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GALATERBRIEF 1 - 6

TEIL 26

HAUSAUFGABE

BIBEL:Apg. 13,1-14,28; Gal. 1 - 6 aufmerksam durchlesen

FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen, bevor die Unterlagen durchgelesen werden.

a) Schreibe eine kurze Zusammenfassung über die Gründung der Gemeinden in Galatien (Apg. 13,1 – 14,28).

b) Welche Einzelheiten über das Leben des Apostel Paulus werden in Gal. 1,11 – 2,21 gegeben?

c) Fasse die wichtigsten Argumente von Paulus in Gal. 3,1 – 4,31 zusammen.

d) Was ist die Frucht des Geistes? (Gal. 5,22-23)

UNTERLAGEN: NT-Teil 26 aufmerksam durchlesen

EINLEITUNG ZU DEN HEILS-BRIEFEN

Gruppe 2 - Die HEILS-BRIEFE

Galaterbrief
1.Korintherbrief
2.Korintherbrief
Römerbrief

Diese Briefe bilden den Kern der paulinischen Offenbarung. Sie wurden zu einem Zeitpunkt verfasst, als das Evangelium Gefahr lief, „nur“ ein Auswuchs des Judentums zu werden. Die Stimmen von etlichen, welche lehrten „Wenn ihr nicht beschnitten worden seid nach der Weise Moses, so könnt ihr nicht errettet werden“ (Apg. 15,1), wurden immer lauter und veranlassten Paulus, mit all seinen intellektuellen und geistlichen Fähigkeiten, eine Verteidigung für das Evangelium zu schreiben. Das Evangelium war nicht dasselbe wie das Gesetz Mose; Christentum war nicht dasselbe wie Judentum; Errettung kam durch Glauben an Jesus Christus und nicht durch das Halten des Gesetzes.

Paulus zeigte, dass das Heil seine Grundlage in der Gerechtigkeit Gottes hat; der Preis dafür war das Blut Jesu Christi; es wurde durch Glauben empfangen und das Individuum wurde dadurch gerechtfertigt; das Heil verpflichtet zu einem Leben der Heiligung und Hingabe; es hat Folgen sowohl im privaten als auch im Gemeindeleben; es berührt jeden Bereich des Lebens.

Auf Angriffe gegen das Evangelium hatte Paulus nur eine Antwort – das Kreuz von Golgatha und den gekreuzigten Christus.

Das Opfer Jesu Christi in den Heilsbriefen:

a)

das Kreuz

-

1. Kor. 1,17-18, Gal. 5,11; 6,12-14

b)

gekreuzigt

-

1. Kor. 1,13 + 23; 2,2 + 8; 2. Kor. 13,4; Gal.2,20; 3,1; 5,24; Gal. 6,14; Röm. 6,6

c)

das Blut

-

1. Kor. 11,27; 10,16; Röm. 3,25; 5,9

d)

das Sterben

-

1. Kor. 11,26; 15,3; 15,12; 15,23; 2. Kor. 4,10; 5,14-15; Gal. 2,21; Röm. 5,6; 5,10; 6,3-5; 6,8-9; 6,11; 7,4; Röm. 8,34; 10,7; 14,9; 14,15

Nachstehende Karte gibt eine überblicksmäßige Zusammenfassung der Heilsbriefe.

