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2. KORINTHER 8 - 13

TEIL 30

HAUSAUFGABE

BIBEL: 2. Kor. 8 -13 aufmerksam durchlesen.

FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen, bevor die Unterlagen durchgelesen werden.

a) In 8,1 – 9,15 werden einige Prinzipien bezüglich des christlichen Gebens erläutert. Versuche fünf herauszufinden.

b) Wenn man den Abschnitt in 10,1-18 genau durchliest, kann man „zwischen den Zeilen“ zwei Vorwürfe der Korinther gegen Paulus „heraushören“. Welche waren dies?

c) Welche Taktik verwendeten die falschen Apostel in 11,1-15?

d) Fasse das Schlusswort in 13,11-14 in eigenen Worten zusammen.

UNTERLAGEN: NT-Teil 30 aufmerksam durchlesen

3) PROBLEME DES CHRISTLICHEN GEBENS 8,1 - 9,15

a) Ein williger Geist (8,1-24)
b) Ein fröhliches Gemüt (9,1-15)

In diesem Abschnitt wird wieder ein Thema angeschnitten, welches von Paulus bereits im ersten Brief behandelt wurde, nämlich das „christliche Geben“.

In Apg. 19,21 wird von einem Plan berichtet, welchen Paulus gefasst hatte. Zuerst liest man: „als dies aber erfüllt war“, d. h. die Evangelisierung von Galatien, Achaja, Mazedonien und Asien (die drei Missionsreisen 13,1 – 21,14). Paulus fasste nun neue Gebiete ins Auge, wo bis zu diesem Zeitpunkt noch kein Mensch evangelisiert hatte; er wollte z. B. Spanien besuchen (siehe Röm. 15,20; 15,24 und 15,28). Zuvor wollte er aber noch eine Geldspende von den, überwiegend aus Heiden bestehenden, örtlichen Gemeinden in Mazedonien und Achaja organisieren, um die armen jüdischen Glaubensgenossen in Jerusalem zu unterstützen. Aus diesem Grund wollte er zuerst nach Jerusalem, um die finanzielle Gabe zu übergeben, und dann weiter nach Rom reisen, wo er einen kurzen Aufenthalt einplante. Rom sollte dem Paulus als Sprungbrett für die Evangelisierung in Spanien dienen (siehe 2. Kor. 8,9; Röm.15,25-27). Paulus verstand diese Geldgabe als Abschluss seines Dienstes in Mazedonien und Achaja, sowie auch als Zeichen der Verbundenheit und Dankbarkeit, wie er dies in Röm. 15,27 zum Ausdruck bringt „auch sie (die heidnischen Gläubigen in Mazedonien und Achaja) sind ihre (die jüdischen Gläubigen in Jerusalem, besonders „die Dürftigen unter den Heiligen“) Schuldner. Denn wenn die Nationen ihrer geistlichen Güter teilhaftig geworden sind, so sind sie schuldig, ihnen auch in den leiblichen zu dienen“. In diesem Sinne richtet Paulus die Worte in 2. Kor. 8,1 – 9,15 an die Korinther-Gemeinde.

ad a) Ein williger Geist 8,1 – 24
Der Apostel spricht zuerst von dem Beispiel der Gemeinden in Mazedonien (d. h. Philippi, Thessalonich und Beröa). Es hat den Anschein, dass die Idee, den Dürftigen in Jerusalem zu helfen, überhaupt von den Gläubigen aus diesen Gemeinden stammte (8,4). Die Gemeinde in Korinth war in so vielen Dingen überströmend, „in Glauben und Wort und Erkenntnis und allem Fleiß und in eurer Liebe…“ (8,7), jetzt sollen sie auch überströmend in der Gnade für die anderen sein. In Vers 9 wird das Beispiel des Herrn Jesus dargestellt. In 8,11-24 werden einige Prinzipien aufgezeigt, welche mit christlichem Geben und Geld zusammenhängen:

1. die Voraussetzung ist die Geneigtheit zum Wollen (V. 11)
Das Wort Geneigtheit ist im Griechischen „prothymia“ und bedeutet „Eifer, Willigkeit oder Bereitwilligkeit“; es kommt in 8,12; 8,19 und 9,2 vor. Das Wort wird in Apg. 17,11 als Bereitwilligkeit wiedergegeben und beschreibt die Aufgeschlossenheit der Gläubigen in Beröa, das Wort Gottes zu lesen und zu studieren.

Geld geben ist zuerst eine Sache des Herzens und des Willens, danach erst kommt die Frage „wie viel?“ bzw. danach erst ist das Geld geben eine Sache der Brieftasche. Diese Wahrheit wird auch in 9,7 unterstrichen: „Ein jeder, wie er sich in seinem Herzen vorsetzt“ (gr. „proaireomai“ = auszuwählen).

