschrift und würden daher von einem angeblichen Brief des Apostels nicht mehr getäuscht werden können.


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