Kate 62 - die Heilsbriefe

GALATERBRIEF

das Heil durch Glauben
und nicht durch Werke

DAS WESEN DES EVANGELIUMS

1. KORINTHERBRIEF
der fleischliche Christ

2. KORINTHERBRIEF
der geistliche Christ

das Heil in der örtlichen Gemeinde ausgelebt

DIE MERKMALE DES EVANGELIUMS

RÖMERBRIEF

das Heil von der Warte
Gottes aus gesehen

DIE ERKLÄRUNG DES EVANGELIUMS

DIE GRÜNDUNG DER GEMEINDEN IN GALATIEN

Die Galater waren keltischer Abstammung, die aus Frankreich stammend etwa im 3. Jhdt. v. Chr. über die Donau und Adria nach Südosten (heutige Türkei) eindrangen. Sie verwickelten die dort ansässigen Griechen, vor allem das Reich Pergamon, in lange Kämpfe. Sie wurden gefürchtete Räuber und waren jahrhundertelang eine Plage, die das Land brandschatzten. Es gab Städte in Kleinasien, die eine eigene Keltensteuer von ihren Bürgern einhoben, um so die Forderungen der Eroberer zu erfüllen. Vor allem die Könige von Pergamon hatten mit den Galatern viele Kämpfe zu bestehen, bis es Eumenes II. von Pergamon (197 – 159 v. Chr.) gelang, einen entscheidenden Sieg über sie zu erringen. Zur Erinnerung an diesen Sieg erbaute er auf der Akropolis von Pergamon den berühmten Zeusaltar oder Pergamonaltar, welcher den Kampf der Griechen gegen die Galater in Gestalt eines siegreichen Ringens der Götter gegen die Giganten schildert. (Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser Altar in Offb. 2,13 mit „Thron Satans“ bezeichnet wurde). Die Reste dieses Altars wurden von deutschen Archäologen ausgegraben und stellen in dem bekannten Pergamonmuseum in Berlin eine bedeutende Sehenswürdigkeit dar.

Als die Römer das Land besetzten, zogen sie die Galater den einheimischen pergamesischen Führern vor und verbündeten sich mit ihnen gegen die unruhigen kleinasiatischen Volksstämme. Der letzte Galaterregent, Amyntas, starb im Kampf gegen die Pisidier (25 v. Chr.) und Kaiser Augustus machte seinem Reich durch eine römische Provinz ein Ende. Dadurch gehörten Lykaonien und Pisidien im weiteren Sinne auch zu Galatien (vergleiche 1. Missionsreise des Apostel Paulus).

Karte 63 - Die erste Missionsreise nach Galatien (Apg. 13,1 – 14,28)

Man kann diese erste Missionsreise wie folgt kurz zusammenfassen:

besuchte Städte

Personen

Hauptereignisse

erreichte Ziele

Antiochia

Paulus

Barnabas

Johannes-Markus

Seleukia

Zypern:

Salamis
Paphos

Auseinandersetzung mit Elymas in Paphos

Bekehrung des Sergius-Paulus in Paphos

Pamphylien:

Perge

Galatien:

Antiochia

Predigt in der Synagoge zu Antiochia in Pisidien (Galatien)

Bekehrung und Aufruhr in Antiochia

Ikonion

Lystra

Paulus und Barnabas in Lystra angebetet, danach wird Paulus gesteinigt

Gemeinde in Galatien gegründet,
Älteste eingesetzt

Derbe

GALATERBRIEF

Der Brief an die Galater ist von zwei Perspektiven aus sehr wichtig im NT:

In diesem Brief argumentiert Paulus gegen die Behauptung, dass ein Mensch durch Werke gerechtfertigt werden kann. Der Anlass für den Brief war die erschreckende Nachricht, dass jüdische Gesetzeslehrer in die Gemeinden in Galatien eingedrungen waren und ein „anderes Evangelium“ predigten. Es war daher die Absicht von Paulus, den Gläubigen in Galatien ganz klar zu machen, „dass der Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt wird“ (wie die jüdischen Gesetzeslehrer in ihrem „anderen Evangelium“ behaupteten), „sondern nur durch den Glauben an Jesum Christum“ (2,16). Paulus verfluchte alle, die ein „anderes Evangelium“ verkündigten und rief die Gläubigen auf, die Freiheit, welche das Evangelium bewirkt, zu bewahren.

Die jüdischen Gesetzeslehrer hatten auch den apostolischen Dienst von Paulus infrage gestellt und aus diesem Grund verteidigt Paulus, vor allem in den Kapiteln 1 und 2, seine göttliche Berufung.

Der Galaterbrief ist wahrscheinlich der erste Brief im NT, den Paulus geschrieben hatte. (In der zeitlichen Reihenfolge des NT ist er nach dem Jakobusbrief der zweite Brief, welcher überhaupt geschrieben worden war – siehe Karte 58. Paulus besuchte Galatien auf seiner ersten Missionsreise (Apg. 13,1 – 14,28) und als er, wahrscheinlich wieder zurück in Antiochien, von diesen Gesetzeslehrern hörte, schrieb er diese machtvolle Verteidigung „seines“ Evangeliums und seines apostolischen Dienstes.