2. das Geben soll im Verhältnis zu den jeweiligen materiellen Verhältnissen stehen (V. 12-15)
Paulus sagt, es sollte „Gleichheit“ (V. 14) existieren. Vielleicht hat einer gerade viel und kann dem geben, der im Augenblick weniger hat; eines Tages kann genau das Gegenteil eintreten. Das christliche Geben soll eine eigene Dynamik haben.

3. bei der Handhabung mit Geld muss große Vorsicht walten (V. 16-24)
Paulus schickt Titus nicht allein, um die Gabe abzuholen, sondern Erastus begleitet ihn (siehe Apg. 19,22). Warum? „Indem wir dies verhüten, damit nicht jemand übel nachrede dieser reichen Gabe wegen … denn wir sind vorsorglich für das, was ehrbar ist, nicht allein vor dem Herrn, sondern auch vor den Menschen“ (8,20-21). Paulus wusste, dass man in Sachen Geld nie vorsichtig genug sein kann.

ad b) Ein fröhliches Gemüt 9,1 – 15
Hier ist nun die Ergänzung zu der im ersten Abschnitt behandelten Wahrheit:

Paulus zeigt hier, dass, obwohl die Gemeinden in Mazedonien zum gegenwärtigen Zeitpunkt denen in Achaja voraus waren, bei den Gemeinden in Achaja die Bereitschaft zum Geben schon seit einem Jahr vorhanden war. Nun soll das, was von den Korinthern groß angekündigt worden war, auch in die Tat umgesetzt werden. Deswegen sandte der Apostel Mitglieder seiner apostolischen Mannschaft voraus, um bezüglich der Sammlung alles in die Wege zu leiten und die Geldgabe dann mitzubringen.

Gott liebt einen fröhlichen Geber. Verdruss (gr. „ek lypes“ = „aus schwerem Herzen“; „lypes“ wurde in 2,1 mit „Traurigkeit“ übersetzt) oder Zwang (gr. „ek ananke“ bedeutet „Notwendigkeit“ sollen das Geben nicht begleiten. Gott sieht das Herz; er allein weiß, aus welchem Herzen gegeben wird.

Die in Kap. 8 begonnene Liste von Prinzipien bezüglich des Gebens kann daher auch in Kap. 9 fortgesetzt werden:

4. Gott liebt einen fröhlichen Geber (V. 7)
Das Wort fröhlich ist im Griechischen „hilaros“. Das Hauptwort davon ist „hilasterion“, welches im NT für die Versöhnung verwendet wird. Das Geben sollte denselben Motiven entspringen wie die Versöhnung, welche Gott uns freiwillig gab, bewogen durch Liebe und Barmherzigkeit gegenüber dem Empfänger.

5. Gott segnet uns in demselben Maße, in dem wir bereit sind zu geben (V. 6)
„Wer sparsam sät, wird auch sparsam ernten, und wer segenreich (freigiebig) sät, wird auch segenreich ernten“.

4) PROBLEME DES CHRISTLICHEN DIENERS 10,1 - 13,10

a) Rechtfertigung des apostolischen Dienstes (10,1 - 12,13)
b) Ermahnungen (12,14 - 13,10)

In diesem letzten großen Abschnitt seines Briefes, kehrt Paulus zu einem ähnlichen Thema zurück, wie er es am Anfang des Briefes behandelt hat. In 10,2 greift er den Vorwurf der Korinther „er wandle nach dem Fleisch“, welchen er bereits in 1,17 erwähnte, wieder auf. In 10,2-3 kommt es zu einem Wortspiel mit dem Ausdruck „Fleisch“. Dieser Ausdruck kommt im NT etwa 150 mal vor. Er beinhaltet drei Bedeutungen:

1. die Menschheit (siehe Apg. 2,17; 1. Kor. 1,29)
2. der Körper (siehe Joh. 1,14; Apg. 2,31)
3. die sündhaftige Dimension im Menschen (siehe Gal. 5,19; Eph. 2,3)

1. Kor. 2,14 – 3,3 offenbart drei verschiedene Arten von Menschen:

1. der natürliche Mensch (2,14)
der Ungläubige, der alte Mensch, nicht wiedergeboren, kein geistliches Verständnis, die Dinge Gottes sind eine Torheit, lebt in Sünden

2. der fleischliche Mensch (3,1)
der Gläubige, der neue Mensch, wiedergeboren, hat geistliches Verständnis, seine Lebensweise unterscheidet sich jedoch nur wenig von der des natürlichen Menschen

3. der geistliche Mensch (2,14 – 3,1)
der Gläubige, der neue Mensch, wiedergeboren, hat geistliches Verständnis, sein Leben ist von Heiligung gekennzeichnet