Man könnte die Zeit der Niederschrift des Galaterbriefes auch später ansetzen und die Empfänger des Briefes als die Gläubigen ansehen, denen er auf seiner zweiten Missionsreise (Apg. 16,1-6) begegnete, d. h. dass der Brief an die Gemeinden in dem Landstück Galatien geschrieben wurde und nicht an die Gemeinden in der römischen Provinz Galatien. Es gibt aber einige Hinweise, die auf die frühere Niederschrift hindeuten, d. h. der Brief wurde, wie oben behauptet, kurz nach der ersten Missionsreise geschrieben, wahrscheinlich in Antiochien in Syrien.

Die erwähnten Hinweise lauten wie folgt:

1) Die Gewohnheit von Paulus, in allen seinen Briefen die römischen Provinznamen zu verwenden – z. B. „die Versammlungen Asiens (1. Kor. 16,19); „Versammlungen Gottes… die in Judäa sind“ (1. Thess. 2,14), „Versammlungen von Galatien“ (1. Kor. 16,1).

2) Wenn dieser Brief nach der Apostelversammlung in Jerusalem (Apg. 15,1-35) geschrieben worden wäre, hätte Paulus sicherlich die Entscheidung dieser Versammlung als Beweis gegen das „andere Evangelium“ angeführt.

3)Angeblich kannten die Galater Barnabas, der Paulus nur auf der ersten Missionsreise begleitete (Gal. 2,1; 2,9; 2,13)

4)Der Kern der Predigt des Paulus in der Synagoge zu Antiochien in Pisidien (Apg. 13,38–39) ist die Zentralaussage des Galaterbriefes (2,16) und vielleicht handelt es sich bei dem in Gal. 4,14 erwähnten Ereignis um das Willkommen in Lystra (Apg. 14,11-13).

Einige wichtige Informationen über den Brief werden in den folgenden Punkten kurz zusammengefasst:

1) Gruppe: 2 - Die Heilsbriefe

2) Datum der Niederschrift: ca. 49 n. Chr., von Antiochien in Syrien

3) Hintergrund: Apg. 13 - 14

4) Leserschaft: Die Gemeinden in Galatien (Antiochien, Ikonium, Lystra, Derbe)

5) Absicht: Paulus hatte gehört, dass die Gemeinden falsche Lehrer empfangen hatten, welche ein anderes Evangelium predigten (1,6-7). Paulus verfluchte diese Irrlehrer (1,8-9) welche lehrten, dass man erst durch das zusätzliche Einhalten des mosaischen Gesetzes gerettet wird. Paulus argumentierte, dass man nur durch Glauben an Jesus Christus gerettet wird.

6) Schlüsselwort: Freiheit (2,4; 3,28; 4,22; 4.23; 4,26; 4,30; 4,31, 5,1 (2x); 5,13)

7) Schlüsselvers „…dass der Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt wird, sondern nur durch den Glauben an Jesus Christus…“ (2,16)

8) Merkmale:

a) die Person und das Werk Jesu Christi
Etwa 40 mal wird unter Verwendung von verschiedenen Namen auf Jesus Christus hingewiesen:

der Sohn - 1,16; 4,4; 4,6
der Sohn Gottes - 2,20
Jesus - 6,17
Jesus Christus - 1,1; 1,12; 2,16; 3,1; 3,22
Christus Jesus - 2,4; 3,26; 3,28; 4,14; 2,16; 3,14; 5,6
Christus - 1,6; 1,7; 1,10; 1,22; 2,16-17; 2,20-21; 3,13; 3,16; 3,24; 3,27; 3,19; 4,19; 5,1-2; 5,4; 5,24; 6,2; 6,12
Herr - 1,19; 5,10
Herr Jesus - 6,18

Diese Namen erklären das ganze Bild der Person und das Wirken Jesu Christi (seine Göttlichkeit, seine Menschlichkeit, seinen stellvertretenden Tod, seine Auferstehung, seine Kraft zu erretten).

Andere Worte, die das Wesen des Briefes offenbaren, sind:

das Gesetz (31 mal)
das Fleisch (18 mal)
der Geist (15 mal)
der Glaube (22 mal)
die Verheißung (10 mal)
die Knechtschaft (und ähnliche Begriffe) (11 mal)
das Kreuz (6 mal)

b) das einzige Thema

Im Gegensatz zu anderen Briefen des Paulus, ganz besonders des 1. Korintherbriefes, behandelt Paulus in diesem Brief nur ein einziges Thema, und zwar das Heil ist nur durch den Glauben an Jesus Christus möglich.

Paulus nennt drei Beweise für diese Wahrheit:

c) die Bedeutung des Kommens Jesu Christi (4,4-7)

die Vorbereitung seines Kommens – „die Fülle der Zeit“ (4,4)
die jüdische Welt - Monotheismus und das Gesetz
die griechische Welt - Kultur und Sprache
die römische Welt - Friede (Pax Romana) und Straßensystem

die Absicht seines Kommens
die Erlösung der Sünder (4,5)
die Annahme an Sohnesstatt (4,5)
die Gabe des Heiligen Geistes (4,6-7)

9) Die Unterteilung des Galaterbriefes

Paulus will die Vorzüglichkeit des Evangeliums im Gegensatz zu der Nutzlosigkeit des Gesetzes im Hinblick auf die Errettung des Menschen herausstreichen. Dafür erbringt er folgende Beweise:

Diese drei Beweise liefern auch die Grundlage für die Unterteilung.

Karte 64 - Die Unterteilung des Galaterbriefes

1,1 – 10
EINLEITUNG

1,11 – 2,21

3 - 4

5,1 - 6,10

6,11 - 18
SCHLUSSWORT

AUTOBIOGRAFISCHER BEWEIS

LEHRMÄSSIGER BEWEIS

PRAKTISCHER BEWEIS

das Evangelium
geoffenbart !

das Evangelium prophezeit !

das Evangelium angewandt !

ENTWEDER:
Gesetzliche Tradition (2,21)

ODER:
Göttliche Offenbarung
(2,2)

ENTWEDER:
Gesetz – Fluch (3,10)

ODER:
Glaube – Leben
(3,11)

ENTWEDER:
Die Werke des Fleisches
(5,19 – 21)

ODER:
Die Frucht des Geistes (5,22)

EINTEILUNG DES GALATERBRIEFES

HAUPTGEDANKE:

DER GERECHTE WIRD AUS GLAUBEN LEBEN

1) EINLEITUNG 1,1 - 10

  1. Begrüßung (1,1-5)
  2. Grund des Schreibens (1,6-10)
2) AUTOBIOGRAFISCHER BEWEIS: DAS EVANGELIUM OFFENBART 1,11 - 2,21
  1. direkte Offenbarung des Evangeliums (1,11-24)
  2. apostolische Bestätigung des Evangeliums (2,1-10)
  3. persönliche Erfahrung des Evangeliums (2,11-21)
3) LEHRMÄSSIGER BEWEIS: DAS EVANGELIUM PROPHEZEIT 3,1 - 4,31
  1. dringende Bitte (3,1-5)
  2. Erfahrung Abrahams (3,6-14)
  3. Verheißung und Gesetz (3,15-22)
  4. Wesen der Sohnschaft (3,23-4,7)
  5. Gefahr des Abfalls (4,8-20)
  6. Bild des AT – Abrahams zwei Söhne (4,21-31)
4) PRAKTISCHER BEWEIS: DAS EVANGELIUM ANGEWANDT 5,1 - 6,10
  1. Berufung zur Freiheit (5,1-15)
  2. Fleisch gegen Geist (5,16-24)
  3. Wandel im Geist (5,25 – 6,10)

5) SCHLUSSWORT 6,11 - 18

Bevor man mit dem Studium der einzelnen Abschnitte beginnt, wäre es von Vorteil etwas über den Stil des Briefes zu verstehen. Der Brief ist in einem scharfen Ton gehalten und streitbarer als selbst der 2. Korintherbrief, wenngleich die werbende Liebe des Apostels um seine Brüder immer wieder durchbricht und seine Herzenshaltung verrät (siehe 3,15; 4,12).