Die Korinther warfen Paulus Fleischlichkeit im Sinne von 1. Kor. 3,1, vor. Paulus bejahte, dass er im Fleisch wandelt (beachte, nicht nach dem Fleische) und meint damit, dass er sich noch in seinem körperlichen Leib befindet. Als Beweis dafür, dass er nicht nach dem Fleisch wandelt, führt Paulus seinen geistlichen Kampf an, welchen er mit göttlichen Waffen austrägt. Diese Waffen sind gegeben, damit Festungen zerstört werden. Eine Festung ist im Griechischen „ochyroma“ und kommt von dem Tätigkeitswort „festmachen, sicher machen“. Satan hat in der Gedankenwelt der Kinder Gottes bestimmte Festungen eingebaut. Wie werden diese Festungen zerstört?

1. Vernunftschlüsse werden zerstört (V. 5)
2. jede Höhe, die sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes, und jeder Gedanke wird gefangen genommen unter dem Gehorsam des Christus (V. 5)

In 10,7-18 geht Paulus auf einen weiteren Vorwurf der Gläubigen ein; besonders in 10,10 kommt dies zum Ausdruck: „Denn die Briefe, sagt man, sind gewichtig und kräftig, aber die Gegenwart des Leibes ist schwach und die Rede verächtlich“. Die Korinther sahen auf das, was vor Augen war (10,7).

In 11,1-15 geht Paulus auf ein noch größeres Problem ein. Irrlehrer waren in die Gemeinde eingedrungen und predigten ein anderes Evangelium.

Man kann ihre Verführung wie folgt darstellen:

Sie predigten ein anderes

EVANGELIUM

||

Sie predigten einen anderen

JESUS

||

Die Gläubigen empfingen einen anderen

GEIST

In V. 4 ist das Wort für „anderen“ in Bezug auf Jesus „allos“ und bedeutet „ein anderer von derselben Art“. Das Wort für „anderes“ bzw. „anderen“ in Bezug auf das Evangelium und den empfangenen Geist ist „heteros“ und bedeutet „ein anderer von einer anderen Art“. Dies war die Hinterlist dieser falschen Apostel - sie predigten Jesus als den Herrn, eine Person, welche sehr schwer zu unterscheiden war von der wirklichen Person des Herrn Jesus Christus. Die einzige Möglichkeit dies festzustellen, ist die genaue Überprüfung des Evangeliums, welches sie predigen – es ist ein „andersartiges“ Evangelium. Weiters kann man feststellen, dass Menschen, welche dieses andersartige Evangelium glauben, einen andersartigen Geist bekommen.

In 11,16 – 12,13 folgt die ausführlichste und leidenschaftlichste Verteidigung des apostolischen Amtes des Paulus. Grundsätzlich unterscheidet sich das Amt des Paulus in drei Aspekten von diesen falschen Aposteln:

1. seine unzähligen Leiden als Diener Gottes (11,16-33)
2. seine wunderbare Offenbarung im dritten Himmel (12,1-11) *)
3. sein fester Entschluss, niemals finanzielle Gegenleistungen für seinen Dienst anzunehmen (12,12-13)

*) Die Tatsache, dass Paulus in diesem Zusammenhang diese sonst nirgendwo erwähnte Wahrheit von einem Geheimnis in seinem vergangenen Leben anführt, zeigt, wie prekär und ernst die Lage in Korinth war. Man kann sagen, dass der große Apostel alles auf eine Waagschale wirft, um die Herzen der Korinther zu gewinnen.

ad b) Ermahnungen 12,14 – 13,10
Abschließend ermahnt Paulus die Korinther im Hinblick auf einen bevorstehenden dritten Besuch. Er will, dass sein Besuch in Korinth ein Erfolg wird – die geistlichen Voraussetzungen müssen stimmen.

5) SCHLUSSWORT 13,11 - 13

Nach den scharfen Worten der vorangegangenen Kapitel endet Paulus mit Worten des Trostes und der Auferbauung für die Korinther. Die fünf Ermutigungen des Apostels stehen alle in der Gegenwarts-Befehlsform:

  1. freuet euch
  2. werdet vollkommen
  3. seid getrost oder werdet ermuntert
  4. seid eines Sinnes
  5. seid in Frieden
Trotz aller Probleme, welche die Korinther dem Apostel bereitet hatten, sagt er „grüßet einander mit heiligem Kuss“.

Als Abschluss folgt eine der herrlichsten Doxologien des NT:

die GNADE des Herrn Jesus Christus
die LIEBE Gottes
die GEMEINSCHAFT des Heiligen Geistes

sei mit euch allen!

Paulus wünschte allen diese Segnungen der Dreieinigkeit, sowohl der Gruppe, welche nun zu ihm hielt, als auch der Gruppe, welche noch immer gegen ihn rebellierte!

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