Zu Beginn fehlt die sonst übliche Danksagung (1,1 ff) und am Schluss die Grüße an die Gemeindemitglieder (6,16 ff). Es geht Paulus in erster Linie um eine Apologie (Verteidigung) des Evangeliums Gottes (Röm. 1,1; Gal. 1,6) bezüglich der Einzigartigkeit des Evangeliums Jesu Christi gegenüber allem anderen, auch dem jüdischen Gesetz.

Es setzt daher mit den Worten ein: „Ich wundere mich über euch…“ (1,6) und schließt: „In Zukunft mache mir niemand weitere Mühe…“ (6,17).

Offenbar hatte dieser Brief des Paulus den gewünschten Erfolg, denn man hört von nichts mehr, was ihm von Seiten der Galater noch „Mühe gemacht hätte“. Im Gegenteil, man kann aus 1. Kor. 16,1 entnehmen, dass die galatischen Gemeinden wieder volle Gemeinschaft mit Paulus und seinem Werk hatten.

1) EINLEITUNG 1,1 – 10

a) Begrüßung (1,1-5)
b) Grund des Schreibens (1,6-10)

ad a) Begrüßung 1,1 – 5

Paulus fängt diesen Brief mit einer Behauptung seiner apostolischen Berufung an und ohne Lobworte wendet er sich mit ernsten Worten an die Gläubigen.

ad b) Grund des Schreibens 1,6 – 10

Der Apostel stellt ganz klar fest, worum es geht; es gibt (oder gab) in den Gemeinden Galatiens „etliche, die euch verwirren“ (1,7). (Das Wort „verwirren“ ist im Griechischen „tarasso“ und bedeutet „heftige Bewegung, erschüttern“; es kommt auch in 5,10 und in Joh. 5,4 „Bewegung des Wassers“ vor). Paulus wunderte sich, dass die Galater „zu einem anderen Evangelium (die Bedeutung ist nicht von derselben Art seines Evangeliums) umgewandt sind, welches kein anderes (von derselben Art seines Evangeliums) ist“ (1,6).

2) AUTOBIOGRAFISCHER BEWEIS: DAS EVANGELIUM GEOFFENBART 1,11 – 2,21

  1. direkte Offenbarung des Evangeliums (1,11-24)
  2. apostolische Bestätigung des Evangeliums (2,1-10)
  3. persönliche Erfahrung des Evangeliums (2,11-21)

Wenn man die Briefe im NT liest, muss man „zwischen den Zeilen“ lesen bzw. sich vorstellen, was vorgefallen ist oder was der Schreiber über die jeweilige Situation weiß, dass er jetzt auf diese bestimmte Art und Weise zurückschreibt. (Es ist vielleicht mit einem Telefongespräch zu vergleichen, wo man nur einen Teilnehmer hören kann und aufgrund dessen Worte sich vorstellen muss, was derjenige am anderen Ende der Leitung sagt). Jene Gesetzeslehrer, welche nach Galatien gekommen waren, brachten nicht nur eine falsche Lehre, sondern sie verleumdeten auch Paulus. Dies ist auch immer die Methode des Feindes, bevor er seine Lügen anbringt, stellt er die Integrität der Person, welche die Wahrheit gesagt hat, in Frage. Als Satan Eva versuchte stellte er die Integrität der Person Gottes in Frage (siehe 1. Mose 3,1-6). Welche Lügen verbreiteten sie, um die Person Paulus in ein schlechtes Licht zu stellen? Man kann mindestens vier solcher Lügen feststellen:

1. Paulus predigt überall das Evangelium (so wie er es auch in Galatien gepredigt hat), damit er Menschen zufrieden stellen und ihnen so gefalle. (1,9-10)
2. Das Evangelium, wie Paulus es verkündigt, ist von Menschenhand. (1,10)
3. Paulus hatte es verabsäumt zu sagen, dass die Söhne Abrahams diejenigen sind, welche das Gesetz halten. (3,3)

Die Kennzeichen dafür sind:
a) die Beschneidung (5,2)
b) die Einhaltung der religiösen Feste und Bräuche (4,10)

4. Paulus predigt anderswo die Beschneidung (5,11)

Als Antwort auf diese Verleumdungen stellt Paulus in diesem autobiografischen Abschnitt grundsätzlich drei Aspekte fest:ad a) Direkte Offenbarung des Evangeliums 1,11 – 26

Die Quelle seiner Botschaft war göttlicher Natur.

ad b) Apostolische Bestätigung des Evangeliums 2,1 – 10

Die Führer Jerusalems hatten diese Botschaft bestätigt.

ad c) Persönliche Erfahrung des Evangeliums 2,11 – 21

Paulus, der große Pharisäer und Eiferer für das Gesetz, hatte persönlich erlebt, „dass der Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt wird, sondern nur durch den Glauben an Jesus Christus“. Aus diesem Grund widerstand Paulus auch Petrus und wies ihn zurecht, als dieser versuchte, die Forderungen des Gesetzes zu erfüllen.

3) LEHRMÄSSIGER BEWEIS: DAS EVANGELIUM PROPHEZEIT 3,1 – 4,31

  1. Dringende Bitte (3,1-5)
  2. Erfahrung Abrahams (3,6-14)
  3. Verheißung und Gesetz (3,15-22)
  4. Wesen der Sohnschaft (3,23-4,7)
  5. Gefahr des Abfalls (4,8-20)
  6. Bild des AT – Abrahams zwei Söhne (4,21-31)
Dieser Abschnitt kann wie folgt zusammengefasst werden:

Paulus stellt die Frage, ob die Galater die Vollendung im Glauben durch Gesetzeswerke oder durch den Geist erlangen wollen? Was sagt die Schrift? „Abraham glaubte Gott und es wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet“ (3,6). Er wurde durch Glauben gerechtfertigt.

Die Verheißung, so argumentiert Paulus, wurde Abraham vor dem Gesetz gegeben. Das Gesetz wurde nur dafür gegeben, um die Übertretungen deutlicher zu machen (3,19) und zu Christum hinzuführen (3,24), d. h. die Verheißung ist dem Gesetz in zwei Hinsichten überlegen: erstens in Zeit und zweitens in Absicht.

Paulus verwendet das Bild der zwei Söhne Abrahams, Ismael und Isaak, um das Prinzip zu verdeutlichen, dass nicht beide, das Gesetz und die Gnade, zur Gerechtigkeit führen können (4,21-31).

ad a) Dringende Bitte 3,1 – 5

Man kann direkt die Spannung in den eindringlichen Worten des großen Apostels spüren, als er um die Seelen der Galater kämpft. Er beginnt mit den Worten: „O unverständige Galater!“ (unverständig“ steht für das griechische Wort „anoetos“ und bedeutet „nicht wissend“ – „a“ ist ein negatives Präfix und „noeo“ bedeutet „zu wissen, verstehen“).

Dann stellt der Apostel sechs Fragen:

  1. „Wer hat euch bezaubert?“
  2. „Habt ihr den Geist aus Gesetzeswerken empfangen, oder aus der Kunde des Glaubens?“
  3. „Seid ihr so unverständig?“
  4. „Wollt ihr jetzt im Fleische vollenden?“
  5. „Habt ihr so vieles vergeblich gelitten?“
  6. „Der euch nun den Geist darreicht … aus Gesetzeswerken oder aus der Kunde des Glaubens?“

ad b) Erfahrung Abrahams 3,6 – 14

In diesem Abschnitt beginnt Paulus mit dem lehrmäßigen Argument. Er geht dabei zurück auf Abraham und die Verheißungen, welche Gott dem Abraham gab. Diese Verheißungen erhielt Abraham in 1. Mose 12 und in 1. Mose 15 wurden sie ihm bestätigt. Sie bestanden aus drei Aspekten:

  1. persönlich - gilt für Abraham - „Ich will deinen Namen groß machen…“
  2. national - gilt für Israel - „Ich will dich zu einer großen Nation machen…“
  3. universell - gilt für alle - „In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde“.

Der letzte Teil der Verheißungen ist ein klarer Hinweis auf den kommenden Messias. Man kann auch sagen, dass der mit Abraham geschlossene Bund (die Verheißungen sind die Grundlage für diesen Bund) ein Bund der GNADE war (und ist). Drei Gründe sprechen dafür:

1. In 1. Mose 15 (Bestätigung des Bundes) werden keine Bedingungen genannt.

2. Sogar in Zeiten größten Ungehorsams (z. B. Jer. 31) bestätigte der Herr seinem Volk seinen Bund. Wäre die Erfüllung des Bundes von dem Gehorsam der Menschen abhängig, hätte Gott diesen Bund längst beiseitegelegt.

3.Der Bund wird ein ewiger Bund genannt (1. Mose 17,7 und 17,9).

ad c) Verheißung und Gesetz 3,15 – 22

Ganz besonders die Wahrheit in 3,16 wird zum springenden Punkt in der Beweisführung des Apostels. Als Gott dem Abraham Verheißungen machte, sagte er nicht „und den Samen, als von vielen, sondern als von deinem Samen, welcher Christus ist“. Diese Verheißungen galten eigentlich Christus. Man kann diese Wahrheit folgendermaßen darstellen:

Das Gesetz, welches am Berg Sinai gegeben wurde, 430 Jahre nachdem Abraham von Gott diese Verheißung empfangen hatte, konnte

  1. diese Verheißung nicht außer Kraft setzen,
  2. diese Verheißung nicht ersetzen,
  3. dieser Verheißung nicht gleich sein.

Kinder Gottes, welche jetzt in Christus sind, sind nicht verpflichtet das Gesetz Mose (Berg Sinai) zu halten. Da sie in Christus sind, sind sie dank ihrer Stellung Empfänger der Verheißung Gottes ohne ihrem Dazutun, sei es durch die Einhaltung des Gesetzes, der Beschneidung oder durch das Halten von irgendwelchen religiösen Feierlichkeiten. Der Schlüssel ist GLAUBEN und nicht WERKE!

ad d)  Wesen der Sohnschaft 3,23 – 4,7

Die Funktion des Gesetzes war, wie ein „Zuchtmeister“ zu wirken. (Das Wort „Zuchtmeister“ ist im Griechischen „Paidagogos“ und bedeutet „ein Führer, oder jemand der Aufsicht übt“. Das Wort bedeutet nicht Lehrer, = jemand der Wissen vermittelt, sondern hat vielmehr die Bedeutung von Aufsicht im Hinblick auf den täglichen Ablauf, in Hinsicht auf Ernährung, Reinheit und Sicherheit. Der „Paidagogos“ war normalerweise ein Sklave, dem der Meister des Hauses so viel Vertrauen entgegengebracht, dass er mit der Aufsicht der Kinder des Hauses betraut wurde. Er begleitete sie täglich auf ihrem Weg zur Schule, holte sie auch wieder ab und war sonst für alles zuständig, was mit ihrem Wohle zu tun hatte). Dieses Bild wird von Paulus so verwendet, dass das Gesetz dieser „Paidagogos“ war, welcher uns zu dem Lehrmeister (Christus) hinführte.

 

Gott hat das Gesetz niemals als Endziel eingesetzt, sondern als Mittel zum Ziel. Die falschen Gesetzeslehrer in Galatien aber hatten die Gläubigen davon überzeugt, dass das Gesetz DAS ZIEL sei, obwohl sie es von Paulus ganz anders gehört hatten.

Paulus sagt über das Wesen der Sohnschaft: „Wenn ihr aber Christi seid, so seid ihr denn Abrahams Same, nach Verheißung Erben“ (3,29); und: „Weil ihr aber Söhne seid, so hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, der da ruft: „Abba, Vater!“ Also bist du nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott“ (4,7).

ad e)  Gefahr des Abfalls 4,8 – 20

Paulus erinnert die Galater an ihren Wandel, bevor sie gläubig wurden: Sie hatten den Götzen gedient und waren daher unter die Knechtschaft dieser gekommen. Jetzt als Kinder Gottes sind sie durch das Halten des Gesetzes in die Knechtschaft zurückgegangen: „..ihr beobachtet Tage und Monate und Zeiten und Jahre“. (4,10).

Weiters erinnert er sie daran, wie sie ihn aufgenommen hatten, als er die Botschaft zu ihnen gebracht hatte. Er hatte in der „Schwachheit des Fleisches“ gedient (4,13). In Vers 15 macht Paulus eine Andeutung was diese Schwachheit hätte sein können: „…wenn möglich, eure Augen ausgerissen und mir gegeben hättet“. Paulus hatte schwache Augen! War dies eine Folge der temporären Erblindung bei seiner Bekehrung? (Apg. 9,8-9). War dies der „Dorn für das Fleisch“? (2. Kor.2,7). War dies der Grund, warum er seine Briefe selten selber schrieb? (Um seine wirkliche Sorge für die Galater auszudrücken, hatte er, trotz des Augenleidens wovon sie genau Bescheid wussten, den Galaterbrief eigenhändig geschrieben – Gal. 6,11). Obwohl sie ihm damals alles gegeben hätten, hatten sie sich jetzt von seiner Person (und als Folge davon auch von seiner Lehre) distanziert.

ad f)   Bild des AT – Abrahams zwei Söhne 4,21 – 31

Als letztes Glied der Kette seiner Beweisführung, führt Paulus die Galater nochmals zurück zu Abraham und seinen zwei Söhnen.

„Also, Brüder, sind wir nicht Kinder der Magd; sondern der Freien.“ (4,31)

4)      PRAKTISCHER BEWEIS: DAS EVANGELIUM ANGEWANDT   5,1  -  6,10

  1. Berufung zur Freiheit (5,1-15)
  2. Fleisch gegen Geist (5,16-24)
  3. Wandel im Geist (5,25 - 6,10)

Paulus verwendet verschiedene Beispiele, um die Überlegenheit des Lebens im Geist gegenüber der Knechtschaft unter dem Gesetz darzustellen.

Die Gegensätze sind deutlich „so viele ihr im Gesetz gerechtfertigt werdet; ihr seid aus der Gnade gefallen (5,4). Das Sterben Jesu ist dann kein Gewinn für diese Person.

Was ist das Geheimnis des Sieges? Paulus gibt eine ganz klare Antwort darauf: „…wandelt im Geist“. Dieser Wandel wird auch praktische Auswirkungen in der Gemeinde haben (5,26 – 6,10).

ad a)  Berufung zur Freiheit 5,1 – 15

„Für die Freiheit hat Christus uns freigemacht“ (5,1). Im Griechischen haben diese zwei Worte die Bedeutung: „…für die Freiheit, welche stets in der Gegenwart ausgelebt werden sollte, hat Christus uns ein für allemal in der Vergangenheit freigemacht“. Dies ist das Vorrecht, welches die Galater geopfert hatten, als sie den Gesetzeslehrern gefolgt waren.

ad b)  Fleisch gegen Geist 5,16 – 24

In keiner anderen Stelle sind die Gegensätze, welche Paulus aufzeigen will, so klar dargelegt: die Werke des Fleisches oder die Frucht des Geistes. Im Galaterbrief gibt es auch noch andere Gegenüberstellungen:

GESETZ
Das Gesetz zeigt unsere Not auf.
Das Gesetz sagt: „Du musst tun!“
Das Gesetz sagt: „Du musst deine Errettung                      erarbeiten!“

GNADE
Die Gnade begegnet dieser Not.
Die Gnade sagt: „Es ist alles getan!“
Die Gnade sagt: „Die Errettung ist frei!“

WERKE
Durch Werke jagt man der Errettung ständig nach.

GLAUBEN
Durch Glauben wird uns die Errettung geschenkt.

DAS FLEISCH
Durch das Fleisch sündigen wir ständig.

DER GEIST
Durch den Geist haben wir täglich Sieg über Sünde.

DIE WELT
Die Welt bedeutet Streit und Ichbezogenheit.

DAS KREUZ
Das Kreuz bedeutet Liebe und Opferbereitschaft.

Die neunteilige Frucht des Geistes kann wie folgt dargestellt werden:

ad c)  Wandel im Geist 5,25 – 6,10

Paulus ermahnt die Galater jetzt, wie sie im Geist wandeln sollen.

5) SCHLUSSWORT   6,11  -  18

Paulus schließt mit seiner Sorge um das Evangelium und auch seiner persönlichen Teilnahme an seiner Botschaft. Seine Hingabe für diese Botschaft hat er bereits bewiesen (6,14; 6,17). Seine letzten Worte drücken die Hoffnung aus, dass nach seinem Brief die Angelegenheit ein für allemal geklärt ist.


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